[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein spurweitenverstellbares Fahrwerk mit Einzelradsätzen,
bei dem das Funktionsprinzip der Spurweitenveränderung des bekannten Systems Talgo
so modifiziert wurde, daß sowohl die Federaufhängung System Niesky mittels Schaken
für Blatttragfedern als auch die Federaufhängung SNCF 2000 mit Druckfedern verwendet
wer-den können.
[0002] Für den Schienengüterverkehr mit der Iberischen Halbinsel ist das Problem des Spurwechsels
an der Systemgrenze Normalspur 1435 mm / Breitspur 1668 mm von wesentlicher Bedeutung.
An dieser Schnittstelle werden die Ladegüter umgeladen bzw. an geeigneten Güterwagen
werden die Radsätze getauscht.
Da aber umachsfähige Wagen nicht in ausreichender Menge vorhanden sind, die Kapazität
der TRANSFESA - Umachsanlage begrenzt ist und durch das Umladen der Ladegüter es zu
Ladegutbeschädigungen, längeren Wartezeiten und höheren Dispositionsaufwand kommen
kann, sind alternative technische Lösungen notwendig.
[0003] Eine Möglichkeit, diese Nachteile zu vermeiden, ist die Anwendung einer automatischen
Spurwechseltechnik, wobei für den Güterverkehr gegenwärtig auf keine zugelassene Lösung
zurückgegriffen werden kann.
[0004] Bisher existierte das Halbradsatzsystem der Firma Talgo mit verstellbaren Fahrwerken
nur als Reisezugwagenlaufwerk, wobei die Anlenkung der Losräder über eine spezielle
Konstruktion erfolgt (s.

Radsätze mit veränderlicher Spurweite", José Luis Sanchez Gonzalez, Schienen der Welt,
Juli 1982). Dieses Radsatzsystem ist erprobt und zugelassen. Für Gü terwagen wurde
dieses Reisezugwagensystem weiterentwickelt (s.

TALGO - automatisches Umspursystem für den Personen- und Güterverkehr - Erfahrungen
und Perspektiven", José Luis López Gómez, Eisenbahningenieur [48] 12/97).
Es ist für eine Radsatzlast von 22,5 t bei einer Geschwindigkeit bis 120 km/h geeignet
und es kann in Drehgestellen konventioneller Bauart für Güterwagen anstelle der Achsen
mit festem Radabstand montiert werden. Dieses System befindet sich in der Erprobung
und ist noch nicht zugelassen.
[0005] Die Achsbaugruppe besteht aus einem Rahmen, an dem die beiden Fahrwerke mit ihren
Verriegelungselementen und einer Einrichtung zur Verbindung der Fahrwerke, zwei Armaturen
zur Verschiebung der Bremsschuhe, einem System zur Herstellung der elektrischen Verbindung
und einer Einrichtung zur Erkennung heißgelaufener innerer Lager montiert wird.
[0006] Darüberhinaus existieren noch weitere automatische Spurwechselsysteme, z.B. die Systeme
OGI, RAV, Vevey, Bauart V Rafil/DB AG, die sich noch in Entwicklung bzw. Erprobung
befinden und noch keine Zulassung besitzen.
[0007] Zur Verbesserung der Fahreigenschaften von zweiachsigen Wagen bei gleichzeitiger
Anhebung der Geschwindigkeit und der Achsfahrmasse wurden zwei Federaufhängungen entwickelt,
welche diese Forderungen erfüllen.
[0008] Aus einer für Drehgestelle mit einstellbaren Radsätzen üblichen Abstützung wurde
die Aufhängung

SNCF 2000" entwickelt (s. ORE B 12 DT 254). Gegenüber der Ausführung für die Drehgestelle
wurden die längeren Anschlagstifte mit Gelenken ausgestattet, um die erforderlichen
Quer- und Längsspiele zu erreichen. Außerdem wurde durch Einfügung eines Gleitstückes
mit Überzug aus Material mit geringem Reibwert die senkrechte Reibung vermindert,
ohne die Querreibung zu ändern.
[0009] Mit der DE 44 46 687 C2 ist eine Federschake bekannt, die in ihren Auflagebereichen
unterschiedliche Durchmesser aufweist. Gemäß DE 43 05 518 C2 ist außerdem ein Schakengehänge
bekannt, bei dem ebenfalls die Federschake in ihren Auflagebereichen unterschiedliche
Durchmesser und/oder die Federschakensteine unterschiedliche Radien aufweisen. Dieses
weiterentwickelte Einfachlangschakengehänge ist auch als ,

Federaufhängung System Niesky" bekannt.
[0010] Aufgabe der Erfindung ist die Schaffung eines Einzellaufwerkes für Schienenfahreuge
auf der Grundlage des bekannten und seit den 70er Jahren im Einsatz befindlichen automatischen
Spurwechselsystems der Firma Talgo in Kombination mit der Federaufhängung SNCF 2000
mit Druckfedern bzw. der Federaufhängung System Niesky.
[0011] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch die Merkmale der Patentansprüche 1 bis 3 gelöst,
d.h., daß das Laufwerk für Schienenfahrzeuge im Patentanspruch 1 aus dem Spurwechselsystem
Talgo mit Rahmen, den Rädern und der Federaufhängung SNCF 2000 mit Druckfedem, im
Patentanspruch 2 aus dem Spurwechselsystem Talgo in einem 2-achsigen radsatzhaltergeführten
Laufwerk mit Federaufhängung System Niesky, im Patentanspruch 3 wie Patentanspruch
2, wobei der Rahmen über Wankstützen bzw. Seilen mit der Feder und der Federaufhängung
verbunden ist, besteht.
[0012] Die Erfindung wird nachstehend an einem Ausführungsbeispiel erläutert:
[0013] In den zugehörigen Zeichnungen sind dargestellt
- Figur 1
- die Seitenansicht auf ein Einzellaufwerk Talgo mit Federaufhängung SNCF 2000
- Figur 2
- eine Schnittdarstellung des Einzellaufwerkes Talgo mit Federaufhängung SNCF 2000
- Figur 3
- die Seitenansicht auf ein Einzellaufwerk Talgo mit Federaufhängung System Niesky
- Figur 4
- eine Schnittdarstellung des Einzellaufwerkes Talgo mit Federaufhängung System Niesky
[0014] Das erfindungsgemaße Fahrwerk besteht aus einem Rahmen (
1), in dem zwei Radsatzsysteme Talgo mit ihren Verriegelungselementen und den für Einzelradsätze
erforderlichen Radsatzführungen untergebracht sind. Jedes der beiden Radsatzsysteme
besteht aus einem Rad (
2), einer kurzen Radsatzwelle (
3) und zwei speziellen Radsatzrollenlagern (
4 und
5). Diese Einheit kann zur Veränderung der Spurweite im Rahmen (
1) axial verschoben werden.
Beide Radsatzsysteme sind durch längenverstellbare Wellen (
6) drehfest miteinander gekuppelt. Weiterhin ist jedes Radsatzsystem mit einer automatischen
Bremsklotzumstelleinrichtung (
7), einem System zur Herstellung der elektrischen Verbindung (
8) und einer Einrichtung zur Erkennung heißgelaufener innerer Radsatzrollenlager (
4) ausgerüstet. Während des Umspurvorganges werden die Räder (
2) vollständig über den Rahmen (
1) mit Gleitschuh (
9) entlastet und die Verriegelungen der Radsatzrollenlager (
4 und
5) im Rahmen(
1) gelöst, wodurch die axiale Verschiebung der kompletten Radsatzrollenlager (
4 und
5) mit der Radsatzwelle (
3) und dem Rad (
2) ermöglicht wird. Nach ihrer Verschiebung werden die Radsatzsysteme in ihrer neuen
Stellung verriegelt.
Wie aus Figur 1 zu entnehmen erfolgt die Aufhängung der Radsatzsysteme einschließlich
Rahmen (
1) mit Druckfedern und beidseitig angeordneter lastproportionale Dämpfung gemäß System
SNCF 2000 (
10).
[0015] Die Figur 3 zeigt das Radsatzsystem Talgo mit Rahmen in einem radsatzhaltergeführtem
Laufwerk mit Federaufhängung System Niesky (
11).
Der Rahmen (
1) und das Radsatzrollenlager (
5) werden konstruktiv an die Radsatzführung eines 2- achsigen Güterwagens derart angepaßt,
daß das jeweils außenliegende Radsatzrollenlager (
5) Führungswinkel (
12) erhält, die die Führung des Radsatzsystems Talgo über dem Radsatzhalter (
13) übernehmen. Der Rahmen (
1) wird zur Schaffung des erforderlichen Freiraumes für die Anordnung der Radsatzhalter
(
13) nach außen gezogen.
Zur Verhinderung des Herunterklappens des Rahmens (
1) infolge von Torsionskräften beim Bremsen ist der Rahmen (
1) über Wankstützen (
14) beziehungsweise Seile (
15) mit der Feder (
16) und der Federaufhängung (
11) verbunden.
1. Laufwerk für 2- achsige Schienenfahzeuge zum automatischen Spurwechsel dadurch gekennzeichnet,
daß 2 Radsatzsysteme Talgo mit Rad (2), den speziellen Radsatzrollenlagern (4 und 5) auf der Radsatzwelle (3) in einem Rahmen (1) aufgenommen und mit einer längenverstellbaren Welle (6) verbunden werden und diese Radsatzsysteme Talgo über das Federaufhängungssystem
SNCF 2000 (10) mit Druckfedern am Untergestell des Schienenfahrzeuges angebracht werden, wobei
die Schwingungsdämpfung durch die Reibungsdämpfung des Federaufhängungssystems SNCF
2000 (10) erfolgt.
2. Laufwerk für Schienenfahrzeuge nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß das Federaufhängungssystem
SNCF 2000 (10) derart ersetzt wird, daß ein radsatzhaltergeführtes Laufwerk mit Blatttragfeder
und Federaufhängung System Niesky (11) angewendet wird, indem der Rahmen (1) und das äußere Radsatzrollenlager (5) so abgeändert werden, daß der Rahmen (1) und das äußere Radsatzrollenlager (5) konstruktiv an die Radsatzführung mittels Radsatzhalter (13) angepaßt werden, wobei das jeweils außen-liegende Radsatzrollenlager (5) Führungswinkel (12) erhält und der Rahmen (1) zur Schaffung eines Freiraumes für die Anordnung der Radsatzhalter (13) nach außen gezogen wird.
3. 2-achsiges Laufwerk für Schienenfahrzeuge nach Anspruch 2 dadurch, gekennzeichnet
daß der Rahmen (1) über Wankstützen (14) bzw. Seile (15) mit der Feder (16) verbunden wird, wodurch die sichere Anwendung des Radsatzsystems Talgo gewährleistet
wird, da ein Herunterklappen des Rahmens (1) infolge von Torsionskräften beim Bremsen verhindert wird.