[0001] Die Erfindung betrifft ein Betriebsmedium für eine hydrodynamische Maschine, insbesondere
Kupplungen und/oder Bremsen.
[0002] Üblicherweise sind hydrodynamische Maschinen, wie beispielsweise Kupplungen oder
Bremsen (siehe hierzu Voith, Hydrodynamische Getriebe, Kupplungen, Bremsen, Otto Krausskopf-Verlag
GmbH, Mainz, 1970, deren Offenbarungsgehalt vollumfänglich in die vorliegende Anmeldung
mit einbezogen wird) mit Mineralölen als Arbeitsflüssigkeit gefüllt. Dies hatte den
Vorteil, daß die Lagerschmierung durch die Mineralöle stets sichergestellt ist.
[0003] In bestimmten Anwendungsgebieten hydrodynamischer Maschinen, beispielsweise beim
Einsatz von hydrodynamischen Kupplungen zwischen Antriebsmotor und Arbeitsmaschine
im Bergbau, mußte sichergestellt sein, daß das Arbeitsmedium nur schwer entflammbar
ist. Als weitere Forderung ergab sich die nach einer niedrigen Umweltbelastung. Beide
Forderungen, also die der Schwerentflammbarkeit und die einer niedrigen Umweltbelastung,
wurden im Stand der Technik bislang durch den Einsatz von Wasser als Arbeitsmedium
erfüllt. In diesem Zusammenhang wird auf die Gebrauchsmusteranmeldungen G 84 14 929
und G 86 13 508 verwiesen, deren Offenbarungsgehalt vollumfänglich in diese Anmeldung
mit einbezogen wird.
[0004] Die Verwendung von Wasser als Kupplungs-/Arbeitsflüssigkeit hatte eine Reihe von
Nachteilen. So konnten diese Flüssigkeiten nicht zugleich als Schmiermittel für die
Lager verwendet werden. Es war somit eine getrennte Schmierung der Lager erforderlich
und eine Abdichtung derselben gegen den Arbeitsraum. Ein weiterer Nachteil bestand
darin, daß das Arbeitsmedium Wasser im Betrieb an den Innenflächen verschiedener Kupplungsbauteile,
insbesondere den Schaufelrädern, Korrosionsschäden verursachte.
[0005] Durch aufwendige Konstruktionen der Kupplung wurde versucht, diese Nachteile, die
aufgrund des Einsatzes von Wasser als Arbeitsflüssigkeit entstanden, zu beheben.
[0006] So wurde beispielsweise in der G 84 14 929 vorgeschlagen, die von der Arbeitsflüssigkeit
berührten Flächen mit einer Metalloxidschicht zu versehen.
[0007] Alternativ zu Wasser als Betriebsmedium wurde Glykol bzw. Phosphatester eingesetzt,
um die Forderung nach einer niedrigen Umweltbelastung und Schwerentflammbarkeit zu
erfüllen.
[0008] Zwar konnte durch den Einsatz von Glykol als Betriebsmedium eine gleichzeitige Schmierung
der Lager gewährleistet werden, jedoch ergaben sich Probleme im Bereich der Umweltbelastung
bei Einsatz dieses Stoffes. So kann Glykol je nach Hersteller zwar mit der Klassifizierung
in Wassergefährdungsklasse 0 bzw. 1 erhalten werden, trotz der Einordung in Wassergefährdungsklasse
0 ist die Verwendung dieses Betriebsmediums insbesondere in Wasserschutzgebieten aber
schwierig, da die Flüssigkeit eine höhere Dichte als Wasser besitzt und außerdem wasserlöslich
ist.
[0009] Als weiteres Betriebsmedium, das insbesondere die Forderung nach der Schwerentflammbarkeit
erfüllt, ist im Stand der Technik der Einsatz von Phosphatestern genannt. Es ergaben
sich jedoch Probleme betreffend die Lebensdauer der Lager, die aufgrund der verringerten
Schmierung um ca. 20 % bei Verwendung von Phosphatestern herabgesetzt wurde. Außerdem
zeigten die Stoffe eine hohe Umweltbelastung, da Phosphatester unter Temperaturbelastung
zur Bildung toxischer Stoffe neigen.
[0010] Es ist somit Aufgabe der Erfindung, eine Arbeitsflüssigkeit für eine hydrodynamische
Maschine, insbesondere eine Kupplung, zur Verfügung zu stellen, mit der die Nachteile
der zuvor genannten Flüssigkeiten überwunden werden. Außerdem soll eine hohe hydrodynamische
Drehmomentübertragung sowie die Lagerschmierung gewährleistet werden. Betreffend die
Lagerschmierung sollen mit dem neuen Betriebsmedium die Lebensdauern wie bei der Verwendung
von Mineralölen erreicht werden. Des weiteren sollte die Arbeitsflüssigkeit in hohem
Maße thermisch belastbar und die Bildung toxischer Stoffe unter Temperaturbelastung
ausgeschlossen sein. Gelöst wird diese Aufgabe durch das in Anspruch 1 angegebene
Betriebsmedium, das dadurch gekennzeichnet ist, daß es vollsynthetische Ester umfaßt.
[0011] Besonders bevorzugt sind vollsynthetische Ester, die aus Mineralöl synthetisierte
Dikarbonester und/oder Polyolester umfassen.
[0012] Der Einsatz derartiger Arbeitsflüssigkeiten als Betriebsmedien für hydrodynamische
Maschinen hat u.a. den Vorteil, daß ein Umstieg von Mineralöl auf das neue Betriebsmedium
ohne großen Aufwand möglich ist. Insbesondere zeichnen sich die Arbeitsflüssigkeiten
durch eine niedrige Umweltbelastung bei einem eventuellen Austritt aus der Kupplung
aus sowie eine sehr schwere Entflammbarkeit. Daneben besteht die prinzipielle Möglichkeit
der Entsorgung dieser Arbeitsflüssigkeiten gemeinsam mit Mineralöl, was die Entsorgungskosten
erheblich verringert.
[0013] Überraschenderweise hat sich herausgestellt, daß durch den Einsatz des erfindungsgemäßen
Betriebsmediums sowohl die Anforderungen an eine niedrige Umweltbelastung wie auch
der Schwerentflammbarkeit erfüllt werden können. Andererseits trifft dies auch auf
sämtliche technische Erfordernisse, wie beispielsweise eine sich nicht ändernde Viskosität
und auch thermische Stabilität zu. Dies war insbesondere deswegen überraschend, weil
im Gegensatz zu dem erfindungsgemäßen Betriebsmedium bekannt war, daß bei Verwendung
von Estern, die auf natürlicher Basis entstanden waren oder einen Anteil natürlicher
Ester enthielten, die technischen Anforderungen nicht erfüllt werden konnten. Diese
Ester waren wie die erfindungsgemäßen Flüssigkeiten als Hydraulikflüssigkeiten klassifiziert
und für hydrostatische Anwendungen geeignet. Bei Verwendung von derartigen Hydraulikflüssigkeiten
in hydrodynamischen Maschinen, beispielsweise Turbokupplungen oder Bremsen traten
aber die nachfolgenden Probleme auf:
- die Viskosität nahm ständig zu,
- die Fluide zeigten eine mangelnde thermische Stabilität.
Insbesondere führten die in der Kupplung auftretenden thermischen Belastungen zu
einer Zerstörung des Ester, insbesondere der Ester mit nativen Bestandteilen.
[0014] All diese Probleme konnten mit dem vollsythetischen Betriebsmedium auf unerwartet
einfache Art und Weise gelöst werden.
[0015] Betreffend die Schwerentflammbarkeit ist es besonders bevorzugt, wenn das erfindungsgemäße
Betriebsmedium einen Flammpunkt aufweist, der > 280° C ist. Um die Umweltverträglichkeit
zu erhöhen, ist mit Vorteil vorgesehen, daß das erfindungsgemäße Betriebsmedium biologisch
leicht abbaubar ist, sollte es aus dem geschlossenen Kreislauf aufgrund von Leckagen
etc. austreten.
[0016] Nachfolgend sollen Beispiele für die erfindungsgemäßen Betriebsmedien gegeben werden.
Diese Beispiele erläutern lediglich die Erfindung und stellen insbesondere keine Beschränkung
auf ein bestimmtes Betriebsmedium dar. Gemäß der Erfindung werden hiervon alle derartigen
Betriebsmedien erfaßt, die dadurch gekennzeichnet sind, daß sie vollsynthetische Ester
umfassen.
Beispiel 1:
[0017] Betriebsmedium umfassend die schwer entflammbare Hydraulikflüssigkeit RENOSAFE DU
46 der Firma Fuchs Mineralölwerke GmbH, 68145 Mannheim, wobei gemäß vorläufiger Produktinformation
der Firma Fuchs, deren Offenbarungsgehalt vollumfänglich in diese Anmeldung mit aufgenommen
wird, die schwer entflammbare Hydraulikflüssigkeit RENOSAFE DU 46 u. a. folgende Eigenschaften
aufweist:
- einen Viskositätsindex gemäß DIN ISO 2909 von 188, d.h. auch bei hohen Temperaturen
wird mit diesem Betriebsmedium eine ausreichende Schmierung gewährleistet
- Flammpunkt gemäß DIN ISO 2592 von 306° C, so daß eine hohe Brandsicherheit gewährleistet
ist
- Oxidationsstabilität RENOSAFE DU 46 ist oxidativ stabiler als vergleichbare Öle auf
Mineralölbasis, so daß sich keine bzw. nur geringe Mengen von Reaktionsprodukten,
die Korrosion verursachen können, bilden können. Gemäß DIN 51585 beträgt der Korrosionsgrad
gegenüber Stahl 0-A.
[0018] Gemäß dem Sicherheitsdatenblatt nach 91/155/EWG, § 14 GefStoffV, TRGS 220 der Hydraulikflüssigkeit
RENOSAFE DU 46 der Firma Fuchs Mineralölwerke GmbH, Friesenheimer Straße 15, D-68169
Mannheim, dessen Offenbarungsgehalt vollumfänglich in diese Anmeldung mit einbezogen
wird, weist die Hydraulikflüssigkeit eine ausreichende ökologische Verträglichkeit
auf und ist in Wassergefährdungsklasse 1 (Einstufung nach VCI-Konzept) also nur schwach
wassergefährend, klassifiziert.
Beispiel 2:
[0019] Betriebsmedium umfassend den biologisch schnell abbaubaren Hochleistungsschmierstoff
PLANTOSYN 3268 der Firma Fuchs Mineralölwerke GmbH, 68145 Mannheim, wobei gemäß Produktinformation
der Firma Fuchs Mineralölwerke GmbH, 68145 Mannheim, deren Offenbarungsgehalt vollumfänglich
in die vorliegende Anmeldung mit aufgenommen wird, PLANTOSYN 3268 folgende Eigenschaften
aufweist:
- Viskosität bei 40° C 42,6 mm2/sek und bei 100° C 7,7 mm2/sek gemäß DIN 51562, d.h. PLANTOSYN 3268 ist in der Viskositätslage der Motoröl-SAE-Klasse
5W-20 zuzuordnen. Das Produkt ist auch unter Langzeitbeanspruchung sehr stabil;
- hohe Brandsicherheit: Flammpunkt von 230° C gemäß DIN ISO 2592;
- die Ökotoxizität ist gemäß Sicherheitsdatenblatt nach 91/155/EWG, § 14 GefStoffV TRGS
220 für PLANTOSYN 3268 der Firma Fuchs Mineralölwerke GmbH, Friesenheimer Straße 15,
D-68169 Mannheim, dessen Offenbarungsgehalt vollumfänglich in die vorliegende Anmeldung
mit aufgenommen wird, sehr gut. Es besteht eine leichte biologische Abbaubarkeit.
PLANTOSYN 3268 ist nicht wasserlöslich und wird daher beispielsweise nach Leckagen
oder Ölverlusten im allgemeinen in den oberen Erdschichten festgehalten und dort biologisch
schnell abgebaut. PLANTOSYN 3268 ist gemäß dem zuvor erwähnten Sicherheitsdatenblatt
in die Wassergefährdungsklasse 0 (Einstufung nach VCI-Konzept) eingeordnet und im
allgemeinen daher nicht wassergefährdend.
[0020] Mit der vorliegenden Verwendung von vollsynthetischen Estern als Arbeitsflüssigkeit
bzw. Betriebsmedium in einer hydraulischen Maschine, beispielsweise einer Turbokupplung,
wird somit ein Arbeitsmedium angegeben, das sich durch eine hohe Brandsicherheit auszeichnet
sowie eine hohe Umweltverträglichkeit und sämtliche für den Einsatz in Turbokupplungen
notwendigen technischen Betriebsbedingungen erfüllt.
1. Betriebsmedium für hydrodynamische Maschinen, insbesondere für hydrodynamische Kupplungen
und/oder Bremsen, dadurch gekennzeichnet, daß das Betriebsmedium vollsynthetische
Ester umfaßt.
2. Betriebsmedium nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die voll synthetischen
Ester aus Mineralölen synthetisierte Dikarbonester und/oder Polyolester umfassen.
3. Betriebsmedium gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Betriebsmedium
einen Flammpunkt, der > 200° C ist, aufweist.
4. Betriebsmedium gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das
Betriebsmedium biologisch sehr leicht abbaubar ist.