[0001] Die Erfindung betrifft siliziumhaltiges Eisenpulver, Verfahren zu seiner Herstellung,
eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens sowie die Verwendung des siliziumhaltigen
Eisenpulvers.
[0002] Mit der thermischen Zersetzung von Eisenpentacarbonyl in der Gasphase steht seit
langem ein großtechnisch durchführbares, unaufwendiges und kostengünstiges Verfahren
zur Erzeugung hochreiner, feiner Eisenpulver zur Verfügung. Auf diese Weise hergestelltes
sogenanntes Carbonyleisenpulver kommt in einer Vielzahl von industriellen Anwendungen
zum Einsatz. Eine große Bedeutung hat Carbonyleisenpulver beispielsweise auf dem Gebiet
der Bulvenzietallurgie erlangt, die auf der Reinheit, der niedrigen Entstehungstemperatur,
der geringen Größe, der Kugelform und der damit verbundenen besonders guten Sinterfähigkeit
der Pulverteilchen beruht. Wegen seiner günstigen magnetischen Eigenschaften wird
Carbonyleisenpulver auch in großem Umfang für die Herstellung elektronischer Bauelemente
verwendet. Gemischt mit einem indifferenten Bindemittel werden die Pulver durch Formpressen
oder im Spritzguß zu plastikgebundenen Massekernen verarbeitet. Derartige Kerne enthalten
Carbonyleisenpulver als feinkörniges Ferromagnetikum, dessen Einzelteilchen durch
eine dünne Schicht eines Isoliermittels voneinander getrennt sind. Je vollständiger
die Isolierung dieser möglichst Kleinen Teilchen ist, umso geringer sind unter sonst
gleichen Verhältnissen die Verluste durch Wirbelströme im Massekern. Da bei Carbonyleisenpulver
die Einzelteilchen ideale Kugelgestalt besitzen, ist die elektrische Isolierung einfacher
und sicherer als bei Teilchen mit unregelmäßigen Ecken und Kanten. Insbesondere wird
beim Verpressen unter hohem Druck die Isolierschicht nicht so leicht verletzt, und
es entstehen keine metallischen Kontakte zwischen den Körnern. Ferner wird Carbonyleisenpulver
für die Herstellung elektromagnetischer Abschirmungen verwendet.
[0003] Durch den Zusatz von Silizium können die magnetischen Eigenschaften der Carbonyleisenpulver
zusätzlich beeinflußt werden. So kann für die oben geschilderten Anwendungen in der
Elektrotechnik ein bestimmter Siliziumgehalt der Eisenpulver wünschenswert sein, da
Eisen-Silizium-Legierungen mit einem Siliziumgehalt von 1 bis 4 % bei ähnlich hoher
Permeabilität deutlich geringere Hystereseverluste und Koerzitivkräfte als reines
Eisen aufweisen. Darüber hinaus sind Eisen-Silizium-Legierungen gegen Umwelteinflüsse
beständiger als reines Eisen.
[0004] Feinteilige Metallpulver kommen ferner als Katalysatoren in Frage. So ist aus der
Literatur die katalytische Wirkung von Silizium-Eisen-Legierungen bei der Hydrierung
von CO im Fischer-Tropsch-Verfahren bekannt.
[0005] In D.J. Frurip et al., Journal of Non-Crystalline Solids 68 (1984), Seite 1 ist die
Herstellung amorpher, 5 bis 30 nm großer Ferrosiliziumpartikel durch Laserpyrolyse
einer gasförmigen Mischung von Fe(CO)
5, SiH
4 und SF
6 beschrieben. Bei diesem Verfahren führt die Absorption von IR-Laserlicht durch SiH
4 und SiF
6 zu einer lokalen Erhitzung der Gasmischung auf 350 bis 600°C und dadurch zur thermischer
Zersetzung der Komponenten.
[0006] In X. Gao et al., Journal of Inorganic Materials, 7 (1992), Seite 429 bis 434 ist
ein ähnliches, kontinuierlich betriebenes Verfahren zur Herstellung von ultrafeinen
Eisen-Silizium-Partikeln mit einem CW-CO
2-Laser, das ohne Zugabe von SF
6 als lichtempfindlichem Mittel auskommt, beschrieben. Es werden u.a. Partikel der
Zusammensetzung Fe
3Si, Fe
2Si, Fe
5Si
3, FeSi und FeSi
2 gebildet.
[0007] In US 4,468,474 ist ein Verfahren zur Herstellung katalytisch wirksamer Eisen-Silizium-Legierungen
durch Laserpyrolyse einer gasförmigen Mischung von Silanen oder Halogensilanen mit
eisenorganischen Verbindungen (Eisenpentacarbonyl, Eisenacetylacetonat und Ferrocen)
und Kohlenwasserstoffen beschrieben. Es werden Pulver aus Eisen-Silizium-Kohlenstoff-Legierungen
mit 5 bis 15 Atom-% Eisen, 65 bis 88 Atom-% Silizium und 2 bis 30 Atom-% Kohlenstoff
bzw. Eisen-Silizium-Legierungen mit 10 bis 30 Atom-% Eisen und 70 bis 90 Atom-% Silizium
erhalten. Die Pulver katalysieren selektiv die Hydrierung von CO zu C
2-C
6-Alkanen.
[0008] Nachteilig an den o.g. Verfahren ist die Verwendung von Infrarot-Lasern hoher Leistung
zur Aufheizung der Gasmischung, die das Verfahren aufwendig und teuer macht und damit
für den großtechnischen Einsatz als ungeeignet erscheinen läßt.
[0009] In V. G. Syrkin et al., Soviet Powder Metallurgy and Metal Ceramics 1970, Seite 447
bis 449 ist die Verwendung bestimmter Additive zur Steuerung der Teilchengröße bei
der Herstellung von Eisenpulver durch thermische Zersetzung von Eisenpentacarbonyl
beschrieben. Als Additive werden u. a. Organosilizium-Verbindungen wie Tetraethoxysilan,
Triethylsilan, Ethyldichlorsilan und Methylethyldichlorsilan eingesetzt. In Gegenwart
der genannten Additive werden Eisenpulver mit einer mittleren Teilchengröße um 2,5
µm bzw. Eisenwolle gebildet. Bei Verwendung von Tetraethoxysilan und Ethyldichlorsilan
weisen die Pulver einen geringen Siliziumgehalt von 0,35 bzw. 0,09 Gew.-% auf, bei
Verwendung von Triethylsilan und Methylethyldichlorsilan wird der Siliziumgehalt der
erhaltenen Pulver mit 0 angegeben.
[0010] Über die verwendeten Mengen an Organosilizium-Verbindung werden keine Angaben gemacht.
[0011] In der SU-A 344 014 ist ein Verfahren zur Herstellung von feinteiligen Pulvern aus
Eisen-Silizium-Legierung beschrieben, bei dem eine Lösung von (SiCl
3)
2Fe(CO)
4 in Benzol als Nebel in einen auf 350°C aufgeheizten Reaktionsraum eingebracht wird.
Wahlweise enthält die Lösung zusätzlich Eisenpentacarbonyl. Es entstehen Pulver aus
50 Gew.- % Eisen und 50 Gew.-% Silizium, bei Mitverwendung von Eisenpentacarbonyl
entstehen Pulver aus 94 Gew.-% Eisen und 6 Gew.-% Silizium. Nachteilig an diesem Verfahren
ist die Verwendung halogenhaltiger Einsatzstoffe wegen der damit verbundenen Korrosions-
und Entsorgungsprobleme. Insbesondere kann die Verwendung halogenhaltiger Einsatzstoffe
zur Bildung von Salzen führen. Hinzu kommt, daß unter Verwendung großer Mengen an
Lösungsmittel gearbeitet werden muß.
[0012] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung siliziumhaltiger
Eisenpulver mit in weiten Grenzen variierbarem Siliziumgehalt und einem geringen Anteil
an Nebenbestandteilen, die die vorteilhaften Eigenschaften der Carbonyleisenpulver
insbesondere hinsichtlich ihrer Weiterverarbeitung aufweisen, für eine Vielzahl von
Anwendungen bereitzustellen. Insbesondere liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde,
ein unaufwendiges und kostengünstig durchführbares Verfahren zur Herstellung siliziumhaltiger
Eisenpulver auf der Basis der Verfahren zur Herstellung von Carbonyleisenpulver bereitzustellen.
[0013] Die Erfindung geht aus von dem bekannten Verfahren zur Herstellung siliziumhaltiger
Eisenpulver durch thermische Zersetzung einer Gasmischung, enthaltend Eisenpentacarbonyl
und eine flüchtige Siliziumverbindung, bei dem die Gasmischung einen beheizten Reaktionsraum
durchströmt und durch Wärmeleitung aufgeheizt wird. Die Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
daß als flüchtige Siliziumverbindung ein Silan oder ein halogenfreies Organosilan,
ausgenommen Triethylsilan und Tetraethoxysilan, eingesetzt wird.
[0014] Geeignete Silane sind bei Raumtemperatur gasförmige oder flüchtige Silane wie Monosilan
SiH
4, Disilan Si
2H
6, Trisilan Si
3H
8 sowie alle konstitutionsisomeren Tetrasilane Si
4H
10, Pentasilane Si
5H
12, und Hexasilane Si
6H
14. Geeignete Organosilane sind weiterhin bei Raumtemperatur gasförmige oder flüchtige,
sich vom Monosilan ableitende ein- bis vierfach substituierte Organosilane, wobei
die Substituenten, die gleich- oder verschieden sein können, Alkyl-, Alkoxy- oder
Arylgruppen oder mit Wasserstoff, Alkyl-, Alkoxy- oder Arylgruppen subtituierte Silylgruppen
sein können. Beispiele sind: Methylsilan, Dimethylsilan, Trimethylsilan, Tetramethylsilan,
Ethylsilan, Diethylsilan und Tetraethylsilan. Ferner können Aminosilane, z.B. H
3Si-NH
2, (H
3Si)
2NH und (H
3Si)
3N eingesetzt werden. In einer bevorzugten Ausführungsform wird Monosilan, SiH
4, verwendet.
[0015] Vorteilhaft an dem erfindungsgemäßen Verfahren ist der in weiten Grenzen variierbare
Siliziumgehalt der erfindungsgemäßen siliziumhaltigen Eisenpulver, der sich durch
Wahl der Zusammensetzung des Gasgemisches gezielt einstellen läßt. Grundsätzlich ist
das Verhältnis von Eisenpentacarbonyl zu der flüchtigen Siliziumverbindung in der
Gasmischung beliebig wählbar, wobei in der Regel - bezogen auf das Gewicht - Eisenpentacarbonyl
im Überschuß verwendet wird. Vorzugsweise werden jedoch bis zu 50 Gew.-%, besonders
bevorzugt 0,4 bis 25 Gew.-% der flüchtigen Siliziumverbindung, bezogen auf die Summe
von Eisenpentacarbonyl und der flüchtigen Siliziumverbindung, eingesetzt.
[0016] Eisenpentacarbonyl und die flüchtige Siliziumverbindung können in der Gasmischung
allein oder in Mischung mit weiteren Gasen eingesetzt werden.
[0017] So kann die Gasmischung als weitere Gase noch CO, H
2 und Ammoniak, die alleine oder nebeneinander vorliegen können, enthalten. In einer
bevorzugten Ausführungsform enthält die Gasmischung noch Kohlenmonoxid. Vorzugsweise
beträgt der Kohlenmonoxidanteil bis zu 99 Vol.-%, besonders bevorzugt zwischen 60
und 98 Vol.-%. Bei Mitverwendung von Ammoniak kann man Produkte mit einem erhöhten
Stickstoffanteil erhalten. Bevorzugt werden bis zu 10 Vol.-% Ammoniak verwendet, besonders
bevorzugt zwischen 1 und 5 Vol-%. Die Mitverwendung von Ammoniak ist auch insofern
vorteilhaft, als Ammoniak vermutlich die Zersetzung von Eisenpentacarbonyl in Eisen
und Kohlenmonoxid beschleunigt. In einer weiteren Ausführungsform liegt darüberhinaus
noch Wasserstoff in der Gasmischung vor. Vorzugsweise beträgt der Wasserstoffgehalt
der Gasmischung bis zu 60 Vol.-%, besonders bevorzugt zwischen 1 und 40 Vol.-%.
[0018] Die erfindungsgemäß hergestellten siliziumhaltigen Eisenpulver können einen Siliziumgehalt
von bis zu 25 Gew.-% aufweisen. Vorzugsweise beträgt der Siliziumgehalt 0,5 bis 25
%, besonders bevorzugt 0,5 bis 10%, insbesondere 1 bis 4 Gew.-%. Der Siliziumgehalt
kann nach bekannten Methoden der Elementaranalyse, beispielsweise durch Röntgenmikrobereichsanalyse
aus REM-Aufnahmen, bestimmt werden.
[0019] Das siliziumhaltige Eisenpulver kann Nebenbestandteile, insbesondere Sauerstoff,
Kohlenstoff, Wasserstoff und Stickstoff enthalten. Der Sauerstoffgehalt kann bis zu
30 Gew.-% betragen, vorzugsweise liegt er unterhalb 10 Gew.-%, besonders bevorzugt
zwischen 0,1 und 5 Gew.-%. Der Kohlenstoffgehalt kann bis zu 10 Gew.-% betragen, bevorzugt
liegt er unterhalb 8 Gew.-%, besonders bevorzugt zwischen 0,1 und 7 Gew.-%. Der Stickstoffgehalt
kann bis zu 2 Gew.-% betragen. Bei Mitverwendung von Ammoniak liegt er vorzugsweise
zwischen 0,5 und 2 Gew.-%, ohne Verwendung von Ammoniak vorzugsweise unterhalb von
0,5 Gew.-%. Der Wasserstoffgehalt kann bis zu 1 Gew.-% betragen, vorzugsweise liegt
er unterhalb 0,5 Gew.-%.
[0020] Ein weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens ist der besonders geringe Gehalt
der siliziumhaltigen Eisenpulver an Fremdmetallen. Bevorzugt weisen die erfindungsgemäß
erhaltenen siliziumhaltigen Eisenpulver folgenden Gehalt an Fremdelementen auf: Nickel
< 100 ppm, Chrom < 150 ppm, Molybdän < 20 ppm, Arsen < 2 ppm, Blei < 10 ppm, Cadmium
< 1 ppm, Kupfer < 5 ppm, Mangan < 10 ppm, Quecksilber < 1 ppm, Zink < 10 ppm, Schwefel
< 10 ppm. Der Fremdelementgehalt kann mittels Atomabsorptions-Spektralanalyse bestimmt
werden.
[0021] Weiterhin ist vorteilhaft, daß das siliziumhaltige Eisenpulver in dem erfindungsgemäßen
Verfahren in feinteiliger Form anfällt und insoweit eine mechanische Nachbehandlung,
beispielsweise durch Mahlen, entfallen kann. Das siliziumhaltige Eisenpulver Fällt
bei der Umsetzung in Form von im wesentlichen kugelförmigen Teilchen mit einem mittleren
Durchmesser zwischen 0,005 und 10 µm, die zu Fäden oder knolligen Aggregaten agglomeriert
sein können, an. Vorzugsweise beträgt der mittlere Durchmesser der im wesentlichen
kugelförmigen Teilchen zwischen 0,01 µm und 5 µm. Die BET-Oberfläche der Teilchen
beträgt vorzugsweise bis zu 30 m
2/g. Die Schüttdichte der erfindungsgemäßen Pulver, die sich mit steigendem Siliziumgehalt
verringert, beträgt vorzugsweise zwischen 0,4 und 4 g/cm
3.
[0022] Die Umsetzung erfolgt vorzugsweise kontinuierlich in einem beheizten Reaktionsraum,
der von der Gasmischung durchströmt wird. Die Umsetzung kann beispielsweise in einem
beheizbaren Zersetzer, wie er für die Herstellung von Carbonyleisenpulver durch thermische
Zersetzung von Eisenpentacarbonyl verwendet wird und in Ullmann's Encyclopedia of
Industrial Chemistry, 5th edition, volume A14, page 599, beschrieben ist, durchgeführt
werden. Ein solcher Zersetzer umfaßt ein Rohr aus einem hitzebeständigen Material
wie Quarzglas oder V2A-Stahl in vorzugsweise vertikaler Position, das von einer Heizeinrichtung,
beispielsweise bestehend aus Heizbändern, Heizdrähten oder aus einem von einem Heizmedium
durchströmten Heizmantel, umgeben ist. Bevorzugt ist die Heizeinrichtung zur Einstellung
einer Zone niedriger Temperatur und einer Zone höherer Temperatur in mindestens 2
Segmente unterteilt. Die Gase werden vorgemischt und vorzugsweise von oben in das
Zersetzerrohr eingeleitet, wobei die Gasmischung die Zone niedriger Temperatur zuerst
passiert. Vorzugsweise ist die Temperatur im unteren Teil des Rohres um mindestens
20°C höher als im oberen Teil des Rohres. Das gebildete siliziumhaltige Eisenpulver
wird nach bekannten Methoden unter Ausnutzung der Schwerkraft, der Zentrifugalkraft
oder mittels einer Filtereinrichtung aus dem Gasstrom abgeschieden. Dies kann beispielsweise
dadurch geschehen, daß der Gasstrom ein Abscheidegefäß passiert und dort umgelenkt
wird. Bei größeren Teilchen kann die Abtrennung auch ohne weiteres dadurch erfolgen,
daß man die Partikel aus dem Zersetzer herausrieseln läßt und in einem Vorlagegefäß
auffängt. Für den Fall, daß Feststoffteilchen von der Gasströmung mitgerissen werden
können, wird vorzugsweise zusätzlich eine Filtereinrichtung verwendet.
[0023] Die Umsetzung in dem Zersetzer erfolgt vorzugsweise bei Temperaturen zwischen 200
und 600°C, besonders bevorzugt zwischen 250 und 350°C. Die Umsetzung kann bei Drücken
von bis zu 40 bar durchgeführt werden. Bevorzugt liegt der Druck zwischen 1 und 2
bar absolut.
[0024] Ein weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens ist, daß durch Wahl der Reaktionsparameter
wie Druck, Temperatur und Durchströmgeschwindigkeit sowie der Gaszusammensetzung die
mittlere Teilchengröße der Pulver variiert werden kann.
[0025] Die nach dem beschriebenen Verfahren erhaltenen siliziumhaltigen Eisenpulver können
von Kohlenstoff, Sauerstoff und Stickstoff weitgehend befreit werden, indem sie in
der Hitze in einem Wasserstoffstrom reduziert werden. Vorzugsweise werden die Pulver
bei Temperaturen zwischen 300 und 600°C, besonders bevorzugt zwischen 400 und 500°C
reduziert. Die reduzierten Pulver können einen Kohlenstoffgehalt von < 0,05 Gew.-%,
einen Stickstoffgehalt von < 0,01 Gew.-% und einen Sauerstoffgehalt von < 0,2 Gew.-%
aufweisen.
[0026] Die erfindungsgemäßen siliziumhaltigen Eisenpulver eignen sich besonders für Anwendungen
in der Elektronik oder Elektrotechnik, wobei sowohl reduzierte als auch nichtreduzierte
Pulver verwendet werden können. So kann das erfindungsgemäße siliziumhaltige Eisenpulver
für die Herstellung von Spulenkernen oder Magneten verwendet werden. Vorteilhaft sind
insbesondere die deutlich geringeren Hystereseverluste und Koerzitivkräfte der Eisen-Silizium-Legierung.
Das siliziumhaltige Eisenpulver kann wie Carbonyleisenpulver verarbeitet werden, indem
es beispielsweise mit einem aushärtenden Bindemittel, z.B. einem Phenolharz oder einem
Epoxidharz, verknetet, granuliert und trocken zu den gewünschten Formkörpern, Ringen,
Stäben und Schraubkernen verpreßt wird. Diese werden anschließend thermisch ausgehärtet.
Solche platikgebundenen Magnetkerne können durch Formpressen, aber auch im Spritzgußverfahren
hergestellt werden. Ein großer Vorteil der so hergestellten Pulverkerne liegt darin,
daß das Pulver sehr fein ist. Durch eine geeignete Isolierung kann somit eine wesentliche
Verringerung der Wirbelstromverluste gegenüber Pulverkernen erreicht werden, die aus
gröberem Pulver hergestellt sind. Diese Verringerung der Wirbelstromverluste macht
sich in einer Steigerung der Güte bemerkbar. Eine besonders hohe Güte erreicht man,
wenn die Isolierung so stark ist, daß es zwischen den einzelnen, primären Pulverteilchen
zu keinem Kontakt kommt. Die Isolierung der Pulverteilchen mit einer gleichbleibenden,
isolierenden Schicht kann beispielsweise durch Behandeln des siliziumhaltigen Eisenpulvers
mit einer verdünnten Lösung von Phosphorsäure in einem organischen Lösungsmittel erfolgen,
wobei an der Oberfläche der Teilchen eine Eisenphosphatschicht gebildet wird.
[0027] Weiterhin lassen sich die erfindungsgemäßen siliziumhaltigen Eisenpulver zu mikrowellenabsorbierenden
oder radarabsorbierenden Materialien verarbeiten. Dazu werden die Pulver in plastische
oder gummiartige Werkstoffe wie auch in Lacksysteme eingebracht. Besonders eignet
sich das erfindungsgemäße siliziumhaltige Eisenpulver als Absorber für elektromagnetische
Strahlung im Frequenzbereich von 1 bis 100 Gigahertz.
[0028] Ferner können die siliziumhaltigen Eisenpulver aufgrund ihres hohen Siliziumgehaltes
und ihrer großen spezifischen Oberfläche als Katalysatoren für die Hydrierung von
Kohlenmonoxid im Fischer-Tropsch-Verfahren verwendet werden.
[0029] Die Erfindung wird durch die nachfolgenden Beispiele näher erläutert:
BEISPIELE 1 BIS 13
[0030] Die Apparatur zur thermischen Zersetzung von Eisenpentacarbonyl [Fe(CO)
5] und Silan (SiH
4) besteht aus einem Zersetzerrohr aus V2A-Stahl von 1 m Länge und einem Innendurchmesser
von 20 cm. Das Zersetzerrohr wird so beheizt, daß die Temperatur im unteren Drittel
um etwa 20°C höher ist als die Temperatur T
1 im oberen Teil des Rohres. Das flüssig vorgehaltene Fe(CO)
5 wird in einem elektrisch beheizten Vorlagegefäß verdampft und der Dampf zusammen
mit SiH
4 (0-60 l/h), H
2 (0-500 l/h), NH
3 (0-150 l/h) und ggf. CO (0-100 l/h) von oben in das Zersetzerrohr eingeleitet. Im
Zersetzerrohr läuft die Bildung des siliziumhaltigen Eisenpulvers unter Freisetzung
von CO und H
2 ab. Das gebildete siliziumhaltige Eisenpulver gelangt mit dem Gasstrom in ein Abscheidergefäß,
in dem es durch Umlenken des Gasstromes aus diesem abgetrennt wird. Im Gasstrom verbleibende
Feststoffteilchen werden von einer Filterkerze zurückgehalten. Der Siliziumgehalt
der Eisenpulver wird durch Elementaranalyse bestimmt und entspricht im Rahmen der
Analysegenauigkeit der eingesetzten Menge an Monosilan. Im Abgas werden IR-spektrometrisch
noch ca. 2 ppm SiH
4 nachgewiesen, so daß auf eine praktisch vollständige Umsetzung des Silans geschlossen
werden kann. Die Elementzusammensetzung der Teilchen wurde mittels AAS (Atomabsorptionsspektroskopie)
bestimmt, ihre spezifische Oberfläche (BET-Oberfläche) durch Stickstoffadsorption
nach DIN 66 132 gemessen.
Vergleichsbeispiel V1:
[0031] Das Verfahren wurde wie oben beschrieben durchgeführt, doch wurde kein SiH
4 verwendet.
[0032] Die Reaktionsbedingungen und die Charakterisierung der Verfahrensprodukte sind der
nachstehenden Tabelle zu entnehmen.

1. Verfahren zur Herstellung siliziumhaltiger Eisenpulver durch thermische Zersetzung
einer Gasmischung, enthaltend Eisenpentacarbonyl und eine flüchtige Siliziumverbindung,
bei dem die Gasmischung einen beheizten Reaktionsraum durchströmt und das Aufheizen
der Gasmischung durch Wärmeleitung bewirkt wird, dadurch gekennzeichnet, daß als flüchtige
Siliziumverbindung ein Silan oder ein halogenfreies Organosilan, ausgenommen Triethylsilan
und Tetraethoxysilan, eingesetzt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als flüchtige Siliziumverbindung
SiH4 eingesetzt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Zersetzung in Gegenwart
von Ammoniak und/oder Wasserstoff durchgeführt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Zersetzung
zwischen 200 und 600°C durchgeführt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Zersetzung
bei Drücken zwischen 1 und 2 bar absolut durchgeführt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das erhaltene
siliziumhaltige Eisenpulver nach der Zersetzung mit gasförmigem Wasserstoff reduziert
wird.
7. Siliziumhaltiges Eisenpulver, im wesentlichen bestehend aus sphärischen Teilchen mit
einem Durchmesser von 0,005 bis 10 µm oder aus fadenförmigen Aggregaten dieser Teilchen
mit einem Siliziumgehalt zwischen 0,5 und 25 Gew-%, herstellbar nach dem Verfahren
nach einem der Ansprüche 1 bis 6.
8. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5, gekennzeichnet
durch
a) ein beheizbares Zersetzerrohr,
b) eine Einrichtung zur Einstellung zweier verschiedener Temperaturzonen,
c) eine Einrichtung zum Verdampfen von flüssigem Eisenpentacarbonyl,
d) eine Einrichtung zum Zudosieren und Mischen von Gasen und
e) einen Abscheider für siliziumhaltiges Eisenpulver.
9. Verwendung von siliziumhaltigem Eisenpulver nach Anspruch 7 zur Herstellung von Spulenkernen,
Magneten und radarabsorbierenden Materialien.
10. Verwendung von siliziumhaltigen Eisenpulver nach Anspruch 7 als Katalysator für die
Hydrierung von CO.