[0001] Die Erfindung betrifft ein Medikament, insbesondere zur Modulation der Immunantwort
bei der Bekämpfung von Viren, Tumoren, Bakterien und Parasiten. Die Erfindung betrifft
ferner die Verwendung eines Wirkstoffs zur Herstellung eines Medikaments.
[0002] Phosphatidylserin ist ein negativ geladenes Phospholipid, das sich bei allen Zellen
an der Innenseite der Zytoplasmamembran befindet. Gelegentlich kann jedoch ein Phosphatidylserinmolekül
durch die Membran schwingen und somit auf die Außenseite der Zytoplasmamembran gelangen.
Bei lebenden gesunden Zellen wird auf die Außenseite gelangtes Phosphatidylserin sofort
enzymatisch auf die Innenseite der Zytoplasmamembran zurücktransportiert. Bei alten
und bei Plasmodium falciparum infizierten Erythrozyten, bei Sichelzellen, postinflammatorischen
Granulozyten sowie bei apoptotischen Zellen bleibt das Phosphatidylserin jedoch auf
der Außenseite. Ab einer bestimmten Phosphatidylserindichte binden die Zellen über
den "Phosphatidylserinrezeptor" an Phagozyten. Steigt die Phosphatidylserindichte
weiter an und erreicht dabei einen bestimmten Schwellenwert, werden die Zellen extrem
schnell phagozytiert (Engulfmentphagozytose). Bei diesem Vorgang kommt es weder zum
Freisetzen von Zellinhaltsstoffen noch zu einer Aktivierung des Immunsystems. Aus
diesem Grund wird dieser Phagozytoseweg "nichtinflammatorisch" genannt.
[0003] Bei der Beseitigung gealterter Zellen, z.B. alter Erythrozyten und apoptotischer
Zellen, wie postinflammatorischer Granulozyten, ist eine spezifische Immunsupression
durchaus sinnvoll und erwünscht, da in diesen Fällen eine inflammatorische Phagozytose
sogar zu Autoimmunphänomenen führen könnte. Die nichtinflammatorische Phagozytose
von Plasmodium falciparum infizierten Erythrozyten ist jedoch unter anderem für die
ausgesprochen schlechte Immunantwort und die schwierige Immunisierung gegen Malaria
verantwortlich. Keine bisher beschriebene Maßnahme oder Vorbeugung gegen Malaria berücksichtigt
den Umstand, daß Plasmodium falciparum infizierte Erythrozyten über den phosphatidylserinabhängigen
Engulfmentphagozytoseweg phagozytiert werden. - Medikamente, die diesen Phagozytoseweg
beeinflussen, sind bisher unbekannt.
[0004] Ähnlich verhält es sich bei Virusinfektionen. Viren, die über phosphatidylserinabhängige
Phagozytose aus apoptotischen Zellen in Phagozyten aufgenommen werden, können so der
Immunüberwachung entgehen. So ist z.B. die Aufnahme von HIV in Monozyten, die ohne
Auslösung des "respiratory bursts" vonstatten geht, für das frühe und vom Immunsystem
unbemerkte Eindringen des HIV in den langlebigen Monozyten-Pool verantwortlich. Diese
bisher unverstandene Infektion der Monozyten/Makrophagen wird für die Persistenz des
HIV und somit für die Ausbildung des AIDS-Krankheitsbilds ursächlich verantwortlich
gemacht. Obwohl der Infektionsweg von Monozyten/Makrophagen mit HIV bisher molekular
noch nicht eindeutig identifiziert ist, ist eine Beteiligung von Phosphatidylserin
und Phosphatidylserinrezeptor wegen der nichtinflammatorischen Phagozytose wahrscheinlich.
So konnte z.B. gezeigt werden, daß Retrovirusgenome aus apoptotischem Debris in Zellen
aufgenommen werden können und so diese Zellen infizieren. Da HIV in den Monozyten
sehr lange überleben kann und, eventuell erst Jahre nach der Infektion, spontan freigesetzt
wird, kann das menschliche Immunsystem das HIV nicht völlig aus dem Körper eliminieren.
Da das HIV bei jeder Freisetzung das Immunsystem etwas schädigt, indem es die CD 4
positiven T-Zellen zerstört, kann sich so im Laufe meist mehrerer Jahre das Vollbild
des AIDS ausbilden. Ähnliche Probleme existieren auch bei der Eliminierung von anderen
in Phagozyten persistierenden bzw. sich vermehrenden Viren. Hier sind vor allem weitere
Retroviren und besonders die Untergruppe der Lentiviren zu nennen. Einige dieser Viren
(EIAV, Meadi Visna Virus, CAEV) persistieren in den Phagozyten von Huftieren und führen
dort zu Autoimmnunkrankheiten. Keine bisher beschriebene Maßnahme oder Vorbeugung
gegen HIV Infektion bzw. der Infektion mit anderen in Phagozyten überlebenden Viren
berücksichtigt den Umstand, daß apoptotische Zellen über den phosphatidylserinabhängigen
Weg phagozytiert werden können. - Medikamente, die diesen Phagozytoseweg blockieren,
sind bisher unbekannt.
[0005] Anders stellt sich die Situation bei Patienten mit Sichelzellanämie dar. Durch die
ständige und extrem schnelle Phagozytose autologer, genetisch veränderter Erythrozyten
kommt es bei den Patienten zu einer Anämie, die unbehandelt in schweren Fällen zum
Tod fuhren kann. Hier steht weniger die Tatsache im Vordergrund, daß die phosphatidylserinvermittelte
Phagozytose nichtinflammatorisch verläuft, als vielmehr der Umstand, daß sie extrem
schnell und effizient Phosphatidylserin tragende Zellen beseitigt. - Da es bisher
keine Medikamente gibt, die diesen Phagozytoseweg blockieren, wird die Sichelzellanämie
bisher mit wiederholten Bluttransfusionen behandelt.
[0006] Ein ähnliches Problem wie bei der Sichelzellanämie ergibt sich auch beim Lagern von
Erythrozyten zur Transfusion. Auch bei Lagerung unter Blutbankbedingungen exprimiert
eine zunehmende Anzahl Erythrozyten Phosphatidylserin auf ihrer Oberfläche. Dies führt
nach der Transfusion dazu, daß diese Erythrozyten sehr schnell von Phagozyten abgeräumt
und so wirkungslos werden. - Da es bisher keine Medikamente bzw. Zusätze zu Blutkonserven
gibt, die diese Phagozytose verhindern, ist die Lagerung von Erythrozyten zeitlich
strikt limitiert.
[0007] Bei der Herstellung von Tumorvakzinen werden die in den Körper der Patienten bzw.
Versuchstiere zurückgegebenen Tumorzellen bestrahlt, um eine weitere Verbreitung des
Tumors zu verhindern. Da unter diesen Umständen in den Tumorzellen Apoptose induziert
wird und diese dann nichtinflammatorisch über den phosphatidylserinabhängigen Engulfmentphagozytoseweg
beseitigt werden, kommt es meist zu einer relativ schwachen Immununantwort gegen die
jeweilige Tumorvakzine. - Da bisher keine Substanzen bekannt sind, die den phosphatidylserinabhängigen
Phagozytoseweg blockieren, werden bisher klassische Immunisierungswege und Adjuvantien
verwendet, um die Immunantwort gegen Tumorzellen zu steigern.
[0008] Nach dem Stand der Technik sind des weiteren Annexine bekannt. Diese bilden eine
hochkonservierte Familie zellulärer Proteine, die von höheren Pflanzen, über Wirbellose,
Fische und Vögel bis hin zu den Säugetieren gefunden werden (Nomenklatur: Crumpton
MJ and Dedman JR, 1990: "Protein terminology tangle"; Nature 345: 212). Diese zytoplasmamembranassoziierten
Proteine besitzen entweder ein niedrigeres (32 kD bis 38 kD) oder aber ein höheres
(ca. 67 kD) Molekulargewicht. Sie zeichnen sich außerdem durch eine Affinität zu Ca++
und Phospholipiden aus. Eine hochkonservierte Core-Struktur besteht aus vier oder
acht Wiederholungen von je 70 Aminosäuren, die jeweils einen Endonexinbereich mit
17 Aminosäuren enthalten, die an der Ca ++ -Bindung beteiligt sind. In den aminoterminalen
Regionen der unterschiedlichen Annexine werden keine signifikanten Ähnlichkeiten gefunden,
was zu der Spekulation geführt hat, daß diese Domäne für die unterschiedlichen Funktionen
der Annexine verantwortlich ist. Obwohl für Annexine eine Vielzahl von Funktionen
postuliert wurden, wie z.B. die Inhibition der Phospholipase A
2 und der Blutgerinnung, sowie eine mögliche Beteiligung an Signaltransduktion, Zellwachstum
und Differenzierung, konnte bisher keine eindeutige biologische Rolle für die Annexine
etabliert werden (Morgan MO und Femandez MP, 1991: "Annexins and signal transduction"
in Bailey JM (ed):"Advances in Prostaglandine, Leukotrien, Lipoxin and PAF Research";
New York: Plenum Press: 107-122).
[0009] Die Röntgenstrukturanalyse der Annexine vom Typ V aus Mensch, Huhn und Ratte ergab,
daß Annexin V ein kanalbildendes integrales Membranprotein ist (Huber R, Römisch J,
Paques E, 1990: "The crystal and molecular structure of human Annexin V, an anticoagulant
protein that binds to calcium and membranes"; The EMBO Joumal 9: 3867-3874). Das Protein
wird in Zytoplasma und Kern gefunden. Obwohl es nur partiell in der Innenseite in
die Zytoplasmamembran integriert ist, konnte eine spannungsabhängige Kalziumkanalaktivität
nachgewiesen werden. Außerdem wird Annexin V auch auf der Oberfläche von Chondrozyten
gefunden, wo es an der Knorpelkalzifizerung beteiligt ist (Pfäffle M, Ruggiero F,
Hofmann H, Fernandez MP, Selmin 0, Yamada Y, Garrone R und von der Mark K, 1988: "Biosynthesis,
secretion and extracellular locafization of anchorin CII, a collagen-binding protein
of the calpactin family"; The EMBO Journal 7/8, 2335-2342).
[0010] Die nach dem Stand der Technik bekannten Medikamente und Verfahren, insbesondere
die heutzutage eingesetzten Adjuvantien stimulieren das Immunsystem unspezifisch.
Bisher ist noch kein Agens beschrieben, das insbesondere die Engulfmentphagozytose
von Phosphatidylserin tragenden Zellen verhindert und so zu einer spezifischen Immunstimulation
führt. Besonders hervorzuheben sind die Nachteile, die bei nichtinflammatorischem
Abräumen von Impfstoffen und Viren entstehen. Einerseits führt das zum wirkungslosen
Abbau von Impfstoffen, andererseits zur Viruspersistenz.
[0011] Da bei der Sichelzellanämie bereits junge Erythrozyten Phosphatidylserin auf ihrer
Oberfläche tragen, werden sie von den körpereigenen Phagozyten entfernt. Das trägt
nachteiligerweise zur Anämie der Patienten bei.
[0012] Auch für die Lagerung von Blut und Erythrozyten sind keine Medikamente bzw. Zusätze
bekannt, die den Abbau der Spendererythrozyten durch die Empfängerphagozyten nach
der Transfusion verhindern. Das führt bislang zu einer relativ kurzen Lagerungsfähigkeit
von Blutkonserven und Erythrozytenkonzentraten bzw. zu einem deutlichen Verlust an
Wirksamkeit bei länger gelagerten Konserven.
[0013] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, die Nachteile nach dem Stand der Technik
zu beseitigen. Insbesondere soll ein Medikament bzw. die Verwendung eines Wirkstoffs
angegeben werden, welches/r eine Erhöhung der Immunität gegen Viren, Tumoren, Bakterien
und Parasiten bewirkt.
[0014] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale der Patentansprüche 1 und 4 gelöst. Zweckmäßige
Weiterbildungen ergeben sich aus den Merkmalen der Patentansprüche 2 und 3 bzw. 4
bis 12.
[0015] Nach Maßgabe der Erfindung ist in einem Medikament, insbesondere zur Modulation der
Immunantwort bei der Bekämpfung von Viren, Tumoren, Bakterien und Parasiten, zur Beeinflussung
der phospatidylserinabhängigen Phagozytose, ein aus der folgenden Gruppe ausgewählter
Wirkstoff enthalten: Annexin vom Typ V, Annexin-Antikörper, oder Phophodiesderase.
[0016] Erfindungsgemäß ist daneben die Verwendung eines die phosphatidlyserinabhängige Phagozytose
beeinflussenden Wirkstoffs zur Herstellung eines Medikaments zur Modulation der Immunantwort
bei der Bekämpfung von Viren, Tumoren, Bakterien und Parasiten, oder zur Steigerung
der Haltbarkeit von Erythrozyten enthaltenden Blutkonserven oder Blutersatzstoffen
vorgesehen, wobei der Wirkstoff aus der folgenden Gruppe ausgewählt ist: Annexin vom
Typ V, Annexin-V-I Antikörper, oder Phophodiesderase.
[0017] Durch die Zugabe eines der erfindungsgemäßen Wirkstoffe wird der Annexinspiegel verändert
und/oder die Verteilung von Annexinen verändert. Des weiteren können damit die Wirkorte
oder Wirkpartner des Phospatidylserins modifiziert werden.
[0018] Durch Annexin V, kann die phosphatidylserinabhängige Phagozytose, insbesondere die
Engulfmentphagozytose, moduliert oder inhibiert werden. Außerdem kann beispielsweise
durch Entfernen bzw. eine Blockade von von Annexin V, die Engulfmentphagozytose moduliert
oder stimuliert werden.
[0019] Besondere Bedeutung ist der Anwendung im human- bzw tiermedizinischen Bereich zuzumessen,
wo in vielen etablierten, aber auch in experimentellen Therapieformen eine Immunmodulation
erwünscht ist. So ist in der Behandlung von Tumorerkrankungen und von Virusinfektionen
oft eine Immunstimulation erwünscht, wohingegen bei Erkrankungen des rheumatischen
Formenkreises und bei Autoimmunerkrankungen eher eine Immunsupression erwünscht ist.
[0020] Ein wichtiges Einsatzgebiet für die Blockade der nichtinflammatorischen phosphatidylserinabhängige
Engulfmentphagozytose ergibt sich aus der daraus resultierenden spezifischen "Adjuvanswirkung".
Phosphatidylserin tragende Zellen werden nach der Blockade des nichtinflammatorischen
phosphatidylserinabhängige Engulfmentphagozytosewegs über einen inflammatorischen
immunstimulatorischen Alternativweg phagozytiert, was mit einer massiv erhöhten Immunantwort
einhergeht. Für diese "Adjuvanswirkung" ergeben sich die unterschiedlichsten Anwendungsgebiete,
z.B. in der Humanmedizin. Zum einen kann dadurch die Immunogenität von Tumorvakzinen
gesteigert werden, wenn diese aus bestrahlten und somit größtenteils apoptotischen
Tumorzellen bestehen. Weiterhin ist es möglich, eine Immunantwort gegen solche Tumorzellen
zu erzielen, die aus therapeutischen Gründen in situ radioaktiv bestrahlt werden.
In diesem Fall würde eine tumorspezifische Immunantwort bei der Beseitigung der Resttumormasse
den Therapieerfolg steigern. Ein ähnlicher Effekt kann auch parallel zu einer Zytostatikatherapie
mit apoptoseinduzierenden Agentien, wie z.B. Cisplatin und Hydroxy-Harnstoff, zu einer
massiven tumorspezifischen Immunstimulation führen. Auch bei der Behandlung von Virusinfektionen,
z.B. von solchen Viren, die in Phagozyten persistieren, führt die Blockierung des
phosphatidylserinabhängigen Engulfmentphagozytosewegs zu einer spezifischen Immunstimulation.
Als besonders wichtiges Beispiel in diesem Zusammenhang muß die Behandlung der Infektionen
mit Lentiviren und HIV angesehen werden. Ein von der Zelle "unbemerktes" phosphatidylserinabhängiges
Eindringen der Viren führt zur Viruspersistenz im langlebigen Monozyten/Makrophagen-Pool.
Die Viruspersistenz führt bei den allermeisten Infizierten nach einer mehr oder minder
langen Latenzzeit zum Tode. Annexine, bevorzugt Annexin V, sind für die Behandlung
von HIV-Infizierten geeignet, da inflammatorisch phagozytiertes apoptotisches Material
in den Phagozyten einen "respiratory burst" auslöst und so zur Zerstörung der Virengenome
führen würde.
[0021] Weiterhin können durch die Blockierung der phosphatidylserinabhängigen Engulfmentphagozytose
unerwünschte Zellverluste in vivo und in vitro vermieden werden. Das ist sowohl bei
der Lagerung von erythrozytenhaltigen Blutkonserven als auch als Medikament für Patienten
mit Sichelzellanämie von großer Bedeutung.
Beispiele:
[0022]
1. Einsatz von Annexinen, bevorzugt Annexin V, als Adjuvantien für Tumorvakzinen
Zur Produktion von Tumorvakzinen aus von Patienten isolierten Tumorzellen, werden
diese vor der Reinjektion in den Patienten radioaktiv bestrahlt, um ein Anwachsen
zu verhindern. Während der dadurch induzierten Apoptose wird auf der Oberfläche der
Tumorzellen Phosphatidylserin exponiert, was zu einer schwachen Immunogenität der
Tumorvakzine führt. Direkt vor der Injektion werden die bestrahlten Tumorzellen ex corpore mit Annexinen, bevorzugt Annexin V, inkubiert um die phosphatidylserinabhängige Engulfmentphagozytose
im Patienten zu blockieren. Zusätzlich wird an die Stelle der Injektion ein Annexin,
bevorzugt Annexin V, Bolus gesetzt, um die Wirkung lokal weiter zu verstärken.
2. Einsatz von Annexinen, bevorzugt Annexin V, als Immunstimulans bei der Chemo- und
Strahlentherapie
Bei der therapeutischen radioaktiven Tumorbestrahlung sowie bei der Behandlung mit
Zytostatika wird in corpore in einer Vielzahl von Tumorzellen Apoptose induziert. Um ein nichtinflammatorisches
Abräumen der toten Zellen zu verhindern und die damit verbundene schwache Immunantwort
zu verstärken, werden vor oder unmittelbar nach der Strahlen- bzw. Chemotherapie Annexine,
bevorzugt Annexin V, in den Tumor injiziert. Dadurch erfolgt das Abräumen der toten
Tumorzellen über einen inflammatorischen Phagozytoseweg und führt so zu einer verstärkten
Immunantwort gegen den Resttumor.
3. Lagerung von Vollblut und Erythrozytenpräparaten
Zu Vollblut- bzw. Erythrozytenkonzentraten werden Annexine, bevorzugt Annexin V, zugefügt,
um nach der Transfusion den Abbau der Phosphatidylserin tragenden Erythrozyten zu
verlangsamen und so die Wirksamkeit der Transfusion zu erhöhen. Die Annexine, bevorzugt
das Annexin V, können in diesem Fall entweder direkt nach der Blutabnahme oder aber
auch erst vor der Transfusion zugegeben werden.
4. Einsatz von Annexinen, bevorzugt Annexin V, bei Patienten mit Sichelzellanämie
4.a Klassische Lösung mit Annexin-, bevorzugt Annexin V-, Infusionen
Um die Phagozytose der Sichelzellen zu verhindern, die bei diesem Krankheitsbild entscheidend
zur Anänmie beiträgt, werden sehr stark anämischen Patienten Annexine, bevorzugt eine
Annexin V Lösung, intravenös verabreicht.
4.b Einsatz von Annexinen, bevorzugt Annexin V, im transient gentherapeutischen Ansatz
mit RNA-Virus abgeleiteten Vektoren
In diesem Ansatz wird ein Fusionsprotein aus Annexinen, bevorzugt Annexin V, mit einem
Leaderpeptid mit Hilfe eines transienten RNA-Vektorsystems (z.B. einem vom Poliovirus
abgeleiteten System) in Blutzellen, z.B. Monozyten, zur Expression gebracht. Auf diese
Weise blockiert diese transiente in situ Produktion über einen längeren Zeitraum als eine Infusion die Phagozytose der Sichelzellen.
Da RNA-abhängige Expressionssysteme sich weder in die genomische DNA der Wirtszellen
integrieren noch vertikal verbreiten, ist die Expression der Annexine nur transient,
was die Risiken der Auslösung einer Autoimmnunopathie minimiert.
5. Auch bei der Behandlung von Infektionen mit Viren, z.B. von solchen, die in Phagozyten
persistieren, führt die Blockierung des phosphatidylserinabhängigen Engulfmentphagozytosewegs
zu einer spezifischen Immunstimulation. Als besonders wichtiges Beispiel in diesem
Zusammenhang muß die Behandlung der Infektionen mit Lentiviren und HIV angesehen werden.
Ein von der Zelle "unbemerktes" Eindringen der Viren führt zur Viruspersistenz im
langlebigen Monozyten/Makrophagen-Pool und bei den allermeisten Infizierten nach einer
mehr oder minder langen Latenzzeit zum Tode. Annexine, bevorzugt Annexin V, sind für
die Behandlung von HIV geeignet, da inflammatorisch phagozytiertes apoptotisches Material
in den Phagozyten einen "respiratory burst" auslöst und so zur Zerstörung der Virengenome
führt.
1. Medikament, insbesondere zur Modulation der Immunantwort bei der Bekämpfung von Viren,
Tumoren, Bakterien und Parasiten, wobei zur Beeinflussung der phosphatidylserinabhängigen
Phagozytose ein aus der folgenden Gruppe ausgewählter Wirkstoff enthalten ist: Annexin
vom Typ V, Anti-Annexin-V-Antikörper oder Phosphodiesterase.
2. Medikament nach Anspruch 1, wobei das Annexin vom Typ V Bestandteil eines Fusionsproteins
ist.
3. Medikament nach Anspruch 2, wobei das Fusionsprotein mit einem, vorzugsweise vom Poliovirus
abgeleiteten, RNA-Vektor gekoppelt ist.
4. Verwendung eines die phosphatidylserinabhängige Phagozytose beeinflussenden Wirkstoffs
zur Herstellung eines Medikaments
zur Modulation der Immunantwort bei der Bekämpfung von Viren, Tumoren, Bakterien und
Parasiten
oder
zur Steigerung der Haltbarkeit von Erythrozyten enthaltenden Blutkonserven oder Blutersatzstoffen,
wobei der Wirkstoff aus der folgenden Gruppe ausgewählt ist: Annexin vom Typ V, Anti-Annexin-V-Antikörper
oder Phosphodiesterase.
5. Verwendung nach Anspruch 4, wobei das Annexin vom Typ V Bestandteil eines Fusionsproteins
ist.
6. Verwendung nach Anspruch 5, wobei das Fusionsprotein mit einem, vorzugsweise vom Poliovirus
abgeleiteten, RNA-Vektor gekoppelt ist.
7. Verwendung nach einem der Ansprüche 4 bis 6, wobei die durch den Wirkstoff hervorgerufene
Beeinflussung eine Blockade der phosphatidylserinabhängigen Phagozytose ist.
8. Verwendung nach einem der Ansprüche 4 bis 7, wobei die durch den Wirkstoff hervorgerufene
Beeinflussung eine Stimulation der phosphatidylserinabhängigen Phagozytose ist.
9. Verwendung nach Anspruch 8, wobei eine Immunstimulation durch die Blockade und/oder
eine Verhüllung und/oder eine Maskierung und/oder eine Entfernung von extrazellulär
membranständig lokalisiertem Phosphatidylserin bewirkt wird.
10. Verwendung nach einem der Ansprüche 4 bis 9, wobei der Wirkstoff als Modulator einer
Immunantwort verwendet wird.
11. Verwendung nach einem der Ansprüche 4 bis 10, wobei der Wirkstoff als Adjuvans in
der Tumortherapie, für Tumorvakzine, in der Virustherapie, insbesondere zur Behandlung
von Retrovirusinfektionen, Lentivirusinfektionen und HIV-Infektionen, und zur Behandlung
der Malaria sowie in der Malariaimmunisierung verwendet wird.
12. Verwendung nach einem der Ansprüche 4 bis 11, wobei der Wirkstoff zur Therapie der
Sichelzellenanämie verwendet wird.
1. Medicament, in particular for modulation of the immune response in the control of
viruses, tumors, bacteria and parasites, where an active compound selected from the
following group is contained for influencing the phosphatidylserine-dependent phagocytosis:
annexin of type V, anti-annexin V antibody or phosphodiesterase.
2. Medicament according to claim 1, where the annexin of type V is a constituent of a
fusion protein.
3. Medicament according to claim 2, where the fusion protein is coupled to an RNA vector,
preferably derived from the poliovirus.
4. Use of an active compound for the production of a medicament for influencing the phosphatidylserine-dependent
phagocytosis for the production of a medicament
for modulation of the immune response in the control of viruses, tumors, bacteria
and parasites
or
for increasing the shelf life of conserved blood or blood substitutes containing erythrocytes,
where the active compound is selected from the following group: annexin of type V,
anti-annexin V antibody or phosphodiesterase.
5. Use according to claim 4, where the annexin of type V is a constituent of a fusion
protein.
6. Use according to claim 5, where the fusion protein is coupled to an RNA vector, preferably
derived from the poliovirus.
7. Use according to one of claims 4 to 6, where the effect produced by the active compound
is a blockade of the phosphatidylserine-dependent phagocytosis.
8. Use according to one of claims 4 to 7, where the effect produced by the active compound
is a stimulation of the phosphatidylserine-dependent phagocytosis.
9. Use according to claim 8, where an immunostimulation is brought about by the blockade
and/or a disguising and/or a masking and/or a removal of phosphatidylserine localised
on the extracellular side of the membrane.
10. Use according to one of claims 4 to 9, where the active compound is used as a modulator
of an immune response.
11. Use according to one of claims 4 to 10, where the active compound is used as an adjuvant
in tumor therapy, for tumor vaccines, in virus therapy, in particular for the treatment
of retrovirus infections, lentivirus infections and HIV infections, and for the treatment
of malaria and also in malaria immunisation.
12. Use according to one of claims 4 to 11, where the active compound is used for the
therapy of sickle cell anaemia.
1. Médicament, notamment pour moduler la réponse immunitaire dans la lutte contre des
virus, des tumeurs, des bactéries et des parasites, dans lequel, pour influencer la
phagocytose dépendante de la phosphatidylsérine, est contenu un agent sélectionné
des groupes suivants : annexine de type V, anticorps anti-annexine V ou phosphodiesterase.
2. Médicament suivant la revendication 1, dans lequel l' annexine de type V est composant
d'une protéine de fusion.
3. Médicament suivant la revendication 2, dans lequel la protéine de fusion est associée
à un vecteur-RNA, de préférence dérivé du virus de la polio.
4. Utilisation d' un agent influençant la phagocytose dépendante de la phosphatidylsérine
pour produire un médicament pour moduler la réponse immunitaire dans la lutte contre
des virus, des tumeurs, des bactéries et des parasites, ou pour accroître la résistance
de sang de donneur ou des produits de remplacement de sang contenant de l'érythrocyte,
dans lequel l' agent est sélectionné des groupes suivants : annexine de type V, anticorps
anti-annexine V ou phosphodiesterase.
5. Utilisation selon la revendication 4, dans laquelle l'annexine de type V est composant
d' une protéine de fusion.
6. Utilisation suivant la revendication 5, dans laquelle la protéine de fusion est associée
à un vecteur-RNA, de préférence dérivé du virus de la polio.
7. Utilisation suivant l'une des revendications 4 à 6, dans laquelle l'influence provoquée
par l' agent est un blocus de la phagocytose dépendante de la phosphatidylsérine.
8. Utilisation suivant l' une des revendication 4 à 7, dans laquelle l' influence provoquée
par l' agent est une stimulation de la phagocytose dépendante de la phosphatidylsérine.
9. Utilisation suivant la revendication 8, dans laquelle une stimulation immunitaire
est causée par le blocus et/ou un enveloppement et/ou un déguisement et/ou une élimination
de la phosphatidylsérine extracellulaire membranaire localisée.
10. Utilisation suivant l' une des revendications 4 à 9, dans laquelle l' agent est employé
comme modulateur d' une réponse immunitaire.
11. Utilisation suivant l' une des revendications 4 à 10, dans lequel l' agent est employé
comme adjuvant dans la thérapie des tumeurs, pour la prévention des tumeurs, dans
la thérapie virale, en particulier pour traiter les infections rétrovirales, les infections
lentivirus et les infections - VIH, et pour traiter la malaria tout comme dans l'
immunisation contre la malaria.
12. Utilisation suivant l' une des revendications 4 à 11, dans laquelle l' agent est employé
pour la thérapie de l' anémie des cellules faucilles.