[0001] Die Erfindung betrifft eine Antriebsgestaltung in Triebfahrwerken für Niederflurfahrzeuge,
insbesondere für Straßenbahnen im innerstädtischen Nahverkehr.
[0002] Die Erfindung hat es sich zum Ziel gesetzt, kleinbauende Antriebskomponenten in axialer
Anordnung innerhalb der Abmessungen eines Radkastens anzuordnen. Dadurch kann ein
Fahrzeugkonzept mit in Fahrtrichtung auf den Radkästen angeordneten doppelten Fahrgastsitzen
sowie einer ausreichenden Gangbreite beibehalten werden.
[0003] Durch eine geeignete Anordnungsumstellung soll das Antriebssystem für Normalspur-
als auch für Schmalspurfahrwerke zur Anwendung kommen. Eine derartige Antriebsordnung
läßt bei Schienenfahrzeugen auch im Bereich der Radkästen einen durchgängigen Niederfluranteil
zu.
[0004] Stand der Technik sind Laufwerke mit vier Losrädern, von denen die beiden in einer
Fahrwerksquerebene angeordneten Räder jeweils durch eine nicht mit umlaufende Achsbrücke
zu einem Losradpaar ohne Kopplung der Drehbewegung verbunden sind. Bekannt sind tiefbauende
Triebfahrwerke für Straßenbahnen mit durchgängigem Fußboden in einer Höhe von 350
mm, längsliegende Außenbordantriebe nach DE 94 09 044 U1 zwischen zwei Losrädern einer
jeden Fahrwerkslängsseite, sowie Radnabenmotore nach DE 36 20 355 A1 in jedem Losrad
eines Fahrwerks. Darüber hinaus sind Anordnungen einzelner Antriebskomponenten zum
Beispiel der Fahrmotor-, Scheibenbrems-Einheit, abgefedert am Wagenkasten, bekannt.
Der Nachteil dieser zum Stand der Technik gehörenden Antriebsanordnungen besteht in
großen über das gesamte Fahrwerk in Längsrichtung ausgeführten Radkästen mit Beschränkungen
in der Sitzordnung, hohen unabgefederten Massen mit hohen Stoßbelastungen für die
Antriebskomponenten und langen, verlustbehafteten Kraftübertragungswegen bis zum Rad.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein angetriebenes Fahrwerk für ein Schienenfahrzeug
zu schaffen, das auch im Bereich der Radkästen einen uneingeschränkten Niederflurfußboden
für den Gangbereich der Quersitze zuläßt und die Vorteile niedriger unabgefederter
Massen und primärgefederter Antriebskomponenten vereint.
[0006] Erfindungsgemäß erfolgt die Lösung der Aufgabe dadurch, daß die einzelnen Antriebskomponenten
mit ihren Elementen zur Achsführung und -federung axial fluchtend zur Radachse der
Radscheiben innerhalb eines Radkastens, unter Ausnutzung des zur Verfügung stehenden
Bauraumes zwischen Gang- und Fahrzeugseitenwand sowie der Fläche unter einer Doppelsitzanordnung
positioniert werden.
[0007] Dazu wird ein extrem kleinbauender permanenterregter Synchronmotor bzw. ein Asynchronmotor
gleicher Abmessungen in Verbindung mit einem Planetengetriebe zur Drehmomentenerhöhung
vorgeschlagen. Zur Sicherstellung geringer unabgefederter Massen werden die Antriebskomponenten
gefedert am Fahrwerksrahmen aufgehangen.
[0008] In weiterer vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, jede Radscheibe
von einer separaten baugleichen Antriebseinheit antreiben zu lassen, wobei mindestens
zwei gegenüberliegende Radscheiben in einem Fahrwerksrahmen angetrieben werden. Für
die Normalspurausführung erfolgt der Kraftfluß vom gefederten Fahrmotor über eine
durch einen hohlen Achsstumpf geführte Gleichlaufgelenkwelle zu einem mit der Radscheibe
verbundenen Planetengetriebe, während für eine Schmalspurausführung der Kraftfluß
von der gefederten Fahrmotor-Planetengetriebe-Brems-Einheit über eine Lenkerkupplung
zur Radscheibe erfolgt. Die Radscheiben einer Achse sind über eine feststehende gekröpft
Achsbrück verbunden, auf die sich der Fahrwerksrahmen über Primärfederelemente abstützt.
[0009] Im folgenden wird die Erfindung anhand der Figuren 1 bis 5 näher erläutert Es zeigt
- Fig. 1:
- zwei in einem primärgefederten Fahrwerksrahmen geführte Radscheibenachsen,
- Fig. 2 bis 4:
- die axial fluchtende Anordnung der Komponenten des Antriebssystems in einer Normalspurausführung,
- Fig. 5:
- die Anordnung der Komponenten des Antriebssystems in Schmalspurausführung.
[0010] In einem primärgefederten Fahrwerksrahmen 1 werden zwei Radscheibenachsen geführt,
die jeweils aus zwei Radscheiben 8, verbunden mit einer gekröpften feststehenden Achsbrücke
bestehen. Jedes der vier Radscheiben 8 ist mit einer baugleichen Antriebseinheit ausgerüstet.
Bei der axial fluchtenden Anordnung der Komponenten des Antriebssystems eines normalspurigen
Fahrwerks, wie in den Figuren 2 bis 4 gezeigt, ist jeder Fahrmotor 6 am Fahrwerksrahmen
1 innerhalb der Langträger über eine elastische Motoraufhängung 7 befestigt. Die Übertragung
des Drehmomentes erfolgt von einem innenliegenden Fahrmotor 6 über eine Gleichlaufgelenkwelle
3 zu einem außenliegenden Planentengetriebe 2, das mit der Radscheibe 8 verbunden
ist. Um die Komponenten Fahrmotor 6 von der Fahrwerksinnenseite mit dem Planetengetriebe
2 auf der Fahrwerksaußenseite verbinden zu können, ist der die Radscheibe 8 und der
die Primärfederstufe tragene Achsstumpf hohl ausgeführt und ermöglicht das Durchführen
der Gleichlaufgelenkwelle 3 bei Sicherstellung einer ausreichenden Gelenkwellenlänge
zum Ausgleich des durch die Primärfederung verursachten radialen und axialen Versatzes.
Zur Realisierung einer großen Außendurchmessers des innenliegenden Fahrmotors 6 wird
die Achsbrücke 5 gemäß Fig.4 geteilt ausgeführt. Jeder Fahrmotor 6 bildet mit einem
Planetengetriebe 2 und der Scheibenbremsanlage 9 gemäß Fig.5 eine außenliegende abgefederte
Baueinheit, die an einem Tragarm 12 des Fahrwerkrahmens 1 in elastischen Motoraufhängungen
7 befestigt wird. Die Übertragung des Drehmomentes erfolgt von der Einheit Fahrmotor
6 und Planentengetriebe 2 über eine Lenkerkupplung 10 zur Radscheibe 8.
[0011] Die Lenkerkupplung 10 ermöglicht den Ausgleich des durch die Primärfederung verursachten
radialen und axialen Versatzes.
Bezugszeichen
[0012]
- 1
- Fahrwerksrahmen
- 2
- Planetengetriebe
- 3
- Gleichlaufgelenkwelle
- 4
- Hohlachse
- 5
- Achsbrücke
- 6
- Fahrmotor
- 7
- Motoraufhängung
- 8
- Radscheibe
- 9
- Scheibenbremse
- 10
- Lenkerkupplung
- 11
- Gekröpfte Achse
- 12
- Tragarm
1. Antriebsgestaltung in Triebwerken für Niederflurfahrzeuge, dadurch gekennzeichnet,
daß die Antriebskomponenten mit ihren Elementen zur Achsführung und -federung axial
fluchtend zur Radachse der Radscheiben (8) innerhalb eines Radkastens angeordnet werden,
die Antriebskomponenten gefedert am Fahrwerksrahmen (1) aufgehangen sind und jede
Radscheibe (8) von einer separaten baugleichen Antriebseinheit-Fahrmotor (6)- angetrieben
wird, wobei mindestens zwei gegenüberliegende Radscheiben (8) eines Fahrwerksrahmens
(1) angetrieben werden.
2. Antriebsgestaltung in Triebwerken für Niederflurfahrzeuge nach Anspruch 1, dadurch
gekennzeichnet, daß der Kraftfluß von dem gefederten Fahrmotor (6) über eine durch
einen Achsstumpf geführte Gleichlaufgelenkwelle (3) zu einem mit der Radscheibe (8)
verbundenen Planetengetriebe (2) erfolgt.
3. Antriebsgestaltung in Triebwerken für Niederflurfahrzeuge nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß der Kraftfluß von einer gefederten Fahrmotor-Planetengetriebe-Brems-Einheit
(6-2-9) über eine Lenkerkupplung (10) zur Radscheibe (8) erfolgt.