[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Walzen von Stahlprofilen, insbesondere in
einem Universal-Trägerwalzwerk, mit einer wechselweisen X- und H-Walzung sowie gezielter
Kühlung des Stahlprofils beim Walzen.
[0002] Zum Walzen von Stahlprofilen bzw. Trägern geeignete Verfahren und Walzwerke bzw.
-straßen sind hinlänglich bekannt, beispielsweise aus der EP-A-0 256 409 und EP-B-0
498 733. Hierbei entstehen beim Walzen von Stahlprofilen wie H-, U- und Doppel-T-Trägern
bedingt durch die Massenverteilung bei den verschiedenen Zwischenquerschnitten über
den Querschnitt verteilt stark unterschiedliche Temperaturverhältnisse. Diese Temperaturunterschiede
rufen beim normalen oder forcierten Abkühlen der gewalzten Träger auf Raumtemperatur
Spannungen im Profil hervor, wodurch ein Verzug und/oder Krümmungen auftreten können,
die die Belastbarkeit des Trägers verringern. Diese Temperaturunterschiede, die bzw.
deren Auswirkungen am fertiggewalzten Träger nur schwer zu beseitigen sind, beeinträchtigen
oder stellen Abkühlmaßnahmen zwecks Vergütung aus der Walzhitze oder zum thermomechanischen
Walzen gar ganz in Frage.
[0003] Bisher eingesetzte Kühlvorrichtungen beruhen auf Tauchkühlung oder Sprühkühlung,
wie für ein eingangs genanntes Verfahren durch die Zeitschrift "Stahl und Eisen 109
(1989), Nr. 9, 10", Seiten 497 bis 502 bekanntgeworden. Bei dem dort beschriebenen
thermomechanischen Walzprozeß für schwere Trägerprofile besteht das Verfahren aus
einer Kombination aus thermomechanischer Behandlung und selektivem Kühlen der Flansch-Steg-Verbindungszone
während des Walzens. Es soll damit eine gleichmäßige Temperaturverteilung im Flansch
erzielt und dadurch die Homogenität der Materialeigenschaften im Produktquerschnitt
verbessert werden. Es wird dabei versucht, die Übergangs- bzw. Verbindungszone Flansch/Steg
entweder von außen auf den Flanschseiten-Mitten anzusprühen oder von innen und außen.
Beide Maßnahmen erfordern aufwendige Kühlstrecken mit verstellbaren Düsen. Die Kühlvorrichtungen
sind dabei entweder zwischen den Vorwalzgerüsten oder nach dem Fertiggerüst angeordnet.
Bei Tandem-Reversierstraßen auf einer Seite der Walzgerüste, so daß sich das Profil
bzw. der Träger während der Vorwalzung oder nach dem Fertigstich kühlen läßt.
[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten
Art zu schaffen, mit dem sich mit einfachen Mitteln und geringem Aufwand eine gleichmäßigere
Temperatur über den Querschnitt eines gewalzten Stahlprofils nach dessen Abkühlung
erreichen läßt.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß bei der Vorwalzung in einem
X-Kaliber auf jeder Seite des Stahlprofils an den Verbindungsstellen von Steg und
Flansch eine Kühlwasserrinne ausgebildet wird. Es läßt sich somit eine gleichmäßige
Temperatur über dem Querschnitt des Trägerprofils auf niedrigem Niveau erreichen,
indem ohne den Einsatz zusätzlicher Kühleinrichtungen - wie insbesondere Düsenanordnungen
- das ohnehin vorhandene Kühlwasser in den Kühlwasserrinnen und damit im Bereich der
Verbindungszone Steg/Flansch konzentriert wird, und dies schon durch frühzeitigen
Einsatz der Kühlung, nämlich während der Vorwalzung. Zur Ausbildung der Kühlwasserrinnen
braucht der Steg lediglich leicht nach oben einknickend gewalzt zu werden, wozu die
Horizontalwalzen im Vorgerüst eine entsprechende komplementäre Formgebung besitzen.
Es ergibt sich damit eine dachartige Stegkonfiguration, d.h. mit zu beiden Flanschseiten
hin geneigten Stegabschnitten, die im Zusammenspiel mit den Flanschen die Rinne bereitstellen.
[0006] Eine Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, daß in den Kühlwasserrinnen das von den
H-Walzen abfließende Walzkühlwasser konzentriert wird. Die damit zur Verfügung stehende
Wassermenge sorgt für die gewünschte örtlich stärkere Kühlung des gewalzten Materials
in dem Bereich mit einer Materialanhäufung, d.h. der Verbindungszone zwischen Steg
und Flansch.
[0007] Es wird erfindungsgemäß weiterhin vorgeschlagen, daß dem konzentrierten Walzenkühlwasser
eine zusätzliche Wassermenge entweder drucklos oder als Spritzwasser zugegeben wird.
Das vorhandene Walzenkühlwasser kann somit bedarfsweise in Form einer Laminar-Kühlung
oder mit einer notwendigen bzw. gewünschten Bewegung ergänzt werden.
[0008] Nach einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung wird beim Stauchwalzen während
eines Flanschstauchstichs mit bereichsweise auf den Steg aufgesetzten Walzen gewalzt.
Bei dieser quasi abgestützten Form der Kühlrinnen-Ausbildung, bei der diese durch
Anlaufflächen der Walzen des Stauchgerüstes beeinflußt werden, wird die Erzielung
einer guten Stegmittigkeit unterstützt.
[0009] Bei einer vorteilhaften Anwendung des Verfahrens zum Betreiben einer X-H-Reversier-Tandemstraße
wird erfindungsgemäß vorgeschlagen, daß bei mindestens einem Walzstich das Fertiggerüst
außer Eingriff mit dem Stahlprofil gebracht wird. Hierbei braucht - bei dann allerdings
verminderter Produktivität - das Fertiggerüst bei einen oder mehreren Stichen lediglich
geöffnet zu werden, was dann gleichbedeutend mit einer verlängerten Kühlwirkung ist.
Bei dieser Walzung ergeben sich die möglichen Kühlzeiten aus der jeweiligen Walzlänge,
den Walzgeschwindigkeiten und den Reversier- und Nebenzeiten. Hingegen werden bei
kontinuierlicher Walzung die Kühlzeiten im wesentlichen durch Anzahl und Länge der
Kühlstrecken bestimmt.
[0010] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den Ansprüchen und
der nachfolgenden Beschreibung, in der in den Zeichnungen dargestellte Ausführungsbeispiele
der Erfindung näher erläutert werden. Es zeigen:
- Fig. 1
- von einem weiter nicht darstellten Walzwerk als Einzelheit die H-Walzenanordnung eines
Universal-Fertiggerüstes und - in der Figur unten dargestellt - die X-Walzenanordnung
eines Universal-Vorgerüstes;
- Fig. 2
- als vergrößerte Einzelheit die linke Hälfte des in dem Universal-Vorgerüstes in X-Walzung
hergestellten H-Trägers mit Ausbildung einer Kühlwasserrinne in der Übergangszone
von Steg/Flansch; und
- Fig. 3
- eine der Fig. 2 entsprechende Darstellung bei der X-Walzung mit demgegenüber allerdings
auf den Steg des H-Trägers bereichsweise aufgesetzter horizontaler Stauchwalze.
[0011] In einem gemäß Fig. 1 ein Universal-Vorgerüst I und ein Universal-Fertiggerüst II
umfassenden Walzwerk wird im Ausführungsbeispiel ein H-Träger 1 (Abmessungen 600 x
300 mm) durch X-H-Walzung in mehreren Stichen hergestellt. Die Stauchwalzen-Anordnung
des Universal-Vorgerüstes I, mit der die X-Walzung durchgeführt wird, besteht aus
zwei auf die Trägerflansche 2 einwirkenden Vertikalwalzen 3 und zwei auf den Trägersteg
4 einwirkenden Horizontalwalzen 5. Die Walzenanordnung des Universal-Fertiggerüstes
II zur H-Walzung des Trägers 1 besitzt ebenfalls zwei Vertikalwalzen 6 und zwei Horizontalwalzen
7; dort wird in einem letzten Stich der endgültige H-Träger 1 fertiggestellt.
[0012] Von den beiden einander gegenüberliegenden Horizontalwalzen 5 des Universal-Vorgerüstes
I ist die untere Horizontalwalze 5 leicht doppelkonisch so ausgeführt, daß ihr Ballen
sich ausgehend von der Mittelebene zum Walzenzapfen hin verjüngt, während die obere
Horizontalwalze 5 eine komplementäre, eingeschnittene Walzenkontur aufweist. Der Trägersteg
4 nimmt daher bei der X-Walzung eine dachartige Konfiguration mit zu beiden Trägerflanschen
2 hin geneigten Stegabschnitten 4a bzw. 4b an. Es wird auf diese Weise erreicht, daß
sich in der Übergangszone der tiefliegenden Enden der Stegabschnitte 4a bzw. 4b zu
den Trägerflanschen 2 sowohl an der linken als auch an der rechten Seite eine Kühlwasserrinne
8a bzw. 8b ausbildet. Darin kann sich vorzugsweise das von der H-Walzenanordnung des
Universal-Fertiggerüstes II abfließende Walzenkühlwasser konzentrieren und den H-Träger
1 in diesem Bereich mit größerer Materialanhäufung örtlich stärker kühlen.
[0013] Die Ausbildung der Kühlwasserrinnen 8a bzw. 8b und die - gegebenenfalls durch Zufuhr
zusätzlichen Wassers ergänzte - Menge des Kühlwassers können in Abhängigkeit der Walzzyklen
so bemessen werden, daß eine gleichmäßige Temperatur über den Querschnitt des gewalzten
Trägers erreicht wird. Hierzu trägt auch bei, daß - wie in den Fig. 2 und 3 für jeweils
die linke Kühlwasserrinne 8a gezeigt - während des Flanschstauchstiches ohne Stegberührung
(vgl. Fig. 2) oder mit auf dem Steg 4 aufgesetzten Stauchwalzen (vgl. Fig. 3), was
sich durch Anlaufflächen des Stauchgerüstes beeinflussen läßt, gewalzt wird. Im Falle
einer X-H-Tandem-Reversierstraße ergibt sich im übrigen zwangsläufig, daß immer auf
der Ein- und Auslaufseite des Universal-Vorgerüstes mit X-Kalibrierung gekühlt wird.
1. Verfahren zum Walzen von Stahlprofilen, insbesondere in einem Universal-Trägerwalzwerk,
mit einer wechselweisen X- und H-Walzung sowie gezielter Kühlung des Stahlprofils
beim Walzen,
dadurch gekennzeichnet,
daß bei der Vorwalzung in einem X-Kaliber auf jeder Seite des Stahlprofils an den
Verbindungsstellen von Steg und Flansch eine Kühlwasserrinne ausgebildet wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß in den Kühlwasserrinnen das von den H-Walzen abfließende Walzenkühlwasser konzentriert
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß dem konzentrierten Walzenkühlwasser eine zusätzliche Wassermenge drucklos zugegeben
wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß dem konzentrierten Walzenkühlwasser zusätzlich Spritzwasser zugegeben wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß beim Stauchwalzen während eines Flanschstauchstichs mit bereichsweise auf den
Steg aufgesetzten Walzen gewalzt wird.
6. Verfahren zum Betreiben einer X-H-Reversier-Tandemstraße nach einem der Ansprüche
1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß bei mindestens einem Walzstich das Fertiggerüst außer Eingriff mit dem Stahlprofil
gebracht wird.