[0001] Die Erfindung betrifft eine Klinge für land- und forstwirtshaftliche Zwecke aus Stahl,
die thermisch durch Erwärmen und Abschrecken gehärtet wird, sowie ein Verfahren zur
Herstellung einer solchen Klinge.
[0002] Durch Härten kann niedrig gekohlter Stahl, wie z.B. C22 oder C35, bei Erwärmung auf
ca. 900°C und anschließendem Abschrecken auf eine maximale Härte von bis zu 48 HRc
gehärtet werden. Diese Härte ist für einen direkten Einsatz als Schneidenkante völlig
unzureichend, hat aber den Vorteil, daß die Zähigkeit ausreichend hoch ist, so daß
eine Nachbehandlung (Anlassen) nicht erforderlich ist. Um die als Schneidkante erforderliche
Härte zu erreichen, wird bei Verfahren gemäß dem Stand der Technik die Klinge durch
ein Oberflächenhärtungsverfahren, z.B. Karbonitrieren, in der äußersten Schicht gehärtet.
Diese gehärtete Schicht kann eine Härte von 65 bis 70 HRc erreichen. Eine Klinge,
die nach dem soeben beschriebenen Verfahren hergestellt wird und die genannten Eigenschaften
hat, ist z.B. in der DE-C 42 04 000 beschrieben.
[0003] Dieses Verfahren ist für höher gekohlte Stähle nicht verwendbar, da dort das Grundmaterial
eine höhere Härte annimmt, aber ohne Nachbehandlung (Anlassen) eine zu geringe Zähigkeit
aufweist und damit die Bruchgefahr zu hoch ist. Beim Nachbehandeln durch Aalassen
würde aber der Effekt der hohen Härte von 65 bis 70 HRc in der karbonitrierten Schicht
wieder verlorengehen.
[0004] Bei der Klinge gemäß DE-C 42 04 000 andererseits ist der Verbiegewiderstand durch
die erreichbare Grundhärte limitiert, so daß es zu einem Verbiegen der Klinge kommen
kann und auch der durch die unterschiedliche Härte der gehärteten Schicht und des
Grundmaterials sich ergebende Selbstschärfeffekt durch den unterschiedlich schnellen
Verschleiß ist unzufriedenstellend, da das Grundmaterial zu schnell verschleißt.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine Klinge zu schaffen, die die obengenannten
Nachteile nicht aufweist.
[0006] Die erfindingsgemäße Aufgabe wird dadurch gelöst, daß der für die eingangs genannte
Klinge verwendete Stahl mikroborlegiert ist und einen Kohlenstoffgehalt von 0,35 bis
0,50 % hat. Vorzugsweise enthält der Stahl 0,3 bis 0,5 % Chrom und 0,0015 bis 0,008
% Bor. Dieser Stahl erreicht beim thermischen Härten eine Ansprungshärte in Öl von
48 bis 58 HRc, hat jedoch eine ganz besondere Eigenschaft, und zwar, daß er bei der
Ansprungshärte bereits eine hohe Zähigkeit aufweist und deshalb bei dieser hohen Härte
belassen werden kann.
[0007] Bei gleicher Abmessung hat eine derartige Klinge einen höheren Biegewiderstand oder
es kann bei gleichem Biegewiderstand die Dicke der Klinge reduziert werden. Dies ist
ein ganz entscheidender Vorteil, da dadurch die translatorisch zu bewegenden Massen
geringer werden und sowohl eine geringere Antriebskraft erforderlich ist als auch
der Verschleiß der Antriebselemente reduziert wird. Weiters bewegt sich eine dünnere
Klinge leichter durch das Schneidgut, was ebenfalls die erforderliche Antriebskraft
verringert und außerdem die Verstopfungsgefahr reduziert. Die Reduktion der zu bewegenden
Massen ist von großere Bedeutung, wenn man sich vor Augen hält, daß beispielsweise
bei einem 9 m langen Mähmesser für Mähdrescher ca. 120 Stück Klingen montiert sind.
[0008] Auch der durch die Härtedifferenz gegebene Selbstschärfeffekt wird durch die Anhebung
der Härte des Grundmaterials gegenüber der Klinge des Standes der Technik und damit
durch die Verringerung der Härtedifferenz zwischen Härteschicht und Grundmaterial
wesentlich verbessert. Es erhöht die Standzeit und ein Nachschleifen muß seltener
vorgenommen werden.
[0009] Erfindungsgemäß hat die Klinge eine Härte größer oder gleich 48 HRc.
[0010] Vorzugsweise weist die Klinge zumindest im Bereich der Schneide eine durch ein an
sich bekanntes Oberflächenhärtungsverfahren, vorzugsweise durch Karbonitrieren, gehärtete
Schicht an der Oberfläche mit einer Härte von 65 bis 70 HRc auf. Damit wird der Selbstschärfeffekt
optimiert.
[0011] Bei der erfindungsgemäßen Herstellung einer Klinge für land- und forstwirtschaftliche
Zwecke aus Stahl wird die Klinge aus mikroborlegiertem Stahl mit einem Kohlenstoffgehalt
von 0,35 bis 0,50 % gefertigt, durch Erwärmen und Abschrecken auf eine Härte größer
gleich 48 HRc gebracht und durch ein an sich bekanntes Oberflächenhärtungsverfahren,
vorzugsweise durch Karbonitrieren an der Oberfläche, auf eine Härte von 65 bis 70
HRc gebracht.
[0012] Beim Oberflächenhärten werden vorzugsweise mehrere Klingen in einem Stapel aufeinandergelegt,
wobei sich die Oberflächen der Klingen gegenseitig abdecken, außer in den Bereichen
der Schneiden und an der oberen Fläche der obersten Klinge und an der unteren Fläche
der untersten Klinge. Durch dieses Stapeln der Schneidklingen kann das gesamte Härteverfahren
wesentlich kostengünstiger durchgeführt werden, da einerseits in eine wesentlich kleinere
Fläche Kohlenstoff oder Stickstoff hineindiffundiert werden muß und andererseits eine
wesentlich größere Stückzahl von Schneidklingen gleichzeitig behandelt werden kann;
d.h. bei gleichen Kosten eine mehrfache Stückzahl hergestellt werden kann.
[0013] Vorzugsweise wird die Klinge aus Stahl mit 0,3 bis 0,5 % Chrom und 0,0015 bis 0,008
% Bor gefertigt.
[0014] Eine erfindungsgemäß gehärtete Klinge wird z.B., wie folgt, hergestellt:
Es wird eine Klinge aus einem Stahl mit 0,42 % C, 0,28 % Si, 1,13 % Mn, 0,012 % P,
0,001 % S, 0,40 % Cr, 0,03 % Ni, 0,041 % Ti und 0,0030 % B gefertigt und durch Erwärmen
auf 900°C und Abschrecken in Öl gehärtet. Die resultierende Ansprunghärte dieser Klinge
beträgt nach dem Härten 54 bis 56 HRc. Durch ein anschließendes Karbonitrieren nach
einem bekannten Verfahren kann man ein Härten der Oberflächenschicht mit z.B. einer
Oberflächenschichtdicke von 0,3 mm auf 66 bis 67 HRc erzielen. Trotz der hohen Werte
für die Härte ist das Material der so erzeugten Klinge ausreichend zäh, um beim Einsatz
der Klinge genügend Bruchbeständigkeit zu haben.
[0015] In den beiligenden Zeichnungen ist in Fig.1 eine von der Form her an sich bekannte
Klinge in einer Ansicht von oben gezeigt. In Fig. 2 ist ein Stapel mit Klingen im
Schnitt gemäß der Linie II-II in Fig. 1 dargestellt.
[0016] Die Klinge weist einen Körper 7 mit Befestigungsbohrungen 8 auf sowie die Schneidenbereiche
2 und 3, welche sich an die Schneide 6 anschließen und deren Härtung für die Standzeit
der Klinge ausschlaggebend ist. Werden die Klingen wie in Fig. 2 übereinander gestapelt,
so berührt die untere Fläche 4 einer Klinge 1 die obere Fläche 5 der darunterliegenden
Klinge 1 und die Oberflächen der Klingen decken sich gegenseitig ab. Die Diffusion
des Kohlenstoffs und Stickstoffs findet jedoch nur an den unbedeckten Flächen, d.h.
in den Schneidenbereichen 2 und 3 sowie an der oberen Fläche 5 der obersten Klinge
1 und der unteren Fläche 4 der untersten Klinge 1, statt. Durch das Stapeln können
in zeitsparender Weise die Schneidenbereiche mehrerer Klingen gleichzeitig oberflächengehärtet
werden, wobei auch wesentlich weniger Diffusionsgas benötigt wird, dennoch findet
an den wesentlichen Stellen, nämlich an den Schneidenbereichen 2 und 3, eine Härtung
der Oberfläche statt.
1. Klinge für land- und forstwirtschaftliche Zwecke aus Stahl, die thermisch durch Erwärmen
und Abschrecken gehärtet wird, dadurch gekennzeichnet, daß der Stahl mikroborlegiert
ist und einen Kohlenstoffgehalt von 0,35 bis 0,50 % hat.
2. Klinge nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Stahl 0,3 bis 0,5 % Chrom
und 0,0015 bis 0,008 % Bor enthält.
3. Klinge nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Klinge (1) eine Härte
größer oder gleich 48 HRc hat.
4. Klinge nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Klinge (1) durch
ein an sich bekanntes Oberflächenhärtungsverfahren, vorzugsweise durch Karbonitrieren
(Eindiffundieren von Kohlenstoff und/oder Stickstoff), an der Oberfläche zumindest
im Bereich (2, 3) der Schneide (6) eine gehärtete Schicht mit einer Härte von 65 bis
70 HRc aufweist.
5. Verfahren zur Herstellung einer Klinge für land- und forstwirtschaftliche Zwecke aus
Stahl, dadurch gekennzeichnet, daß
- die Klinge (1) aus mikroborlegiertem Stahl mit einem Kohlenstoffgehalt von 0,35
bis 0,50 % gefertigt wird,
- durch Erwärmen und Abschrecken auf eine Härte größer gleich 48 HRc gebracht wird,
- und an der Oberfläche durch ein an sich bekanntes Oberflächenhärtungsverfahren,
vorzugsweise durch Karbonitrieren, auf eine Härte von 65 bis 70 HRc gebracht wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß beim Oberflächenhärtehen mehrere
Klingen (1) in einem Stapel aufeinanderglegt sind, wobei sich die Oberflächen (4,
5) der Klingen (1) gegenseitig abdecken, außer in den Bereichen (2, 3) der Schneiden
(6) und an der oberen Fläche (5) der obersten Klinge (1) und an der unteren Fläche
(4) der untersten Klinge (1).
7. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Klinge (1) aus Stahl
mit 0,3 bis 0,5 % Chrom und 0,0015 bis 0,008 % Bor gefertigt wird.