[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen einer Zylinderkopfhaube für eine
Brennkraftmaschine gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 und eine Zylinderkopfhaube
gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 4.
[0002] Zylinderkopfhauben von heutigen Brennkraftmaschinen müssen auf dem Zylinderkopf gut
abgedichtet und möglichst körperschallentkoppelt montiert werden. Es sind dazu Lösungen
mit geteilter Haubenkonstruktion bekannt, bei denen zwei Haubenteile aus Metallblech
oder Leichtmetall-Druckguß über anvulkanisiertes Gummi miteinander verbunden sind,
welche eine schallentkoppelte Verbindung zwischen den beiden Haubenteilen (US-PS 3,692,335)
herstellen. Dieses Gummi kann gleichzeitig auch zur Anformung der Dichtung gegenüber
der bearbeiteten Zylinderkopfoberfläche dienen (DE 26 38 982). Diese bekannten Lösungen
haben sich in der Praxis nicht durchgesetzt.
[0003] Bei einer Lösung nach der heutigen Praxis wird zwischen einem Befestigungsflansch
der aus Leichtmetalldruckguß oder tiefgezogenem Blech geformten Zylinderkopfhaube
eine mit Verpressungsbegrenzern in Form von metallenen Hülsen versehene Elastomerdichtung
eingesetzt, wobei diese Hülsen von Befestigungsschrauben durchsetzt sind, welche den
Befestigungsflansch der Zylinderkopfhaube über die Elastomerdichtung an die Zylinderkopfoberfläche
anziehen. Die Dichtung ist hierbei ein vorgefertigtes, separates Teil, welches zur
Verstärkung außer den hülsenförmigen Verpressungsbegrenzern auch noch eine rahmenförmige
metallene Versteifung enthält. Hinsichtlich der Herstellkosten und der Dichtheit ist
diese Lösung zufriedenstellend, läßt aber noch Wünsche bezüglich der Schallentkoppelung
offen.
[0004] Zylinderkopfhauben aus Kunststoff werden zur Gewichtsersparnis in jüngerer Zeit bereits
eingesetzt. Eine Dichtung ist dabei wie im vorbeschriebenen Fall separat zwischen
dem Befestigungsflansch der Zylinderkopfhaube und der Zylinderkopfoberfläche eingeklemmt.
Bei solchen Kunststoffhauben hat sich als problematisch herausgestellt, daß sie sich
materialbedingt im Betrieb "setzen", was die Dichtheit beeinträchtigt. Aus diesem
Grunde werden solche Kunststoffhauben mit eingearbeiteten metallenen Befestigungshülsen
hergestellt, welche die nachteiligen Auswirkungen des Setzens bei der Befestigung
unterbinden, jedoch den Aufwand bei der Herstellung der Kunststoffhaube erhöhen.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Herstellen einer Zylinderkopfhaube
sowie eine Zylinderkopfhaube der eingangs genannten Art zu schaffen, die hinsichtlich
der Herstellkosten, der Dichteigenschaften und der Entkopplung gleichermaßen befriedigt.
[0006] Zur Lösung dieser Aufgabe dienen ein Verfahren nach Anspruch 1 und eine Zylinderkopfhaube
nach Anspruch 4.
[0007] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0008] Die Erfindung sieht eine direkte, dauerhafte und dichte Verbindung zwischen dem Elastomer
der Dichtung und dem Kunststoff der Zylinderkopfhaube mittels Klebung und vorausgehender
Koronabehandlung mindestens einer der zu verbindenden Flächen vor, wie sie schon seit
vielen Jahren in der Drucktechnik für das Bedrucken von Kunststoffoberflächen eingesetzt
wird (vgl. "Vorbehandlung von Kunststoffoberflächen für Bedruckung und Kennzeichnung"
von M. Theiwes, Firmendruckschrift der Firma ARCOTEC Oberflächentechnik GmbH, Dezember
1996). Nach einer solchen Koronabehandlung läßt sich erfindungsgemäß die vorgefertigte
Elastomerdichtung mit einvulkanisierten metallenen Versteifungen dauerhaft an das
Haubenteil aus Kunststoff direkt ankleben. Zur Vorbereitung der Klebung wird vorteilhaft
eine Hochfrequenz-Koronabehandlung der an das Haubenteil anzubindenden Fläche der
Dichtung unter Einbringen der vorgefertigten Elastomerdichtung zwischen eine Elektrode
und eine Gegenelektrode mit intensivem Elektronenbeschuß dieser Elastomerfläche vorgenommen,
um so die genannte Fläche der Dichtung zur Vorbereitung des Verklebens mit der Haube
zu aktivieren.
[0009] Bei einer Zylinderkopfhaube nach der Erfindung greifen die Befestigungsschrauben
zum Verbinden der Zylinderkopfhaube mit dem Zylinderkopf bevorzugt direkt an dem metallenen
Rahmen an. Dabei werden vorteilhaft rippenartige Vorsprünge des Elastomerteils der
Dichtung gegen die plane Zylinderkopfoberfläche flachgedrückt, wobei diese Vorsprünge
vorzugsweise innerhalb der Schraubenkraft-Angriffspunkte am Rahmen liegen. So wird
eine hohe Dichtwirkung bei gleichzeitig ausgezeichneter Schallentkopplung und damit
Geräuschdämpfung erzielt.
[0010] Die Erfindung ist im folgenden anhand schematischer Zeichnungen an Ausführungsbeispielen
mit weiteren Einzelheiten näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- einen Querschnitt durch einen perspektivisch dargestellten oberen Endbereich eines
Zylinderkopfs mit daran montierter Zylinderkopfhaube gemäß der Erfindung;
- Fig. 2 und 3
- vergrößerte Detailschnitte an den linken bzw. rechten Anbindungsstellen von Haube
und Dichtung der Fig. 1;
- Fig. 4 und 5
- in Detailschnitten gemäß den Fig. 2 und 3 eine abgewandelte Ausführung einer Zylinderkopfhaube
gemäß der Erfindung.
[0011] Fig. 1 zeigt schematisch einen Schnitt durch eine Zylinderkopfhaube 2, 4 in auf einem
Zylinderkopfgehäuse 1 montiertem Zustand. Die Stellen, an denen die Zylinderkopfhaube
2, 4 abdichtend an der Zylinderkopfoberfläche 12 anliegen, sind vergrößert in den
Fig. 2 und 3 dargestellt, wobei Fig. 3 gegenüber Fig. 1 um 180° verdreht gezeichnet
ist.
[0012] In den Fig. 2 und 3 sind die Details erheblich deutlicher zu erkennen. Mit der Bezugszahl
2 ist ein Haubenteil aus einem schlagfesten Kunststoff bezeichnet. Bezugszahl 4 bezeichnet
eine vorgefertigte Elastomerdichtung, wobei in das Elastomermaterial 6 dieser Elastomerdichtung
ein im Querschnitt im wesentlichen C-förmiger Metallrahmen 8 einvulkanisiert ist.
Auf ihrer der Zylinderkopfoberfläche 12 zugewandten Seite hat die Dichtung 4 einen
rippenartigen Vorsprung 10, der in den Fig. 2 und 3 in unverformtem Zustand gezeichnet
ist, in der montierten Lage tatsächlich jedoch an die Zylinderkopfoberfläche 12 flach
angedrückt ist, so daß sich an der Stelle unterhalb der Spitze des Vorsprungs 10 eine
Druckspitze bildet.
[0013] Die Zylinderkopfhaube 2 hat einen Flansch 14, dessen Unterseite 16 der Oberseite
5 der Dichtung 4 zugewandt ist. Auf dieser Oberseite 5 ist das Elastomer der Dichtung
4 mittels HF-Koronabehandlung aktiviert und mittels eines geeigneten Klebstoffes an
die Unterseite 16 des Flansches 14 angeklebt.
[0014] Der Flansch 14 hat beidseitig vorspringende Klauen 18, 20, mit denen er das beidseitig
abgesetzte Oberteil 9 der Dichtung 4 umgreift.
[0015] Das C-Profil des Metallrahmens 8 ist mit einer Abkröpfung 11 versehen, die parallel
zur Zylinderkopfoberfläche 12 verläuft.
[0016] Im Bereich von Schrauben 22 zum lösbaren Verbinden der Zylinderkopfhaube 2, 4 mit
dem Zylinderkopfgehäuse sind sowohl der Befestigungsflansch 14 als auch-die Elastomerdichtung
4 verbreitert (s. die perspektivische Darstellung in Fig. 1 und die Fig. 3). Der Metallrahmen
8 ist in diesem Bereich von einem Schraubendurchgangsloch durchsetzt, und die Dichtung
4 sowie der Befestigungsflansch 14 sind von größeren Durchgangslöchern zum Durchlassen
des Kopfes 24 der Schraube 22 durchsetzt.
[0017] Der im Profil C-förmige Metallrahmen 8 begrenzt definiert die Verformbarkeit des
Elastomermaterials 6 der Dichtung 4 in Richtung senkrecht zur Zylinderkopfoberfläche
12.
[0018] Die Zylinderkopfhaube wird erfindungsgemäß wie folgt hergestellt:
[0019] Zunächst wird aus einem schlagfesten Kunststoff das Haubenteil 2 mit dem Befestigungsflansch
14 in üblicher Weise geformt, z. B. im Spritzgußverfahren.
[0020] Getrennt davon wird die Dichtung 4 mit eingelegtem Metallrahmen 8 durch Vulkanisieren
des Elastomermaterials 6 in einer Form hergestellt. Die Dichtung 4 hat dann die Gestalt
gemäß den Fig. 1 bis 3.
[0021] Anschließend wird die der Unterseite 16 des Befestigungsflansches 14 zugewandte elastomere
Fläche 5 der Dichtung 4 im Hochfrequenzverfahren koronabehandelt, wobei die Dichtung
sich zwischen einer Elektrode und einer geerdeten Gegenelektrode befindet. Als Gegenelektrode
kann hierbei der Metallrahmen 8 dienen. Bei der Koronabehandlung wird die Elastomerfläche
5 der Dichtung 4 mit hoher Frequenz (25 bis 50 kHz) mit Elektronen beschossen. Durch
den intensiven Beschuß werden in der Fläche 5 die Molekülketten aufgebrochen. An die
Bruchstellen lagern sich geladene Ionen an, an die sich Moleküle eines geeigneten
Klebstoffes anlagern können. Zur Koronabehandlung genügt es in vielen Fällen, die
Elastomerfläche 5 mehrmals mit einer einfachen Walzenelektrode zu überrollen. Bei
der Serienfertigung lassen sich mehrere solche Walzenelektroden gleichzeitig einsetzen,
was die Behandlungsdauer auf wenige Sekunden reduziert.
[0022] Der Klebstoff wird nach der Koronabehandlung in Form einer Raupe auf die Oberseite
5 der Dichtung 4 und/oder die Unterseite 16 des Befestigungsflansches 14 des Haubenteils
2 aufgebracht. Danach werden Haubenteil 2 und Dichtung 4 in eine heizbare, vorgewärmte
Klebevorrichtung (nicht gezeigt) eingebracht, in denen die Teile in Klebeposition
in geschlossenem Zustand für eine vorgegebene Verweilzeit auf einer vorgegebenen Aushärtetemperatur
gehalten werden. Bei ersten Versuchen betrugen die Verweilzeit 15 min. und die Aushärtetemperatur
180° C. Danach wird die Klebevorrichtung geöffnet, und es wird die fertige Zylinderkopfhaube
2, 4 mit fest am Haubenteil 2 angeklebter Dichtung 4 aus der Klebevorrichtung entnommen.
[0023] Beim anschließenden Montieren der Zylinderkopfhaube 2, 4 am Zylinderkopfgehäuse 1
werden durch die in gleichmäßigen Abständen vorgesehenen Schraubenlöcher in der Dichtung
4 die Schrauben 22 durchgesteckt und mit den zugehörigen Gewindelöchern 25 im Zylinderkopf
verschraubt. Dabei greifen die Schraubenköpfe 24 mit ihrer Unterseite an dem Steg
13 des C-förmigen Rahmens 8 an und drücken die Dichtung 4 über diesen Steg 13 direkt
an die Zylinderkopfoberfläche 12. Die dabei erzeugte Druckkraft drückt die rippenartigen
Vorsprünge 10 der Elastomerdichtung 4 flach, so daß eine dauerhafte, leckagefreie
Dichtwirkung erzielt ist.
[0024] Eine gute Geräuschentkopplung ist einerseits durch die Wahl eines geeigneten Kunststoffes
als Werkstoff des Haubenteils 2 und andererseits durch die direkte Verklebung des
Haubenteils 2 mit dem Elastomer der Dichtung 4 ohne Zwischenschaltung von schallübertragenden
Metallelementen erzielt.
[0025] Für die abgewandelte Ausführung zeigen die Fig. 4 und 5 die beiden Verbindungsstellen
links und rechts analog zu Fig. 1 zwischen Zylinderkopfhaube 2, 4 und Zylinderkopfgehäuse
1, wobei gleiche oder gleichwirkende Teile der Einfachheit halber mit gleichen Bezugszeichen
belegt sind.
[0026] Anders als bei der Ausführung nach den Fig. 2 und 3 ist hier der metallene Rahmen
8 im Querschnitt S-förmig und liegt nur in einem begrenzten Bereich außerhalb der
Schraubenverbindung direkt an der Zylinderkopfoberfläche 12 an. Der Abstand zwischen
Zylinderkopfoberfläche 12 und Schraubenkopf 24 wird bei dieser Ausführung durch einen
Bundabschnitt 26 der Schraube 22 überbrückt.
[0027] Ein weiterer Unterschied besteht darin, daß außerhalb des Bereiches zum Durchlassen
des Schraubenschaftes und des Bundabschnittes 26 die Dichtung 4 auf der Seite der
Zylinderkopfoberfläche 12 mit zwei elastomeren Vorsprüngen 10, 10' versehen ist, die
auch in diesem Fall unverformt dargestellt sind, tatsächlich in montiertem Zustand
jedoch gegen die Zylinderkopfoberfläche 12 flachgedrückt sind. Hierdurch wird eine
abgestufte Dichtwirkung erzielt.
[0028] Bevorzugte Werkstoffe zur Herstellung des Haubenteils 2 sind Polyamid (PA 6.6) oder
Polyphenylen (PPS) mit Glasfaserverstärkung und/oder mineralischer Füllung.
[0029] Als Elastomermaterial der Dichtung 4 werden bevorzugt Acrylat-Kautschuk (ACM), Ethylen-Acrylat-Kautschuk
(AEM) oder Fluor-Kautschuk (FPM) eingesetzt.
[0030] Der Rahmen 8 wird vorteilhaft aus Stahlblech gezogen und gestanzt oder als Druckgußteil
aus einer Leichtmetallegierung, insbesondere Al-Legierung, hergestellt.
[0031] Die in der obigen Beschreibung, den Figuren und den Ansprüchen offenbarten Merkmale
können sowohl einzeln als auch in beliebiger Kombination für die Verwirklichung der
Erfindung von Bedeutung sein.
1. Verfahren zum Herstellen einer Zylinderkopfhaube für eine Brennkraftmaschine mit einem
Haubenteil (2) und einer Dichtung (4) aus einem Elastomer (6), die eine Versteifung
(8) enthält und zum Abdichten gegenüber einer Zylinderkopfoberfläche (12) dient,
gekennzeichnet durch
- Formen des Haubenteils (2) aus Kunststoff,
- Aktivieren einer dem Haubenteil gegenüberstehenden Fläche (5) der Dichtung (4) durch
Koronabehandlung,
- Aufbringen von Klebstoff (7) auf die aktivierte Fläche (5) der Dichtung und/oder
auf eine Gegenfläche (16) des Haubenteils (2),
- Einbringen von Haubenteil (2) und Dichtung (4) in eine heizbare, vorgewärmte Klebevorrichtung,
- Halten der Klebevorrichtung in geschlossenem Zustand für eine vorgegebene Zeit auf
einer vorgegebenen Temperatur und
- Entnehmen der fertigen Zylinderkopfhaube aus der Klebevorrichtung.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß auch eine der Dichtung gegenüberstehende Fläche (16) des Haubenteils (2) durch
eine Koronabehandlung aktiviert wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Koronabehandlung eine Hochfrequenzbehandlung ist.
4. Zylinderkopfhaube für eine Brennkraftmaschine mit einem Haubenteil (2) und einer Dichtung
(4) aus einem Elastomer, die eine metallene Versteifung (8) enthält und zum Abdichten
gegenüber dem Haubenteil (2) und einer Zylinderkopfoberfläche (12) dient, dadurch
gekennzeichnet, daß
- das Haubenteil (2) aus Kunststoff besteht und
- Haubenteil (2) und Dichtung (4) miteinander durch eine Koronabehandlung der dem
Haubenteil gegenüberstehenden Fläche (5) der Dichtung (4) und Verklebung mittels Klebstoff
(7) zu einer vorgefertigten Einheit verbunden sind.
5. Zylinderkopfhaube nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Versteifung (8) von einem in das Elastomer der Dichtung einvulkanisierten,
geschlossenen Rahmen gebildet ist, an dem Befestigungsschrauben (22) zum lösbaren
Verbinden der Zylinderkopfhaube (2, 4) mit dem Zylinderkopf (1) direkt angreifen.
6. Zylinderkopfhaube nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Rahmen (8) im wesentlichen C-förmigen Querschnitt hat.
7. Zylinderkopfhaube nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Dichtung (4) auf der dem Zylinderkopf (1) zugewandten Seite mindestens einen
rippenartigen Vorsprung (10) aufweist, der in montiertem Zustand der Zylinderkopfhaube
(2, 4) an der Zylinderkopfoberfläche (12) daran flachgedrückt ist.