[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen flüssigkeitsdichten Boden- oder Wandbelag
aus keramischen Platten, der durch ein auf einer elektrischen Durchschlagfestigkeitsmessung
beruhendes Verfahren auf seine Dichtigkeit überprüfbar ist, wobei der Belag oberhalb
eines tragenden Untergrundes, z.B. eine Betonplatte oder Mauer, zumindest folgende
Teile umfaßt:
- eine Haftbrückenschicht, die elektrisch leitfähig ist,
- eine in die Haftbrückenschicht eingebettete, elektrisch nicht leitende keramische
Plattenlage und
- eine elektrisch nicht leitende Fugenfüllung in dem nicht von der Haftbrückenschicht
ausgefüllten oberen Teil der Fugen zwischen den einzelnen Platten der Plattenlage.
[0002] Flüssigkeitsdichte Boden- oder Wandbeläge der genannten Art sowie ein Prüfverfahren
der oben ebenfalls erwähnten Art sind aus der einschlägigen Praxis bekannt. Die elektrisch
leitfähige Haftbrückenschicht besteht üblicherweise aus einem Epoxidharz, dem elektrisch
leitfähige Pigmente, vorzugsweise Kohlenstoff oder Metallpulver, Zugemischt sind.
[0003] Ein Boden- oder Wandbelag mit dem oben erläuterten Aufbau ist zwar im Prinzip durch
das genannte elektrische Verfahren auf seine Dichtigkeit überprüfbar, jedoch liefert
die Überprüfung in der Praxis relativ häufig Fehlergebnisse. Diese Fehlergebnisse
bestehen insbesondere darin, daß Fehlstellen in der Fugenfüllung, also unverfüllte
Hohlräume, die von oben nicht erkennbar sind, bei der Prüfung nicht festgestellt werden.
Diese Fehler werden insbesondere dadurch verursacht, daß die elektrische Leitfähigkeit
der Haftbrückenschicht begrenzt ist und nicht beliebig erhöht werden kann. Damit die
Haftbrückenschicht ihre primäre Aufgabe, nämlich die dauerhafte Verbindung zwischen
den keramischen Platten einerseits und dem tragenden Untergrund andererseits erfüllen
kann, darf der Pigmentanteil nur eine begrenzte Größe erreichen. Wird diese Größe
überschritten, verliert die Haftbrückenschicht ihre Fähigkeit, die Platten und den
Untergrund dauerhaft und ausreichend fest zu verbinden. Für eine gute Funktion des
elektrischen Prüfverfahrens ist es aber andererseits wünschenswert, einen möglichst
großen Kontrast bei der elektrischen Leitfähigkeit bzw. umgekehrt beim spezifischen
elektrischen Widerstand zwischen der Haftbrückenschicht einerseits und der Plattenlage
und ihrer Fugenfüllung andererseits zu haben. Ein weiterer Nachteil des bekannten
Boden- oder Wandbelages besteht darin, daß die Haftbrückenschicht über die gesamte
Fläche eines Boden- oder Wandbelages gesehen in ihrer Dicke erheblich schwanken kann,
was entsprechende erhebliche Schwankungen im elektrischen Widerstand oder in der elektrischen
Leitfähigkeit der Haftbrückenschicht zur Folge hat. Hierdurch wird die elektrische
Dichtigkeitsprüfung mit einem weiteren Ungenauigkeitsfaktor belastet, der nicht kompensiert
werden kann. Weiterhin erfordert es einen hohen Aufwand und eine große Sorgfalt, die
Pigmentierung der Haftbrückenschicht mit den elektrisch leitfähigen Pigmenten homogen
und reproduzierbar zu gestalten. Insbesondere bei Durchführung der Pigmentierung auf
Baustellen unmittelbar vor dem Ausbringen der Haftbrückenschicht kann diese notwendige
Genauigkeit und Sorgfalt nicht immer vorausgesetzt werden. Schließlich ist als Nachteil
des Standes der Technik noch zu erwähnen, daß sich die elektrischen Eigenschaften
der Haftbrückenschicht über lange Zeiträume, die wenigstens mehrere Monate betragen,
noch merklich ändern können, so daß bei späteren Wiederholungsprüfungen mit anderen
Bedingungen, die man aber nicht genau kennt, gerechnet werden muß, als sie unmittelbar
nach dem Herstellen des Boben- oder Wandbelages vorlagen. Die elektrischen Eigenschaften
der Haftbrückenschicht werden dabei nicht nur durch die Zeit beeinflußt, sodern zusätzlich
auch noch durch den Feuchtigkeitsgehalt der Haftbrückenschicht, die bei mangelnder
Abdichtung des tragenden Untergrundes zu der dem Boden- oder Wandbelag entgegengesetzten
Seite in relativ weiten Bereichen schwanken kann.
[0004] Für die vorliegende Erfindung stellt sich deshalb die Aufgabe, einen Boden- oder
Wandbelag der eingangs genannten Art zu schaffen, bei dem die aufgezählten Nachteile
vermieden werden und mit dem insbesondere erreicht wird, daß seine Dichtigkeit mittels
eines elektrischen Verfahrens der oben genannten Art mit großer Genauigkeit und zuverlässig
überprüfbar ist, wobei dies auch für spätere Wiederholungsprüfungen in zeitlich großem
Abstand gelten soll.
[0005] Die Lösung dieser Aufgabe gelingt erfindungsgemäß durch einen Boden- oder Wandbelag
der eingangs genannten Art, der dadurch gekennzeichnet ist, daß unter oder über oder
in der Haftbrückenschicht in unmittelbarem Kontakt mit dieser zusätzlich eine Netzlage
aus einem elektrisch leitfähigen Material angeordnet ist, die mit mindestens einem
außerhalb oder oberhalb des Belages angeordneten Kontaktpunkt elektrisch verbunden
oder verbindbar ist.
[0006] Mit dem erfindungsgemäßen Boden- oder Wandbelag wird erreicht, daß die Haftbrückenschicht
insgesamt, also einschließlich der Netzlage, definierte und über die Zeit konstante
elektrische Eigenschaften erhält. Zusätzlich sorgt die Netzlage auch nocht für einen
verbesserten mechanischen Verbund der Haftbrückenschicht in sich, wodurch nicht nur
die elektrischen Eigenschaften sondern auch noch die mechanischen Eigenschaften der
Haftbrückenschicht verbessert werden.
[0007] Bevorzugt ist vorgesehen, daß der spezifische elektrische Widerstand der Netzlage
kleiner ist als der spezifische elektrische Widerstand der Haftbrückenschicht an sich.
Durch dieses Verhältnis der spezifischen elektrischen Widerstände wird gewährleistet,
daß eventuelle Schwankungen des elektrischen Widerstandes der Haftbrückenschicht ohne
die Netzlage praktisch keinen Einfluß mehr auf die elekrischen Eigenschaften der Haftbrückenschicht
insgesamt einschließlich der Netzlage haben.
[0008] Bevorzugte Werte der spezifischen elektrischen Widerstände der Haftbrückenschicht
an sich, der Netzlage sowie der keramischen Platten und ihrer Fugenfüllung sind im
Anspruch 3 angegeben. Mit diesen Werten wird insbesondere ein ausreichend großer Kontrast
zwischen den elektrischen Widerständen einerseits der Haftbrückenschicht mit der Netzlage
und andererseits den keramischen Platten mit ihrer Fugenfüllung gewährleistet. Gleichzeitig
muß die Haftbrückenschicht an sich nur in einem geringen Umfang mit elektrisch leitfähigen
Pigmenten versetzt werden, so daß die Hafteigenschaften der Haftbrückenschicht noch
nicht beeinträchtigt werden.
[0009] Um eine optimale Haftwirkung der Haftbrückenschicht und eine optimale Einbettung
und damit Kontaktierung der Netzlage mit dem Material der übrigen Haftbrückenschicht
zu gewährleisten, ist bevorzugt vorgesehen, daß die Haftbrückenschicht im zwei Teilschichten
aufgebracht ist, wobei zwischen den beiden Teilschichten die Netzlage eingelegt ist.
[0010] Bevorzugt ist die Netzlage durch ein grobmaschiges Gewebe oder Geflecht aus Synthesefasern
gebildet. Die erforderliche elektrische Leitfähigkeit wird durch Auswahl entsprechend
elektrisch leitfähiger Synthesefasern gewährleistet. Gleichzeitig wird durch die Verwendung
von Sythesefasern dafür gesorgt, daß die Netzlage unempfindlich gegen physikalische
und chemische Einflüsse ist. Außerdem ist eine solche Netzlage mechanisch unempfindlicher
als beispielsweise Gewebe oder Geflechte, in denen metallische Drähte eingewebt oder
eingeflochten sind. Zur Erleichterung der Handhabung und der Fertigung wird das Gewebe
oder Geflecht zweckmäßig in Form von Rollenware zur Verfügung gestellt und dann in
Form von parallelen Bahnen ausgelegt. Die ausgelegten Bahnen sollten sich in ihren
Randbereichen überlappen, um dort die erforderliche elektrische Kontaktierung zwischen
den parallelen benachbarten Bahnen sicherzustellen. Bei Bedarf kann zusätzlich noch
eine gegenseitige Fixierung der Bahnen der Netzlage erfolgen, wobei diese Fixierung
auch noch zusätzlich oder alternativ so ausgeführt sein kann, daß eine Fixierung relativ
zum Untergrund erfolgt.
[0011] Im folgenden wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand einer Zeichnung erläutert.
Die einzige Figur der Zeichnung zeigt im einer schematischen, unmaßstäblichen Darstellung
einen Bodenbelag im Vertikalschnitt.
[0012] In der Zeichnungsfigur ganz unten ist mit der Bezugsziffer 3 ein gewachsener Boden
bezeichnet, auf den als tragender Untergrund eine Betonplatte 2 aufgebracht ist. Die
Oberseite der Betonplatte kann, was in der Zeichung übertrieben dargestellt ist, Unregelmäßigkeiten
aufweisen.
[0013] Auf die Oberseite der Betonplatte 2 ist eine Säureestrich- oder Säurekittschicht
14 aufgebracht, die dazu dient, den Untergrund chemisch und physikalisch für den darauf
aufzubringenden Bodenbelag 1 vorzubereiten. Die Oberseite der Schicht 14 ist außerdem
zur Erzielung der notwendigen Ebenheit möglichst glattflächig ausgeführt.
[0014] Nach oben schließt sich an die Schicht 14 aus Säureestrich oder Säurekitt eine Haftbrückenschicht
12 an, die aus einem elektrisch leitfähigen Material, vorzugsweise aus einem Epoxidharz
mit eingemischten elektrisch leitfähigen Pigmenten, z.B. Kohlenstoff- oder Metallpulver,
besteht. Zusätzlich ist in diese Haftbrückenschicht 12 eine Netzlage 13 eingelegt,
die sich im dargestellten Ausführungsbeispiel vollkommen innerhalb der Haftbrückenschicht
12 befindet. Die Netzlage 14 besteht aus einem elektrisch leitfähigen Material, wobei
der spezifische elektrische Widerstand der Netzlage 13 vorzugsweise kleiner ist als
der spezifische elektrische Widerstand der Haftbrückenschicht 12. Die Netzlage 13
besteht bevorzugt aus einem Gewebe oder Geflecht aus elektrisch leitfähigen Synthesefasern,
um sie gegen physikalische und chemische Einflüsse unempfindlich zu machen. Die Netzlage
13 steht, was in der Zeichnung nicht eigens dargestellt ist, über eine elektrisch
leitende Verbindung mit mindestens einem oberhalb oder außerhalb des Bodenbelages
1 angeordneten Kontaktelement in Verbindung. Zur Verbindung der Netzlage 13 mit dem
Kontaktelement können beispielsweise Bänder verwendet werden, die aus dem gleichen
Material bestehen, wie die Netzlage 13, und die so verlegt sind, daß sie einerseits
die Netzlage 13 kontaktieren und andererseits mit dem erwähnten Kontaktelement elektrisch
verbunden oder verbindbar sind.
[0015] Nach oben hin schließt sich weiterhin eine Lage aus keramischen Platten 10 an, die
ihrerseits elektrisch nichtleitend sind. Zwischen den einzelnen benachbarten Platten
10, die mit definiertem Abstand voneinander verlegt sind, befindet sich eine Fugenfüllung
11, die im dargestellten Ausführungsbeispiel ebenfalls elektrisch nichtleitend ist.
[0016] Bei der Verlegung der keramischen Platten 10 werden diese nach dem Auflegen auf die
noch viskose Haftbrückenschicht 12 bevorzugt mechanisch eingerüttelt, um eine ebene
Oberfläche des Bodenbelages 1 zu erzielen und um einen innigen Kontakt und damit eine
vollflächige Einbettung der Unterseite der Platten 10 in die Haftbrückenschicht 12
zu gewährleisten. Wie in der Zeichnung angedeutet ist, steigt dabei die Haftbrückenschicht
12 schon zu einem Teil in die Fugen zwischen den benachbarten Platten 10 auf. Über
den größten Teil ihrer Höhe ist die Fuge zwischen den benachbarten Platten 10 aber
durch die von oben abschließend eingebrachte Fugenfüllung 11 gefüllt.
[0017] Bei der Herstellung oder bei der späterern Nutzung des Bodenbelages 1 kann es vorkommen,
daß unerwünschte Haarrisse oder Spalten in den Fugenfüllungen 11 oder in den Platten
10 entstehen, die einen Qualitätsmangel des Bodenbelages 1 darstellen, da sie dessen
Haltbarkeit und Dichtigkeit auf die Dauer beeinträchtigen können. Zur Erkennung derartiger
Risse und Spalten wird ein an sich bekanntes Prüfverfahren eingesetzt, das mittels
elektrischer Hochspannung die Durchschlagfestigkeit des Bodenbelages 1 ermittelt.
Die an sich ebenfalls bekannte Vorrichtung zur Durchführung dieser Prüfung besitzt
einen elektrischen Impulsgenerator, der Hochspannungsimpulse erzeugt. Ein elektrischer
Pol der Vorrichtung wird zur Durchführung der Messung mit der Netzlage 13 über das
erwähnte Kontaktelement verbunden; der andere Pol der Vorrichtung wird an ein bewegliches
Kontaktelement, das beispielsweise besenförmig mit metallischen Kontakborsten ausgeführt
ist, verbunden. Diese Kontaktbürste wird systematisch über den gesamten Bodenbelag
1 bewegt, wobei bei jeder Fehlstelle ein Hochspannungsüberschlag auftritt, der von
der Vorrichtung angezeigt wird. Auf diese Weise sind Fehlstellen im Bodenbelag 1 feststellbar,
so daß dann an diesen Stellen eine gezielte Nachbesserung erfolgen kann.
[0018] Der Bodenbelag 1, wie er vorstehend beschrieben wurde, ermöglicht nicht nur eine
exakte Überprüfung auf seine Dichtigkeit, sondern bietet außerdem oder alternativ
noch die Möglichkeit, statische Aufladungen abzuleiten, beispielsweise in Arbeitsräumen,
in denen statische Ladungen vermieden werden müssen. Verbessert wird diese Ableitbarkeit
statischer Aufladungen noch zusätzlich, wenn die Fugenfüllung 11 ebenso wie die Haftbrückenschicht
12 mit einer elektrischen Leitfähigkeit ausgeführt wird und/oder wenn die keramischen
Platten 10 durch Platten mit einer höheren elektrischen Leitfähigkeit ersetzt werden.
Im Extremfall können die Platten 10 auch selbst metallische Platten sein.
1. Flüssigkeitsdichter Boden- oder Wandbelag (1) aus keramischen Platten (10), der durch
ein auf einer elektrischen Durchschlagfestigkeitsmessung beruhendes Verfahren auf
seine Dichtigkeit überprüfbar ist, wobei der Belag (1) oberhalb eines tragenden Untergrundes
(2), z.B. eine Betonplatte oder Mauer, zumindest folgende Teile umfaßt:
- eine Haftbrückenschicht (12), die elektrisch leitfähig ist,
- eine in die Haftbrückenschicht (12) eingebettete, elektrisch nichtleitende keramische
Plattenlage (10) und
- eine elektrisch nichtleitende Fugenfüllung (11) in dem nicht von der Haftbrückenschicht
(12) ausgefüllten oberen Teil der Fugen zwischen den einzelnen Platten (10) der Plattenlage,
dadurch gekennzeichnet,
daß unter oder über oder in der Haftbrückenschicht (12) in unmittelbarem Kontakt mit
dieser zusätzlich eine Netzlage (13) aus einem elektrisch leitfähigen Material angeordnet
ist, die mit mindestens einem außerhalb oder oberhalb des Belages (1) angeordneten
Kontaktpunkt elektrisch verbunden oder verbindbar ist.
2. Boden- oder Wandbelag nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der spezifische
elektrische Widerstand der Netzlage (13) kleiner ist als der spezifische elektrische
Widerstand der Haftbrückenschicht (12).
3. Boden- oder Wandbelag nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der spezifische
elektrische Widerstand der Haftbrückenschicht (12) zwischen etwa 106 und 107 Ohm cm beträgt, daß der spezifische elektrische Widerstand der Netzlage (13) maximal
103 Ohm cm beträgt und daß der spezifische elektrische Widerstand der keramischen Platten
(10) und der Fugenfüllung (11) größer als 1011 Ohm cm ist.
4. Boden- oder Wandbelag nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die Haftbrückenschicht (12) in zwei Teilschichten aufgebracht ist, wobei zwischen
den beiden Teilschichten die Netzlage (13) eingelegt ist.
5. Boden- oder Wandbelag nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die Netzlage (13) durch ein grobmaschiges Gewebe oder Geflecht aus Synthesefasern
gebildet ist.