[0001] Die Erfindung betrifft einen Elektroentstauber mit plattenförmigen, in mehreren Reihen
nebeneinander in einem Gehäuse aufgehängten Niederschlagselektroden mit den Merkmalen
des Oberbegriffes des Anspruches 1.
[0002] In diesen Elektroentstaubern wandern während des Abscheidevorganges die Partikel
unter dem Einfluß elektrostatischer Kräfte zu den Niederschlagselektroden. Mit dem
Berühren der Niederschlagselektroden bleiben die Partikel dort haften. Es bildet sich
eine Staubschicht, die mit zunehmender Zeit dicker wird. Da der Staub einen elektrischen
Widerstand besitzt, nehmen Filterstrom und Filterspannung mit zunehmender Dicke der
Staubschicht ab. Die Folge ist eine Abnahme des Abscheidegrades. Zur Wiedererlangung
des ursprünglichen Abscheidegrades werden die Niederschlagselektroden in zeitlichen
Abständen abgereinigt und von der Staubschicht befreit.
[0003] Das Abreinigen der Niederschlagselektroden erfolgt allgemein durch ein Klopfwerk,
das den Niederschlagselektroden eine plötzliche Beschleunigung erteilt, wodurch sich
die Staubschichten von den Niederschlagselektroden lösen. Für eine effektive Abreinigung
der Niederschlagselektroden ist unter anderem die Staubschichtdicke von Bedeutung.
Bei einer dünnen Staubschicht kann die Abreinigung negativ beeinflußt werden. So löst
sich eine dünne Staubschicht aufgrund ihrer geringen Masse nur vereinzelt von den
Niederschlagselektroden, wodurch die Niederschlagselektroden nur unzureichend gereinigt
werden. Außerdem kann während des Herunterfallens die abgelöste Staubschicht von dem
Gasstrom mitgerissen und in dem Gasstrom dispergiert werden. Dies hat erhöhte Gaskonzentrationen
am Austritt des Elektroentstaubers zur Folge. Andererseits kann sich auch eine dicke
Staubschicht negativ auf den störungsfreien Betrieb des Elektroentstaubers auswirken.
Neben einer Verminderung des Abscheidegrades können bei der Abreinigung die der Aufnahme
des abgelösten Staubes dienenden Staubbunker überladen werden, was häufig zu Verstopfungen
der Austragsorgane des Elektroentstaubers führt. Es ist somit ersichtlich, daß für
die Abreinigung eine optimale Staubschichtdicke bestehen muß.
[0004] Es ist bekannt, die Klopfhäufigkeit einer Elektroentstauberanlage über eine Messung
der Staubbeladung des gereinigten Gases zu optimieren. Dabei wird der zeitliche Abstand
zwischen zwei Klopfungen schrittweise derart selbsttätig verändert, daß der Langzeitmittelwert
der gemessenen Staubbeladung des Reingases einem Minimum zustrebt (EP-B-0 032 689).
In einer Weiterentwicklung dieses Verfahrens wird die so ermittelte Klopfhäufigkeit
über eine Messung des elektrischen Widerstandes der Staubschicht auf den Niederschlagselektroden
korrigiert (EP-B-0 132 660).
[0005] Die als Maß für die Optimierung der Klopfhäufigkeit herangezogene Staubbeladung des
Reingases gibt nur bedingt einen Anhalt für die Dicke der Staubschicht. Der in dem
zu reinigenden Gas vorhandene Staub ist aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften
entweder gut oder schlecht abzuscheiden. Bei gleicher Staubbeladung des Reingases
ist die Schichtdicke bei gut abscheidbarem Staub groß und bei schlecht abscheidbarem
Staub gering.
[0006] Ferner sind optische Verfahren zur Bestimmung der Staubdicke auf den Niederschlagselektroden
bekannt (WO 96/40437). Derartige optische Verfahren arbeiten nicht zuverlässig genug,
da sie nur den Wert für eine bestimmte Stelle auf der Niederschlagselektrode nicht
aber für die gesamte abgelagerte Staubschicht liefern können.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, bei einem gattungsgemäßen Elektroentstauber
eine Einrichtung zu schaffen, die in der Lage ist, die aktuelle Staubbeladung auf
den Niederschlagselektroden zu erkennen, um gegebenenfalls die Klopffreguenz zu optimieren.
[0008] Diese Aufgabe wird bei einem gattungsgemäßen Elektroentstauber erfindungsgemäß durch
die kennzeichnenden Merkmale des Anspruches 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen
sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0009] Die positiv geladenen und in dem Entstaubergehäuse geerdeten Niederschlagselektroden
lassen den Einbau von Kraftmeßdosen zu. Derartige Kraftmeßdosen sind handelsübliche
Geräte, die auch bei hohen Gewichten des zu messenden System große Meßgenauigkeiten
aufweisen. Mit Hilfe dieser Kraftmeßdosen kann das vorher bekannte Eigengewicht der
Niederschlagselektroden zusammen mit dem Gewicht der daran angelagerten Staubschicht
kontinuierlich gemessen werden. Aus dem Gewicht der Staubschicht läßt sich in Verbindung
mit den geometrischen Abmessungen der Niederschlagselektroden zu jedem Zeitpunkt die
Menge des abgeschiedenen Staubes und damit die Dicke der tatsächlich angelagerten
Staubschicht exakt ermitteln. Auf diese Weise wird es möglich, die Effektivität des
Elektroentstaubers unter unterschiedlichen Betriebsbedingungen oder in bestimmten
Betriebsphasen zu bestimmen. Der von den Kraftmeßdosen ermittelte Wert kann auch dazu
herangezogen werden, um die Klopfhäufigkeit des Elektroentstaubers zu optimieren.
[0010] Mehrere Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in der Zeichnung dargestellt und
werden im folgenden näher erläutert.
[0011] Es zeigen:
- Fig. 1
- schematisch den Längsschnitt durch einen Elektroentstauber und
- Fig. 2
- schematisch den Längsschnitt durch einen anderen Elektroentstauber.
[0012] Der Elektroentstauber enthält ein Gehäuse 1, das einen Innenraum 2 umschließt, in
dem Sprühelektroden 3 und Niederschlagselektroden 4 untergebracht sind. Das Gehäuse
1 ist mit einem Eintrittsstutzen 5 für das Rohgas und einem Austrittsstutzen 6 für
das Reingas versehen. Der Eintrittsstutzen 5 erweitert sich in Strömungsrichtung des
Gases symmetrisch auf den Querschnitt des Innenraumes 2 des Gehäuses 1. Analog verengt
sich der Austrittsstutzen 6 ausgehend von dem Querschnitt des Innenraumes 2. Damit
der Innenraum 2 gleichmäßig von dem zu reinigenden Gas durchströmt wird, sind zwischen
dem Eintrittsstutzen 5 und den Elektroden 3, 4 in dem sich erweiternden Querschnitt
Strömungsgleichrichter angeordnet. Diese Strömungsgleichrichter bestehen aus zwei
Lochplatten 7, die mit Abstand voneinander angeordnet sind.
[0013] Die Niederschlagselektroden 4 bestehen aus gekanteten Blechen oder Platten, die in
Längsrichtung des Elektroentstaubers hintereinander angeordnet sind und eine Reihe
bilden. Mehrere solcher Reihen sind mit Abstand voneinander angeordnet, wodurch Gassen
entstehen, durch die das Gas strömt. Die Niederschlagselektroden 4 jeder Reihe sind
über Aufhängehaken 8 an einem Tragbalken 9 befestigt, der auf die später beschriebene
Weise in dem Dach des Gehäuses 1 aufgehängt ist. An dem unteren Ende einer jeden Niederschlagselektrode
4 ist eine Führungslasche 10 befestigt. Die Führungslaschen 10 der Niederschlagselektroden
4 einer Reihe sind durch entsprechende Schlitze eines Schlagbalkens 11 hindurchgeführt
und über Haltebolzen 12, die mindestens zwei der Führungslaschen 10 durchdringen,
gesichert.
[0014] Zwischen jeweils zwei Reihen der Niederschlagselektroden 4 sind die Sprühelektroden
3 angeordnet. Als Sprühelektroden 3 werden Drähte oder Bänder aus Stahl verwendet,
die mit einer Federspannung zwischen zwei Tragrohren 13 eingehängt sind. Die Tragrohren
13 mit den Sprühelektroden 3 sind in an sich bekannter Weise über nicht dargestellte
Tragisolatoren in dem Gehäuse 1 aufgehängt.
[0015] Beim Anlegen einer Spannung an die Sprühelektroden 3 wandern die in dem zu reinigenden
Rohgas enthaltenen Staubpartikel unter dem Einfluß von elektrostatischen Kräften zu
den positiv geladenen und in dem Gehäuse 1 geerdeten Niederschlagselektroden 4. Dort
bleiben die Partikel haften und bilden eine Staubschicht, die mit der Zeit immer dicker
wird. Diese Staubschicht muß in zeitlichen Abständen von den Niederschlagselektroden
4 entfernt werden.
[0016] Das Abreinigen der Niederschlagselektroden 4 erfolgt mit Hilfe eines Klopfwerkes,
das aus einer Klopfwerkswelle 14 besteht, auf der winkelversetzt einzelne Hämmer 15
angebracht sind. Jeder Hammer 15 ist einer Reihe der Niederschlagselektroden 4 zugeordnet.
Die Klopfwerkswelle 14 verläuft quer zu den Reihen der Niederschlagselektroden 4 und
ist aus dem Gehäuse 1 herausgeführt. Auf das außen liegende Ende der Klopfwerkswelle
14 ist als Antrieb ein Getriebemotor 16 aufgesetzt.
[0017] Bei einer Drehung der Klopfwerkswelle 14 fallen die Hämmer 15 nacheinander herunter
und schlagen auf einen Amboß, der an dem Ende jedes Schlagbalkens 11 vorgesehen ist.
Die Schlagenergie wird über die Schlagbalken 11 an die Niederschlagselektroden 4 übertragen.
Durch die so bewirkte plötzliche Beschleunigung lösen sich die Staubschichten von
den Niederschlagselektroden 4 und fallen in einen Staubbunker 17. Dieser Staubbunker
17 ist unterhalb der Niederschlagselektroden 4 innerhalb des Gehäuses 1 angeordnet.
[0018] Zur Bestimmung der jeweiligen Dicke der Staubschicht dient eine Kraftmeßdose 18.
Die Kraftmeßdose 18 ist mit einer Seite gelenkig in dem Gehäuse 1 aufgehängt und mit
der anderen Seite über ein Gelenk 19 mit einem Ende eines Tragbalkens 9 verbunden.
Der Tragbalken 9 ist damit über diese Kraftmeßdose 18 in dem Gehäuse 1 aufgehängt.
Das andere Ende des Tragbalkens 9 ist über ein Gelenk 19 in dem Gehäuse 1 aufgehängt.
Dieses Gelenk 19 läßt eine gewisse Schrägstellung des Tragbalkens 9 zu, wodurch die
ohnehin nur geringen Ausschläge der Kraftmeßdose 18 ausgeglichen werden.
[0019] Die Kraftmeßdose 18 kann in einen neu zu erstellenden Elektroentstauber integriert
oder auch nachträglich in einen bestehenden Elektroentstauber eingebaut werden. Im
letzten Fall wird auf das Gehäuse 1 eine Haube 20 aufgesetzt, in dem die Kraftmeßdose
18 untergebracht ist.
[0020] Der in Fig. 2 dargestellte Elektroentstauber entspricht in seinem Aufbau grundsätzlich
dem Elektroentstauber gemäß Fig. 1. In der Fig. 2 sind die Niederschlagselektrode
4 nur vereinfacht dargestellt. Außerdem sind die Sprühelektroden 3 fortgelassen worden,
weil sie für die Funktionsweise der Erfindung unwesentlich sind. Abweichend sind jedoch
die beiden Enden des Tragbalkens 9 über jeweils eine Kraftmeßdose 18 in der Decke
des Gehäuses 1 aufgehängt.
[0021] Grundsätzlich können alle oder mehrere Reihen von Niederschlagselektroden 4 mit Kraftmeßdosen
18 versehen werden. Da man aber bei der Auslegung von Elektroentstaubern z. B. durch
den Einbau von Strömungsgleichrichtern (Lochplatten 7) immer bestrebt ist, eine gleichmäßigen
Durchströmung des Innenraumes 2 des Elektroentstaubers zu erreichen, kann davon ausgegangen
werden, daß alle Niederschlagselektroden 4 gleichmäßig mit Staub beladen sind. Unter
diesen Umständen genügt es, eine ausgewählte Reihe von Niederschlagselektroden 4 mit
einer oder mehreren Kraftmeßdosen 18 zu bestücken. Das von der Kraftmeßdose 18 aufgenommene
Gewicht kann als exemplarisch für die Staubschichtdicke auf allen Niederschlagselektroden
4 betrachtet werden.
[0022] Wie in Fig. 1 angedeutet ist, ist die Kraftmeßdose 18 über eine Steuerleitung 21
mit dem als Antrieb für die Klopfwerkswelle 14 dienenden Getriebemotor 16 verbunden.
In der Steuerleitung 21 ist eine Steuereinheit 22 angeordnet. Ermittelt die Kraftmeßdose
18 einen Wert, der nach Abzug des Eigengewichtes der Niederschlagselektrode 4 einen
vorgegebenen Betrag übersteigt, so werden über die Steuereinheit 22 und die Steuerleitung
21 der Getriebemotor 16 aktiviert, das Klopfwerk in Betrieb gesetzt und alle Niederschlagselektroden
4 nacheinander abgereinigt. Der vorgegebene Betrag ist auf die Schichtdicke der Staubschicht
abgestimmt, der für eine Abreinigung der Niederschlagselektroden 4 optimal ist.
1. Elektroentstauber mit plattenförmigen, in mehreren Reihen nebeneinander in einem Gehäuse
(1) jeweils an einem Tragbalken (9) aufgehängten Niederschlagselektroden (4), zwischen
denen Sprühelektroden (3) angeordnet sind, wobei die Niederschlagselektroden (4) mit
einem Schlagbalken (11) verbunden sind, gegen den ein mit einem Antrieb versehenes
Klopfwerk wirkt, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens der Tragbalken (9) einer Reihe
von Niederschlagselektroden (4) über eine Kraftmeßdose (18) in dem Gehäuse (1) aufgehängt
ist.
2. Elektroentstauber nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Kraftmeßdose (18)
an einem Ende des Tragbalkens (9) vorgesehen ist und daß das andere Ende des Tragbalkens
(9) über ein Gelenk (19) in dem Gehäuse (1) aufgehängt ist.
3. Elektroentstauber nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß an beiden Enden des
Tragbalkens (9) jeweils eine Kraftmeßdose (18) angeordnet ist.
4. Elektroentstauber nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die
Kraftmeßdose (18) oder die Kraftmeßdosen (18) über eine Steuerleitung (21) und eine
Steuereinheit (22) mit dem Antrieb des Klopfwerkes verbunden ist.
5. Verfahren zum Abreinigen der Niederschlagselektroden 4 eines Elektroentstaubers nach
den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Gewicht einer Reihe von Niederschlagselektroden
(4) über die Kraftmeßdose (18) bestimmt wird und daß das Klopfwerk aktiviert wird,
wenn das gemessene Gewicht der Niederschlagselektroden (4) einen vorgegebenen Wert
gegenüber deren Eigengewicht überschritten hat.