[0001] Die Erfindung betrifft eine Radachse für Schienenfahrzeuge nach dem Oberbegriff des
Hauptanspruches.
[0002] Durch die DE 881 209 ist bereits ein Achslager bekannt, dessen Außenring über Zylinderrollen
auf der Radachse angeordnet ist und am Mantel als Gelenklager ausgeführt ist. Dadurch
ist die Achse an beiden Enden jeweils in einem Gehäuse schwenkbeweglich angeordnet.
Fluchtungsfehler und insbesondere Abweichungen infolge Achsdurchbiegungen werden damit
vom Zylinderrollenlager ferngehalten.
[0003] Auf diese Weise gelagerte Radachsen werden für diverse Schienenfahrzeuge wie Lokomotiven,
Waggons, etc. verwendet, sind über Federn in einem Drehgestell paarweise eingesetzt
oder bei einfacheren Ausführungen am Waggongestell befestigt.
[0004] Um mehrachsigen Fahrzeugen ein besseres Verhalten bei Kurvenfahrten zu geben und
insbesondere den Verschleiß im Rad/Schiene-Bereich zu reduzieren, wurden Achsen auch
als Lenkachsen eingesetzt, wie dies beispielsweise aus der EP 0 116 235 hervorgeht.
Die verwendete Hebelmechanik verschiebt dabei das gesamte Lagergehäuse in einer horizontalen
Ebene und schafft somit eine geschwenkte Lage zwischen benachbarten Radachsen.
[0005] Weiterhin sind Einrichtungen bekannt, die den Waggonkasten gegenüber dem Achsgestell
in einer vertikalen Ebene neigen, um die dynamischen Eigenschaften bei Kurvenfahrten
zu optimieren.
[0006] Aufgabe der Erfindungist es, eine Radachse für Schienenfahrzeuge der eingangs genannten
Art zu schaffen, bei der mit einfachen Mitteln sowohl eine horizontale als auch eine
vertikale Verstellung möglich ist.
[0007] Die Aufgabe wird dadurch gelöst, daß die Gelenklagerringe als drehbare Exzenter zur
horizontalen und vertikalen Verstellung der Radachse gegenüber dem Gestell ausgeführt
sind.
[0008] Durch die erfindungsgemäße Lösung kann - den Bereich Rad-Lager-Feder einer Seite
der Radachse betrachtet - an einer einzigen Stelle sowohl eine Lenkbewegung in horizontaler
als auch eine Neigung in vertikaler Richtung erzeugt werden. Dazu muß lediglich der
Exzenter aus seiner Ruhelage gedreht werden. Auf diese Weise kann jede Achse eines
Drehgestells beiderseits verstellt werden und erhält so eine optimierte Laufgeometrie
bei Kurvenfahrten.
[0009] Der Exzenter kann direkt die Außenring-Laufbahn des Wälzlagers tragen oder ein handelsübliches
Wälzlager kann darin eingesetzt sein. Für den zweiten Fall ist es möglich, den Exzenter
aus leichterem Material, beispielsweise Aluminium-Guß herzustellen und eine gewichtsoptimierte
Ausführung durch Ausnehmungen, Verstrebungen, etc. vorzusehen.
[0010] Die Erfindung wird nachfolgend an dem in der Zeichnung dargestellten Beispiel beschrieben.
[0011] Es zeigen.
- Figur 1
- die Seitenansicht einer Radachse mit Gelenklager und darin exzentrisch angeordnetem
Wälzlager,
- Figur 2
- die horizontale Draufsicht auf die Radachse gemäß Figur 1,
- Figur 3
- die vertikale Draufsicht auf die Radachse gemäß Figur 1, 2,
- Figur 4
- die vertikale Draufsicht auf ein Drehgestell mit Exzenterverstellung für Kurvenfahrt
und Neigung,
- Figur 5
- die horizontale Draufsicht auf eine Radachse mit einseitig verstelltem Exzenter und
- Figur 6
- die vertikale Draufsicht auf eine Radachse mit beiderseits gegensinnig verstellten
Exzentern.
[0012] In den Figuren ist nur das Prinzip der ertindungsgemäßen Radachse dargestellt. Alle
dafür unwesentlichen Bauteile, Funktionsmerkmale, etc. sind weggelassen.
[0013] Bei der in Figur 1 dargestellten Radachse ist nur der Bereich des Lagergehäuses 1
schematisch gezeigt. Das Lagergehäuse 1 ist mit Tragkonsolen 2 versehen, die wie hier
nicht gezeigt, über Federn mit einem Gestellrahmen, z. B. eines Drehgestells verbunden
sind. Im Inneren des Lagergehäuses 1 ist ein Exzenter 3 über teilkugelförmige Gelenklageflächen
4 in Pfeilrichtung 5 drehbar und schwenkbar angeordnet.
[0014] Ein durch zwei Kreise angedeutetes Wälzlager 6, beispielsweise ein handelsübliches
Zylinderrollenlager, ist im Abstand zur Mittellinie 7 des Gelenklagers in den Exzenter
3 eingesetzt und lagert die eine Seite der Radachse drehbar. Die nicht sichtbare andere
Seite der Radachse 8 ist identisch ausgeführt.
[0015] Durch eine nicht dargestellte bekannte Mechanik - beispielsweise Getriebemotor, Zahnstange,
Hydraulik, Hebelkombination, etc. - können die Exzenter 3 der einen und der anderen
Seite der Radachse 8 gleichsinnig oder gegensinnig um bis zu ± 180 Grad in die angegebenen
Pfeilrichtungen 5 verstellt werden.
[0016] Die Auswirkung auf die Radachse 8 gegenüber dem Gestellrahmen 9 geht aus den nächsten
Figuren hervor.
[0017] In Figur 2 und 3 ist nochmals die Ruhestellung O gemäß Figur 1 dargestellt. Der Gestellrahmen
nimmt gegenüber der daran über Federn 10 abgestutzten Radachse 8 mit daran befestigten
Rädern 11 die kleinste Höhe ein und ist horizontal ausgerichtet. Dies entspricht einer
Geradeausfahrt auf einem horizontal ausgerichteten Schienenpaar. In Figur 4 sind die
Positionen von zwei an einem Drehgestell angeordneten Radachsen 8 dargestellt, die
für die Kurvenfahrt auf einem geneigten Schienenpaar eingestellt sind. Der rechte
Exzenter 3 der oberen Radachse 8 ist dabei in die Position H verstellt, die in Figur
1 eingezeichnet ist. Der rechte Exzenter 3 der unteren Radachse 8 nimmt dagegen die
Position V gemäß Figur 1 ein. Die links dargestellten Exzenter 3 sind unverändert
in der Position O. Dadurch ergibt sich eine Neigung des Gestellrahmens 9 gegenüber
der Radachse 8 und gegenüber dem Schienenpaar nach rechts fallend, was jedoch aus
Figur 4 nicht hervorgeht. Darüberhinaus wird eine gegensinnige Schiefstellung bei
den Radachsen 8 aus der rechtwinkeligen Lage zur Mittelachse des Gestellrahmens 9
bewirkt, wodurch eine Lenkwirkung und damit eine Anpassung an die Kurvengeometrie
erreicht wird.
[0018] In Figur 5 ist eine einzelne Radachse 8 dargestellt, die in horizontaler Richtung
nicht verstellt ist und durch Verstellung des linken Exzenters in Stellung U eine
maximale Neigung des Gestellrahmens 9 bewirkt. Der rechte Exzenter 3 ist in Position
O. Um jedoch eine Lenkverstellung der Radachse 8 in horizontaler Richtung zu vermeiden,
können während des Stellvorganges aus der in Figur 2 dargestellten Ruhelage zunächst
beide Exzenter 3 gleichsinnig von der Ruhestellung O in die Stellung H gebracht werden.
Danach wird der linke Exzenter 3 von H nach U gestellt und der rechte Exzenter 3 gegensinnig
aber synchron zum linken Exzenter 3 zurück in die Ruheposition O gebracht.
[0019] In Figur 6 ist eine Position der Radachse 8 dargestellt, die aussschließlich in horizontaler
Richtung geneigt ist. Dabei befindet sich der linke Exzenter 3 in Stellung V, der
rechte 3 in Stellung H. Aus der Ruheposition O wird dies durch synchrones gegensinniges
Stellen der Exzenter 3 erreicht. Dabei erfolgt keine Neigung in vertikaler Richtung
gegenüber dem Gestellrahmen 9.
[0020] Die Beispiele zeigen, daß durch Verstellung des erfinderungsgemäßen Exzenters 3,
insbesondere bei Betrachtung eines zweichachsigen Schienenfahrzeuges und Exzenterverstellung
an beiden Seiten beider Radachsen, sich vielseitige Kombinationen von Verstellungen
in vertikaler und/oder horizontaler Richtung, bis hin zur reinen Niveauregulierung
erreichen lassen.
1. Radachse für Schienenfahrzeuge mit beiderseits angeordneten Lagern, deren Außenringe
über Gelenklager an einem Gehäuse, Gestell, etc. schwenkbar angeordnet sind, dadurch
gekennzeichnet, daß die Gelenklagerringe als drehbare Exzenter (3) zur horizontalen
und vertikalen Verstellung der Radachse gegenüber dem Gestell (9) ausgeführt sind.
2. Radachse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß eine gegensinnige Verstellung
der Exzenter (3) beider Seiten zueinander vorgesehen ist.
3. Radachse nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Exzenter (3) aus
einem Spritzgußmaterial besteht und ein handelsübliches Radial-Wälzlager (6) eingesetzt
ist.
4. Radachse nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Exzenter
(3) mit Einrichtungen zur Drehverstellung um ± 180 Grad ausgehend von einer mittleren
Ruhestellung (O) versehen ist.