[0001] Die Erfindung betrifft einen Kalander mit einem vertikalen Walzenstapel gemäß dem
Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Eine zu behandelnde Warenbahn, insbesondere eine Papierbahn, durchläuft bei einem
solchen Kalander die paarweise von den Walzen begrenzten Arbeitsspalten, die gewöhnlich
in Anlehnung an den angelsächsischen Sprachgebrauch als Nip bezeichnet werden. In
den Nips wird einer Warenbahn Umformarbeit in Form von Druckspannung und Wärme zugeführt,
um der Warenbahn bestimmte Oberflächeneigenschaften zu verleihen und gegebenenfalls
eine gewünschte Dichte herbeizuführen. Die Nips werden vorzugsweise zwischen einer
harten Walze und einer mit einem elastischen Bezug versehenen Walze, einer sogenannten
weichen Walze, gebildet.
[0003] Im untersten Nip des Walzenstapels erzeugen die Eigengewichte der darüber angeordneten
Walzen eine resultierende Druckspannung, die ein vorgegebenes Höchstmaß nicht überschreiten
darf. Die Druckspannung verringert sich in den einzelnen Nips von unten nach oben
entsprechend den Eigengewichten der jeweils oberhalb des betreffenden Nips angeordneten
Walzen. Da die Druckspannung bei der Behandlung der Papierbahn im Nip die Umformrungsarbeit
leistet, wäre es wünschenswert, sie in den einzelnen Nips möglichst gleichförmig zu
verteilen. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß die Druckspannungsverteilung über
die Niplänge im allgemeinen ungleichförmig ist. Dieses Problem der ungleichförmigen
Druckspannungsverteilung wird bisher durch das Vorsehen von oberen und unteren Durchbiegungseinstellwalzen
und/oder Kompensieren überhängender Lasten zu lösen versucht.
[0004] Eine Kompensation der überhängenden Gewichte ist vorzunehmen, da sonst vertikale
Verformungen der Zwischenwalzen hervorgerufen werden, so daß hängende Randpartien
der Walzen unter Anstieg der Druckspannungen an den Walzenrändern und die bekannten
M- bzw. W-Profile in der Streckenlastverteilung unter örtlicher Verdichtung der Warenbahn
entstehen. Durch eine Eliminierung der Eigengewichte von überhängenden Lasten, wie
aus US-A 3,060,843 bekannt, wird versucht, diese Fehler zu beseitigen, damit biegungsfreie
Zwischenwalzen und entsprechend gerade, horizontal verlaufende Nips erhalten werden.
Dazu werden an den Walzenzapfen Entlastungskräfte eingestellt, die jedoch bei einem
fest mit den Walzenzapfen verbundenen Walzenkern zu einer ungleichförmigen Biegung
des Walzenmantels führen können, mit dem Ergebnis, daß die im Nip wirksame Druckspannung
über die Länge der Walzen (d.h. über die Breite des Kalanders) trotz Kompensation
der überhängenden Lasten ungleichförmig wird.
[0005] Aus der EP 0 661 405 A1 ist ein Kalander mit einem vertikalen Walzenstapel bekannt,
der eine Zwischenwalze aufweist, auf der ein hohlzylindrischer Walzenkern rotierbar
gelagert ist. Ein zwischen Walzenachse und Walzenkern verbleibender Raum, kann für
ein Durchleiten eines Heizmediums genutzt werden. Die Walzenachse stützt sich mit
ihren Zapfen in Zwischenwalzenlagern ab, die an Schwenkarmen von Hebelmechanismen
angebracht sind. Nachteilig sind jedoch die aufwendigen zusätzlichen Hebelmechanismen.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es, einen Kalander der genannten Art zu schaffen, der in
konstruktiv einfacher Weise Fehler in der Einstellung einer Nipgeometrie deutlich
verkleinert.
[0007] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Hierdurch wird ein
Kalander geschaffen, bei dem die auf die Zwischenwalzen wirkenden Umformungskräfte
von den hohlzylindrischen Walzenkernen über ihren Walzenlager auf die Walzenachse
wirken und diese deformieren können, ohne daß jedoch diese an der Walzenachse angreifenden
Kräfte Biegemomente auf den Walzenmantel übertragen.
[0008] Die erfindungsgemäße Zwischenwalze ermöglicht nun, das Problem der Verformung der
Zwischenwalzen durch überhängende Lasten einfach und zuverlässig zu beheben. Dadurch,
daß bei einer solchen Zwischenwalze der hohlzylindrische Walzenkern gegenüber der
Walzenachse verlagerbar ist, wirken die an den Zapfen der Walzenachse eingeleiteten
Biegekräfte nicht mehr auf den Walzenkern. Es ist eine Kompensation zwischen Walzenachse
und Walzenkern einstellbar. Das Einleiten von Entlastungskräften zur Kompensation
der überhängenden Lasten aus Walzenzapfen, Walzenachse und Leitmittel kann demnach
entfallen. Ein wesentlicher Vorteil ergibt sich hieraus, da die Walzenachse dann in
einfachen Halterungen an einem Kalanderständer befestigbar ist. Die aufwendigen Hebelmechanismen
können entfallen. Weiterhin kann eine hydrostatische Innenabstützung, wie sie bei
Biegeeinstellwalzen notwendig ist, entfallen.
[0009] Der hohlzylindrische Walzenkern stützt sich vorzugsweise jeweils über Pendelwälzlager
an einer Walzenachse ab, wobei diese Pendelwälzlager verhindern, daß Biegedeformationen
auf den hohlzylindrischen Walzenkern übertragen werden. Wenn der hohlzylindrische
Walzenkern sich über hydrostatisch vertikal verlagerbare Lager an der Walzenachse
abstützt, kann eine feinfühlige Steuerung aller auf die Walzenachse und den hohlzylindrischen
Walzenkern wirkenden Kräfte erreicht werden. Solche Lager können nämlich mit einem
Druck beaufschlagt werden, der auch ausreicht, eine gezielte randseitige Biegung des
hohlzylindrischen Walzenkerns einzustellen. Man hat es dann in der Hand, die Druckspannung
in den einzelnen Nips beliebig zu wählen, um beispielsweise die Höhe der Streckenlast
zu verändern.
[0010] In Horizontalrichtung sind die außer randseitig, nicht abgestützt, so daß sich bei
Deformationen, die beispielsweise durch Antriebskräfte eines Zentralantriebs hervorgerufen
werden, ein ungleichförmiger Nip ausbildet. Dieses Problem läßt sich aber entsprechend
einem früheren Vorschlag der Anmelderin in P 196 50 576.3 dadurch lösen, daß die Drehmomente
bei den jeweils einen Nip begrenzenden Walzen zugeführt werden und die Leistungen
der Antriebsmotoren so geregelt werden, daß die horizontalen Deformationen der Walzen
minimiert werden. Auf diese Weise läßt sich die Nipgeometrie beherrschen, und es werden
keine Schubspannungen über die Papierbahn und die elastischen Walzenbezüge übertragen.
Dieses Konzept ist auch bei dem Kalander gemaß der vorliegenden Erfindung mit Vorteil
anwendbar.
[0011] Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den beigefügten Zeichnungen schematisch
dargestellt und werden nachstehend unter Bezugnahme auf diese erläutert.
Fig. 1 zeigt schematisch einen Teil-Axialschnitt einer ersten Ausführungsform einer
Zwischenwalze eines Kalanders,
Fig. 2 ist ein Radialschnitt nach Linie 3-3 der Fig. 1,
Fig. 3 ist ein Teil-Axialschnitt einer weiteren Ausführungsform,
Fig. 4 ist ein Radialschnitt nach Linie 5-5 der Fig. 3,
Fig. 5 ist ein Axialschnitt einer weiteren Ausführungsform, und
Fig. 7 und 8 zeigen in Seitenansicht Kalander, in denen Zwischenwalzen gemäß Fig.
1 bis 5 montierbar sind.
[0012] Fig. 1 und 2 zeigen schematisch eine Zwischenwalze mit einem hohlzylindrischen Walzenkern
10, der jeweils endseitig über Pendelwälzlager 12 auf einer drehfesten Walzenachse
14 abgestützt ist. Die Pendelwälzlager 12 erlauben ein Rotieren des Walzenkerns 10
auf der Walzenachse 14. Die Walzenachse 14 ist als Balken ausgebildet und stützt sich
mit Walzenzapfen 15 über sphärische Schalen 16 unmittelbar in einer Halterung 61 eines
Kalanderständers 18 (vgl. Fig. 6, 7) ab. Mittel für einen Drehantrieb des Walzenkerns
10 sind nicht dargestellt; vorzugsweise wird man geregelte Synchron- oder Asynchronmotoren
verwenden, die aus Umrichtern gespeist werden.
[0013] Die Pendelwälzlager 12 sind nicht direkt auf der Walzenachse 14 abgestützt, sondern
sitzen jeweils auf einer Kulisse 20, die in Vertikalrichtung beweglich auf der Walzenachse
14 angeordnet ist. Die Kulisse 20 weist dazu eine Walzenachsenaufnahme 21 auf, die
die Walzenachse 14 mit Spiel 23, 23' in Vertikalrichtung aufnimmt, um einen Schub
des hohlzylindrischen Walzenkerns 10 zur Walzenachse 14 zu ermöglichen, was eine Kompensierung
des Einflusses überhängender Lasten sowie eine einfache Ständerbauweise ermöglicht.
Es wird dadurch verhindert, daß Durchbiegungen der Walzenachse 14 auf den Walzenkern
10 übertragen werden.
[0014] Die vertikale Verschiebbarkeit des Walzenkerns 10 zur Walzenachse 14 kann derart
einstellbar ausgeführt sein, daß gemäß einer Ausführungsform nach Fig. 3 und 4 die
Kulisse 20 mittels einer hydrostatischen Abstützung 22 gehalten wird, was den Einfluß
überhängender Lasten vollständig zu eliminieren vermag. Ferner ist eine teilweise
oder vollständige Kompensation oder Uberkompensation des Eigengewichts des Hohlzylinders
möglich, wodurch auf die Höhe der Streckenlast Einfluß genommen werden kann. Die Anspeisung
der hydrostatischen Abstützung 22 erfolgt über eine Bohrung 24 in der Walzenachse
14. Mittels nicht dargestellter Rückleitungen ist das Hydraulikfluid zurückleitbar.
[0015] Eine Ausführungsform nach Fig. 5 unterscheidet sich von der nach Fig. 3 und 4 durch
eine zusätzliche punktuelle Innenabstützung an einzelnen axial beabstandeten Walzenkernbereichen.
Diese zusätzlichen Abstützungen 30 liegen vorzugsweise im Bereich der W-Punkte und
erfolgen hydrostatisch. Der Einfachheit halber ist diese Abstützung nur durch Pfeile
30 angedeutet. Auf diese Weise läßt sich das Linienkraftprofil egalisieren.
[0016] Fig. 6 ist eine schematische Seitenansicht eines Kalanders mit fünf Walzen, von denen
eine Zwischenwalze 52, wie vorstehend zu Fig. 1 bis 4 beschrieben, ausgebildet ist.
Diese Zwischenwalze 52 ist mit ihrer Walzenachse in der von dem Kalanderständer 18
gehaltenen Halterung 61 gelagert. Die Halterung 61 ist als eine starre Halterung ausgebildet,
in der die Walzenachse drehfest gelagert ist. Weitere Zwischenwalzen 50, 54, die nicht
wie vorstehend ausgeführt ausgebildet sind, müssen dagegen in Hebeln 60 gelagert werden,
die eine Einstellung einer gleichmäßigen Streckenlast ermöglichen. Eine obere Walze
56 und eine untere Walze 58 sind als Durchbiegungseinstellwalzen ausgebildet.
[0017] Fig. 7 zeigt einen Kalander entsprechend Fig. 6, bei dem alle Zwischenwalzen 50,
52, 54 gemäß Fig. 1 bis 4 ausgebildet sein können. Die Walzenachsen der Zwischenwalzen
sind alle starr eingespannt in Halterungen 61; die Positionierung der Walzenzylinder
bzw. ein Trennen der Walzen erfolgen mittels der Kulissenführung nach Fig. 1 und 2,
gegebenenfalls unterstützt durch die hydrostatischen Abstützungen nach Fig. 3 und
4.
[0018] Die Kalander gemäß der Fig. 6 und 7 können als Zwischenwalze auch die Ausführungsform
gemäß Fig. 5 verwenden.
[0019] Bei beiden dargestellten Kalanderausführungen sind alle fünf Walzen mit einem eigenen
Antrieb ausgestattet, was nur symbolisch angedeutet ist. Alternativ ist auch ein Zentralantrieb
einsetzbar.
1. Kalander mit einem eine obere Durchbiegungseinstellwalze, eine untere Durchbiegungseinstellwalze
und Zwischenwalzen aufweisenden vertikalen Walzenstapel, wobei mindestens eine der
Zwischenwalzen eine drehfest gelagerte Walzenachse aufweist, auf der sich ein hohlzylindrischer
Walzenkern drehbar abstützt, dadurch gekennzeichnet, daß für eine lediglich endseitige
Abstützung der hohlzylindrische Walzenkern (10) sich vertikal verlagerbar an der zugehörigen
Walzenachse (14) abstützt.
2. Kalander nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der hohlzylindrische Walzenkern
(10) sich mittels Pendelwälzlagern (12) abstützt, die über eine Kulisse (20) gegenüber
der Walzenachse (14) vertikal verfahrbar sind.
3. Kalander nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Kulisse (20) über eine hydrostatische
Abstützung (22) Walzenzapfen (15) einer Walzenachse (14) einstellbar gegenüber dem
hohlzylindrischen Walzenkern (10) vertikal verlagert.
4. Kalander nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der hohlzylindrische
Walzenkern (10) eine zusätzliche punktuelle Innenabstützung (30) an einzelnen axial
beabstandeten Walzenkernbereichen aufweist.
5. Kalander nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die drehfeste
Walzenachse (14) der Zwischenwalzen mit einem hohlzylindrischen Walzenkern (10) in
einer Halterung (61) eines Kalanderständers (18) gehalten ist.
6. Kalander nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß alle Zwischenwalzen
mit einem hohlzylindrischen Walzenkern (10) ausgebildet sind.