[0001] Die Erfindung betrifft ein Übungsgeschoß mit einer Geschoßhülle und einem Aufschlagzünder.
[0002] Ein gattungsgemäßes Übungsgeschoß, insbesondere für Artilleriewaffen, ist aus der
DE 35 31 688 A1 bekannt. Bei diesem bekannten Übungsgeschoß wird beim Zielaufschlag
der Boden des Geschosses mittels einer Hohlladung abgesprengt, so daß aus der entsprechenden
bodenseitigen Öffnung zur besseren Sichtbarmachung des Auftreffpunktes mittels einer
Deutladung erzeugter Rauch austritt.
[0003] Nachteilig ist bei diesem bekannten Übungsgeschoß unter anderem, daß die Herstellkosten
aufgrund der verwendeten Hohlladung relativ hoch sind, und daß sie bei Aktivierung
der Hohlladung eine gegenüber vergleichbaren scharfen Sprenggeschossen zu starke Blitzwirkung
besitzen. Außerdem ist die Entsorgung der Munitionsteile sehr kostenintensiv.
[0004] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Übungsgeschoß, insbesondere
für Artilleriewaffen, anzugeben, welches im Vergleich zu bekannten Übungsgeschossen
kostengünstiger fertigbar ist, bei seinem Auftreffen im Ziel nur zu einer geringen
Lärmbelästigung führt und außerdem bei seiner Detonation eine gute Signatur aufweist.
[0005] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Weitere vorteilhafte
Ausgestaltungen der Erfindung offenbaren die Unteransprüche.
[0006] Im wesentlichen liegt der Erfindung der Gedanke zugrunde, in dem Übungsgeschoß mittig
ein von einer Inertmasse umgebenes Rohr aus Kunststoff oder Metall anzuordnen, welches
abschnittsweise mit Sprengstoff (Wirkladungen) gefüllt ist, wobei die einzelnen Wirkladungen
durch Übertragungsladungen miteinander verbunden sind.
[0007] Das erfindungsgemäße Übungsgeschoß weist eine Reihe von Vorteilen auf:
[0008] Durch die Beabstandung der Wirkladungen wird erreicht, daß relativ große Splitter
bei der Aktivierung der Wirkladungen erzeugt werden, die nach der Detonation des Übungsgeschosses
im Zielgebiet auf einfache Weise entsorgt werden können, zumal durch den bei der Detonation
entstehende Druck das Inertmaterial vollständig von der Geschoßhülle gelöst wird,
wobei die Inertmasse toxikologisch unbedenklich ist und im Zielgebiet verbleiben kann.
[0009] Anders als im Falle der DE 35 31 688 A1 entstehen keine gefährlichen nach hinten
wegfliegenden Splitter, d.h., es ist nur ein geringer Sicherheitsbereich erforderlich.
[0010] Der Detonationsknall ist aufgrund der geringen Sprengstoffmenge gegenüber scharfen
Geschossen stark reduziert.
[0011] Die Deutwirkung (Blitz und Rauch) derartiger Übungsgeschosse ist im wesentlichen
vergleichbar mit entsprechenden scharfen Geschossen.
[0012] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus dem folgenden anhand
einer Figur erläuterten Ausführungsbeispiel.
[0013] In der Fig. wird der Längsschnitt eines Artillerie-Übungsgeschosses dargestellt,
welches mit dem Bezugszeichen 1 versehen ist. Das Übungsgeschoß 1 umfaßt eine Geschoßhülle
2 aus Stahl und einen vorderseitig in die Hülle 2 eingeschraubten Hebestopfen 3, der
zum Verschuß gegen einen als Kopfzünder ausgebildeten Aufschlagzünder (nicht dargestellt)
ausgetauscht wird. In der Geschoßhülle 2 ist ein Körper 5 aus einer z.B. toxikologisch
unbedenklichen Inertmasse angeordnet, der einen zentralaxialen Kanal 6 aufweist. In
diesem Kanal befindet sich ein relativ dünnwandiges Metall- oder Kunststoffrohr 7.
[0014] Erfindungsgemäß sind in dem Rohr 7 abschnittsweise Sprengstoffbereiche (Wirkladungen)
8-11 vorgesehen, die mittels Übertragungsladungen 12 miteinander verbunden sind. Die
Übertragungsladungen 12 sind innerhalb von z.B. aus Kunststoff bestehenden Inertkörpern
13, die gleichzeitig den Abstand der Wirkladungen 8-11 voneinander definieren, angeordnet.
[0015] Die Anzahl und Stärke der Wirkladungen 8-11 ist so gewählt, daß die Zerlegung der
Hülle 2 in der gewünschten Weise (relativ große Splitter) erfolgt und die von einem
Beobachter gesehene Signatur des detonierenden Übungsgeschosses 1 die vorgegebene
Form aufweist.
[0016] Um eine sichere Anfeuerung der aus den Wirk- und Übertragungsladungen bestehenden
Sprengstoffsäule zu erreichen, hat es sich als vorteilhaft erwiesen, wenn die dem
Aufschlagzünder benachbarte Wirkladung 11 und die Übertragungsladungen 12 aus einem
überwiegend aus Hexogen- oder Oktogen-haltigen Sprengstoff bestehen. Die weiteren
Wirkladungen 8-10 können dagegen aus Trinitrotoluol (TNT) oder Composition B (Comp
B) bestehen.
[0017] Als vorteilhaft hat es sich ferner erwiesen, wenn in dem Bereich zwischen dem Geschoßboden
14 des Übungsgeschosses 1 und der dem Geschoßoden nächsten Wirkladung 8 eine die Signatur
verbessernde Deutladung 15 angeordnet ist, die aus einer geeigneten pyrotechnischen
Masse zur Verbesserung von Rauch und/oder Blitz besteht. Die Deutladung 15 kann aber
auch aus einer schüttfähigen Inertmasse (z.B. Flammruß) lediglich zur Verbesserung
der Rauchwirkung bestehen.
[0018] Die Erfindung ist selbstverständlich nicht auf das konkret dargestellte Ausführungsbeispiel
beschränkt. So können beispielsweise die Wirk- und Übertragungsladungen auch direkt
in dem in der Fig. mit 6 bezeichneten zentralaxialen Kanal der Inertmasse 5 angeordnet
werden. Die Verwendung eines separaten Rohres weist den großen Vorteil auf, daß die
gesamte aus Wirk-, Deut- und Übertragungsladungen bestehende Sprengstoffsäule als
vorgefertigte Einheit hergestellt und nach Entfernung des Hebestopfens 3 durch die
vorderseitige Öffnung der Geschoßhülle 2 in diese eingebracht werden kann. Die Inertmasse
5 wird entweder vor dem Einsetzen des Rohres bzw. der vorgefertigten Einheit oder
anschließend in Form eines entsprechenden schüttfähigen oder gießfähigen Materials
in die Geschoßhülle gefüllt.
Bezugszeichenliste
[0019]
- 1
- Übungsgeschoß
- 2
- Geschoßhülle, Hülle
- 3
- Hebestopfen, austauschbar gegen Aufschlagzünder
- 5
- Körper, Inertmasse
- 6
- Kanal
- 7
- Metall-, Kunststoffrohr
- 8-11
- Sprengstoffbereiche, Wirkladungen
- 12
- Übertragungsladung
- 13
- Inertkörper
- 14
- Geschoßboden
- 15
- Deutladung
1. Übungsgeschoß mit einer Geschoßhülle (2) und einem Aufschlagzünder, wobei
a) in dem Geschoß (1) mittig ein Rohr (7) angeordnet ist, welches sich über den größten
Teil der Geschoßlänge erstreckt und von Inertmasse (5) umgeben ist,
b) in dem Rohr (7) mindestens zwei voneinander beabstandete Wirkladungen (8-11) angeordnet
sind, welche mittels Übertragungsladungen (12) miteinander verbunden sind.
2. Übungsgeschoß nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Übertragungsladungen (12) innerhalb von Inertkörpern (13) angeordnet sind.
3. Übungsgeschoß nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei dem Aufschlagzünder um einen Kopfzünder handelt.
4. Übungsgeschoß nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß in dem Bereich zwischen dem Geschoßboden (14) und der dem Geschoßboden nächsten
Wirkladung (8) eine Deutladung (15) innerhalb des Rohres (7) angeordnet ist.
5. Übungsgeschoß nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei der Deutladung (15) um eine pyrotechnische Ladung handelt.
6. Übungsgeschoß nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei der Deutladung (15) um Flammruß handelt.
7. Übungsgeschoß nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß das Rohr (7) aus Kunststoff oder Metall besteht.
8. Übungsgeschoß nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens ein Teil der Wirkladungen (8-10) aus TNT oder Comp B besteht.
9. Übungsgeschoß nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die dem Aufschlagzünder benachbarte Wirkladung (8) aus einem Hexogen- oder Oktogenhaltigen
Sprengstoff besteht.
10. Übungsgeschoß nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Übertragungsladungen (12) aus einem Hexogen- oder Oktogenhaltigen Sprengstoff
bestehen.
11. Übungsgeschoß nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß das Rohr (7) durch einen zentralaxialen Kanal (6) der Inertmasse (5) gebildet
wird.