(57) Um auch für Unfälle, die mit einem herkömmlichen Unfalldatenspeicher schwer detektierbar
sind, einen zu einem bestimmten Meßzeitraum gehörenden Datensatz zur Unfallrekonstruktion
bereitzustellen, wobei der Datensatz aus in einem zeitlichen Takt fortlaufend sensorisch
erfaßten Bewegungsdaten und Zustandsdaten verschiedener Fahrzeugaggregate desjenigen
Fahrzeugs besteht, in dem sich der Unfalldatenspeicher befindet, wird vorgeschlagen,
den Unfalldatenspeicher um einen Stillstandsspeicher zu erweitern und den Meßzeitraum
zur Registrierung des unfallrelevanten Datensatzes zeitlich dadurch zu fixieren, daß
die Steuereinheit des Unfalldatenspeichers dann die Registrierung veranlaßt, wenn
gleichzeitig folgende Kriterien erfüllt sind:
a) die mit einem im Fahrzeug angeordneten Impulsgeber bestimmte Fahrzeuggeschwindigkeit
hat seit mindestens zwei Sekunden den Wert Null;
b) die betragsmäßigen Änderungen zweier in einem zeitlichen Abstand Δt aufeinanderfolgender
Meßwerte für die Längs- und Querbeschleunigung des Fahrzeugs sind seit mindestens
zwei Sekunden unter einen vorgegebenen Wert a gesunken;
c) seit der letzten nach diesen Kriterien ausgelösten Datensatzregistrierung wurde
das Fahrzeug um mindestens 100 Meter bewegt.
[0001] Die Erfindung betrifft einen Unfalldatenspeicher mit einem Stillstandsspeicher zur
Bereitstellung eines Datensatzes zur Unfallrekonstruktion gemäß dem Oberbegriff des
ersten Anspruchs.
[0002] Die Registrierung von Datensätzen für eine Unfallrekonstruktion mit einem in einem
Fahrzeug angeordneten Unfalldatenspeicher ist an sich bekannt. Die Datensätze bestehen
aus fortlaufend in einem zeitlichen Takt mit Beschleunigungssensoren und einem Impulsgeber
erfaßten Bewegungsdaten sowie Zustandsdaten, die den Betriebszustand verschiedener
Fahrzeugaggregate desjenigen Fahrzeugs angeben, das zur Speicherung derartiger Datensätze
mit einem Unfalldatenspeicher ausgerüstet ist. Die Datensätze geben den Verlauf bestimmter
charakteristischer Meßgrößen über einen definierten Meßzeitraum wieder, wobei der
in seiner Dauer fest umrissene Meßzeitraum erst durch den Zeitpunkt, zu dem von der
Steuereinheit des Unfalldatenspeichers ein Steuerbefehl für die Datensatzregistrierung
ausgelöst wird, in seiner zeitlichen Lage fixiert wird. Der genannte Steuerbefehl
wird jeweils dann ausgelöst, wenn Verlauf, Intensität und Dauer der erfaßten Meßgrößen
zuvor festgelegte Kriterien erfüllen, die erfahrungsgemäß auf eine Unfallsituation
hindeuten. Bei herkömmlichen Unfalldatenspeichern bilden derartige Kriterien das Blockieren
der Fahrzeugräder oder das Auftreten einer starken negativen Beschleunigung zum Beispiel
durch eine Vollbremsung.
[0003] Zu den Bewegungsdaten zählen insbesondere die Längs- und die Querbeschleunigung des
Fahrzeugs, die mit geeigneten mit dem Unfalldatenspeicher in Verbindung stehenden
Beschleunigungssensoren erfaßt werden, sowie die Fahrzeuggeschwindigkeit, die unter
Verwendung eines im Fahrzeug angeordneten Impulsgebers ermittelt wird, wobei der Impulsgeber
die Rotation eines mit der Fahrzeugbewegung in Verbindung stehenden Getriebe- oder
Fahrzeugrades detektiert.
[0004] Der vorliegende Vorschlag zeigt ergänzend zu herkömmlichen Unfalldatenspeichern eine
Lösung für solche Unfallsituationen auf, die mit der üblicherweise eingesetzten Registrierung
nicht oder nur unzureichend erfaßt werden. So gibt es Unfallsituationen, die sich
nicht durch massive Änderungen in den Meßwerten für die Bewegungsdaten auszeichnen
und deshalb mit einem herkömmlichen Unfalldatenspeicher, der zur Auslösung der Datensatzregistrierung
beispielsweise allein die sensierten Beschleunigungen auswertet, nicht erfaßbar sind.
Dazu zählen Unfälle, bei denen die Unfallbeteiligten in einem großen Massenverhältnis
zueinander sehen (z.B. Kollision eines Motorrades mit einem Reisebus), was dazu führt,
daß übliche Algorithmen zur Datenregistrierung, die den Auslösekriterien zugrunde
liegen, aufgrund des geringen Impulsübertrages von der kleineren auf die größere Masse
eben nicht auslösen und damit versagen.
[0005] Es ist das Ziel der vorliegenden Erfindung, auch für Unfälle, die mit einem herkömmlichen
Unfalldatenspeicher schwer detektierbar sind, einen Datensatz zur Unfallrekonstruktion
bereitzustellen. Die Aufgabe wird durch einen Unfalldatenspeicher mit den Merkmalen
des ersten Anspruchs gelöst. Die übrigen Ansprüche betreffen Weiterbildungen der gefundenen
Lösung.
[0006] Die Lösung sieht vor, einen Unfalldatenspeicher mit einem Stillstandsspeicher auszurüsten,
der durch die Steuereinheit derart gesteuert wird, daß jeweils dann ein Datensatz
registriert wird, wenn folgende drei Kriterien gleichzeitig erfüllt sind:
a) die mit dem im Fahrzeug angeordneten Impulsgeber bestimmte Fahrzeuggeschwindigkeit
hat seit mindestens zwei Sekunden den Wert Null;
b) die betragsmäßigen Änderungen zweier in einem zeitlichen Abstand Δt aufeinanderfolgender
Meßwerte für die Längs- und Querbeschleunigung des Fahrzeugs sind seit mindestens
zwei Sekunden unter einen vorgegebenen Wert a gesunken;
c) seit der letzten nach diesen Kriterien ausgelösten Datensatzregistrierung wurde
das Fahrzeug um mindestens 100 Meter bewegt.
[0007] Der erwähnte Datensatz besteht aus fortlaufend in einem zeitlichen Takt mit Beschleunigungssensoren
und einem Impulsgeber erfaßten Bewegungsdaten sowie Zustandsdaten verschiedener Fahrzeugaggregate
desjenigen Fahrzeugs, in dem der Unfalldatenspeicher eingebaut ist. Der Meßzeitraum
zur Erhebung der den Datensatz bildenden Meßdaten wird in seiner zeitlichen Lage erst
durch die gleichzeitige Erfüllung der drei genannten Kriterien festgelegt. Somit reicht
weder das Blockieren der Fahrzeugräder noch eine Vollbremsung für sich allein genommen
für eine Datensatzregistrierung aus.
[0008] Der im zweiten Registrierungskriterium erwähnte, vorgegebene Wert a, unter den die
betragsmäßigen Änderungen zweier aufeinanderfolgender Meßwerte der Längs- und Querbeschleunigung
des Fahrzeugs zur Auslösung einer Datensatzregistrierung absinken müssen, soll für
beide Beschleunigungen jeweils vorzugsweise im Wertebereich zwischen 0,5 m/s
2 und weniger als 1 m/s
2 liegen, wobei der zeitliche Abstand Δt zwischen zwei aufeinanderfolgenden Meßwerten
vorzugsweise im Bereich zwischen 50 und 100 ms gewählt wird. Dieses Merkmal erfaßt
Unfallsituationen, bei denen sich das Fahrzeug in einer Schieflage befindet, indem
es z.B. an einer Böschung oder in einem Graben eine geneigte Position einnimmt, so
daß von den dem Unfalldatenspeicher zugeordneten Beschleunigungssensoren eine Komponente
des Erdgravitationsfeldes erfaßt wird.
[0009] Für die Praxis ist es vorteilhaft, wenn der Unfalldatenspeicher mindestens zwei nach
den genannten Kriterien ausgelöste Datensatzregistrierungen als voneinander getrennte
Ereignisse speichern kann.
[0010] Ein herkömmlicher Unfalldatenspeicher wird lösungsgemäß zusätzlich mit einem von
der Steuereinheit steuerbaren Stillstandsspeicher ausgerüstet, der dann, wenn die
vorgenannten drei Kriterien gleichzeitig erfüllt sind, einen Datensatz speichert.
Dabei überschreibt jeder neue Datensatz einen älteren dort im Stillstandsspeicher
befindlichen Datensatz, sofern der Stillstandsspeicher nicht von seiner Konzeption
her zum Speichern mehrerer Unfallereignisse ausgelegt ist. Der Steuerbefehl zur Auslösung
der erfindungsgemäßen Datensatzregistrierung kommt von der Steuereinheit des Unfalldatenspeichers,
die anhand der fortlaufend eingehenden Meßwerte prüft, ob die genannten drei Kriterien
erfüllt sind.
[0011] Um im Bedarfsfall eine Sicherung des zuerst gespeicherten Datensatzes sicherzustellen,
ist der Unfalldatenspeicher so auszurüsten, daß ein durch den Fahrer betätigbares
und signaltechnisch mit dem Unfalldatenspeicher verbundenes Bedienelement vorgesehen
ist, durch das die Überschreibbarkeit des im Stillstandsspeicher befindlichen Datensatzes
unterbunden werden kann. Dieses Merkmal gibt dem Fahrer die Möglichkeit, bewußt darauf
Einfluß zu nehmen, welcher Datensatz gespeichert bleiben soll.
[0012] Die vorgeschlagene Lösung hat den Vorteil, daß sie in jedem Fall stets einen für
eine vorliegende Unfallsituation relevanten Datensatz speichert. So wird z.B. bei
einem Fahrzeug, das auf Glatteis mit blockierten Rädern schleudert, der betreffende
Datensatz tatsächlich erst beim Eintreten des Fahrzeugstillstands bzw. beim Vorliegen
der anspruchsgemäß einen Fahrzeugstillstand kennzeichnenden Kriterien abgelegt. Der
vorgeschlagene Unfalldatenspeicher vermag den Zeitpunkt zur Auslösung des Steuerbefehls
für die Datensatzregistrierung bedarfsgerecht festzulegen, so daß die zeitliche Lage
des Meßzeitraum derart gewählt wird, daß er für die vorliegende Unfallsituation aussagekräftige
Daten beinhaltet. Dieses Vergehen optimiert die zeitliche Lage des Meßzeitraums, was
wichtig ist, da der Meßzeitraum aufgrund der begrenzten Speicherkapazität des Unfalldatenspeichers
zumeist auf eine Dauer von weniger als 1 Minute begrenzt ist.
[0013] Auch wird verhindert, daß wichtige Daten dadurch überschrieben werden, daß das Fahrzeug,
wie es in der Praxis oft vorkommt, noch kurz von der Unfallstelle, z.B. zum Freigeben
der Fahrbahn entfernt wird. Ein Unfalldatenspeicher ohne die erfindungsgemäßen Merkmale
würde auch bei einer nur geringfügigen Fahrzeugbewegung den für die vorliegende Unfallsituation
relevanten Datensatz durch einen neuen überschreiben, weil der Unfalldatenspeicher
nach der Fahrzeugbewegung einen neuen Fahrzeugstillstand detektiert. Die lösungsgemäßen
Merkmale führen dazu, daß der Meßzeitraum für den zu registrierenden Datensatz in
seiner zeitlichen Lage optimal fixiert und damit der Aussagegehalt der erfaßten Daten
nicht durch in der Praxis häufig vorkommende Umstände beeinträchtigt wird.
1. Unfalldatenspeicher mit einem Stillstandsspeicher zur Bereitstellung eines Datensatzes
zur Unfallrekonstruktion,
a) wobei der Datensatz aus fortlaufend in einem zeitlichen Takt erfaßten Bewegungsdaten
sowie Zustandsdaten besteht,
b) wobei die Bewegungsdaten von einem im Fahrzeug angeordneten, Wegimpulse erfassenden
Impulsgeber und von Beschleunigungssensoren geliefert werden und die Beschleunigungssensoren
zumindest die Längs- und Querbeschleunigung des Fahrzeugs erfassen,
c) wobei die Zustandsdaten den Betriebszustand verschiedener Fahrzeugaggregate desjenigen
Fahrzeugs angeben, in dem sich der Unfalldatenspeicher befindet,
d) und wobei der Unfallfalldatenspeicher eine Steuereinheit besitzt,
dadurch gekennzeichnet,
daß die zeitliche Festlegung des Meßzeitraums zur Registrierung des Datensatzes dadurch
erfolgt, daß die Steuereinheit die Registrierung des Datensatzes in dem Stillstandsspeicher
dann veranlaßt, wenn gleichzeitig folgende Kriterien erfüllt sind:
e) die aus den Wegimpulsen des Impulsgebers errechnete Fahrzeuggeschwindigkeit hat
seit mindestens zwei Sekunden den Wert Null;
f) die betragsmäßigen Änderungen zweier in einem zeitlichen Abstand Δt aufeinanderfolgender
Meßwerte für die Längs- und Querbeschleunigung des Fahrzeugs sind seit mindestens
zwei Sekunden unter einen vorgegebenen Wert a gesunken;
g) seit der letzten nach diesen Kriterien ausgelösten Datensatzregistrierung wurde
das Fahrzeug um mindestens 100 Meter bewegt.
2. Unfalldatenspeicher nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der vorgegebene Wert
a, unter den die betragsmäßigen Änderungen zweier aufeinanderfolgender Meßwerte für
die Längs- und Querbeschleunigung des Fahrzeugs zur Auslösung einer Datensatzregistrierung
absinken müssen, für beide Beschleunigungen im Wertebereich zwischen 0,5 m/s2 und weniger als 1 m/s2 liegt, wobei der zeitliche Abstand Δt zwischen zwei aufeinanderfolgenden Meßwerten
im Bereich zwischen 50 und 100 ms gewählt wird.
3. Unfalldatenspeicher nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß mindestens zwei nach den genannten Kriterien ausgelöste Datensatzregistrierungen
als voneinander getrennte Ereignisse speicherbar sind.
4. Unfalldatenspeicher nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß ein durch den Fahrer betätigbares und signaltechnisch mit dem Unfalldatenspeicher
verbundenes Bedienelement vorgesehen ist, durch das die Überschreibbarkeit des im
Stillstandsspeicher befindlichen Datensatzes unterbunden wird.