[0001] Die Erfindung betrifft ein Schutzschild für Polizeikräfte nach dem Oberbegriff des
Anspruch 1.
[0002] Ein dem Oberbegriff zugrunde liegendes Schutzschild ist im Markt erhältlich. Die
drei Hauptbestandteile des vorbekannten Schutzschildes, nämlich das eigentliche Schild,
ein in etwa kleeblattförmig geformtes Schildversteifungselement sowie die formangepaßten
Abstützungs- und die Halteelemente sind sämtlich aus Polycarbonat hergestellt und
paarweise mittels Nieten verbunden. Das eigentliche Schild selbst ist allkantig verformt
und zur zentralen Zone des Schildes hin konvex gewölbt. Das kleeblattförmige Schildversteifungselement
liegt an der Schildinnenseite an, d.h. der Seite, die der Benutzungsperson zugewandt
ist, wobei je eine Niete das Schild mit einem der Blätter des Kleeblattes verbindet.
Die formangepaßten Abstützungs- und Halteelemente sind, wie das Schild, einteilig
aus Polycarbonat vakuum-tiefgezogen, wobei die Innenseite der Abstützungs- und Halteelemente
sich kreuzende halbschalenförmige Vertiefungen für die Benutzungsperson aufweist und
ihre Außenseite eine der Schildinnenseite entsprechende Kontur hat. Die Befestigung
der formangepaßten Abstützungs- und Halteelemente erfolgt außerhalb des Schildversteifungselementes,
nämlich einerseits an den seitlichen Randverformungen, andererseits an mehreren über
das Schild verteilten Punkten. Für Armringe und Haltegriffe weisen die halbschalenförmigen
Wölbungen an ihren maximalen Erhebungen angepaßte Aussparungen auf.
[0003] Das Anordnungsprinzip der Abstützungs- und Halteelemente ist im wesentlichen aus
der DE 31 42 635 bekannt. Auch bei dieser ist das eigentliche Schild konvex gewölbt,
wobei zur Versteifung des Schildes vom zentralen Bereich strahlenförmig nach außen
verlaufende Verstärkungsrippen vorgesehen sind.
[0004] Die an ein Schutzschild für Polizeikräfte gestellten Anforderungen sind in den technischen
Richtlinien für Schutzschilde festgelegt. Hierzu zählen ein Maximalgewicht von 3,5
kg, eine Halterung für den Unterarm, die bei Überbelastung den Arm freigibt, die Abmaße
des Schutzschildes, einen Anteil von 65 % der Schildfläche aus durchsichtigem Material
usw.. Auch die Anforderungen an Bestichfestigkeit, Temperatur- und Chemikalienverhalten,
Elastizität sowie die Art der Bestichfestigkeitsprüfung sind in den technischen Richtlinien
festgelegt.
[0005] Die vorbekannten Schutzschilder haben zwar viele der festgelegten Anforderungen erfüllt,
allerdings zeigte sich, daß lokale Schwächen bei der Bestichfestigkeit auftreten.
Aufgrund der Eigensteifigkeit des Schutzschildes müssen diese nämlich nahezu die volle
Auftreffkraft der Stichwaffen bzw. Prüfdorne aushalten.
[0006] Der Erfindung liegt ausgehend vom vorerwähnten Stand der Technik die Aufgabe zugrunde,
bei einem Schutzschild, unter Einhaltung der in den technischen Richtlinien festgelegten
Anforderungen, insbesondere ohne Vergrößerung des Gewichts, die Bestichfestigkeit
zu verbessern.
[0007] Diese Aufgabe wird durch die im Kennzeichen des Anspruchs 1 wiedergegebene Erfindung
gelöst.
[0008] Die Erfinder haben nämlich erkannt, daß es darauf ankommt, eine sichere "Armbefestigung"
mit hoher Randflexibilität des eigentlichen Schildes zu kombinieren und in der zentralen
Zone die Steifigkeit bei gleichzeitig bestichfester Oberfläche wesentlich zu erhöhen.
Unter sicherer "Armbefestigung" ist einerseits der Schutz gegen Bestich, andererseits
eine möglichst starre Befestigung für die Abstützungs- und Halteelemente zu verstehen.
Die erfindungsgemäße Lösung besteht im Kern daher darin, die zentrale Zone des Schutzschildes
durch eine äußere stichfeste Lage zu schützen, wobei diese Lage gleichzeitig zur Befestigung
der Halteteile und gegebenenfalls auch der Abstützungselemente verwendet wird. Die
Erfindung sieht vor, auf der Schildaußenseite ein Zusatzschild, insbesondere aus Metall,
zu befestigen. Eine Stichwaffe, die bei einem Angriff gegen die Benutzungsperson des
Schutzschildes geführt wird, trifft entweder auf das Zusatzschild auf und wird an
dieser stumpf, oder es gleitet an den flexibleren Randzonen ab.
[0009] Vorteilhafte Ausgestaltungen ergeben sich aus den Unteransprüchen. So kann das formangepaßte
Abstützungselement aus einer Hartschaum- oder Kautschuklage bestehen, deren eine Seite
die Erhebungen zur formangepaßten Abstützung des Unterarmes aufweist und deren andere
Seite, sozusagen die Montageseite mit dem Schild, nahezu planflächig bzw. eben ausgeführt
ist. Die plane Seite der Abstützung ist vorzugsweise mit einer dünnen, kreuzförmig
ausgebildeten Platte, beispielsweise durch Kleben, direkt verbunden. Diese Platte
bildet dann gleichzeitig das Schildversteifungselement und die Befestigungsfläche
für die Abstützungselemente. In montiertem Zustand wird so ein Schutzschild in Sandwichbauweise
geschaffen, das den technischen Richtlinien entspricht und, wegen des auf der Schildaußenseite
liegenden Zusatzschildes, die Bestichfestigkeit erhöht.
[0010] Da die Hauptbestandteile (Schild, Schildversteifungselement und Zusatzschild) im
wesentlichen planflächig sind, kann auf das kostenaufwendigere Vakuum-Tiefziehen verzichtet
werden.
[0011] Die Höhe des montierten Schutzschildes ist geringer als bei den vorbekannten Schutzschildern,
so daß auch Transport und Lagerung der erfindungsgemäßen Schutzschilder gegenüber
den oben erwähnten Schutzschildern verbessert ist.
[0012] Das Zusatzschild sowie das Schildversteifungselement (kreuzförmige Platte) sind vorzugsweise
aus Metall, insbesondere Aluminium gefertigt.
[0013] Weitere Vorteile und Ausgestaltungen der Erfindung werden aus der nachfolgenden Beschreibung
unter Bezugnahme auf die Zeichnung, die nur schematisch den Erfindungsgedanken verdeutlichen
soll. Die erfindungsgemäß zu verwendenden Bauteile unterliegen in ihrer Größe, Formgestaltung,
Materialauswahl und technischen Konzeption, soweit die technischen Richtlinien eingehalten
werden, keinen besondere Ausnahmebedingungen, so daß die im Anwendungsgebiet bekannten
Auswahlkriterien uneingeschränkt Anwendung finden können. In der Zeichnung zeigen:
- Fig. 1 A
- eine Schnittansicht des Schutzschildes entlang Ia-Ia in Figur 3 mit Ansicht der Unterarmspange;
- Fig. 1 B
- eine Schnittansicht des Schutzschildes entlang Ib-Ib in Figur 3 mit Ansicht des Handgriffs;
- Fig. 2
- eine Draufsicht auf die Schutzschildaußenseite;
- Fig. 3
- eine Draufsicht auf die Schutzschildinnenseite mit Abstützungs- und Halteelementen;
und
- Fig. 4
- eine Schnittansicht des Schutzschildes entlang IV-IV in Fig. 3.
[0014] Fig. 1A zeigt einen Schnitt durch ein insgesamt mit 10 bezeichnetes Schutzschild.
Das eigentliche Schild 1 hat vorzugsweise eine rechteckige Grundform mit den polizeilich/technischen
Richtlinien entsprechenden Maßen von 950 x 550 mm. Auf der Schildaußenseite 1' ist
ein Zusatzschild 2, auf der Schildinnenseite 1'' ein Schildversteifungselement 3 angeordnet,
wobei im gezeigten Ausführungsbeispiel Zusatzschild 2, Schild 1 und Schildversteifungselement
3 mittels Blindnieten 4 kraft- und wahlweise formschlüssig miteinander verbunden sind.
Hierzu sind im Zusatzschild 2, im Schild 1 und im Schildversteifungselement 3 im Montagezustand
zueinander fluchtende Bohrungen 5, 6, 7 vorgesehen. Wie aus der Fig. 1A bereits ersichtlich,
erstrecken sich das Zusatzschild 2 und das Schildversteifungselement 3 nicht über
die gesamte Fläche des Schildes 1; vielmehr nimmt das Zusatzschild 2, wie auch aus
Fig. 2 ersichtlich, im wesentlichen die Fläche der zentralen Zone des Schutzschildes
10 ein. Das Schildversteifungselement 3 ist im gezeigten Ausführungsbeispiel (siehe
Fig. 3) eine als rechtwinkliges Kreuz zugeschnittene Platte aus Leichtmetall, insbesondere
Aluminium.
[0015] Die Innenseite 3' des Schildversteifungselementes ist auf geeignete Weise, beispielsweise
durch Kleben, mit dem Abstützungselement 8 für den Unterarm verbunden. Hierzu ist
das Abstützungselement auf seiner Außenseite 8'' planflächig bzw. eben, während die
Innenseite 8' des Abstützelementes eine konkave halbschalenförmige Wölbung 9 zur Abstützung
des Unterarmes aufweist. Die Wölbung ist von einer Armspange 11 übergriffen. Das eine
Ende der Armspange hat einen abgewinkelten Befestigungssteg 21. Dieser ist mit weiteren
Blindnieten 22, die Bohrungen 23 bzw. 24 durchgreifen, kraft-und formschlüssig mit
dem Zusatzschild 2 und dem Schild 1 verbunden; das andere Ende der Armspange ist frei,
damit der eingelegte Arm bei einer Überbelastung freigegeben wird.
[0016] Fig. 1B zeigt einen Schnitt durch das Schutzschild 10 in einer zur Schnittansicht
gemäß Fig. 1A parallelen Ebene, allerdings ist hier nicht die Armspange sondern der
Handgriff 13 zu sehen. Die Sandwichbauweise von Zusatzschild 2, eigentlichem Schild
1 und Schildversteifungselement 3 entspricht derjenigen gemäß Fig. 1A. Der Handgriff
13, vorzugsweise aus Kunststoff oder Leichtmetall, hat eine etwa C-förmige Kontur
und übergreift, wie die Armspange, die halbschalenförmige Wölbung des Abstützelementes
8. Die Stirnseiten des Handgriffs 13 liegen an der Schildinnenseite an und sind mittels
Verbindungsschrauben 15 kraft- und formschlüssig am Zusatzschild 2 durch das eigentliche
Schild 1 hindurch befestigt. Die Formschlüssigkeit kann durch Messinghülsen 16, die
in die zugehörigen, dann entsprechend größer ausgebildeten Bohrungen 17, 18 von Zusatzschild
2 bzw. Schild 1 eingesetzt sind, erhöht werden. Gleichzeitig verhindern die Messinghülsen
16 eine Beschädigung der Innenflächen der Bohrungen 17, 18, so daß insbesondere das
Schild 1 durch die am Handgriff 13 wirkenden Haltekräfte punktuell nicht so stark
belastet wird.
[0017] Die Anordnung der einzelnen Elemente zueinander ist besonders deutlich aus Fig. 3
ersichtlich. Zusatzschild 2 liegt (in dieser Darstellung) von unten gegen das Schild
1 an. Das Schildversteifungselement 3 ist als rechtwinkliges Kreuz aus plattenförmigem
Material geformt, z. B als Schneid- oder Stanzteil, und liegt an der Schildinnenseite
flächig an. Die Kontur des Zusatzschildes 2 ist derart gewählt, daß die Verbindungsschrauben
für die Handgriffe 13 und die Armspangen 11 den Schild 1 und den Zusatzschild 2 durchgreifen.
Im gezeigten Ausführungsbeispiel hat das Abstützungselement 8 in etwa die gleiche
Grundrißform wie das Schildversteifungselement 3 und es sind je zwei Armspangen 11
und Handgriffe 13 vorgesehen, wie dies im einzelnen aus der DE 31 42 635 bekannt ist.
Die Handgriffe und Armspangen sowie das Abstützungselement für den jeweils anderen
Arm können weggelassen werden, so daß sich das Abstützungselement nur über eine Achse
des kreuzförmigen Schildversteifungselementes 3 erstreckt. In Fig. 3 sind auch Halterungen
19A und 19B zur Aufnahme eines Schlagstockes ersichtlich, die wahlweise beidseitig
mittels Verbindungsschrauben am Schild 1 nahe der abgewinkelten seitlichen Randflächen
20 des Schildes 1 befestigt sein können. Der Winkel W zwischen den abgewinkelten seitlichen
Randflächen 20 und dem Schutzschild 1 ist unter Berücksichtigung der oben erwähnten
technischen Richtlinie wählbar und hier 30°.
[0018] Das Schutzschild kann beispielsweise aus einem Schild 1 aus durchsichtigem, 3 mm
starkem Polycarbonat, einem Zusatzschild aus 1,2 mm starkem Aluminium und einem Schildversteifungselement
3 aus 1,0 mm starkem Aluminium aufgebaut werden. Zur Gewichtsreduzierung sollten auch
die Blindnieten und der Handgriff aus Aluminium bestehen, wobei letzterer wie die
Armspange auch aus Kunststoff sein kann. Für die Armauflage wird vorzugsweise ein
PU-Schaum oder Zellkautschuk verwendet, dessen Mindestdicke etwa 20 mm beträgt und
der sich in den Randbereichen bis etwa 40 mm erhöht.
[0019] Sollten sich die in den technischen Richtlinien festgelegten Werte ändern, ist aufgrund
des einfachen Aufbaus des erfindungsgemäßen Schutzschildes eine Anpassung an geänderte
Anforderungen auf einfachste Weise möglich. Insbesondere kann wahlweise das Zusatzschild
verstärkt werden, um die Bestichfestigkeit in der zentralen Zone zu erhöhen. Die diagonale
Erstreckung des Schildversteifungselementes kann verlängert werden, um die Steifigkeit
des Schutzschildes in den Randbereichen zu erhöhen, oder es kann die Dicke des eigentlichen
Schildes erhöht oder erniedrigt werden.
Bezugszeichenliste
[0020]
- 10
- Schutzschild
- 1
- Schild
- 1'
- Schildaußenseite
- 1''
- Schildinnenseite
- 2
- Zusatzschild
- 3
- Schildversteifungselement
- 3'
- Schildversteifungselementinnenseite
- 4
- Blindniete
- 5, 6, 7
- Bohrungen
- 8
- Abstützungselement
- 9
- halbschalenförmige Wölbung
- 11
- Armspange
- 12
- Blindnieten
- 13
- Handgriff
- 14
- Stirnseiten des Handgriffs
- 15
- Verbindungsschraube
- 16
- Messinghülse
- 17, 18
- Bohrungen
- 19A, B
- Schlagstockhalterung
- 20
- abgewinkelte, seitliche Randfläche
- 21
- Befestigungssteg
- 22
- Blindnieten
- 23, 24
- Bohrung
- W
- Winkel
1. Schutzschild für Polizeikräfte und dergleichen, bestehend aus dem eigentlichen Schild
(1), mindestens einem Schildversteifungselement für die zentrale Zone des Schutzschildes
(19) sowie formangepaßten Abstützungs- und Halteelementen (8 und 11, 13) für das Abstützen
des Unterarms der Benutzerperson und das lösbare Festhalten des Schutzschildes durch
die Benutzerperson,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein der Größe der zentralen Zone etwa entsprechendes Zusatzschild (2) auf der
Schildaußenseite (1') in der zentralen Zone an dem Schild (1) befestigt ist und
daß Befestigungsmittel (4; 15) für die Halteelemente (11, 13), und ggf. auch für die
Abstützungselemente (8), das Schild (1) und das Zusatzschild (2) durchgreifen oder
an dem Zusatzschild (2) angreifen und das Schild (1) durchgreifen.
2. Schutzschild nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Zusatzschild (2) aus
Metall, insbesondere Aluminium, besteht.
3. Schutzschild nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Schildversteifungselement
(3) aus Metall, insbesondere Aluminium, besteht.
4. Schutzschild nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Befestigungsmittel
(4) für die Abstützungselemente (8) Blindnieten, insbesondere aus Aluminium, sind.
5. Schutzschild nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Befestigungsmittel
(11; 13) für die Halteelemente Schrauben (15) sind.
6. Schutzschild nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Abstützungselement
(8) mit dem Schildversteifungselement (3), insbesondere durch Kleben, verbunden ist.
7. Schutzschild nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß das Schild
(1) in der zentralen Zone, das Schildversteifungselement (3) und das Zusatzschild
(2) im wesentlichen eben sind.
8. Schutzschild nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Schild (1) an den Längsseiten
nach innen abgewinkelte Randstreifen (20) aufweist.
9. Schutzschild nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß das Abstützungselement
aus einer PU-Schaum- oder Zellkautschuklage besteht, deren eine Seite eben ist und
deren andere Seite konkave Vertiefungen zur Abstützung des Unterarmes aufweist.