1. Einleitung
[0001] Es wird eine textile Schutzeinrichtung gegen Insekten und solare Strahlung (UV-,
VIS- und IR-Strahlung) vorgestellt. Der Insektenschutz wird durch ein spezielles tertiles
Material erreicht, der Sonnenschutz wird durch Metallisierung desselben erreicht.
Das textile Schutzsystem kann vor Gebäudeöffnungen, wie z.B. Fenstern oder Türen,
angebracht werden und reduziert die eindringende Sonnenstrahlung deutlich. Dies führt
zu einer Reduktion der Innenraumerwärmung und damit zu einem verbesserten Raumklima.
[0002] Die Montage des Systems kann mit selbstklebenden Klettsystemen oder doppelseitigen
Klebebändern erfolgen. Die Klettsysteme können aus einem Haftteil mit Haftelementen
aus Haken oder Pilzen sowie aus einem Flauschteil aus feinen Schlingen bestehen.
[0003] Im Gegensatz zu doppelseitigen Klebebändern sind Klettsysteme als Befestigungselemente
mehrfach reversibel einsetzbar. Das System kann leicht entfernt und wieder neu montiert
werden und ist somit gleichermaßen für Fenster und Türen die sowohl nach außen wie
auch nach innen geöffnet werden einsetzbar.
[0004] Die besondere Problematik besteht in der Gewichtung der gegenläufigen Funktionsfaktoren
Insekten- und Sonnenschutz auf der einen Seite sowie Transparenz und Belüftung auf
der anderen Seite. Die Öffnungen eines Insektenschutzsystems müssen so klein sein,
daß Insekten nicht hindurchschlüpfen können. Auch ein wirksames Sonnenschutzsystem
muß ebenfalls für die Reflektion eines hohen Strahlungsanteils über einen hohen geschlossenen
Flächenanteil verfügen.
[0005] Auf der anderen Seite ist eine hohe Transparenz erwünscht. Auch soll das System eine
gute Luftdurchlässigkeit aufweisen.
[0006] Ein weiterer Vorteil des Systems ist die Schutzwirkung gegen UV-Strahlung und die
damit verbundene Ausbleichung und Verfärbung der Innenmobiliars (Teppiche, Polstermöbel,etc).
Das System bietet auch einen vorzüglichen Schutz gegen Wind und Durchzug.
2. Stand der Technik
[0007] Nachfolgend werden bekannte Systeme und deren Nachteile beschrieben.
[0008] Bekannte Insektenschutzsysteme bestehen aus feinmaschigem Draht oder Glasfasern die
in einem Rahmen verspannt werden. Die Rahmen sind paßgenau auf die entsprechenden
Fenster- oder Türöffnungen ausgelegt.
Nachteile:
[0009]
- Die Konstruktion und Montage der Schutzsysteme ist sehr aufwendig und teuer.
- Ein wirksamer Schutz gegen solare Strahlung und die damit verbundene Raumaufheizung
ist durch die große Maschenweite nicht gegeben.
- Die Systeme sind bevorzugt für Fenster und Türen geeignet, die sich nach innen öffnen
lassen. Die meisten handelsüblichen Systeme sind für den permanenten Einbau vorgesehen.
- Die Schutzsysteme werden im Laufe der Zeit unansehnlich durch Rosten und durch mechanische
Zerstörungen des Drahtgeflechtes.
[0010] Bekannt sind auch stoffartige Insektenschutzsysteme, wie sie z.B. unter der Bezeichnung
tesa Fliegengitter® im Handel angeboten werden. Diese Systeme können einfach mit selbstklebenden
Pilzbändern im Fensterfalz befestigt werden und bieten einen wirksamen Schutz gegen
Insekten. Für eine wirksamen Sonnenschutz sind diese Systeme aber völlig ungeeignet,
da die Maschenweiten der eingesetzten Tüllqualitäten zu groß sind. Der Anteil der
offenen Fläche an der Gesamtfläche ist zu groß. Auch besitzt der stoffartige Tüll
keine strahlungsreflektiven Eigenschaften.
[0011] Ferner sind auf dem Sonnenschutzmarkt verschiedene Isolierrollos bekannt, die zum
Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung bei Dachfenstern Verwendung finden. Es handelt
sich dabei meist um textile Materialien, die mit einer Aluminiumfolie zusammenkaschiert
sind, wobei die Haftung durch eine Klebstoffschicht zwischen Metallfolie und Textilstoff
vermittelt wird. Nachteile dieser Systeme ist fehlende Transparenz, eine mangelnde
Luftdurchlässigkeit sowie eine aufwendige Montage.
[0012] Weitere spezielle Schutzsysteme sind in nachfolgenden Patentschriften oder Gebrauchsmustern
aufgeführt.
GBM DE 296 13 763 U1 (G. Schmidt, Herrsching)
Stoffartige Insekten- und Lichtschutzeinrichtung
[0013] Es wird eine stoffartige Insekten- und/oder Lichtschutzeinrichtung beschrieben, die
mittels Befestigungselementen bestehend aus Stiften oder Schrauben vor Gebäudeöffnungen
wie Fenstern oder Türen montiert werden kann. Der Stoffrand ist mit einem Gummiband
oder einer elastischen Schnur versehen. Dieser kann unter elastischer Verspannung
über die Befestigungselemente gezogen werden. Zur Erzielung eines optimalen Lichtschutzeffektes
kann der elastische Stoff z.B. mit einer reflektierenden Metallschicht wie z.B.Aluminium
versehen sein. Die Metallschicht kann aufgesprüht sein.
Nachteile:
[0014]
- Durch die Dehnung des elastischen Tüllstoffs bei Montage eines solchen Systems ist
keine definierte Lichtschutzwirkung gegeben. Bei großen Fenstern wird der elastische
Tüllstoff stark aufgeweitet, eine effektive Lichtschutzwirkung ist dann nicht mehr
vorhanden. Weiterhin sind die beschriebenen stoffartigen Insektenschutzeinrichtungen
in erster Linie für nach außen zu öffnende Fenster oder Türen geeignet. Diese Anwendung
bedingt eine Montage des Systems hinter dem Fenster. Das solare Strahlungsspektrum
kann somit durch das Fensterglas hindurchtreten und trifft dann auf den Stoff mit
reflektierender Metallschicht. Eine wirksame Schutzwirkung gegen eine unerwünschte
Aufheizung eines Gebäudes ist somit nicht mehr gegeben. Die Umwandlung von solarer
Strahlungsenergie in thermische Energie und die damit einhergehende Erwärmung des
Gebäudeinneren kann ungehindert erfolgen.
- Als Insektenschutzeinrichtung hat das beschriebene System nur eine begrenzte Wirkung,
da der Tüll durch die Befestigungselemente nicht optimal an den Untergrund herangeführt
wird. Durch den verbleibenden Zwischenraum zwischen Netzkante und Untergrund können
ungehindert Insekten eintreten.
US 4 587 997 (J.S. Brooks)
Woven shade screen
[0015] Beschrieben wird ein Polyestergewebe, bzw. ein Polyester-/Fiberglasmischgewebe mit
einer pigmentierten, hitze-, licht- und UV-stabilisierten Polyvinylchloridbeschichtung.
Das Gewebe soll eine Licht- und Insektenschutzfunktion haben.
[0016] Die Befestigungsart an der Gebäudeöffnung wird nicht näher beschrieben
Nachteile:
[0017]
- Ohne reflektive Beschichtung, z.B. aus Aluminium, wird kein wirksamer Schutz gegen
eine Erwärmung des dahinterliegenden Raums erreicht. Somit wird ein Lichtschutzeffekt
aber kein effektiver Wärmeschutz erreicht.
GB 2 178 765 A (K.A.G. Smith)
Screen mesh
[0018] PVC beschichtetes Fiberglasgewebe (Garndurchmesser < 0,5 mm) oder Gewebe aus Aluminium-
oder Bronzefäden können zum Schutz gegen solare Strahlung (UV-,VIS-,IR-Strahlung)
und Insekten eingesetzt werden. Das System wird außen vor der Scheibe befestigt.
[0019] Die Befestigungsart an der Gebäudeöffnung wird nicht näher beschrieben.
Nachteile:
[0020]
- PVC beschichtetes Fiberglasgewebe sowie Bronze oder Aluminiumgewebe sind aufwendig
in der Herstellung und damit sehr teuer. Ohne reflektive metallische Außenschicht
ist die Sonnenschutzwirkung des erstgenannten Systems begrenzt.
- PVC-Beschichtungen sind ökologisch in der Diskussion und nur noch schwer am Markt
durchsetzbar.
- Gewebtes Material aus Fiberglasfäden verfügt nur über eine geringe Reißdehnung und
kann daher nicht stark gedehnt werden. Die mechanische Stabilität ist begrenzt.
- Das Material, insbesondere Bronze oder Aluminiumgewebe, ist nicht ohne weiteres mit
haushaltsüblichen Schneidsystemen zuschneidbar. Die Montage eines Fiberglassystems
/ Bronze- oder Aluminiumgewebesystems vor Fenstern kann z.B. mit einem Holz- oder
Metallrahmen erfolgen und ist damit sehr aufwendig.
- Die Maschenweiten sind für einen wirksamen Sonnenschutzeffekt zu groß: 1,0 mm ± 0,2
mm zu 0,5 mm ± 0,2 mm.
GB 2 098 247 A (A.G.Sparkes)
Nets
[0021] Ein mindestens einseitig metallisiertes Netz mit Maschenweiten zwischen 0,5 mm und
5 mm wird zum Schutz von wachsendem Getreide gegen Insekten eingesetzt. Durch die
Metallisierung des Netzes wird ein noch wirksamerer Insektenschutz erzielt.
[0022] Folienartige Insekten- und/oder Sonnenschutzsysteme werden z.B. in folgenden Patenten
beschrieben:
US 3 290 203 (Antonson et al.)
[0023] Beschrieben wird eine transparente, metallisierte Polyesterfolie die zum Schutz vor
solarer Strahlungsenergie auf einer Fensterinnenscheibe befestigt wird.
Nachteile:
[0024]
- Das beschriebene System ist völlig ungeeignet für den Insektenschutz. Eine Belüftung
des Raums kann nur durch Öffnen des Fensters erreicht werden. Dann ermöglicht das
beschriebene System aber weder eine Sonnen- noch eine Insektenschutzfunktion.
- Die Montage des Systems ist äußerst kompliziert. Eine blasenfreie und ästhetische
Applikation der Folie auf der Scheibe ist nur mit hohem Aufwand und speziellen Werkzeugen
zu erreichen.
- Eine schnelle und reversible Entfernbarkeit kann ebenfalls nicht erreicht werden.
- Die eingesetzten Folien können nicht ein zweites Mal appliziert werden, da ein beschädigungsfreies
Ablösen nicht möglich ist.
EP 355 962 B1 (L.R. Gilbert, L.F. Masonick, 3M)
Solar energy control film
[0025] Das beschriebene System weist die gleichen Funktionsnachteile hinsichtlich der Insektenschutzfunktion
auf wie US 3 290 203. Die blasen- und faltenfreie Folienmontage am Fenster ist aber
deutlich einfacher, da eine schrumpffähige Folie eingesetzt wird. Die Schrumpffolie
kann nach Verklebung auf dem Fensterrahmen durch Heißluft ausgespannt werden.
Nachteile:
[0026]
- Keine Insektenschutzfunktion.
- Die sichere Montage einer Schrumpffolie kann nicht immer gewährleistet werden. Wird
die Folie einer zu starken Wärmebelastung ausgesetzt (ungeübte Anwender !) entstehen
Löcher in der Folie.
- Bei zu starker Folienschrumpfung löst sich die Folie vom Klebeband.
- Eine schnelle und reversible Entfernbarkeit kann ebenfalls nicht erreicht werden.
- Die beschriebenen Schrumpffolien können nicht ein zweites Mal appliziert werden.
GBM DE 296 01 908 U1 (G. Schmidt, Herrsching)
Insekten- und/oder Lichtschutz- und/oder Raumbelüftungseinrichtung
[0027] Es wird eine thermoplastische Schrumpffolie (Dicke 15 bis 50 µm) beschrieben die
eine Perforation aufweist (1 bis 25 Löcher /cm
2 mit einem Durchmesser von 0,5 bis 1,7 mm). Die Folie kann außen mit einem Metall
bedampft sein um eine Lichtschutzwirkung zu erzielen. Die Befestigung der Schrumpffolie
erfolgt in oder an Fensterzargen oder Rahmen von Fenstern die nach innen geöffnet
werden können.
Nachteile:
[0028]
- Ein solches System kann nicht mehrfach reversibel befestigt werden, da eine auf die
Abmessungen der Gebäudeöffnung zugeschnittete Schrumpffolie nur einmal thermisch ausgespannt
werden kann.
- Eine im Fensterrahmen ausgespannte thermoplastische Schrumpffolie ist zudem äußerst
anfällig für mechanische Verletzungen.
- Eine Folie, die der direkten Bewitterung ausgesetzt ist, verschmutzt schon nach kurzer
Zeit durch Wasserspuren und Schmutz und führt somit zu einer eingeschränkten Fensterdurchsicht.
Der Gesamteindruck wird unästhetisch.
- Das System ist nur für Fenster und Türen geeignet, die nach innen geöffnet werden
können. Gebäudeöffnungen deren Fensterflügel oder Türen nach außen geöffnet werden,
können nicht geschützt werden.
- Der Lochdurchmesser kann durch den Schrumpfprozeß nicht definiert festgelegt werden.
Die Insektenschutzwirkung sowie die Belüftungseigenschaften können nachteilig beeinträchtigt
werden.
- Die Verankerung der Metallschicht auf der Folie nach dem Schrumpfprozeß ist schwierig
und ist wenn überhaupt nur mit speziellen und teuren Beschichtungsverfahren sicherzustellen.
3. Charakterisierung des Sonnen- und Insektenschutzsystems
Material
[0029]
- Gewebe, Gelege, Geflechte, Gewirke, Gestricke oder Vliese aus Kunstfasern (Chemiefasern)
oder Naturfasern.
- Kunstfasern: Polyester, Polyamid, Polyolefine wie Polyethylen oder Polypropylen, Copolymere des
Acrylnitrils, Polytetrafluorethylen und Copolymere aller vorgenannten Verbindungen.
Insbesondere sind auch Polymere und Copolymere der vorgenannten Verbindungen relevant,
die unter Verwendung von Metallocen-Katalysatoren hergestellt worden sind.
- Naturfasern: Baumwolle, Cellulose, Seide, Viskose, Rayon.
Metallisierung
[0030] Das testile Material kann mittels der folgenden Verfahren einseitig oder beidseitig
metallisiert werden, wobei die angegebenen Verfahren nur eine Auswahl der möglichen
Verfahren darstellen:
- Thermische Verdampfung, zum Beispiel Vakuumbedampfung
- Sputterverfahren
- Galvanische Verfahren
- Elektronenstrahlbedampfung
- Sprühverfahren
[0031] Typisch für die Metallisierung eingesetzte Metalle sind Aluminium, was besonders
vorteilhalte Eigenschaften aufweist, Kupfer, Silber, Eisen (rostfreier Stahl), Titan,
Blei, Zinn, Gold oder Nickel. Möglich sind aber auch Legierungen der aufgeführten
Metalle.
[0032] Durch die Metallisierung wird die Transmission der solaren Energie durch das erfindungsgemäße
textile System reduziert, was die Erwärmung eines Raums hinter dem textilen Material
spürbar herabsetzt.
[0033] Die polymeren Kunsffasern können UV-Schutzmittel enthalten. Weiterhin können auch
IR-Absorber zugesetzt werden.
[0034] Weiterhin sind in der Kunsffaser vorzugsweise Alterungsschutzmittel, Antioxidantien,
Ozonschutzmittel und/oder Stabilisatoren enthalten.
[0035] Neben den genannten Zusätzen sind aber auch andere möglich, die je nach gewünschter
Eigenschaft der Kunstfaser zugesetzt werden. Dazu zählen Antislipmittel, Antistatika,
biozide Wirkstoffe, Brandschutzmittel, Farbmittel, lösliche Farbstoffe, Haftvermittler,
Mikroben tötende Zusatzstoffe, Schwarz- oder Weißpigmente, Tagesleuchtpigmente und
Weichmacher.
[0036] Die Kunstfaser kann weiterhin erfindungsgemäß mit einem Pestizid ausgerüstet sein.
Schutzlack für Metallschicht
[0037] Die metallische Beschichtung des teilen Materials kann mit einem transparenten Schutzlacküberzug,
z.B. als Schutz gegen Feuchtigkeit, Kondenswasser oder Insekten, versehen sein.
Stoffausrüstung
[0038] Der Stoff selbst kann mit feuchtigkeitbeständigen Appreturen versehen sein. Eine
Hydrophobierung des testilen Materials ist ebenfalls möglich, z.B. mit Tremul 8630
von der BASF AG, Ludwigshafen.
Befestigungsysteme
[0039]
- Doppelseitige Klebebänder.
- Doppelseitige stripfähige Klebebänder wie sie z.B. nachfolgend beschrieben werden
Einschichtsysteme
- DE 33 31 016

Klebfolie für wiederlösbare Klebbindungen"
- DE 42 22 849

Streifen einer Klebfolie und seine Verwendung für eine wiederlösbare Verklebung"
- DE 43 39 604

Verwendung eines Streifens einer Klebfolie für wiederlösbare Verklebungen" (Poster-Pads)
Mehrschichtsysteme
- WO 92/11332

Removable Adhesive Tape"
- WO 92/11333

Removable Adhesive Tape"
- WO 95/06691

Removable Foam Adhesive Tape"
- DE 195 31 696

Mehrfache Verwendung eines Klebfolienlaminates"
- Klettsysteme bestehend aus einem Haftteil mit Haftelementen aus Haken oder Pilzen
sowie einem Flauschteil aus feinen Schlingen. Insbesondere geeignet sind neuartige
Mikroklettsysteme aus Pilzband und Flauschband wie sie z.B. von der Firma G.Binder
GmbH & Co. (D, Holzgerlingen), der Firma Aplix GmbH (D, Mettmann) oder der Firma Velcro
(E, Argentona) angeboten werden. Die neuen Mikroklettsysteme werden vorzugsweise zum
Verschließen von Windeln eingesetzt. Diese flachen Systeme zeichnen sich durch ihre
geringe Gesamtdicke aus und sind somit besonders für die Befestigung des erfindungsgemäßen
Gegenstandes in modernen Fenster- oder Türrahmen geeignet. In die modernen Rahmen
können nur flache Befestigungssysteme eingesetzt werden, da diese heute äußerst paßgenau
hergestellt werden.
[0040] Sowohl die doppelseitigen Klebebänder wie auch die beschriebenen Klettsysteme können
zu 100% rundum im, vor oder hinter dem Tür- oder Fensterrahmen verklebt werden. Vorstellbar
sind aber auch verklebte Teilstücke vorzugsweise an den Ecken eines Fenster- oder
Türrahmens.
Befestigung vor der Gebäudeöffnung
[0041] Die Befestigung des textilen Schutzsystems kann prinzipiell an 3 Orten erfolgen:
- Außen auf dem Fensterrahmen --> Textiles Schutzsystem außen vor der Scheibe
- Im Fensterrahmen (Innenfalz, Innenzargen) --> Textiles Schutzsystem außen vor der
Scheibe.
Innen auf dem Fensterrahmen --> Tertiles Schutzsystem innen vor der Scheibe.
[0042] Für eine Insektenschutzfunktion ist der Befestigungsort unerheblich. Für eine Sonnenschutzfunktion
sollte das System außen vor der Scheibe befestigt werden.
[0043] Durch die rundum Befestigung des Schutzsystems vor der Gebäudeöffnung wird auch,
im Gegensatz zu seitlich offenen Rollos, ein wirksamer Schutz gegen eine konvektive
Wärmeströmung erreicht. Das erfindungsgemäße dichte textile Material zeigt reduzierende
windhemmende Eigenschaften.
Farbliche Gestaltungsmöglichkeiten des textilen Materials
[0044]
- Das textile, einseitig metallisierte Material kann zur Gegenseite jede beliebige Farbe
aufweisen.
- Eine Bedruckung mit bunten Motiven oder Logos ist auf der metallisierten Seite und/oder
der Gegenseite ebenfalls möglich.
- Auch kann ein Gewebe eine ästhetische Strukturierung aufweisen.
4. Charakterisierung der eingesetzten textilen Materialien
[0045] Tabelle 1 gibt eine Überblick über die eingesetzten einseitig metallisierten textilen
Materialien und die mechanischen Eigenschaften.
Tabelle 1
| Übersicht über die eingesetzten textilen Materialien. |
| |
Charakterisierung |
| |
Typ A |
Typ B |
Typ C |
Typ D |
| Material |
Polyester (+ UV Schutzausrüstung) |
Polyester (+ UV Schutzausrüstung) |
Polyester (+ UV Schutzausrüstung) |
Polyester (+ UV Schutzausrüstung) |
| Flächengewicht (g/m2) quer |
70 |
49 |
27 |
33 |
| Fadenzahl (5 cm) längs 1) |
2303) |
145 |
100 |
165 |
| Fadenzahl (5 cm) quer 1) |
2253) |
135 |
58 |
140 |
| Höchstzugkraft (N/cm) längs 2) |
89 |
69 |
37 |
36 |
| Höchstzugkraft (N/cm) quer 2) |
111 |
65 |
16 |
26 |
| Reißdehnung (%) quer 2) |
57 |
62 |
67 |
43 |
| Reißdehnung (%) längs 2) |
68 |
65 |
37 |
67 |
| Farbe des textilen Materials |
weiß |
weiß |
weiß |
weiß |
| 1) Ausgezählt unter der Meßlupe. |
| 2) Messungen in Anlehnung an die DIN 53815 (Probenbreite 20 mm, Zug geschwindig keit
300 m / min). |
| 3) Fäden in Vierergruppen angeordnet. |
[0046] Typ A und Typ B sind so gewebt, daß sich rechteckige Löcher ergeben. Die Maschenweiten
sind so eingestellt, daß sich trotz des geringes Flächengewichts der beiden Gewebe
eine hohes Kette-Schußverhältnis ergibt.
Abbildung 1 zeigt exemplarisch eine 40-fache Vergrößerung des Gewebetyps B. Die Maschenweite
längs zu quer liegt ca. bei 230 µm zu 250 µm.
Beschreibung der Spektralmessungen und Ergebnisse
Meßtechnische Durchführung
[0047] Die spektralen Transmissionsmessungen wurden mit einem kommerziellem Zweistrahl-Gitterspektrometer
Perkin-Elmer Lambda-9 mit einem Ulbrichtkugeleinsatz durchgeführt. (Durchmesser der
Kugel 150 mm). Die Beschichtung der Kugel basiert auf Bariumsulfat. Die zwei Detektoren
(Photomultiplier, Bleisulfid-Zelle) dekken das gesamte Solarspektrum von 300nm bis
2500nm ab. Die Strahlgröße ist in etwa 8 mm x 12 mm. Damit wird der normal-hemisphärische
Transmissionsgrad τ
nh bestimmt.
[0048] Winkelabhängige Messungen wurden mit einer Apparatur bestehend aus einer Ulbrichtkugel
mit dem Durchmesser 65cm und dem Öffnungsdurchmesser 10 cm durchgeführt. Große Proben
können hiermit homogen beleuchtet werden und das transmittierte Signal kann an einer
zentralen Stelle der Probe bestimmt werden. Das kollimierte Licht fällt mit einem
Öffnungswinkel kleiner 0,5° auf die Probe. Durch Drehung der Apparatur mit Probe kann
die winkelanhängige Transmission bestimmt werden. Der Detektor mißt lichttechnisch
und strahlungsphysikalisch breitbandig das transmittierte Signal. Aus Vergleichen
mit spektralen Messungen können auch spektrale Kurven bei anderen Einfallswinkeln
angegeben werden.
[0049] Die Ergebnisse werden beispielhaft an den Mustertypen A und B aufgezeigt.
[0050] Die Spektren wurden mit dem Standardspektrum nach DIN 67509 sowie mit dem Lichtspektrum
D65 mit V(λ)-Charakteristik gefaltet. Bei dem ersten Spektrum ergeben sich solare
Integralwerte, bei dem zweiten Spektrum lichttechnische Kennwerte. Die Ergebnisse
sind in der nachfolgenden Tabelle 2 aufgeführt. Die spektralen Kurven sind in den
Abbildungen 2 und 3 dargestellt.
Tabelle 2
| Transmissionsgrad aus Spektren, senkrechter Einfall. |
| Bereich |
Winkel |
Typ A |
Typ B |
| Licht |
0° |
19,8 % |
44,8 % |
| Strahlung |
0° |
20,0 % |
45,1 % |
[0051] Aus den integralen winkelabhängigen Messungen ergeben sich folgende Transmissionsgrade
bei verschiedenen Einfallswinkeln (Tabelle 3a,3b).
Tabelle 3a
| Transmissionsgrad, Integralmessung Licht. |
| Bereich |
Winkel |
Typ A |
Typ B |
| Licht |
0° |
21,2 % |
45,2 % |
| |
30° |
20,6 % |
43,9 % |
| |
45° |
20,1 % |
41,0 % |
| |
60° |
18,4 % |
34,5 % |
Tabelle 3b
| Transmissionsgrad, Integralmessung Solarbereich. |
| Bereich |
Winkel |
Typ A |
Typ B |
| Strahlung |
0° |
22,0 % |
46,4 % |
| |
30° |
21,8 % |
44,8 % |
| |
45° |
20,5 % |
41,4 % |
| |
60° |
19,9 % |
35,6 % |
[0052] Bei der Auswertung der integralen Messung wurde davon ausgegangen, daß die transmittierte
Strahlung diffus in die Kugel einfällt. Die Übereinstimmung mit den Messungen am Zweistrahlspektrometer
sind hervorragend.
[0053] In den Abbildungen 2 und 3 sind die spektralen Transmissionskurven der Gewebemuster
Typ A und Typ B dargestellt, wobei von den integralen Werten der Tabelle 3a/3b ausgegangen
wurde.
Dadurch ergibt sich eine gewisse Näherung, da die Winkelabhängigkeit für den Licht-
und Solarbereich leicht unterschiedlich ist. Es ergibt sich ein Fehler in den einzelnen
Spektralbereichen von ca. ± 1%.
5. Anwendungsbeispiele
Beispiel 1
[0054] Ein Fenster vom Typ Velux mit den Abmessungen 1,20 m x 1,40 m (Breite x Höhe) soll
mit einem kombinierten Insekten- und Sonnenschutzsystem ausgerüstet werden. Der Fensterflügel
kann nur nach innen geöffnet werden.
[0055] Ein doppelseitiges Klebeband (tesafix 51977) in 10 mm Breite wird in den Innenfalz
des Fensterrahmens eingeklebt. Das zugeschnittene einseitig metallisierte textile
Material Typ A (Tabelle 1) wird so in den Innenfalz des Fensterrahmens eingeklebt,
daß die metallisierte Seite des textilen Materials nach außen weist.
Vorteil des Systems:
[0056]
- Insektenschutz
- Sonnenschutz
- Transparenz
- gute Raumbelüftung
- leichte Montage
Beispiel 2
[0057] Eine Tür mit den Abmessungen 0,75 m x 2,25 m (Breite x Höhe) soll mit einem kombinierten
Insekten- und Sonnenschutzsystem ausgerüstet werden. Der Türflügel kann nur nach innen
geöffnet werden.
Ein Klettsystem von der Firma G.Binder GmbH & Co, D-71084 Holzgerlingen, bestehend
aus Pilzband (Pressotex®-Haft, Art. 79167) und Flauschband (Klettostar®-Flausch, Art.
49249) in jeweils 8,5 mm Breite wird dazu in den Innenfalz des Türrahmens eingeklebt.
Das zugeschnittene einseitig metallisierte textile Material Typ C (Tabelle 1) wird
so auf das Klettsystem aufgeklebt, daß die metallisierte Materialseite nach außen
weist.
Vorteile des Systems:
[0058]
- Wie in Beispiel 1.
- Zusätzlich erlaubt das Klettsystem eine mehrfach reversible Befestigung des Schutzsystems.
Nach Entfernung des textilen Schutzsystems kann die Tür durchschritten werden.
Beispiel 3
[0059] Ein Fenster vom Typ Velux mit den Abmessungen 1,35 m x 1,60 m (Breite x Höhe) soll
mit einem kombinierten Insekten- und Sonnenschutzsystem ausgerüstet werden. Der Fensterflügel
kann nur nach außen geöffnet werden.
Ein flaches Mikroklettsystem in 10 mm Breite der Firma Binder bestehend aus Pilzband
(Höhe 0,8 mm) und Flauschband wird dazu in den Innenfalz des Fensterrahmens eingeklebt.
Das zugeschnittene einseitig metallisierte textile Material Typ B (Tabelle 1) wird
so eingeklebt, daß die metallisierte Seite nach außen weist
Vorteil des Systems:
[0060]
- Wie in Beispiel 1.
- Nach Entfernung des Schutzsystems wird der Schließhebel zugänglich und das Fenster
kann geöffnet oder geschlossen werden.
- Fensterflügel und Fensterrahmen sind von hoher Paßgenauigkeit. Hier kann nur ein sehr
flaches Mikroklettsystem im Fensterrahmen verklebt werden. Ein Standardklettsystem
, wie z.B. in Beispiel 2 beschrieben, würde den Schließprozeß des Fensters beeinträchtigen.
Beispiel 4
[0061] Ein Fenster mit den Abmessungen 1,10 m x 1,25 m (Breite x Höhe) soll mit einem kombinierten
Insekten- und Sonnenschutzsystem ausgerüstet werden. Der Fensterflügel kann nur nach
innen geöffnet werden.
[0062] Ein stripfähiges doppelseitiges Klebeband (DE 195 31 696) in 7 mm Breite wird in
den Innenfalz des Fensterrahmens eingeklebt. Das zugeschnittene einseitig metallisierte
textile Material Typ D (Tabelle 1) wird so in den Innenfalz des Fensterrahmens eingeklebt,
daß die metallisierte Seite des textilen Materials nach außen weist.
Vorteil des Systems:
[0063]
- Wie in Beispiel 1.
- Das doppelseitige Klebeband kann durch Ziehen nahezu parallel zur Verklebungsebene
leicht entfernt werden. Da die Innenfalzbereiche in älteren Fenstern nur schwer zugänglich
sind ist daher eine leichte Entfernbarkeit vorteilhaft.
1. Schutzsystem für Gebäudeöffnungen, insbesondere Sonnen- und Insektenschutzsystem,
aus
a) einem flächigen Faser-Material, welches
b) ein- oder beidseitig metallisiert ist, und
c) einem Befestigungs-System an mindestens Teilbereichen des Schutzsystems, insbesondere
an dessen Rändern.
2. Schutzsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Fasermaterial ein Gewebe,
Gelege, Geflecht, Gewirke, Gestricke oder Vlies ist.
3. Schutzsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Fasermaterial aus Kunstfasern
oder Naturfasern besteht.
4. Schutzsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Fasermaterial durch
thermische Verdampfung, Sputterverfahren, galvanisch, Elektronenstrahlbedampfung oder
Sprühverfahren metallisiert ist.
5. Schutzsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Fasermaterial mit Aluminium
metallisiert ist.
6. Schutzsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Fasermaterial mit einem
Schutzlack versehen ist.
7. Schutzsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Befestigungssystem aus
einem Klettsystem oder einem doppelseitig klebenden Klebeband besteht.
8. Schutzsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Fasermaterial Öffnungen
aufweist, die Insekten zurückhalten.
9. Schutzsystem nach Anspruch 1, wie in den Beispielen beschrieben.
10. Verwendung eines Schutzsystems nach einem der Ansprüche 1 - 9 als Sonnen- und Insektenschutzsystem
für Gebäudeöffnungen, insbesondere Fenster.