[0001] Gegenstand der Erfindung ist eine Nadelreizmatte mit Nadelspitzen auf einer Unterlage.
[0002] Aus der deutschen Gebrauchsmusterschrift 295 14 256 ist ein Massagegerät (Punkturmatte)
zur Förderung der Durchblutung und zur Reflexzonenpunktur, deren Mattenoberfläche
aus vielen kleinen Spitzkegeln besteht, bekannt. Über die Anordnung der Spitzkegel
ist nichts gesagt.
[0003] In der deutschen Gebrauchsmusterschrift 73 10 164 ist eine Liegematte aus elastischem
Kunststoff, bei welcher die Liegefläche mit Noppen besetzt ist, beschrieben. Es ist
ausgeführt, daß freie Stirnflächen als Saugnäpfe ausgebildet sind. Dadurch sind spitzkegelförmige
Noppen ausgeschlossen. Es sind jeweils einzelne Noppen reihenförmig angeordnet.
[0004] In der US-Patentschrift 4 421 110 sind auf einer Matte einzelne reihenförmig angeordnete
Massageelemente, die sich nach oben zu verjüngen, angeordnet.
[0005] Aus der deutschen Gebrauchsmusterschrift 1 899 019 ist eine auf einer Liege angeordnete
Massagematte, deren Oberfläche Erhöhungen verschiedener Form und dabei auch spitze
aufweisen kann, bekannt. Auch dort sind die einzelnen Erhöhungen in Reihen angeordnet.
Diese Liege ist mit einem hin- und hergehenden Getriebe verbunden.
[0006] In der deutschen Gebrauchsmusterschrift 7 048 210 ist eine Trainingsunterlage für
den ruhenden oder sich bewegenden menschlichen Körper als Therapiemittel für die Erhöhung
der Spannkraft des Körpers mit einer aus hartem Werkstoff bestehenden, durch Höcker,
Nocken, Rippen oder dergleichen gebildeten strukturierten Oberfläche, deren Strukturteile
sich vorzugsweise nach oben verjüngen, am oberen Teil jedoch schwach abgerundet sind,
beschrieben. Die Erhebungen sind auch dort einzeln in Reihen angeordnet.
[0007] Aus der deutschen Gebrauchsmusterschrift 7 012 168 ist ein Fußsohlen-Massagebrett
mit Erhebungen oder Erhöhungen in großer Zahl, beispielsweise in Pyramidenform, bekannt.
Auch bei diesem Massagebrett sind diese Erhebungen beziehungsweise Erhöhungen einzeln
in Reihen angeordnet.
[0008] Die deutsche Offenlegungsschrift 28 10 785 betrifft eine taktile Fläche zum Erleichtern
des Tastens mit pyramidenförmigen Erhebungen mit der Spitze nach unten. Auch diese
sind einzeln in Reihen angeordnet.
[0009] Die reihenförmige Anordnung von nur einzelnen Nadelspitzen hat den Nachteil, daß
die therapeutische Wirkung nicht optimal ist, insbesondere weil sie nicht der Form
der Nervenzellen angepaßt ist.
[0010] Aus der deutschen Gebrauchsmusterschrift 93 01 940 ist ein Hilfsgerät zur medizinischen
Behandlung und Stimulation des menschlichen Körpers, bei welchem Nadelspitzen auf
einer Unterlage in Nadelfeldern mit Zahnscheiben jeweils um einen Mittelpunkt herum
konzentrisch angeordnet sind, bekannt. Die Zahnscheiben haben Kreisform. In der deutschen
Gebrauchsmusterschrift 93 01 940 ist auch eine lösbare Befestigung der Zahnscheiben
vorgesehen. Die dortige Befestigungsart mit einer Rastöffnung und notförmigen Rastaussparung,
in die Rasthaken mit einem seitlich vorstehenden Rastvorsprung eingreifen, ist jedoch
ziemlich kompliziert.
[0011] In der deutschen Gebrauchsmusterschrift 93 21 140 ist eine Anordnung zur Akupressurtherapie
beschrieben, welche nach oben gerichtete pyramidenförmige Nadelspitzen auf einer Unterlage
aufweist, wobei die Nadelspitzen auf der Unterlage in Nadelfeldern mit sechseckigen
Zahnscheiben in Reihen, zweckmäßig versetzt, jeweils um einen Mittelpunkt herum konzentrisch
angeordnet sind. Dort sind in den Mittelpunkten der Zahnscheiben keine Nadelspitzen
vorgesehen. Das ist hinsichtlich der Hautreizung unvorteilhaft. Auch sind die pyramidenförmigen
Nadelspitzenelemente untereinander mit verschiedener Ausrichtung. Auch das ist hinsichtlich
des Hautreizes ungünstig.
[0012] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Nadelreizmatte mit nach oben gerichteten
Nadelspitzen auf einer Unterlage, welche den anatomischen Gegebenheiten des menschlichen
Körpers, insbesondere der Form der Nervenzellen noch besser angepaßt ist und eine
optimale Hautreizentwicklung ausübt, zu schaffen.
[0013] Das Obige wurde durch die Erfindung erreicht.
[0014] Gegenstand der Erfindung ist eine Nadelreizmatte mit nach oben gerichteten Nadelspitzen
auf einer Unterlage, wobei die Nadelspitzen auf der Unterlage in Nadelfeldern mit
Zahnscheiben, jeweils um einen Mittelpunkt herum, konzentrisch angeordnet sind und
die Zahnscheiben Polygone und mit den Nadelspitzen an deren Begrenzungslinien und
gegebenenfalls auch an 1 oder mehr dazu parallelen weiteren, ein Polygon bildenden
gedachten Linien innerhalb der von den ersteren Nadelspitzen gebildeten Polygone sind,
welche dadurch gekennzeichnet sind, daß an den Zahnscheiben auch in ihren Mittelpunkten
jeweils nach oben gerichtete Nadelspitzen angeordnet sind.
[0015] Durch das Vorsehen von jeweils nach oben gerichteten Nadelspitzen in den Mittelpunkten
der Zahnscheiben der Nadelfelder in der Anordnung der Nadelspitzen in Nadelfeldern
ist die erfindungsgemäße Nadelreizmatte den anatomischen Gegebenheiten des menschlichen
Körpers, insbesondere den Nervenzellen, besser angepaßt und die Hautreizung optimiert.
So wird die Wirkung durch einen zentralen Angriffspunkt an den Körper unterstützt.
[0016] Vorteilhaft sind die um den Mittelpunkt der Zahnscheiben herum angeordneten Nadelspitzen
gleich und haben die gleiche Ausrichtung. Das hat die vorteilhafte medizinische Wirkung,
daß auf diesem Weg ein gleichmäßiger Hautreiz erzeugt wird, was eine vorteilhafte
medizinische Bedeutung insbesondere für die Durchblutung und Schmerzwahrnehmung hat.
[0017] Insbesondere sind die Polygone Sechsecke. Diese sechseckige Form in Verbindung mit
der zentralen Nadelspitze entspricht am ehesten der Form von Nervenzellen (Neuronen):
Nervenzellen sind nie rund oder länglich, sondern haben zwischen fünf und acht Ausbildungen,
die vom Zellkörper ausgehend in Dendriten übergehen. Die sechseckige Form der Zahnscheiben
und die entsprechende Anordnung der Nadelspitzen zusammen mit der zentralen Nadelspitze
stellt also eine Anpassung an die natürliche Form der Nervenzellen dar, die durch
die Anwendung der Nadelreizmatte gereizt werden sollen. Auch der Querschnitt des Rückenmarks
als Teil des Zentralnervensystemes enthält sechs schmetterlingsförmige Ausbuchtungen.
[0018] Wenn man beispielsweise mit dem Rücken auf der Nadelreizmatte liegt, drücken sich
die einzelnen Nadelspitzen so weit in die Haut ein, daß man auf den sechseckigen Zahnscheiben
zu liegen kommt. Auch diese drücken sich in die Haut ein, was daran zu erkennen ist,
daß sie auf der Haut ebenfalls einen Abdruck hinterlassen. Dies stellt einen weiteren
zusätzlichen Reiz (= Wirkmechanismus) dar.
[0019] Da sowohl die Haut als auch die Nervenzellen dem Mesoderm (= mittleres der drei embryonalen
Keimblätter) entstammen, übt die sechseckige Form und Anordnung der Nadelfelder und
- spitzen einen naturgemäßeren und intensiveren Reiz auf die Haut und die Neuronen
aus als die längliche Anordnung der Nadelspitzen in einer Reihe oder die kreisförmige.
[0020] Nach einer zweckmäßigen Ausführungsform der Erfindung weisen die Unterlage um die
Mittelpunkte der Zahnscheiben und die Zahnscheiben um ihre Mittelpunkte jeweils einen
Durchbruch zur Aufnahme je eines Haltestopfens zur lösbaren beziehungsweise beliebig
entfernbaren Befestigung der Zahnscheiben auf. Dies kann vorteilhaft mittels einer
Bajonett--Verbindung erfolgen.
[0021] So weist nach einer besonders vorteilhaften Ausführungsform der Durchbruch der jeweiligen
Zahnscheibe diametral gegenüberliegende radial zentrierte Bereiche, welche zum Übergriffenwerden
von komplementären radial erweiterten Bereichen eines Schaftes des jeweiligen Haltestopfens
eingerichtet sind, auf.
[0022] Zweckmäßig weist dabei der Haltestopfen einen flachen Kopf, welcher die Projektion
des jeweiligen Durchbruches überragt, auf.
[0023] Es sind aber auch andere Verbindungsarten, beispielsweise Gewinde- und Schnappverbindungen,
möglich.
[0024] Die durch die Durchbrüche in der Unterlage und in der Zahnscheibe mittels des Haltestopfens
zusammengesteckten Zahnscheibe und Unterlage können durch einfaches Drehen des Haltestopfens
voneinander gelöst werden.
[0025] Dies bringt den zusätzlichen Vorteil gegenüber den bekannten Vorrichtungen mit sich,
daß die Nadelfelder innerhalb der vorgegebenen Fläche beliebig angeordnet und diese
Anordnung jederzeit wieder in einfacher Weise verändert werden kann. Nur so ist eine
individuelle "Bestückung" der Nadelreizmatte unter Aussparung solcher Felder/Flächen
gewährleistet, deren Reizausübung unerwünscht ist. So können die Abstände zwischen
den Zahnscheiben vergrößert werden, indem an einzelnen Stellen die Zahnscheiben entfernt
werden. Dies ist aus therapeutischer Sicht beispielsweise deswegen wichtig, weil beispielsweise
keine Hautunebenheiten, wie Warzen und Muttermale, durch die Nadelspitzen berührt
werden sollten, oder, falls nur der Nacken auf der Nadelreizmatte aufliegen soll,
die Fläche der Nadelfelder auf diesen Bereich begrenzt bzw. verkleinert werden kann.
Werden diese Hautunebenheiten, wie Warzen und Muttermale, durch Nadelspitzen gereizt,
kann es auf längere Frist durch die Reizung zu einer Entartung der Hautzellen kommen,
was schlimmstenfalls die Bildung eins malignen Melanoms zur Folge haben könnte. So
kann jeder Benutzer selbst entscheiden, wie groß oder klein die Aufliegefläche mit
Nadelspitzen sein soll und ob dabei ein bestimmtes Areal von Nadelspitzen ausgespart
bleiben soll.
[0026] Die Erfindung umfaßt die genannte lösbare Befestigung der Haltestopfen bei Nadelreizmatten
schlechthin, also ohne Beschränkung auf die erfindungsgemäße Ausführung der Zahnscheiben
und Nadelfelder.
[0027] Nach einer zweckmäßigen Ausführungsform weist der Haltestopfen einen Schaft auf,
der die im Mittelpunkt der jeweiligen Zahnscheibe angeordnete, nach oben gerichtete
Nadelspitze hat. Dies bedeutet eine Vereinfachung, indem die zentrale Nadelspitze
in einem mit der Haltevorrichtung für die jeweilige Zahnscheibe ist, die Haltevorrichtung
also sowohl eine medizinische als auch eine technische Funktion hat.
[0028] Vorteilhaft sind die Zahnscheiben in Reihen, zweckmäßig versetzt, angeordnet.
[0029] Vorzugsweise sind die Nadelspitzen pyramidenförmig. Sie können ebene oder gekrümmte
Grund- und/oder Seitenflächen haben. Die äußeren und inneren Nadelspitzen können verschiedene
Formen haben, beispielsweise die äußeren mit ebenen Grund- und/oder Seitenflächen
und die inneren mit gekrümmten Grund- und/oder Seitenflächen. Bevorzugt ist eben,
wie bereits gesagt, die gleiche Form und ferner die gleiche Größe.
[0030] Vorzugsweise sind die Abstände zwischen den Nadelspitzen gleich.
[0031] Vorteilhaft beträgt der Abstand der Nadelspitzen voneinander 4 bis 6 mm, insbesondere
5 mm.
[0032] Es hat sich nämlich erwiesen, daß mit solchen Abständen die optimale Hautreizung
zu erzielen ist.
[0033] Ferner hat vorteilhaft jede Zahnscheibe 15 bis 23, insbesondere 19, Nadelspitzen
einschließlich der im Mittelpunkt der jeweiligen Zahnscheibe angeordneten.
[0034] Weiterhin hat die Unterlage zweckmäßig Abmessungen von 18 x 27 cm bis 26 x 39 cm,
insbesondere 22 x 33 cm.
[0035] Die Zahl der Nadelspitzen ist vorteilhaft insgesamt 1 000 bis 1 250, vorzugsweise
1 140.
[0036] Die Zahl der Nadelfelder ist vorteilhaft 40 bis 80, insbesondere 60. Zweckmäßig sind
zusätzliche Zahnscheiben und Haltestopfen für einen etwaigen Ersatz vorhanden.
[0037] Es ist auch bevorzugt, daS die Zahnscheiben und die Haltestopfen aus Kunststoff,
insbesondere Polystyrol oder Polyethylen (Daplen®, vor allem GS 5161 oder GS 5171)
gefertigt sind.
[0038] Ferner ist es bevorzugt, daß die Unterlage eine Folie, vorteilhaft aus Kunststoff,
insbesondere Polypropylen, ist. Polypropylen ist geruchlos, geschmacklos, gut haut-
und schleimhautverträglich, allergenfrei und physiologisch unbedenklich. Gesundheits-
oder umweltschädigende Wirkungen sind nicht bekannt.
[0039] Die erfindungsgemäße Nadelreizmatte ist vor allem zur Therapie von Rückenschmerzen
und -beschwerden im Bereich der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule, soweit diese
auf Haltungsschäden, Muskelverspannungen und Gelenkblockaden zurückzuführen sind,
anzuwenden.
[0040] Die erfindungsgemäße Nadelreizmatte kann von Erwachsenen und Kindern (ab 6 Jahren)
zur Vorbeugung, Linderung und Beseitugung diverser Beschwerden benutzt werden. Die
Hauptindikationen sind:
a) Rückenschmerzen (Hals-, Brust- und Lendenbereich), die auf Fehlhaltung, Muskelverspannung
oder Gelenkblockaden zurückzuführen sind,
b) menstruations- und prostatabedingte Bauch- und Rückenschmerzen und
c) Spannungskopfschmerzen, Migräne.
Als wirksam erwiesen hat sich die erfindungsgemäße Nadelreizmatte auch bei
d) funktionell bedingten Magen-Darm-Krämpfen,
e) chronischen Verdauungsstörungen (Verstopfung, Durchfall, Colon irritabile),
f) Bluthochdruck,
g) Schlafstörungen verschiedener Genese und
h) allgemeinen Erschöpfungszuständen.
[0041] Die therapeutische Wirksamkeit der erfindungsgemäßen Nadelreizmatte beruht auf mehreren
Wirkmechanismen, die sich gegenseitig ergänzen und verstärken:
A) Lokaler Wirkmechanismus
[0042] Durch die Nadelspitzen der Nadelreizmatte kommt es im Anwendungsbereich zu einer
optimal starken Hautreizung, die mit einer Temperaturerhöhung einhergeht. Die direkte
Folge dieser spezifischen Reizung sind eine verbesserte Durchblutung und Mikrozirkulation
von Haut- und Unterhautgewebe. Neben dieser Steigerung des Sauerstoff- und Zellstoffwechsels
wird durch die lokale Reizung der Haut auch das Immunsystem stimuliert: Als Reaktion
auf die Reiztherapie werden Zahl und Aktivität der Makrophagen (= große Freßzellen)
im Anwendungsbereich der Nadelreizmatte deutlich erhöht. Makrophagen aber spielen
sowohl bei der Initiierung als auch bei der Regulierung der Immunantwort in vivo und
in vitro eine entscheidende Rolle. Ihre Gegenwart ist erwiesenermaßen notwendig für
eine optimale immunologische Antwort der T-Lymphozyten. In-vitro--Untersuchungen haben
gezeigt, daß sich die Beweglichkeit von Lymphozyten durch die Gegenwart von Makrophagen
deutlich erhöht. Makrophagen sind für die Bildung von Antikörpern notwendig, beseitigen
zelluläre Abfallprodukte und wirken so bei der Geweberegeneration mit. Außerdem induzieren
und regulieren sie Entzündungen und sind deshalb für die zellvermittelte Immunantwort
von größter Bedeutung.
[0043] Damit entspricht der lokale Wirkmechanismus der Nadelreizmatte dem Wirkprinzip ausleitender
Verfahren und ist in seiner therapeutischen Wirkung der Anwendung von Schröpfen, Kanthariden-
oder Senfpflastern gleichzusetzen. Die gleichzeitige Mehrdurchblutung der Muskulatur
führt außerdem zu einem örtlichen muskelentspannenden Effekt.
B) Segmentaler und reflektorischer Wirkmechanismus
[0044] Durch die mechanische Reizung von Reflexpunkten und/oder -zonen auf der Körperoberfläche
kommt es zu einer optimalen lokalen Reaktion bzw. Erregung der sensiblen Nervenfasern
und damit im Sinne der Segmenttherapie zu sensiblen Afferenzen ( = aufsteigenden Nervenimpulsen).
Diese werden im Rückenmark verschaltet und wirken auf die korrespondierenden inneren
Organe ein. Ein wichtiger Wirkmechanismus der Nadelreizmatte besteht deshalb auch
in der reflektorischen Beeinflussung innerer Organe.
[0045] Das Wirkprinzip basiert dabei auf den neurophysiologischen Wechselbeziehungen zwischen
Körperoberfläche und inneren Organen bzw. Strukturen des Bewegungsapparates. Die Medizin
bezeichnet dies als viszerokutane oder kutiviszerale Segmentreaktionen. Im Mittelpunkt
stehen dabei die sogenannten Head'schen Zonen - klar definierte Hautareale mit nervalen
Verbindungen bzw. Zuordnungen zu inneren Organen -.
[0046] Bei chronischen oder akuten Erkrankungen der inneren Organe können über viszerokutane
Reflexe reflektorische Krankheitssymptome an Haut und Unterhaut auftreten, die in
ihrer Ausdehnung dem Dermatom ( = Hautsegment) entsprechen, das aus demselben spinalen
Segment innerviert wird wie das erkrankte Organ. Umgekehrt aber läßt sich durch Manipulation
der Hautareale auch die Funktion der entsprechenden inneren Organe beeinflussen.
[0047] Konkret heißt das: Durch die Anwendung der Nadelreizmatte lassen sich nicht nur verspannte
und schmerzhafte Muskelpartien lockern, sondern auch Durchblutung, Stoffwechsel und
Sauerstoffversorgung funktionsgestörter Organe verbessern bzw. steigern.
[0048] Schließlich wird nach dem Verständnis der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)
über die Stimulation bzw. Reizung peripherer Rezeptoren in Haut und Unterhaut ( =
Akupunkturpunkte) die fehlgesteuerte Energie wieder in richtige Bahnen gelenkt.
C) Vegetativer Wirkmechanismus
[0049] Das in unserer Zivilisation weitverbreitete Fehlen äußerer Reize wie thermische Einflüsse
(Klima) oder körperliche Belastung ist einer der Hauptgründe für Bluthochdruck, funktionelle
Durchblutungsstörungen und/oder allgemeine vegetative Regulationsstörungen.
[0050] Nicht ausgelastete Systeme - so auch das vegetative Nervensystem - neigen zu Fehlregulationen.
Die erfindungsgemäße Nadelreizmatte stellt eine Möglichkeit dar, diese Reizarmut optimal
zu kompensieren.
[0051] Kutane Reize führen über vegetative Verschaltungen neben Reaktionen innerer Organe
auch zu einer zentralnervösen unspezifischen Aktivierung: Durch die unspezifische
Reizung der Haut läßt sich deshalb eine Umstellung bzw. Normalisierung vegetativer
Vorgänge im gesamten Organismus erreichen. Wichtig dabei: Häufige, gezielte schwache
Reize wie die regelmäßige prophylaktische Anwendung der Nadelreizmatte trainieren
die Regulationsfähigkeit des Organismus besser als starke unregelmäßige und haben
deshalb eine stärkere positive Wirkung auf das vegetative Nervensystem.
[0052] Dies erklärt auch die blutdrucknormalisierende Wirkung der Nadelreizmatte bei längerer,
regelmäßiger Anwendung.
D) Biochemischer Wirkmechanismus
[0053] Der schmerzstillende bzw. schmerzlindernde Effekt der Nadelreizmatte beruht auf zwei
Wirkmechanismen: Durch die mechanische Reizung der Nozirezeptoren ( = Schmerzrezeptoren)
in Haut und Unterhaut via Nadelreizmatte werden die A-Delta--Fasern erregt, die das
"Schmerztor" im Rückenmark schließen. Außerdem bewirken die sekundären, dominanten
Schmerzen durch die Nadelspitzen der Nadelreizmatte eine verstärkte Freisetzung körpereigener
Opiate, wie Endorphine. Diese Neurotransmitter ( = Nervenbotenstoffe) hemmen die Schmerzübertragung
zum Hirn zusätzlich.
[0054] Zur Erklärung: Bevor Schmerzen wahrgenommen werden, laufen im Organismus höchst komplizierte
Vorgänge ab, von denen gar nichts bemerkt wird: Zuständig für die Schmerzwahrnehmung
sind sogenannte Nozirezeptoren, die auf äußere, zum Beispiel mechanische, oder innere,
zum Beispiel entzündliche, Reize reagieren. Die freien Nervenenden funktionieren dabei
wie eine Empfangs- und Transmitterstation, von der aus die empfangenen, chemisch-elektrischen
Schmerzimpulse auf schmerzleitenden Nervenfasern in Richtung Hirn weitergeschickt
werden. Die Datenübertragung erfolgt auf zwei Kanälen: Das schnelle Leitungssystem
besteht aus A-Delta-Fasern, die den stechenden, gut lokalisierbaren Schmerz (durch
die Nadelspitzen der Nadelreizmatte) mit einer Geschwindigkeit von etwa 20 m/Sekunde
vom Ort des Schmerzes zum Rückenmark übertragen. Das langsamere System besteht aus
C-Nervenfasern, die vor allem dumpfe und schlecht lokalisierbare Schmerzen mit einer
Geschwindigkeit von etwa 1 m/Sekunde weiterleiten.
[0055] Wann und ob die Schmerzimpulse überhaupt das Gehirn erreichen, ist allerdings keine
Frage der Geschwindigkeit bei der Datenübertragung, sondern hängt vor allem von der
Intensität der Schmerzen ab. Der Grund: Im Rückenmark befindet sich eine Art Schmerzschleuse,
die alle Schmerzimpulse auf ihrem Weg ins Großhirn passieren müssen. Diese Öffnung
wird von einem halben Dutzend übergeordneter Hirnzentren "bewacht", die vor allem
schnelle Signale stoppen, indem sie das "Schmerztor" schließen. Treffen jetzt die
langsameren Schmerzimpulse vor dem Tor ein, finden sie dieses verschlossen.
[0056] Parallel führen die durch die Nadelreizmatte verursachten, sekundären Schmerzen über
die lokale Stimulation bzw. Reizung der Akupunkturpunkte innerhalb weniger Minuten
zu einer vermehrten Produktion und Ausschüttung schmerzhemmender Substanzen im gesamten
Organismus, die als körpereigene Opiate sowohl die primären wie auch die sekundären
Schmerzen lindern.
Der Gebrauch der erfindungsgemäßen Nadelreizmatte ist wie folgt:
[0057] Vor Gebrauch müssen die Zahnscheiben auf der Nadelreizmatte befestigt werden. Dazu
sind die Haltestopfen von unten durch die vorgestanzten Durchbrüche zu schieben und
mit den Zahnscheiben auf der Oberfläche der Unterlage, wie Folie, zussmmenzustecken.
Bei Muttermalen im Applikationsbereich sollten die Nadelfelder so angebracht werden,
daß die Muttermale nicht auf die Nadelspitzen zu liegen kommen.
[0058] Anordnung und Zahl der Nadelfelder sind beliebig variierbar. Generell gilt: Je mehr
Nadelfelder die Aufliegefläche enthält, desto intensiver ist die therapeutische Wirkung.
[0059] Der Patient legt die Nadelreizmatte zum Beispiel auf das Bett und legt sich mit der
schmerzenden Stelle darauf. Die Dauer der Anwendung hängt von der individuellen Verträglichkeit
ab und beträgt zwischen 10 und 45 Minuten. Dabei ist ein direkter Hautkontakt erforderlich.
Bei akuten Schmerzzuständen sollte die Nadelreizmatte bis zu zwei Wochen 1- bis 4-mal
täglich angewandt werden. Bei chronischen Schmerzzuständen sollte die Behandlung bis
zu vier Monaten fortgesetzt werden.
[0060] Wichtig: Je intensiver sich der Patient während der Anwendung entspannt, desto schneller
stellt sich der therapeutische Effekt ein.
[0061] Aus hygienischen Gründen sollte die Nadelreizmatte immer nur von einer Person benutzt
werden. Zur Reinigung und Desinfektion reichen normale Waschmittel aus.
[0062] Die Erfindung wird anhand der beiliegenden Zeichnungen näher erläutert.
[0063] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Draufsicht auf eine Ausführungsform der erfindungsgemäßen Nadelreizmatte, wobei
einige Nadelfelder ohne Zahnscheibe dargestellt sind.
- Fig. 2
- eine Detaildarstellung einer Zahnscheibe der Nadelreizmatte gemäß Fig. 1,
- Fig. 3
- eine perspektivische Darstellung der Zahnscheibe gemäß Fig. 2,
- Fig. 4
- eine Detaildarstellung einer anderen Ausführungsform einer Zahnscheibe einer erfindungsgemäßen
Nadelreizmatte,
- Fig. 5a
- eine Vorderansicht einer Nadelspitze gemäß Fig. 2,
- Fig. 5b
- eine Draufsicht auf eine Nadelspitze gemäß Fig. 5a,
- Fig. 5c
- eine Seitenansicht auf eine Nadelspitze gemäß Fig. 5a,
- Fig. 5d
- eine Draufsicht auf eine Nadelspitze gemäß Fig 4 und
- Fig. 6
- eine Detaildarstellung des Loches einer Ausführungsform einer Zahnscheibe einer erfindungsgemäßen
Nadelreizmatte mit der Darstellung eines Haltestopfens, im Schnitt längs der Linie
VI --- VI der Fig. 4.
[0064] Eine erfindungsgemäße Nadelreizmatte 6 weist eine Folie 2 auf, auf welcher Nadelfelder
mit Zahnscheiben 3 in Reihen versetzt angeordnet sind. Die Zahnscheiben 3 sind sechseckig.
Sie haben an deren ein Sechseck bildenden Begrenzungslinien 5 um ihren Mittelpunkt
4 konzentrisch angeordnet zwölf pyramidenförmige nach oben gerichtete Nadelspitzen
1 und weitere sechs solche Nadelspitzen 1 an dazu parallelen, die äußeren Grundflächenbegrenzungen
der Nadelspitzen 1 verbindenden, ein Sechseck bildenden gedachten Linien 5' [Fig.
2] oder an die äußeren gekrümmten Grundflächenbegrenzungen der Nadelspitzen 1 verbindenden
gedachten Kreisen 5'' [Fig. 4] innerhalb des von der ersten Gruppe von Nadelspitzen
1 gebildeten Sechsecken.
[0065] Die Zahnscheiben 3 sind mit der Folie 2 mittels Haltestopfen 8 verbunden. Die Haltestopfen
8 weisen jeweils einen Schaft 10 auf, welcher koaxial angeordnete Durchbrüche 7 in
der Folie 2 und den Zahnscheiben 3 durchsetzt bzw. in diese eingreift.
[0066] Folienseitig weist der Haltestopfen 8 einen flachen Kopf 9 auf, welcher die Projektion
der Durchbrüche 7 überragt. Zahnscheibenseitig weist der Schaft 10 einen zentralen
Vorsprung auf, welcher eine Spitze 11 bildet.
[0067] Der Eingriff des Schaftes 10 in den Durchbruch 7 der Zahnscheibe 3 kann kraft- und/oder
auch, wie beispielsweise in Fig. 4 und 6 dargestellt, formschlüssig sein. Wie in Fig.
4 und 6 deutlich erkennbar, weist der Durchbruch 7 der Zahnscheibe 3 diametral gegenüberliegende
radial reduzierte Bereiche 12 auf, welche von schaftseitigen komplementären radial
erweiterten Bereichen 13 übergriffen werden können.
[0068] Durch die so gebildete Bajonett-Verbindung ist beispielsweise durch eine 90° Drehung
des Haltestopfens 8 ein Festlegen bzw. Lösen der Zahnscheibe 3 von der Folie 2 möglich.
Es ist auch eine Gewinde- oder eine Schnappverbindung möglich.
1. Nadelreizmatte mit nach oben gerichteten Nadelspitzen auf einer Unterlage, wobei die
Nadelspitzen (1) auf der Unterlage (2) in Nadelfeldern mit Zahnscheiben (3), jeweils
um einen Mittelpunkt (4) herum, konzentrisch angeordnet sind und die Zahnscheiben
(3) Polygone und mit den Nadelspitzen (1) an deren Begrenzungslinien (5) und gegebenenfalls
auch an 1 oder mehr dazu parallelen weiteren, ein Polygon bildenden gedachten Linien
(5') innerhalb der von den ersteren Nadelspitzen (1) gebildeten Polygone (3) sind,
dadurch gekennzeichnet, daß an den Zahnscheiben (3) auch in ihren Mittelpunkten (4)
jeweils nach oben gerichtete Nadelspitzen (11) angeordnet sind.
2. Nadelreizmatte nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die um den Mittelpunkt
(4) der Zahnscheiben (3) herum angeordneten Nadelspitzen (1) gleich sind und die gleiche
Ausrichtung haben.
3. Nadelreizmatte nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Polygone (3)
Sechsecke sind.
4. Nadelreizmatte nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Unterlage (2)
um die Mittelpunkte (4) der Zahnscheiben (3) und die Zahnscheiben (3) um ihre Mittelpunkte
(4) jeweils einen Durchbruch (7) zur Aufnahme je eines Haltestopfens (8) zur lösbaren
bzw. beliebig entfernbaren Befestigung der Zahnscheiben (3) aufweisen.
5. Nadelreizmatte nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Haltestopfen
(8) einen flachen Kopf (9), welcher die Projektion des jeweiligen Durchbruches (7)
überragt, aufweist.
6. Nadelreizmatte nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Durchbruch (7)
der jeweiligen Zahnscheibe (3) diametral gegenüberliegende radial reduzierte Bereiche
(12), welche zum Übergriffenwerden von komplementären radial erweiterten Bereichen
(13) eines Schaftes (12) des jeweiligen Haltestopfens (8) eingerichtet sind, aufweist.
7. Nadelreizmatte nach Anspruch 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Haltestopfen
(8) einen Schaft (10) aufweist, der die im Mittelpunkt (4) der jeweiligen Zahnscheibe
(3) angeordnete, nach oben gerichtete Nadelspitze (11) hat.
8. Nadelreizmatte nach Anspruch 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Zahnscheiben
(3) in Reihen, zweckmäßig versetzt, angeordnet sind.
9. Nadelreizmatte nach Anspruch 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Nadelspitzen
(1) pyramidenförmig sind.
10. Nadelreizmatte nach Anspruch 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Abstände zwischen
den Nadelspitzen (1, 11) gleich sind.
11. Nadelreizmatte nach Anspruch 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß jede Zahnscheibe
(3) 15 bis 23, insbesondere 19, Nadelspitzen (1, 11) einschließlich der im Mittelpunkt
(4) der jeweiligen Zahnscheibe (3) angeordneten (11) hat.
12. Nadelreizmatte nach Anspruch 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Zahnscheiben
(3) und Haltestopfen (8) aus Kunststoff gefertigt sind.
13. Nadelreizmatte nach Anspruch 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß die Unterlage (2)
eine Folie, vorteilhaft aus Kunststoff, ist.