[0001] Die Erfindung betrifft die Anwendung eines Verfahrens zur Herstellung eines verzinnten
Bandes auf ein Grundmaterial aus Kupfer oder einer Kupferlegierung.
[0002] In der elektrotechnischen Industrie werden feuerverzinnte Bänder aus Kupferwerkstoffen
u. a. für die Herstellung von Steckverbindern, Kabelschuhen, Kontaktteilen, Lötfaden
und Batterieklemmen verwendet. Die Verarbeiter stellen hohe Qualitätsansprüche sowohl
an das Grundmaterial als auch an die Überzüge. Die Qualität verzinnter Bänder hängt
entscheidend vom Ausgangszustand des Grundmaterials, von der sorgfältigen Oberflächenvorbereitung
vor dem Verzinnen und von der sachgemäßen Ausführung des Verzinnungsvorganges ab.
[0003] Es hat sich gezeigt, daß die Verzinnung von Kupferbändern mit herkömmlichen Mitteln
und Methoden, wie z. B. Einsatz von Flußmitteln, bei höchsten Qualitätsansprüchen
nicht immer zufriedenstellend und darüber hinaus noch umweltbelastend sein kann, weil
z. B. Ammoniumchloride, Zinkchloride oder bromidhaltige Lösungen zum Einsatz gelangen.
[0004] Außerdem entsteht bei diesem Verfahren eine Schlacke als Produkt der chemischen Reaktion
zwischen dem Flußmittel und den Oxiden, die den Produktionsprozeß negativ beeinflussen
kann. Verschleppte Fußmittelrückstände, z. B. Chloride, können in bestimmten Fällen
auf der verzinnten Oberfläche Flecken bilden.
[0005] Weiterhin ist aus der US-PS 2.937.108 ein Verfahren zur Verzinnung von Stahlband
als Grundmaterial bekannt, bei dem das Stahlband in einer reduzierenden Gasatmosphäre
auf eine Temperatur von 900 °C erwärmt werden muß und bei dem auf Ober- und Unterseite
des Bandes durch in flüssiges Zinn eintauchende Walzen jeweils Zinnschichten unterschiedlicher
Dicke erzeugt werden.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der genannten Art zum Zweck
der Verbesserung der Haftung der Zinnschicht auf dem Grundmaterial so zu variieren,
daß es in einfacher Weise auf ein Grundmaterial aus Kupfer oder einer Kupferlegierung
bei Ausbildung einer Zinnschicht gleichförmiger Dicke angewandt werden kann.
[0007] Zur Lösung dieser Aufgabe werden die in Anspruch 1 genannten Verfahrensschritte angewendet.
[0008] Durch das erfindungsgemäße Verfahren werden überraschenderweise eine hinreichende
Desoxidation und eine Aktivierung der Bandoberfläche erzielt, so daß eine vollflächige
Zinnschicht definierter Dicke aufgebracht werden kann. Diese Schicht ist auch dicht,
d. h. es treten keine durchgehenden Poren auf. Zwischen Bandoberfläche und der Zinnschicht
bildet sich eine intermetallische Phase (IMP) aus, die für gute Haftungsbeständigkeit
der Zinnschicht auf der Bandoberfläche sorgt.
[0009] Weitere bevorzugte Ausführungsformen des Verfahrens ergeben sich aus den Verfahrensschritten
nach den Ansprüchen 2 bis 8.
[0010] Die Erfindung wird anhand des folgenden Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Die Figur zeigt schematisch den erfindungsgemäßen Verfahrensablauf bei der Verzinnung
eines bandförmigen Grundmaterials 1 aus Kupfer oder einer Kupferlegierung. Das von
einem Abhaspel 2 ablaufende Grundmaterial 1 wird nach Passieren einer Umlenkrolle
3 in einer Vorkammer 4 unter Einhaltung einer Wasserstoff-Stickstoff-Atmosphäre auf
eine Temperatur T von etwa 200 °C erwärmt und unmittelbar anschließend durch ein Zinnbad
5 (Temperatur: 240 °C) mit Umlenkrolle 6 geführt. Überflüssiges Zinn wird von der
Abstreifung 7 zurückgehalten. Nach Passieren einer Kühlstrecke 8 und einer Umlenkrolle
9 gelangt das Verbundmaterial 10 (verzinntes Band) auf einen Aufhaspel 11.
Zahlenbeispiel:
[0011] Es wurden vier Bänder aus Kupferwerkstoffen unterschiedlicher Abmessung gemäß folgender
Tabelle in einer Vorkammer 4 konvektiv auf eine Temperatur von etwa 200 °C erwärmt
(Atmosphäre: 90/10 Stickstoff-Wasserstoff-Gasgemisch / 10 % H
2 in N
2) und durch ein Zinnbad 5 aus Reinzinn geführt. In der Tabelle sind gleichzeitig die
eingehaltenen Bandgeschwindigkeiten v angegeben.
| Legierung |
Abmessung (mm) |
v (m/min) |
Sn (Dicke D) (µm) |
| CuSn6 (C 51900) |
0,35 x 200 |
40 |
4 - 6 |
| CuFe2P (C 19400) |
0,25 x 180 |
45 |
ca 6 |
| CuNi2Si (C 70250) |
0,15 x 180 |
80 |
3 - 4 |
| CuFe2P (C 19400) |
0,25 x 120 |
55 |
4 - 6 |
[0012] Es zeigte sich eine einwandfreie Benetzung der Bänder. Es wurden Zinnschichtdicken
D gemäß der Tabelle erzielt.
1. Anwendung eines Verfahrens zur Herstellung eines bandförmigen Verbundmaterials (10)
mit einem Grundmaterial (1) aus Metall oder einer Metallegierung und mit einer Oberflächenbeschichtung
aus Reinzinn oder einer Zinnlegierung,
bei dem
a) das Grundmaterial (1) in einer reduzierenden Gasatmosphäre erwärmt,
b) das Grundmaterial (1) mit einer Schicht im µm-Bereich verzinnt und
c) das Verbundmaterial (10) schnell abgekühlt wird,
auf ein Grundmaterial (1) aus Kupfer oder einer Kupferlegierung zum Zweck der Verbesserung
der Haftung der Zinn- oder Zinnlegierungsschicht auf dem Grundmaterial (1), mit der
Maßgabe,
daß im Verfahrensschritt a) das Grundmaterial (1) für 3 bis 30 s auf eine Temperatur
T von 80 bis 300 °C erwärmt wird und
daß im Verfahrensschritt b) das Grundmaterial (1) durch ein Zinn- oder Zinnlegierungsbad
(5) gezogen wird.
2. Anwendung des Verfahrens nach Anspruch 1 für den Zweck nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die Erwärmung induktiv, konduktiv oder konvektiv erfolgt.
3. Anwendung des Verfahrens nach Anspruch 1 oder 2 für den Zweck nach Anspruch 1, dadurch
gekennzeichnet,
daß die Erwärmung auf eine Temperatur T von 100 bis 230 °C erfolgt.
4. Anwendung des Verfahrens nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3 für den Zweck
nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß als reduzierende Gasatmosphäre Wasserstoff oder ein Wasserstoff-Stickstoff-Gasgemisch
verwendet wird.
5. Anwendung des Verfahrens nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4 für den Zweck
nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß eine 0,5 bis 100 µm dicke Zinnschicht aufgebracht wird.
6. Anwendung des Verfahrens nach Anspruch 5 für den Zweck nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß eine 0,5 bis 20 µm dicke Zinnschicht aufgebracht wird.
7. Anwendung des Verfahrens nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6 für den Zweck
nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die Abkühlung mit einer Geschwindigkeit von 5 bis 50 °C/s erfolgt.
8. Anwendung des Verfahrens nach Anspruch 7 für den Zweck nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die Abkühlung mittels Gas oder Wasser erfolgt.