[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von vergütetem Holz durch Tränken
mit wasserlöslichen Stoffen, um die Dimensionsstabilität, den Schutz gegen schädliche
Organismen oder gegen Entflammbarkeit zu verbessern.
[0002] Holz verändert seine Abmessungen unter dem Einfluß wechselnder Feuchtigkeit je nach
Holzart in unterschiedlichem Maße. Dieses Quellen und Schwinden (Feuchteverformung)
führt in der Holzverwendung zu den allgemein bekannten Schwierigkeiten, besonders
bei paßgenauen Gegenständen wie Fenstern, Türen, Fußböden usw. Eine besonders große
Feuchteverformung erleiden die einheimischen Splinthölzer wie Buche, Birke, Pappel
oder Fichte wegen des Fehlens von stabilisierenden und pilzwidrigen Kernholzsubstanzen.
Sie sind daher besonders den kernholzreichen Tropenhölzern im praktischen Wettbewerb
unterlegen.
[0003] Das Problem der Reduzierung der Feuchteverformung von Holz ist schon Gegenstand zahlreicher
Bemühungen in Wissenschaft und Praxis gewesen (Burmester, A.: Formbeständigkeit von
Holz gegenüber Feuchtigkeit. BAM - Berichte Nr. 4, Berlin 1970). So ist bekannt, Holz
mit wasserlöslichen Substanzen zu tränken, die in den Zellwänden eingelagert werden
und dadurch das Schwinden verringern. Die Tränkung erfolgt nach dem bekannten Kesseldruck-Verfahren.
Voraussetzung für den Tränkerfolg ist die Verwendung von gleichmäßig lufttrockenem
Holz. Nach der Tränkung ist eine nochmalige Trocknung notwendig, was zusätzliche Kosten
verursacht.
[0004] Die Imprägnierung von saftfrischem Holz erfordert dagegen eine andere Technologie.
Sie kann nach dem Boucherie-Verfahren durchgeführt werden, wobei die wässrige Tränklösung
unter leichtem Druck in die Hirnfläche eines Rundholzes eingepreßt wird, so daß der
im Holz befindliche Baumsaft herausgedrückt und durch die Lösung ersetzt wird. Diese
Technik wurde bisher nur für Nadelholz zur Herstellung von Leitungsmasten angewendet.
[0005] An Laubhölzern wurde ein derartiges Verfahren noch nicht praktiziert. Grundsätzlich
ist dieses sogenannte Saftverdrängungsverfahren aber auch bei Laubhölzern anwendbar,
wie in eigenen Versuchen festgestellt wurde.
[0006] Zu erwähnen ist außerdem das Wechseldruck-Verfahren, das in der Kesseldruck-Anlage
durchgeführt wird. Nach eigenen Versuchen bringt es bei frischem Buchenholz unbefriedigende
Ergebnisse.
[0007] Wasserlösliche Vergütungsmittel bleiben nach dem Einbringen in trockenes Holz durch
das Kesseldruck-Verfahren weiterhin löslich und sind daher leicht auslaugbar.
[0008] Außerdem ist das Holz wegen der hohen Hygroskopizität dieser Stoffe feuchter als
normal. Das sind für die praktische Anwendung gravierende Mängel, welche die Anwendungsmöglichkeiten
einschränken. Man hat bisher vergeblich versucht, dieses Problem zu lösen: Bei Holzschutzmitteln
ohne fixierenden Chromanteil, z. B. Kupfersulfat, ist es nicht gelungen, die Auslaugbarkeit
zu beseitigen (Bewertung der Auswaschgefährdung von nicht fixierenden wasserlöslichen
Holzschutzmitteln.F-94/18.
[0009] DGfH-aktuell 8-96, München). Auch der zur Holzstabilisierung geeignete Zucker läßt
sich bisher nicht im Holz verankern; er bleibt hygroskopisch und auswaschbar. Daher
hat dieses Stabilisierungsverfahren bisher keine praktische Anwendung für den Außenbereich
erfahren.
[0010] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Vergütung von Holz zwecks
Verbesserung seiner Formbeständigkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber holzzerstörenden
Organismen zu entwickeln, das sowohl diesen Anforderungen gerecht wird als auch die
Auslaugbarkeit der Vergütungsstoffe und die überhöhte Hygroskopizität ausreichend
vermindert.
[0011] Dieses Ziel wird erfindungsgemäß dadurch erreicht, daß Holz im saftfrischen Zustand
mit Lösungen von stabilisierenden und/oder holzschützenden Stoffen getränkt wird,
denen ein Sauerstoff-Donator zugemischt wurde. Es wurde nämlich Befunden, daS die
gleichzeitige Zuführung von Zucker und z.B. Wasserstoffperoxid in frisches Holz eine
biochemische Reaktion auslöst, die, dazu führt, daß neuartige komplexe Substanzen
in den Holzzellen gebildet werden, die einerseits eine Reduzierung der Feuchteverformung
sowie der Hygroskopizität und andererseits einen Verschluß der Wasserleitbahnen in
den Zellen bewirken. Diese Vorgänge sind nur in frischem Holz mit intaktem Enzymsystem
möglich; sie sind daher in trockenem Holz unter Anwendung des Kesseldruck-Verfahrens
nicht erreichbar.
[0012] Die notwendige Sauerstoffmenge wurde experimentell bestimmt, wobei eine 30%ige Wasserstoffperoxid-Lösung
als Sauerstoffquelle verwendet wurde. Sie hängt von mehreren Parametern wie Zuckermenge,
Holzart, gewünschtem Stabilisierungs- und Hydrophobierungsgrad ab. Daher muß der Bereich
zwischen den Grenzen 0,01 und 2,50% 30%iger Wasserstoffperoxid-Lösung, bezogen auf
die Menge der Vergütungsstoff-Lösung, abgegrenzt werden. Ein Mehr davon ist zwar unschädlich,
aber unwirtschaftlich. Andere Sauerstoff-Donatoren, wie z. B. Kaliumpermanganat, sind
entsprechend ihrem freiwerdenden Sauerstoffgehalt zu dosieren. Es erwies sich ebenfalls
als wirksam, die Tränklösung intensiv mit Luft zu durchmischen, obwohl dadurch keine
exakte Dosierung erfolgen kann.
[0013] Zur Beschleunigung der an sich langsam verlaufenden Reaktion ist es zweckmäßig, das
getränkte Holz zu erwärmen. Das kann z.B. durch technische Trocknung nach dem Sägen
des Holzes zu Schnittholz geschehen. Eine Wärmeeinwirkung von 60 Grad G verkürzt die
Verfahrenszeit von 3 Wochen auf 3 Tage. Die Erhöhung der Temperatur auf über 65 Grad
C zerstört dagegen das Enzymsystem.
[0014] Das erfindungsgemäße Verfahren kann auch für die Hydrophobierung und Fixierung anderer
wasserlöslicher Stoffe im Holz wie z. B. Farbstoffen oder Feuerschutzmitteln angewendet
werden, da auch der von Natur aus im Holz befindliche Zucker zur Reaktion beiträgt.
Es ist daher förderlich, die Lösung nicht mit Wasser, sondern mit Baumsaft herzustellen.
Es ist auch möglich, Wasserstoffperoxid allein in das Holz einzubringen, wenn lediglich
eine Hydrophobierung erzielt werden soll.
[0015] Das erfindungsgemäß mit Zucker und Sauerstoff vergütete Holz zeichnet sich gegenüber
dem ursprünglichen Zustand durch hohe Formbeständigkeit aus. Tabelle 1 enthält Angaben
über die Volumenschwindung einiger wichtiger Tropenhölzer (aus Langendorf, Schuster,
Wagenführ: Rohholz. Fachbuchverlag Leipzig 1972) und im Vergleich dazu die entsprechenden
Werte von Buchen-, Birken- und Fichtenholz, unbehandelt und vergütet durch Tränkung
mit 20%iger Saccharoselösung sowie 1,5% Wasserstoffperoxid-Lösung (30%ig).
Tabelle 1
| Volumenschwindung ßo von Holz |
| Tropenholz |
einheimisches Holz |
| Holzart |
Schwindung |
Holzart |
Schwindung |
| Mahagoni |
11,3% |
Buche |
17,9% |
| Meranti |
12,6% |
Buche vergütet |
9,7% |
| Palisander |
9,7% |
Birke |
13,7% |
| Wenge |
13,8% |
Birke vergütet |
4,3% |
| Teak |
8,2% |
Fichte vergütet |
7,6% |
[0016] In Tabelle 2 sind Werte zur Hygroskopizität von Buchenholz im Frischzustand nach
der erfindungsgemäßen Behandlung und zur Ausgleichsfeuchtigkeit im Klima 20/65 DIN
50014 nach verschiedenartiger Behandlung angegeben.
Tabelle 2
| Feuchtigkeit von Buchenholz |
| Behandlungsart |
Frischfeuchte |
20/65 Ausgleichsfeuchte |
| unbehandelt |
61,0% |
13,1% |
| zuckergetränkt |
68,0% |
16,2% |
| stab. + hydr. |
43,0% |
12,8% |
[0017] Der eingelagerte Zucker ist infolge der durch den Sauerstoff-Donator ausgelösten
biochemischen Reaktion verändert und in den Zellen eingeschlossen. Zur Herstellung
dieses vergüteten Holzes werden unproblematische natürliche Rohstoffe verwendet. Es
entstehen keine Entsorgungsprobleme sowohl bei der Tränkung als auch später mit der
Beseitigung des sonst nicht mehr benötigten Materials.
[0018] Das vergütete Holz selbst kann dank der Dimensionsstabilität und Hydrophobierung
nicht nur im Innenbereich, sondern auch im Außenbereich eingesetzt werden. Nach dem
erfindungsgemäßen Verfahren vergütetes Birkenholz ist sogar formbeständiger als das
in dieser Hinsicht besonders geschätzte Teakholz. Für die bisher nur beschränkt verwendbaren
Splinthölzer ergeben sich zahlreiche neue Anwendungsmöglichkeiten, die bisher den
Tropenhölzern vorbehalten waren. Das vergütete Holz weist in Aussehen, Festigkeit,
Bearbeitbarkeit, Geruch usw. neben seiner Formbeständigkeit nur positive Eigenschaften
auf. Die folgenden Beispiele erläutern im einzelnen die Durchführung des Vergütungsverfahrens.
Beispiel 1.
[0019] Frisch gefälltes Buchenholz wird möglichst bald im Saftverdrängungsverfahren getränkt.
Die zulässige Zeitspanne zwischen Fällung und Tränkung ist je nach der Jahreszeit
verschieden lang, weil die Tränkbarkeit infolge der Austrocknung des Rundholzes herabgesetzt
wird. Der Tränklösung, die z. B. aus 30% Glukose und 70% Wasser besteht, wird erfindungsgemäß
eine Menge von 1,5% Wasserstoffperoxid (30%ig) zugemischt. Die Zucker- und Sauerstoffkonzentration
kann jedoch entsprechend dem gewünschten Vergütungsgrad variiert werden. Diese Tränklösung
wird dem Rundholz unter einem Druck von 1 bar zugeführt, wobei dieser Druck in seiner
Höhe dem Widerstand angepaßt werden muß, den das jeweilige Holz der Durchtränkung
entgegenbringt. Die Zuführung der Lösung erfolgt mit einer Spezialvorrichtung, die
nicht Gegenstand dieser Erfindung ist. Sie besteht grundsätzlich aus einer metallenen
Glocke, die über eine elastische Manschette mit dem Rundholz verbunden wird, so daß
der gesamte Holzquerschnitt von der Tränklösung durchdrungen werden kann.
[0020] Die Durchtränkung des einen Meter langen Rundholzes ist nach 30 Minuten beendet.
Längere Hölzer erfordern eine dementsprechend längere Tränkzeit. Die aus dem Holz
austretende Flüssigkeit, die anfangs nur aus Baumsaft besteht, besitzt schließlich
die volle Zuckerkonzentration der zugeführten Tränklösung. Sie wird nach Wiederherstellung
der Sollkonzentration verlustlos weiterverwendet. Das getränkte Holz wird etwa drei
Wochen lang gelagert. In dieser Zeit ist die Diffusion des Zuckers in die Zellwände
und die Reaktion von Zucker und Holzbestandteilen mit dem Sauerstoff beendet. Anschließend
wird das Rundholz zu Schnittware weiterbearbeitet.
Beispiel 2.
[0021] Buchenholz wurde auf dieselbe Weise, wie in Beispiel 1 beschrieben, jedoch nur mit
20%iger Saccharose-Lösung und 1% Wasserstoffperoxid-Lösung (30%ig) behandelt.
[0022] Nach der Tränkung wurde anstelle einer dreiwöchigen Lagerung eine dreitägige Wärmebehandlung
bei 60 Grad C durchgeführt.
[0023] Die Volumenschwindung konnte dadurch auf 10,4% vermindert werden, obwohl nur zwei
Drittel der Zuckermenge wie in Beispiel 1 verwendet wurde. Hierdurch zeigt sich die
bessere Verteilung des Zuckers in den Zellwänden zusätzlich zur Zeitersparnis. Das
Holz nimmt außerdem einen angenehmen braunen Farbton an.
Beispiel 3.
[0024] Frisches Fichtenholz mit einem Wassergehalt von 120% wurde mit einer wässrigen Lösung,
bestehend aus 12% Saccharose, 7% Kaliumsulfat, 1,4% Borsäure und 0,7% Wasserstoffperoxid
(30%ig), im Saftverdrängungsverfahren getränkt und 3 Wochen lang gelagert. Die Volumenschwindung
betrug 2,8% gegenüber 7,0% im unbehandelten Zustand, und die Holzfeuchtigkeit war
um 30% zurückgegangen.
1. Verfahren zur gleichzeitigen Stabilisierung und Hydrophobierung von Laub- und Nadelholz,
dadurch gekennzeichnet,
daß saftfrisches Holz mit wässrigen Zucker- und/oder Salzlösungen getränkt wird, die
einen zusätzlichen Sauerstoff-Donator enthalten.
1.1 Verfahren nach Patentanspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß als Sauerstoff -Donator Wasserstoffperoxid oder ähnlich wirkende Substanzen verwendet
werden.
1.2 Verfahren nach Patentanspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Tränklösung mit reinem Sauerstoff oder Luftsauerstoff angereichert wird.
1.3 Verfahren nach Patentanspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß Zucker in monomerer, dimerer oder polymerer Form bzw. in Form ihrer Derivate verwendet
werden.
1.4 Verfahren nach Patentanspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß wässrige Lösungen von Mineralsalzen,organischen Salzen oder Holzschutzmitteln
verwendet werden.
1.5 Verfahren nach Patentanspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß als Lösungsmittel Baumsaft verwendet wird.
2. Verfahren zur gleichzeitigen Stabilisierung und Hydrophobierung von Holz,
dadurch gekennzeichnet,
daß saftfrisches Holz mit wässrigen Zucker- und/oder Salzlösungen getränkt wird, die
einen zusätzlichen Sauerstoff-Donator enthalten, und danach einer Wärmeeinwirkung
bis zu einer Temperaturhöhe von 65 Grad C ausgesetzt wird.
3. Verfahren zur gleichzeitigen Vergütung und Hydrophobierung von Holz,
dadurch gekennzeichnet,
daß saftfrisches Holz mit wässrigen Lösungen verschiedenartiger Vergütungsstoffe getränkt
wird,die zusätzlich mit Sauerstoff aus unterschiedlichen Herkunftsquellen angereichert
sind.
3.1 Verfahren nach Patentanspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß als Vergütungsstoff wasserlösliche Farbstoffe verwendet werden.
3.2 Verfahren nach Patentanspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß als Vergütungsstoff Schutzmittel gegen thermische Einwirkungen verwendet werden.