[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anlage zum Bestimmen und Anzeigen eines
Schussfehlers nach den Oberbegriffen der unabhängigen Patentansprüche
1 bzw.
2.
[0002] Verfahren und Anlagen dieser Art werden bei Übungsschiessen verwendet. Während es
im Kriegsfall beim Beschuss eines feindlichen Flugzeuges im allgemeinen für die Geschützbedienungsmannschaften
nicht schwierig ist, eventuelle Treffer und damit Erfolg oder Misserfolg des Beschusses
festzustellen, ist dies bei Schiessübungen, wo vorzugsweise auf nicht entflammbare
und nicht abstürzende Flugziele geschossen wird, schwieriger. Um solche Schwierigkeiten
zu vermeiden, werden seit langem verschiedene Verfahren und Anlagen zur Feststellung
von Schussfehlern verwendet, die beim versuchten Treffen eines Flugzieles durch von
Boden/Luft-Geschützen abgefeuerte Projektile vorkommen.
[0003] Unter dem Begriff

Schussfehler' wird im Rahmen der vorliegenden Beschreibung der Minimalabstand zwischen
dem Flugziel und einem Projektil verstanden. Zur Bestimmung dieses Minimalabstandes
wird herkömmlicherweise wie folgt vorgegangen: mittels einer Bilderfassungseinrichtung
werden von zwei in gegenseitigem Abstand angeordneten Punkten eine Folge von Bildern
bzw. je ein Film des Flugzieles und der in der Umgebung des Flugzeuges befindlichen
Projektile aufgenommen und gleichzeitig festgestellt, unter welchen Winkeln, bezogen
auf eine Referenzposition, die Bilder aufgenommen werden. Anschliessend werden aus
diesen Filmen in einer Bildverarbeitungseinrichtung manuell oder teilautomatisch zwei
verschiedene zeitliche ebene Flugkurven des Flugzieles und zwei verschiedene zeitliche
ebene Flugkurven des Projektils bestimmt. Dann werden in einer Rechnereinheit mittels
herkömmlicher triangulatorischer Berechnungsmethoden aus den zwei zeitlichen ebenen
Flugkurven des Flugzieles die zeitliche räumliche Flugbahn des Flugzieles und aus
den zwei zeitlichen ebenen Flugkurven des Projekts die zeitliche räumliche Flugbahn
des Projekts berechnet; bei den zeitlichen räumlichen Flugbahnen handelt es sich im
mathematischen Sinne um vierdimensionale Kurven, da jedem Kurvenpunkt drei Längendimensionen
und eine Zeitdimension zugeschrieben werden müssen. Im weiteren werden die beiden
räumlichen Flugbahnen des Flugzieles und des Projektils verglichen und der zwischen
ihnen liegende Minimalabstand festgestellt, der dem Minimalabstand zwischen dem Flugziel
und dem Projektil und damit dem Schussfehler entspricht; dieser Minimalabstand ist
im allgemeinen nicht gleich dem Minimalabstand der Trajektorien des Flugzieles und
des Projektils. Schliesslich wird der so bestimmte Schussfehler der Geschützbedienungsmannschaft
angezeigt.
[0004] Bei der Durchführung dieses Verfahrens sind zahlreiche Gegebenheiten und Einflussfaktoren
zu berücksichtigen. Beispielsweise werden die Projektile im allgemeinen nicht als
Einzelgeschosse sondern in Seriefeuer abgegeben; anstelle von Flugbahnen einzelner
Projektile sind dann Flugbahnscharen von Projektilgarben zu ermitteln. Bei den verwendeten
Geschossen handelt es sich häufig um zerlegbare Geschosse, wobei meist auch die Zerlegungszeit
bestimmbar ist. Besondere Probleme treten auf, wenn mehrere Flugziele vorhanden sind,
was zur Schaffung eines wirlichkeitsnahen Szenarios notwendig wäre. Eine gewisse Rolle
spielen auch die herrschenden meteorologischen Verhältnisse.
[0005] Das Verfahren und die Anlage der vorbekannten, eingangs genannten Art wurden entwickelt,
um die Durchführung von Schiessübungen in ökologischer und ökonomischer Hinsicht vorteilhafter
zu gestalten, als dies bei der ursprünglich üblichen Methode nach dem System von

Versuch und Irrtum

der Fall war; das heisst, dass man bestrebt war, den Munitionsverbrauch und die Lärmentwicklung
zu vermindern, ohne den Lerneffekt zu beeinträchtigen; dennoch war man bestrebt, die
Schiessübungen unter mindestens annähernd realistischen Bedingungen stattfinden zu
lassen, wie sie beispielsweise beim Unterricht mit Schiessimulatoren nie herrschen
können. Die Erwerbung der notwendigen Fähigkeiten zur einwandfreien Betätigung der
Geschütze sollte dadurch verbessert werden, dass die Ergebnisse der Schiessübungen
nicht nur als

Treffer

oder

Fehlschuss

qualifizierbar sind, sondern dass durch die Kenntnis der Bewegungen der Projekte,
die aufgrund der Bewegung des Flugzieles stattfindet, eine ins einzelne gehende Analyse
der Schussfehler und damit eine gründliche Beurteilung der zu beübenden Geschützbedienungsmannschaften
möglich ist.
[0006] Der Nachteil des vorbekannten Verfahrens bzw. der vorbekannten Anlage ist darin zu
sehen, dass die Zeit, welche die Bildverarbeitungseinrichtung und die Rechnereinheit
benötigen, um die zeitlichen räumlichen Flugbahnen des Flugzieles und die zeitlichen
räumlichen Flugbahnscharen der Projektile zu liefern, sehr gross ist. Den Geschützbedienungsmannschaften
werden daher die Schussfehler erst nach dem Abschluss der eigentlichen Schiessübung
im Laufe einer späteren Übungskritik zur Kenntnis gebracht. Da während der eigentlichen
Schiessübung eine Vielzahl von Flugpassagen stattfindet und dabei stets eine oder
mehrere Garben abgefeuert werden, sind bei der nachfolgenden Übungskritik, bei welcher
die Schussfehler, ihre Ursachen und Folgen den Geschützbedienungsmannschaften bekanntgegeben
werden, die Umstände der einzelnen Passagen und Schussabgaben häufig nicht mehr präsent.
Der Lerneffekt für die Geschützbedienungsmannschaften ist daher begrenzt, obwohl dem
Lehrpersonal eine Beurteilung der erzielten Fortschritte möglich ist.
[0007] Zwar ist aus der
EP-B1-0 018 673 eine für die Ausbildung von Fliegerabwehrtruppen verwendete Treffervermessung bekannt,
bei welcher die Schussfehler den Geschützbedienungsmannschaften etwas rascher, nämlich
innerhalb einiger Minuten, übermittelt und auf einem Bildschirm dargestellt werden
können. Diese Anlage weist jedoch mehrere Nachteile auf. So ist die Zeitspanne bis
zur Rückmeldung der Schussfehler an die Geschützbedienungsmannschaften noch immer
verhältnismässig hoch. Schwerwiegender ist aber, dass das verwendete Verfahren zur
Ermittlung der Bahnkurven eine Distanzmessung mittels eines Lasergerätes bedingt,
und dass die zu erfassenden Objekte, also das Flugziel und die Projektile, im Prinzip
in der Mitte des aufgenommenen Bereiches liegen müssen und diesen keinesfalls verlassen
können, da sonst keine Zuordnung der abgebildeten Punkte zu den einzelnen Schüssen
einer Garbe mehr möglich ist; im weiteren eignet sich die Anlage nicht für das weiter
unten erklärte, häufig durchgeführte und in der Schiessausbildung praktisch nicht
mehr wegzudenkende Spiegelschiessen.
[0008] Die Aufgabe der Erfindung wird somit darin gesehen, ein Verfahren und eine Anlage
zu schaffen, welche unter Vermeidung der erwähnten Nachteile eine zuverlässige Bestimmung
und rasche Anzeige bzw. Rückmeldung der Schussfehler erlauben, so dass sich die Schiessausbildung
der Geschützbedienungsmannschaften in einem wirklichkeitsnahen Szenario auf effiziente
Weise abspielen kann und mit einem ökonomisch und ökologisch vertretbaren Aufwand
durchführbar ist.
[0009] Diese Aufgabe wird, ausgehend von einem Stand der Technik gemäss dem eingangs genannten
Verfahren und der eingangs genannten Anlage, durch die Merkmale der kennzeichnenden
Teile der unabhängigen Patentansprüche
1 bzw.
2 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen und Einzelheiten der erfindungsgemässen Anlage
sind durch die abhängigen Patentansprüche definiert.
[0010] Damit die Rückmeldung bzw. Anzeige des Schussfehlers an die Geschützmannschaft in
der erwünschten kurzen Frist erfolgt, müssen die notwendigen Vorgänge in der Bildverarbeitungseinrichtung
und in der Rechnereinrichtung äusserst rasch durchgeführt werden. Erfindungsgemäss
finden in Echzeit die Bildverarbeitung für das Flugziel und das Projektil sowie die
triangulative Berechnung einer zeitlichen Folge von Punkten des Flugzieles statt,
aus welcher Folge eine zeitliche räumliche Flugbahn des Flugziels berechnet wird;
in Quasi-Echtzeit finden die Berechnung von zwei zeitlichen ebenen Flugkurven des
Projektils und die triangulatorische Berechnung einer zeitlichen räumlichen Flugbahn
des Projektils aus seinen beiden zeitlichen ebenen Flugkurven statt; ebenfalls in
Quasi-Echtzeit findet der Vergleich der zeitlichen räumlichen Flugbahnen des Flugzieles
und des Projektiles bzw. die Ermittlung des Schussfehlers und dessen Anzeige statt.
Unter Quasi-Echtzeit ist zu verstehen, dass die Vorgänge sofort jedoch jeweils erst
nach einer Salve des Geschützes bzw. einer Passage des Flugziels stattfinden. Der
Erfolg oder Misserfolg eines Schusses oder einer Garbe ist daher in einem Moment bekannt,
in welchem der Geschützbedienungsmannschaft die näheren Umstände der Flugpassage,
die Einzelheiten des Richtvorganges und die Umstände der Schussauslösung noch genau
in Erinnerung sind, so dass ohne Schwierigkeiten eine Verknüpfung von Ursache und
Wirkung stattfinden kann. Lehren aus fehlerhaftem Verhalten können daher unmittelbar,
also vor der nächsten Flugpassage und vorzugsweise sogar vor der nächsten Schussabgabe
gezogen werden, und nicht wie bisher erst nach dem Ende der Schiessübung.
[0011] Die durch die Erfindung errzielten Fortschritte sind das Ergebnis der Kombination
des in seinen Grundzügen vorbekannten Verfahrens zum Ermitteln des Schussfehlers einerseits
mit den mittels EDV in Echtzeit bzw. Quasi-Echtzeit durchgeführten Berechnungsvorgängen
und der on-line-Anzeige des Schussfehlers in Quasi-Echtzeit.
[0012] Das erfindungsgemässe Verfahren und die erfindungsgemässe Anlage lassen sich an verschiedene
Waffensysteme und Munitionsarten adaptieren.
[0013] Beispielsweise können die Detektion und Verfolgung des Flugzieles und die Auslösung
des Schusses visuell-manuell am Geschütz selbst stattfinden. In diesem Fall besteht
das Waffensystem nur aus dem bzw. den Geschützen. Allerdings können auf diese Weise
nur verhältnismässig langsame Flugziele effizient verfolgt und beschossen werden.
[0014] Es ist aber auch möglich, die Detektion und Verfolgung des Flugzieles sowie die Auslösung
des Schusses mittels eines Feuerleitgerätes selbsttätig oder teilweise selbsttätig
durchzuführen. Das Waffensystem umfasst in diesem Falle Geschütze und Feuerleitgeräte,
wobei im allgemeinen ein Feuerleitgerät mit ein bis drei Geschützen zusammenwirkt.
Der Geschützbedienungsmannschaft obliegt in einem solchen Falle, abgesehen vom in
Stellung bringen des Geschützes und von der Munitionszufuhr zum Geschütz, nur noch
die Kontrolle des Ablaufes des Richtens und der Schussabgabe, während die übrigen
Aufgaben von der Geschützbedienungsmannschaft an das Feuerleitgerät übergehen, wobei
im Rahmen der vorliegenden Beschreibung die Feuerleitgerätbemannung als zur Geschützbedienungsmannschaft
gehörig betrachtet wird. Zur erfolgreichen Verfolgung und Beschiessung von schnellen
Flugzielen wie beispielsweise Kampfjets ist ein Feuerleitgerät empfehlenswert.
[0015] Zahlreiche Waffensysteme weisen Geschütze auf, die sowohl ohne und wie auch mit Feuerleitgeräten
funktionieren können, und häufig ist es möglich, von Flugpassage zu Flugpassage oder
von Schussabgabe zu Schussabgabe zwischen der Funktion mit Feuerleitgerät und der
Funktion ohne Feuerleitgerät abzuwechseln.
Jede Bilderfassungseinheit der neuen Anlage besitzt ein Sensorteil, das fremdgesteuert
das aufzunehmende Objekt detektiert, diesem folgt und es in kurzen zeitlichen Abständen
abbildet. Ferner weist die Bilderfassungseinheit ein Positionsmessgerät auf, mit welchem
die jeweils zugehörigen räumlichen Positionen der Bilder anhand von relativ zu einer
Referenzlinie durchgeführten Messungen von Winkelpaaren festgestellt wird, und zwar
synchron mit der jeweiligen Aufnahme der Objekte.
[0016] Das Sensorteil weist als Sensor eine Kamera auf. Wenn als zu verschiessende Munition
Leuchtspurmunition gewählt wird, und wenn stets annehmbare Sichtverhältnisse herrschen,
so wird eine Videokamera eingesetzt. Um andere Munitionsarten zu verschiessen und/oder
auch bei aussergewöhnlichen Sichtverhältnissen Schiessübungen durchzuführen, kann
beispielsweise eine FLIR-Kamera benützt werden, welche allerdings kostspieliger ist
als die üblicherweise vorgesehene Videokamera. Die neue Anlage erlaubt es, den Sensorwechsel
relativ rasch durchzuführen.
[0017] Das Positionsmessgerät ist im allgemeinen theodolitenartig ausgebildet. Wesentlich
ist ein sehr ruhiger, reibungsarmer und spielfreier Lauf bzw. eine entsprechende Lagerung
und ein entsprechender Antrieb.
[0018] Während im Ernstfall der Zweck der Schussabgabe darin besteht, das Flugziel, beispielsweise
ein feindliches Flugzeug, mit den eigenen Projektilen zu treffen, stehen bei Schiessübungen
keine echten Flugzeuge als Flugziel zur Verfügung sondern es wird auf, durch Flugzeuge
gezogene, Schleppsäcke oder auf unbemannte Flugkörper, sogenannnte Drohnen, geschossen.
Wirklichkeitsnahe Szenarien können auf diese Weise aus verschiedenen Gründen nicht
geschaffen werden. Beim Schleppsackschiessen sind die Geschwindigkeit und die Wendigkeit
des Flugzieles denjenigen eines Kampfflugzeuges weit unterlegen, was die Aufgabe für
die Geschützbedienungsmannschaften zu sehr vereinfacht. Ausserdem ist es sehr schwierig,
beim Schleppsackschiessen gleichzeitig mehrere Flugziele zur Verfügung zu stellen.
Schliesslich muss auch darauf geachtet werden, dass das schleppende Flugzeug selbst
nicht getroffen wird. Es wäre im Prinzip möglich, Drohnen zu verwenden, auf welche
direkt geschossen wird, jedoch sind Drohnen, welche bezüglich Geschwindigkeit und
Wendigkeit an Kampfjets heranreichen, sehr aufwendig, so dass ihr Einsatz mit verhältnismässig
hohen Kosten verbunden ist. Der Vorteil der Verwendung von Schleppsäcken und ggfs.
Drohnen besteht darin, dass sie Flugziele bilden, welche direkt detektiert, verfolgt
und beschossen werden können, so dass immerhin in dieser Beziehung wirklichkeitsnahe
Szenarien erzeugt werden können. Schiessübungen, die sich innerhalb solcher Szenarien
abspielen, werden als Direktzielschiessen bezeichnet. Die dazu benötigte Bilderfassungseinrichtung
umfasst zwei Bilderfassungseinheiten, welche in gegenseitigem Abstand positioniert
sind. Jede Bilderfassungseinheit ist für die Aufnahme von je einer Bildfolge des Flugzieles
und der Projektile bestimmt und mit einer Bildverarbeitungseinheit verbunden, welche
zeitliche ebene Flugkurven sowohl des Flugzieles wie auch der Projektile liefert.
[0019] Um auch Schiessübungen zu veranstalten, bei denen das Flugzeug bezüglich seiner Geschwindigkeit
und Wendigkeit einem Kampfflugzeug gleichkommen, und die dadurch höhere Anforderungen
an die Geschützbedienungsmannschaften stellen, wird seit längerer Zeit das Verfahren
des Versetztzielschiessens, insbesondere des Spiegelschiessens, benützt. Man verwendet
dazu eine Spiegeleinrichtung, mittels welcher man einem Beobachter oder Richtkanonier
ein Bild des Flugzeuges in sein optisches Sichtfeld oder -gerät spiegelt, wobei das
Sichtgerät auf den Luftraumbereich, in welchen geschossen wird, gerichtet ist, während
sich das Flugzeug im spiegelbildlich gegenüberliegenden Luftraumbereich befindet.
Die echte Schussabgabe erfolgt dann auf das gespiegelte. bzw. fiktive Flugziel. Es
wird also in einen Azimut-Winkelbereich von maximal 3200 art ‰ geschossen, in welchem
sich das fiktive Flugziel befindet, während sich das echte Flugzeug im dazu spiegelsymmetrischen
Azimut-Winkelbereich bewegen kann, ohne Gefahr zu laufen, getroffen zu werden. Bei
einem derartigen Szenario muss die Bilderfassungseinrichtung vier Bilderfassungseinheiten
besitzen. Zwei voneinander beabstandete Bilderfassungseinheiten sind auf den Luftraumbereich
des echten Flugzeuges, das nicht getroffen werden soll, gerichtet und liefern zwei
Bildfolgen und zugehörige Folgen von Winkelpaaren, aus welchen mit Hilfe von zwei
mit den Bilderfassungseinheiten verbundenen Bildverarbeitungseinheiten und einer ersten
Rechnereinheit eine zeitliche räumliche Flugbahn des Flugzeuges berechnet werden.
In entsprechender Weise liefern zwei weitere Bilderfassungseinheiten, die auf den
spiegelsymmetrischen Luftraumbereich und damit auf die echten Projektile gerichtet
sind, mit Hilfe von zwei weiteren Bildverarbeitungseinheiten und einer zweiten Rechnereinheit
zwei zeitliche, ebene Flugkurven bzw. Flugkurvenscharen des Projektils bzw. der Projektile
und aus diesen eine zeitliche räumliche Flugbahn bzw. Flugbahnschar des Projektils
bzw. der Projekte. Jeweils eine auf das Flugzeug und eine auf das bzw. die Projektile(e)
gerichtete Bilderfassungseinheit sind benachbart zueinander angeordnet.
[0020] Ein Vorteil des Versetztzielschiessens besteht darin, dass es leicht möglich ist,
ein wirklichkeitsnahes Szenario nicht nur mit einem sondern mit mehreren gleichzeitig
im Zielraum ausmachbaren fiktiven bzw. gespiegelten Flugzielen zu schaffen, welche
nacheinander beschossen werden können, wobei die Geschütze jeweils sogenannte Zielwechsel
durchführen müssen.
[0021] Anschliessend an die Bestimmung der zeitlichen dreidimensionalen Flugbahn des Flugzieles
und der zeitlichen räumlichen Flugbahn des Projektils ermittelt die zweite Rechnereinheit
durch Vergleich der dreidimensionalen Flugbahnen der Projektile und des Flugziels
den Minimalabstand zwischen Flugziel und Projektil, welcher im Rahmen der vorliegenden
Erfindung als Schussfehler definiert ist.
[0022] Die Anzeige der Schussfehler bzw. deren Rückmeldung an die Geschützbedienungsmannschaften
erfolgt mit Hilfe einer Anzeigeeinrichtung. Diese umfasst im allgemeinen eine Vielzahl
von Anzeigeeinheiten, nämlich vorzugsweise eine Anzeigeeinheit pro Geschütz und eine
Anzeigeeinheit pro Feuerleitgerät. Weitere Anzeigeeinheiten können andernorts angeordnet
sein. Die Anzeige des Schussfehlers kann grafisch oder/und in Zahlenform erfolgen.
[0023] Die Rückmeldung bzw. Anzeige des Schussfehlers an die Geschützbedienungsmannschaften
kann auch so durchgeführt werden, dass nur eine zentrale Anzeigeeinheit vorhanden
ist, und dass die Rückmeldung an die Geschützbedienungsmannschaften fernmündlich erfolgt.
Eine solche Art der Schussfehlerrückmeldung kann rasch erfolgen und ist bedeutend
einfacher im Hinblick auf die benötigten Geräte, aber in Ihrer Wirkung viel weniger
effizient als die oben beschriebene Anzeigeeinrichtung mit mehreren Anzeigeeinheiten.
[0024] Wenn es auch das erklärte Ziel der Erfindung ist, eine Quasi-Echtzeit-Fehleranzeige
zu realisieren, so ist es doch von Vorteil, wenn die Schussfehler, zusammen mit den
Daten, die ihre Zugehörigkeit definieren, zwecks späterer Betrachtung archiviert werden
können. Eine Archivierung kann entweder EDV-mässig in einer Speichereinheit oder in
Form von Papierkopien erfolgen, worunter Ausdrucke mit grafischen und/oder numerischen
Angaben zu verstehen sind, die in einer dazu geeigneten Einrichtung erzeugt werden.
Selbstverständlich lassen sich auch elektronisch archivierte Daten später nicht nur
visualisieren sondern auch ausdrucken.
[0025] Die apparative Steuerung der Anlage erfolgt vorzugsweise über eine Bedienungseinrichtung.
Diese kann mehrere Bedienungseinheiten für die verschiedenen Rechnereinheiten aufweisen.
Ferner verfügt die Bedienungseinrichtung im allgemeinen über eine Anzeigeeinheit oder
auch über mehrere Anzeigeinheiten, nämlich eine pro Bedienungseinheit, wenn die letzteren
dezentral angeordnet sind.
[0026] Zur Leitung des gesamten Schiessbetriebes ist es empfehlenswert, eine übergeordnete
Kontrollstelle vorgesehen, die unter anderem für Sicherheitsmassnahmen und die Steuerung
der Flugziele zuständig ist. An dieser Stelle wird darauf hingewiesen, dass die Flugziele
im Sinne der Erfindung Teile der erfindungsgemässen Anlage sind, die durch die Kontrollstelle
gesteuert werden können, in dem Sinne, als die Piloten bei Bedarf Anweisungen von
der Kontrollstelle erhalten; Drohnen können ggfs. durch die Kontrollstelle ferngesteuert
werden.
[0027] Im folgenden wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen und mit Bezug auf
die Zeichnung ausführlich beschrieben. Es zeigt:
- Fig. 1
- eine erste Anlage nach der Erfindung, zum Direktzielschiessen, in einem vereinfachten
Schaubild;
- Fig.2
- das Prinzip des Spiegelschiessens, in einem Schaubild;
- Fig. 3
- eine zweite Anlage nach der Erfindung, zum Versetztzielschiessen, in einem vereinfachten
Schaubild;
- Fig. 4
- eine Bilderfassungseinheit, in einem Schaubild;
- Fig. 5
- eine Anzeigeeinheit, in einem Schaubild; und
- Fig. 6
- eine erfindungsgemässe Anlage in einer schematischen, vereinfachten Darstellung.
[0028] In
Fig. 1 sind ein Flugziel
10 und Geschütz
12 dargestellt, welches zum Abschiessen des Flugzieles
10 mittels eines Projekts
16 bestimmt ist. Im vorliegenden Fall soll das Flugziel
10 ein Schleppsack oder eine Drohne sein, und es wird im Direktzielverfahren geschossen.
Zur Vereinfachung der Beschreibung wird vorerst davon ausgegangen, dass die Anlage
nur ein Geschütz
12 aufweist und dass kein Feuerleitgerät vorgesehen ist, obwohl in Wirklichkeit im allgemeinen
eine Vielzahl von gleichen oder unterschiedlichen Geschützen, bei modernen Waffensystemen
fast ausschliesslich mit Feuerleitgeräten, an einer Schiessübung beteiligt ist, einerseits,
um den durch die Bereitstellung des Flugzieles entstehenden Aufwand möglichst gut
auszunutzen und anderseits, um die Schiessübung möglichst wirklichkeitsnah zu gestalten,
da ja im Ernstfalle, wenn verfügbar, auch mehrere Geschütze gleichzeitig eingesetzt
werden. Bei den Geschützen kann es sich auch um Geschütze von Flabpanzern handeln,
die aus festen Stellungen schiessen.
[0029] Vereinfachend wird die Funktion der Anlage beim Abschuss nur eines Projektils beschrieben,
obwohl in Wirklichkeit im allgemeinen nicht Einzelschüsse sondern Garben abgegeben
werden. Die Anlage kann aber auch verwendet werden, wenn Lenkgeschosse oder Raketen
verschossen werden. Häufig verwendete Projektile sind zerlegbare Projektile, wobei
der Zeitpunkt der Zerlegung fest, fest einstellbar oder gesteuert einstellbar sein
kann. Im allgemeinen ist die Anlage zum Verschiessen von Leuchtspurmunition ausgebildet,
da es dadurch möglich wird, mit einer Videokamera anstelle einer teureren FLIR-Kamera
zu arbeiten.
[0030] Die Anlage umfasst gemäss
Fig. 1 eine Bilderfassungseinrichtung; diese wird durch zwei in gegenseitigem Abstand angeordnete
Bilderfassungseinheiten
14.1, 14.2 gebildet, von welchen eine in
Fig. 4 genauer dargestellt ist.. Die Bilderfassungseinheiten
14.1, 14.2 sind in der relevanten Zeitspanne auf einen Luftraumbereichbereich
P gerichtet, in welchem sich das Flugziel
10 und möglichst auch schon das Projektil
16 befindet. Die Bilderfassungseinheiten
14.1, 14.2 dienen zur Aufnahme von Folgen von Bildern bzw. Filmen des Luftraumbereichbereichs
sowohl des Flugzieles
10 als auch des vom Geschütz
12 abgefeuerten Projektils
16 und zur Feststellung der jeweiligen räumlichen Lage der Bilder. Jede der Bilderfassungseinheiten
14.1, 14.2 besitzt dazu einen Sensorteil mit einer Kamera als Sensor und ein Positionsmessgerät
mit einem Theodoliten, der ein Winkelpaar relativ zu vorbestimmten Referenzwerten
misst, und zwar üblicherweise einen Azimutwinkel in der Horizontalen und einen Elevationswinkel
als Abweichung von der Horizontalen. Die Kamera und das zugehörige Positionsmessgerät
jeder der Bilderfassungseinheiten
14.1, 14.2 sind synchronisiert, das heisst, dass jeweils im gleichen Zeitpunkt ein Bild aufgenommen
und seine räumliche Lage durch die Messung des erwähnten Azimut- und Elevationswinkels
erfasst wird. Die Kamera ist eine Videokamera, kann aber je nach Munition und Sichtverhältnissen
durch eine FLIR-Kamera ersetzt werden.
[0031] Während beim oben mit Bezug auf
Fig. 1 beschriebenen Direktzielschiessen das Flugziel
10 selbst, in Form eines Schleppsackes oder einer Drohne, zu treffen ist, ist beim Versetztzielschiessen
bzw. Spiegelschiessen das Flugziel
10 ein fiktives Ziel, nämlich das Spiegelbild
10' eines echten Flugzeuges, beispielsweise eines regulären Kampfflugzeuges. Das Prinzip
des Spiegelschiessens ist in
Fig. 2 dargestellt und bedarf keiner weiteren Erläuterungen. Beim Direktzielschiessen sind,
wie weiter oben erläutert, zwei Bilderfassungseinheiten
14.1, 14.2 vorgesehen, die beide auf denjenigen Luftraumbereichbereich
P gerichtet sind, in welchem sich das Flugziel
10 und das Projektil
16 befinden, und die für die Erfassung der Bilder und Lagen sowohl des Flugzieles
10 wie auch des Projektils
16 zuständig sind. Beim Spiegelschiessen gemäss
Fig. 3 ist dies nicht der Fall; dort müssen, weil sich das Flugzeug
10' und das Projektil
16 in einander spiegelbildlich gegenüberliegenden Luftraumbereichbereichen
P' und
P befinden, zwei zusätzliche Bilderfassungseinheiten
14.3, 14.4 vorhanden sein. Die Bilderfassungseinheiten
14.1, 14.2 sind dann lediglich für das Projektil
16 zuständig, während die zusätzlichen Bilderfassungseinheiten
14.3, 14.4 für das echte, also nicht zu beschiessende Flugzeug
10
, jedoch nicht für das zu beschiessende gespiegelte bzw. fiktive Flugziel
10, zuständig sind.. Anlagen mit vier Bilderfassungseinheiten
14.1 bis
14.4 können ohne weiteres auch zum Direktzielschiessen verwendet werden; dabei werden
die Bilderfassungseinheiten
14.3, 14.4 nicht benützt.
[0032] Die in
Fig. 3 dargestellte Anlage weist im Gegensatz zur Anlage der
Fig. 1 ein Feuerleitgerät
18 auf. Das Detektieren und Verfolgen des Flugzieles
10 und das Auslösen des Schusses werden nicht visuell bzw. manuell durch die Geschützbedienungsmannschaft
am Geschütz
12 vorgenommen sondern das Geschütz
12 wird selbsttätig oder mit Unterstützung durch die Feuerleitgerätmannschaft vom Feuerleitgerät
18 gesteuert.
[0033] Die Bilderfassungseinheiten
14.1 bis
14.4 werden mit Hilfe eingegebener Daten zuerst auf die ungefähre Trefferposition eingewiesen,
beispielsweise durch das Feuerleitgerät
18, und anschliessend mit Daten zur Verfolgung des Flugziels
10 bzw.
10' gesteuert, welche zum Beispiel durch die Bilderfassungseinheiten
14.3, 14.4 geliefert werden. Das Flugziel muss nicht im zentralen Bereich des Bildes sein; es
kann den Rand des Bildbereichs sogar verlassen und wird dennoch wieder detektiert.
[0034] Die Bilderfassungseinheiten
14.1 bis
14.4 müssen bei jeder Witterung und in einem grossen Temperaturbereich funktionsfähig
sein. Es ist darauf zu achten, dass die optische Wahrnehmung nicht durch Regen, Schnee
oder Beschlag beeinträchtigt wird. Ausserdem müssen die Bilderfassungseinheiten durch
Sonnenblenden vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden. Als günstig hat sich
die Kombination einer Sonnenblende mit einer verschiebbaren Schutzeinrichtung erwiesen.
Je nach den zu erwartenden Temperaturverhältnissen können die Bilderfassungseinheiten
14.1 bis
14.4 eine Heiz- und/oder Kühlvorrichtung aufweisen, welche so angeordnet werden muss,
dass sie die Genauigkeit der Lagerung und des Antriebes nicht beeinträchtigt.
[0035] Auf häufig benützen Schiessplätzen sind die Bilderfassungseinheiten
14.1 bis
14.4 fest installiert werden. Es ist aber auch möglich, sie als mobile Einrichtungen auf
Fahrzeuge zu montieren, um sie im Gelände zu verwenden. Feste Installationen haben
den Vorteil, dass gewisse grundlegende aber recht aufwendige Einrichtungs-, Vermessungs-
und Justierarbeiten nur einmal und nicht vor jeder Schiessübung durchgeführt werden
müssen; anderseits lässt sich mit mobilen Installationen ein variantenreicherer Schiessunterrricht
durchführen.
[0036] Die Bilderfassungseinheiten
14.1 bis
14.4 sind mit Vorteil mindestens bis zu jenem Zeitpunkt in Betrieb, in welchem das Projektil
16 die momentane Zielebene durchstösst; als Zielebene ist für die Anlage nach der Erfindung
diejenige Ebene definiert, die sich senkrecht zur Visierlinie des Geschützes beim
Abschuss erstreckt und die das Flugziel enthält.
[0037] Zerlegbare Geschosse werden vorzugsweise mindestens bis zum Zeitpunkt ihrer Zerlegung
verfolgt.
[0038] Die Bilderfassungseinheiten
14.1 bis
14.4 bedürfen während einer Schiessübung keiner Bedienung, nach dem sie von den Hauben
befreit wurden, die sie bei Nichtgebrauch schützen.
[0039] In der Folge wird mit Bezug auf
Fig. 6 beschrieben, wie aus den durch die Bilderfassungseinheiten
14.1 bis
14.4 festgestellten Daten Schussfehler bestimmt und den Geschützbedienungsmannschaften
angezeigt werden. Der Luftraumbereichbereich
P', in welchem sich beim Spiegelschiessen das echte Flugzeug
10' befindet, ist durch einen Rahmen dargestellt; der Luftraumbereichbereich
P, in welchem sich beim Spiegelschiessen das fiktive bzw. gespiegelte Flugzeug
10 und beim Direktzielschiessen das echte Flugziel
10 befindet, ist ebenfalls durch einen Rahmen dargestellt; in diesem Luftraumbereichbereich
P befindet sich auch das Projektil
16 während derjenigen Zeitspanne, die für die Ermittlung der Schussfehler in Frage kommt.
[0040] Unabhängig davon, ob zwei Bilderfassungseinheiten
14.1, 14.2 oder vier Bilderfassungseinheiten
14.1 bis
14.4 im Einsatz sind, ist an jede der Bilderfassungseinheiten
14.1, 14.2 bzw.
14.1 bis
14.4 eine Echtzeit-Bildverarbeitungseinheit
20.1, 20.2 bzw.
20.1 bis
20.4 angeschlossen. Da es sich dabei um hochpräzise Einrichtungen handelt, werden sie
vorzugsweise nicht am Standort der Bilderfassungseinheiten
14.1 bis
14.4 sondern zentral an einem geschützten Ort installiert. Jede der Bildverarbeitungseinheiten
20.1 bis
20.4 liefert die Positionen des von der zugehörigen Bilderfassungseinheit aufgenommenen
Objektes relativ zueinem Referenzpunkt, zum Beispiel der Bildmitte des entsprechenden
aufgenommenen Bildes.
[0041] Wie schon erwähnt, werden die Flugziele
10 im allgemeinen nicht unter Einzelfeuer sondem unter Seriefeuer genommen. Anstelle
der Flugkurve eines Projektils muss dann eine Flugkurvenschar einer Geschossgarbe
erfasst und verarbeitet werden. Dadurch entsteht das Problem der richtigen gegenseitigen
Zuweisung der Bilder und Projektile. Durch Plausibilitätsberechnung unter Berücksichtigung
der minimalen Triangulationsfehlerdistanz und der ballistischen Plausibilität über
mehrere aufeinanderfolgende Bilder wird sichergestellt, dass diese Zuweisung richtig
durchgeführt wird.
[0042] Die Zuweisung lässt sich allerdings nicht für eine beliebig hohe Anzahl von Projektilen
einer Serie realisieren, wobei der Grenzwert der Anzahl Geschosse, die noch zuweisbar
sind, im wesentlichen vom apparativen Aufwand bestimmt wird. Um sowohl diesen apparativen
Aufwand in vertretbaren Grenzen zu halten als auch Serien mit einer hohen Anzahl von
Geschossen bewältigen zu können, ist es vorgesehen, Serien, deren Geschosszahl den
genannten Grenzwert überschreitet, in einem herkömmlichen off-line-Verfahren zu bearbeiten,
wozu übliche halbautomatische oder manuelle Verfahren verwendet werden können. Derart
ermittelte Schussfehler können den Geschützmannschaften erst später und nicht während
der Schiessübung angezeigt werden.
[0043] Werden von einem Geschütz
12 mehrere aufeinanderfolgende, einzeln an sich erfassbare Garben auf ein Flugziel
10 abgegeben, so muss zwischen den Garben ein Intervall von einigen wenigen Sekunden
liegen, damit keine Zuweisungsprobleme entstehen.
[0044] Ein ähnliches Problem tritt auf, wenn während einer Flugpassage mehrere Flugziele
vorhanden und zu beschiessen sind. Werden hintereinander zwei verschiedene Flugziele
verfolgt und beschossen, so erfolgt dazwischen ein Zielwechsel. Um auswertbare Daten
von den Bilderfassungseinheiten
14.1 bis
14.4 und den Bildverarbeitungseinheiten
20.1 bis
20.4 sowie von weiter unten beschriebenen Rechnereinheiten
22.1, 22.2 zu erhalten, ist es notwendig, nach einem Zielwechsel eine geringe Zeitspanne vergehen
zu lassen, bis das Verfahren wieder aufgenommen wird.
[0045] Mit den Bildverarbeitungseinheiten
20.1 bis
20.4 ist gemäss
Fig. 6 ist die erste Rechnereinheit
22.1 verbunden. Sie dient dazu, für das Flugziel
10,
10' aus den von den Bildverarbeitungseinheiten
20.1 bis
20.4 gelieferten Punkten eine Folge von triangulatorisch berechneten räumlichen Punkten
zu liefern, welche zusammen eine zeitliche räumliche Flugbahn des Flugzieles
10, 10' ergeben. Im weiteren dient die erste Rechnereinheit
22.1 dazu, die von den Bildverarbeitungseinheiten
20.1 bis
20.4 gelieferten Daten des Projektils
16 an eine zweite Rechnereinheit
22.2 weiterzugeben.
[0046] In der zweiten Rechnereinheit
22.2 werden aus diesen Daten zwei zeitliche ebene Flugkurven des Projektils
16 und daraus die zeitliche räumliche Flugbahn des Projektils
16 berechnet, und anschliessend werden die zeitlichen räumlichen Flugbahnen des Flugzieles
10 (beim Direktschiessen) bzw.
10' (beim Spiegelschiessen) und des Projektils
16 verglichen, wobei beim Versetztzielschiessen die gespiegelte Anordnung des Flugzieles
10 relativ zu den von den Bilderfassungseinheiten
14.3, 14.4 aufgenommenen Daten des Flugziels
10' zu berücksichtigen ist. Der minimale Abstand zwischen den zeitlichen räumlichen Flugbahnen
des Flugziels
10 oder
10' und des Projektils
16 entspricht dem Schussfehler.
[0047] Nach der Ermittlung der Schussfehler werden die letzteren den jeweiligen Geschützbedienungsmannschaften
angezeigt bzw. rückgemeldet. Zu diesem Zweck ist jedem Geschütz
12 und ggfs. jedem Feuerleitgerät
18 eine Anzeigeeinheit
24 zugeordnet.
Fig. 5 zeigt eine Anzeigeeinheit
24 für ein Geschütz
12, welche zusammen mit einem dem Geschütz
12 zugeordneten, an sich von der Anzeigeeinheit
24 unabhängigen optischen Zielzuweisungsgerät
24' einen Arbeitsplatz bildet; die Anordnung der Anzeigeeinheit
24 und des Zielzuordnungsgerätes
24' an einem einzigen Arbeitsplatz hat den Vorteil, dass zur Bedienung bzw. Überwachung
beider Geräte
24 und
24' nur eine Person notwendig ist.
[0048] Alle Anzeigeeinheiten
24 sind hardwaremässig gleich aufgebaut. Sie sind als intelligente Terminals konzipiert
und übernehmen auch die Berechnung der Richtfehler der Geschütze
12. Ferner beinhalten sie die Verbindungsstellen zwischen den Feuerleitgeräten
18, den Geschützen
12 und einem allgemeinen Kommunikationsnetzwerk. An jeder Anzeigeeinheit
24 eines Geschützes
12 oder eines Feuerleitgerätes
18 bleiben die Ergebnisse, die während einer Flugpassage erzielt wurden, abrufbar, bis
die nächste Flugpassage stattfindet.
[0049] Zur Bedienung der Anlage ist eine Bedienungseinrichtung
26 vorgesehen, welche eine erste Bedienungseinheit
26.1 für die erste Rechnereinheit
22.1 und eine zweite Bedienungseinheit
26.2 für die zweite Rechnereinheit
22.2 besitzt. Die Bedienungseinheiten
26.1, 26.2 umfassen Bedienpulte mit Eingabegeräten, und jeder Bedienungseinheit
26.1, 26.2 ist im weiteren eine Anzeigeeinheit
24 zugeordnet. Vorzugsweise können auf diesen Anzeigeeinheiten
24 wahlweise die verschiedene Geschütze oder Feuerleitgeräte einer Batterie betreffenden
Daten abgerufen werden.
[0050] Zur zentralen Leitung und Überwachung der Schiessübungen ist schliesslich eine übergeordnete
Kontrollstelle
28 vorgesehen. Dabei handelt es sich ausdrücklich um eine für den Lehrbetrieb im Zusammenhang
mit der erfindungsgemässen Anlage einsetzbare Kontrollstelle und nicht um eine militärische
Befehlsstelle, wie sie im Ernstfall für das Schiessen mit den Geschützen zuständig
wäre. Aus praktischen Gründen empfiehlt es sich, bei stationären Anlagen die Kontrollstelle
28 an einem Ort mit guter Übersicht, beispielsweise auf einem Turm, anzuordnen. Besonders
vorteilhaft ist es, die Bedienungseinrichtung
26 in die Kontrollstelle
28 zu integrieren. In jedem Fall ist die Kontrollstelle
28 mit einem Terminal zur Eingabe der für die Durchführung der Schiessübung notwendigen
Daten und mit einer Anzeigeeinheit
24 ausgerüstet. Zu den Aufgaben der Kontrollstelle
28 gehört die Eingabe der Daten, welche die Flugpassagen und die feuernden Geschütze
12 bezeichnen. Ausserdem ist die Kontrollstelle
28 zuständig für die Einhaltuing aller Sicherheitsmassnahmen, also beispielsweise für
die Feuerfreigabe oder für Feuersperren, wenn sich beispielsweise wider Erwarten Flugkörper
wie andere militärische oder zivile Flugzeuge als die geplanten Flugziele
10 in Luftraumbereich
P befinden. Schliesslich obliegt der Kontrollstelle
28 auch die Steuerung des Flugzieles
10 oder
10' bzw. ggfs. mehrerer Flugziele, entweder - bei Flugzeugen - in Form von Anweisungen
an den Piloten oder - bei Drohnen - in Form der Steuerung derselben.
[0051] Insbesondere können durch die Kontrollstelle
28 einzelne der Geschütze
12 zeitweilig inaktiviert werden, wie dies in der weiter oben erwähnten CH-Patentanmeldung
Nr. beschrieben ist, mit dem Zweck, realitätsgetreue Richtübungen zu veranstalten
ohne jeweils zu feuern, womit eine Reduktion des Munitionsverbrauches und des Schiesslärms
beabsichtigt ist.
[0052] Wie schon erwähnt und in
Fig. 6 dargestellt, sind die verschiedenen Komponenten der Anlage durch ein Kommunikationsnetzwerk
verbunden, welches auch einen Kommunikationsrechner
22.3 der Rechnereinrichtung enthält. Ein erster Kommunikationsteil ist durch strichpunktierte
Linien dargestellt und verbindet die drei Rechnereinheiten
22.1 , 22.2, 22.3. Ein zweiter Kommunikationsteil ist durch Doppellinien dargestellt und stellt die
Verbindungen zwischen dem Kommunikationsrechner
22.3, den Anzeigeeinheiten
24, den Geschützen
12 und den Feuerleitgeräten
18 her. Ein dritter Kommunikationsteil ist durch ausgezogene Linien dargestellt und
umfasst alle übrigen Verbindungen. Als Leiter werden geeignete herkömmliche wie auch
Lichtleiter verwendet. Gesrichelte Linien zwischen einzelnen Blöcken des Schemas stellen
leiterlose Datenübermittlungswege dar.
[0053] Durch einen gestrichelten Rahmen sind in
Fig. 6 diejenigen Komponenten der Anlage zusammengefasst, die als Auswerteinrichtung
A bezeichnet werden. Die Auswerteinrichtung
A kann dezentral ausgebildet sein. Neben den bereits beschriebenen Komponenten umfasst
die Auswerteinrichtung
A auch eine Ausgabeeinrichtung
30 zur Erstellung uns Ausgabe von Papierkopien der anzeigbaren und ggfs weiterer Daten.
[0054] Ebenfalls aus
Fig. 6 ist ersichtlich, welche Komponenten der Anlage echte, auch im Ernstfall benötigte
Komponenten sind; diese, nämlich Geschütz und Feuerleitgerät, sind durch Doppellinien
begrenzt. Die anderen, durch einfache Linien begrenzten Komponenten der Anlage dienen
ausschliesslich dem Durchführen der Schiessübungen.
[0055] Damit die erfindungsgemässe Anlage zur Erfüllung der beabsichtigten Aufgaben tauglich
ist, müssen hard- und softwaremässig zahlreiche Bedingungen erfüllt sein. Von grundlegender
Wichtigkeit ist es, dass die Anlage mit einer Genauigkeit funktioniert, die üblicherweise
vorkommende Schussfehler weit übertrifft. Das rasche und genaue Funktionieren der
Anlage beruht ferner zu einem wesentlichen Teil auf dem Konzept der verwendeten Software.
1. Verfahren zum Bestimmen und Anzeigen eines Schussfehlers beim Beschuss eines Flugzieles
(
10) mit einem Projektil (
16), wobei man
- vom das Flugziel (10, 10') und das Projektil (16) enthaltenden Luftraumbereich (P, P') von zwei Orten je eine Folge von Bildern mit dem Flugziel (10, 10') und dem Projektil (16) und synchron dazu zwei Folgen von Winkelpaaren aufnimmt, welche jeweils die Lage
des Luftraumbereichs (P, P') während der Aufnahme der Bilder definieren, dann
- die Bilder des Flugziels (10, 10') mit den zeitlich zugehörigen Winkelpaaren zu einer zeitlichen räumlichen Flugbahn
des Flugziels (10, 10') verarbeitet sowie die Bilder des Projektils (16) mit den zeitlich zugehörigen Winkelpaaren zu zwei zeitlichen ebenen Flugkurven des
Projektils (16) verarbeitet und aus den beiden zeitlichen ebenen Flugkurven des Projektils (16) eine zeitliche räumliche Flugbahn des Projektils (16) berechnet;
- die beiden zeitlichen räumlichen Flugbahnen des Flugziels (10, 10') und des Projektils (16) vergleicht um daraus den als Minimalabstand zwischen dem Flugziel (10, 10') und dem Projektil (16) definierten Schussfehler ermittelt, und
- den Schussfehler anzeigt,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bestimmung der zeitlichen räumlichen Flugbahn des Flugziels (10, 10') in
Echtzeit und die Bestimmung der zeitlichen räumlichen Flugbahn des Projektils (16),
die Bestimmung des Schussfehlers sowie die Anzeige des Schussfehlers in Quasi-Echtzeit
durchgeführt wird.
2. Anlage zum Bestimmen und Anzeigen eines Schussfehlers eines Geschützes (
12) beim Beschuss eines Flugzieles (
10, 10') mit einem Projektil (
16), umfassend
- eine Bilderfassungseinrichtung mit mindestens zwei Bilderfassungseinheiten (14.1 bis 14.4), welche je einen Sensor zur Aufnahme von Folgen von Bildern des das Flugziel (10, 10') und das Projektil (16) enthaltenden Luftraumbereichs (P, P'), ein Positionsmessgerät zur
Aufnahme von Folgen von Winkelpaaren, welche die räumliche Lage des Luftraumbereichs
(P. P') bei der Aufnahme der Bilder bestimmen, und eine Synchronisiereinrichtung besitzen,
um die Aufnahmen der Bilder und der Winkelpaare zu synchronisieren,
- eine Einrichtung (20.1 bis 20.4, 22.1, 22.2), um aus den ermittelten Bildern und Winkelpaaren eine räumliche zeitliche Flugbahn
des Flugziels (10, 10') und zwei zeitliche ebene Flugkurven des Projektils (16) und daraus eine zeitliche räumliche Flugbahn des Projektils (16) zu berechnen sowie als Schussfehler den Minimalabstand zwischen dem Flugziel (10, 10') und dem Projektil (16) zu bestimmen, und
- eine Anzeigeeinrichtung (24), um den Schussfehler anzuzeigen,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die Einrichtung (20.1 bis 20.4, 22.1, 22.2) eine Bildverarbeitungseinrichtung (20.1 bis 20.4) zur Ermittlung der Lage und eine erste Rechnereinheit (22.1), welche die zeitliche räumliche Flugbahn des Flugziels (10) bestimmt, aufweist, welche Echtzeit-Einrichtungen sind,
- dass die Einrichtung (20.1 bis 20.4, 22.1, 22.2) eine zweite Rechnereinheit (22.2), welche die zeitlichen ebenen Flugkurven des Projektils (16) und die zeitliche räumliche Flugbahn des Projektils (16) sowie den Schussfehler bestimmt, aufweist, welche Quasi-Echtzeit-Einrichtungen sind,
und
- dass die Anzeigeeinrichtung (24) eine Echtzeit-Einrichtung ist.
3. Anlage nach Patentanspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bilderfassungseinrichtung zwei Bilderfassungseinheiten (14.1, 14.2) besitzt, welche auf den Luftraumbereichbereich (P) gerichtet ist, in welchem sich das Flugziel (10) und das Projektil (16) befinden.
4. Anlage nach Patentanspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bilderfassungseinrichtung zwei Bilderfassungseinheiten (14.1, 14.2) aufweist, welche auf den Luftraumbereichbereich (P) gerichtet sind, in dem sich das Projektil (16) befindet, und dass sie zwei weitere Bilderfassungseinheiten (14.3, 14.4) aufweist, welche auf den Luftraumbereichbereich (P') gerichtet sind, in dem sich das Flugziel (10') befindet, wobei sich die Luftraumbereichbereiche (P) und (P') spiegelbildlich gegenüberliegen und das fiktive, zu beschiessende Flugziel (10) durch ein mittels einer Spiegeleinrichtung erzeugtes Spiegelbild des echten, nicht
zu beschiessenden Flugzieles (10') gebildet ist.
5. Anlage nach mindestens einem der Patentansprüche 2 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass jede Bilderfassungseinheit (14.1 bis 14.4) als Sensor eine vorzugsweise austauschbare Kamera, beispielsweise eine Video- oder
FLIR-Kamera aufweist.
6. Anlage nach mindestens einem der Patentansprüche 2 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bilderfassungseinheiten (14.1 bis 14.4) ortsfest oder mobil sind.
7. Anlage nach mindestens einem der Patentansprüche 2 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
sie eine Bedienungseinrichtung (26.1, 26.2) mit Eingabegeräten zum Steuern der Rechnereinrichtung (22.1, 22.2) aufweist.
8. Anlage nach mindestens einem der Patentansprüche 2 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass sie eine Kontrollstelle (28) mit Eingabegeräten zur Feuerfreigabe bzw. Feuersperre aller oder eines Teils der
Geschütze (12) und/oder zum Steuern des Flugziels (10, 10') aufweist.
9. Anlage nach mindestens einem der Patentansprüche 2 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass sie eine Ausgabeeinrichtung (30) zur Ausgabe von Papierkopien mindestens eines Teils der darstellbaren Schussfehler
und vorzugsweise weiterer Daten aufweist.
10. Anlage nach mindestens einem der Patentansprüche 2 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass sie ein Kommunikationsnetzwerk mit konventinellen und/oder Lichtleitern aufweist.