[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung für mechanische Fügetechniken.
[0002] Mechanische Fügetechniken wie beispielsweise die Stanzniet- und Durchsetzfügetechnik
gewinnen im Leichtbau von Karosserien, Maschinen und sonstigen aus Einzelteilen zusammengesetzten
Geräten und Gegenständen gegenüber dem bisher weit verbreiteten Widerstandspunktschweißen
immer mehr an Bedeutung, denn sie erfüllen die Anforderungen hinsichltlich Reproduzierbarkeit
der Verbindungsqualität, einfacher Handhabung und Automatisierbarkeit.
[0003] Das Durchsetzfügen gewinnt zunehmend an Bedeutung, da es mit diesem Verfahren möglich
ist, Bleche ohne die Verwendung zusätzlicher Hilfsfügeteile zu verbinden. Beim Durchsetzfügen
werden die Fügeelemente unmittelbar aus dem Werkstoff bzw. den Werkstoffen der zu
verbindenden Bleche gebildet. Durch einen lokalen Umformgang mit einem genau aufeinander
abgestimmten Stempel- und Matrizenpaar entsteht eine kraft- und formschlüssige Verbindung.
Bei den Durchsetzfügeverfahren kann man unterscheiden zwischen Durchsetzfügen mit
Schneidanteil und ohne Schneidanteil und Fügevorgängen mit einstufigen oder mehrstufigen
Schritten. Beispielhafte Fachbegriffe für Durchsetzfügeverfahren sind S- oder H-druckfügen,
stitchen, punktfügen, Lance-N-loc, clinchen, O- oder R-druckfügen, Tog-L-loc, toxen,
oder Spot-clinchen.
[0004] Das Stanznieten eignet sich für Anwendungen in für das Widerstandspunktschweißen
schwierigen Materialien wie beispielsweise lackierten oder beschichteten Blechen oder
für Verbindungen von unterschiedlichen Materialien, wie Stahl/Aluminium. Weitere Vorteile
des Stanznietens sind geringe schädliche Emissionen wie Qualm oder Lärm sowie der
prozeßbedingt geringe Energieverbrauch. Beim Stanznieten wird ein Hilfsfügeteil, wie
beispielsweise ein Vollniet oder Halbhohlniet, gleichzeitig als Schneidstempel verwendet.
Somit können Bleche ohne vorheriges Vorlochen miteinander verbunden werden. Im Verfahrensablauf
des Stanznietens erhält das Hilfsfügeteil typischerweise im plastisch durch die Matrize
umgeformten Werkstoff der zu vernietenden Teile über eine Kragenbildung seinen Schließkopf.
Der aus dem oberen Blech ausgestanzte Butzen füllt dabei den hohlen Nietschaft auf
und wird dort so umgeformt, daß er dicht herausfallen kann.
[0005] Bei beiden beschriebenen Verfahren, ist es bekannt, neben dem Stempel zum Stanznieten
und Durchsetzfügen einen mit Federkraft beaufschlagten Niederhalter einzusetzen. Der
Niederhalter wird zusammen mit dem Stempel auf die Fügeteile zugefahren, aufgesetzt,
durch die Federkraft auf dem Fügeteil gehalten und zusammen mit dem zurückfahrenden
Stempel wieder abgehoben. Bei zu geringen Niederhalterkräften kann beispielsweise
ein Verzug der Fügeteile auftreten, zu hohe Niederhalterkräfte können im Extremfall
aber auch Fügeteile und Werkzeuge beschädigen. Da die Niederhalter regelmäßig durch
Federn kraftbeaufschlagt sind, unterliegt ihre Kraft, die sie auf das oder die Fügeteile
aufbringen, einer linearen Beziehung oder zumindest einer Beziehung, die durch eine
einzige mathematische Beziehung beschreibbar ist. Während des Fügevorgangs besteht
keine Möglichkeit, einen Einfluß auf die Niederhaltekraft auszuüben. Durch den Austausch
von Federn kann das Kraftverhalten des Niederhalters verändert werden, es bleibt jedoch
bei einem linearen Kraftverlauf der Federkennlinie. Auch ist es bekannt, eine Setzeinheit
für ein Fügesystem mit einem hydraulischen Antrieb für die Niederhalterkraft zu vesehen,
wobei die Antriebskraft jedoch zeitlich konstant ohne jede Regelung aufgebracht wird.
[0006] Bei den mechanischen Fügetechniken ergibt sich insbesondere im Vergleich zum Widerstandspunktschweißen
der Nachteil, daß die mechanischen Fügetechniken nicht in alle Belastungsrichtungen
eine ausreichende Festigkeit aufweisen. Wünschenswert ist es insbesondere, die Werte
für die Halsdicke und den Hinterschnitt der mechanischen Fügeverbindungen zu verbessern.
Je nach Ausgestaltung der mechanischen Fügeverbindung, den zusammengefügten Teilen,
der Geometrie der Fügeverbindung und der Teile, der eingesetzten Werkstoffe, der Aufnahme
von Belastungen der Fügeteile oder anderen Einflußgrößen kann diese in einzelnen Belastungsrichtungen,
wie beispielsweise Kopfzug, Schwächen aufweisen. Bisher wurde versucht, die Festigkeitroptimierung
durch Variation der Werkzeuggeometrien beim Durchsetzfügen und Stanznieten und der
Nietgeometrie und -härte beim Stanznieten voranzutreiben. Die diesbezüglichen Optimierungen
haben jedoch nicht in vollem Umfang ausgereicht, für alle Anwendungen eine ausreichende
Festigkeit von mechanischen Fügeverbindungen sicherzustellen.
[0007] Es ist deshalb Aufgabe der Vorliegenden Erfindung, eine Vorrichtung bzw. ein Verfahren
zu schaffen, die es bei mechanischen Fügetechniken ermöglicht, die Festigkeit der
Fügeverbindung in bestimmten Belastungsrichtungen zu erhöhen.
[0008] Die Aufgabe wird gelöst, indem ein oder mehrere Fügestempel, Niederhalter und/oder
Matrizen in ihrer Bewegung und/oder Kraft in zumindest einer Richtung über einen Aktor
mittels Regelvorrichtungen steuer- und/oder regelbar sind. Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen
der Erfindung sind in den Merkmalen der Unteransprüche beschrieben. Die erfindungsgemäße
Vorrichtung sowie das entsprechende Verfahren erlauben es, eine Fügestempel-, eine
Niederhalter- und/oder Matrizenkraft nach beliebig vielen mathematischen Beziehungen
aufzubringen. Durch eine Steuerung und Regelung des Fügestempels, der Niederhalter
und/oder Matrizenkraft kann die Materialbewegung der Füge- und Hilfsfügeteile positiv
beeinflußt und dadurch eine Vergrößerung der Halsdicke und des Hinterschnitts als
wichtige Einflußgrößen für die erzielte Festigkeit einer mechanischen Fügeverbindung
erreicht werden. Durch eine gesteuerte oder geregelte Fügestempel-, Niederhalter-
bzw. Matrizenkraft kann zudem das stempel- oder matrizenseitige Nachführen von Material
beeinflußt und dadurch zusätzlich die Qualität der Festigkeit einer mechanischen Fügeverbindung
positiv beeinflußt werden. Auch ist es möglich, die Aufgabe durch Werkzeuge zu lösen,
die während des Fügevorgangs einen Bewegungsimpuls erzeugen und dadurch gezielt Material
in den Bereich der Fügestelle nachführen.
[0009] Die Erfindung wird anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine vereinfachte Darstellung einer dem Stand der Technik entsprechenden Vorrichtung
zum Durchsetzfügen sowie deren Arbeitsablauf,
- Figur 2
- eine vereinfachte Darstellung einer dem Stand der Technik entsprechenden Vorrichtung
zum Stanznieten sowie deren Arbeitsablauf,
- Figur 3
- eine schematische Darstellung einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zum Durchsetzfügen,
- Figur 4
- eine vorteilhafte Ausgestaltung der Niederhalter- und Stempelkräfte beim Durchsetzfügen,
- Figur 5
- eine vorteilhafte Ausgestaltung der Niederhalter- und Stempelkraft beim Stanznieten,
[0010] In Figur 1 a) ist ein oberes Fügeteil 2 und ein unteres Fügeteil 4 zu erkennen, die
zur Herstellung einer mechanischen Fügeverbindung, im gezeigten Beispiel für eine
Durchsetzfügeverbindung, aufeinander in einer Vorrichtung zum Durchsetzfügen liegen.
Ein Fügestempel 6 befindet sich zusammen mit einem zugehörigen Niederhalter 8 in seiner
Ausgangsposition oberhalb der Fügeteile 2, 4. Unter den Fügeteilen 2, 4 befindet sich
eine Matrize 10 in der Ausgangsstellung. Der Matrize 10 ist außerdem ein Abstreifer
12 zugeordnet. Beim Durchsetzfügevorgang (1 b) - d)) fährt der Fügestempel 6 nach
unten, nimmt dabei den Niederhalter 8 mit, setzt auf die Oberfläche des oberen Fügeteils
2 auf, drückt dieses in seinem Wirkbereich zusammen mit dem unteren Fügeteil 4 nach
unten in den Freiraum der Matrize 10 hinein (Figur 1 b)), drückt das Material des
unteren Fügeteils 4 in den Ringkanal 14 hinein (Figur 1c)), um dann zusammen mit dem
Niederhalter 8 wieder hochzufahren in die Ausgangsposition (Figur 1d)). Die Matrize
10 wird entweder nach unten bewegt oder die nun verbundenen Fügeteile 2, 4 werden
aus der Matrize 10 ausgehoben. Die Durchsetzfügeverbindung ist fertig hergestellt.
Insbesondere beim Vergleich der Figuren 1 b) und 1 c) ist zu erkennen, daß die aus
dem Stand der Technik bekannten Federn zur Übertragung der Niederhaltekraft auf den
Niederhalter 8 zu Beginn des Durchsetzfügevorgangs (Figur 1 b)) nur eine relativ geringe
Kraft auf den Niederhalter 8 aufbringen, während die von den Federn 16 aufgebrachte
Niederhaltekraft zum Ende des Durchsetzfügevorgangs ihr Maximum erreichen.
[0011] Ähnlich ist die in Figur 2 gezeigte Vorrichtung zum Stanznieten. Auch hier finden
sich ein oberes Fügeteil 2, ein unteres Fügeteil 4, ein Fügestempel 6, ein Niederhalter
8, eine Matrize 10 und zusätzlich ein Nietelement 18. Das Nietelement 18 wird vom
Stempel 6 zunächst in das obere Fügeteil 2 hineingedrückt (Figur 2b)), bis es dieses
durchschnitten hat und in das Material des unteren Fügeteils 4 eindringt (Figur 2
c)). Im Verlauf des Eindringens in die Fügeteile 2, 4 weitet sich der Schaft des Nietelements
18 auf und hinterschneidet das zuvor durchdrungene Material der oberen und unteren
Fügeteile 2, 4. In Figur 2 d) ist die fertige Stanznietverbindung zu sehen. Während
des Stanznietvorganges wird der Niederhalter 8 auf nicht näher dargestellte Weise
von der Kraft F(NH) auf die Oberfläche des oberen Fügeteils 2 gedrückt.
[0012] In Figur 3 ist nun eine Vorrichtung zum Durchsetzfügen zu sehen, die in erfinderischer
Weise verbessert ist. Sie kann aber in leicht abgewandelter Weise auch zum Stanznieten
eingesetzt oder an sonstige mechanische Fügetechniken angepaßt werden. In der beschriebenen
Ausführung ist als Aktor 50 ein hydraulischer Antrieb mit zwei Zylinderräumen 52 und
54, bei dem beispielsweise eine Kolbenstange 56 die Niederhalterbewegung und eine
Kolbenstange 58 die Stempelbewegung bewirkt, vorhanden. Als Aktor 50 können erfindungsgemäß
aber auch elektromotorische, pneumatische oder andere Antriebsmittel eingesetzt werden.
Auch kann die Ausgestaltung des hydraulischen Antriebs von der beschriebenen Ausführung
abweichen. Die Erläuterung anhand des beschriebenen hydraulischen Antriebs ist also
nur als beispielhaft zu verstehen. Durch die voneinander getrennten Zylinderräume
52, 54 des Aktors 50 können die Bewegungen de Niederhalters 8 und des Fügestempels
6 unabhängig voneinander gesteuert werden. Die Bewegung der Kolbenstangen 56, 58 wird
von einer geeigneten Sensorik 60, beispielsweise Wegsensoren, unabhängig voneinander
gemessen. Die Bewegung des Niederhalters 8 wird durch die Befüllung und Entleerung
des Druckraumes im Zylinderraum 54 mit einer hydraulisch wirkenden Flüssigkeit, wie
einem Hydrauliköl, bewirkt. Die Befüllung und Entleerung des Zylinderraums 54 wird
über die Leitungen 62 vom Hydraulikventil 64 gesteuert. In gleicher Weise wird die
Bewegung des Fügestempels 6 über die Befüllung und Entleerung des Zylinderraums 52
über die Leitungen 66 und das Hydraulikventil 68 bewirkt. Die Hydraulikventile 64,
68 können als einfache Ventile oder auch als Broportionalventile ausgebildet sein.
Die Hydraulikventile 64, 68 verfügen über jeweils eine integrierte oder separate Regelungsvorrichtung
70, 72, die mittels einer integrierten Sensorik 74 die Druckverhältnisse ermitteln
und die Zufuhr der hydraulisch wirkenden Flüssigkeit zu den Zylinderräumen 52, 54
über die Hydraulikventile 64, 68 regeln. Wenn die Regelungsvorrichtungen nicht über
eine Sensorik 74 verfügen und auch nicht an eine Auswertelektronik 80 angeschlossen
sind, so ist es möglich, die Hydraulikventile 64, 68 über reine Memory-Programme ohne
begleitende Kontrolle des Fügeprozesses durch die Regelungsvorrichtungen 70, 72 zu
steuern. Für einfachere Anwendungen, die nicht eine höchste Verbindungsqualität verlangen,
kann auch schon eine solch vergleichsweise einfache Vorrichtung durchaus zufriedenstellende
Resulte liefern. Für Fügeverbindungen, die höhere Ansprüche erfüllen sollen, kann
die Zufuhr der hydraulisch wirkenden Flüssigkeit für die Verfahrwege und Kräfte des
Niederhalter 8 und des Fügestempels 6 unabhängig voneinander geregelt werden. Die
Regelungsvorrichtungen 70, 72 sind dann neben der wahlweisen Sensorik 74 an eine Auswerteelektronik
80 angeschlossen, die die Sensordaten der Sensoren 60 und eventuell auch 74 abfragt,
mittels einer geeigneten Software auswertet und daraus unmittelbar oder unter Rückgriff
auf abgespeicherte Kennfelder ein Sollsignal ableitet, das die Auswerteelektronik
80 dann als Soll-Stellsignal an die Regelungsvorrichtungen 70, 72 zurückübermittelt.
Die Steuerung und Regelung der Kraft und/oder Bewegung der Niederhalter 8 oder des
Fügestempels 6 kann jedoch erfindungsgemäß auch erfolgen, wenn die Auswerteelektronik
80 nur die Daten der Sensoren 60 oder 74 allein auswertet und die Steuerungssoftware
entsprechend angepaßt ist. Diese Beschreibung der in Figur 3 gezeigten Steuerungs-
und Regelvorrichtung bezieht sich auf die Steuerung und Regelung von Fügestempel 6
und Niederhalter 8. Diese Vorrichtung kann in gleicher Weise zur alternativen oder
additiven Steuerung und/oder Regelung einer Matrize 10 und/oder den zugehörigen Abstreifern
12 eingesetzt werden.
[0013] Durch eine weitere Abwandlung ist es möglich, die jeweiligen Werkzeuge Niederhalter
8, Matrize 10 und Abstreifer 12 ganz oder bei geteilten Werkzeugen teilweise in weiteren
Bewegungsrichtungen zu bewegen, beispielsweise neben der vertikalen auch in eine horizontale
Richtung.Die Sensorik 60, 72 kann auch ausgelegt sein zur Überwachung der Arbeitsgeschwindigkeit
der Werkzeuge 6, 8, 10 und 12. Bei bestimmten mechanischen Fügetechniken und bei der
Verwendung bestimmter Werkstoffe oder Werstoffkombinationen kann es vorteilhaft sein,
mit variablen Arbeitsgeschwindigkeiten zu arbeiten. So kann beispielsweise ein Stanzniet
zunächst mit hoher Geschwindigkeit in das obere Fügeteil 2 eingetrieben werden, um
schnell und ohne großen Materialeinzug das obere Fügeteil zu durchstoßen, und anschließend
mit niedrigerer Geschwindigkeit aufgespreizt werden, um ein hohes Maß an Hinterschnitt
zu erzielen.
[0014] Zur Steuerung und Regelung der Vorrichtung und des Verfahrens für mechanisches Fügen
können je nach Art der mechanischen Fügetechnik und den gewünschten Parametern der
Fügeverbindung individuelle Steuerungs- und Regelungsstrategien in den Softwareprogrammen.
bzw. durch eine entsprechende Auslegung der Regelungsvorrichtungen 70, 72 mit beispielsweise
mechanischen Komponenten, die ein vergleichbares Arbeitsergebnis liefern, verfolgt
werden.
[0015] So ist es beispielsweise für mechanische Fügeverbindungen, die mittels Durchsetzfügen
hergestellt werden, vorteilhaft, wenn zunächst nur eine geringe Niederhalterkraft
auf die Fügeteile aufgebracht wird, die lediglich Aufwerfungen verhindern soll und
einen möglichst ungebremsten stempelseitigen Werkstofffluß in die Matrize 10 ermöglicht
bzw. diesen unterstützt. Im letzten Prozeßstadium, vorzugsweise während der letzten
10 % des Arbeitshubes, sollte die Niederhalterkraft deutlich erhöht werden, um so
einen Planiereffekt zu erzielen und das Nachfließen des matrizenseitigen Werkstoffes
vollständig zu unterdrücken. Figur 4 zeigt den hier vorgeschlagenen Verlauf der Stempel-
und Niederhalterkräfte über den Stempelweg, wobei mit X der Stempelweg und Y die eingesetzte
Kraft darstellen. Die Kurve 100 zeigt den Verlauf der Niederhaltekraft, die Kurve
102 die Stempelkraft.
[0016] Für Stanznietverbindungen ist es vorteilhaft, wenn zunächst sehr hohe Niederhalterkräfte
von beispielsweise größer 12 kN eingesetzt werden, bis die Schneidphase abgeschlossen
ist. Durch die hohen Niederhalterkräfte im Schneidvorgang wird der Einzug des matrizenseitigen
Bleches minimiert. Auf diese Weise steht mehr Matrizenvolumen für die Füllung durch
den Niet und den matrizenseitigen Werkstoff zur Verfügung. Danach ist eine Reduzierung
der Kraft bis auf einen Wert von bis zu 0 kN und eine abschließende Erhöhung im allerletzten
Bereich der Stauchphase zum Planieren vorteilhaft. Dieser vorgeschlagene Verlauf ist
in Figur 5 dargestellt.
[0017] Diese beispielhaften Erläuterungen der Steuerungs- und Regelungsstrategien in den
Softwareprogrammen bzw. in den Regelungsvorrichtungen 70, 72 sollen einem Fachmann
als Hilfe dienen, für seinen Anwendungsfall nach Bedarf eine eigene Steuerungs- und
Regelungsstrategie zu entwickeln, die optimale Resultate der mechanischen Fügeverbindung
gewährleistet und je nach individuellen Anforderungen an die Fügeverbindung auch von
den vorgeschlagenen Parametern abweichen kann.
[0018] Eine eine den gewünschten Ergebnissen angepaßte Strukturierung, Beschichtung und/oder
Profilierung der Niederhalteflächen beziehungsweise der matrizenseitigen Auflageflächen
oder der Abstreifer unterstützt die Wirkung der geregelten Niederhalter maßgeblich.
Hierzu sollte etwa beim Durchsetzfügen eine polierte Niederhalterfläche eingesetzt
werden, die das Gleiten des stempelseitigen Werkstoffes zuläßt, während die matrizenseitige
Auflagefläche so bearbeitet sein sollte, daß ein Nachfließen des matrizenseitigen
Werkstoffes behindert wird. Auch teilweise oder vollflächige Beschichtungen der Werkzeugoberflächen
können sich vorteilhaft auf das Arbeitsergebnis auswirken. So kann beispielsweise
eine Teflonbeschichtung das Nachfließen von Werkstoff erleichtern. Grenzen einer Strukturierung
oder Profilierung von Oberflächen, beispielsweise durch Laserstrukturieren, können
sich durch das optische Erscheinungsbild der fertigen Fügestelle ergeben. Diese vorgeschlagene
Kombination unterstützt die Ausbildung einer Fügestelle mittels Durchsetzfügen, die
Anforderungen an eine hohe Festigkeit der Verbindung erfüllen kann. Beim Stanznieten
sollte die umgekehrte Ausgestaltung der Bearbeitungsoberflächen gewählt werden. Der
Niederhalter sollte strukturiert bzw. profiliert sein, damit das Nachfließen des stempelseitigen
Werkstoffes behindert wird. Ein Fließen des matrizenseitigen Werkstoffes wird durch
das Polieren der matrizenseitigen Auflageflächen unterstützt. Auch diese Erläuterungen
soll dem Fachmann dazu dienen, eine ggfls. von diesen Vorschlägen abweichende, jedoch
seinen Anforderungen gerecht werdende Auslegung seiner Werkzeuge zu erzielen.
[0019] Um die Maschinen für die Herstellung der Fügeverbindungen vielfältig einsetzen zu
können, ist es vorteilhaft, wenn die Niederhalter 8 und evtl. auch die Matrizen 10
zur Herstellung anderer Fügeverbindungen leicht austauschbar sind. Auch für Reparaturen
und verschleißbedingten Ersatz ist eine schnelle Austauschbarkeit vorteilhaft. Die
Niederhalter 8 und Matrizen 10 sollten bevorzugt über eine aufgedruckte Kennung verfügen,
die es der Auswerteelektronik 80 ermöglicht, automatisch bei einem Werkzeugwechsel
die Art der eingesetzten Werkzeuge zu erkennen und das dazu passende Steuerungsprogramm
auszuwählen.
[0020] Außerdem ist eine stempel- und/oder matrizenseitige Nachführung von Material in die
Fügeverbindung dazu geeignet, die gewünschten Eigenschaften der Fügeverbindung positiv
zu beeinflussen. Bei einem gezielten Nachführen von Material beim Durchsetzfügen wird
bei geeigneter Werkzeugauswahl eine Vergrößerung der Halsdicke und der Hinterschneidung
erzielt, indem mehr Material zur Verfügung steht und sich die durchsetzbedingte Ausdünnung
der Fügeteile im Bereich der Fügestelle verringert. Bei einem gezielten Nachführen
von Material beim Stanznieten wird das Material matrizenseitig nachgeführt, um hier
eine möglichst große Hinterschneidung, also eine Verklammerung des Nietes im matrizenseitigen
Blech, zu erzielen. Bei hohen Niederhalterkräften im Schneidvorgang wird der Einzug
des matrizenseitigen Bleches minimiert. Dadurch steht dann mehr Matrizenvolumen für
die Füllung durch Niet und matrizenseitigen Werkstoff zur Verfügung, was durch das
nachgeführte Material ausfüllbar ist und welches die Verbindungseigenschaften verbessern
helgfen kann.
[0021] Eine Vorrichtung, die ein gezieltes Nachführen von Material in den Bereich der Fügestelle
erlaubt, ist beispielhaft in Figur 6 für einen Durchsetzfügevorgang gezeigt. Das Nachführen
geschieht, indem gezielt benachbart zur Fügestelle befindliches Material zur Fügestelle
hinbewegt wird. Die Bewegung kann durch eine auf die Fügeteile 2,4 übertragene Bewegung
der Niederhalter 8, der Matrize 10 oder zusätzlicher Werkzeuge geschehen, oder es
wird seitlich eine Kraft F(B) in die Fügeteile eingeleitet, die sich bis zur Fügestelle
fortsetzt und so eine Materialbewegung bewirkt. Technisch kann der Vorgang beispielsweise
durch Hebelgetriebe 150 nach dem Scherenprinzip, auf das eine Kraft F einwirkt und
über die Bewegung in die Kraft F(B) umwandelt, durch Keil-/Konussysteme oder andere
Antriebsformen realisiert werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung des sog.
Kraftformerprinzips. Hier werden in gummielastischer Masse eingebettete kraftübertragende
Elemente für gezielte Streck- und Stauchvorgänge eingesetzt. Die Verwendung solcher
Elemente als Niederhalter beziehungsweise als matrizenseitige Auflage führt zu dem
erwünschten Nachführen des Werkstoffes. In Figur 6 ist beispielhaft eingezeichnet,
daß eine Bewegungsenergie F(B) in Niederhalter 8, in die geteilte Matrize 10, in Abstreifer
12 und seitlich in die Fügeteile 2, 4 selbst eingeracht werden kann, um die durch
die Pfeile angedeutete Bewegung von Material in den Bereich der Fügestelle zu erzielen.
Für die Realisierung des Antriebs zur Erzeugung der Kraft F(B) in den Fügeteilen 2,
4 oder den Werkzeugen 6, 8, 10, 12 stehen dem Fachmann aus dem Stand der Technik eine
Vielzahl von an sich bekannten Möglichkeiten zur Verfügung. Die Erzeugung der Kraft
F(B) kann für sich wieder auf die vorstehend beschriebene Art und Weise gesteuert
und/oder geregelt oder aber auf ungesteuerte oder ungeregelte Art und Weise erfolgen.
Wichtig ist, daß die Fügestelle durch zusätzlich gezielt hinzugeführtes Material aufgabengemäß
verbessert ist.
1. Vorrichtung für mechanische Fügetechniken, bestehend aus einem Stempel, einem Niederhalter
und/oder Abstreifer, einer Matrize und einem Antrieb zur Bewegung von Stempel und
Niederhalter,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein oder mehrere Fügestempel (6), Niederhalter (8) und/oder Matrizen (10) in ihrer
Bewegung und/oder Kraft in mindestens einer Richtung über einen Aktor (50) mittels
Regelungsvorrichtungen (70, 72) Steuer- und/oder regelbar sind.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Bewegung und/oder die Kraft des Aktors (50) von einer Sensorik (60, 74) überwacht
wird.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß über eine Sensorik (60, 74) die Bewegung und/oder Kraft zumindest eines Niederhalters
(8) überwacht, die von der Sensorik (60, 74) ermittelten Sensordaten an eine Auswerteelektronik
(80) übermittelt wird, die Auswerteelektronik (80) die Sensordaten auswertet und ein
Stellsignal an einen Aktor (50) ausgibt, der die Bewegung und/oder die Kraft zumindest
eines Niederhalters (8) beeinflußt.
4. Vorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Arbeitsfläche zumindest eines Niederhalters (8), einer Matrize (10) und/oder
Abstreifers (12) geeignet strukturiert, beschichtet und/oder profiliert ist.
5. Vorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Niederhalter (8) und/oder die Matrizen (10) austauschbar sind.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Niederhalter (8) und/oder die Matrizen (10) über eine elektronisch auswert-
und/oder lesbare Kennung verfügen und die Auswerteelektronik (80) die Aktorik (50)
in Abhängigkeit von dieser Kennung steuert und/oder regelt.
7. Vorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß zusätzlich zum Niederhalter (8) und/oder der Matrize (10) auch die Kraft und/oder
die Bewegung des Fügestempels (6) von einer Sensorik (60, 74) erfaßt und zur Steuerung
und Regelung eines Aktors (50) von der Auswerteelektronik (80) ausgewertet wird.
8. Vorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß zumindest eines der Werkzeuge (6, 8, 10, 12) in seiner Arbeitsgeschwindigkeit
gesteuert und/oder geregelt ist.
9. Vorrichtung für mechanische Fügetechniken, bestehend aus einem Stempel, einem Niederhalter
und/oder Abstreifer, einer Matrize und einem Antrieb zur Bewegung von Stempel und
Niederhalter,
dadurch gekennzeichnet,
daß während des Fügevorgangs mittels einen Bewegungsimpuls erzeugender Werkzeuge gezielt
Material in den Bereich der Fügestelle nachführbar ist.
10. Verfahren zum mechanischen Fügen von Fügeteilen, wobei ein Fügestempel und ein Niederhalter
in Richtung der Fügeteile (2, 4) zur Herstellung einer Fügeverbindung bewegt werden,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein Niederhalter (8) im Verhältnis zum laufenden Fügeprozeß in seiner Bewegung
und/oder seiner Niederhalterkraft von Regelungsvorrichtungen (70, 72) und/oder einer
Auswerteelektronik (80) gesteuert und/oder geregelt wird.
11. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Regelungsvorrichtungen (70, 72) und/oder die Auswerteelektronik (80) mittels
einer Sensorik (60, 74) den Prozeßverlauf überwachen und aus den Prozeßdaten der Sensoren
(60, 74) Soll-Stellsignale zur Steuerung und/oder Regelung der Bewegung und/oder Kraft
der Niederhalter und/oder Fügestempel ableiten.