[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Generierung
eines Sensorsignales nach den Oberbegriffen der Patentansprüche 1 bzw. 9, beispielsweise
für eine gleisbogenabhängige Neigung eines Schienenfahrzeuges
[0002] Durch die Erhöhung der Geschwindigkeit beim schienengebundenen Personenverkehr zur
Verkürzung der Reisezeit wird beim Durchfahren von Kurven bzw. Gleisbögen eine gleisbogenabhängige
Neigungsregelung /-steuerung des Wagenkasten-Neigesystems angestrebt. Dadurch sollen
die negativ auftretenden Querbeschleunigungserhöhungen beim Durchfahren von Gleisbögen
vermieden bzw minimiert werden, damit trotz Erhöhung der Zuggeschwindigkeiten eine
Fahrkomforteinbuße für die Personen nicht eintritt.
[0003] Bekannt sind dazu aktive und passive Neigungsverstellungen, wobei bei einer aktiven
Einwirkung die Einstellung oder Veränderung der Neigung des Wagenkastens erfolgt,
bei einer passiven Einwirkung die Pendelung des Wagenkastens ausgenutzt wird.
[0004] Bei einer aktiven Einwirkung wird als Signal ein Wert verwendet, der als relevante
Größe für die wirksame Querbeschleunigung genutzt wird. Ein solcher Wert ist zum Beispiel
der Neigungswinkel des Wagenkastens gegenüber der Erde, d.h. der als horizontal verlaufend
angenommenen Erdoberfläche. Dieser Neigungswinkel addiert sich zu einer Gleisüberhöhung
und ist abhängig von der Gleisgeometrie des Gleisbogens und der Zuggeschwindigkeit.
Die DE 37 27 768 C1 gibt ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Erzeugung eines Ansteuersignales
für die gleisbogenabhängige Neigung eines Wagenkastens an. Unter Verwendung von Meßsignalen
für die Fahrzeuggeschwindigkeit, die Winkelgeschwindigkeit des Fahrzeuggestelles um
seine in Fahrtrichtung orientierte Längsachse sowie die senkrecht zur Fahrtrichtung
und parallel zur Gleisebene gerichtete Querbeschleunigung wird das Ansteuersignal
erzeugt. Nachteilig ist, daß die Querbeschleunigung und nicht eine Gleisüberhöhung
zur Bildung des Ansteuersignals herangezogen wird. Zum Ein- und Ausschalten der Neigesteuerung
wird lediglich ein aus der Rollgeschwindigkeit integrierter Rollwinkel ermittelt.
Durch die Integration des Kreiseloffsets entsteht jedoch ein Rollwinkeldrift, der
den Schaltvorgang nur kurzzeitig funktionsfähig hält. Zur Verlängerung der Funktionszeit
sind Kreisel mit einem geringen Kreiseloffset erforderlich, wodurch die Erzeugung
des Ansteuersignales kostenaufwendig wird.
[0005] Die DE 27 05 221 C2 gibt eine Anordnung zum Steuern einer Neigungsvorrichtung an,
bei der die verrauschten Meßsignale eines Beschleunigungssensors durch Messungen mit
einem Roll- und einem Gierkreisel ersetzt werden. Dadurch werden zwar unzulässige
Zeitverzögerungen bei der Erzeugung des Ansteuersignals vermieden, die bei einer notwendigen
starken Filterung des Meßsignals des Beschleunigungssensors entstehen, aber durch
die Integration des Rollwinkels aus der Rollgeschwindigkeit ergeben sich die bereits
genannten Nachteile.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung anzugeben,
mit deren Hilfe ein Sensorsignal auf einfache und effektive Weise erzeugt wird, das
Informationen einer Gleisüberhöhung besitzt.
[0007] Gelöst wird diese Aufgabe durch die in den Patentansprüchen 1 bzw. 9 enthaltenen
Merkmale.
[0008] Vorteilhafte Weiterbildungen sind in den Unteransprüchen gekennzeichnet.
[0009] Dabei liegt der Erfindung die Idee zugrunde, einen Gleisüberhöhungswinkel aus einer
Rollgeschwindigkeit und einer zusätzlich gemessenen Giergeschwindigkeit zu ermitteln.
Die Ermittlung des Gleisüberhöhungswinkels erfolgt durch eine zusätzliche Beobachtung
der Gleisüberhöhung. Dadurch wird aus der beobachteten Gleisüberhöhung ein Signal
generiert, welches nur in einer geringen Differenz zwischen einem bereits in einem
simulierten Modell generiertem Signal und einem gemessenem Signal gefiltert werden
muß.
[0010] So werden die Vorteile eines Kreiselsensors (geringes Rauschen) auch mit den Vorteilen
eines Beschleunigungssensors (keine Drift) kombiniert. Um dies zu ermöglichen wird
eine rauschfreie, jedoch driftbehaftete Gleisüberhöhung aus dem Kreiselsensorsignal
mit Hilfe eines dem Kreisel inversen simuliert nachgestalteten Modells geschätzt.
Gleichzeitig wird die Gleisüberhöhung driftfrei, jedoch rauschbehaftet durch den Beschleunigungssensor
gemessen. Zur Ermittlung der Gleisüberhöhung mit dem Beschleunigungssensor wird eine
zusätzliche Messung der Giergeschwindigkeit als der Drehgeschwindigkeit um die Hochachse
des Drehgestells und der Zuggeschwindigkeit durchgeführt, um die Fliehkraft als Störgröße
aus der gemessenen Gleisüberhöhung des Beschleunigungssensors herauszurechnen. Aus
den in Signalform anliegenden Gleisüberhöhungsgrößen des Kreiselmodels und des Beschleunigungssensors
wird eine Differenz ermittelt, wobei auch bei den Rauschstörungen eine Differenzbildung
erfolgt, so daß nur noch der Differenzwert rauschbehaftet ist. Durch Rückkopplung
in das inverse Modell des Kreisels wird dieser Differenzwert auf Null nachgeregelt
und dabei gefiltert. Die Nachregelung erfolgt, da nur Drifte kompensiert werden, sehr
langsam und stellt einem nachfolgenden Stellsystem ein rauschfreies Ansteuersignal
zur Verfügung.
Mit diesem Verfahren kann die Grenzfrequenz zur Filterung der Störungen im Beschleunigungssignal
des Beschleunigungsaufnehmers erheblich abgesenkt werden, ohne die Dynamik der Gleisüberhöhungswinkelmessung
zu reduzieren. Da die Drift des Kreisels kompensiert wird, können kostengünstige Kreisel
eingesetzt werden.
[0011] Durch die Einbeziehung der Sensorkomponenten, z.B. Offsetgrößen, in das Simulationsmodell
wird erreicht, daß das Modell über eine höhere Genauigkeit bei der Schätzung verfügt.
Auch ist es vorteilhaft, bekannte Streckendaten mit in das System zu intergrieren,
so daß die Dynamik des Systems zur Ermittlung des Gleisüberhöhungswinkels erhöht wird.
[0012] Anhand eines Ausführungsbeispieles mit Zeichnung soll die Erfindung näher erläutert
werden.
[0013] Es zeigen:
- Fig. 1
- ein Blockschaltbild zur Ermittlung einer beobachteten Gleisüberhöhung;
- Fig. 2
- einen inneren Aufbau einer Beobachtereinheit;
- Fig. 3
- einen inneren Aufbau einer weiteren Beobachtereinheit.
[0014] In Fig. 1 dargestellt ist ein Sensorpaket 1, eine Beobachtereinheit 2 und eine weitere
Beobachtereinheit 3, sowie eine Neigewinkelgeneriereinheit 4 und ein Stellsystem 5
eines nicht näher dargestellten realen Wagenkastens. Das Sensorpaket 1 besteht vorzugsweise
aus einem Meßwertgeber 6 zur Erfassung der Winkelgeschwindigkeit ωR in der Rollebene,
einem Meßwertgeber 7, beispielsweise einem Kreisel, zur Erfassung der Winkelgeschwindigkeit
ωG in der Gierebene, sowie einen Meßwertgeber 8, beispielsweise einem Beschleunigungssensor,
zur Erfassung der Querbeschleunigung aq. Das Sensorpaket 1 ist vorzugsweise am Fahrgestell
des nicht näher dargestellten Wagenkastens und dabei vorzugsweise horizontal zur Erdoberfläche
angeordnet. Die Zuggeschwindigkeit v wird in der Regel mit einem schon im Zug vorhandenen
Meßwertgeber 9 ermittelt. Ausgänge A1, A2 bzw. A3 des Sensorpaketes 1 und damit die
Ausgänge der Meßtwertgeber 6, 7 und 8 sind mit adäquaten Eingängen E1, E2 bzw. E3
der Beobachtereinheit 2 verbunden.
Ein Eingang E4 der Beobachtereinheit 2 ist mit einem Ausgang A1 des Meßwertgebers
9 verschaltet, wobei der Ausgang A1 gleichzeitig an einem Eingang E2 der Beobachtereinheit
3 und einem Eingang E2 der Neigewinkelgeneriereinheit 4 anliegt.
Ein Ausgang A1 der Beobachtereinheit 2 ist mit einem Eingang E1 der Beobachtereinheit
3 verschaltet. Ein Ausgang A1 der Beobachereinheit 3 liegt an einem Eingang E1 der
Neigewinkelgeneriereinheit 4 an. Ein Ausgang A1 dieser Neigewinkelgeneriereinheit
4 ist mit dem Stellsystem 5 verbunden.
[0015] In Fig. 2 ist der innere Aufbau der Beobachtereinheit 2 dargestellt. Dabei ist eine
Simulation des inversen Kreiselsystems mit 10 gekennzeichnet, mit 11 ein Vergleicher,
der eingangsseitig am Ausgang A1 und ausgangsseitig am Eingang E2 des simulierten
inversen Kreiselsystems 10 anliegt. Ein weiterer Eingang E2 des Vergleichers 11 liegt
am Ausgang A1 einer Meßwertauswertung 12 an, der Eingang E1 der Beobachtereinheit
2 ist mit dem Eingang E1 des simulierten inversen Kreiselsystems 10 verbunden. Der
Ausgang A1 des simulierten inversen Kreiselsystems 10 wird als Ausgang A1 aus der
Beobachtereinheit 2 geführt.
[0016] Eingänge E1, E2 und E3 der Meßwertauswertung 12 sind über die adäquaten Eingänge
E3, E2 bzw. E4 der Beobachtereinheit 2 mit den Meßwertgebern 7, 8 und 9 verbunden.
[0017] Die Fig. 3 gibt den inneren Aufbau der Beobachtereinheit 3 wieder. Am Eingang E2
der Beobachtereinheit 3 liegt ein Zuggeschwindigkeitsintegrator 13, der aus der Zuggeschwindigkeit
v die aktuelle Strecke errechnet. Dem Zuggeschwindigkeitsintegrator 13 nachgeschaltet
ist eine Missionsüberwachung 14, deren anderer Eingang E2 mit einem Ausgang A1 einer
Wissensbasis 15 verbunden ist. Ausgangsseitig ist die Missionsüberwachung 14 mit einem
Eingang E1 der Wissenbasis 15 sowie einem Eingang E1 einer Korrektureinheit 16 verschaltet.
Am Eingang E3 der Missionsüberwachung 14 liegt der Eingang E1 der Beobachtereinheit
3 an, wobei dieser Eingang E1 auch mit einem Eingang E 2 eines Vergleichers 17 verbunden
ist. Ein Ausgang A1 des Vergleichers 17 ist mit einem Eingang E2 der Korrektureinheit
16 verbunden, ein weiterer Eingang E1 des Vergleichers 17 mit einem Ausgang A1 der
Korrektureinheit 16, wobei dieser Ausgang A1 auch als Ausgang A1 der Beobachtereinrichtung
3 fungiert.
[0018] Das Verfahren läuft dabei wie folgt ab:
[0019] Der Meßwertgeber 9 ermittelt auf herkömmliche Art und Weise die Zuggeschwindigkeit
v, und gibt diesen Wert als ein die Zuggeschwindigkeit v repräsentierendes Ausgangssignal
an den Eingang E4 der Beobachtereinheit 2. Die Meßwertgeber 6 und 7 messen die um
die Rollachse und die Fahrzeugachse jeweils auftretende Winkelgeschwindigkeit ωR und
ωG, welche als entsprechende Ausgangssignale an den Eingängen E2 und E1 der Beobachtereinheit
2 anliegen. Durch den Meßwertgeber 8 erhält der Eingang E3 der Beobachtereinheit 2
ein die Querbeschleunigung aq auf Schienenebene repräsentierendes Signal.
[0020] Fährt ein Schienenfahrzeug auf einer Streckengerade ohne Kurvenüberhöhung, so wird
über den Meßwertgeber 9 die Zuggeschwindigkeit v gemessen. Der Meßwertgeber 6 und
der Meßwertgeber 8 geben nur geringe Signale ab, weil nur eine minimale Querneigung
des realen Wagerkastens erfolgt. Die Beobachtereinheit 2 aktiviert das Stellsystem
5 nicht, denn die Gleisüberhöhung überschreitet einen eingestellten Minimalwert nicht.
[0021] Beim Einfahren in einen Streckengleisbogen gelangt das Schienenfahrzeug auf einen
Überhöhungsbogen, der durch einen nicht dargestellten realen Gleisüberhöhungswinkel
Φg charakterisiert wird. Dabei erfolgt wegen der einsetzenden Querneigung des realen
Wagenkastens eine Drehung des Fahrgestelles um seine Rollachse, so daß eine um die
Rollachse auftretende Winkelgeschwindigkeit ωR vom Meßwertgeber 6 gemessen wird.
[0022] Die gemessene Rollwinkelgeschwindigkeit ωR ist, bedingt durch die technischen Daten
des Meßwertgebers 6, ungenau. Um diese Ungenauigkeit zu eliminieren, wird über das
simulierte inverse Kreiselsystem 10 der Beobachtereinheit 2 eine Winkelgeschwindigkeit
ωs geschätzt. Dazu wird die gemessene Rollwinkelgeschwindigkeit ωR auf den Eingang
E1 des simulierten Systems 10 geschaltet. In diesem System 10 werden technische Daten
des Meßwertgebers 6 als inverses Modell berücksichtigt, so daß bautechnisch bedingte
Mängel eliminiert werden. So wird beispielsweise der in technischen Datenblättern
vorgegebene Offset des Meßwertgebers 6 derart berücksichtigt, daß im simulierten Modell
des Systems 10 dieses Offset als inverser Wert eingebaut wird und die ausgangsseitig
so ermittelte Winkelgeschwindigkeit ωs als geschätzte Winkelgeschwindigkeit ωs der
realen Rollwinkelgeschwindigkeit ωR annähernd entspricht. Zusätzlich können auch die
dynamischen Glieder des Kreisels, z.B. verzögernde Glieder durch ihre inversen Elemente,
z.B. voreilende Glieder, im inversen Simulationsmodell des Kreiselsystems 10 kompensiert
werden. Die Schätzung der realen Rollwinkelgeschwindigkeit ωR wird durch die inverse
Kompensation genauer. Aus dieser ermittelten/geschätzten Winkelgeschwindigkeit ωs
wird in bekannter Art und Weise ein beobachteter (geschätzter) Gleisüberhöhungswinkel
Φgb generiert. Dazu wird dieser beobachtete Gleisüberhöhungswinkel Φgb aus der Winkelgeschwindigkeit
ωs integriert. Bedingt durch dieses Integrieren ist der ermittelte Wert des beobachteten
Gleisüberhöhungswinkels Φgb driftbehaftet und somit wächst die Ungenauigkeit des Wertes
mit der Zeit an. Um jedoch den realen Gleisüberhöhungswinkel Φg zu ermitteln, werden
die an den Eingängen E2, E3 und E4 der Beobachtereinheit 2 anliegenden Signale mit
herangezogen. Aus der Zuggeschwindigkeit v, der Giergeschwindigkeit ωG des Drehgestells,
der Querbeschleunigung aq auf Schienenebene und der Erdbeschleunigung g wird in der
Meßwertauswertung 12 ein Gleisüberhöhungswinkel Φgs berechnet. Dazu wird die Fliehkraft,
die sich als Störgröße bei einer Querbeschleunigung einstellt, aus dem Signal aq des
Meßwertgebers 8 mit Hilfe der Gierwinkelgeschwindigkeit ωG und der Zuggeschwindigkeit
v in bekannter Art und Weise herausgerechnet. Der aus den gemessenen Signalen berechnete
Gleisüberhöhungswinkel Φgs ist wertmäßig identisch mit dem realen Gleisüberhöhungswinkel
Φg, besitz jedoch hohe Störsignale. Deshalb werden der driftbehaftete beobachtete
Gleisüberhöhungswinkel Φgb und der störbehaftete gemessene (berechnete) Gleisüberhöhungswinkel
Φgs mit Hilfe des Vergleichers 11 verglichen. Eine daraus resultierende Differenz
ΔΦg setzt sich aus dem beobachteten driftbehafteten Gleisüberhöhungswinkel Φgb abzüglich
des störbehafteten Gleisüberhöhungswinkel Φgs zusammen und bildet eine noch nachzuregelnde
(zu entstörende) Differenz ΔΦg. Diese Differenz ΔΦg, bestehend aus der Kreiseldrift
und Störungen des Meßsignales des Meßwertgebers 8, wird im Regelkreis, der durch die
Rückkopplung vom Vergleicher 11 auf das simulierte System 10 entsteht, gefiltert und
zu Null geregelt. Die zeitliche Regelung ergibt sich aus dem Rückkopplungsfaktor K
des über die Differenzbildung geschlossenen Regelkreises. Durch Voreinstellung des
Rückkopplungsfaktors K wird die Dynamik des Regelkreises (Beobachterpole) sehr klein
gewählt, vorzugsweise 0,1 Hz. Die kurzzeitigen Störungen des Meßsignales des Meßwertgebers
8 in der Differenz ΔΦg werden dadurch stark gefiltert und gehen nur sehr reduziert
in einen beobachteten realen Gleisüberhöhungswinkel Φb ein. Am Ausgang A1 des simulierten
Kreiselsystems 10 und damit gleichzeitig am Ausgang A1 der Beobachtereinheit 2 liegt
ein den realen Gleisüberhöhungswinkel Φg repräsentierender real beobachteter Gleisüberhöhungswinkel
Φb an, der sich wertmäßig aus dem driftbehafteten beobachteten Gleisüberhöhungswinkel
Φgb und dem störbehafteten gemessenen Gleisüberhöhungswinkel Φgs sowie der noch nachzuregelnden
(zu entstörende) Differenz ΔΦg ergibt.
[0023] Zur Erhöhung der Dynamik der vorgenannten Ermittlung eines Gleisüberhöhungswinkels
Φb ist eine weitere Beobachtereinheit 3 in das System integrierbar. Dazu werden in
der Wissensbasis 15 bereits bekannte Informationen wie Gleisgeometrie, Position aktiver
und passiver Streckenmarken (z.B. Codesender, Magnete) sowie Streckenbesonderheiten,
z.B. Haltebahnhöfe, angegeben und gespeichert.
[0024] Die Missionsüberwachung 14 ermittelt die augenblickliche Position des Zuges. Dazu
erhält sie aus der Wissensbasis 15 die aktuellen Streckendaten, die aus der integrierten
Zuggeschwindigkeit v ermittelt werden Die aktuellen Streckendaten, beispielsweise
eine in der Wissensbasis 15 abgelegte Gleisüberhöhung, werden mit dem beobachteten
Gleisüberhöhungswinkel Φb in der Missionsüberwachung 14 verglichen und bei Streckenerkennung
schaltet sich die Beobachtereinheit 3 in das System ein, d.h., die Beobachtereinheit
3 wird aktiv und erhöht die Dynamik des Ansteuersignales für die gleisbogenabhängige
Neigung. Bereits mit der Streckenerkennung durch die Missionsüberwachung 14 ist eine
Voreinstellung der Neigung am Stellsystem 5 durch einen vorher abgelegten Gleisüberhöhungswinkel
Φgw realisierbar. Das zur genauen Verstellung (Nachstellung) notwendige Differenzsignal
ΔΦs zwischen der aus der Wissensbasis 15 bekannten Gleisüberhöhung, dem daraus bekannten
Gleisüberhöhungswinkel Φgw und dem in der Beobachtereinheit 2 beobachteten realen
Gleisüberhöhungswinkel Φb liefert der Vergleicher 17. Dieses Differenzsignal ΔΦs wird
durch eine verzögernde Rückkopplung K, ähnlich der Beobachtereinheit 2, auf Null geregelt.
Durch die sich aus der Rückkopplung des Differenzsignals ΔΦs ergebene Filterung des
beobachteten Gleisüberhöhungswinkels Φb werden Störsignale also zusätzlich gedämpft.
Ist die Beobachtereinheit 3 nicht aktiv, liegt dieser Gleisüberhöhungswinkel Φb zeitgleich
am Ausgang A1 der Beobachtereinheit 3 an. Wird die Beobachtereinheit 3 aktiviert,
so erfolgt, wie bereits beschrieben, die Ermittlung des beobachteten Gleisüberhöhungswinkels
Φb durch die zusätzliche Einbeziehung von Streckendaten.
In der der Beobachtereinheit 3 nachfolgenden Neigewinkelgeneriereinheit 4 wird aus
dem beobachteten Gleisüberhöhungswinkel Φb, der Zuggeschwindigkeit v, der Winkelgeschwindigkeit
ωG (Giergeschwindigkeit) und der Erdbeschleunigung g ein Neigewinkel Φ
N gegenüber dem Fahrgestell berechnet und als Sollwert bzw. Ansteuer- und Schaltsignal
Φ
N für das Wagenkasten-Neigesystem an das Stellsystem 5 gegeben. Nur bei Überschreitung
eines Schwellwertes wird das Stellsystem aktiviert. Die Berechnung bzw. Generierung
des Neigewinkels Φ
N erfolgt in bekannter Art und Weise.
Bezugszeichenliste
[0025]
- 1
- Sensorpaket
- 2
- Beobachtereinheit
- 3
- Beobachtereinheit
- 4
- Neigewinkelgeneriereinheit
- 5
- Stellsystem
- 6
- Meßwertgeber
- 7
- Meßwertgeber
- 8
- Meßwertgeber
- 9
- Meßwertgeber
- 10
- Simuliertes inverses Kreiselsystem
- 11
- Vergleicher
- 12
- Meßwertauswertung
- 13
- Zuggeschwindigkeitsintegrator
- 14
- Missionsüberwachung
- 15
- Wissensbasis
- 16
- Korrektureinheit
- 17
- Vergleicher
- ωR
- Rollwinkelgeschwindigkeit
- ωG
- Giergeschwindigkeit
- ωs
- geschätzte Winkelgeschwindigkeit
- Φg
- realen Gleisüberhöhungswinkel
- Φgb
- beobachteter (geschätzter) Gleisüberhöhungswinkel
- Φgs
- gemessener Gleisüberhöhungswinkel
- Φb
- beobachteter realer Gleisüberhöhungswinkel
- Φgw
- abgelegter Gleisüberhöhungswinkel
1. Verfahren zur Generierung eines Sensorsignales unter Verwendung von Meßsignalen für
die Zuggeschwindigkeit (v), für die Winkelgeschwindigkeit eines Fahrgestells um die
Rollachse (ωR) sowie für die Querbeschleunigung (aq), dadurch gekennzeichnet, daß ein Gleisüberhöhungswinkel (Φg) aus der Rollwinkelgeschwindigkeit (ωR) und einer
zusätzlich gemessenen Gierwinkelgeschwindigkeit (ωG) des Fahrgestells um die Gierachse
ermittelt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet daß der Gleisüberhöhungswinkel (Φg) aus der gemessenen Rollwinkelgeschwindigkeit
(ωR) als ein Gleisüberhöhungswinkel (Φgb) geschätzt wird, dieser geschätzte Gleisüberhöhungswinkel
(Φgb) mit dem aus der Querbeschleunigung (aq), der zusätzlich gemessenen Gierwinkelgeschwindigkeit
(ωG) und der Zuggeschwindigkeit (v) ermittelten Gleisüberhöhungswinkel (Φgs) verglichen
wird, wobei die dabei auftretende Differenz (ΔΦg) zurückgekoppelt und dabei gefiltert
wird und ein daraus resultierender beobachteter Gleisüberhöhungswinkel (Φb) den realen
Gleisüberhöhungswinkel (Φg) repräsentiert, der driftkompensiert und rauscharm ist.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß das simulierte Kreiselsystem (10) als inverses Modell eines Meßwertgebers (6)
On-Line mit den Meßsignalen der Rollwinkelgeschwindigkeit (ωR) versorgt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß in das simulierte inverse Kreiselsystem (10) Sensorkomponenten des Meßwertgebers
(6) einbezogen werden.
5. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß zur Erhöhung der Dynamik der Erzeugung des Ansteuersignales (ΦN) eine weitere Beobachtereinheit (3) in das System eingeschaltet wird, in der bereits
bekannte Streckeninformationen abgelegt sind, die abgerufen werden.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß eine Missionsüberwachung (14) die augenblickliche Position des Zuges mit Hilfe
eines Zuggeschwindigkeitsintegrators (13) ermittelt, die beobachtete Gleisüberhöhung
mit einer abgelegten Gleisüberhöhung einer Wissensbasis (15) vergleicht und bei Streckenerkennung
die Beobachtereinheit (3) in das System schaltet.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß mit der Streckenerkennung durch die Missionsüberwachung (14) eine Voreinstellung
der Neigung am Stellsystem (5) erfolgt und zur genauen Feststellung ein Vergleich
zwischen dem beobachteten Gleisüberhöhungswinkel (Φb) aus der Beobachtereinheit (2)
und dem bekannten Gleisüberhöhungswinkel (Φgw) aus der Wissenbasis (15) erfolgt, wobei
die Differenz (ΔΦs) zur Nachregelung des den realen Gleisüberhöhungswinkels (Φg) repräsentierenden
benutzt wird.
8. Verfahren nach einem oder mehreren der vorgenannten Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß aus dem Gleisüberhöhungswinkel (Φg), der Zuggeschwindigkeit (v), der Giergeschwindigkeit
((ωG) und der Erdbeschleunigung (g) ein Neigewinkel (ΦN) berechnet wird, der als Ansteuersignal für eine Verstellung eines Stellsystems (5)
genutzt wird.
9. Vorrichtung zur Generierung eines Sensorsignales mittels Meßwertgebern zur Ermittlung
der Fahrzeuggeschwindigkeit (v), der Winkelgeschwindigkeit (ωR) des Fahrgestells in
Rollachse sowie der Querbeschleunigung (aq) des Wagenkastens, dadurch gekennzeichnet, daß zur Ermittlung eines Gleisüberhöhungswinkels (Φg) parallel zum Meßwertgeber (6)
zur Ermittlung der Winkelgeschwindigkeit (ωR) ein weiterer Meßwertgeber (7) für die
Messung der Gierwinkelgeschwindigkeit (ωG) geschaltet ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen den Meßwertgebern (6 und 7) und einem Stellsystem (5) mindestens eine
Beobachtereinheit (2) zur Ermittlung eines beobachteten Gleisüberhöhungswinkels (Φgb)
eingebaut ist.
11. Vorrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Beobachtereinheit (2) aus einem simulierten inversen Kreiselsystem (10) als
Modell des Meßwertgebers (6), einem Vergleicher (10) und einer Meßwertauswertung (12)
besteht, wobei ein Eingang (E1) des inversen Kreiselsystems (10) mit einem Ausgang
(A1) des Meßwertgebers (6) verbunden ist, ein weiterer Eingang (E2) des inversen Kreiselsystems
(10) mit einem Ausgang (A1) des Vergleichers (11) ein Ausgang (A1) des inversen Kreiselsystems
(10) mit einem Eingang (E1) des Vergleichers (11), ein weiterer Eingang (E2) des Vergleichers
(11) mit einem Ausgang (A1) der Meßwertauswertung (12).
12. Vorrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß eine weitere Beobachtereinheit (3) der Beobachtereinheit (2) nachgeschaltet ist.
13. Vorrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Beobachtereinheit (3) aus einem Zuggeschwindigkeitsintegrator (13), einer
Missionsüberwachung (14), einer Wissensbasis (15), einer Korrektureinheit (16) sowie
einem Vergleicher (17) besteht, wobei ein Ausgang des Zuggeschwindigkeitsintegrator
(13) an einem Eingang (E1) der Missionsüberwachung (14) anliegt; ein weiterer Eingang
(E2) der Missionsüberwachung (14) mit einem Ausgang (A1) der Wissensbasis (15) verbunden
ist, ein Ausgang (A1) der Missionsüberwachung (14) an einem Eingang (E1) der Wissenbasis
(15) und an einem Eingang (E1) der Korrektureinheit (16) verschaltet ist, ein Ausgang
(A1) der Korrektureinheit (16) auf einen Eingang (E1) des Vergleichers (17), ein Ausgang
(A1) des Vergleichers (17) an einen Eingang (E2) der Korrektureinheit (16) und daß
ein Eingang (E1) der Beobachtereinheit (3) auf einen Eingang (E2) der Wissensbasis
(15) und auf einen Eingang (E2) des Vergleichers (17) geführt ist.
14. Vorrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß eine Neigewinkelgeneriereinheit (4) dem Beobachter (2,3) nachgeschaltet ist.