[0001] Die Erfindung betrifft eine Giessform und ein Verfahren zum Herstellen von metallischen
Hohlgiesslingen gemäss dem Oberbegriff des jeweiligen unabhängigen Anspruchs sowie
einen mittels dieser Giessform bzw. dieses Verfahrens hergestellten Hohlgiessling
mit zwei Bereichen unterschiedlicher Wandstärke. Im speziellen betrifft die Erfindung
eine Giessform und ein Verfahren zum Herstellen von Zylinderlaufbuchsen für Hubkolbenbrennkraftmaschinen,
insbesondere für Grossdieselmotoren.
[0002] In Hubkolbenbrennkraftmaschinen, insbesondere in Grossdieselmotoren, wie sie beispielsweise
im Schiffbau verwendet werden, unterliegen die Zylinderlaufbuchsen im Betriebszustand
einer extrem starken mechanischen und thermischen Belastung. Besonders im Explosionsbereich
des Brennstoffgemischs ist die Zylinderlaufbuchse hohen Drücken und hohen Temperaturen
ausgesetzt. Deshalb muss die Zylinderlaufbuchse insbesondere im Explosionsbereich
eine hohe Festigkeit aufweisen, um den bei der Explosion des Brennstoffgemischs entstehenden
Spannungen standzuhalten.
[0003] Um die Festigkeit der Zylinderlaufbuchsen in dem Bereich zu erhöhen, in dem im Betriebszustand
die Explosion des Brennstoffgemisches stattfindet, werden die Zylinderlaufbuchsen
üblicherweise in diesen Bereichen dickwandiger ausgestaltet. Das heisst eine solche
Zylinderlaufbuchse weist im wesentlichen zwei Bereiche mit deutlich unterschiedlicher
Wandstärke auf: einen ersten Bereich, in welchem die Wandstärke grösser ist und welcher
der üblichen Nomenklatur folgend als Kragenbereich bezeichnet wird, sowie einen zweiten
Bereich, in welchem die Wandstärke kleiner ist und welcher als Hemdbereich bezeichnet
wird.
[0004] Häufig werden Zylinderlaufbuchsen für Brennkraftmaschinen mittels Giessverfahren
aus Gusseisen und speziell aus Grauguss-Legierungen hergestellt. Neben der chemischen
Zusammensetzung der als Giessmasse verwendeten Legierung werden die physikalischen
und metallurgischen Eigenschaften der Zylinderlaufbuchse, wie beispielsweise Gefügestruktur,
Festigkeit, Dehnung, tribologische Eigenschaften, auch von dem Erstarrungsverlauf
der Giessmasse ganz wesentlich beeinflusst. Deshalb ist die verwendete Giessform bzw.
das durchgeführte Giessverfahren von grosser Bedeutung für die Eigenschaften der Zylinderlaufbuchse.
[0005] Für die Herstellung von Zylinderlaufbuchsen sind vom Stand der Technik zwei unterschiedliche
Arten von Giessverfahren bekannt. Bei den Sandgiessverfahren wird die flüssige Giessmasse
in eine Sandform eingefüllt, die zuvor entsprechend der gewünschten Gestalt des herzustellenden
Giesslings, gegebenenfalls unter Berücksichtigung einer Bearbeitungszugabe, modelliert
wurde. Eine solche Sandform wird aus mit einem Bindemittel versetztem Quarzsand bzw.
einem anderen, sandähnlichen Mineralstoff z. B. durch chemische oder thermische Aushärtung
erstellt und ist üblicherweise nur für den Einmalgebrauch ausgelegt. Nachteilig an
solcherart hergestellten Zylinderlaufbuchsen ist jedoch, dass sie beispielsweise bezüglich
ihrer Gefügestruktur, ihrer Festigkeit und ihrer Dehnung immer weniger den Anforderungen
genügen, wie sie in modernen Hubkolbenbrennkraftmaschinen, insbesondere mit grosser
Leistung, gestellt werden. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass der
Erstarrungsverlauf der Giessmasse, insbesondere die Erstarrungszeit, in der Sandform
unter metallurgischen Aspekten nicht optimal ist.
[0006] Bei der zweiten Art von Giessverfahren, den sogenannten Kokillengiessverfahren, verwendet
man eine meist aus Gusseisen hergestellte Giessform (Kokille), in welche die flüssige
Giessmasse eingefüllt wird. Die äussere Gestalt erhält der Giesslings hier also durch
eine metallische Form, in der die Giessmasse erstarrt. Solche Kokillen können üblicherweise
mehrfach gebraucht werden. Bei Kokillengiessverfahren unterliegt die äussere Gestalt
des hergestellten Giesslings jedoch relativ starken geometrischen Einschränkungen,
weil die Kokille nach dem Erstarren bzw. nach dem Abkühlen des Giesslings von diesem
abziehbar sein muss. Aufgrund dieser Randbedingung können geometrische Details in
der äusseren Gestalt des Giesslings normalerweise bei Kokillengiessverfahren nicht
mit vertretbarem Aufwand geformt werden. Deshalb muss man bei der Herstellung z. B.
von Zylinderlaufbuchsen den Giessling mit relativ grossen Bearbeitungszugaben herstellen,
um anschliessend die gewünschte äussere Gestalt der Zylinderlaufbuchse realisieren
zu können, das heisst der Giessling weicht bezüglich seiner äusseren Gestalt in der
Regel noch recht stark von dem gewünschten Endprodukt ab. Dies bedingt zeit- und kostenintensive
Nachbearbeitungen, bei denen grosse Materialmengen z. B. mittels spanender Arbeitsverfahren
entfernt werden müssen. Solche grossen Bearbeitungszugaben bedingen einen deutlich
erhöhten Bedarf an Giessmasse und sind auch deshalb unter wirtschaftlichen Aspekten
nicht wünschenswert.
[0007] Insbesondere bei der Herstellung von sehr grossen Giesslingen wie z. B. Zylinderlaufbuchsen
für moderne leistungsstarke Grossmotoren, resultieren auch aus dem Gewicht der Kokille
Probleme. Eine solche mit Giessmasse gefüllte Kokille hat beispielsweise ein Gewicht
im Bereich von einigen zehn Tonnen. Viele Giessereien verfügen nicht über genügend
starke Hebevorrichtungen, um solche Massen zu bewegen, z. B. um eine gefüllte Kokille
zum Abkühlen an einen anderen Platz zu transportieren, oder um die Kokille von dem
Giessling abzuziehen. Es wären umfangreiche und sehr kostenintensive Umrüstarbeiten
vonnöten, um genügend starke Hebevorrichtungen zu installieren.
[0008] Ausgehend von diesem Stand der Technik ist es eine Aufgabe der Erfindung, eine Giessform
und ein Verfahren zum Herstellen von metallischen Hohlgiesslingen bereitzustellen,
welche einen möglichst optimalen räumlichen und zeitlichen Erstarrungsverlauf in der
Giessmasse ermöglichen und gleichzeitig mit relativ kleinen Bearbeitungszugaben auskommen.
Im speziellen ist es eine Aufgabe der Erfindung, eine Giessform und ein Verfahren
bereitzustellen, welche mit relativ geringen Bearbeitungszugaben die Herstellung solcher
Zylinderlaufbuchsen für Hubkolbenbrennkraftmaschinen, insbesondere für Grossdieselmotoren,
ermöglichen, die hinsichtlich ihrer Belastbarkeit (z. B. Festigkeit, Dehnung) auch
den Anforderungen in modernen leistungsstarken Maschinen genügen.
[0009] Die diese Aufgaben in apparativer und verfahrenstechnischer Hinsicht lösenden Gegenstände
der Erfindung sind durch die Merkmale des jeweiligen unabhängigen Anspruchs gekennzeichnet.
Die erfindungsgemässe Giessform zum Herstellen von metallischen Hohlgiesslingen aus
einer Giessmasse, insbesondere zum Herstellen von Zylinderlaufbuchsen für Hubkolbenbrennkraftmaschinen,
speziell für Grossdieselmotoren, hat einem Einlass zum Einbringen der Giessmasse in
einen Giessraum, welcher durch Formgebungsflächen begrenzt ist und die Giessmasse
aufnimmt. Die erfindungsgemässe Giessform umfasst eine Kokille und eine Sandform,
wobei die Kokille eine erste Formgebungsfläche aufweist, und die Sandform die übrigen
massgebenden Formgebungsflächen.
[0010] Überraschenderweise zeigt sich, dass die erfindungsgemässe Giessform und das erfindungsgemässe
Verfahren die jeweiligen Vorteile sowohl des Sandgiessverfahrens als auch des Kokillengiessverfahrens
aufweisen, ohne dass die vorne erwähnten Nachteile in Kauf genommen werden müssen.
Durch die erfindungsgemässe Kombination der Kokille mit der Sandform lässt sich -
wie weiter hinten detaillierter erläutert - der räumliche und zeitliche Erstarrungsverlauf
in der Giessmasse so optimieren, dass die mechanische Belastbarkeit des Hohlgiesslings
(z. B. seine Festigkeit und Härte) deutlich grösser ist, als bei Giesslingen, die
beispielsweise mit konventionellen Sandgiessverfahren bzw. Sandformen hergestellt
werden. Gleichzeitig ermöglicht die Sandform der erfindungsgemässen Giessform, bzw.
ihre Verwendung bei dem erfindungsgemässen Verfahren, eine hohe Flexibilität bezüglich
der äusseren Gestalt des von ihr geformten Bereichs des Hohlgiesslings, so dass nur
vergleichsweise kleine Bearbeitungszugaben vonnöten sind.
[0011] Vorzugsweise ist die Kokille der erfindungsgemässen Giessform einstückig ausgestaltet,
weil sich hierdurch thermisch bedingte Schädigungen des Hohlgiesslings, wie sie an
der Grenzfläche zwischen zwei aneinanderstossenden Kokillenteilen auftreten können,
vermeiden lassen.
[0012] Bevorzugt weist die die Kokille Leitungen für ein fluides Medium, insbesondere Luft,
zum Ab- und/oder Zuführen von Wärme auf. Diese Massnahme ist vorteilhaft, weil die
Kokille vor dem Einbringen der flüssigen Giessmasse in einfacher Weise, nämlich z.
B. indem warme Luft durch die Leitungen geblasen wird, vorgewärmt werden kann. Zusätzlich
kann die heisse Kokille nach dem Entfernen des Hohlgiesslings einfach und rasch, z.
B. mittels Kaltluft, gekühlt werden und steht so nach kurzer Zeit wieder für einen
neuen Giessvorgang zur Verfügung. Auch besteht die vorteilhafte Möglichkeit, während
und/oder nach dem Einbringen der Giessmasse der Kokille Wärme zu entziehen.
[0013] In einer bevorzugten Ausgestaltung umfasst die Sandform einen Sandkern und einen
Sandmantel, wobei der Giessraum von dem Sandkern einerseits und dem Sandmantel sowie
der Kokille andererseits begrenzt ist.
[0014] Die Kokille ist vorzugsweise ein einseitig offenes Gefäss mit einer inneren Wandung
und einem Boden, wobei die innere Wandung und zumindest ein Teil des Bodens die erste
Formgebungsfläche bilden. Durch diese Massnahme entsteht eine möglichst grösse Kontaktfläche
zwischen der Kokille und der Giessmasse, wodurch sich die Wärmeübertragung zwischen
Giessmasse und Kokille verbessert, insbesondere beschleunigt.
[0015] Auch ist es vorteilhaft, wenn der Boden des Kokillenelements eine Ausnehmung aufweist
und sich der Sandkern bis in diese Ausnehmung hinein erstreckt.
[0016] Dadurch lässt sich der Sandkern in einfacher Weise bezüglich des Sandmantels und
der Kokille zentrieren, wodurch die Radialsymmetrie des Hohlgiesslings gewährleistet
ist.
[0017] Insbesondere für die Herstellung von Zylinderlaufbuchsen ist es vorteilhaft, wenn
die Giessform so ausgestaltet ist, dass der Abstand zwischen dem Sandkern und der
inneren Wandung der Kokille grösser ist als der Abstand zwischen dem Sandkern und
dem Sandmantel. Dadurch wird der dickwandigere Bereich des Hohlgiesslings, also der
Bereich, der dem Kragenbereich der Zylinderlaufbuchse entspricht, in der Kokille geformt.
Dies ist besonders günstig für den Erstarrungsverlauf des Hohlgiesslings weil der
dickwandige Bereich (Kragenbereich) durch die Kokille mindestens gleich schnell, aber
auch schneller, zur Erstarrung gebracht werden kann wie der dünnwandige Bereich (Hemdbereich),
der von der Sandform geformt wird.
[0018] Vor allem im Hinblick auf einen möglichst optimalen räumlichen und zeitlichen Erstarrungsverlauf
ist es vorteilhaft, die Ausgestaltung der Kokille an denjenigen Bereich der Giessform
anzupassen, der von der Kokille umgeben ist. Dies bedeutet insbesondere für die Herstellung
von Zylinderlaufbuchsen, dass bei der Ausgestaltung der Kokille die Abmessungen des
Kragenbereichs des Hohlgiesslings berücksichtigt werden. Deshalb werden folgende Massnahmen
bevorzugt getroffen:
- die erste Formgebungsfläche bildet etwa die Hälfte derjenigen Flächen der Giessform,
welche den Giessraum in dem Bereich begrenzen, der von der Kokille umgeben ist. Hieraus
resultiert eine grosse Kontaktfläche, durch welche die Wärme aus der Giessmasse in
die Kokille fliessen kann.
- das für die Kühlung des Hohlgiesslings wesentliche Materialvolumen der Kokille ist
mindestens doppelt so gross ist wie das Volumen des von der Kokille umgebenen Bereichs
des Giessraums. Somit ist gewährleistet, dass die Wärmekapazität der Kokille ausreichend
ist, um eine rasche Erstarrung im Kragenbereich zu ermöglichen.
- die Wanddicke der Kokille beträgt weniger als das 1.5-fache, insbesondere etwa das
0.9-fache, des Abstands zwischen dem Sandkern und der inneren Wandung der Kokille.
[0019] Das erfindungsgemässe Verfahren dient zum Herstellen von metallischen Hohlgiesslingen,
insbesondere Zylinderlaufbuchsen für Hubkolbenbrennkraftmaschinen, speziell für Grossdieselmotoren,
wobei die Hohlgiesslinge einen ersten und einen zweiten Bereich aufweisen und die
Wandstärke des Hohlgiesslings im ersten Bereich grösser ist als im zweiten Bereich.
Bei dem erfindungsgemässen Verfahren wird eine Giessmasse in eine Giessform eingebracht
und erstarrt dort. Gemäss der Erfindung wird die äussere Gestalt des Hohlgiesslings
im ersten Bereich durch eine Kokille und im zweiten Bereich durch eine Sandform geformt.
[0020] Aus bereits vorne im Zusammenhang mit der erfindungsgemässen Giessform genannten
Gründen ist es auch für das erfindungsgemässe Verfahren von Vorteil,
- wenn zum Formen der äusseren Gestalt des Hohlgiesslings im ersten Bereich eine einstückige
Kokille verwendet wird;
- wenn die Kokille vor dem Einbringen der Giessmasse durch ein fluides Medium, insbesondere
Luft, erwärmt wird;
- wenn die Kokille während und/oder nach dem Einbringen der Giessmasse durch einen fluides
Medium, insbesondere Luft, gekühlt wird.
[0021] Die erfindungsgemässe Giessform bzw. das erfindungsgemässe Verfahren eignen sich
insbesondere für die Herstellung von Zylinderlaufbuchsen für eine Hubkolbenbrennkraftmaschine,
speziell für einen Grossdieselmotor, mit zwei Bereichen unterschiedlicher Wandstärke.
[0022] Die erfindungsgemässe Giessform ist insbesondere für die Durchführung des erfindungsgemässen
Verfahrens geeignet.
[0023] Weitere vorteilhafte Massnahmen und bevorzugte Verfahrensausgestaltungen ergeben
sich aus den abhängigen Ansprüchen.
[0024] Im folgenden wird die Erfindung sowohl in Bezug auf die verfahrenstechnischen als
auch in Bezug auf die apparativen Aspekte anhand der Zeichnung näher erläutert. In
der schematischen nicht massstäblichen Zeichnung zeigen:
- Fig. 1
- einen Schnitt durch ein Ausführungsbeispiel der erfindungsgemässen Giessform im gefüllten
Zustand,
- Fig.2
- einen Schnitt durch eine Variante für die Kokille des Ausführungsbeispiels aus Fig.
1, und
- Fig. 3
- eine schematische Schnittdarstellung eines Teils einer Zylinderlaufbuchse und eines
Teils einer Kokille.
[0025] In der Zeichnung sind gleiche oder von der Funktion her gleichwertige Teile mit den
gleichen Bezugszeichen versehen.
[0026] Die folgenden Erläuterungen der Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels der erfindungsgemässen
Giessform zum Herstellen von metallischen Hohlgiesslingen aus einer Giessmassse dienen
in sinngemäss gleicher Weise auch als Beschreibung eines Ausführungsbeispiels des
erfindungsgemässen Verfahrens zum Herstellen von metallischen Hohlgiesslingen, die
einen ersten und einen zweiten Bereich aufweisen, wobei die Wandstärke des Hohlgiesslings
im ersten Bereich grösser ist als im zweiten Bereich.
[0027] Ferner beziehen sich die folgenden Erläuterungen mit beispielhaftem Charakter nur
auf die Herstellung von Zylinderlaufbuchsen für Hubkolbenbrennkraftmaschinen, insbesondere
für Grossdieselmotoren. Sie gelten jedoch sinngemäss auch für die Herstellung anderer
metallischer Hohlgiesslinge. Mit dem Begriff "Hohlgiesslinge" sind solche Giesskörper
gemeint, die neben ihrer äusseren Begrenzungsfläche zumindest eine Begrenzungsfläche
aufweisen, die dem Körperinneren zugewandt ist, also z. B. hohlzylinderförmige Körper,
Buchsen ganz allgemein, oder rohrartige Gebilde.
[0028] Es ist heute üblich, insbesondere für Grossdieselmotoren solche Zylinderlaufbuchsen
zu verwenden, die einen ersten Bereich, den sogenannten Kragenbereich und einen zweiten
Bereich, den sogenannten Hemdbereich, aufweisen, wobei die mittlere Wandstärke der
Zylinderlaufbuchse im Kragenbereich deutlich grösser ist als im Hemdbereich, beispielsweise
mindestens doppelt so gross. Der Kragenbereich ist derjenige, in dem im Betriebszustand
des Motors die Explosion des Brennstoffgemischs stattfindet, der also den höchsten
Drücken und Temperaturen und somit der höchsten Belastung ausgesetzt ist. Um dieser
Belastung standzuhalten, ist der Kragenbereich normalerweise mit einer grösseren Wandstärke
ausgestaltet.
[0029] Fig. 1 zeigt in einer Schnittdarstellung ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel der
erfindungsgemässen Giessform, welche gesamthaft mit dem Bezugszeichen 1 versehen ist.
Die Giessform 1 hat einen Einlass 4 zum Einbringen einer Giessmasse 6 in einen Giessraum
5. Der Giessraum 5 ist durch Formgebungsflächen 7, 8, 9 begrenzt. Mit dem Begriff
"Formgebungsflächen" werden solche körperlich vorhandenen Flächen bezeichnet, die
einen wesentlichen Einfluss auf die Gestalt des Hohlgiesslings haben, das heisst die
Gesamtheit der Formgebungsflächen 7,8,9 ist massgebend für die Gestalt des Hohlgiesslings,
sie formt ihn also. Im wesentlichen stimmen die Formgebungsflächen 7,8,9 mit den Kontaktflächen
zwischen Giessmasse 6 und Giessform 1 überein.
[0030] Fig. 1 zeigt die Giessform 1 in gefülltem Zustand, d.h. die Giessmasse 6 befindet
sich im Giessraum 5 und füllt diesen aus. Zum besseren Verständnis ist in Fig. 1 die
Giessmasse 6 zweiteilig mit unterschiedlichen Schraffuren dargestellt. Der grössere,
mit dem Bezugszeichen 6a versehene Teil deutet dabei die fertige Zylinderlaufbuchse
an, also die Form des Endprodukts. Der kleinere, mit dem Bezugzeichen 6b versehene
Teil deutet die Bearbeitungszugabe an. Natürlich ist diese zweiteilige Darstellung
der Giessmasse 6 symbolisch zu verstehen.
[0031] Erfindungsgemäss umfasst die Giessform 1 eine Kokille 3 und eine Sandform 2, wobei
die Kokille 3 eine erste Formgebungsfläche 9 aufweist und die Sandform 2 die übrigen
massgebenden Formgebungsflächen 7, 8.
[0032] Bei dem in Fig. 1 gezeigten Ausführungsbeispiel ist die Kokille 3 ein einstückiges,
einseitig offenes Gefäss mit einer inneren Wandung 31 und einem Boden 32 (siehe auch
Fig. 2). Die innere Wandung 31 bildet zusammen mit einem Teil 32a des Bodens 32 die
erste Formgebungsfläche 9. Im Boden 32 der Kokille 3 ist eine Ausnehmung 322 (siehe
Fig. 2) vorgesehen, deren Funktion weiter hinten erläutert wird. Ferner weist die
Kokille 3 Leitungen 33 für ein fluides Medium, vorzugsweise Luft, auf. Diese Leitungen
33 können Kanäle im Innern der Kokillenwand sein oder Rohrleitungen, die in das Innere
der Kokillenwand eingegossen sind. Durch diese Leitungen 33 kann Luft geblasen werden,
um der Kokille 3 Wärme zuzuführen oder zu entziehen. Ferner ist die Kokille 3 an ihrer
Aussenwand mit Tragevorrichtungen 34 versehen, an denen sie angehoben werden kann.
Die Kokille 3 ist z. B. in an sich bekannter Weise aus Gusseisen hergestellt.
[0033] Die Sandform 2 des in Fig. 1 dargestellten Ausführungsbeispiels umfasst einen Sandkern
21 sowie einen Sandmantel 22. Der Sandkern 21 erstreckt sich bis in die Ausnehmung
322 im Boden 32 der Kokille 3. Seine Mantelfläche bildet die Formgebungsfläche 7.
Der Sandmantel 22 weist im wesentlichen die Form eines Hohlzylinders oder eines hohlen
Kegelstumpfs auf und umgibt den Sandkern 21 im wesentlichen konzentrisch. Die dem
Sandkern 21 zugewandte Begrenzungsfläche des Sandmantels 22 bildet die Formgebungsfläche
8. Je nach der äusseren Gestalt des herzustellenden Hohlgiesslings kann der Sandmantel
22 einstückig sein oder - wie in Fig. 1 dargestellt - aus mehreren Formkästen 22a,22b,22c
zusammengesetzt sein. Die Herstellung der Sandform 22 an sich kann in analoger Weise
erfolgen wie dies von konventionellen Sandgiessverfahren hinreichend bekannt ist und
bedarf daher keiner näheren Erläuterung. Der Sandmantel 22 ist dichtend aber lösbar
mit der Kokille 3 verbunden. Durch bekannte Dichtmittel lässt sich ein Austreten der
flüssigen Giessmasse 6 zwischen der Kokille 3 und dem Sandmantel 22 unterbinden.
[0034] Somit ist der Giessraum 5 einerseits von dem Sandkern 21 bzw. der Formgebungsfläche
7 begrenzt und andererseits von dem Sandmantel 22 und der Kokille 3 bzw. den zugehörigen
Formgebungsflächen 8 und 9, das heisst die äussere Gestalt des Hohlgiesslings wird
im wesentlichen durch die erste Formgebungsfläche 9 der Kokille 3 und die Formgebungsfläche
8 des Sandmantels 22 bestimmt.
[0035] Bei dem in Fig. 1 dargestellten bevorzugten Ausführungsbeispiel ist in die Ausnehmung
322 im Boden 32 der Kokille 3 ein weiteres Sandelement 10 eingepasst, welches ein
Ende des Sandkerns 21 bündig aufnimmt. Dabei ist das Sandelement 10, das in gleicher
Weise herstellbar ist wie konventionelle Sandformen, derart geformt, dass es den Sankern
21 bezüglich der Kokille 3 zentriert. Durch diese Massnahme ist die Radialsymmetrie
des Hohlgiesslings realisierbar.
[0036] Die äussere Gestalt des Hohlgiesslings im ersten Bereich, also demjenigen Bereich,
der die grössere Wandstärke aufweist (Kragenbereich), wird durch die Kokille 3 geformt.
Deshalb ist bei der in Fig. 1 dargestellten Giessform 1 der Abstand zwischen dem Sandkern
21 und der inneren Wandung 31 der Kokille 3 grösser als der Abstand zwischen dem Sandkern
21 und dem Sandmantel 22. Ferner ist das Ausführungsbeispiel der Giessform 1 für steigenden
Guss ausgestaltet, das heisst die flüssige Giessmasse 6 wird am unteren Ende der Giessform
1 in den Giessraum 5 eingebracht. Hierzu umfasst der Einlass 4 einen Einlasskanal
41, der sich etwa im Zentrum des Sandkerns 21 durch diesen und entlang seiner Längsachse
erstreckt. Der Einlasskanal 41 mündet in einen Verteiler 42, der sich in dem Sandelement
10 in der Ausnehmung 322 befindet. Der Verteiler 42 verbindet den Einlasskanal 41
mit dem Giessraum 5, so dass die flüssige Giessmasse 6 durch den Einlasskanal 41 und
den Verteiler 42 an das untere Ende des Giessraums 5 gelangt. Am oberen Ende (gemäss
der Darstellung in Fig. 1) des Giessraums 5 sind Überlaufbehälter 11 vorgesehen, die
sich ebenfalls mit Giessmasse 6 füllen, wenn der Giessraum 5 gefüllt ist. Die Überlaufbehälter
11 dienen gleichzeitig als Ausgleichsbehälter, aus denen die Giessmasse 6 in den Giessraum
5 zurückfliessen kann, wenn das Volumen der Giessmasse 6 im Giessraum 5 bei der Erstarrung
abnimmt.
[0037] Es versteht sich, dass die erfindungsgemässe Giessform bzw. das erfindungsgemässe
Verfahren auch für fallenden Guss ausgelegt sein können, d. h. der Giessraum 5 wird
dann von oben (gemäss der Darstellung in Fig. 1) mit der Giessmasse 6 befüllt. Dies
kann beispielsweise mittels eines Ringspeisers erfolgen, der auf das obere Ende der
Giessform 1 aufgesetzt wird.
[0038] Fig. 2 zeigt einen Schnitt durch eine Variante für die Kokille 3. Die meisten der
Bezugszeichen in Fig. 2 sind bereits weiter vorne erläutert. Diese Erläuterungen sollen
durch Fig. 2 nochmals verdeutlicht werden. Ein Unterschied bei der in Fig. 2 dargestellten
Variante der Kokille 3 liegt darin, dass die innere Wandung 31 nicht glattwandig ausgestaltet
ist, sondern einen Absatz 311 aufweist. Hierdurch ist es möglich, die Form des Hohlgiesslings
noch mehr der gewünschtewn Form des Endprodukt anzugleichen und somit die notwendige
Nachbearbeitung weiter zu reduzieren. Bei der Variante der Kokille 3 gemäss Fig. 2
sind in der Wand der Kokille 3 zwei getrennte Leitungen 331 und 332 für das fluide
Medium zum Ab- und Zuführen von Wärme vorgesehen. Jede der Leitungen 331 und 332 ist
als Rohrleitung ausgestaltet, die in die Wand der Kokille 3 eingegossen ist und die
Kokille 3 zweimal in Umfangsrichtung umläuft. Von einer ersten Öffnung 331a bzw. 332a
erstreckt sich die jeweils zugehörige Rohrleitung im Innern der Kokillenwand parallel
zum Umfang um die Kokille 3 herum, führt dann in der Wand nach oben, umläuft nochmals
die Kokille 3 in Umfangsrichtung und endet an einer zweiten Öffnung 331b bzw. 332b.
Durch jede dieser Leitungen 331 und 332 kann das fluide Medium, vorzugsweise Luft,
bewegt werden, um der Kokille Wärme zuzuführen oder zu entziehen. Somit ist es beispielsweise
mittels Warmluft möglich, die Kokille 3 in einfacher Weise vorzuwärmen, um thermisch
bedingte Schädigungen bei dem Kontakt mit der heissen Giessmasse 6 zu vermeiden. Es
hat sich als günstig erwiesen, die Kokille 3 vor dem Einbringen der Giessmasse 6 auf
eine Temperatur von über 100°C vorzuwärmen. Ausserdem ist es möglich, durch die Leitungen
331 und 332 Kaltluft zu blasen, um z. B. die Kokille 3 rascher abzukühlen, nachdem
der Hohlgiesling von ihr getrennt ist. Dadurch kann die Kokille 3 schneller für weitere
Giessvorgänge bereitgestellt werden. Auch ist es möglich, der Kokille 3 während des
Erstarrens bzw. des Abkühlens der Giessmasse 6 Wärme zu entziehen, um z. B. die Erstarrung
im ersten Bereich (Kragenbereich) des Hohlgiesslings zu beschleunigen. Zudem kann
die Kokille, beispielsweise nach dem Aufbringen von Trenn- und Schutzmitteln, mittels
Warmluft ausgeheizt werden, um Restfeuchtigkeit zu entfernen.
[0039] Im folgenden wird nun die Herstellung einer Zylinderlaufbuchse für einen Grossdieselmotor
mittels der Giessform 1 beschrieben. Zunächst werden in an sich bekannter Weise der
Sandkern 21 (Fig. 1), das Sandelement 10 sowie der Sandmantel 22 bzw. die den Sandmantel
22 bildenden Formkästen 22a,22b,22c entsprechend der gewünschten Gestalt des Hohlgiesslings
modelliert. Aus den einzelnen Teilen und der Kokille 3 wird dann die Giessform 1 zusammengesetzt,
der Sandkern 21 wird justiert bzw. zentriert, und der Sandmantel 22 wird fest mit
der Kokille 3 verbunden, z. B. verschraubt. Dabei wird die Verbindungsstelle zwischen
dem Sandmantel 22 und der Kokille 3 durch ein Dichtmittel abgedichtet.
[0040] Die Kokille 3 wird z. B. mittels durch die Leitungen 33 geblasener Warmluft auf beispielsweise
über 100°C vorgewärmt. Natürlich kann das Vorwärmen auch vor dem Zusammensetzen der
Giessform 1 erfolgen. Nun wird die flüssige Giessmasse 6, normalerweise eine Gusseisenlegierung,
durch den Einlasskanal 41 und den Verteiler 42 in den Giessraum 5 eingebracht.
[0041] Die Giessmasse 6 erstarrt im Giessraum 5 wodurch der Hohlgiessling entsteht. Die
äussere Gestalt des Hohlgiesslings wird dabei im ersten Bereich (Kragenbereich) durch
die erste Formgebungsfläche 9 der Kokille 3 geformt und im zweiten Bereich (Hemdbereich)
durch den Sandmantel 22 der Sandform 2. Nachdem die Giessmasse 6 erstarrt ist, kann
die Sandform 2 zusammen mit dem Hohlgiessling von der Kokille 3 abgehoben werden und
an einem anderen Ort zum Abkühlen deponiert werden. Die Kokille 3 kann somit bereits
wieder für einen weiteren Giessvorgang vorbereitet werden. Nachdem der Hohlgiessling
in der Sandform 2 genügend abgekühlt ist, wird er entformt und kann nun nachbearbeitet
werden, bis die Zylinderlaufbuchse ihre endgültige Gestalt hat.
[0042] Das Zusammenwirken der Kokille 3 und der Sandform 2 ist insbesondere für die Herstellung
von Zylinderlaufbuchsen bzw. von Hohlgiesslingen mit zwei Bereichen deutlich unterschiedlicher
Wandstärke vorteilhaft, weil sich hiermit ein besonders günstiger zeitlicher und räumlicher
Erstarrungsverlauf der Giessmasse 6 erzielen lässt. Im ersten - dickwandigeren - Bereich
(Kragenbereich) wird dem Hohlgiessling durch die im Vergleich zur Sandform 2 wesentlich
besser wärmeleitende Kokille 3 die Wärme entzogen, so dass hier ein grosser Wärmefluss
bezogen auf die Kontaktfläche zwischen Giessmasse und Kokille 3 herrscht. Dadurch
erstarrt der Hohlgiessling im Kragenbereich sehr schnell. Eine kurze Erstarrungszeit
im Kragenbereich ist unter metallurgischen Aspekten wünschenswert, weil hierdurch
ein feineres Gefüge im Hohlgiessling entsteht, d. h. ein Gefüge mit kleinen eutektischen
Zellen. Daraus resultieren sehr gute mechanische Eigenschaften, wie beispielsweise
hohe Festigkeit und hohe Dehnung, gerade im Kragenbereich, also dort, wo die Zylinderlaufbuchse
im Betriebszustand den höchsten Belastungen unterliegt.
[0043] Im Hemdbereich, also dort, wo die Wanddicke des Hohlgiesslings kleiner ist, reicht
ein kleiner Wärmefluss bezogen auf die Kontaktfläche zwischen Giessmasse 6 und Sandform
2 aus, weil die für die Erstarrung zu entziehende Wärme pro Kontaktfläche kleiner
ist. Zudem ist die mechanischen Belastung der Zylinderlaufbuchse im Betriebszustand
im Hemdbereich nicht so hoch wie im Kragenbereich, so dass eine kurze Erstarrungszeit
im Hemdbereich nicht so wesentlich ist wie im Kragenbereich. Somit können für den
Hemdbereich die Vorteile des Sandformgiessens, insbesondere die grössere Flexibilität
bezüglich der äusseren Gestalt des Hohlgiesslings, genutzt werden. Zudem reduziert
sich das Gewicht der Giessform im Vergleich zu einer Vollkokille, so dass die Handhabung
der Giessform vereinfacht wird.
[0044] Durch die Kombination der Sandform 2 mit der Kokille 3 ist es aufgrund der unterschiedlichen
Wärmeleitfähigkeiten der Sandform 2 und der Kokille 3 insbesondere auch möglich, den
Hohlgiessling im ersten Bereich (Kragenbereich) schneller zum Erstarren zu bringen
als im zweiten Bereich (Hemdbereich). Diese Art der räumlichen Erstarrung ist sehr
vorteilhaft, weil die Giessmasse 6 im Hemdbereich noch flüssig ist, wenn im Kragenbereich
bereits die Erstarrung fortschreitet, denn somit kann noch flüssige Giessmasse 6 aus
dem Hemd- in den Kragenbereich nachfliessen, um hier erstarrungsbedingte Volumenreduzierungen
der Giessmasse auszugleichen. Dadurch wird eine nachteilige Lunkerbildung im Kragenbereich
praktisch vermieden, was sich positiv auf die mechanischen Eigenschaften der Zylinderlaufbuchse
im Kragenbereich auswirkt.
[0045] Die einstückige Ausgestaltung der Kokille 3 wird insbesondere bevorzugt, weil hierdurch
der Wärmefluss aus dem Kragenbereich in die Kokille 3 bei der Erstarrung räumlich
sehr homogen ist, was die Struktur des sich ausbildenden Gefüges positiv beeinflusst.
[0046] Ferner besteht bei dem beschriebenen Ausführungsbeispiel die Möglichkeit, der Kokille
3 während der Erstarrung der Giessmasse im Kragenbereich Wärme zu entziehen, indem
z. B. Kaltluft durch die Leitungen 33 geblasen wird. Dadurch lässt sich der Temperaturgradient
über die Kokillenwand beeinflussen und die Erstarrung des Hohlgiesslings im Kragenbereich
noch beschleunigen.
[0047] Auch ist es im Hinblick auf eine rasche Erstarrung des Hohlgiesslings im Kragenbereich
vorteilhaft, wenn - wie vorne beschrieben - die erste Formgebungsfläche 9 einen Teil
32a des Bodens 32 der Kokille 3 umfasst. Durch diese Massnahme wird die Kontaktfläche,
durch welche die Wärme aus der Giessmasse 6 in die Kokille 3 fliessen kann, möglichst
gross, was ebenfalls zu einer raschen Erstarrung des Kragenbereichs beiträgt.
[0048] Hinsichtlich eines möglichst optimalen räumlichen und zeitlichen Erstarrungsverlaufs
und insbesondere im Hinblick auf eine rasche Erstarrung im Kragenbereich ist es vorteilhaft,
wenn zum einen die erste Formgebungsfläche 9 etwa die Hälfte derjenigen Flächen der
Giessform 1 bildet, welche den Giessraum 5 in dem Bereich begrenzen, der von der Kokille
3 umgeben ist, das heisst, die erste Formgebungsfläche 9 ist etwa halb so gross wie
die wärmeabgebende Oberfläche des Kragenbereichs. Zum anderen ist es vorteilhaft,
wenn das für die Kühlung des Hohlgiesslings wesentliche Materialvolumen der Kokille
3 mindestens doppelt so gross ist wie das Volumen des von der Kokille 3 umgebenen
Bereichs des Giessraums 5, das heisst das für den Wärmeentzug wesentliche Materialvolumen
der Kokille 3 ist mindestens doppelt so gross wie das Volumen des Kragenbereichs.
Die Wanddicke der Kokille 3 beträgt bevorzugt weniger als das 1.5-fache, insbesondere
etwa das 0.9-fache, des Abstands zwischen dem Sandkern 21 und der inneren Wandung
31 der Kokille 3. Dieser Abstand ist gleich der Wandstärke des Hohlgiesslings im Kragenbereich.
[0049] Diese vorteilhaften Massnahmen sollen anhand von Fig. 3 nochmals verdeutlicht werden.
Fig. 3 zeigt in einer schematischen Schnittdarstellung einen Teil des rotationssymmetrischen
Kragenbereichs eines Hohlgiesslings (links) sowie den Teil der Kokille 3, der die
äussere Gestalt des dargestellten Kragenbereichs geformt hat (rechts). Die Dargestellung
in Fig. 3 entspricht im wesentlichen einem Ausschnitt aus der unteren rechten Ecke
von Fig. 1.
[0050] In Fig. 3 ist die Wanddicke der Kokille 3 mit dem Bezugszeichen DK bezeichnet und
das für die Kühlung wesentliche Materialvolumen der Kokille 3 mit dem Bezugszeichen
VK. Mit dem Begriff "für die Kühlung wesentliches Materialvolumen" sind dabei die
Volumenbereiche der Kokillenwand gemeint, die unmittelbar durch die Formgebungsfläche
9 begrenzt werden. Beispielsweise sind die in Fig. 1 dargestellten Tragevorrichtungen
34 sowie der unter dem Sandkern 21 angeordnete Teil, auf dem die Kokille 3 steht,
nicht zu dem für die Kühlung wesentlichen Materialvolumen zu rechnen.
[0051] Der im linken Teil von Fig. 3 dargestellte Kragenbereich des Hohlgiesslings hat gesamthaft
ein Volumen, das mit VG bezeichnet ist, sowie eine Wandstärke, die mit DG bezeichnet
ist. Während der Erstarrung der Giessmasse 6 kann die Wärme durch die wärmeabgebende
Oberfläche OG des Kragenbereichs abgegeben werden, wobei die Wärme sowohl durch den
gemäss Fig. 3 linken Teil der Oberfläche OG in den Sandkern 21 fliesst als auch durch
den unteren und rechten Teil der Oberfläche OG in die Kokille 3. Die wärmeabgebende
Oberfläche OG ist flächenmässig gleich gross wie diejenigen Flächen der Giessform
1, die den von der Kokille umgebenen Bereich des Giessraums 5 begrenzen.
[0052] Die vornegenannten vorteilhaften Massnahmen zur Optimierung des Erstarrungsverlaufs
bedeuten bei dem konkreten in Fig. 3 dargestellten Beispiel, dass
- die erste Formgebungsfläche 9, welche von der inneren Wandung 31 der Kokille 3 und
dem Teil 32a des Bodens der Kokille 3 gebildet wird, etwa halb so gross ist wie die
wärmeabgebende Oberfläche OG des Kragenbereichs. Hieraus resultiert eine möglichst
grosse Kontaktfläche zwischen dem Kragenbereich und der gut wärmeleitenden Kokille
3.
- das Materialvolumen VK der Kokille mindestens doppelt so gross ist wie das Volumen
VG des Kragenbereichs. Dadurch ist die Wärmekapazität der Kokille 3 ausreichend, um
eine rasche Erstarrung des Kragenbereichs zu ermöglichen.
- die Wanddicke DK der Kokille 3 weniger als das 1.5-fache, insbesondere etwa das 0.9-fache,
der Wandstärke DG des Kragenbereichs beträgt.
[0053] Die Praxis zeigt ferner, dass es vorteilhaft ist, die Leitungen 33 so in der Wand
der Kokille anzuordnen, dass ihr Abstand DL von der inneren Wandung 31 der Kokille
3 etwa ein Drittel der Wanddicke DK der Kokille 3 beträgt.
[0054] Weiterhin kann es vorteilhaft sein, im Übergangsbereich zwischen Kragen- und Hemdbereich
Kühlelement 15 (siehe Fig. 1), beispielsweise metallische Kühlplatten, in der Giessform
1 vorzusehen, um die rasche Erstarrung des Kragenbereichs zu fördern.
[0055] Mit der erfindungsgemässen Giessform bzw. dem erfindungsgemässen Verfahren lassen
sich Zylinderlaufbuchsen für Hubkolbenbrennkraftmaschinen, speziell für Grossdieselmotoren,
herstellen, die, insbesondere aufgrund des optimierten zeitlichen und räumlichen Erstarrungsverlaufs
der Giessmasse 6, sehr gute mechanische Eigenschaften, z. B. hohe Festigkeit und hohe
Dehnung, aufweisen, so dass solche Zylinderlaufbuchsen auch für den Einsatz in modernen,
leistungsstarken Maschinen geeignet sind.
1. Giessform zum Herstellen von metallischen Hohlgiesslingen aus einer Giessmasse (6),
insbesondere zum Herstellen von Zylinderlaufbuchsen für Hubkolbenbrennkraftmaschinen,
speziell für Grossdieselmotoren, mit einem Einlass (4) zum Einbringen der Giessmasse
(6) in einen Giessraum (5), welcher durch Formgebungsflächen (7,8,9) begrenzt ist
und die Giessmasse (6) aufnimmt, dadurch gekennzeichnet, dass die Giessform (1) eine
Kokille (3) und eine Sandform (2) umfasst, wobei die Kokille (3) eine erste Formgebungsfläche
(9) aufweist, und die Sandform (2) die übrigen massgebenden Formgebungsflächen (7,8).
2. Giessform nach Anspruch 1, bei welcher die Kokille (3) einstückig ausgestaltet ist.
3. Giessform nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Kokille (3) Leitungen
(33; 331,332) für ein fluides Medium, insbesondere Luft, zum Ab- und/oder Zuführen
von Wärme aufweist.
4. Giessform nach einem der vorangehenden Ansprüche, bei welcher die Sandform (2) einen
Sandkern (21) und einen Sandmantel (22) umfasst, wobei der Giessraum (5) von dem Sandkern
(21) einerseits und dem Sandmantel (22) sowie der Kokille (3) andererseits begrenzt
ist.
5. Giessform nach einem der vorangehenden Ansprüche, bei welcher die Kokille (3) ein
einseitig offenes Gefäss mit einer inneren Wandung (31) und einem Boden (32) ist,
wobei die innere Wandung (31) und zumindest ein Teil (32a) des Bodens (32) die erste
Formgebungsfläche (9) bilden.
6. Giessform nach Anspruch 5, wobei der Boden (32) der Kokille (3) eine Ausnehmung (322)
aufweist und sich der Sandkern (21) bis in diese Ausnehmung (322) hinein erstreckt.
7. Giessform nach einem der Ansprüche 5 oder 6, wobei der Abstand zwischen dem Sandkern
(21) und der inneren Wandung (31) der Kokille (3) grösser ist als der Abstand zwischen
dem Sandkern (21) und dem Sandmantel (22).
8. Giessform nach einem der Ansprüche 5-7, bei welcher die erste Formgebungsfläche (9)
etwa die Hälfte derjenigen Flächen der Giessform (1) bildet, welche den Giessraum
(5) in dem Bereich begrenzen, der von der Kokille (3) umgeben ist.
9. Giessform nach einem der Ansprüche 5-8, wobei das für die Kühlung des Hohlgiesslings
wesentliche Materialvolumen (VK) der Kokille (3) mindestens doppelt so gross ist wie
das Volumen (VG) des von der Kokille (3) umgebenen Bereichs des Giessraums (5).
10. Giessform nach einem der Ansprüche 5-9, wobei die Wanddicke (DK) der Kokille (3) weniger
als das 1.5-fache, insbesondere etwa das 0.9-fache, des Abstands zwischen dem Sandkern
(21) und der inneren Wandung (31) der Kokille (3) beträgt.
11. Verfahren zum Herstellen von metallischen Hohlgiesslingen, insbesondere Zylinderlaufbuchsen
für Hubkolbenbrennkraftmaschinen, speziell für Grossdieselmotoren, wobei die Hohlgiesslinge
einen ersten und einen zweiten Bereich aufweisen und die Wandstärke des Hohlgiesslings
im ersten Bereich grösser ist als im zweiten Bereich, bei welchem Verfahren eine Giessmasse
(6) in eine Giessform (1) eingebracht wird und dort erstarrt, dadurch gekennzeichnet,
dass die äussere Gestalt des Hohlgiesslings im ersten Bereich durch eine Kokille (3)
und im zweiten Bereich durch eine Sandform (2) geformt wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11, wobei zum Formen der äusseren Gestalt des Hohlgiesslings
im ersten Bereich eine einstückige Kokille (3) verwendet wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 oder 12, wobei die Kokille (3) vor dem Einbringen
der Giessmasse (6) durch ein fluides Medium, insbesondere Luft, erwärmt wird.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 11-13, wobei die Kokille (3) während und/oder nach
dem Einbringen der Giessmasse (6) durch einen fluides Medium, insbesondere Luft, gekühlt
wird.
15. Hohlgiessling, insbesondere Zylinderlaufbuchse für eine Hubkolbenbrennkraftmaschine,
speziell für einen Grossdieselmotor, mit zwei Bereichen unterschiedlicher Wandstärke,
hergestellt mit einer Giessform (1) nach einem der Ansprüche 1-10.
16. Hohlgiessling, insbesondere Zylinderlaufbuchse für eine Hubkolbenbrennkraftmaschine,
speziell für einen Grossdieselmotor, mit zwei Bereichen unterschiedlicher Wandstärke,
hergestellt nach einem Verfahren gemäss einem der Ansprüche 11-14.
17. Hubkolbenbrennkraftmaschine, insbesondere Grossdieselmotor, mit mindestens einer Zylinderlaufbuchse
gemäss einem der Ansprüche 15 oder 16.