[0001] Die Erfindung betrifft eine Ziehvorrichtung für eine Presse nach der im Oberbegriff
von Anspruch 1 näher definierten Art.
[0002] Eine gattungsmäßige Ziehvorrichtung ist aus der DE-OS 36 40 788 bekannt. Durch den
Vorbeschleunigungszylinder mit dem Vorbeschleunigungskolben wird die Druckwange vor
Beginn des Ziehvorganges in Ziehrichtung auf die Geschwindigkeit des Ziehstößels vorbeschleunigt.
Die anschließende Blechumformung erfolgt durch eine gezielte Drucksteuerung in den
Ziehzylindern. Hierzu wird jeweils in einem zu der Druckwange der Ziehvorrichtung
gerichteten ersten Kolbenraum eines Ziehzylinders ein entsprechend geregelter Gegendruck
aufgebracht, der entgegengesetzt zur Ziehrichtung wirkt.
[0003] Nachteilig bei der bekannten Ziehvorrichtung ist jedoch, daß bei einer Abschaltung
der Presse während eines Ziehvorganges damit auch die Ziehkolben der Ziehzylinder
stehenbleiben. Zwar befindet sich in den Kolbenräumen der Ziehzylinder noch Druckmittel,
aber da während des Maschinenstillstandes keine Verdrängung mehr stattfindet, kann
auch keine Druckregelung stattfinden. Gleichzeitig findet jedoch in den Kolbenräumen
zwangsweise ein langsamer Druckabbau, z.B. durch Undichtigkeiten, statt. Die daraus
resultierende Druckveränderung im System wird um so großer, je länger der Maschinenstillstand
ist. Dies bedeutet, daß die sich in der Presse befindenden Blechteile bei einem Wiederanlaufen
der Presse wegen der unkontrollierten Umformung aufgrund veränderter Drücke als Ausschuß
aus der Presse entfernt werden müssen.
[0004] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde eine Ziehvorrichtung
der eingangs erwähnten Art derart zu verbessern, daß auch bei einem Stillstand der
Presse, insbesondere bei einem Nothalt, nach einem Wiederanlaufen die gleichen Bedingungen
wie zu Beginn des Pressenstillstandes herrschen, so daß kein Ausschuß entfernt werden
muß, sondern vielmehr sofort die unterbrochene Blechumformung zu gleichen Konditionen
vorgenommen werden kann.
[0005] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch die im kennzeichnenden Teil von Anspruch
1 genannten Merkmale gelöst.
[0006] Durch die erfindungsgemäße Steuerung mit der Steuerventileinrichtung, die als eine
Art Notsteuerung bei Pressenstillstand dafür sorgt, daß Druckverluste in dem jeweils
ersten Kolbenraum der Ziehzylinder durch eine entsprechend gesteuerte Druckmittel
Zugabe ausgeglichen werden, wird erreicht, daß bei einem Wiederanlaufen der Presse
der gleiche Druck herrscht wie bei Pressenstillstand. Dies bedeutet, die unterbrochene
Blechumformung kann mit den gleichen Bedingungen und an der gleichen Stelle fortgesetzt
werden, so daß keine Ausschußteile entstehen.
[0007] Die erfindungsgemäße Steuerung wird dabei mit relativ einfachen Zusatzteilen erreicht.
Dies gilt insbesondere dann, wenn als Druckmittelerzeuger ein bereits für den Betrieb
der Ziehvorrichtung vorhandener Druckmittelerzeuger, z.B. die Pumpe verwendet wird,
die den Vorbeschleunigungskolben des Vorbeschleunigungszylinders aktiviert.
[0008] In einfacher Weise kann die Steuerventileinrichtung als Elektroventileinrichtung
ausgebildet sein, die auf beliebige Weise durch einen Steuerbefehl bei Auftreten eines
Pressenstillstandes aktiviert wird.
[0009] In vorteilhafter Weise kann dabei vorgesehen sein, daß zwischen dem Druckerzeuger
und der Steuerventileinrichtung eine wegabhängige Ventileinrichtung angeordnet ist.
[0010] Durch diese Maßnahme kann die Aktivierung der Steuerventileinrichtung gezielt nur
dann bei einem Pressenstillstand vorgenommen werden, wenn deren Aktivierung erforderlich
ist und damit auch keine Schäden verursacht. Dies bedeutet, die Aktivierung wird nur
dann vorgenommen, wenn sich die Ziehstangen der Ziehkolben in der Position befinden,
in der aufgrund eines Druckes durch den Ziehstößel eine Blechumformung stattfindet.
Liegt kein Gegendruck durch den Ziehstößel vor, was z.B. in der oberen Stellung der
Ziehvorrichtung der Fall ist, so wird die Steuerventileinrichtung nicht aktiviert.
[0011] In konstruktiv einfacher Weise kann die wegabhängige Ventileinrichtung an der Kolbenstange
des Vorbeschleunigungskolbens mit einem Tastglied angreifen, denn die Kolbenstange
deren jeweilige Position an, insbesondere übernimmt die Kolbenstange die Rückstellfunktion
der Druckwange nach oben nach einer erfolgten Blechumformung. Dies bedeutet, die Position
der Kolbenstange kann somit in einfacher Weise zur Steuerung der Steuerventileinrichtung
verwendet werden.
[0012] Als Tastglied läßt sich z.B. ein Rollenstößel verwenden, der auf einer entsprechend
geformten Kurvenbahn am Umfang der Kolbenstange abrollt.
[0013] Zur Erfassung des Druckes in dem jeweils ersten Kolbenraum der Ziehzylinder und zu
dessen Steuerung kann ein Druckaufnehmer und ein Proportionalventil verwendet werden.
[0014] Nachfolgend ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand der Zeichnung prinzipmäßig
beschrieben.
[0015] Grundsätzlich ist die nachfolgend beschriebene Ziehvorrichtung von bekannter Bauart
und wird auch in bekannter Weise betrieben. Dies gilt insbesondere für die Vorbeschleunigungseinrichtung
und die Zieheinrichtung, weshalb nachfolgend nur die für die Erfindung wesentlichen
Teile dargestellt und näher beschrieben werden.
[0016] Die Ziehvorrichtung weist eine Druckwange 1 auf, an der eine Kolbenstange 2 eines
Vorbeschleunigungszylinders 3 mit einem Vorbeschleunigungskolben 4 angreift. Die Kolbenstange
2 ist mit dem Vorbeschleunigungskolben 4 in Wirkverbindung. Die Druckwange 1 ist mit
Auswerferstiften 5 versehen, über denen ein Blechhalter 6 (gestrichelt dargestellt)
angeordnet ist. Ein Ziehstößel 7, der während des Umformungsvorganges auf ein auf
dem Blechhalter 6 gelegtes Blech 8 einwirkt, erzeugt in Verbindung mit Ziehzylinder
9 den Umformvorgang für das Blech 8. Bei dem Ausführungsbeispiel sind vier Ziehzylinder
9 vorgesehen, wobei aus Übersichtlichkeitsgründen nur ein Ziehzylinder 9 lagerichtig
eingezeichnet ist, während die drei übrigen Ziehzylinder 9 nur zur Demonstration der
Wirkungsweise separat dargestellt sind.
[0017] Zum Betätigen der Kolbenstange 2 ist der Vorbeschleunigungszylinder 3 mit einem ersten
Druckraum 10 und einem zweiten Druckraum 11 versehen, die jeweils Druckanschlüsse
12 und 13 aufweisen.
[0018] Die Vorrichtung weist einen weiteren Zylinder 14 mit einem Kolben 15 auf, der ebenfalls
mit der Kolbenstange 2 verbunden ist. Nach Beendigung eines Umformvorganges, d.h.
wenn sich der Ziehstößel 7 in seinem unteren Totpunkt befindet, wird die Druckwange
1 durch eine entsprechende Druckbeaufschlagung des Kolbens 15, der sich zu diesem
Zeitpunkt in seiner unteren Position befindet, entgegen der Ziehrichtung gemäß Pfeil
16, wieder mit allen daran angebrachten Bauteilen nach oben in die Grundposition gefahren.
[0019] Jeder Ziehzylinder 9 ist mit einer Ziehstange 17 versehen, deren eines Ende mit der
Druckwange 1 verbunden ist, während das andere Ende in einen ersten Kolbenraum 18
des Ziehzylinders 9 ragt. Ein Ziehkolben 19 trennt den ersten Kolbenraum 18 von einem
zweiten Kolbenraum 20. Die Befüllung des ersten Kolbenraumes 18 erfolgt über eine
Fülleitung 21 mit einem Rückschlagventil 22. Der zweite Kolbenraum 20 ist mit einem
Druckspeicher 23 verbunden .
[0020] Ein Druckaufnehmer 24 mißt den IST-Druck im ersten Kolbenraum 18. Durch ein Proportionalventil
25, das mit einem Tank 26 und einer Druckbegrenzungseinrichtung 27 in Verbindung steht,
erfolgt in bekannter Weise eine Ist-/Soll-Druckregelung in dem jeweils ersten Kolbenraum
1 jedes Ziehzylinders 9 zur Steuerung des Umformvorganges für das Blech 8 durch einen
entsprechend gesteuerten Gegendruck gegenüber dem durch den Ziehstößel 7 erzeugten
Druck.
[0021] Die bisher beschriebenen Teile sind von bekannter Bauart und funktionieren in bekannter
Weise. Tritt nun, z.B. durch eine Notausschaltung, ein Pressenstillstand während eines
Umformvorganges auf, so wird eine Steuerventileinrichtung in Form einer Elektroventileinrichtung
28 durch einen entsprechenden Steuerimpuls aktiviert. Die Elektroventileinrichtung
28 gibt den Durchgang einer Druckmittelleitung 29 von einer Pumpe 30 in Richtung zu
vier Mengenregelgliedern 31 frei. Die Mengenregelglieder 31 besitzen jeweils eine
Druckausgangsleitung 32, die jeweils zu einem der vier Ziehzylinder 9 führt und dort
in den jeweils ersten Kolbenraum 18 mündet. Die Pumpe 30 stellt gleichzeitig die Pumpe
für die Druckmittelversorgung des Vorbeschleunigungszylinders 3 dar, wobei jedoch
aus Übersichtlichkeitsgründen die Verbindungsleitungen hierfür nicht dargestellt sind.
[0022] Zwischen der Pumpe 30 als Druckmittelerzeuger und der Elektroventileinrichtung 28
als Steuerventileinrichtung befindet sich in der Druckmittelzuleitung 29 eine wegabhängig
aktivierbare Ventileinrichtung 33. Die Ventileinrichtung 33 weist als Tastglied einen
Rollenstößel 34 auf, dessen Rolle an einer Kurvenbahn 35 am Außenumfang der Kolbenstange
2 abrollt.
[0023] Die wegabhängige Ventileinrichtung 33 fungiert als Sicherheitseinrichtung dafür,
daß eine Versorgung des jeweils ersten Kolbenraumes 18 jedes Ziehzylinders 9 mit Druckmittel
bei einem Pressenstillstand nur dann stattfindet, wenn dies erforderlich ist, d.h.
nur dann, wenn der Pressenstillstand während eines Umformvorganges und damit einer
Druckbeaufschlagung in Ziehrichtung 16 durch den Ziehstößel 7 stattfindet.
[0024] Wie ersichtlich ist der Verlauf der Kurvenbahn 35 dergestalt, daß die Ventileinrichtung
33 nur dann Druckmittel in Richtung zu der Elektroventileinrichtung 28 durchläßt,
wenn sich die Kolbenstange 2 nach unten bewegt. Nach der Rückstellbewegung der Kolbenstange
2 nach Beendigung des Umformvorganges ist der Durchgang geschlossen.
[0025] Solange jedoch die Elektroventileinrichtung 28 nicht aktiviert ist, wird kein Druckmittelstrom
zu den Mengenregelgliedern 31 weitergegeben. Erst bei einer Aktivierung der Elektroventileinrichtung
28 in Verbindung mit einer Position der wegabhängigen Ventileinrichtung 33 während
des Umformvorganges für das Blech 8 in Offenstellung wird Druckmittel von der Pumpe
30 jeweils in den ersten Kolbenraum 18 jedes Ziehzylinders 9 eingeleitet. Durch die
Druckaufnehmer 24 und die Proportionalventile 25 wird dabei dafür gesorgt, daß entsprechend
dosiert jeweils der Druck in dem ersten Kolbenraum 18 so geregelt wird, daß der zu
Beginn des Pressenstillstandes in dem ersten Kolbenraum herrschenden Druck während
des gesamten Pressenstillstandes beibehalten wird. Läuft die Presse wieder an, wird
die Elektroventileinrichtung 28 deaktiviert und die Ziehvorrichtung setzt in bekannter
Weise mit den korrekten Kolbendruckverhältnissen im System den Umformvorgang für das
Blech 8 fort.
1. Ziehvorrichtung für eine Presse, mit einem Ziehstößel, mit einem Blechhalter mit einem
darin gehaltenen Blech, mit einer unter dem Blechhalter angeordneten Druckwange, die
mit einer parallel zur Ziehrichtung verschiebbaren Kolbenstange verbunden ist, welche
mit einem Vorbeschleunigungskolben eines Vorbeschleunigungszylinders wirkverbunden
ist, und Ziehzylindern, die über Ziehstangen an der Druckwange angreifen, wobei die
Ziehzylinder Ziehkolben mit ersten und zweiten Kolbenräumen aufweisen, wobei der erste
zur Ziehstange gerichtete Kolbenraum während des Ziehvorganes zur Blechumformung druckgesteuert
ist,
dadurch gekennzeichnet, daß
bei Pressenstillstand während einer Blechumformung eine Steuerventileinrichtung (28)
aktivierbar ist, durch die zur Aufrechterhaltung des bei Beginn des Pressenstillstandes
herrschenden Druckes in dem ersten Kolbenraum (18) während der Zeit des Pressenstillstandes
durch einen Druckmittelerzeuger (30) Druckmittel in den ersten Kolbenraum (18) einbringbar
ist.
2. Ziehvorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Druckmittelerzeuger eine Pumpe (30) ist.
3. Ziehvorrichtung nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
die für den Vorbeschleunigungszylinder (3) vorgesehene Pumpe gleichzeitig die Pumpe
(30) für die Steuerventileinrichtung (28)ist.
4. Ziehvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Steuerventileinrichtung eine Elektroventileinrichtung (28) ist, die mit einer
der Ziehzylinderanzahl entsprechenden Anzahl von Mengenregelgliedern (32) verbunden
ist.
5. Ziehvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß
zwischen dem Druckerzeuger (30) und der Steuerventileinrichtung, (28) eine wegabhängig
steuerbare Ventileinrichtung (33) angeordnet ist, die den Druckmittelfluß zu der Steuerventileinrichtung
(28) während der Umformzeit des Bleches freigibt.
6. Ziehvorrichtung nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, daß
die wegabhängige Ventileinrichtung (33) an einer Kurvenbahn (33) der Kolbenstange
(2) mit einem Tastglied (34) angreift.
7. Ziehvorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet, daß
das Tastglied der wegabhängigen Ventileinrichtung (33) als Rollenstößel (34) ausgebildet
ist.
8. Ziehvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Ziehzylinder (9) mit einem den Druck-Ist-Wert messenden Druckaufnehmer (24) und
einem den Druck im ersten Kolbenraum regelnden Proportionalventil (25) versehen ist.