(57) Die Erfindung betrifft einen feuerresistenten nickelfreien Stahl, insbesondere in
Form von Grobblech, mit einer Streckgrenze Re > 280 N/mm
2 und einem Streckgrenzenverhältnis Re/Rm zwischen 0,4 und 0,6 für den Stahlbau mit
folgender chemischen Zusammensetzung (in Masse-%):
0,06 bis 0,20 % C, 0,20 bis 0,30 % Si, 0,5 bis 1,6 % Mn, 0,02 bis 0,045 % A
lösl, 0,5 bis 0,9 % Cr, 0,1 bis 0,4 % Mo, 0,01 bis 0,05 % V, Rest Eisen und unvermeidbare
Verunreinigungen und ein Verfahren zur Herstellung von Grobblechen aus dem genannten
Stahl.
[0001] Die Erfindung bezieht sich auf feuerresistente nickelfreie Stähle mit einer Streckgrenze
Re > 280 N/mm
2 und einem Streckgrenzenverhältnis Re/Rm (Streckgrenze R
e: Zugfestigkeit R
m) zwischen 0,4 und 0,6, insbesondere in Form von Grobblechen für den Einsatz im Stahlbau
sowie ein Verfahren zur Herstellung von Grobblechen daraus.
[0002] Feuerresistente Stähle müssen eine hohe Warmfestigkeit aufweisen, damit im Stahlbau
eine Verringerung von teuren Brandschutzmaßnahmen ermöglicht wird. Gleichzeitig soll
ein feuerresistenter Stahl zur Erzielung eines guten Verformungsverhaltens ein sehr
niedriges Streckgrenzenverhältnis Re/Rm aufweisen. Das erhöht die Sicherheit der Konstruktion
gegen Versagen infolge mechanischer Belastung. Die erfindungsgemäß zu schaffenden
Stähle haben darüberhinaus die an Baustähle für Stahlkonstruktionen gestellten Anforderungen
hinsichtlich Zähigkeit und Verarbeitungsverhalten zu erfüllen und einen erhöhten Widerstand
gegen atmosphärische Korrosion (Wetterfestigkeit) zu besitzen.
[0003] Für den Brandschutz von Stahlkonstruktionen werden Stahlteile derzeit z.B. durch
Spritzputz oder Platten abgedeckt. Ziel ist es, im Brandfall die Dauer bis zum Erreichen
einer kritischen Temperatur möglichst lang zu halten oder diese Temperatur gar nicht
zu erreichen.
[0004] Die kritische Temperatur ist erreicht, wenn der bei dieser Temperatur gemessene Streckgrenzenwert
unter 2/3 des bei Raumtemperatur gemessenen Streckgrenzenwertes abgesunken ist. Konventionelle
Baustähle haben bei etwa 350 °C ihre kritische Temperatur. Durch die Notwendigkeit
bei konventionellen Baustählen teure Brandschutzmaßnahmen in erheblichem Umfang vornehmen
zu müssen, ist eine kostengünstige Bauabwicklung nicht gewährleistet und eine optimale
Raumausnutzung vielfach schwierig.
[0005] Um die Brandschutzmaßnahmen zur Kostenreduzierung bei Stahlbauten zu verringern,
sind bereits eine Reihe geeigneter feuerresistenter Stähle mit Streckgrenzenwerten
von mindestens 270 bis 450 N/mm
2 und erhöhter Warmfestigkeit bekannt, z.B. aus der EP 0 470 055 A2. Die kritische
Temperatur konnte bei ihnen bis max. 600 °C angehoben werden. Dadurch wurde bereits
ein verbesserter Brandschutz erreicht. Die Verbesserung des Verformungsverhaltens
ist jedoch sehr gering, weil das Streckgrenzenverhältnis dieser Stähle nur um höchstens
10 % niedriger liegt als bei konventionellen Baustählen mit gleich hoher Streckgrenze.
[0006] Der vorliegenden Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, Stähle vorzuschlagen,
mit denen Brandschutzmaßnahmen durch eine über den Stand der Technik erhöhte kritische
Temperatur weiter reduziert werden können und die gleichzeitig eine gegenüber bekannten
Stählen verbesserte Verformbarkeit durch ein geringeres Streckgrenzenverhältnis aufweisen.
Hierdurch soll eine kostengünstige und moderne Baugestaltung mit hoher Sicherheit
gegen mechanisches Versagen der Konstruktion ermöglicht und parallel dazu ein erhöhter
Widerstand gegen atmosphärische Korrosion geschaffen werden.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch einen nickelfreien Stahl folgender chemischer
Zusammensetzung (in Masse-%) gelöst:
| 0,06 |
bis 0,20 % |
C, |
| 0,20 |
bis 0,30 % |
Si, |
| 0,50 |
bis 1,60 % |
Mn, |
| 0,020 |
bis 0,045 % |
Allösl, |
| 0,50 |
bis 0,90 % |
Cr, |
| 0,10 |
bis 0,40 % |
Mo, |
| 0,01 |
bis 0,05 % |
V, |
[0008] Rest Eisen mit erschmelzungsbedingten Verunreinigungen.
[0009] Wahlweise kann dieser Stahl zusätzlich ein oder mehrere der folgenden Elemente in
den angegebenen Mengen (in Masse-%) enthalten:
| bis 0,008 % |
N, |
| bis 0,75 % |
Cu, |
| bis 0,0040 % |
B, |
| bis 0,0030 % |
Ca. |
[0010] Der erfindungsgemäße Stahl wird im Stand- oder Strangguß zu Brammen vergossen, die
nach dem Erwärmen auf 1050 bis 1200 °C warmgewalzt werden bei Endwalztemperaturen
im Bereich von 920 bis 1000 °C. Anschließend erfolgt die Abkühlung an Luft. Die so
erzeugten Grobbleche mit Dicken bis 50 mm werden danach im Temperaturbereich von 880
bis 950 °C nicht länger als 30 min normalgeglüht und können zusätzlich im Temperaturbereich
von 400 bis 700 °C angelassen werden.
[0011] Das Normalglühen ähnlich zusammengesetzter Baustähle mit hoher Feuerbeständigkeit
und geringem Streckgrenzenverhältnis war aus der EP 0 347 156 A2 (Tabelle 13, Stähle
13 und 21) bereits an sich bekannt. Die in dieser Schrift offenbarten Stähle haben
jedoch einen höheren Molybdängehalt von 0,4 bis 0,7 %. Sie erreichen im übrigen nicht
das erfindungsgemäß angestrebte niedrige Streckgrenzenverhältnis von 0,4 bis 0,6.
Der einzige in dieser Schrift offenbarte Stahl Nr. 13, der ein Streckgrenzenverhältnis
von 0,6 aufweist und auch bei 600 °C ein noch nicht auf 2/3 abgesunkenes Streckgrenzenverhältnis
aufweist, ist mit Niob und Titan statt mit Vanadium legiert und hat einen höheren
Molybdängehalt von 0,48 % als der erfindungsgemäße Stahl, bei dem der Molybdängehalt
maximal 0,40 % ist.
[0012] Bei Anwendung des erfindinngsgemäßen Verfahrens wird im Stahl ein mehrphasiges Gefüge
erzeugt, das vorwiegend aus Ferrit und Perlit mit eingelagerten bainitisch/martensitischen
Inseln besteht und darüberhinaus fein verteilte Carbidausscheidungen aufweist. Auf
diesem Gefüge beruht die hohe Warmfestigkeit und das niedrige Streckgrenzenverhältnis
als Voraussetzung für eine gute Verformbarkeit des Grobblechs.
[0013] In
Tabelle 1 sind die chemischen Zusammensetzungen und die mechanischen Eigenschaften dreier erfindungsgemäßer
feuerresistenter nickelfreier Stähle in Form von 20, 25 und 40 mm dickem Grobblech
aufgelistet.
[0014] Die Stähle wurden zu Brammen vergossen, die anschließend auf 1150 °C erwärmt und
zu Grobblechen ausgewalzt wurden. Die Endwalztemperatur lag bei 950 °C. Nach dem Walzen
werden die Bleche an Luft abgekühlt und anschließend einer Normalglühung bei 910 bis
930 °C mit weniger als 30 min Haltedauer unterzogen.
[0015] Tabelle 2 enthält die mit den neuen feuerresistenten nickelfreien Stählen erreichten mechanischen
Eigenschaften. Charakteristisch ist insbesondere die deutlich höhere Warmfestigkeit
der erfindungsgemäßen Stähle, die hier durch die Streckgrenze Re bei 600 °C gekennzeichnet
ist, die zwischen 250 und 283 N/mm
2 liegt. Das entspricht einer Streckgrenzenverminderung gegenüber Raumtemperatur mit
mehr als 2,34/3 deutlich über 2/3. Damit kann die kritische Temperatur auf über 600
°C angehoben werden. Dadurch kann der Aufwand für zusätzliche Isolierung gegen ein
Aufheizen des Stahles im Brandfall deutlich reduziert werden. Darüberhinaus wird auch
die verbesserte Verformbarkeit der erfindungsgemäßen feuerresistenten Stähle gegenüber
konventionellen Stählen deutlich. So weisen erfindungsgemäße Stähle mit 0,48 bis 0,54
ein rd. 15 bis 20 % niedrigeres Streckgrenzenverhältnis auf als konventionelle Stähle,
die gleich hohe Streckgrenzenwerte besitzen.
Tabelle 1
| Stahl Nr. |
Blechdicke in mm |
Chemische Zusammensetzung*) in Masse-% |
| |
|
C |
Si |
Mn |
Cr |
Cu |
Mo |
V |
Al |
N |
| 1 |
25 |
0,13 |
0,25 |
0,87 |
0,67 |
0,44 |
0,35 |
0,05 |
0,040 |
0,0049 |
| 2 |
20 |
0,14 |
0,26 |
1,32 |
0,73 |
- |
0,32 |
0,05 |
0,024 |
0,0046 |
| 3 |
40 |
0,13 |
0,26 |
1,56 |
0,75 |
- |
0,37 |
0,05 |
0,022 |
0,0046 |
Tabelle 2
| Prüftemperatur: 20 °C |
600 °C |
| Re |
Rm |
Re/Rm |
A5 |
Z |
Re |
| N/mm2 |
N/mm2 |
|
% |
% |
N/mm2 |
| 321 |
594 |
0,54 |
22 |
64 |
251 |
| 325 |
672 |
0,48 |
26 |
64 |
278 |
| 354 |
691 |
0,51 |
21 |
63 |
283 |
Re - Streckgrenze
Rm - Zugfestigkeit
Re/Rm - Streckgrenzenverhältnis
A5 - Dehnung
Z - Einschnürung |
1. Feuerresistenter nickelfreier Stahl, insbesondere in Form von Grobblech, mit einer
Streckgrenze Re > 280 N/mm
2 und einem Streckgrenzenverhältnis Re/Rm zwischen 0,4 und 0,6 für den Stahlbau, gekennzeichnet
durch folgende chemische Zusammensetzung (in Masse-%):
| 0,06 |
bis 0,20 % |
C, |
| 0,20 |
bis 0,30 % |
Si, |
| 0,50 |
bis 1,60 % |
Mn, |
| 0,020 |
bis 0,045 % |
Allösl, |
| 0,50 |
bis 0,90 % |
Cr, |
| 0,10 |
bis 0,40 % |
Mo, |
| 0,01 |
bis 0,05 % |
V, |
Rest Eisen und unvermeidbare Verunreinigungen.
2. Stahl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß er zusätzlich mindestens eines
der folgenden Elemente in den angegebenen Mengen (in Masse-%) enthält:
| bis 0,008 % |
N, |
| bis 0,75 % |
Cu, |
| bis 0,0040 % |
B, |
| bis 0,0030 % |
Ca. |
3. Verfahren zur Herstellung von Grobblech mit Dicken bis 50 mm aus einem der Stahl der
Zusammensetzung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Stahl im Stand-
oder Strangguß zu Brammen vergossen wird, die nach dem Erwärmen auf 1050 bis 1200
°C warmgewalzt werden bei Endwalztemperaturen zwischen 920 und 1000 °C mit anschließender
Abkühlung an Luft und daß die Grobbleche im Temperaturbereich von 880 bis 950 °C nicht
länger als 30 min normalgeglüht werden.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die warmgewalzten und normalgeglühten
Grobbleche bei Temperaturen im Bereich von 400 bis 700 °C angelassen werden.