(57) Die Erfindung bezieht sich auf das Gebiet des Oxidationsschutzes und betrifft eine
Oberflächenschutzbeschichtung für Titanlegierungsbauteile.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Oberflächenschutzbeschichtung für Titanlegierungsbauteile,
die einen Titangehalt von > 50 At.% besitzen, zu entwickeln, die bei Temperaturen
unterhalb 650°C erzeugt werden kann und bei Temperatur- und Belastungswechseln nicht
abplatzt.
Die erfindungsgemäße Oberflächenschutzbeschichtung besteht aus einer auf die Oberfläche
des Titanlegierungsbauteils aufgebrachten Grundschicht der Zusammensetzung
- Ti
- 25 bis 50 At.%
- Al
- 25 bis 75 At.%
- X
- 1 bis 21 At.%
- O
- 1 bis 25 At.%
- N
- 1 bis 50 At.%,
wobei X eines oder mehrere Elemente aus der Gruppe Si, Cr, Zr und B ist. Auf der
Grundschutzschicht kann sich eine Deckschutzschicht auf Al
2O
3-Basis befinden.
Die Erfindung ist insbesondere für thermisch und mechanisch hoch beanspruchte Turbinen-
oder Kompressorenschaufeln anwendbar.
[0001] Die Erfindung bezieht sich auf das Gebiet des Oxidationsschutzes und betrifft eine
Oberflächenschutzbeschichtung für Titanlegierungsbauteile, die einen Titangehalt von
> 50% besitzen, insbesondere für thermisch und mechanisch hoch beanspruchte Turbinen-
oder Kompressorenschaufeln.
[0002] Titanlegierungen unterliegen bei hohen Temperaturen in Flug- und stationären Turbinen
einer komplexen Beanspruchung aus Kriechen, Ermüdung und Heißgaskorrosion. Trotz der
Tatsache, daß das Festigkeitsniveau der Titanlegierungen noch den Einsatz bei Temperaturen
von über 600°C erlauben würde, werden diese Titanlegierungen derzeit nur bei Temperaturen
bis zu 525°C eingesetzt, da die Legierungen wegen der starken Sauerstoffaffinität
des Titans bei höheren Temperaturen oxidieren und die oberflächennahen Bereiche der
Bauteile durch eindiffundierenden Sauerstoff verspröden. Dieser Prozeß setzt sich
mit zunehmender Expositionsdauer weiter fort, da die auf der Oberfläche gebildeten
TiO
2-Schichten keine dichten Diffusionsbarrieren für Sauerstoff darstellen.
[0003] Es ist auch bereits bekannt, Bauteile aus Titanlegierungen mit einer Oxidationsschutzschicht
auf Aluminiumbasis durch Diffusionsbeschichtung (Alitieren) zu versehen. Nachteilig
ist dabei jedoch, daß die durch das Alitieren gebildete Ti-Al-Schutzschicht bei höheren
Temperaturen an der Oberfläche Al
2O
3 bildet. Dieses hat zum Substratmaterial nur eine geringe Bindung und platzt bei auftretenden
mechanischen Belastungen des Verbundes leicht ab. Derartige Belastungen treten beim
Einsatz solcher Bauteile als Turbinenschaufeln infolge thermischer Ausdehnung bei
Temperaturwechseln auf, oft zusätzlich verstärkt durch Änderungen in der Umdrehungsgeschwindigkeit
der Turbine während des An- und Abfahrprozesses. An den freigelegten Oberflächenstellen
kann sich neues Al
2O
3 bilden, wodurch aber der Al-Gehalt in der Schutzschicht sinkt. Dies beeinträchtigt
die Lebensdauer bzw. die Einsatzdauer der Bauteile. Das ständige Abplatzen und Neubilden
von Al
2O
3 führt in nachteiliger Weise auch zu einer Verminderung der Oberflächengüte, was bei
aerodynamischen Bauteilen, wie beispielsweise Kompressorenschaufeln, Wirkungsgradverluste
zur Folge hat. Nachteilig ist außerdem die infolge der Ausbildung intermetallischer
Phasen mit komplexen Gitterstrukturen vorhandene Sprödigkeit der Ti-Al-Schutzschichten.
[0004] Es ist auch bereits ein Verfahren zum Erzeugen von Oxidationsschutzschichten für
Titanlegierungen bekannt, bei dem auf die Titanlegierung eine Ti-Al-Schicht und zusätzlich
eine dünne Niobschicht aufgebracht werden (DE 37 42 944). Allerdings benötigt dieser
Schichtbildungsprozeß Temperaturen von 800°C bzw. 1100°C, was für moderne, komplex
aufgebaute und damit hochfeste Hochtemperatur-Titanlegierungen, wegen der dann im
Gefüge stattfindenden Erweichungsvorgänge schädlich ist.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Oberflächenschutzbeschichtung für
Titanlegierungsbauteile, die einen Titangehalt von > 50 At.% besitzen, zu entwickeln,
die bei Temperaturen unterhalb 650°C erzeugt werden kann und bei Temperatur- und Belastungswechseln
nicht abplatzt.
[0006] Diese Aufgabe ist mit der in den Patentansprüchen beschriebenen Beschichtung gelöst.
[0007] Die erfindungsgemäße Oberflächenschutzbeschichtung besteht aus einer auf die Oberfläche
des Titanlegierungsbauteils aufgebrachten Grundschicht der Zusammensetzung
- Ti
- 25 bis 50 At.%
- Al
- 25 bis 75 At.%
- X
- 1 bis 21 At.%
- O
- 1 bis 25 At.%
- N
- 1 bis 50 At.%,
wobei X eines oder mehrere Elemente aus der Gruppe Si, Cr, Zr und B ist.
[0008] Erfindungsgemäß kann sich auf der Grundschutzschicht eine Deckschutzschicht auf Al
2O
3-Basis befinden. In dieser kann neben Al
2O
3 auch ZrO
2 enthalten sein.
[0009] Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung kann die Beschichtung als Multilagen-Schichtverbund
in Form mehrerer übereinander angeordneter Folgen der Schichtkombination von Grundschutzschicht
und Deckschutzschicht auf Al
2O
3-Basis ausgeführt sein. Dabei kann erfindungsgemäß in den einzelnen Grundschutzschichten
des Multilagen-Schichtverbundes die stoffliche Zusammensetzung und/oder die Konzentration
der enthaltenen Elemente unterschiedlich ausgeführt sein.
[0010] Zweckmäßigerweise liegt die Gesamtschichtdicke der Oberflächenschutzbeschichtung
zwischen 1 und 20 µm.
[0011] Die erfindungsgemäße Oberflächenschutzbeschichtung für Titanlegierungsbauteile zeichnet
sich gegenüber den bekannten Schutzschichten dadurch aus, daß diese bei Temperaturen
unterhalb 650°C erzeugt werden kann und daß diese bei Temperatur- und Belastungswechseln
nicht abplatzt. Durch die erfindungsgemäß vorgesehene Multilagenausbildung der Beschichtung
kann leicht eine Trennung der Funktionen in eine erste Schicht, die als Haftvermittler
dient, und in eine äußere Schicht, welche die Oxidation verhindert, erreicht werden.
[0012] Durch weitere Zwischenschichten, deren chemische Zusammensetzung zueinander stufenweise
verändert ist, können die unterschiedlichen mechanischen Eigenschaften aneinandergrenzender
Schichten angepaßt und so ein gradierter Multilagen-Schichtverbund mit verbesserter
mechanischer Stabilität erzeugt werden. Durch die Möglichkeit, die Beschichtung mittels
PACVD bei Temperaturen unterhalb 650°C herzustellen, werden im Titanlegierungsbauteil
Gefügeveränderungen, die zu einem Festigkeitsverlust führen würden, ausgeschlossen.
[0013] Nachstehend ist die Erfindung an Hand von Ausführungsbeispielen näher erläutert.
Beispiel 1
[0014] Auf Turbinenschaufeln aus einer Titanlegierung werden in einer PACVD-Anlage bei einer
Temperatur von 650°C gleichzeitig die Elemente Al, Ti und Cr mit einer Schichtdicke
von 4 µm abgeschieden, und zwar so, daß die abgeschiedene Schicht eine Stöchiometrie
von etwa 65 At.% Al, 25 At.% Ti, 1 At.% O, 1 At.% N und 8 At.% Cr aufweist. Nachfolgend
werden die beschichteten Turbinenschaufeln in Luft bei einer Temperatur von 625°C
während einer Dauer von 10 h wärmebehandelt. Diese Wärmebehandlung führt zur Ausbildung
einer dichten Al
2O
3-Deckschicht, welche die Titanlegierung beim Einsatz der Turbinenschaufeln vor Oxidation
schützt.
[0015] Das mit diesem Schichtverbund versehene Bauteil zeigt nach einer Expositionsdauer
von 100 h bei 550°C an Luft keine weitere Erhöhung der Al
2O
3-Schichtdicke und es treten auch keine Schichtabplatzungen auf, d.h. es liegt ein
mechanisch stabiler und oxidationsbeständiger Substrat-Schicht-Verbund vor. Demgegenüber
würde ein unbeschichtetes Bauteil bei dieser Temperatur durch Titanoxidbildung korrodieren.
Beispiel 2
[0016] Auf Turbinenschaufeln aus einer Titanlegierung werden in einer PACVD-Anlage bei einer
Temperatur von 550°C gleichzeitig die Elemente Al, Ti, O, N und Zr zu einer Grundschicht
mit einer Schichtdicke von 4 µm abgeschieden, und zwar so, daß die abgeschiedene Schicht
eine Stöchiometrie von etwa 25 At.% Al, 25 At.% Ti, 1 At.% O, 44 At.% N und 5 At.%
Zr aufweist. Danach wird auf die Grundschicht in einem zweiten Beschichtungsvorgang
in der PACVD-Anlage bei einer Temperatur von 590°C eine Al
2O
3-Deckschicht mit einer Schichtdicke von 3 µm erzeugt, die als Oxidationsschutzschicht
dient. Die darunter befindliche Grundschicht hat eine haftvermittelnde Funktion zur
Oberfläche der Turbinenschaufel.
[0017] Im Korrosionstest bei 600°C an Luft zeigt dieser Verbundwerkstoff nach 100 h weder
eine fortschreitende Oxidation noch Abplatzungen des Schichtsystems.
1. Oberflächenschutzbeschichtung für Titanlegierungsbauteile, die einen Titangehalt von
> 50 At.% besitzen,
dadurch gekennzeichnet, daß sich auf der Oberfläche des Titanlegierungsbauteils eine Grundschutzschicht der
Zusammensetzung
Ti 25 bis 50 At.%
Al 25 bis 75 At.%
X 1 bis 21 At.%
O 1 bis 25 At.%
N 1 bis 50 At.%
befindet, wobei X eines oder mehrere Elemente aus der Gruppe Si, Cr, Zr und B ist.
2. Aluminiumhaltige Oberflächenschutzbeschichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß sich auf der Grundschutzschicht eine Deckschutzschicht auf Al2O3-Basis befindet.
3. Aluminiumhaltige Oberflächenschutzbeschichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Al2O3-Basis-Deckschutzschicht ZrO2 enthält.
4. Aluminiumhaltige Oberflächenschutzbeschichtung nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Beschichtung als Multilagen-Schichtverbund in Form mehrerer übereinander
angeordneter Folgen der Schichtkombination von Grundschutzschicht und Al2O3-Basis-Deckschutzschicht auf ausgeführt ist.
5. Aluminiumhaltige Oberflächenschutzbeschichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß im Multilagen-Schichtverbund in den einzelnen Grundschutzschichten die stoffliche
Zusammensetzung und/oder die Konzentration der enthaltenen Elemente unterschiedlich
ausgeführt ist.
6. Aluminiumhaltige Oberflächenschutzbeschichtung nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Gesamtschichtdicke einen Wert zwischen 1 und 20 µm hat.