[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren nach dem Oberbegriff des Patentanspruches
1.
[0002] Aus Signal + Draht 71(1979)11, Seiten 225 bis 232 ist ein Verfahren zur Eigenortung
eines spurgebundenen Fahrzeugs im Streckennetz einer Bahnanlage bekannt, die mit Einrichtungen
zur linienförmigen Zugbeeinflussung ausgerüstet ist. Für die Eigenortung gibt es zwei
voneinander unabhängige Ortungseinrichtungen, nämlich einen durch Radimpulse eines
Fahrzeugrades fortschaltbaren Wegzähler sowie eine Einrichtung zum Erkennen von Linienleiterkreuzungsstellen.
Die Hin- und Rückleiter des Linienleiters sind in regelmäßigen Abständen von z. B,
100 m gekreuzt und erlauben bei Kenntnis der Lage einer ersten Kreuzungsstelle eine
absolute Ortung auf dem betreffenden Gleis der Strecke. Der tatsächliche Fahrort zwischen
benachbarten Kreuzungsstellen wird durch den radbetätigten Wegimpulsgeber festgestellt,
wobei dessen Fahrortangabe durch Gleiten und Schleudern mehr oder weniger fehlerbehaftet
ist. Die Auswertung der Wegimpulsgeber kann deshalb jeweils beim Passieren einer Linienleiterkreuzungsstelle
zurückgestellt werden, so daß die unvermeidbaren Meßabweichungen der Wegmeßeinrichtungen
jeweils auf einen einzigen Linienleiterabschnitt begrenzt sind und sich in den aufeinanderfolgenden
Abschnitten nicht zu einem möglicherweise nicht mehr akzeptablen Wert addieren. Eine
Ausnahme bildet nur der Fall, daß eine Linienleiterkreuzungsstelle nicht erkannt wird;
in diesem Falle akzeptiert das Fahrzeug die vom Wegimpulsgeber fortgeschriebene Fahrzeugposition
bis zu einer folgenden Synchronisierung durch eine Linienleiterkreuzungsstelle. Werden
auch die beiden folgenden Linienleiterkreuzungsstellen nicht erkannt, so geht die
Ortung verloren und das Fahrzeug wird zwangsgebremst.
[0003] Die vorliegende Erfindung baut auf einem derartigem Verfahren zur Eigenortung eines
spurgeführten Fahrzeugs auf, bei dem eine erste durch beliebige Mittel feststellbare
Fahrzeugposition wegabhängig fortgeschrieben wird, bis diese wegabhängig fortgeschriebene
Position schließlich durch eine dann festgestellte aktuellere Information ersetzt
wird. Sie geht aber davon aus, daß eine durch an sich beliebige Mittel bestimmte oder
erkannte Fahrzeugposition für sich genommen nicht unbedingt auch der tatsächlichen
Position eines Fahrzeugs auf der Strecke entsprechen muß. Dies ist z.B. regelmäßig
dann nicht der Fall, wenn der Fahrort eines Fahrzeuges z. B. durch Satellitenortung
festgestellt wird. Die Satellitenortungsergebnisse sind systembedingt mit von Fall
zu Fall unterschiedlichen Toleranzen behaftet, so daß allenfalls festgestellt werden
kann, daß sich ein Fahrzeug in einem Vertrauensintervall zwischen einem oberen und
einem unteren Grenzwert befindet, der sich auf die befahrene Strecke spiegeln läßt.
Im übrigen muß auch davon ausgegangen werden, daß die für die Ortung verwendete Kaufelektronik
fehlerhaft arbeitet und so zu fehlerhaften Ortungsergebnissen, d. h. nicht ordnungsgerecht
plazierten Vertrauensintervallen der Fahrzeugposition führt.
[0004] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, das Verfahren nach dem Oberbegriff des
Patentanspruches 1 so auszugestalten und weiterzubilden, daß es trotz Verwendung von
signaltechnisch nicht sicheren Einrichtungen zur absoluten Ortung und zur relativen
Wegmessung zu Ortungsergebnissen mit sicherheitsrelevanten Vertrauensintervallen führt.
[0005] Die Erfindung löst diese Aufgabe durch die kennzeichnenden Merkmale des Patentanspruches
1. Die nach der Erfindung vorgesehene Fortschreibung der Vertrauensintervalle, die
mehreren üblicherweise nicht synchronisierten Einzelortungsergebnissen zuzuordnen
sind, macht es möglich, diese auf Konsistenz zu prüfen und hieraus ein sicherheitsrelevantes
Vertrauensintervall der Ortung zu bilden; dieses sicherheitsrelevante Vertrauensintervall
kann -sofern zu einem früheren Zeitpunkt bereits ein sicherheitsrelevantes Vertrauensintervall
gebildet wurde- die Rückstellung eines daraus abgeleiteten, beim Fortschreiben durch
unvermeidbare Meßfehler einer relativen Wegmessung aufgeweiteten Vertrauensintervalls
veranlassen.
[0006] Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens
sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0007] Für den Fall, daß die von einem Fahrzeug ermittelten Einzelortungsergebnisse mit
im Satellitenortungssystem zu suchenden Fehlern behaftet sind, schlägt Anspruch 2
vor, die an der Bildung der sicherheitsrelevanten Vertrauensintervalle einer Ortungslösung
zu beteiligenden Vertrauensintervalle der Einzelortungslösungen über Korrekturdaten
nachträglich zu validieren und zu verifizieren, wobei hierfür wiederum auf das wegabhängige
Vertrauensintervall der relativen Wegmessung zurückzugreifen ist.
[0008] Obgleich es prinzipiell egal ist, auf welchen Zeitpunkt ein als sicherheitsrelevant
einzustufendes Vertrauensintervall bezogen wird, schlägt Anspruch 3 hierzu den Zeitpunkt
des letzten in das zu bildende Vertrauensintervall einfließenden Einzelortungsergebnisses
vor. Diese Lösung hat den Vorteil, daß zu diesem Zeitpunkt die fortgeschriebenen Einzelortungsintervalle
der übrigen Einzelortungslösungen bereits vorliegen und so sofort an die Bewertung
der Einzelvertrauensintervalle herangegengen werden kann.
[0009] Gemäß Anspruch 4 sollen die für das Fortschreiben der EinzelVertrauensintervalle
zu berücksichtigenden Vertrauensintervalle der relativen Wegmessung wegabhängig abgespeichert
vorliegen oder auf den Fahrzeugen durch Abschätzung ermittelbar sein; die prognostizierten
Meßfehler können z. B. abhängig sein von der Gleisneigung sowie der Beschleunigung
bzw. Verzögerung der Fahrzeuge.
[0010] Nach der Lehre des Anspruches 5 sollen die an der Bildung eines sicherheitsrelevanten
Vertrauensintervalls beteiligten Einzelortungslösungen auf Konsistenz mit der befahrenen
Raumkurve geprüft werden. Dadurch wird erreicht, daß Einzelortungslösungen, die nicht
gleisselektiv sind, auf Strecken mit Abzweigungen dann nicht mit in die Bildung des
sicherheitsrelevanten Vertrauensintervalls einbezogen werden, wenn die Möglichkeit
besteht, daß sich die Ortungslösung möglicherweise auf ein anderes als das betrachtete
Gleis bezieht.
[0011] Gemäß Anspruch 6 sollen alle Einzelortungslösungen, die nicht in das wegabhängig
fortgeschriebene letzte Vertrauensintervall passen, weil sie entweder zu groß sind
oder sich auf einen physikalisch unmöglichen Verfahrweg beziehen und somit offensichtlich
ungeeignet sind, aussortiert und damit nicht an der Bildung des neuen Vertrauensintervalls
beteiligt werden.
[0012] Für die Konsistenzprüfung der Einzelortungslösungen bedarf es einer gewissen Zeit.
Diese Zeit kann insbesondere bei der Verwendung differenzieller Korrekturdaten bei
GNSS (Global Navigation Satellit System) in der Größenordnung von einigen Sekunden
liegen. Dann soll nach der Lehre des Anspruches 7 die Rückstellung des wegabhängig
fortgeschriebenen letzten Vertrauensintervalles auf ein aktuelles neues Vertrauensintervall
erst nach Abschluß der Validierung und Verifizierung zu einem dann in der Vergangenheit
liegenden Bezugszeitpunkt erfolgen.
[0013] Wenn eine solche rückwirkende Zurückstellung eines wegabhängig fortgeschriebenen
Vertrauensintervalles auf ein dann aktuelles sicherheitsrelevantes Vertrauensintervall
erforderlich ist, dann ist das Fahrzeug inzwischen mehr oder weniger weit vorgerückt
und die dann zurückgestellten Vertrauensintervallgrenzen sind für die aktuelle Fahrzeugortung
nicht mehr aktuell. Aus diesem Grunde sehen die Merkmale des Anspruches 8 vor, das
Vertrauensintervall der bislang anerkannten Ortung bis zum aktuellen Validierungszeitpunkt
fortzuschreiben und dann zu korrigieren oder die neuen Grenzen des sicherheitsrelevanten
Vertrauensintervall aus dem auf den Bezugszeitpunkt zurückgestellten Vertrauensintervall
durch wegabhängiges Fortschreiben oder durch Berücksichtigung der Fahrgeschwindigkeit
und der Fahrzeit sowie der dabei auftretenden Meßfehler fortzuschreiben.
[0014] Die Einzelortungslösungen sollen gemäß Anspruch 9 vorteilhaft durch Laufzeitmessungen
zu terrestrischen oder extraterrestrischen Ortungssendern gebildet werden. Hierfür
stehen z. B. das Loran C- und das GPS-System zur Verfügung.
[0015] Gemäß Anspruch 10 sollen die Ortungsempfänger dabei in möglichst unterschiedlicher
technischer Ausprägung verwendet werden. Dies schafft die Gewähr dafür, daß etwaige
Fehlverhalten der Ortungsempfänger auf die betreffenden Ortungsempfänger beschränkt
bleiben und keine Auswirkungen haben auf die Ortungsergebnisse anderer Ortungsempfänger;
diese Ausprägung erhöht die Sicherheitsrelevanz des jeweils ermittelten Vertrauensintervalls.
[0016] Nach der Lehre des Anspruches 11 können die einzelnen Ortungslösungen vorteilhaft
auch durch Korrelation aktueller Streckendaten mit entsprechenden Referenzdaten gewonnen
werden, beispielsweise durch Korrelation von Radarsignalen über das Streckenprofil
oder die Korrelation von Beschleunigungssignalen.
[0017] Die Einzelortungslösungen können gemäß Anspruch 12 durch eine bestimmte Anzahl von
vorzugsweise nicht synchronisierten Ortungsempfängern gebildet werden, deren Vertrauensintervalle
wegabhängig fortgeschrieben werden. Ebenso ist es aber auch nach der Lehre des Anspruches
13 möglich, nur einen einzigen Ortungsempfänger zu verwenden, der dann zu mehreren
Zeitpunkten unterschiedliche Einzelortungslösungen liefert, die ihrerseits wieder
wegabhängig fortgeschrieben werden; die letztgenannte Lösung erfordert aber einen
hochzuverlässigen, überwachbaren Ortungsempfänger, weil sich ein etwaiges Fehlverhalten
auf alle Einzelortungsergebnisse auswirken kann.
[0018] Die Erfindung ist nachstehend anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispieles
näher erläutert. Die Zeichnung zeigt in
- Figur 1
- ein Diagramm, aus dem sich das Zurückstellen eines wegabhängig fortgeschriebenen sicherheitsrelevanten
Vertrauensintervalles auf ein dann aktuelles Vertrauensintervall ergibt und in
- Figur 2
- die Spiegelung der einzelnen Vertrauensintervalle auf eine Raumkurve.
[0019] Für das dargestellte Ausführungsbeispiel ist angenommen, daß auf einem spurgeführten
Fahrzeug angeordnete Ortungsempfänger zu verschiedenen Zeitpunkten t1 bis tn Einzelortungsergebnisse
geliefert haben, von denen jedes ein Vertrauensintervall VIP1 bis VIPn aufweist, das
durch die jeweilige Ortungsgenauigkeit definiert ist. Ein Vertrauensintervall bezeichnet
Streckenbereiche beidseits einer konkreten Ortungslösung, innerhalb deren der tatsächliche
Fahrort eines Fahrzeugs mit einer definierten hohen Wahrscheinlichkeit gelegen ist;
das Vertrauensintervall kann sich symmetrisch oder unsymmetrisch zur Ortungslösung
erstrecken und unerschiedlich breit sein. Die Ortungslösungen können von einem oder
von mehreren Ortungsempfängern stammen, die ihre Ortungsergebnisse zu verschiedenen
Zeitpunkten liefern, oder aber auch von nur einem einzigen Ortungsempfänger, der zu
unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Ortungsergebnisse und ihnen zugeordnete
Vertrauensintervalle bereitstellt. Die Vertrauensintervalle in ihrer zeitlichen Folge
sind in Figur 1 schraffiert dargestellt; das Vertrauensintervall VIP1 gilt für den
Zeitpunkt t1, das Vertrauensintervall VIP2 für den Zeitpunkt t2 und das Vertrauensintervall
VIPn für den Zeitpunkt tn. Keine dieser Einzelortungslösungen ist als sicherheitsrelevant
anzusehen, weil jede einzelne Ortungslösung z. B. durch einen Gerätedefekt total falsch
sein kann. Durch Konsistenzprüfungen läßt sich aber aus mehreren Einzelortungsergebnissen
ein Ortungsergebnis mit sicherheitsrelevantem Vertrauensintervall bilden, indem diese
Einzelortungsergebnisse und ihre individuellen Vertrauensintervalle untereinander
auf Konsistenz geprüft werden. Bis zu diesem Zeitpunkt kann das Fahrzeug -sofern früher
schon einmal ein sicherheitsrelevantes Vertrauensintervall (auch ein solches der Größe
null) bestimmt wurde, ein fahrwegbezogenes Vertrauensintervall der Ortung anerkennen,
wie es in Figur 2 durch die beiden dick ausgezogenen oberen und unteren Grenzwerte
so,t0* und su,t0* definiert ist; t0 bezeichnet dabei den in der Vergangenheit liegenden
Rücksetzzeitpunkt, zu dem letztmalig ein absolutes Ortungsergebnis als sicherheitsrelevant
anerkannt wurde. Dies kann z. B. das Passieren einer ortsfesten Beeinflussungseinrichtung
gewesen sein oder das Anerkennen eines durch Laufzeitmessungen ermittelten Ortungsergebnisses
mit einem entsprechenden sicherheitsrelevanten Vertrauensintervall. Die der Position
des Fahrzeugs zum Zeitpunkt t0 zugeordneten Vertrauensintervallgrenzen sind nach Maßgabe
von worst-case Annahmen durch eine fahrzeugseitige Wegmessung fortgeschrieben worden,
wobei mit zunehmender Fahrstrecke der ungünstigstenfalls anzunehmende Wegmeßfehler
zu einer ständigen Vergrößerung des Vertrauensintervalls der Ortung führt.
[0020] Es ist dabei nicht so, daß die Position des Ortungsergebnisses zum Zeitpunkt t0 unter
Ansatz des seither zurückgelegten Fahrweges fortgeschrieben wird, wodurch der jeweilige
Fahrort eines Fahrzeugs ermittelbar wäre, sondern die Vertrauensintervallgrenzen dieser
Positionslösung werden unter Ansatz der maximalen Mißweisung der fahrzeugseitigen
Wegmeßeinrichtungen fortgeschrieben.
[0021] Das so gebildete Vertrauensintervall der zum Zeitpunkt t0 als sicherheitsrelevant
anerkannten absoluten Ortungslösung soll nun durch das sicherheitsrelevante Vertrauensintervall
einer neuen absoluten Ortungslösung abgelöst werden, die auf einen späteren Zeitpunkt,
nämlich den Bezugszeitpunkt tb, bezogen ist und mit der die bislang aufgelaufenen
Ortungsfehler der fahrzeugseitigen Wegmessung im Ergebnis möglichst weitgehend abgebaut
werden sollen. Eine vollständige Kompensation des Einflusses von Wegmeßfehlern auf
das Vertrauensintervall der Ortung wäre möglich, wenn das aktuelle neue Vertrauensintervall
ohne Zuhilfenahme der relativen Wegmessung gefunden werden könnte, z.B. wenn gleichzeitig
mehrere Ortungsergebnisse für den gleichen Fahrort vorliegen würden. Das ist aber
nicht der Fall, weil die zum Bilden eines als sicherheitsrelevant anzuerkennenden
Ortungsergebnisses verwendeten Einrichtungen zur Positionsermittlung annahmegemäß
nicht zeitlich synchronisiert sind, sondern ihre Einzelortungsergebnisse zu unterschiedlichen
Zeitpunkten t1 bis tn im Abstand von z. B. 1 sec. bereitstellen. Zum Zeitpunkt tn
sollen dabei soviele Einzelortungsergebnisse vorliegen, daß daraus durch Konsistenzprüfung
nach dem m vom n-Prinzip ein absolutes Ortungsergebnis mit sicherheitsrelevantem Vertrauensintervall
gebildet werden kann.
[0022] Zu diesem Zweck werden die Grenzen des Vertrauensintervalls VIP1 des zum Zeitpunkt
t1 ermittelten Einzelortungsergebnisses P1,t1 unter Berücksichtigung der maximal möglichen
Mißweisung der fahrzeugseitigen Wegmessung wegabhängig bis zum Bezugszeitpunkt tb
fortgeschrieben, wobei sich das Vertrauensintervall dieses Ortungsergebnisses durch
die zu berücksichtigenden Meßfehler der fahrzeugseitigen Wegmessung vergrößert; die
Aufweitung des Vertrauensintervalls ist in Figur 1 durch gestrichelte Linien angedeutet.
Die Meßfehler können als über den Weg konstant angenommen sein oder wie im dargestellten
Ausführungsbeispiel angenommenen fahrortbezogen variieren. Das Fortschreiben des Einzelvertrauensintervalls
läßt sich z. B. dadurch herbeiführen, daß in einem Streckenatlas die Parameter zur
Bildung des Vertrauensintervalls der fahrzeugseitigen Wegmessung fahrortabhängig hinterlegt
sind. Die nach der einen oder anderen Seite möglichen Meßfehler können für die einzelnen
Fahrorte verschieden sein; so ergeben sich z. B. durch an einzelnen Fahrorten zu erwartendes
Schleudern oder Gleiten infolge von Anfahr- oder Bremsvorgängen Wegmeßfehler, die
in der einen oder anderen Richtung besonders ausgeprägt sind. Diese möglichen Wegmeßfehler
können auch während des Fahrens z. B. durch Berücksichtigung von plötzlichen Beschleunigungen
oder Verzögerungen in Verbindung mit den Signalen der fahrzeugseitigen Wegmeßeinrichtungen
berechnet oder abgeschätzt und dann zur Bildung entsprechender Vertrauensintervalle
der fahrzeugseitigen Wegmessung herangezogen werden.
[0023] Zum Zeitpunkt t2 soll eine fahrzeugseitige Ortungsvorrichtung ein zweites Einzelortungsergebnis
P2,t2 ermittelt haben, dem das Vertrauensintervall VIP2 zuzuordnen ist. Auch dieses
Vertrauensintervall wird wegabhängig nach Maßgabe des Vertrauensintervalls der relativen
Wegmessung fortgeschrieben, wobei sich das Vertrauensintervall zunehmend vergrößert.
Innerhalb der einzelnen Fortschreibungsbereiche kommen für die einzelnen fortgeschriebenen
Vertrauensintervalle gleiche Meßabweichungen zur Anwendung; die fortgeschriebenen
Intervallgrenzen verlaufen parallel zueinander.
[0024] Zum Zeitpunkt tn liegen soviele absolute Einzelortungsergebnisse und soviele Vertrauensintervalle
der Einzelortung vor, daß daraus ein sichheitsrelevantes Vertrauensintervall SVIPb
der absoluten Ortung gebildet werden kann. Dieses Vertrauensintervall ist vorteilhaft
auf den Zeitpunkt tn zu beziehen, an dem das letzte benötigte Einzelortungsergebnis
vorliegt, kann jedoch prinzipiell auch auf jeden beliebigen anderen Zeitpunkt tb bezogen
werden. Zum Bezugszeitpunkt tb=tn werden der maximale und der minimale Wert der zum
Bilden des sicherheitsrelevanten Vertrauensintervalls herangezogenen Vertrauensintervalle
der absoluten Einzelortungsergebnisse ermittelt. Es sind dies im dargestellten Ausführungsbeispiel
die Werte des fortgeschriebenen Vertrauensintervalls VIP2 des zum Zeitpunkt t2 ermittelten
Ortungsergebnisses; die oberen und unteren Grenzen der Einzelvertrauensintervalle
können auch zu verschiedenen Vertrauensintervallen gehören. Auf die auf den Zeitpunkt
tb fortgeschriebenen oberen und unteren Vertrauensintervallgrenzen der Ortungsergebnisse
wird nun das bislang geltende fortgeschriebene Vertrauensintervall der absoluten Ortung
SVIPo* zurückgesetzt. Von dort an vergrößert sich das Vertrauensintervall VIPb mit
dem Vorrücken des Fahrzeugs zunehmend, bis zu einem späteren Zeitpunkt erneut eine
Reduzierung auf einen dann gültigen Wert vorgenommen werden kann. Diese Reduzierung
kann wiederum durch Konsistenzprüfung mehrerer Einzelortungsergebnisse mit individuell
zugeordneten Vertrauensintervallen geschehen oder auch punktförmig beim Passieren
eines dafür vorgesehenen Gleisgerätes. Im letztgenannten Fall wird dann das dieser
Position zugeordnete Vertrauensintervall auf den Wert null oder einen sehr kleinen
Wert gesetzt, andernfalls auf den Wert, der sich aus dem Fortschreiben der Einzelortungsergebnisse
bis zum neuen Bezugszeitpunkt ergibt.
[0025] Bei dem vorstehend erläuterten Ausführungsbeispiel ist vereinfachend angenommen worden,
daß die Konsistenzprüfung der z. B. drei Einzelortungsergebnisse zum Zeitpunkt tb
abgeschlossen ist, so daß zu diesem Zeitpunkt auch die Rückstellung des wegabhängig
fortgeschriebenen sicherheitsrelvanten Vertrauensintervalls einer früheren Ortungslösung
vorgenommen werden kann. Üblicherweise aber benötigt diese Konsistenzprüfung eine
bestimmte Zeitspanne, so daß zwischen dem Zeitpunkt ta der Berechnung eines aktuellen
Vertrauensintervalls und dem Zeitpunkt tb, auf den die Rückstellung erfolgen soll,
eine gewisse Zeitspanne vergeht. Diese Zeitspanne kann durchaus in der Größenordnung
von einigen Sekunden liegen. Die Korrektur des Vertrauensintervalls erfolgt in diesem
Fall auf einen in der Vergangenheit liegenden Bezugszeitpunkt tb. Der aktuelle Fahrort
des Fahrzeugs ergibt sich dann durch Fortschreiben des auf den Bezugszeitpunkt tb
zurückgesetzten Vertrauensintervalls SVIPb nach Maßgabe der oberen und unteren Grenze
des seither zurückgelegten Fahrweges Lu, ta bzw. Lo, ta unter Berücksichtigung der
möglichen Mißweisungen der Wegmessung zwischen dem Bezugszeitpunkt und dem aktuellen
Zeitpunkt ta, an dem die Validierung und Verifizierung der Einzelpositionslösungen
abgeschlossen ist. Das Fortschreiben der rückgesetzten Vertrauensintervallgrenzen
läßt sich auch aus der Vorrückgeschwindigkeit des Fahrzeugs zwischen dem Bezugszeitpunkt
und dem aktuellen Zeitpunkt und der dadurch definierten Fahrzeit ermitteln, wobei
etwaige zu berücksichtigende Meßfehler dabei die Vertrauensintervallgrenzen aufweiten.
[0026] Im vorstehenden ist vereinfacht angenommen worden, daß die absoluten Einzelortungsergebnisse
zu den Zeitpunkten t1, t2 bis tn ermittelt und ihre Vertrauensintervalle ab diesen
Zeitpunkten fortgeschrieben werden. Tatsächlich ist es so, daß zwar zu den vorgenannten
Zeitpunkten Einzelortungsergebnisse gebildet werden, daß diese aber durch erst später
verfügbare Korrekturwerte des Satellitenortungssystems verifiziert werden. Ähnlich
dem schon geschilderten Zurücksetzen des sicherheitsrelevanten Vertrauensintervalls
SVIPb der absoluten Ortung auf den dann in der Vergangenheit liegenden Bezugszeitpunkt
tb geschieht auch bei den Einzelortungsergebnissen jeweils nach Verifizierung des
Ortungsergebnisses über die dafür vorgesehenen Korrekturdaten eine in die Vergangenheit
gerichtete Rücksetzung der Ortungsergebnisse auf die Zeitpunkte t1 bis tn. Die Rücksetzung
geschieht unter Berücksichtigung des Vertrauensintervalls der fahrzeugseitigen Wegmessung
entlang der in Figur 1 angegebenen gestrichelten Linien für die wegabhängige Berücksichtigung
möglicher Meßabweichungen der relativen Wegmessung. Die rückgesetzten Ortungsergebnisse
und ihre Vertrauensintervalle sind zahlenmäßig die Werte, die an der Bildung des sicherheitsrelevanten
Vertrauensintervalls der auf den Bezugszeitpunkt tb bezogenen absoluten Ortung beteiligt
sind.
[0027] In Figur 2 sind die auf die Zeitpunkte t1, t2 und tn bezogenen verifizierten Einzelortungsergebnisse
in Form von Positionen P1, P2 und Pn auf der verebneten Raumkurve RK eines Gleises
aufgetragen und zwar jeweils zusammen mit dem für sie geltenden Vertrauensintervall.
Es ist erkennbar, daß das auf den Bezugszeitpunkt tb projizierte, als sicherheitsrelevant
anzusehende Vertrauensintervall SVIPb zwar größer ist als das Vertrauensintervall
VIPn des Einzelvertrauensintervalls zum Zeitpunkt tn; das neu ermittelte sicherheitsrelevante
Vertrauensintervall SVIPb ist auf jeden Fall aber kleiner als das wegabhängig fortgeschriebene
sicherheitsrelevante Vertrauensintervall SVIPo* der Ortungsposition zum Zeitpunkt
t0.
[0028] Die Einzelortungslösungen, deren individuelle Vertrauensintervalle an der Bildung
eines sicherheitsrelevanten Vertrauensintervalls beteiligt werden sollen, werden vor
der Konsistenzprüfung ihrer Vertrauensintervalle daraufhin geprüft, ob sie mit der
Raumkurve und deren physikalisch möglichen, durch die Historie vorgegebenen Verfahrwegen
konsistent sind. Dabei wird geprüft, ob die Einzelortungslösungen alle auf der gleichen
Raumkurve liegen, wobei sicherzustellen ist, daß zwischen aufeinanderfolgenden Einzelortungslösungen
kein mindestens dreiwertiger Gleisknoten existiert. Dann nämlich können Einzelortungslösungen
mehrdeutig sein und sich auf mehrere Raumkurven beziehen; ihre Vertrauensintervalle
dürfen deshalb an der Ermittlung eines als sicherheitsrelevant anzusehenden gleisselektiven
Vertrauensintervalls nicht mitwirken und müssen aus dem Spektrum der verfügbaren,
in die Bildung eines sicherheitsrelevanten Vertrauensintervalls einfließenden Einzelvertrauensintervalle
aussortiert werden, es sie denn, die Spurführung über diesen Gleisknoten liegt eindeutig
fest und wird z. B. von einem Stellwerk garantiert.
[0029] Entsprechendes gilt auch für solche Einzelvertrauensintervalle, die größer sind als
das seitlich korrespondierende als sicherheitsrelevant anerkannte, durch Anwendung
des Vertrauensintervalls der relativen Wegmessung fortgeschriebene Vertrauensintervall
des letzten absoluten Ortungsergebnisses. Bei solchen Vertrauensintervallen handelt
es sich offensichtlich um Ausreißer, die an der sicherheitsrelevanten Vertrauensintervallermittlung
nicht zu beteiligen sind, weil sie verhindern würden, daß sich das fortgeschriebene
sicherheitsrelevante Vertrauensintervall zurücksetzen ließe.
[0030] Die Einrichtungen zur Eigenortung spurgeführter Fahrzeuge in einem Fahrwegnetz können
u.a. die Laufzeiten von terrestrischen oder extraterrestrischen Ortungssendern zu
einem Ortungsempfänger bestimmen, um hieraus die jeweilige Fahrzeugposition zu berechnen;
von Vorteil ist dabei die Verwendung von Ortungsempfängern in unterschiedlicher technischer
Ausgestaltung, weil hierdurch die Gefahr nicht erkennbarer, auf gleichen Störeinflüssen
beruhender Ortungs- und Meßfehler vermindert wird.
[0031] Die fahrzeugseitigen Ortungseinrichtungen können die jeweilige Fahrzeugposition aber
auch z.B. durch Korrelation von aktuellen, sich auf die Strecke beziehenden Sensorsignalen
mit entsprechenden, in einem Speicher abgelegten Referenzsignalen bestimmen.
1. Verfahren zum Bilden des sicherheitsrelevanten Vertrauensintervalls einer fahrzeugseitig
ermittelten Position eines spurgebundenen Fahrzeugs auf einer Raumkurve,
dadurch gekennzeichnet,
daß zeitlich und/oder örtlich versetzt mehrere Einzelortungsmessungen durchgeführt
werden und daß die den Einzelortungsergebnissen zugeordneten Vertrauensintervalle
(VIP1, VIP2, VIPn) der Ortung durch Anwendung des Vertrauensintervalls einer relativen
Wegmessung wegabhängig bis hin zu einem Bezugszeitpunkt (tb) fortgeschrieben werden,
zu dem eine vorgegebene Mindestanzahl (n) von Einzelvertrauensintervallen vorliegt
und daß die maximalen oderen und unteren Grenzen aller auf den Bezugszeitpunkt (tb)
fortgeschriebenen Einzelvertrauensintervalle die Grenzen des zu bildenden sicherheitsrelevanten
Vertrauensintervalls (SVIPb) bilden und daß - sofern vorhanden - das zuletzt als sicherheitsrelevant
anerkannte und ebenfalls durch Anwendung des Vertrauensintervalls der relativen Wegmessung
fortgeschriebene absolute Vertrauensintervall (SVIPo) der Ortung durch das aktuelle
sicherheitsrelevante Vertrauensintervall zurückgestellt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die an der Bildung des sicherheitsrelevanten Vertrauensintervalls (SVIPb) beteiligten
Vertrauensintervalle der Einzelortungslösungen durch rückwirkendes Anwenden differenzieller
Korrekturdaten für das verwendete Satellitenortungssystem auf die gefundenen Einzelortungsergebnisse,
jeweils unter Berücksichtigung des Vertrauensintervalls der relativen Wegmessung für
die zwischen dem Bezugszeitpunkt und dem Validierungszeitpunkt der betreffenden Einzelortungslösung
zurückgelegte Wegstrecke, gebildet werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Bezugszeitpunkt (tb) auf den Zeitpunkt (tn) des jeweils zuletzt ermittelten
Einzelortungsergebnisses gelegt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß für das wegabhängige Fortschreiben von Einzel-Vertrauensintervallen fahrortbezogen
hinterlegte oder fahrortbezogen berechnete und/oder geschätzte Parameter zur Vertrauensintervallbildung
der Wegmessung berücksichtigt werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß die an der Bildung des sicherheitsrelevanten Vertrauensintervalls (SVIPb) beteiligten
Einzelortungslösungen (P1,t1; P2,t2, Pn,tn) zuvor auf Konsistenz mit einer Raumkurve
(RK) und deren physikalisch möglichen, durch die Historie vorgegebenen Verfahrwegen
geprüft werden.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Vertrauensintervall einer Einzelortungslösung, die nicht in das aktuelle als
sicherheitsrelevant anerkannte, durch Anwendung des Vertrauensintervalls der relativen
Wegmessung fortgeschriebene Vertrauensintervall fällt, an der Bildung des aktuellen
sicherheitsrelevanten Vertrauensintervalls (SVIPb) nicht beteiligt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Rückstellung des zuletzt als sicherheitsrelevant anerkannten Vertrauensintervalls
(SVIPo*) durch das aktuelle Vertrauensintervall (SVIPb) erst nach Abschluß der Validierung
der Einzelortungsergebnisse und ihrer Vertrauensintervalle zu einem dann in der Vergangenheit
liegenden Bezugszeitpunkt (tb) erfolgt.
8. Verfahren nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
daß für die Bestimmung des Vertrauensintervalls der augenblicklichen Position eines
Fahrzeugs die Grenzen des sicherheitsrelevanten Vertrauensintervalls (SVIPb) zum Zeitpunkt
(tb) ihrer Ermittlung nach Maßgabe der Fahrgeschwindigkeit und der Fahrzeit zwischen
Bezugszeitpunkt (tb) und Validierungszeltpunkt (ta) oder der seither zurückgelegten
Fahrstrecke (Lu, ta; Lo, ta), jeweils unter zusätzlicher Anwendung des Vertrauensintervalls
der relativen Wegmessung, fortgeschrieben werden oder daß die Rücksetzung des Vertrauensintervalls
(SVIPo*) des zuvor als sicherheitsrelevant anerkannten, durch Anwendung des Vertrauensintervalls
der relativen Wegmessung fortgeschriebenen Vertrauensintervalls erst zum Validierungszeitpunkt
geschieht.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Einzelortungslösungen jeweils durch Laufzeitmessungen zu terrestrischen oder
extraterrestrischen Ortungssendern gebildet werden.
10. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß für die Bestimmung der Einzelortungslösungen jeweils Ortungsempfänger in möglichst
diversitärer technischer Ausprägung verwendet werden.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Einzelortungslösungen jeweils durch Korrelation aktueller Streckendaten auf
zuvor in einem Streckenatlas hinterlegte entsprechende Referenzdaten gebildet werden.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Einzelortungslösungen unter Verwendung mehrerer Ortungsempfänger auf einem
oder mehreren Fahrzeugen eines Zugverbandes ermittelt und über mindestens ein Ortungsmodul
der Streckenkilometrierung zuordnet werden, die den Bezug zur relativen Wegmessung
und dem fahrortbezogenen Vertrauensintervall der relativen Wegmessung herstellt.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Einzelortungslösungen unter Verwendung mindestens eines Ortungsempfängers
auf einem Fahrzeug ermittelt werden, der mehrere Einzelortungslösungen zu aufeinander
folgenden Zeitpunkten erstellt, und daß diese Einzelortungslösungen über ein Ortungsmodul
der Streckenkilometrierung zugeordnet werden, die den Bezug zur relativen Wegmessung
und dem fahrortbezogenen Vertrauensintervall der relativen Wegmessung herstellt.