[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Führen von um ihre Längsachse rotierend
aus einem Schrägwalzwerk, insbesondere Asselwalzwerk austretenden Luppen.
[0002] Die in einem Schrägwalzwerk, insbesondere Asselwalzwerk gewalzten Luppen treten mit
einer bestimmten Geschwindigkeit aus dem Walzwerk aus und rotieren dabei um ihre eigene
Achse. Die Bewegungen der Luppen müssen während des Walzprozesses im Auslauf durch
geeignete Führungen kontrolliert oder unterstützt werden, bis sie nach Beendigung
des Walzprozesses in dem nachfolgenden Rollgang weitertransportiert werden. Zur Gestaltung
der Führungen im Auslauf existieren bis heute eine ganze Reihe mehr oder weniger aufwendiger
Vorschläge, von denen einige realisiert und in ihrer Funktionsweise bestätigt worden
sind.
[0003] Insbesondere bei Anlagen, die Luppen mit extrem großen d/s-Verhältnissen walzen (beispielsweise
d/s = 50) versagen die bekannten Auslaufführungen; denn dünnwandige Luppen können
bei hohen Temperaturen nur sehr kleine Biege- und Torsionsmomente übertragen. Stößt
die heiße Luppe im Auslauf nur gegen kleine Kanten oder wird die Vorwärtsbewegung
anderweitig, z.B. durch Durchmesserschwankungen an der Luppe behindert, kommt es sehr
schnell zu Vibrationen oder Aufstauungen, bei denen sich die Luppe wellenförmig verwirft.
In der Folge entstehen Vibrationen, die so stark werden können, daß der Walzvorgang
abgebrochen werden muß.
[0004] Auch bei einigermaßen ruhig ablaufendem Walzvorgang steigt die zu überwindende Reibkraft
mit der gewalzten Länge und damit der Masse der Luppe an. Wird die Drehbewegung der
Luppe im Auslauf nicht durch entsprechende Bauteile unterstützt, kann unter Umständen
die durch das Eigengewicht zu überwindende Reibkraft so groß werden, daß das übertragbare
Torsionsmoment überschritten wird und die Luppe tordiert wird.
[0005] Ausgehend von den geschilderten Problemen und Nachteilen und mit der Erkenntnis,
daß unsaubere Führungen im Ein- und Auslauf des Walzwerkes die Toleranzen negativ
beeinflußen und dadurch die Qualität vermindern, ist es Ziel der vorliegenden Erfindung,
eine Vorrichtung zum kontinuierlichen sicheren Führen der aus dem Schrägwalzwerk austretenden
Luppe zu schaffen, die ein Anstoßen und Verwerfen vermeidet, die die Torsionsbeanspruchung
reduziert und Schwingungen und Vibrationen weitgehend eliminiert.
[0006] Zur Lösung der Aufgabe wird erfindungsgemäß eine Vorrichtung zum Führen der Luppe
vorgeschlagen, die durch mindestens zwei sich über die gesamte maximale Luppenlänge
erstreckende rohrförmige Führungsrollen gekennzeichnet ist, die unterhalb der Auslaufebene
der Luppe parallel zur Luppenauslaufrichtung nebeneinander um ihre Längsachse drehbar
gelagert angeordnet sind.
[0007] Der Grundgedanke der vorliegenden Erfindung besteht dementsprechend darin, eine durchgehende
rotierende rohrförmige Führung für die auslaufende Luppe zu schaffen, die sicherstellt,
daß die spiralförmig auslaufende Luppe möglichst ungehindert, jedoch optimal geführt
das Walzwerk verläßt. Die durchgehenden Führungsrollen können Durchmesserschwankungen
an der auslaufenden Luppe problemlos aufnehmen, eine Verdrallung bei dünnwandigen
langen Luppen wird durch die rotierenden Führungsrollen sicher vermieden.
[0008] Vorzugsweise ist vorgesehen, daß die rohrförmigen Führungsrollen jeweils stirnseitig
gelagert sind, wie dies beispielsweise bei Rollenkühlbetten bereits praktiziert wird.
[0009] Um die Durchbiegung der rohrförmigen Führungsrollen zwischen den Lagerungen zu verhindern
ist nach einem weiteren Merkmal der Erfindung vorgesehen, daß die Führungsrollen in
Abständen durch unterhalb desselben angeordnete drehbar gelagerte Stützrollen abgestützt
sind.
[0010] Besonders bei sehr dünnwandigen langen Luppen kann es erforderlich sein, die Führungsrollen
nicht durch die spiralförmig drehende Luppe mitnehmen zu lassen. In diesem Fall ist
erfindungsgemäß vorgesehen, die rohrförmigen Führungsrollen und/oder die Stützrollen
durch auf Luppenauslaufdrehzahl synchronisierte Antriebe drehanzutreiben. Dadurch
werden auf die Luppe wirkende Torsionskräfte vermieden.
[0011] In einer bevorzugten Ausführungsform ist vorgesehen, daß zwei rohrförmige Führungsrollen
um 30° von der horizontalen Auslaufebene versetzt beidseitig unter der Luppe angeordnet
sind. In dieser Anordnung kann die Luppe gleichmäßig auf beiden Führungsrollen aufliegen
und durch diese beim Auslauf abgestützt werden.
[0012] Zur Einstellung der Lage der rohrförmigen Führungsrollen auf unterschiedliche Luppendimensionen
ist nach einem weiteren Merkmal der Erfindung vorgesehen, die Führungsrollen auf symmetrisch
zur Walzmitte angeordneten geneigten Führungsschlitten verstellbar zu lagern. Durch
Verschieben der Führungsrollen auf diesen Führungsschlitten läßt sich die Höheneinstellung
und gleichzeitig der Abstand der Führungsrollen voneinander variieren, so daß auch
im Durchmesser stark unterschiedliche Luppen sicher geführt werden können. Insbesondere
bei der Anordnung von nur zwei rohrförmigen Führungsrollen ist es sinnvoll, wenn nach
einem anderen Merkmal der Erfindung, oberhalb der rohrförmigen Führungsrollen senkrecht
über der Luppe mehrere an den Luppenmantel anlegbare und zum Auswerten der Luppe gemeinsam
wegschwenkbare kurze Führungsrollen vorgesehen sind. Diese Führungsrollen verhindern
ein seitliches Ausbrechen der auslaufenden Luppe aus der Auflage auf den rohrförmigen
Führungsrollen.
[0013] Zum Abtransport der fertiggewalzten Luppe ist schließlich erfindungsgemäß vorgesehen,
daß zwischen den unteren beiden rohrförmigen Führungsrollen heb- und senkbare Scheibenrollen
vorgesehen sind, die jeweils um eine horizontale und quer zur Luppenauslaufrichtung
verlaufende Achse drehantreibbar sind. Diese Scheibenrollen werden nach dem Wegschwenken
der oberen kurzen Führungsrollen von unten eingeschwenkt und heben die Luppe von den
rohrförmigen Führungsrollen ab, um sie in bekannter Weise auf den Umfangsnuten der
Scheibenrollen bis zur Übergabeposition an eine Abtransporteinrichtung zu transportieren.
Hiernach wird die fertiggewalzte Luppe in bekannter Weise, beispielsweise über einen
Schwenkhebel ausgeworfen.
[0014] Die vorliegende Erfindung stellt eine optimale Führungsvorrichtung für die spiralförmig
auslaufenden Luppen dar und ist insbesondere für dünnwandige Luppen günstig einsetzbar.
Bei diesen dünnwandigen Luppen kann die Verdrallungsgefahr in herkömmlichen Luppenführungen
sicher vermieden werden, eine Gefahr des Ausknickens der Luppe besteht durch die Verwendung
der durchgehenden Führung nicht mehr.
[0015] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und wird nachfolgend
beschrieben.
[0016] Die einzige Zeichnungsfigur zeigt einen Querschnitt durch eine erfindungsgemäße Vorrichtung.
Die spiralförmig auslaufende Luppe 1 wird durch zwei untere, jeweils vorzugsweise
um 30° von der horizontalen Auslaufebene versetzt angeordnete Führungsrollen 2 geführt.
Die Führungsrollen 2 sind über die maximal zu walzende Luppenlänge (z.B. 15 m) als
durchgehendes Führungsrohr ausgebildet. Jeweils stirnseitig befindet sich die Radiallagerung
3 der drehbaren rohrförmigen Führungsrollen 2. Zur Unterstützung der Führungsrollen
2 sind in entsprechenden Abständen untere Stützrollen 4 angebracht. Bei Bedarf können
die rohrförmigen Führungsrollen 2 mit einem auf die Auslaufdrehzahl der Luppe 1 synchronisierten
Antrieb angetrieben werden. Die dimensionsabhängige Einstellung der rohrförmigen Führungsrollen
2 erfolgt zentral zur Walzmitte einzeln über entsprechend geneigte Führungsschlitten
5 oder bei geringeren Durchmesserunterschieden gemeinsam um einen außerhalb angeordneten
Drehpunkt. Mehrere in Längsrichtung oben angeordnete kurze Führungsrollen 6 verhindern
ein seitliches Ausbrechen der auslaufenden Luppe 1.
[0017] Nach dem Walzende werden die oberen kurzen Führungsrollen 6 ausgeschwenkt, und zwar
in eine Stellung die bei 6.1 dargestellt ist. Die zwischen den rohrförmigen Führungsrollen
2 angeordneten angetriebenen Scheibenrollen 7 werden zum Längstransport der Luppe
1 eingeschränkt, wodurch die Luppe angehoben und in eine Übergabeposition transportiert
wird. Dort wird die fertiggewalzte Luppe 1 über einen einschwenkbaren Hebel 8 seitlich
ausgeworfen.
1. Vorrichtung zum Führen von um ihre Längsachse rotierend aus einem Schrägwalzwerk,
insbesondere Asselwalzwerk austretenden Luppen,
gekennzeichnet durch
mindestens zwei sich über die gesamte maximale Luppenlänge erstreckende rohrförmige
Führungsrollen (2), die unterhalb der Auslaufebene der Luppe (1) parallel zur Luppenauslaufrichtung
nebeneinander um ihre Längsachsen drehbar gelagert angeordnet sind.
2. Vorrichtung zum Führen von Luppen nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die rohrförmige Führungsrollen (2) jeweils stirnseitig gelagert (3) sind.
3. Vorrichtung zum Führen von Luppen nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die rohrförmigen Führungsrollen (2) in Abständen durch unterhalb derselben angeordnete
drehbar gelagerte Stützrollen (4) abgestützt sind.
4. Vorrichtung zum Führen von Luppen nach Anspruch 1, 2 oder 3
dadurch gekennzeichnet,
daß die rohrförmigen Führungsrollen (2) und/oder die Stützrollen (4) durch auf Luppenauslaufdrehzahl
synchronisierte Antriebe drehantreibbar sind.
5. Vorrichtung zum Führen von Luppen nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß bei zwei rohrförmigen Führungsrollen (2) diese um 30° von der horizontalen Auslaufebene
versetzt beidseitig unterhalb der Luppe (1) angeordnet sind.
6. Vorrichtung zum Führen von Luppen nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß zur Einstellung der Lage der rohrförmigen Führungsrollen (2) auf unterschiedliche
Luppendimensionen die Führungsrollen (2) auf symmetrisch zur Walzmitte angeordneten
geneigten Führungsschlitten (5) verstellbar gelagert sind.
7. Vorrichtung zum Führen von Luppen nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß das zur Einstellung der Lage der rohrförmigen Führungsrollen (2) auf unterschiedliche
Luppendimensionen die Führungsrollen (2) gemeinsam um einen zentralen Drehpunkt verschwenkbar
sind.
8. Vorrichtung zum Führen von Luppen nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
daß oberhalb der rohrförmigen Führungsrollen (2) senkrecht über der Luppe () mehrere
an den Luppenmantel anlegbare und zum Auswerten der Luppe (1) gemeinsam wegschwenkbare
(6.1) kurze Führungsrollen (6) vorgesehen sind.
9. Vorrichtung zum Führen von Luppen nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß zum Abtransport der gewalzten Luppe (1) zwischen den unteren beiden rohrförmigen
Führungsrollen (2) heb und senkbare Scheibenrollen (7) vorgesehen sind, die jeweils
um eine horizontale und quer zur Luppenauslaufrichtung verlaufende Achse drehantreibbar
sind.