[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Korrosionsschutzbehandlung von wasserführenden
Systemen, insbesondere aus niedrig legiertem oder unlegiertem Stahl, aus Kupfer oder
Blei, sowie Mittel und Vorrichtungen zur Durchführung des Verfahrens.
[0002] Es ist bekannt, in wasserführenden Metallsystemen zur Verhinderung der Korrosion
und der damit verbundenen Beeinträchtigung der Wasserqualität dem Wasser bestimmte
chemische Stoffe zuzusetzen. Bei Durchflußsystemen, insbesondere für die Trinkwasserversorgung,
kommen dabei nur wenige Stoffe in Frage, weil die Gesundheitsgefährdung der Verbraucher
unbedingt und die Belastung des Abwassers soweit wie möglich vermieden werden müssen.
Die EP 102587-B1 beschreibt ein Verfahren zur Korrosionsschutzbehandlung wasserführender
Systeme durch Zusätze von Phosphaten und/oder Silikaten, wobei dem Wasser Natrium-
oder Kaliumcarbonate oder -hydrogencarbonate in Kombination mit diesen Phosphaten
und/oder Silikaten zugegeben werden. Hierzu wird in den Wasserstrom ein Mittel dosiert,
welches Trinatriumphosphat, Natriumsilikat und Natriumhydrogencarbonat enthält.
[0003] Die EP 510989-A1 beansprucht ein Mittel zur Verhinderung der Korrosion von Gußeisen
in Trinkwassersystemen, welches etwa drei Gewichtsteile Orthophosphat und ein Gewichtsteil
Natriumsilikat, ausgedrückt als PO
4 bzw. SiO
2, enthält. Durch Zusatz dieses Mittels zum Trinkwasser soll die Ausfällung gelöster
Mangan- und Eisenionen verhindert und der Gehalt an gelöstem Blei aus der Korrosion
von Bleirohren vermindert werden. Durch diese Veröffentlichung wird der bereits von
D. Liebich (Forum Städte-Hygiene 40 (1989) Seite 102 bis 107) berichtete synergistische
Effekt einer Zubereitung mit Phosphat und Silikat gegenüber reinem Phosphat bestätigt.
[0004] Die zur optimalen Ausnutzung des synergistischen Effekts zuzudosierenden Gewichtsmengen
Phosphat und Silikat sind nicht konstant, sondern hängen beispielsweise von der Art
des Wassers sowie von den Betriebsbedingungen und der Art des gewünschten Korrosionsschutzes
ab. So fördert ein hoher Gehalt an Neutralsalzen wie Chloriden und Sulfaten bei geringer
Säurekapazität die Korrosion (DIN 50930 Teil 2, Kapitel 5.2). Eine im stationären
Durchflußbetrieb gebildete Deckschicht aus Eisenhydroxyden, die an sich den Korrosionsvorgang
verlangsamt, kann sich bei instationärem Betrieb, d. h. bei Sauerstoffmangel, wieder
zurückbilden (A. Kuch et al., gwf-wasser/abwasser
127 (1986), Seiten 621-629). Andererseits ist nach den gesetzlichen Vorschriften jeder
Zusatz zum Trinkwasser auf das notwendige Minimum zu beschränken. Bezüglich aller
Durchflußsysteme gilt dies insbesondere für Phosphat, da es über das Abwasser zu einer
unerwünschten und schädlichen Überdüngung der Oberflächengewässer führen kann.
[0005] Im Handel sind Zubereitungen, bei denen das Gewichtsverhältnis Phosphat zu Silikat
unterschiedlich eingestellt ist. Von diesen Zubereitungen kann im konkreten Fall diejenige
ausgewählt werden, die dem Optimum am nächsten kommt. Es ist auch bekannt, zu Beginn
des Phosphat/Silikat-Korrosionsschutzverfahrens eine höhere Phosphatkonzentration
zu verwenden und später, wenn angenommen werden kann, daß sich hinreichend stabile
Deckschichten ausgebildet haben, auf eine niedrigere Phosphatkonzentration umzustellen.
Mit den genannten Produkten kann das optimale Phosphat/Silikat-Verhältnis jedoch nur
zufällig und ausnahmsweise erreicht werden. Auch ist für die Anwendung des Zweistufenverfahrens
oder bei wechselnder Wasserqualität die unwirtschaftliche Vorratshaltung mehrerer
Produkte notwendig.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zur Korrosionsschutzbehandlung wasserführender
Metallsysteme durch Dosierung einer Kombination von Phosphaten und Silikaten in den
Wasserstrom anzugeben, mit dem zu jeder Zeit ein optimales Verhältnis von Silikat
zu Phosphat bei gleichzeitiger Minimierung der Phosphatmenge eingehalten werden kann.
[0007] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren nach dem Anspruch 1 gelöst.
[0008] Es wurde nämlich überraschenderweise festgestellt, daß die bekannte synergistische
Korrosionsschutzwirkung von Phosphat/Silikat-Kombinationen auch dann eintritt, wenn
Phosphat und Silikat dem Wasserstrom getrennt zugesetzt werden. Im allgemeinen hängt
nämlich die Wirksamkeit solcher Komponenten durchaus davon ab, ob sie vorgemischt
sind oder nicht. Beispielsweise wirkt das nach der Lehre der EP 102587 dem Phosphat-Silikat-Gemisch
zugesetzte Hydrogencarbonat völlig anders als das bereits vorher im Wasser vorhandene.
[0009] Der Zusatz der Phosphate und der Silikate kann auf jede dem Fachmann bekannte Weise
geschehen. Beide können in fein verteilter fester Form durch bekannte mechanische
Dosiereinrichtungen zugesetzt werden. Es ist auch möglich, die fein verteilten festen
Wirkstoffe vor der Verwendung mittels eines geeigneten, ggf. wasserlöslichen Bindemittels
zu granulieren. Bevorzugt werden die Silikate und die Phosphate als konzentrierte
wässrige Lösungen eingesetzt. Es ist selbstverständlich auch möglich, eine Komponente
in fester Form wie beschrieben und die andere als Lösung zu verwenden.
[0010] Bevorzugte Silikatlösungen enthalten Alkalimetallsilikate, insbesondere mit einem
Modul von 1,8 bis 3,5. Mit Modul wird das Molverhältnis von Siliciumdioxid zu Alkalioxid
bezeichnet.
[0011] Besonders bevorzugt ist Natriumsilikat mit einem Modul von 2,6 bis 3,5. Vorteilhaft
sind wässrige Silikatlösungen mit einem Gehalt von mindestens 20 Gew.-% SiO
2.
[0012] Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung enthält die Silikatlösung
ein wasserlösliches Carbonat oder Hydrogencarbonat, beispielsweise des Natriums oder
des Kaliums. Die Menge dieses Carbonats oder Hydrogencarbonats ist nach oben hin durch
seine Löslichkeit in der Silikatlösung begrenzt. Vorzugsweise beträgt sie - ausgedrückt
als CO
3 - mindestens ein Zehntel, besonders bevorzugt mindestens ein Fünftel des Gewichtanteiles
SiO
2 in der Lösung.
[0013] Die wässrige Phosphatlösung hat bevorzugt eine Konzentration von mindestens 20 Gew.-%
PO
4. Als Phosphate kommen Orthophosphate, insbesondere Natriumorthophosphat, Kaliumorthophosphat,
Oligophosphate wie Natrium- und Kaliumdiphosphat, Natrium- und Kaliumtriphosphat,
Polyphosphate wie Natrium- und Kaliumpolyphosphat oder Gemische hiervon, in Betracht.
Bevorzugt sind Lösungen, die sowohl Ortho- als auch Oligo- und/oder Polyphosphate
enthalten. Letztere können sich zu Orthophosphaten umsetzen und dienen als Orthophosphat-Reservoir
für den Schutz werksferner Teile des Metallsystems, insbesondere instationär betriebener
Endstränge, wenn das ursprünglich vorhandene Orthophosphat zur Deckschichtbildung
in den werksnahen Teilen zum großen Teil aufgebraucht wurde. Bevorzugte Lösungen enthalten
25 bis 75 % des Gesamtphosphates als Orthophosphat und 25 bis 75 % in Form eines oder
mehrerer Oligo- oder Polyphosphate, jeweils als Gewichtsanteil am Gesamt-PO
4 gerechnet.
[0014] Die Formulierung "PO
4" ohne Ladungsangabe dient, wie auch "SiO
2" und "CO
3", lediglich der Definition der stöchiometrischen Rechengröße und nicht der Beschreibung
des tatsächlichen ionischen Zustands.
[0015] Das getrennte Dosieren der Phosphate und der Silikate kann mittels an sich bekannter
Mehrkomponenten-Dosiereinrichtungen geschehen. Diese Vorrichtungen können an beliebiger
Stelle stromaufwärts vor dem zu schützenden Metallsystem angeordnet sein. Dabei können
beide Komponenten an der gleichen Stelle dem Strom zugefügt werden, etwa mittels gegenüberliegender
Düsen. Es kann aber auch zunächst eine Komponente zugesetzt und im Stromverlauf, beispielsweise
mittels statischer Einbauten oder mit Hilfe von Rührern, mit dem Wasserstrom gemischt
und dann die andere Komponente zugesetzt werden. Im letzteren Fall wird bevorzugt
zunächst Phosphat und dann Silikat zudosiert. Auf diese Weise kann die bei manchen
Wässern beim Einbringen der alkalischen Silikatkomponente auftretende Ausfällung von
Erdalkalicarbonaten, die zur störenden Verkrustung der Dosiervorrichtung führen kann,
vermieden werden.
[0016] Die Dosiermengen werden vorzugsweise so bemessen, daß im Wasserstrom die Konzentration
des Phosphats 0,1 bis 6,7 mg PO
4/l, die des Silikats 1 bis 40 mg SiO
2/l beträgt. Vorzugsweise werden die dosierten Mengen der Silikat- und Phosphatlösung
unabhängig voneinander eingestellt oder geregelt. Grundlage für die Einstellgrößen
können beispielsweise Vorversuche mit den jeweils gegebenen Wandmaterialien des metallischen
wasserführenden Systems sein. Man kann aber diese Größen auch nach der aus der Wasseranalyse
ableitbaren korrosiven Aggressivität des Wassers festlegen.
[0017] Bei einer vorteilhaften Ausführungsform des Verfahrens werden die Dosiermengen der
Silikate bzw. Phosphate im Laufe der Zeit verändert. Dadurch kann beispielsweise ein
optimaler Korrosionsschutz aufrechterhalten werden, wenn sich die Wasserqualität ändert.
Andererseits kann auch die Dosierung, insbesondere des Phosphats, zurückgenommen werden,
wenn sich in dem Metallsystem eine ausreichende korrosionshemmende Deckschicht ausgebildet
hat. Dies ist sowohl hinsichtlich des Umweltschutzes als auch mit Bezug auf die Wirtschaftlichkeit
günstig.
[0018] Eine zur Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens geeignete Silikatlösung enthält
in wässriger Lösung Alkalisilikate in einer Konzentration entsprechend mindestens
20 Gew.-% SiO
2 sowie Alkalicarbonate und Hydrogencarbonate in einer Konzentration entsprechend mindestens
0,1 Gew.-% CO
3, vorzugsweise mindestens ein Zehntel, besonders bevorzugt mindestens ein Fünftel
des Gewichtsanteils SiO
2.
[0019] Eine zur Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens geeignete Phosphatlösung enthält
in wässriger Lösung Alkaliortho- und Polyphosphate, wobei jeweils 25 bis 75 Gew.-%
des Gesamtphosphats, als PO
4 gerechnet, in Form von Ortho- und von Polyphosphat vorliegt. Der Begriff Polyphosphat
soll hier Oligophosphate einschließen.
[0020] Gegenüber den Verfahren nach dem Stand der Technik, bei denen Silikat-Phosphat-Gemische
dem Wasserstrom zudosiert werden, zeichnet sich das erfindungsgemäße Verfahren dadurch
aus, daß die getrennt zudosierten Silikat- und Phosphatlösungen wesentlich höher konzentriert
sein können, als die Phosphat-Silikat-Zubereitung nach dem Stand der Technik. Hieraus
ergeben sich beispielsweise weitere wirtschaftliche Vorteile bei Transport- und Lagerhaltung.
Dies wird auch durch die DE 4321883-A1 belegt, die einen anderen Weg zur Realisierung
solcher Vorteile vorschlägt.
[0021] Mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens kann auch bei Änderungen der Wasserqualität
und der Betriebsbedingungen lediglich durch Einstellung der Dosiermengen das optimale
Silikat-Phosphat-Verhältnis aufrechterhalten werden. Diese Einstellung ist wesentlich
einfacher und schneller durchführbar als die Beschaffung und Verwendung einer neuen
Kombinationszubereitung.
[0022] Durch das erfindungsgemäße Verfahren kann nicht nur die unerwünschte Rostfärbung
des Wassers in Metallsystemen auf der Basis von Eisen, sondern auch das Inlösunggehen
gesundheitsschädlicher Mengen von Kupfer- und Bleiionen aus kupfer- bzw. bleihaltigen
Systemen mit minimalem Materialeinsatz vermieden werden.
1. Verfahren zur Korrosionsschutzbehandlung wasserführender Metallsysteme durch Dosierung
einer Kombination von Phosphaten und Silikaten in den Wasserstrom, dadurch gekennzeichnet, daß Phosphate und Silikate getrennt voneinander zudosiert werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Silikate als wäßrige Silikatlösung mit einem Modul von 1,8 bis 3,5 und einer
Konzentration von mindestens 20 Gew.-% SiO2 zudosiert werden.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Silikatlösung ein lösliches Carbonat oder Hydrogencarbonat enthält.
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Phosphate als wäßrige Phosphatlösung mit einer Konzentration von mindestens
20 Gew.-% PO4 zudosiert werden.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Phosphat in der Phosphatlösung zu jeweils 25 bis 75 Gew.-% als Ortho- und
Polyphosphat vorliegt.
6. Verfahren nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß mit Bezug auf die Stromrichtung des Wassers die Dosierung des Phosphats vor
der Dosierung des Silikats erfolgt.
7. Verfahren nach Anspruch 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Gewichtsmengen der zudosierten Silikate und Phosphate so bemessen werden,
daß dem Wasserstrom 1,0 bis 40 mg/l SiO2 und 0,1 bis 6,7 mg/l PO4 zugesetzt werden.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Gewichtsmengen der zudosierten Silikate und Phosphate aufgrund von Wasseranalysen
und/oder Vorversuchen festgelegt werden.
9. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Gewichtsmengen der zudosierten Silikate und Phosphate im Laufe der Zeit
verändert werden.
10. Mittel zur Korrosionsschutzbehandlung wasserführender Metallsysteme in einem Verfahren
nach einem der vorhergehenden Ansprüche, enthaltend in wäßriger Lösung Alkalisilikate,
-carbonate und -hydrogencarbonate in Konzentrationen von mindestens 20 Gew.-% SiO2 bzw. 0,1 Gew.-% CO3.
11. Mittel zur Korrosionsschutzbehandlung wasserführender Metallsysteme in einem Verfahren
nach einem der Ansprüche 1 bis 9, enthaltend Alkaliortho- und -polyphosphate, wobei
der Gewichtsanteil der Ortho- und Polyphosphaten am Gesamtphosphatgehalt, ausgedrückt
als PO4, jeweils 25 bis 75 Gew.-% und die Gesamtkonzentration an PO4 mindestens 20 Gew.-% beträgt.