[0001] Die Erfindung betrifft Strahlrohre zur Beschleunigung und Förderung von feinkörnigen
Partikeln, die in einem Fluid suspendiert sind. Insbesondere dienen derartige Strahlrohre
dazu, die feinkörnigen Partikel mittels eines Hochdruckstrahls, der von einem Treibgas
gebildet wird, zu beschleunigen, bevor sie in einer Strahlmühle durch Prall zerkleinert
werden.
[0002] Aus der deutschen Auslegeschrift DE 21 65 340 B2 ist ein Verfahren und eine Vorrichtung
zum Prallstrahlmahlen feinkörniger und pulverförmiger Feststoffe bekannt, die Strahlrohre
für die Beschleunigung der feinkörnigen Feststoffe in einem Hochdruckstrahl vor der
Prallzerkleinerung vorsieht. Dort wird auf die besonders vorteilhafte Beschleunigung
von Partikeln in Strahlrohren hingewiesen.
[0003] Merkmal dieser Art der Partikelbeschleunigung zum Zwecke der Mahlung ist es, daR
die Partikel in einem Fuidstrom suspendiert sind und dieser Suspensionsstrom unter
hohem Druck steht. Wird der Suspensionsstrom zur Entspannung durch eine Düse geführt,
so werden Fluid und Partikel in besonders vorteilhafter, energiesparender Weise beschleunigt.
[0004] Ein Nachteil dieser Strahlrohre besteht darin, daß die sich mit hoher Geschwindigkeit
durch die Strahlrohre bewegenden Partikel bei Kontakt mit der Innenrohrwand einen
hohen Verschleiß der Strahlrohre verursachen.
[0005] Im genannten Stand der Technik kommen deshalb Strahlrohre zum Einsatz, die aus einer
zylindrischen Hülse bestehen, in denen austauschbare Einsatzstücke angeordnet sind.
Alternativ wird vorgeschlagen, die Strahlrohre als rechteckige Beschleunigungskanäle
auszubilden, deren gegenüberliegenden Wände aus abriebfestem, elastischem Material
bestehen.
[0006] Die Einsatzstücke haben den wesentlichen Nachteil, daß sie mit der Zeit verschleißen
und gegen neuwertige Einsatzstücke ausgetauscht werden müssen. Dies bedeutet zusätzlichen
Kosten- und Zeitaufwand für die Anschaffung und die Montage der neuen Einsatzstücke.
[0007] Der Einsatz von abriebfesten, elastischen Wänden ist nur bei rechteckigem Kanalquerschnitt
kostengünstig möglich. Die dabei üblich angewendeten Materialien unterliegen dennoch
einem gewissen Verschleiß und müssen, wenn auch in längeren Zeitintervallen, gegen
Neue ausgetauscht werden.
[0008] Des weiteren sind aufgrund der großen Rohrlänge derartiger Strahlrohre hohe Energieverluste
infolge der Wandreibung zu erwarten.
[0009] Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, die Energieverluste durch Wandreibung
zu vermindern und gleichzeitig den Verschleiß an der Innenwand derartiger Strahlrohre
zu vermeiden.
[0010] Diese Aufgabe wird gemäß dem kennzeichnenden Teil des Anspruchs 1 dadurch gelöst,
daß zwischen der Strahlrohrinnenwand und dem partikelbeladenen Fluidstrom ein partikelfreier
konzentrisch entlang dem Strahlrohr verlaufender Mantelfluidstrom eingebracht wird.
[0011] Der Mantelfluidstrom stellt dabei eine Grenzschicht dar, die den partikelbeladenen
Fluidstrahl von der Strahlrohrinnenwand fern hält.
[0012] Bei den erfindungsgemäßen Maßnahmen ist stets der örtliche Suspensionsdruck, der
sich über die Länge des Strahlrohres ändert, zu beachten. Er muß in jedem Fall kleiner
oder gleich dem zugeführten, partikelfreien Fluidstrom sein. In der günstigsten strömungstechnischen
Ausführung wird der partikelfreie Mantelfluidstrom selbsttätig durch den Suspensionsstrom
hoher Geschwindigkeit angesaugt.
[0013] Der Energieinhalt des zugeführten Mantelfluidstroms kann zu einer zusätzlichen Beschleunigung
der Partikel genutzt werden. Eine Verbesserung der Effektivität der Partikelbeschleunigung
in Strahlrohren gemäß DE 21 65 340 B2 ist daher auch in energetischer Sicht zu erwarten.
[0014] Die wesentlichen baulichen Ausführungsformen sind nachfolgend anhand der Zeichnungen
beschrieben.
[0015] Fig.1 zeigt den Querschnitt eines ertindungsgemäßen Strahlrohres bei dem der konzentrische
Mantelfluidstrom vor dem Eintritt des partikelbeladenem Fluidstroms in das Strahlrohr
eingeführt wird.
[0016] Als besonderes Merkmal ist die zurückspringende Düsenkontur zu nennen, da sich der
eingebrachte Mantelfluidstrom hüllend um den partikelbeladenen Mittelstrahl legen
soll. Die Düsenerweiterung muß der turbulenten Vermischung der beiden Strahlen Rechnung
tragen. Die suspendierten Partikel sollen durch den Mantelfluidstrom einen zur Symmetrieachse
der Düse gerichteten Impuls erhalten.
[0017] Fig.2 zeigt den Querschnitt eines erfindungsgemäßen Strahlrohres bei dem mehrere
Mantelfluidströme konzentrisch zueinander und verteilt über die Länge in das Strahlrohr
eingeführt werden.
[0018] Diese Ausführungsform trägt der turbulenten Vermischung Rechnung, weil nicht zu verhindern
ist, daß Partikel nach einer längeren Wegstrecke den Mantelfluidstrom durchschlagen.
Die über die Länge versetzte Zuströmung sichert den wiederholten Aufbau neuer Grenzschichten.
[0019] Fig.3 zeigt den Querschnitt eines erfindungsgemäßen Strahlrohres bei dem der konzentrische
Mantelfluidstrom über die Strahlrohrlänge kontinuierlich in das Strahlrohr eingeführt
wird und die Strahlrohrwand aus einem Material mit Porenstruktur besteht.
[0020] Zur Anpassung der örtlichen, über die Länge veränderlichen Druckniveaus kann das
Strahlrohr von mehreren getrennten Kammern umgeben sein. Die Kammerzwischenwände können
ggf. in das poröse Düsenmaterial hineingeführt werden, damit Strömungskurzschlüsse
vermieden werden.
[0021] Fig.4 zeigt den Querschnitt eines erfindungsgemäßen Strahlrohres bei dem der konzentrische
Mantelfluidstrom über die Strahlrohrlänge kontinuierlich in das Strahlrohr eingeführt
wird und die Strahlrohrwand radial verlaufende Strömungskanäle aufweist.
[0022] In der dargestellten Ausführungsvariante erfolgt die Zuführung eines einzigen Fluidstromes
unter derartig hohem Druck, so daß der örtlich höchste Innenwanddruck überwunden wird.
Bei Strömungsabschnitten die niedrigere Zuströmdrücke erfordern, werden diese z.B.
über Wanddickenänderungen des Strahlrohrs erreicht Ausgehend von einer optimalen Innenkontur
des Strahlrohres im Strömungsbereich werden die unterschiedlichen Wanddicken durch
eine angepaßte Strahlrohraußenkontur herbeigeführt.
[0023] Generell kann die Anpassung an die örtlichen Druckniveaus nicht nur über Wanddickenänderungen
herbeigeführt werden, sondern auch über Änderungen der Porenstruktur, Porengröße,
Kanalform, Kanalquerschnitt o.ä.
[0024] Grundsätzlich können die erfindungsgemäßen Strahlrohr sowohl für Gasströmungen auch
für Flüssigkeiten eingesetzt werden. Zudem ist es möglich auch einen Flüssigkeitsstrom
als Mantelfluidstrom für ein Gasstrahlrohr zu verwenden. Dies hat den Vorteil, daß
die Grenzschicht stabiler ist und nicht so schnell von Partikeln durchschlagen werden
kann. Es ist auch möglich, daß eine Flüssigkeit als Mantelfluidstrom eingesetzt wird,
die im unkritischen, divergenten Strahrohrteil verdampft, also in der austretenden
Suspension gar nicht mehr als separate Phase auftritt.
1. Strahlrohr zur Beschleunigung und Förderung von Partikeln, die in einem Fluid suspendiert
sind dadurch gekennzeichnet, daß zwischen der Strahlrohrinnenwand und dem partikelbeladenem Fluidstrom mindestens
ein partikelfreier konzentrischer, entlang der Förderrichtung des Strahlrohrs verlaufender
Mantelfluidstrom eingebracht wird.
2. Strahlrohr nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der partikelbeladene Fluidstrom
und der konzentrische Mantelfluidstrom an der gleichen Stelle vor dem Eintritt in
das Strahlrohr zugeführt werden.
3. Strahlrohr nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der konzentrische Mantelfluidstrom
vor dem engstem Querschnitt des Strahlrohres eingeführt wird.
4. Strahlrohr nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß mehrere Mantelfluidströme
konzentrisch zueinander in das Strahlrohr eingeführt werden.
5. Strahlrohr nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der konzentrische
Mantelfluidstrom über die Strahlrohrlänge kontinuierlich in das Strahlrohr eingeführt
wird.
6. Strahlrohr nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Strahlrohrwand radial
verlaufende Strömungskanäle aufweist.
7. Strahlrohr nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß sich die Anzahl der radial
verlaufende Strömungskanäle in axialer Richtung ändert.
8. Strahlrohr nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß die radial verlaufenden
Strömungskanäle Bohrungen sind.
9. Strahlrohr nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Bohrungen unterschiedliche
Durchmesser aufweisen.
10. Strahlrohr nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Strahlrohrwand aus einem
Material mit Porenstruktur besteht.
11. Strahlrohr nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Packungsstruktur der
Porenstruktur in axialer Richtung unterschiedlich ist.
12. Strahlrohr nach einem der Ansprüche 5 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß sich die
Dicke der Strahlrohrwand in axialer Richtung ändert.
13. Strahlrohr nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, daß die Änderung stetig erfolgt.
14. Strahlrohr nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß die Mantelfluidströmung
mit Hochdruck in das Strahlrohr eingeführt wird.
15. Strahlrohr nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß die Mantelfluidströmung
von dem partikelbeladenem Fluidstrom hoher Geschwindigkeit angesaugt wird.