Technisches Gebiet
[0001] Ein strukturiertes Textilmaterial aus mindestens zwei verschiedenen Basisvliesen
findet insbesondere als Reinigungstextilie Verwendung.
Stand der Technik
[0002] Eine Reinigungstextilie aus einem strukturierten Textilmaterial aus mindestens zwei
Basisvliesen ist aus der WO 94 23 634 bekannt. Weiterhin ist aus der WO 90 14 039
ein strukturiertes textiles Flächenmaterial bekannt, welches aus einem Vlies besteht,
aus welchem eine Vielzahl von Fadenschlaufen beziehungsweise Faserenden durch Nadelung
hervorgehoben sind.
[0003] Ein Verfahren zur seiner Herstellung ist in der GB 2 162 213 offenbart. Dort werden
die Strukturen durch Nadeln eines Vlieses hergestellt, wobei Fasern oder Filamente
aus der Gegenfläche mittels Widerhaken herausgezogen werden, wodurch die Strukturen
aus hauptsächlich Material der jeweils gegenüberliegenden Fläche bestehen.
[0004] Der Nachteil von bislang bekannten strukturierten Textilmaterialen aus mindestens
zwei verschiedenen unverfestigten Basisvliesen besteht darin, daß bereits durch die
Vernadelung der beiden unverfestigten Basisvliese auf der Ausstichseite ein Basisvlies
in einer Mischfarbe entsteht. Auch bei der Herstellung der Strukturierungen mittels
Durchnadeln der Fasern eines Basisvlieses durch das andere Basisvlies entstehen weitere
Mischeffekte, die das fertige Textilmaterial unschön aussehen lassen und die spezifischen
Gebrauchseigenschaften des Fasermaterials eines Basisvlieses abschwächen.
[0005] Die Aufgabe besteht darin, ein strukturiertes Textilmaterial aus mindestens zwei
verschiedenen Basisvliesen zu schaffen, bei dem eine Vermischung der Fasern vermieden
wird.
Darstellung der Erfindung
[0006] Erfindungsgemäß weisen die Basisvliese eine durch Nadelung von mindestens einer Seite
erhaltene Struktur auf, wobei die zur Strukturnadelung verwendeten Nadeln Gabel- oder
Kronennadeln sind und die Tiefe der Gabein beziehungsweise der Bärte so gewählt ist,
daß sich diese beim Durchstich vollständig mit Fasern des den Nadeln zugewandten Basisvlieses
füllen und wobei das Textilmaterial im Muster, im Fond und auf der Rückseite unvermischte,
reine Fasern aufweist.
[0007] Ein Textilmaterial mit diesen Merkmalen hat den Vorteil, daß die spezifischen Gebrauchseigenschaften
des Fasermaterials eines Basisvlieses bei der Strukturierung erhalten bleiben. Im
Falle verschiedener Farben der Basisvliese werden reine Farben im Muster, im Fond
und auf der Rückseite erhalten. Hierdurch lassen sich auch optische Effekte erzielen.
[0008] Zur Erhöhung der Spaltfestigkeit können die Schmelzfasern aufweisenden Basisvliese
miteinander kaschiert sein und wird die Verbindung der beiden Basisvliese durch Aktivierung
der vertikal getstellten Schmelzfasern noch verstärkt. Für das Kaschieren sind im
Prinzip alle bekannten Verfahren und alle bekannten Bindemittel einsetzbar, wobei
jedoch diejenigen vorzuziehen sind, die eine gute Verklebung und eine geringe Versteifung
des Textilmaterials geben und eine Waschbeständigkeit von mindestens 60°C, besser
noch 95°C erbringen.
[0009] Vorteilhafterweise weist mindestens ein Basisvlies Schmelzfasern auf, die in ihren
Eigenschaften so ausgewählt sind, daß sie während des Kaschierens nicht aktiviert
werden. Hierdurch wird es möglich, die nicht gebundenen Basisvliese durch Nadelung
mit den gewünschten Strukturen zu versehen.
[0010] Für die Kaschierung der beiden Basisvliese kann ebenso zwischen die beiden Schmelzfasern
aufweisenden Basisvliese eine Zwischenlage aus einem eine Klebung der beiden Basisvliese
vermögenden Werkstoff, insbesondere ein Klebevlies, eingebracht sein und kann die
Verbindung der beiden Basisvliese und der Zwischenlage durch Aktivierung der Schmelzfasern
und der Zwischenlage hergestellt sein. Zwar besteht die Gefahr, daß Anteile der Zwischenlage
in die Struktur mit eingenadelt werden, dies kann aber unter Umständen sogar erwünscht
sein und erhöht die Spaltfestigkeit.
[0011] Obwohl die Wahl der Seiten der zu verbindenden Basisvliese grundsätzlich für die
vorliegende Erfindung egal ist, ist es vorteilhaft, wenn die Durchstichseiten der
durch Nadelung von einer Seite verfestigten Basisvliese einander zugewandt sind.
[0012] Um die Wirkung der Strukturierungen zu verstärken, können die Basisvliese unterschiedliche
Materialeigenschaften, insbesondere der Reinigungsfähigkeit aufweisen.
[0013] Ein erfindungsgemäßes Verfahren zur Herstellung eines aus mindestens zwei verschiedenen
Basisvliesen bestehenden strukturierten Textilmaterials mit durch Nadelung entstandenen
ein- oder zweiseitigen Strukturen, wobei das Textilmaterial im Muster, im Fond und
auf der Rückseite unvermischte, reine Fasern aufweist, besteht darin, daß eine Kaschierung
der beiden Schmelzfasern aufweisenden vernadelten Basisvliese ohne Aktivierung der
Schmelzfasern erfolgt, daß anschließend eine ein- oder zweiseitige Strukturnadelung
erfolgt und daß die Schmelzfasern der Basisvliese nach der Strukturnadelung aktiviert
werden.
[0014] Gegenüber einem aus zwei unterschiedlichen miteinander vernadelten Vliesen bestehenden
Textilmaterial hat man den Vorteil, daß die Basisvliese bis zur Strukturierung unvermischt
bleiben. Die benötigte Festigkeit der Basisvliese erhält man durch getrenntes Nadeln
der beiden Basisvliese vor der Kaschierung.
[0015] Ein weiteres Verfahren zur Herstellung eines aus mindestens zwei verschiedenfarbigen
Basisvliesen bestehenden strukturierten Textilmaterials mit durch Nadelung entstandenen
ein- oder zweiseitigen Strukturen, wobei das Textilmaterial im Muster, im Fond und
auf der Rückseite unvermischte, reine Fasern aufweist, besteht darin, daß vor dem
Einlauf in eine Strukturnadelmaschine zwischen die beiden Schmelzfasern aufweisenden
vernadelten Basisvliese eine Zwischenlage aus einem eine Klebung der beiden Basisvliese
vermögenden Werkstoff, insbesondere ein Klebevlies, eingebracht wird, daß die beiden
Basisvliese und die Zwischenlage miteinander einer ein- oder zweiseitigen Strukturnadelung
unterworfen werden und daß anschließend die Verbindung der beiden Basisvliese und
der Zwischenlage durch Aktivierung der Schmelzfasern und der Zwischenlage hergestellt
wird.
[0016] Deses Verfahren eignet sich besonders für die einseitige Strukturierung. Es ist aber
auch für die beidseitige Strukturierung einsetzbar, wenn durch das erste, einseitig
aufgebrachte Muster soviel Stabilität erzeugt wird, daß ein zweiter Durchgang ohne
Verschiebung der Lagen zueinander möglich ist.
[0017] Zur Erlangung einer bestmöglichen Reinheit der Fasern ist das Verfahren vorteilhafterweise
so zu führen, daß die zur Strukturnadelung verwendeten Gabel- oder Kronennadeln sich
beim Durchstich vollständig mit Fasern des den Nadeln zugewandten Basisvlieses füllen.
Kurzbeschreibung der Zeichnung
[0018] In der Zeichnung ist ein erfindungsgemäßes Textilmaterial dargestellt. Es zeigt die
- Fig. 1
- einen Schnitt durch das Textilmaterial und die
- Fig. 2
- eine Draufsicht auf ein beidseitig strukturiertes Textilmaterial.
Ausführung der Erfindung
[0019] Ausgehend von zwei in Fig. 1 dargestellten unterschiedlichen vernadelten Basisvliesen
1, 2 mit dem gewünschten Gewicht und den gewünschten Materialeigenschaften stellt
man zunächst ein Laminat aus beiden Vliesen 1,2 her. Dieses Laminat besteht somit
aus zwei Lagen reinen Materials.
[0020] Die beiden Basisvliese 1,2 sind miteinander kaschiert, wobei eine Klebezone 3 vorhanden
ist. Die Klebezone 3 kann auch ein Klebevlies sein.
[0021] Beim Kaschierprozeß wird eine Aktivierung der in den Basisvliesen 1,2 enthaltenen
Schmelzfasern vermieden, sodaß anschließend die Herstellung der Strukturen 4 durch
Nadelung erfolgen kann.
[0022] Die Srukturen werden auf einer Strukturierungsnadelmaschine, z.B. Dilo, Di-Loop oder
andere, mittels Gabel- oder Kronennadeln erezugt. Dabei ist die Tiefe der Gabeln beziehungsweise
der Bärte auf das Faserangebot des Vlieses auf der Einstichseite abzustimmen, damit
diese sich ganz mit den Fasern dieses Vlieses füllen.
[0023] Anschließend wird das strukturierte Laminat thermofixiert. Dabei werden die im Basisvlies
enthaltenen Schmelzfasern aktiviert. Sie verbinden die übrigen Fasern miteinander
und erhöhen die Festigkeit der Basisvliese.
[0024] Da beim Vernadeln der einzelnen Basisvliese und beim Strukturnadeln des Laminats
Schmelzfasern entsprechend ihres Anteils in der Fasermischung quer durch das Material
genadelt werden erhöht sich nach deren Aktivierung die Querstabilität oder Spaltfestigkeit
des Textilmaterials.
[0025] Bei Verwendung eines zwischen den Basisvliesen 1,2 angeordneten Klebevlieses 3 ist
es möglich, die beiden Basisvliese 1,2 mit dem Klebevlies 3 zusammen in die Strukturnadelmaschine
einlaufen zu lassen und alle drei Lagen miteinander durch Nadelung zu strukturieren.
[0026] Bei ausreichender Festigkeit des Laminats gegen Verschiebung der einzelnen Lagen
durch die eingenadelte Struktur 4 ist es möglich, das Laminat zu wenden und erneut
der Maschine zuzuführen.
[0027] Anschließend werden in einem Arbeitsgang die Schmelzfasern in den beiden Basisvliesen
aktiviert und ebenso das Klebevlies für die Laminierung der beiden Basisvliese 1,2.
Dies ist dann ohne weiteres möglich, wenn man die Schmelzfasern und das Material des
Klebevlieses entsprechend der benötigten Aktivierungsbedingungen aufeinander abstimmt.
[0028] Beide Vorgehensweisen erlauben dann, mittels zwei Strukturierungsprozessen in beide
Seiten des Textilnaterials Strukturierungen 5,6 einzubringen, Fig. 2. Diese Strukturierungen
5,6 können längs verlaufende unterbrochene Streifen sein, die zur Vermeidung einer
Übernadelung einen seitlichen Sicherheitsabstand d von mindestens 5 mm aufweisen.
[0029] Die Strukturierungen 5 sind von der dem Betrachter zugewandten Seite auf die dem
Betrachter abgewandte Seite genadelt, sodaß nur Schlitze sichtbar sind.
[0030] Die Strukturierungen 6 sind von der dem Betrachter abgewandten Seite auf die dem
Betrachter zugewandte Seite genadelt, sodaß hier die über das Basisvlies hervorstehenden
Faserbüschel sichtbar sind.
[0031] Insbesondere bei der Herstellung von farbreinen Mustern aus zwei unterschiedlich
gefärbten Basisvliesen hat sich die Erfindung bewährt. Wird in ein Laminat aus zwei
thermofixierbaren farbigen Nadelvliesen mit einer Strukturnadelmaschine einseitig
ein Muster eingenadelt, so entsteht abhängig von der gewählten Einstichseite der Strukturnadeln
bei beispielsweise einem roten und einem blauen Nadelvlies folgendes Produkt:
| |
Einstichseite rot |
Einstichseite blau |
| Musterung/Strukturierung |
rot |
blau |
| Fond um die Musterung |
blau |
rot |
| Rückseite |
rot |
blau |
[0032] Alle Farben sind unvermischt.
[0033] Wenn man beidseitig strukturiert, also über die Breite des Materials beide Seiten
im Wechsel in Streifensektoren in zwei Arbeitsgängen strukturvernadelt, dann erhält
man ein Produkt, das abwechselnd, entsprechend dieser Streifensektoren auf der Ober-
und Unterseite strukturiert ist.
[0034] Dabei ist die Strukturierung auf der einen Seite rot, auf der anderen blau. Die Farbe
des Fonds und der Rückseite ist dann jeweils so wie in der vorstehenden Tabelle aufgezeigt.
[0035] Die unstrukturierten Abstände 7 der Breite d zwischen den gegenseitigen Streifensektoren
5,6 entsprechen in der Farbe den Basisvliesen vor ihrer Zuführung in die Strukturnadelmaschine.
1. Strukturiertes Textilmaterial aus mindestens zwei verschiedenen vernadelten Basisvliesen,
wobei die Basisvliese eine durch Nadelung von mindestens einer Seite erhaltene Struktur
aufweisen, wobei die zur Strukturnadelung verwendeten Nadeln Gabel- oder Kronennadeln
sind und die Tiefe der Gabeln beziehungsweise der Bärte so gewählt ist, daß sich diese
beim Durchstich vollständig mit Fasern des den Nadeln zugewandten Basisvlieses füllen
und wobei das Textilmaterial im Muster, im Fond und auf der Rückseite unvermischte,
reine Fasern aufweist.
2. Textilmaterial nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Schmelzfasern aufweisenden
Basisvliese miteinander kaschiert sind und daß die Verbindung der beiden Basisvliese
durch Aktivierung der Schmelzfasern noch verstärkt ist.
3. Textilmaterial nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens ein Basisvlies
Schmelzfasern aufweist, die in ihren Eigenschaften so ausgewählt sind, daß sie während
des Kaschierens nicht aktiviert werden.
4. Textilmaterial nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen die beiden Schmelzfasern
aufweisenden Basisvliese eine Zwischenlage aus einem eine Klebung der beiden Basisvliese
vermögenden Werkstoff, insbesondere ein Klebevlies, eingebracht ist und daß die Verbindung
der beiden Basisvliese und der Zwischenlage durch Aktivierung der Zwischenlage und
der Schmelzfasern hergestellt ist.
5. Textilmaterial nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Durchstichseiten
der durch Nadelung von einer Seite verfestigten Basisvliese einander zugewandt sind.
6. Textilmaterial nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Basisvliese
unterschiedliche Materialeigenschaften, insbesondere der Reinigungsfähigkeit aufweisen.
7. Verfahren zur Herstellung eines aus mindestens zwei verschiedenen Basisvliesen bestehenden
strukturierten Textilmaterials mit durch Nadelung entstandenen ein- oder zweiseitigen
Strukturen, wobei das Textilmaterial im Muster, im Fond und auf der Rückseite unvermischte,
reine Farben aufweist, dadurch gekennzeichnet, daß eine Kaschierung der beiden Schmelzfasern
aufweisenden vernadelten Basisvliese ohne Aktivierung der Schmelzfasern erfolgt, daß
anschließend eine ein- oder zweiseitige Strukturnadelung erfolgt und daß die Schmelzfasern
der Basisvliese nach der Strukturnadelung aktiviert werden.
8. Verfahren zur Herstellung eines aus mindestens zwei verschiedenen Basisvliesen bestehenden
strukturierten Textilmaterials mit durch Nadelung entstandenen ein- oder zweiseitigen
Strukturen, wobei das Textilmaterial im Muster, im Fond und auf der Rückseite unvermischte,
reine Farben aufweist, dadurch gekennzeichnet, daß vor dem Einlauf in eine Strukturnadelmaschine
zwischen die beiden Schmelzfasern aufweisenden vernadelten Basisvliese eine Zwischenlage
aus einem eine Klebung der beiden Basisvliese vermögenden Werkstoff, insbesondere
ein Klebevlies, eingebracht wird, daß die beiden Basisvliese und die Zwischenlage
miteinander einer ein- oder zweiseitigen Strukturnadelung unterworfen werden und daß
anschließend die Verbindung der beiden Basisvliese und der Zwischenlage durch Aktivierung
der Schmelzfasern und der Zwischenlage hergestellt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, daß die zur Strukturnadelung
verwendeten Gabel- oder Kronennadeln sich beim Durchstich vollständig mit Fasern des
den Nadeln zugewandten Basisvlieses füllen.