[0001] Die Erfindung betrifft eine Überstoß-Energieverzehreinrichtung für Schienenfahrzeuge
nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Aus der DE 36 32 578 A1 ist eine gattungsgemäße Energieverzehreinrichtung bekannt,
die einen horizontalen, im wesentlichen geraden Kupplungsquerträger aufweist, der
längsverschieblich im Fahrzeug-Kopfstück angeordnet ist und der in der Fahrzeuglängsachse
gelenkig die Mittelpufferkupplung mit der primär Energieverzehreinrichtung und seitlich
nahe seinen Querenden die sekundäre Energieverzehreinrichtung trägt. Die primäre Energieverzehreinrichtung
soll die beim Fahr- und Rangierbetrieb auftretenden Kräfte absorbieren, die sekundäre
Energieverzehreinrichtung soll die aus überhöhten Auflaufstößen (Überstößen) resultierende
Aufstoßenergie aufnehmen. Die sekundäre Energieverzehreinrichtung ist in Form von
seitlich angeordneten, seitenpufferähnlichen Stoßelementen ausgebildet. Die Stoßelemente
tragen stirnseitig Kletterschutzprofile.
[0003] Bei Auflaufstößen innerhalb der zulässigen Grenzen wird die gesamte Energie in der
primären Energieverzehreinrichtung, die hier innerhalb einer Mittelpufferkupplung
angeordnet ist, aufgenommen. Beim Überschreiten der zulässigen Auflaufgeschwindigkeit
und damit beim Überschreiten eines vorgegebenen Stoßenergieniveaus treffen die Kletterschutzeinrichtungen
der Stoßelemente auf ein Hindernis oder die Kletterschutzeinrichtung eines anderen
Schienenfahrzeuges, wobei dann die sekundäre Energieverzehreinrichtung durch Zurückweichen
des Stoßelementes in Tätigkeit gesetzt wird. Die überschüssige Aufstoßenergie wird
dann innerhalb der sekundären Energieverzehreinrichtung in Reibungs- bzw. Verformungsarbeit
umgesetzt. Mit dem Zurückweichen des Stoßelementes wird zwangsläufig die Verspannung
des Kupplungsquerträgers mit den Konsolen des Schienenfahrzeuges gelöst. Der Kupplungsquerträger
kann jetzt zusammen mit der Mittelpufferkupplung soweit zurückgedrückt werden, bis
die Aufstoßenergie in der sekundären Energieverzehreinrichtung an den Konsolen vollständig
in Reibungs- bzw. Verformungsarbeit umgesetzt ist.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Überstoß-Energieverzehreinrichung
für Schienenfahrzeuge zu schaffen, die Überstöße auf die Stirnseite eines Schienenfahrzeuges
abbaut und das Versagen der tragenden Fahrzeugstruktur verzögert oder verhindert.
[0005] Diese Aufgabe wird durch die im Anspruch 1 gekennzeichnete Überstoß-Energieverzehreinrichtung
gelöst.
[0006] Zweckmäßige Ausgestaltungen und Weiterbildung der Erfindung sind in den Unteransprüchen
2 bis 12 angegeben.
[0007] Die Erfindung ist nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Es zeigen
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung der Überstoß-Energieverzehreinrichtung von zwei mittels
Mittelpufferkupplungen gekuppelten Fahrzeugenden im Teilschnitt in Draufsicht;
- Fig. 2
- die schematische Darstellung gemäß Fig. 1 mit ausgelenkten, längsverschobenen Überstoß-Energieverzehrelementen
nach einem Überstoß;
- Fig. 3
- eine Stirnseitenansicht eines Schienenfahrzeuges mit Stoßplatten und zusätzlichen
Energieverzehrelementen;
- Fig. 4
- eine Seitenansicht im Teilschnitt des Schienenfahrzeuges nach Fig. 3 in vereinfachter
Darstellung;
- Fig. 5
- eine Stirnseitenansicht eines Schienenfahrzeuges mit Stoßplatten und zusätzlichen
Energieverzehrelementen einer zweiten Bauart und
- Fig. 6
- eine Seitenansicht im Teilschnitt des Schienenfahrzeuges nach Fig. 5 in vereinfachter
Darstellung.
[0008] In Fig. 1 sind zwei Endbereiche zweier Schienenfahrzeuge 1 dargestellt, die über
Mittelpufferkupplungen 2 miteinander gekuppelt sind. Die aus dem normalen Eisenbahnbetrieb
auftretenden Stoßkräfte werden in einer primären Energieverzehreinrichtung 3 abgebaut.
Dieser primären Energieverzehreinrichtung 3 ist eine sekundäre Energieverzehreinrichtung,
nämlich eine Überstoß-Energieverzehreinrichtung 4, nachgeschaltet, die nach Erschöpfen
der primären Energieverzehreinrichtung den weiteren Stoß- und Energieabbau bewirkt.
Die Überstoß-Energieversehreinrichtung 4 weist mindestens ein Überstoß-Energieverzehrelement
5 und ein Krafteinleitungselement 6, z. B. eine pufferähnliche Stoßplatte, auf. Die
Überstoß-Energieverzehreinrichtung 5 und dessen Krafteinleitungselement 6 ist vor
dem Beaufschlagen innerhalb oder im wesentlichen innerhalb der Fahrzeugkontur angeordnet.
Nach dem Auslösen der Überstoß-Energieverzehreinrichtung 4 über einen Auslösemechanismus
7 wird das Überstoß-Energieversehrelement 5 gegen die Stoßrichtung nach vorn außerhalb
der stirnseitigen Fahrzeugkontur verschoben. Dabei gelangt das Überstoß-Energieverzehrelement
5 des ersten Schienenfahrzeuges 1 über das Krafteinleitungselement 6 (Stoßplatte)
zur Anlage an ein gleichartiges Krafteinleitungselement 6 eines Überstoß-Energieverzehrelementes
5 des gekuppelten zweiten Schienenfahrzeuges 1. Bei Fortdauer der Relativbewegungen
gegeneinander bewirken die Überstoß-Energieversehrelemente 5 beider Schienenfahrzeuge
1 den weiteren Stoß- und Energieabbau.
[0009] Vorteilhaft sind die Überstoß-Energieverzehreinrichtungen 4 der Schienenfahrzeuge
1 symmetrisch zur Fahrzeuglängsachse angeordnet, was durch eine symmetrische Anordnung
von Überstoß-Energievertehrelementen 5 zu beiden Seiten der Mittelpufferkupplung 2
erzeugt wird. Der Auslösemechanismus 7 für den Vorschub der Überstoß-Energieverzehrelementen
5 wird durch die Mittelpufferkupplung 2 angesteuert.
[0010] Im Ausführungsbeispiel erfolgt der Vorschub der Überstoß-Energieverzehrelemente 5
durch ein mechanisches Getriebe. Dabei ist das mechanische Getriebe durch eine paarige
Hebelanordnung gebildet, die symmetrisch zum Kupplungsgelenk 8 und dem Lagerbock 9
angeordnet ist.
[0011] Die Hebelanordnung weist je einen zu den Fahrzeugaußenseiten gerichteten Hebel 10
auf, dessen eines Ende in der Längsmittelebene des Schienenfahrzeuges 1 am Lagerbock
9 für die Mittelpufferkupplung 2 in einem Gelenk 11 angelenkt ist und an dessen anderem
Ende eine in Fahrzeuglängsrichtung ausgerichtete und geführte Stange 12 über ein Gelenk
13 angeordnet ist. Der Hebel 10 ist zwischen den endseitigen Gelenk 11, 13 am Schienenfahrzeug
1 in einem Stützbock 14 abgestützt. Der Lagerbock 9 und die daran angelenkte Mittelpufferkupplung
2 sind bei einem Überstoß begrenzt längsverschieblich im Untergestell des Schienenfahrzeuges
1 gehalten.
[0012] Nach einem Überstoß wird der Lagerbock 9 mit Mittelpufferkupplung 2 nach hinten ins
Fahrzeuginnere verschoben. Über die Hebel 10 werden die zu beiden Seiten der Mittelpufferkupplung
2 angeordneten Überstoß-Energieverzehrelemente 5 nach vorn über die Fahrzeugkontor
hinaus verschoben. Die an dem Überstoß-Energieverzehrelementen 5 befestigten Krafteinleitungselemente
6 (Stoßplatten) gelangen zur Anlage an Krafteinleitungselemente 6 (Stoßplatten) des
gekuppelten Schienenfahrzeuges 1, wie schon eingangs der Figurenbeschreibung aufgezeigt
und dort näher ausgeführt.
[0013] Der Vorschub der Überstoß-Energieverzehrelemente 5 kann durch pneumatische, hydraulische
oder hydropneumatische Antriebe erfolgen, d. h. allgemein durch fluid- und/oder gasbeaufschlagte
Antriebe.
[0014] Der Vorschub der Überstoß-Energieverzehrelemente 5 kann auch durch elektrische oder
elektronisch gesteuerte Antriebe erfolgen.
[0015] Der Vorschub der Überstoß-Energieverzehrelemente 5 kann auch durch pyrotechnische
Antriebe erfolgen.
[0016] Die Krafteinleitungselemente 6 sind zweckmäßig als pufferähnliche Stoßplatten ausgebildet
und vorteilhaft mit Kletterschutzelementen 15, wie z. B. Vorsprüngen oder Längsrillen,
versehen.
[0017] Die Überstoß-Energieverzehreinrichtung kann zusätzliche Energieverzehrelemente 16
aufweisen, die mit den Überstoß-Energieversehrelementen 5 gekoppelt sind und mit diesen
gemeinsam angesteuert sind. Dabei sind die zusätzlichen Energieverzehrelemente 16
oberhalb der Puffer- bzw. Stoßplattenebene anordnet.
[0018] Die Energieverzehrelemente 16 sind beliebig auszubilden. In Fig. 3 und 4 sind diese
durch mechanische Kletterschutzelemente dargestellt, in Fig. 5 und 6 durch volumenveränderliche
Prallkörper, z. B. pneumatischer oder pyrotechnischer Bauweise.
Bezugszeichenliste
[0019]
- 1
- Schienenfahrzeug
- 2
- Mittelpufferkupplung
- 3
- primäre Energieverzehreinrichtung
- 4
- Überstoß-Energieverzehreinrichtung
- 5
- Überstoß-Energieverzehrelement
- 6
- Krafteinleitungselement
- 7
- Auslösemechanismus
- 8
- Kupplungsgelenk
- 9
- Lagerbock
- 10
- Hebel
- 11
- Gelenk
- 12
- Stange
- 13
- Gelenk
- 14
- Stützbock
- 15
- Kletterschutzelement
- 16
- Énergieverzehrelement
1. Überstoß-Energieversehreinrichtung mit mindestens einem Überstoß-Energieversehrelement
und Krafteinleitungselement für Schienenfahrzeuge, die nach Erschöpfen der Energieaufnahmefähigkeit
einer reversibel arbeitenden, primären Energieverzehreinrichtung den weiteren Stoß-
und Energieabbau bewirkt, dadurch gekennzeichnet, daß das in den Stirnseiten des Schienenfahrzeuges (1) angeordnete mindestens eine
Überstoß-Energieverzehrelement (5) bzw. dessen Krafteinleitungselement (6) vor dem
Ansprechen innerhalb oder im wesentlichen innerhalb der Fahrzeugkontur angeordnet
ist, daß nach Auslösen der Überstoß-Energieverzehreinrichtung (4) über einen Auslösemechanismus
(7) das oder die Überstoß-Energieversehrelemente (5) gegen die Stoßrichtung nach vorn
außerhalb der stirnseitigen Fahrzeugkontur verschoben wird und an ein gleichartiges
Überstoß-Energieverzehrelement (5) von Nachbarfahrteugen zur Anlage gelangt und bei
Fortdauer der Relativbewegung gegeneinander die Überstoß-Energieversehrelemente (5)
den weiteren Stoß- und Energieablauf bewirken.
2. Überstoß-Energieverzehreinrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Überstoß-Energieverzehreinrichtung jedes Fahrzeugendes durch paarig und
symmetrisch zur Fahrzeuglängsachse angeordnete Überstoß-Energieverzehrelemente (5)
gebildet ist.
3. Überstoß-Energievertehreinrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Vorschub der Überstoß-Energieverzehrelemente (5) über einen Auslösemechanismus
(7) ausgelost wird, der durch eine Mittelpufferkupplung (2) angesteuert wird.
4. Überstoß-Energieversehreinrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß der Vorschub der Überstoß-Energieverzehrelemente (5) durch ein mechanisches
Getriebe erfolgt.
5. Überstoß-Energievertehreinrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß das mechanische Getriebe durch eine paarige Hebelanordnung gebildet ist, die,
symmetrisch vom Kupplungsgelenk (8) einer bei Überstoß mit Lagerbock (9) begrenzt
längsverschieblich gehaltenen Mittelpufferkupplung (2) angelenkt, je einen zu den
Fahrzeugaußenseiten gerichteten Hebel (10) aufweist, an dessen anderem Ende eine in
Fahrzeuglängsrichtung ausgerichtete und geführte Stange (12) angelenkt ist, die ihrerseits
das Überstoß-Energieverzehrelement (5) und am anderen Ende das Krafteinleitungselement
(6) trägt und wobei der Hebel (10) zwischen den endseitigen Gelenken (11, 13) am Fahrzeug
in einem Stützbock (14) abgestützt ist.
6. Überstoß-Energieverzehreinrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, daß der Vorschub der Überstoß-Energieverzehrelemente (5) durch einen pneumatischen
oder hydraulischen oder einen hydro-pneumatischen Antrieb erfolgt.
7. Überstoß-Energieverzehreinrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß der Vorschub der Überstoß-Energieverzehrelemente (5) durch einen elektrischen
Antrieb erfolgt.
8. Überstoß-Energieverzehreinrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, daß der Vorschub der Überstoß-Energieverzehrelemente (5) durch einen pyrotechnischen
Antrieb erfolgt.
9. Überstoß-Energieverzehreinrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, daß die Krafteinleitungselemente (6) als pufferähnliche Stoßplatten ausgebildet
und mit Kletterschutzelementen (15), wie z. B. Vorsprüngen oder Längsrillen versehen
sind.
10. Überstoß-Energieverzehreinrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, daß die Überstoß-Energieverzehrelemente (5) mit weiteren Energieverzehrelementen
(16) gekoppelt und gemeinsam mit diesen angesteuert sind, wobei die Energieverzehrelemente
(16) oberhalb der Puffer- bzw. Stoßplattenebene angeordnet sind.
11. Überstoß-Energieversehreinrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Energieverzehrelemente (16) durch mechanische Kletterschutzelemente gebildet
sind.
12. Überstoß-Energieverzehreinrichtung nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Energieverzehrelemente (16) volumenveränderliche Prallkörper, z. B. pneumatischer
oder pyrotechnischer Bauart aufweisen.