[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Reinigen von Garn in
welchen Eigenschaften des Garns erfasst und auszureinigende Garnfehler durch eine
einstellbare Reinigungsgrenze definiert werden.
[0002] Ein solches Verfahren ist beispielsweise aus der CH 683 350 bekannt. Dabei werden
Garnfehler zweidimensional auf Grund einer Abweichung von einem Sollwert der Garndicke
und der Länge des Garnfehlers abgebildet und klassiert. In einem zweidimensionalen
Klassierfeld werden die Zahlen aufgetretener und gemessener Garnfehler eingetragen
und beispielsweise in Zellen gespeichert. Die Reinigungsgrenze wird so gelegt, dass
sie in der Umgebung von Zellen mit hohen Zahlen von Garnfehlern nach aussen, in der
Umgebung von Zellen mit niedrigen Zahlen von Garnfehlern nach innen verlegt wird.
Auf diese Weise wird die Zahl der notwendigen Knoten oder Spleisse im Garn verringert.
[0003] Dieses Verfahren erlaubt es, die Reinigungsgrenze beliebig zu legen, so dass sie
auch beliebige Formen annehmen kann. Allerdings sind dazu aufwendige Versuche an einem
Garn notwendig, die der Gamproduktion oder dem Umspulen des Garns vorausgehen müssen.
[0004] Aus der CH 681 462 ist ein Verfahren zum Einstellen von Ansprechgrenzen elektronischer
Garnreiniger bekannt. Dabei werden während des Reinigungsprozesses die Messwerte der
Feinheit laufend registriert und es wird ihre Verteilung bestimmt. Aus dieser Verteilung
und aus einer vorgegebenen zulässigen Alarmhäufigkeit werden anhand statistischer
Gesetzmässigkeiten die Ansprechgrenzen selbständig festgelegt.
[0005] Dieses weitere Verfahren betrifft die Einstellung von Ansprechgrenzen bei Garnüberwachungsanlagen,
wo Garnnummerabweichungen oder Abweichungen der Garnfeinheit, also der mittleren Dimension
eines Garnes, einen Alarm auslösen oder die Produktion stoppen. Es betrifft somit
nicht das Ansprechen der Garnreiniger auf Garnfehler. Damit haben die genannten Ansprechgrenzen
mit kurzen aber starken Abweichungen des Garndurchmessers nichts zu tun. Die genannten
Ansprechgrenzen sind nämlich unabhängig von jeglichen Längen.
[0006] Ein Verfahren zum optimalen Führen einer Reinigungsgrenze ohne grossen Aufwand fehlt
damit immer noch.
[0007] Die Erfindung, wie sie in den Patentansprüchen gekennzeichnet ist, löst demnach die
Aufgabe, ein Verfahren und eine Vorrichtung zu schaffen, die es erlauben, die Festlegung
und Einstellung der Reinigungsgrenze für Garnreiniger so zu verbessern, dass möglichst
häufig und unter Erfüllung bestimmter Vorgaben eine optimale Einstellung erreicht
werden kann.
[0008] Dies wird dadurch erreicht, dass die Festlegung der Reinigungsgrenze ausgehend von
den erfassten Eigenschaften selbsttätig erfolgt, indem die Reinigungsgrenze durch
selbsttätige Berechnung ermittelt wird. Vorzugsweise wird die Reinigungsgrenze, wenn
sie einmal festgelegt ist, auch automatisch am Garnreiniger eingestellt, so dass sie
sich periodisch oder laufend an die Art und Häufigkeit der auftretenden Garnfehler
anpassen kann. Dies kann ausgehend von einer Standard- oder Anfangseinstellung, oder
von Daten einer vormaligen Produktion desselben Artikels erfolgen. Die Festlegung
der Reinigungsgrenze ist dabei das Ergebnis einer Regelung, die Messwerte von Eigenschaften
des Garns und verschiedene, für den Verlauf der Reinigungsgrenze wichtige Kriterien
berücksichtigt und vorzugsweise nach Regeln der Fuzzy-Logik verarbeitet. Dabei können
die genannten Kriterien schwer messbar sein oder nicht in einen eindeutigen mathematischen
Zusammenhang mit der Reinigungsgrenze gebracht werden. Für die Festlegung, werden
beispielsweise durch Garnreiniger am Garn Garnfehler durch deren Werte erfasst, gemäss
gemessenen Parametern geordnet, indem sie in einem Klassierfeld abgelegt werden und
gemäss vorgegebenen Annahmen über Garnfehler modelliert. Aus den modellierten Garnfehlern
wird die Dichte der Gamfehler im Klassierfeld ermittelt, aus der Kriterien über die
Lage der Reingungsgrenze abgeleitet werden.
[0009] Die genannte Vorrichtung besteht im wesentlichen aus einem Regelkreis, mit einem
Fuzzy-Regler, einer Eingabe für Werte am Garn erfasster Eigenschaften und aus Einheiten
zur Eingabe von Kriterien zur Bestimmung oder Beeinflussung der Reinigungsgrenze.
Ein Regelkreis kann auch mehrere Eingaben für Werte mehrerer Garne aufweisen und mit
mehreren Garnreinigern zur Ausgabe einer gemeinsamen Reinigungsgrenze verbunden sein.
[0010] Die durch die Erfindung erreichten Vorteile sind darin zu sehen, dass verschiedenste
Kriterien für die Gestaltung der Reinigungsgrenze berücksichtigt werden können. Diese
können sich auf das Garn beziehen wie z.B. die Dichte der Garnfehler oder die Gestalt
des Garnkörpers, oder sie können die Anlage betreffen, auf der Garn produziert oder
umgespult wird, wie z.B. der Typ des Sensors (optisch oder kapazitiv arbeitend). Weitere
Kriterien können allgemeine Betrachtungen zur Qualität berücksichtigen wie z.B. den
Umstand dass grosse Garnfehler mehr stören als kleine oder dass bestimmte Fehler in
einem Bereich den Anwender besonders stark stören usw. Ebenso können damit Reinigungsgrenzen
an die Methode angepasst werden, mit der Gamfehler gemessen werden. Beispielsweise
kann so der Umstand berücksichtigt werden, dass die kapazitive Abtastung des Gams
sehr kurze Gamfehler nicht mehr voll erfasst, die optische Abtastung aber auch kurze
Garnfehler in voller Ausdehnung erfasst. So kann dafür gesorgt werden, dass ein nach
optischer Abtastung gereinigtes Garn nicht häufiger gespleisst oder verknotet wird
als ein Garn, das kapazitiv abgetastet wurde. Das System kann sowohl sich selbst überlassen,
das heisst ohne besondere Eingabe, zunächst von einer Standardeingabe ausgehend, arbeiten,
oder es kann durch entsprechende Eingaben nach allen möglichen wünschbaren Kriterein
optimiert arbeiten. Durch die vorgeschlagene Modellierung der Garnfehler ausgehend
von ermittelten Garnfehlerwerten, kann die Menge der Proben oder Garnfehlerwerte,
die für die Erstellung eines repräsentativen Reliefs der Garnfehlerdichte und damit
für die Festlegung einer Reinigungsgrenze notwendig sind, verringert werden.
[0011] Im folgenden wird die Erfindung anhand eines Beispiels und mit Bezug auf die beiliegenden
Figuren näher erläutert. Es zeigen
Figur 1 eine Darstellung einer Reinigungsgrenze in einem Klassierfeld,
Figur 2 eine schematische Darstellung der erfindungsgemässen Vorrichtung,
Figur 3 eine schematische Darstellung eines modellierten Garnfehlers,
Figur 4 ein Relief der Garnfehlerdichte und
Figur 5 eine schematische Darstellung von Kriterien zur Beurteilung von Garnfehlern.
[0012] Fig. 1 zeigt eine horizontale Achse 1, längs der Werte für eine erste Dimension oder
einen ersten Parameter, hier die Länge, von Garnfehlern aufgezeichnet sind. Längs
einer vertikalen Achse 2 sind für ein Garn Abweichungen des Durchmessers (oder der
Masse) bezogen auf einen mittleren Durchmesser (oder die mittlere Masse) in Prozenten
des mittleren Durchmessers (oder der mittleren Masse) als zweite Dimension oder zweiter
Parameter aufgetragen. In einer Ebene, die durch diese beiden Achsen 1 und 2 aufgespannt
ist, sind Felder 3, insbesondere Felder 3a, 3b, 3c usw. eingezeichnet, die Klassen
für Garnfehler definieren, wie sie beispielsweise bereits in der CH 477 573 beschrieben
und allgemein unter dem Namen USTER CLASSIMAT bekannt sind. In der Ebene oder in den
Feldern 3 sind Garnfehlermessungen durch Kreuze angegeben. Beispielsweise gibt das
Kreuz 4 an, dass die Länge des Garnfehlers etwa 8 cm beträgt und seine Dicke oder
Masse den mittleren Durchmesser oder die mittlere Masse um 400% übersteigt. Eine Reinigungsgrenze
ist hier mit 5 bezeichnet. Sie definiert welche Gamfehler ausgereinigt oder aus dem
Garn herausgeschnitten werden und welche nicht. So werden Garnfehler, die durch Kreuze
vertreten sind, die zwischen der Achse 1 und der Reinigungsgrenze 5 liegen, nicht
herausgeschnitten und damit auch keine Spleissung oder Verknotung des Garns bewirkt.
In erster Näherung kann hier festgestellt werden, dass die Reinigungsgrenze 5 Anhäufungen
oder Wolken von Kreuzen und damit Garnfehlern so umgeht, dass diese zwischen der Achse
1 und der Reinigungsgrenze 5 liegen.
[0013] Fig. 2 zeigt ein Blockschema des Verfahrens oder der Vorrichtung zum Reinigen von
Garn. Die Vorrichtung besteht aus einem Regelkreis 6, der einen vorzugsweise als Fuzzy-Regler
ausgebildeten Regler 7 und mehrere Verarbeitungseinheiten 8, 9 und 10 für einzelne
Verfahrensschritte aufweist, die jedoch genausogut als Teil des Reglers 7 aufgefasst
werden können. Hier sind sie zur klareren Darstellung einzelner Funktionen oder Verfahrensschritte
einzeln aufgeführt. Die Verarbeitungseinheit 8 ist eigentlich ein Speicher mit mehreren
Speicherplätzen, die Parameter (Länge und Durchmesserabweichung) eines Garnfehlers
für eine wählbare Garnlänge (z.B. 100km) speichern. Die Verarbeitungseinheit 8 mit
dem Speicher weist auch mindestens einen Eingang 11a, 11b für Messwerte auf und dieser
ist wiederum mit einem Garnreiniger 32, 33 verbunden. Falls die Vorrichtung für mehrere
Garnreiniger arbeitet, sind entsprechend mehrere Eingänge 11 vorgesehen. Die Verarbeitungseinheit
9 dient der Aufbereitung der einzelnen Messwerte, wie das später gezeigt wird und
besteht im wesentlichen aus einem Prozessor oder Rechner oder einem Teil eines solchen.
Die Verarbeitungseinheit 10 besteht ebenfalls aus einem Speicher mit mehreren Speicherplätzen,
die Feldern 3a, 3b, 3c usw. (Fig. 1) entsprechen. Der Regler 7, der aus einem Prozessor
oder Rechner besteht, hat auch einen Ausgang 12 für Werte einer Reinigungsgrenze und,
wenn er als Fuzzy-Regler ausgebildet ist, weitere Eingänge 13, für die Eingabe von
Produktivitätskriterien, 14 für die Eingabe von generellen Qualitätskriterien, 15
für die Eingabe von garnspezifischen Kriterien, 16 für die Eingabe von anlagespezifischen
Kriterien und 17 für die Eingabe von weiteren oder speziellen Qualitätskriterien.
Der Ausgang 12 ist wiederum mit der Verarbeitungseinheit 8 verbunden, so dass die
Werte der Reinigungsgrenze, wie durch das Feld 30 angedeutet, dort wieder zur Speicherung,
zur Anzeige oder zur Ausgabe für weitere Zwecke anlegen. Über den Ausgang 12 ist damit
der Regler 7 vorzugsweise auch mit den Garnreinigern 32, 33 verbunden.
[0014] Fig. 3 zeigt einen modellierten Garnfehler 18, der über einer Teilfläche 19 aufgetragen
ist. Ein modellierter Garnfehler ist eine teilweise und vereinfachte Rekonstruktion
eines Garnfehlers aus einem einzelnen Messwert. Beispielsweise ist er als Gauss-Glocke
modelliert. Sein Maximum ist an jener Stelle vorgesehen, wo normalerweise das entsprechende
Kreuz, beispielsweise Kreuz 4 in Fig. 1, im Klassierfeld liegen würde. Das Volumen
unter der Glocke wird als 1 definiert. Die Teilfläche 19 ist hier durch eine Achse
20, längs der Radius- oder Durchmesserabweichungen aufgetragen sind und eine Achse
21, längs der die Längen der Fehler aufgetragen sind, begrenzt. Längs einer Achse
22 ist die Höhe oder das Volumen des Garnfehlers aufgezeichnet.
[0015] Bei dieser Darstellung geht es darum, die Bedeutung eines Garnfehlers in einem Klassierfeld
richtig darzustellen und später daraus abgeleitete Werte, wie die Darstellung der
Dichte der Garnfehler so zu beeinflussen, dass keine falschen Schlüsse gezogen werden
können. Die Gefahr besteht darin, dass der Garnfehler für die spätere Verwendung und
Verarbeitung bloss als Punkt in einem Feld aufgefasst wird und seine Wirkung auf die
Umgebung im Klassierfeld vernachlässigt wird. Insbesondere sollen damit zwei Umstände
berücksichtigt werden.
[0016] Einerseits geschieht die Erfassung der Werte der Garnfehler mit gewissen Toleranzen,
die durch das System für die Erfassung bedingt sind, z.B. ungleichmässige Geschwindigkeit
des Garns. Würde derselbe Garnfehler ein zweites Mal gemessen, könnte er leicht andere
Werte ergeben und sogar im Klassierfeld anders kassiert werden. Andererseits verringert
sich die Bedeutung der genannten Toleranzen wenn sehr viele Garnfehler gemessen werden
können. Man kann durch die Modellierung der Garnfehler somit diejenige Anzahl gemessener
Garnfehler verringern, die notwendig ist um ein repräsentatives Relief der Garnfehlerdichte,
oder einfach um genügend Garnfehlerdichtewerte für die Feststellung der Geinigungsgrenze,
zu erhalten. Durch die genannte Modellierung erhält man somit schon frühzeitig, nach
einer relativ kleinen Zahl gemessener Garnfehler ein repräsentatives Relief der Garnfehlerdichte
und kann daraus eine gute Reinigungsgrenze und eine zuverlässige Prognose über zu
erwartende Schnitthäufigkeiten ableiten. Damit kann eine Verbesserung oder Optimierung
eines Produktionsablaufes hinsichtlich Qualität und/oder Produktivität schon vor der
Produktionsaufnahme sichergestellt werden.
[0017] Fig. 4 zeigt die Summe modellierter Garnfehler über einer Ebene gemäss Ebene 3 in
Fig. 1 als Fläche 29 dargestellt. Diese modellierten Garnfehler sind über denselben
Achsen aufgetragen, wie sie aus der Fig. 3 bekannt sind. Im Gegensatz zu Fig. 3 sind
aber hier viele Teilflächen 19 mit den zusammengerechneten modellierten Garnfehlern
nebeneinander aufgezeichnet, so dass die modellierten Messwerte der einzelnen Teilflächen
19 sich auch noch gegenseitig beeinflussen können, indem sich fliessende Übergänge
zwischen den Randbereichen der Teilflächen einstellen. Man erkennt insbesondere grosse
Fehlerhäufigkeiten in einem Bereich 23, geringere Fehlerhäufigkeiten in einem Bereich
24 und keine nennenswerten Häufigkeiten in daneben liegenden Bereichen.
[0018] Fig. 5 zeigt über denselben bekannten Achsen 20, 21 und 22 aufgetragen, eine Fläche
25, welche den Grad der Störung, die ein Garnfehler verursacht, angibt. Daraus erkennt
man beispielsweise, dass ein Garnfehler mit einer grossen Länge und einer grossen
Massen- oder Durchmesserabweichung eine grosse Störung bedeutet, die beispielsweise
durch Werte quantifiziert werden kann. Beispielsweise sind Bereiche 26a, 26b, 26c,
usw. für zunehmend störende Garnfehler definiert. Die mathematische Funktion, welche
durch diese Fläche repräsentiert wird, lautet beispielsweise:

, wenn als Ausgangspunkt der Schnittpunkt der Achsen 20 und 21 angenommen wird und
längs der Achse 20 x-Werte und längs der Achse 21 y-Werte aufgetragen sind oder umgekehrt.
Die Fläche 25 ist damit ein Teil einer Kegelfläche. Es kann aber auch eine beliebige
Fläche, die den Grad der Störung im Sinne des Anwenders repräsentiert, definiert werden.
[0019] Die Wirkungsweise der Erfindung ist wie folgt:
In einem Garnreiniger 32, 33 werden mit dem Garnsensor Garnfehler oder deren Messwerte
ermittelt, die beispielsweise dem Durchmesser oder der Masse des Garns entsprechen.
Um diese Garnfehler gemäss vorgegebenen Parametern zu ordnen - hier sei die Durchmesserabweichung
und die Länge eines Garnfehlers als Parameter gewählt - werden sie in bekannter Weise
zu einem Mittelwert für den Durchmesser oder die Masse des Garns pro Längeneinheit
in Beziehung gesetzt und daraus die relative Abweichung zum mittleren Durchmesser
oder zur mittleren Garnmasse berechnet. In ebenso bekannter Weise werden im Garnreiniger
aus diesen Messwerten Werte für die Länge solcher Abweichungen ermittelt, die einen
Schwellwert (für die Masse oder den Durchmesser) überschreiten. Solche Messwerte für
die relative Abweichung und die Länge der Abweichung werden über den Eingang 11 in
den Regelkreis 6 eingeführt. Dort gelangen diese Werte zuerst in die Verarbeitungseinheit
8, wo sie gespeichert werden. In der Verarbeitungseinheit 8 sind somit für eine vorgegebene
Garnlänge Garnfehlerwerte gespeichert, die ein ganzes Klassierfeld belegen können,
wie dies die Fig. 1 mit den durch Kreuze 4 angegebenen Garnfehlern zeigt. Diese Vorgänge
sind an sich bereits bekannt, da das Klassieren von Werten, die am Garn gemessen werden,
längst Stand der Technik ist. Die eben beschriebenen Vorgänge können auch für Messwerte
von mehreren Garnen aus mehreren Garnreinigern durchgeführt werden, die alle ihre
Messwerte über die Eingänge 11 in die Verarbeitungseinheit 8 eingeben. Aus der Verarbeitungseinheit
8 werden die Inhalte der Speicher oder eben die Garnfehler in die Verarbeitungseinheit
9 eingelesen, wo die Garnfehler, wie in Fig. 3 gezeigt modelliert werden. Dazu wird
vorausgehend das gesamte Klassierfeld, also die Gesamtheit der Felder 3a, 3b, 3c usw.
gemäss Fig. 1, durch einen Raster fein unterteilt, dessen Rasterfelder eine oder mehrere
Teilflächen 19 umfassen können, sodass sich ein modellierter Garnfehler über ein oder
mehrere Rasterfelder erstrecken kann. Der Raster kann beispielsweise längs der Achse
2 in 5%-Schritte und längs der Achse 1 in 1mm-Schritte aufgelöst sein. Die Ausdehnung
der Gauss-Glocke kann auch variiert werden und sollte sich sinnvollerweise über mehrere
Rasterfelder erstrecken. Je mehr die Glocke gestreckt wird, umso kleiner wird ihre
Höhe, damit das Volumen konstant bleibt. Je weiter weg sich der zu modellierende Garnfehler
vom Schnittpunkt der Achsen 1 und 2 befindet, umso stärker sollte die ihn darstellende
Gauss-Glocke gestreckt werden. Um später die Dichte in einem Rasterfeld zu berechnen,
werden die Volumina aller sich über dem Rasterfeld befindlichen Gauss-Glockenteile
zusammengezählt. Dann wird auch die Dichte über das ganze Klassierfeld in gleicher
Weise berechnet, so dass sich die Dichte als Fläche 29, wie in der Fig. 4 gezeigt,
darstellen lässt. Der Sinn dieser Vorgänge liegt darin, dafür zu sorgen, dass beim
Ermittlen der lokalen Garnfehlerdichte nicht vereinzelte diskrete Werte auftreten,
sondern eine Fläche gebildet wird, die an jedem Ort des Klassierfeldes eine Aussage
über die Dichte der Garnfehler erlaubt. Dies insbesondere auch dort, wo nur wenige
Garnfehler zu erwarten sind.
[0020] Parallel dazu oder vorausgehend wurde in die Verarbeitungseinheit 10 eine Fläche
25 geladen, wie sie die Fig. 5 zeigt, die eine Darstellung des Gardes der Störung
von Garnfehlern angibt. Im Regler 7 findet anschliessend ein Vergleich zwischen den
nun vorliegenden Werten über die Garnfehlerdichte und vorgegebenen Kriterien statt.
Alle diese Vorgänge in den Verarbeitungseinheiten 9, 10 und im Rechner 7 laufen auf
rein rechnerischer Ebene ab, d.h. die in den Fig. 3 bis 5 gezeigten Darstellungen
sind lediglich zur besseren Erklärung zu verstehen. Durch Vergleich des zulässigen
Grades der Störung wie er durch die Fläche 25 ausgedrückt ist und der Summe modellierter
Garnfehler oder der Garnfehlerdichte wie sie durch die Fläche 29 (Fig. 4) ausgedrückt
ist, lässt sich bestimmen, welche Garnfehler, die in Fig. 4 dargestellt sind, unzulässig
sind und welche nicht. Ein solcher Vergleich findet im Regler 7, oder vorzugsweise
Fuzzy-Regler statt, der damit eine bekannte erste Regel berücksichtigt, die etwa folgendermassen
lautet: Je grösser das Produkt aus Masse und Länge des Garnfehlers ist, desto störender
ist der Garnfehler. Diese Regel wird eben durch die Darstellung in der Fig. 5 ausgedrückt.
Im einfachsten Falle könnte so eine erste Reinigungsgrenze erhalten werden, indem
die Fläche 25 mit derjenigen Fläche geschnitten wird, die in Fig. 4 die Summe der
modellierten Garnfehler darstellt. Da für laufende Messungen am Garn diese Summe ebenfalls
eine sich laufend verändernde Fläche bildet, die Fläche 25 aber mit der Zeit gleich
bleibt, passt sich die Schnittlinie und damit die Reinigungsgrenze automatisch an
veränderte Verhältnisse an und damit gibt der Regler 7 über den Ausgang 12 die Werte
einer Reinigungsgrenze aus. Dies kann periodisch, laufend oder auf äussere Veranlassung
hin geschehen. Dazu genügt auch ein konventioneller an sich aus anderen Anwendungen
bekannter Regler 7. Der Verlauf einer Reinigungsgrenze ist in Fig. 4 mit 31 bezeichnet.
[0021] Damit ist aber die Reinigungsgrenze nicht für alle Fälle optimiert. Dazu sollen weitere
Kriterien berücksichtigt werden können. Das können beispielsweise Produktivitätskriterien
sein, die über den Eingang 13 in den Regler 7 eingegeben werden. Ein solches Kriterium
ist beispielsweise die Anzahl zugelassener Schnitte pro km Garn. Durch dieses Kriterium
wird die Reinigungsgrenze ganz oder in einzelnen Bereichen verschoben. Aus der Verarbeitungseinheit
8 sind nämlich die für eine vorgegebene Garnlänge durch die aktuelle Reinigungsgrenze
5 vorgesehenen Schnitte (= Anzahl der Kreuze ausserhalb der Reinigungsgrenze 5 in
Fig. 1) bekannt und diese Anzahl kann dadurch verändert werden, dass man die Reinigungsgrenze
anders legt. Über den Eingang 14 können generelle Qualitätskriterien eingegeben werden.
Z.B. kann als Regel vorgegeben werden, dass Bereiche mit relativ hoher Garnfehlerdichte
im Klassierfeld durch die Reinigungsgrenze zu umfahren sind. Soche Bereiche können
durch den Fuzzy-Regler identifiziert werden, wenn er aus der Verarbeitungseinheit
10 eine Angabe über die Garnfehlerdichte erhält und diese mit einer Vorgabe vergleicht.
Über den Eingang 15 können garnspezifische Kriterien z.B. zur Anpassung der Reinigung
an die Garncharakteristik vorgegeben werden. Als Kriterium kann beispielsweise ein
Abstand zum Garnkörper eingegeben werden, der eine Zone um den Garnkörper definiert,
in der Fehler unberücksichtigt bleiben. Über den Eingang 16 können auch anlagespezifische
Kriterien eingegeben werden. Hier kann die Vergleichbarkeit von Messwerten aus verschiedenen
(optischen, kapazitiven) Reinigersystemen gefördert werden, indem als Regel vorgegeben
wird, dass für kapazitiv ermittelte Messwerte kurze Garnfehler stärker, für optisch
ermittelte Messwerte dagegen lange Garnfehler stärker gewichtet werden. Oder es kann
vorgegeben werden, dass prozessbedingte systematische Garnfehler speziell ausgereinigt
oder eben nicht ausgereinigt werden sollen. Weitere spezielle Qualitätskriterien könnten
über den Eingang 17 eingegeben werden. Hier könnten beispielsweise besondere Garnfehlerverteilungen
eingegeben werden, die auf besondere Vorkommnisse hindeuten. Wenn eine solche Verteilung
sich aus den Messwerten ergeben hat, was im Fuzzy-Regler 7 verglichen wird, so könnte
eine automatische Kompensation durchgeführt oder ein Alarm ausgelöst werden. Die Berücksichtigung
dieser Kriterien, die alle als Zahlenwerte oder als in Zahlen umgesetzte ungefähre
Angaben eingegeben werden, erfolgt durch den Fuzzy-Regler 7. Durch diese Angaben wird
der Verlauf der Reinigungsgrenze 5 verändert und optimiert, indem diese Kriterien
in Vorgaben über die Garnfehlerdichte umgesetzt werden und indem diese Vorgaben mit
den aktuellen und lokalen Werten der Garnfehlerdichte verglichen werden. Optimierte
Reinigungsgrenzen können so selbsttätig festgelegt und anschliessend automatisch ein-
und nachgestellt werden, indem diese automatisch in die Garnreiniger geladen werden.
[0022] Obwohl die Erfindung anhand eines vorzugsweisen Beispiels für Eigenschaften des Garns,
d.h. die Abweichungen der Dicke oder Masse und deren Länge dargelegt wurde, kann diese
im gleichen Sinne für andere Eigenschaften wie z.B. die Farbe, die Struktur (Haarigkeit,
Drehung), periodische Durchmesserschwankungen des Garns, realisiert werden. So könnten
auch für Garnfehler wie Fremdfasern, Fremdstoffe, Haarigkeit usw. Reinigungsgrenzen
festgelegt und eingestellt werden.
1. Verfahren zum Reinigen von Garn in welchem Eigenschaften des Garns erfasst und auszureinigende
Garnfehler durch eine einstellbare Reinigungsgrenze (5) definiert werden, dadurch
gekennzeichnet, dass die Reinigungsgrenze, ausgehend von den erfassten Eigenschaften
selbsttätig festgelegt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Reinigungsgrenze automatisch
ein- und nachgestellt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Festlegen der Reinigungsgrenze
gemäss Regeln einer Fuzzy-Logik erfolgt.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Festlegen der Reinigungsgrenze
unter Berücksichtigung von Kriterien erfolgt, die schwer messbar und nicht in einen
eindeutigen mathematischen Zusammenhang mit der Reinigungsgrenze gebracht werden können.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass für die Festlegung, am Garn
Messwerte für Garnfehler erfasst, gemäss gewählten Parametern geordnet und gemäss
vorgegebenen Annahmen über Garnfehler modelliert werden und dass aus den modellierten
Garnfehlern (18) eine Fläche (29) ermittelt wird, die die Dichte der Garnfehler über
einem Klassierfeld darstellt.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Reinigungsgrenze durch
Kriterien bestimmt wird, die aus der Verteilung der Dichte und Vorgaben über zulässige
Störungen abgeleitet sind.
7. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch
einen Regelkreis (6), mit einem Regler (7) und mit einem Eingang (11) für Werte am
Garn erfasster Eigenschaften.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Regelkreis mehrere Eingänge
(11) für Werte mehrerer Garne aufweist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass diese über Eingänge (11)
mit mehreren Garnreinigern (32, 33) zur Ausgabe einer gemeinsamen Reinigungsgrenze
verbunden ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Regler als Fuzzy-Regler
ausgebildet ist und dass dieser mit Einheiten (13, 14, 15, 16, 17) zur Eingabe von
Kriterien zur Festlegung der Reinigungsgrenze versehen ist.