[0001] Die Erfindung betrifft ein Transport- und Lagersystem für Rechteck-Spinnkannen -
kurz Kannen - mit Kannenspeichern und Kannenförderern zwischen ersten Maschinen, insbesondere
Strecken, die Spinnkannen - nämlich Leerkannen - füllen, und zweiten Maschinen, insbesondere
OE-Spinnmaschinen oder Flyern bzw. Jet-Spinnmaschinen, die Spinnkannen - nämlich Vollkannen
- leeren.
[0002] In einer Großspinnerei, die z.B. eine Vielzahl von Streckmaschinen mit nachgeschalteten
OE-Spinnmaschinen oder eine Vielzahl sich an die Strecken anschließenden Flyern und
Jet-Spinnmaschinen umfaßt, ist man bestrebt, zumindest die im wesentlichen automatisch
arbeitenden Spinnmaschinen ununterbrochen, Tag und Nacht, produzieren zu lassen. Das
setzt voraus, daß die Spinnmaschinen ständig mit genügend Vormaterial, also vollen
Spinnkannen (Vollkannen), versorgt werden. Da der Automatisierungsgrad bei den vorgeschalteten
Anlagen, die vom Öffnen eines als Rohmaterial angelieferten Faserballens ausgehen
können bisher nicht so weit automatisiert wie die eigentliche Spinnerei, bemüht man
sich, das Vormaterial tagsüber bzw. während der Arbeitswoche in so großer Menge vorzubereiten
und zu speichern, daß die eigentliche Spinnerei über Nacht und am Wochenende ohne
Pause durcharbeiten kann.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine automatische Versorgung zwischen den
ersten und zweiten Maschinen bzw. Anlagen ohne oder mit möglichst geringem durch das
Transport- und Lagersystem verursachten Wege- und Nutzeffektverlust zu schaffen. Eine
erfindungsgemäß bevorzugte Lösung wird im Patentanspruch 1 beschrieben. Einige Verbesserungen
und weitere Ausgestaltungen bzw. Abwandlungen der Erfindung werden in den übrigen
Ansprüchen angegeben.
[0004] Die erfindungsgemäße Lösung betrifft also ein Transport- und Lagersystem für Spinnkannen
insgesamt. Die Systemlösung umfaßt den Bereich einer Spinnerei zwischen dem Kannenausgang
der Streckerei und dem Kanneneingang der (eigentlichen) Spinnerei. In der OE- oder
Jet-Spinnerei schließt sich die Spinnmaschine, gegebenenfalls über einen zwischengeschalteten
Speicher, unmittelbar an Streckerei an. In der Ringspinnerei wird zwischen die Streckerei
und Spinnerei im allgemeinen mindestens eine Flyerstufe gesetzt.
[0005] Durch die Erfindung wird ein Transport- und Lagersystem für Spinnmaschinen geschaffen,
dessen Ziel es ist, eine Versorgung zwischen Maschinen, die Spinnkannen füllen, und
Maschinen, die Spinnkannen leeren, mit möglichst geringem Wege- und Nutzefffektverlust
zu erreichen. Erfindungsgemäß wird die Kannenteilung von der die Spinnkannen füllenden
Maschine bis zum Entnahmespeicher vor der Spinnkannen entleerenden Maschine aufrechterhalten.
Zwischen den beiden Maschinen werden bevorzugt drei Speichertypen, nämlich ein mit
Vollkannen zu füllender Speicher im Anschluß an die erste Maschine, ein Hauptspeicher
zum Auffangen von Produktionsschwankungen zwischen erster und zweiter Maschine und
ein Entnahmespeicher für die zweite Maschine vorgesehen. Im ersten Speicher müssen
immer Leerkannen vorhanden sein, im dritten Speicher müssen immer Vollkannen vorhanden
sein, damit keine Maschinenstillstandszeiten wegen Kannenmangels auftreten.
[0006] Das erfindungsgemäße Transport- und Lagersystem besitzt vorzugsweise im wesentlichen
die folgenden Komponenten:
a) Streckenspeicher
An der Kannenfüllposition einer Streckmaschine (oder eines Flyers) werden Spinnkannen
(Leerkannen) gefüllt und in den Streckenspeicher bzw. ersten Kannenspeicher gebracht.
Der Streckenspeicher enthält mindestens eine Leerkanne sowie mindestens einen Speicherplatz
für Vollkannen. Die Kannen werden jeweils nebeneinander in einheitlichen Gruppen -
Mehr-Kannen-Gruppen, z.B. Vierer-Gruppen, nur mit Leerkannen oder nur mit Vollkannen
- geordnet aufgestellt. Der Streckenspeicher kann bevorzugt aus einer Reihe einzelner
nebeneinander angeordneter Speicherplätze bestehen. Am einen Ende dieser Speicherreihe
werden dann die Leerkannen gruppenweise, z.B. mit Hilfe eines Kannenförderers (Strecken-Verschiebewagen),
angefördert und am anderen Ende der Reihe werden die Vollkannen, vorzugsweise in gleich
großen Gruppen wie die Leerkannen und mit demselben Strecken-Verschiebewagen, entnommen.
b) Strecken-Verschiebewagen
Der Strecken-Verschiebewagen bzw. erste Kannenförderer kann 1 bis n, vorzugsweise
vier Stück, Leerkannen oder Vollkannen aufnehmen und damit den Streckenspeicher mit
Gruppen von Leerkannen versorgen und Gruppen von Vollkannen aus dem Streckenspeicher
entnehmen. Gegebenenfalls holt der Strecken-Verschiebewagen Leerkannen aus einem nachgeschalteten
Lagerspeicher und bringt nach dort - vorzugsweise gleich große - Gruppen von Vollkannen.
c) Lagerspeicher
Der Lagerspeicher bzw. zweiter Kannenspeicher besteht erfindungsgemäß aus mindestens
einem Kannenfördersystem für Leerkannen und mindestens einem Kannenfördersystem für
Vollkannen. Jedes dieser Kannenfördersysteme soll in der Lage sein, eine Reihe von
mehreren hintereinander stehenden Kannengruppen auf irgendeine Weise von einem Ende
(Rückende) des Speichers zu dem anderen Ende (Kopfende) des Speichers zu transportieren.
Die Kannenfördersysteme können 1 bis n Kannen nebeneinander, vorzugsweise ist n ebenso
groß wie beim Streckenverschiebewagen, und mehrere solcher Kannengruppen hintereinander
aufnehmen. Werden in dem Lagerspeicher mehr als zwei Kannenfördersysteme vorgesehen,
können diese wahlweise Leerkannen oder Vollkannen aufnehmen. In jedem Kannenfördersystem,
das heißt jeder Kannnenreihe werden die Kannen gruppenweise vom Streckenspeicher her
am Reihenende, zugeführt und auf dem anderen Längsende der Reihe, am Reihenkopf, zweckmäßig
in gleich großen Gruppen, wieder abgenommen. Der Transport innerhalb der jeweiligen
Reihe erfolgt vorzugsweise mit Hilfe eines im Boden des Lagerspeichers jeder Reihe
angeordneten Fördermittels, das es erlaubt, die Kannenreihe, vorzugsweise bis zu einer
definierten Position am Reihenkopf, vorzuschieben. Zur Entnahme der Kannengruppen
am jeweiligen Reihenkopf wird ein Lager-Verschiebewagen vorgesehen.
d) Lager-Verschiebewagen
Der Lager-Verschiebewagen bzw. zweite Kannenförderer, stellt ein Verbindungsglied
zwischen dem vorgenannten Lagerspeicher bzw. zweiten Kannenspeicher und einer nachgeschalteten
Maschine oder einem dritten Kannenspeicher dar. Der Lager-Verschiebewagen soll erfindungsgemäß
so ausgebildet werden, daß er eine Gruppe von 1 bis n, vorzugsweise gilt auch hier
n = 4 (wie beim Strecken-Verschiebewagen und im Lagerspeicher), Leerkannen oder eine
gleich große Gruppe von Vollkannen aufnehmen kann. Gegebenenfalls entnimmt er Leerkannen
von der jeweils nachgeschalteten Anlage und gibt diese Kannen an den Lagerspeicher
ab. Der Lager-Verschiebewagen holt eine gleich große Gruppe von Vollkannen aus dem
Lagerspeicher und liefert diese Kannen an eine Aufnahmeposition der nachgeschalteten
Maschine.
e) Maschinenspeicher
Jeder der zweiten Maschinen kann im Rahmen der Erfindung ein dritter Kannenspeicher
bzw. Maschinenspeicher zugeordnet werden. Dieser Speicher soll eine größere Zahl m,
vorzugsweise

, von Kannenstellplätzen bzw. Speicherplätzen besitzen, als einer der vorgenannten
Verschiebewagen, insbesondere der Lager-Verschiebewagen, aufnehmen kann. Dadurch wird
erreicht, daß in den Maschinenspeicher ständig mindestens eine Vollkanne dem Austausch
einer an einer Spindel leergelaufenen Kanne bereitsteht. Grundsätzlich kann in dem
zuletzt genannten Maschinenspeicher aber auch ein größerer Speicherraum bereitgestellt
werden, um für möglichst alle Notfälle gesichert zu sein.
f) Kannenwechselwagen
Zur Versorgung der jeweilig zweiten Maschine kann ein dritter Kannenförderer bzw.
Kannenwechselwagen vorgesehen werden. Dieser soll vorzugsweise in der Lage sein, 1
bis h, vorzugsweise ist h höchstens gleich n, Leerkannen zum Maschinenspeicher (dritter
Kannenspeicher) zu bringen und von dort die gleiche Zahl von Vollkannen abzuholen.
Der Kannenwechselwagen holt und bringt jedoch nur so viel Vollkannen und Leerkannen,
daß er noch einen freien Platz hat. Das ist vorteilhaft, wenn die Kannen in geschlossenen
Reihen nebeneinander unter den Arbeitspositionen bzw. Spindeln der jeweiligen Spinnmaschinen
usw. stehen; (ebenso können die Kannen übrigens auch im Maschinenspeicher orientiert
werden, insbesondere wenn dadurch die Staukapazität erhöht wird). Ist eine dieser
unter den Spindeln stehenden Kannen leer, zieht der Kannenwechselwagen zunächst die
Leerkannen auf seinen leeren Stellplatz und schiebt eine Vollkanne auf den Platz an
der Spindel. Wenn der Kannenwechselwagen keine Vollkannen mehr enthält, fährt er zum
Maschinenspeicher und tauscht die auf ihm stehenden Leerkannen gegen Vollkannen aus.
[0007] Durch die erfindungsgemäße Systemlösung wird erreicht, daß in dem ersten Kannenspeicher
bzw. Streckenspeicher immer 1 bis n Leerkannen vorhanden sind, so daß die vorgeschaltete
Maschine (Strecke) nicht durch fehlende Leerkannen zum Stillstand kommen kann. Der
nachfolgende zweite Kannenspeicher bzw. Lagerspeicher fängt Produktionsschwankungen
zwischen der ersten Maschine und zweiten Maschine auf. In dem vorzugsweise ebenfalls
vorhandenen dritten Kannenspeicher bzw. Maschinenspeicher sollen immer Vollkannen,
vorzugsweise mindestens so viele, wie der Kannenwechselwagen (dritter Kannenförderer)
aufnehmen kann, vorhanden sein, damit der Kannenwechselwagen die nachgeschaltete Maschine
ohne Wartezeiten mit Vollkannen versorgen kann.
[0008] Im Rahmen der Erfindung kann es aus Platz- oder Ersparnisgründen günstig sein, die
ersten und zweiten Kannenförderer, insbesondere auch den dritten Kannenförderer, technisch
gleich auszubilden. Bei Wegfall oder Ausfall des ersten oder zweiten Kannenförderers
kann, wenn entsprechende Fahrspuren vorbereitet sind, der verbleibende Kannenförderer
das Verbindungsglied zwischen erstem und zweitem - gegebenenfalls auch zwischen zweitem
und dritten - Kannenspeicher bilden.
[0009] Im Grundsatz kann es - bei einer kleiner Spinnerei - auch sinnvoll sein, ein und
denselben Kannenförderer so auszubilden und mit Fahrwegen auszustatten, daß er ständig
die Aufgaben der beiden ersten oder aller drei Kannenförderer zu übernehmen in der
Lage ist. Der dritte Kannenförderer ist allerdings nur bedingt für die Aufgaben des
ersten und zweiten Kannenförderers einsetzbar. Bei seiner typischen Aufgabe werden
nämlich beim dritten Kannenförderer die Kannen an der Spinnmaschine und im Maschinenspeicher
einzeln nacheinander gewechselt. Bei einem atypischen Einsatz (als 1. oder 2. Kannenförderer)
ist es daher wünschenswert, den dritten Kannenförderer umzuschalten, so daß er wenigstens
zwei Kannen jeweils zugleich abgeben bzw. aufnehmen kann.
[0010] Je nach Aufgabe und Spinnereigröße kann es weiterhin vorteilhaft sein, den dritten
Kannenspeicher bzw. Maschinenspeicher und den zweiten Kannenförderer bzw. Lager-Verschiebewagen
ganz entfallen zu lassen. In diesem Fall holt der Kannenwechselwagen (dritter Kannenförderer)
Vollkannen unmittelbar aus dem Lagerspeicher (zweiter Kannenspeicher) und bringt Leerkannen
nach dort zurück.
[0011] Beispielsweise wenn große Produktionsschwankungen der den zweiten Maschinen vorausgehenden
Fabrikationen auszugleichen oder auf einer zweiten Maschine unterschiedliche Vorgarne
zu verarbeiten sind, kann es im Rahmen der Erfindung vorteilhaft sein, zusätzlich
oder anstelle des dritten Kannenspeichers bzw. Maschinenspeichers einen vierten Kannenspeicher
bzw. Zusatzspeicher unmittelbar an der jeweiligen zweiten Maschine, z.B. an deren
Längsende zwischen der Fahrspur des dritten Kannnenförderers (Kannenwechselwagen)
und der Maschine, vorzusehen. Die Zusatzplätze in dem Zusatzspeicher können dabei
in ähnlichen Gruppen wie im dritten Kannenspeicher angeordnet werden oder die Zusatzkannenplätze
können sich an die jeweilige Reihe der in der Maschine gerade ablaufenden Kannen (am
Maschinenkopf) anschließen. Auf diese Weise können an jeder Maschine die dort zu verarbeitenden
Kannen unmittelbar bereitgestellt werden, so daß ein Kannentausch relativ schnell
und in kurzer Folge auszuführen ist.
[0012] Der Nutzeffektverlust an der Spinnereimaschine wird erfindungsgemäß auf ein Minimum
verringert. Ein Vorteil in der Handhabung des erfindungsgemäßen Systems besteht auch
darin, daß die Kannenteilung vom ersten bis zum letzten Kannenspeicher der Anlage
beizubehalten ist, so daß im Bedarfsfall jeweils mehrere Kannen, vorzugsweise vier
Stück, in überall bzw. durchgehend derselben Gruppe zu transportieren sind.
[0013] Ein weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Systems ergibt sich unerwartet durch die
zwischen der jeweils ersten und der jeweils zweiten Maschinengruppe angeordneten Fördersysteme
des Lagerspeichers. Hierin werden die Kannen in Reihen von jeweils mehreren hintereinander
stehenden Kannengruppen aus der Richtung der vorhergehenden Anlage in Richtung auf
die nachfolgende Anlage jeweils bei Abnahme einer Kannengruppe am Kopfende und bei
Hinzufügung einer Kannengruppe am hinteren Ende weiter transportiert. Das jeweilige
Fördersystem kann z.B. sechs Gruppen von je vier Kannen hintereinander aufnehmen.
Es kann auf dem Förderweg die Kannen in gewissem Maße, durch Schrägstellung des Wegs,
z.B. um 10 bis 50 cm, anheben oder absenken. Dadurch wird es überraschend möglich,
einen Höhenausgleich der Kannenposition der vorhergehenden Maschine zur Kannnenposition
der nachfolgenden Maschine ohne zusätzliche Hebemittel zu erreichen. Wenn die Kannen
in einer Streckmaschine etwas höher positioniert sind als in einer Spinnmaschine (oder
umgekehrt) kann das Übersetzen der Kannen mit Hilfe des erfindungsgemäßen Transport-
und Lagersystems praktisch unmerklich erfolgen.
[0014] Bei dem erfindungsgemäßen System handelt es sich um einen vollautomatischen Verbund
zwischen den ersten und den zweiten Maschinen. Aufgrund der beschriebenen Systematik
ist das System durch eine hohe Flexibilität gekennzeichnet. Es ermöglicht eine flexible
Zuordnung der ersten und zweiten Maschinen und es ist in Verbindung mit der Zuteilung
des Lagerspeichers entsprechend dem Bedarf bzw. dem Verbrauch an Kannen jederzeit
anpaßbar. Dies ist vorteilhaft, da der Bedarf je nach Material, welches produziert
wird, sehr stark schwanken kann. Das erfindungsgemäße System erlaubt es, den auf die
Zeit bezogenen Kannenvorrat für jedes Material annähernd gleich zu halten und so den
Einsatz von Personal und Maschinen zu optimieren.
[0015] Die große Flexibilität des erfindungsgemäßen Gesamtsystems zeigt sich auch darin,
daß z.B. im Extremfall irgendeine "äußerste" erste Maschine irgendeiner "äußersten"
zweiten Maschine mit einem beliebigen Anteil an Lagerspeicherraum zugeordnet werden
kann. Vorzugsweise werden allerdings die "geradeaus" gegenüberliegenden Maschinen
der ersten und zweiten Gruppe über den direkt dazwischen liegenden Anteil des Lagerspeichers
einander zugeordnet. Dann werden die Wege für die Strecken-Verschiebewagen und Lager-Verschiebewagen
möglichst kurz und die Leistung entsprechend hoch.
[0016] Wird in großen Anlagen eine extrem hohe Leistung gefordert, können mehrere Strecken-Verschiebewagen
und Lager-Verschiebewagen eingesetzt werden. Vorzugsweise werden dann die ersten und
zweiten Maschinen in Gruppen entsprechend der jeweiligen Anzahl an Verschiebewagen
eingeteilt. Die Gruppen können, um in jeder Gruppe die gleichen Kannenleistungen zu
erhalten, auch unterschiedlich groß sein.
[0017] Besonders vorteilhaft ist, daß je nach Bedarf das erfindungsgemäße System in jeder
Beziehung angepaßt werden kann. Wird beispielsweise an einer oder mehreren zweiten
Maschinen ein extrem hoher Kannenbedarf gefordert, kann an dieser oder diesen Maschinen
je ein zusätzlicher Kannenwechselwagen eingesetzt werden. Dadurch kann die Leistung
an der oder diesen Maschine stark, z.B. um nahezu 100 %, gesteigert werden. Bei Einsatz
der Erfindung liegt der Nutzeffektverlust im Vergleich zu einem gängigen manuellen
bzw. bisher bekannten automatischen System mit durchschnittlichem Kannenbedarf, bei
einem Zehntel.
[0018] Ein weiterer Indikator für die hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit des erfindungsgemäßen
Systems ist, daß mit nur vier Grundkomponenten, nämlich dem Verschiebewagen, speziell
Lager-Verschiebewagen, dem Lagerspeicher, dem Maschinenspeicher und dem Kannenwechselwagen,
jede erdenkliche Konfiguration bedient werden kann.
[0019] Sollten, aus welchen Gründen auch immer, die zweiten Maschinen z.B. in zwei Reihen
oder rechtwinklig zu den ersten Maschinen stehen, genügt lediglich eine simple Fördertechnik
um diese Grundkomponenten räumlich zu verbinden.
[0020] Die Kannenförderwagen können in üblicher Weise angetrieben werden. Falls der Kannenwechselwagen
- wie bevorzugt - batteriegetrieben ist, sollen die Kapazität der Batterie und deren
Ladezyklus so abgestimmt und die Anordnung so gestaltet werden, daß dies an dem Maschinenspeicher
während der dortigen Operation bzw. des Aufenthaltes erfolgen kann.
[0021] Jede der vorgenannten vier Grundkomponenten kann mit einer autarken Steuerung ausgestattet
und somit, z.B. für Inbetriebnahmen und Wartungen, aus dem gesamten Steuerungssystem
herausgenommen sowie problemlos wieder zugeschaltet werden. Darüber hinaus können
der Einzelkomponente mittels dieser eigenen Steuerung Befehle manuell eingegeben werden.
Insbesondere sollen die ersten Maschinen mit dem Streckenspeicher je eine eigene Steuerung
besitzen oder steuerungsmäßig separat zentral zusammengefaßt werden. Das gleiche gilt
für die zweiten Maschinen usw.
[0022] Daneben kann eine Zentralsteuerung für das erfindungsgemäße Gesamtsystem vorgesehen
werden. Die Zentralsteuerung benötigt von den ersten Maschinen beispielsweise die
Nachricht, an welcher Maschine vier Kannen gefüllt sind. Von der Steuerung der zweiten
Maschinen wird der Gesamtsteuerung beispielsweise gemeldet, an welcher Maschine welche
Kanne leer ist oder in absehbarer Zeit leer wird.
[0023] Manuell vom Bedienungspersonal ist im wesentlichen nur noch die Maschinen- und Lagerspeicher-Zuordnung
zu machen. Alle weiteren Abläufe werden von der Gesamtsystem-Steuerung selbständig
verarbeitet und verwaltet. An dieser Gesamtsystem-Steuerung wird auch der jeweilige
Betriebszustand angezeigt, z.B. der Füllgrad des Lagerspeichers je Material. Damit
ist eine zeitnahe sofortige Anpassung an neue Bedingungen möglich.
[0024] Anhand der schematischen Darstellung eines Ausführungsbeispiels werden einige Einzelheiten
der Erfindung erläutert.
[0025] Der Transport der Kannen 1 erfolgt erfindungsgemäß in Transportrichtung 2. In der
Zeichnung beginnt der Transport am Ausgang 3 der jeweiligen Streckmaschine 4. An deren
Kannenfüllposition 5 wird die einzelne Kanne 1 mit verstreckter Lunte gefüllt. Ist
eine Kanne 1 voll, wird sie in einen ersten Kannenspeicher, den sogenannten Streckenspeicher
6, geschoben. Der Streckenspeicher 6 soll zu diesem Zweck wenigstens einen Leerplatz
bzw. einige Leerplätze 7 aufweisen, aber auch einige Leerkannen 8 enthalten, so daß
nach Abtransport der jeweiligen Vollkanne 9 möglichst sofort eine Leerkanne 8 an die
Kannenfüllposition 5 heranzubringen ist. In jedem Fall sollen im Streckenspeicher
6 die Leerkannen 8 und die Vollkannen 9 jeweils in Gruppen nebeneinander geordnet
positioniert bzw. gesammelt werden.
[0026] Zum Antransport von Leerkannen 8 zum Streckenspeicher 6 und zum Abtransport der dort
angesammelten Vollkannen 9 dient erfindungsgemäß ein erster Kannenförderer bzw. Strecken-Verschiebewagen
10. Dieser soll eine Speicherkapazität für Kannen zur gleichzeitigen Aufnahme von
jeweils einer Gruppe von Leerkannen oder Vollkannen besitzen. Eine solche Kannengruppe
11 kann vorzugsweise vier Kannen umfassen. Es kommen aber auch andere Zahlen, z.B.
drei bis sechs Kannen, mit Vorteil in Frage. Die Zahl der Kannen pro Kannengruppe
11 wird durch wirtschaftliche Gründe bestimmt, sie hängt von der Kapazität der Gesamtanlage
ab.
[0027] Erfindungsgemäß wird der Strecken-Verschiebewagen 10 dazu benutzt, aus dem Streckenspeicher
6 eine Kannengruppe 11 von Vollkannen 9 zu entnehmen und zu einer Freistelle 12 einer
Reihe 13 eines zweiten Kannenspeichers bzw. Lagerspeichers 14 sowie umgekehrt eine
Leerkannengruppe 11 aus dem Lagerspeicher 14 zum Streckenspeicher 6 zu bringen. Erfindungsgemäß
soll der Lagerspeicher 14 zwischen den ersten Maschinen bzw. Streckmaschinen 4 und
den zweiten Maschinen bzw. Spinnmaschinen 15 mit mindestens einem Kannenfördersystem
16 mit Kapazität zur Aufnahme je einer Reihe 13 der Kannengruppen 11 von Leerkannen
8 sowie mindestens einem Kannenfördersystem 16 zur Aufnahme je einer Reihe 13 von
Kannengruppen 11 von Vollkannen 9 besitzen.
[0028] In jedem Kannenfördersystem 16 werden die vom Streckenspeicher 6 kommenden Kannengruppen
11 mit Hilfe des Streckenverschiebewagens 10 am Rückende 17 aufgesetzt, dann durch
ein Fördersystem in Transportrichtung 2 zum Kopfende 18, vorzugsweise bis zu einer
definierten Position, an der die nachfolgenden Mittel sicher angreifen können, transportiert
und dort für die Abnahme durch einen weiteren Kannenförderer bereitgehalten. Da jedes
Kannenfördersystem 16 eine nennenswerte Länge in Transportrichtung 2 besitzt, z.B.
folgen sechs Kannengrupppen in der jeweiligen Reihe 13 hintereinander, kann das Fördersystem
in der Transportrichtung 2 die Kannen für einen Höhenausgleich der aufeinanderfolgenden
Maschinen in gewissem Maße heben oder senken.
[0029] Vom Lagerspeicher 14 werden die Kannen wiederum vorzugsweise in denselben Kannengruppen
11 mit Hilfe eines zweiten Kannenförderers bzw. Lager-Verschiebewagens 19 weitertransportiert,
wobei der Lager-Verschiebewagen 19 Gruppen von Vollkannen 9 aus den einzelnen Reihen
13 des Lagerspeichers 14 abnimmt und Leerkannen, ebenfalls in Gruppen 11, dort absetzt.
Der Transport der Leerkannenreihen erfolgt im Speicher 14 in Gegenrichtung 2' der
allgemeinen Transportrichtung 2 der Vollkannenreihen.
[0030] Im Ausführungsbeispiel werden mit Hilfe des Lager-Verschiebewagens 19 - im allgemeinen
nachdem Leerkannen aus dem Maschinenspeicher 21 geholt sind - Vollkannen zweckmäßig
ebenfalls in Kannengruppen 11, in einen dritten Kannenspeicher bzw. Maschinenspeicher
21 übergesetzt. Während in dem Lagerspeicher 14 bzw. dessen Reihen 13, vorzugsweise
von Reihe zu Reihe, Kannen mit Vorgarn unterschiedlicher Qualität bereitgestellt werden
kann, das für verschiedene Maschinen bzw. Spindeln dieser Maschinen 15, vorgesehen
ist, sollen in dem Maschinenspeicher 21 die Vorgarne bereitgestellt werden, die unmittelbar
auf der zugehörigen Maschine zu verarbeiten sind. Jeder der Maschinenspeicher 21 soll
mit mehr Stellplätzen bzw. Speicherplätzen für Kannen ausgestattet werden, als der
Lager-Verschiebewagen 19 auf einmal transportieren kann. Auf diese Weise wird erreicht,
daß der Maschinenspeicher 21 immer mindestens eine Vollkanne für einen Austausch an
einer Spindel der zugehörigen Spinnmaschine 15 bereithält. Vorzugsweise sollen in
dem Maschinenspeicher jedoch mindestens zwei Kannen mehr als in einer Kannengruppe
11 vorhanden sein können.
[0031] Gemäß Vergrößerungsausschnitt der Zeichnung kann am Kopf 22 der jeweiligen Spinnmaschine
15 Platz für einen Zusatzspeicher 23 geschaffen werden. Im Zusatzspeicher 23 sind
die Kannen, wie dargestellt, als annähernde Fortsetzung der Reihe 24 von an den Spindeln
der Spinnmaschine 15 ablaufender Kannen zu positionieren. Alternativ können die Kannen
im Zusatzspeicher 23 aber auch ebenso wie im Maschinenspeicher 21 quer zu der Kannen-Reihe
24 angeordnet werden. Das Besondere an dem Zusatzspeicher 23 ist auch, daß er sich
innerhalb der Fahrspur 25 eines um die jeweilige Spinnmaschine 15 herumfahrenden dritten
Kannenförderers bzw. Kannenwechselwagens 26 befindet. Der Kannnenwechselwagen 26 soll
jeweils mindestens zwei Speicherplätze für Kannen besitzen. Bei Betrieb soll immer
einer der Wechselplätze des Kannenwechselwagens freigehalten werden, damit der Wagen
beim Austausch an einer Spindel abgelaufenen Kannen auf den Wagen-Leerplatz gezogen
und durch eine mitgeführte Vollkanne ersetzt werden kann.
[0032] Im allgemeinen genügt es, wenn der Streckenverschiebewagen 10 und der Lager-Verschiebewagen
19 voneinander unabhängige Fahrwege 27 und 28 besitzen. Es kann jedoch in Einzelfällen
günstig sein, die Fahrwege 27 und 28 durch eine Verbindungsspur 29 zu koppeln, so
daß ein und derselbe Wagen 10 bzw. 19, insbesondere wenn die Wagen technisch gleich
ausgebildet sind, für die beiden Transportaufgaben geeignet ist.
[0033] Schließlich kann außer dem Lager-Verschiebewagen 19 auch der Maschinenspeicher 21,
z.B. aus Platz-, Kapazitäts- oder Kostengründen, entfallen. Dann holt der Kannenwechselwagen
26 Vollkannen aus dem Lagerspeicher 14 und bringt Leerkannen zurück zu diesem Speicher.
Bezugszeichenliste
[0034]
- 1
- = Kanne
- 2
- = Transportrichtung
- 3
- = Ausgang (4)
- 4
- = Streckmaschine
- 5
- = Kannenfüllposition
- 6
- = Streckenspeicher
- 7
- = Leerplatz
- 8
- = Leerkannen
- 9
- = Vollkannen
- 10
- = Strecken-Verschiebewagen
- 11
- = Kannengruppen
- 12
- = Freistelle
- 13
- = Reihe
- 14
- = Lagerspeicher
- 15
- = Spinnmaschine
- 16
- = Kannenfördersystem
- 17
- = Rückende
- 18
- = Kopfende
- 19
- = Lager-Verschiebewagen
- 21
- = Maschinenspeicher
- 22
- = Kopf (15)
- 23
- = Zusatzspeicher
- 24
- = Kannenreihe (15)
- 25
- = Fahrspur
- 26
- = Kannenwechselwagen
- 27
- = Fahrspur (10)
- 28
- = Fahrspur (18)
- 29
- = Verbindungsspur
1. Transport- und Lagersystem für Rechteck-Spinnkannen - kurz Kannen - mit Kannenspeichern
und Kannenförderern zwischen ersten Maschinen, welche Spinnkannen (1) - nämlich Leerkannen
(8) füllen, und zweiten Maschinen, welche Spinnkanne (1) - nämlich Vollkannen (9)
- leeren, mit folgenden Merkmalen für den automatischen Betrieb:
a) ein jeder ersten Maschine (4) unmittelbar zugeordneter erster Kannenspeicher bzw.
Streckenspeicher (6) mit Speicherplätzen (7) für geordnet nebeneinander einzusetzende
Leerkannen (8) und Speicherplätzen für geordnet nebeneinander zu entnehmende Vollkannen
(9);
b) ein zweiter Kannenspeicher bzw. Lagerspeicher (14) in einem Lagerbereich zwischen
den ersten (4) und zweiten (15) Maschinen mit mindestens einem Kannenfördersystem
(16) mit Kapazität zur Aufnahme einer Reihe (13) von Kannengruppen (11) von Leerkannen
(8) sowie mindestens einem Kannenfördersystem (16) mit Kapazität zur Aufnahme einer
Reihe (13) von Kannengruppen (11) mit Vollkannen (9);
c) ein jeder der zweiten Maschinen (15) zugeordneter dritten Kannenspeicher bzw. Maschinenspeicher
(21) mit der Zahl (n) der Kannen (1) einer der Kannengruppen (11) um mindestens Eins
übersteigender Zahl von Speicherplätzen;
d) ein ein Verbindungsglied zwischen dem ersten und zweiten Kannenspeicher (6, 14)
bildender, erster Kannenförderer bzw. Strecken-Verschiebewagen (10) mit Kapazität
zur gleichzeitigen Aufnahme jeweils einer der Kannengruppen (11) von Leerkannen (8)
oder Vollkannen (9);
e) ein ein Verbindungsglied zwischen dem zweiten und dritten Kannenspeicher (14, 21)
bildender, zweiter Kannenförderer bzw. Lager-Verschiebewagen (19) mit Kapazität zur
gleichzeitigen Aufnahme jeweils einer der Kannengruppen (11) von Vollkannen oder Leerkannen
(9, 8); und
f) ein die zweiten Maschinen (15) aus dem dritten Kannenspeicher (21) versorgender
dritter Kannenförderer bzw. Kannenwechselwagen (26) mit mindestens einem mit einer
Vollkanne oder Leerkanne (9, 8) zu besetzenden und einem beim Transport leerbleibenden
Speicherplatz.
2. Transport- und Lagersystem nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der erste und der zweite Kannenförderer (10, 19) technisch - zumindest im Betrieb
- gleich ausgebildet sind.
3. Transport- und Lagersystem nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß bei Wegfall des ersten oder zweiten Kannenförderers (10, 19) der verbleibende
Kannenförderer das Verbindungsglied sowohl zwischen dem ersten (6) und zweiten (14)
als auch zwischen dem zweiten (14) und dritten (21) Kannenspeicher bildet.
4. Transport- und Lagersystem nach Anspruch 1,
darin abgewandelt, daß der dritte Kannenförderer (26) bei Wegfall des dritten Kannenspeichers
(21) und des zweiten Kannenförderers (19) ein Verbindungsglied unmittelbar zwischen
dem zweiten Kannenspeicher (14) und den zweiten Maschinen (15) bildet.
5. Transport- und Lagersystem nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß die von dem ersten (10) und zweiten (19) Kannenförderer und die in den Reihen
(13) des zweiten Kannenspeichers (14) angeordneten Kannengruppen (11) jeweils dieselbe
Kannenzahl, vorzugsweise vier Stück, umfassen.
6. Transport- und Lagersystem nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß je nach Transportbedarf zwei oder mehr erste und/oder zweite Kannenförderer (10,
19) vorgesehen sind.
7. Transport- und Lagersystem nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß der erste Kannenspeicher (6) bei Betrieb immer mindestens eine Leerkanne (8) und
mindestens einen Leerplatz für eine Vollkanne (9) enthält.
8. Transport- und Lagersystem nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Lagerkapazität des zweiten (14) und gegebenenfalls des dritten (21) Kannenspeichers
größer als die Aufnahmekapazität eines zweiten (19) und gegebenenfalls eines dritten
(26) Kannnenförderers ist.
9. Transport- und Lagersystem nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß der zweiten Kannenspeicher (14) für einen Höhenausgleich der Kannenposition zwischen
erster und zweiter Maschine (4, 15) geneigt ist.
10. Transport- und Lagersystem nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß zusätzlich oder anstelle des dritten Kannenspeichers (21) ein vierter Kannenspeicher
bzw. Zusatzspeicher (23) unmittelbar an der jeweiligen zweiten Maschine (15), insbesondere
an deren Kopfende (22) zwischen Fahrspur (25) des dritten Kannenförderers (26) und
eigentlicher Maschine (15), vorgesehen ist.
11. Transport- und Lagersystem nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
daß jede der Grundkomponenten, nämlich der erste sowie weitere Kannenförderer (10,
19), der zweiten Kannenspeicher (6), der dritten Kannenspeicher (21) und der dritte
Kannenförderer (26), je eine autarke Steuerung besitzt, die jedoch einer Zentralsteuerung
des Gesamtsystems untergeordnet ist.
12. Transport- und Lagersystem nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Kannenförderer (10, 19, 26), vorzugsweise der dritte Kannenförderer (26),
batteriegetrieben sind und daß zum Aufladen der Batterie Anschlüsse an dem jeweilige
bedienten Kannenspeicher (6, 14, 21) vorgesehen sind.