[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Verbrennen von Abfallstoffen in der zirkulierenden
Wirbelschicht.
[0002] Bei den Abfallstoffen kann es sich z. B. um solche kommunalen oder industriellen
Ursprungs handeln, auch können flüssige Abfälle, z. B. Altöl oder Schlämme, z. B.
Klärschlamm, verarbeitet werden.
[0003] Im US-Patent 5 425 317 wird die Vergasung von Abfallstoffen in der zirkulierenden
Wirbelschicht beschrieben, wobei ein brennbare Bestandteile enthaltendes Gas entsteht,
welches zusammen mit Asche nachverbrannt wird. Aus dem US-Patent 5 159 886 ist die
Verbrennung von Kohle in der zirkulierenden Wirbelschicht bekannt. Hierbei mischt
man die gebildete heiße Asche mit einem Teil der körnigen Kohle, um Schwelgas zu erzeugen.
Das Schwelgas wird dem Rauchgas der Kohleverbrennung zugemischt, wodurch die Temperatur
des Rauchgases erhöht wird, um N
2O zu zerstören.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, beim eingangs genannten Verfahren auch
Abfallstoffe mit relativ großer Stückgröße verarbeiten zu können. Gleichzeitig soll
es möglich sein, gebildete oder freigesetzte Schadstoffe in einem Gasstrom separat
anzureichern. Erfindungsgemäß wird die Aufgabe dadurch gelöst, daß man einer Wirbelbrennkammer
sauerstoffhaltiges Fluidisierungsgas zuführt, aus dem oberen Bereich der Wirbelbrennkammer
ein heißes Gas-Feststoff-Gemisch mit Temperaturen im Bereich von 800 bis 1400°C abzieht
und einem Abscheider zuführt, daß man im Abscheider aus dem Gemisch heiße Feststoffe
abtrennt und mindestens einen Teil der abgetrennten Feststoffe in einen außerhalb
der Wirbelbrennkammer angeordneten Mischer einspeist, daß man dem Mischer Abfallstoffe
zuführt und sie mit den eingespeisten heißen Feststoffen vermischt, wobei ein Feststoffgemisch
und Pyrolysegas gebildet werden, und daß man mindestens einen Teil des Feststoffgemisches
in die Wirbelbrennkammer leitet und das Pyrolysegas abzieht.
[0005] Dem Mischer kann man die gesamten Abfallstoffe zuführen, es ist aber auch möglich,
nur einen Teil davon dem Mischer aufzugeben und z. B. bis zu 50 Gew.-% der gesamten
Abfallstoffe direkt in die Wirbelbrennkammer zu leiten. Im Mischer werden die Abfallstoffe
durch das Vermischen mit dem heißen Feststoff erhitzt und dadurch geschwelt. Im entstehenden
Schwel- oder Pyrolysegas sind Gase und Dämpfe gemischt, wobei in diesem Pyrolysegas
Schadstoffe angereichert werden. Auf diese Weise kann dafür gesorgt werden, daß zumindest
ein Teil der Schadstoffe nicht in die Wirbelbrennkammer gelangt, wo sie ansonsten
Korrosion hervorrufen könnten.
[0006] Der Mischer kann auf verschiedenartige Weise ausgestaltet sein, es kann sich z. B.
um einen Trommelmischer, einen Drehrohrmischer, einen Etagenofen, einen Schneckenmischer
oder einen Paddelmischer handeln, auch kann man hier heiße und kalte Feststoffströme
abwärts rieselnd und sich durchdringend vermischen. Die Temperaturen des im Mischer
gebildeten Feststoffgemisches werden üblicherweise im Bereich von 150 bis 650°C liegen.
[0007] Um die Schadstoffe im Pyrolysegas möglichst weitgehend unschädlich zu machen, ist
es z. B. möglich, das Pyrolysegas mindestens teilweise zu verbrennen. Insbesondere
wenn das Pyrolysegas arm an Schadstoffen ist, kann man es auch mindestens teilweise
in die Wirbelbrennkammer leiten.
[0008] Der Mischer macht es möglich, ihm auch relativ grobe Abfallstoffe zuzuführen, die
für das direkte Einspeisen in die Wirbelbrennkammer nicht geeignet sind. Durch die
Schwelung im Mischer entsteht nämlich auch ein Zerkleinerungseffekt, deshalb können
die dem Mischer zugeführten Abfallstoffe zu mindestens 1 Gew.-% aus Abfallstoffen
mit Stückgrößen von mindestens 20 mm bestehen. Ein höherer Anteil dieser relativ groben
Abfallstoffe ist ohne weiteres möglich.
[0009] Wenn das im Mischer gebildete Feststoffgemisch einen Anteil an relativ groben Feststoffen
enthält, der für das Einspeisen in die Wirbelbrennkammer weniger geeignet ist, empfiehlt
es sich, diese groben Feststoffe z. B. durch Sieben abzutrennen. Eine solche Abtrennung
kann auch dann sinnvoll sein, wenn man einen Teil der unbrennbaren Bestandteile des
Feststoffgemisches vor der Aufgabe in die Wirbelbrennkammer entfernen will. Alternativ
oder zusätzlich ist es aber möglich, grobe Feststoffe mit der Bodenasche aus der Wirbelbrennkammer
zu entfernen.
[0010] Als Startmaterial für das Wirbelbett in der Wirbelbrennkammer eignet sich neben vorhandener
Asche z. B. auch Sand, Zementklinker oder Tonerde. Wenn man dem Wirbelbett gemahlenen
Kalkstein mit Korngrößen z. B. im Bereich von 0,01 bis 5 mm zuführt, kann man eine
Asche erzeugen, die in der Baustoffindustrie verarbeitet werden kann.
[0011] Ausgestaltungsmöglichkeiten des Verfahrens werden mit Hilfe der Zeichnung erläutert.
Es zeigt:
Fig. 1 das Fließschema einer ersten Variante des Verfahrens und
Fig. 2 eine zweite Verfahrensvariante.
[0012] Die Wirbelbrennkammer (1) der Fig. 1 weist im unteren Bereich einen Rost (2) und
darunter eine Gasverteilkammer (3) auf. Sauerstoffhaltiges Fluidisierungsgas führt
man der Kammer (3) z. B. in Form von Luft oder mit O
2 angereicherter Luft durch die Leitung (4) zu. Durch den Kanal (5) kann Asche nach
unten abgezogen werden.
[0013] In der Wirbelbrennkammer erfolgt die Verbrennung im Wirbelbett bei Temperaturen im
Bereich von 800 bis 1400°C. Die zu verarbeitenden Abfallstoffe werden in der Leitung
(7) herangeführt und zunächst im Mischer (8) mit heißen Feststoffen gemischt, die
in der Leitung (9a) herangeführt werden. Im Mischer (8) wird ein Feststoffgemisch
gebildet, welches mit Temperaturen im Bereich von 150 bis 650°C und vorzugsweise mindestens
200°C durch die Leitung (10) in die Brennkammer (1) eingespeist wird. Durch die Verbrennung
in der Kammer (1) entsteht ein heißes Gas-Feststoff-Gemisch, welches durch den Kanal
(12) in den Abscheider (13) gelangt. Dort werden die heißen Feststoffe weitgehend
abgetrennt und verlassen den Abscheider (13) durch die Leitung (9). Ein erster Teil
der Feststoffe gelangt durch die Leitung (9b) zurück in die Wirbelbrennkammer (1),
wobei man durch die Leitung (9c) zuvor noch einen Teil aus dem Verfahren ausschleusen
kann. Die übrigen Feststoffe werden durch die Leitung (9a), wie bereits erläutert,
dem Mischer (8) aufgegeben.
[0014] Das im Mischer (8) durch das Schwelen der Abfallstoffe gebildete Pyrolysegas zieht
in der Leitung (15) ab und tritt in eine Brennkammer (16) ein, welcher man durch die
Leitung (17) sauerstoffhaltiges Gas (Luft, mit O
2 angereicherte Luft oder technisch reinen Sauerstoff) zuführt. Ein Verbrennungsgas
mit Temperaturen von 800 bis 1500°C verläßt die Brennkammer (16) durch die Leitung
(18) und wird dem heißen Gas zugemischt, das den Abscheider (13) in der Leitung (14)
verläßt. Die Weiterbehandlung der Gase erfolgt zunächst in einem Abhitzekessel (19),
wobei Flugstaub abgeschieden wird, den man in der Leitung (19a) abzieht. Gekühlte
Gase werden durch die Leitung (20) einer Gasreinigung (30) zugeführt. Alternativ kann
man das Verbrennungsgas der Leitung (18) durch einen separaten Abhitzekessel leiten,
was in der Zeichnung nicht dargestellt ist.
[0015] Es ist möglich, der Anordnung der Fig. 1 sämtliche zu verarbeitende Abfallstoffe
durch die Leitung (7) in den Mischer (8) einzuspeisen. Ein Teil der zu verarbeitenden
Abfallstoffe kann jedoch auch direkt durch die gestrichelt eingezeichnete Leitung
(7a) in die Wirbelbrennkammer (1) gegeben werden. Wenn man durch die Leitung (7a)
zusammen mit Abfallstoffen oder auch ohne diese gemahlenen Kalkstein oder Zementklinker
der Brennkammer (1) zuführt, kann man eine Asche erzeugen, die für die Weiterverarbeitung
in der Baustoff- oder Zementindustrie geeignet ist.
[0016] Bei der Anordnung gemäß Fig. 2 sind gleiche Bezugsziffern für solche Anlagenteile
gewählt, deren Bedeutung bereits zusammen mit Fig. 1 erläutert ist. Gemäß Fig. 2 gibt
man einen Teil der heißen Feststoffe, die aus der Leitung (9) kommen, durch die Leitung
(9d) einem an sich bekannten Wirbelkühler (21) auf. Wirbelluft führt man durch die
Leitung (22) zu und speist die erwärmte Luft durch die Leitung (22 a) in die Brennkammer
(1) ein. Im Wirbelkühler (21) erzeugt man in Kühlelementen (23) durch indirekten Wärmeaustausch
Wasserdampf. Gekühlte Feststoffe gelangen durch die Leitung (9b) zumindest teilweise
in die Kammer (1). Der Wirbelkühler (21) dient nicht nur der Erzeugung von Wasserdampf,
vielmehr kann mit ihm auch die Temperatur in der Kammer (1) geregelt werden. Falls
nötig, können z. B. die Wände der Wirbelkammer (1) mit Kühlelementen versehen sein,
was aber in der Zeichnung der besseren Übersichtlichkeit wegen nicht dargestellt ist.
Falls nötif, kann man Sekundärluft durch die Leitung (4a) zuführen.
[0017] Dem Mischer (8) der Fig. 2 führt man durch die Leitung (7) zu verarbeitende Abfallstoffe
zu, die durch Vermischen mit heißen Feststoffen aus der Leitung (9a) geschwelt werden.
Gebildetes Pyrolysegas kann, wenn es relativ schadstoffarm ist, durch die Leitung
(15a) in die Kammer (1) geleitet werden. Das in der Leitung (10) aus dem Mischer (8)
abgezogene Feststoffgemisch gelangt zunächst zu einem Sieb (25), wobei man eine grobe
Fraktion erhält, die man durch die Leitung (26) abzieht. Der Feinanteil der Feststoffe
wird durch die Leitung (27) der Kammer (1) aufgegeben. In nicht dargestellter Weise
kann die Feststofffraktion der Leitung (26) z. B. durch Magnetscheidung in einen brennbaren
und einen nicht brennbaren Anteil geteilt werden, wobei man die brennbaren Substanzen
in die Kammer (1) oder den Mischer (8) zurückführt.
[0018] Es ist ersichtlich, daß man die Verfahrensvariante der Fig. 1 auch so abwandeln kann,
daß man einen Teil oder das gesamte Pyrolysegas aus der Leitung (15) direkt in die
Kammer (1) leitet. Auch kann man das Verfahren der Fig. 2 so modifizieren, daß man
das im Mischer (8) gebildete Pyrolysegas gemäß Fig. 1 weiterbehandelt.
Beispiel:
[0019] In einer Anlage gemäß Fig.2, aber ohne die Teile mit den Bezugsziffern (7a) und (25),
wird vorsortierter kommunaler Restmüll, der in einer Menge von 10 t/h in der Leitung
(7) herangeführt wird, einer rotierenden Trommel (8) mit einem Fasungsvermögen von
19 m
3 aufgegeben. Der Restmüll hat einen unteren Heizwert von 10,5 MJ/kg und einen Ascheanteil
von 22 Gew.%. Die Trommel (8) rotiert mit 4 Umdrehungen/min.
[0020] Die Feststoffmengen und deren Temperaturen in verschiedenenen Leitungen sind folgende:
| Leitung |
9 |
9a |
9c |
9d |
10 |
5 |
| Menge t/h |
600 |
60 |
1,2 |
540 |
4 |
1 |
| Temperatur °C |
900 |
900 |
650 |
900 |
480 |
860 |
[0021] Die Brennkammer (1) hat ein Volumen von 240 m
3, das Feststoffgemisch in der Leitung (10) wird ihr direkt zugeführt. Die Gasströme
in verschiedenen Leitungen sind:
| Leitung |
4 |
4a |
15 a |
22 a |
12 |
20 |
| Menge (Nm3/h) |
12000 |
20000 |
6.600 |
3000 |
43000 |
43000 |
| Temperatur (°C) |
100 |
100 |
480 |
650 |
900 |
200 |
[0022] Der in der Leitung (19a) und in einem nachgeschalteten Elektrofilter anfallende Staub
wird in die Brennkammer (1) zurückgeführt. Das Gas der Leitung (20) hat einen NO
X-Gehalt von nur 180 mg/m
3.
1. Verfahren zum Verbrennen von Abfallstoffen in der zirkulierenden Wirbelschicht, dadurch
gekennzeichnet, daß man einer Wirbelbrennkammer sauerstoffhaltiges Fluidisierungsgas
zuführt, aus dem oberen Bereich der Wirbelbrennkammer ein heißes Gas-Feststoff-Gemisch
mit Temperaturen im Bereich von 800 bis 1400°C abzieht und einem Abscheider zuführt,
daß man im Abscheider aus dem Gemisch heiße Feststoffe abtrennt und mindestens einen
Teil der abgetrennten Feststoffe in einen außerhalb der Wirbelbrennkammer angeordneten
Mischer einspeist, daß man dem Mischer Abfallstoffe zuführt und sie mit den eingespeisten
heißen Feststoffen vermischt, wobei ein Feststoffgemisch und Pyrolysegas gebildet
werden, und daß man mindestens einen Teil des Feststoffgemisches in die Wirbelbrennkammer
leitet und das Pyrolysegas abzieht.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man einen Anteil von 0 bis
50 Gew.-% der gesamten Abfallstoffe direkt in die Wirbelbrennkammer leitet.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man das aus dem Mischer
abgezogene Pyrolysegas in einer separaten Brennkammer mindestens teilweise verbrennt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß man das aus
dem Mischer abgezogene Pyrolysegas mindestens teilweise in die Wirbelbrennkammer leitet.
5. Verfahren nach Anspruch 1 oder einem der folgenden, dadurch gekennzeichnet, daß man
aus dem im Mischer gebildeten Feststoffgemisch einen unbrennbare Bestandteile enthaltenden
Anteil abtrennt und mindestens einen Teil des verbleibenden Feststoffgemisches der
Wirbelbrennkammer aufgibt.
6. Verfahren nach Anspruch 1 oder einem der folgenden, dadurch gekennzeichnet, daß die
dem Mischer zugeführten Abfallstoffe zu mindestens 1 Gew.-% aus Abfallstoffen mit
Stückgrößen von mindestens 20 mm bestehen.
7. Verfahren nach Anspruch 1 oder einem der folgenden, dadurch gekennzeichnet, daß ein
Teil der aus dem Abscheider abgezogenen heißen Feststoffe in einem Kühler durch indirekten
Wärmeaustausch gekühlt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 1 oder einem der folgenden, dadurch gekennzeichnet, daß man
der Wirbelbrennkammer gemahlenen Zementklinker, Kalkstein, Tonerde oder Sand aufgibt.