[0001] Diese Erfindung bezieht sich auf die Verwendung von 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure
oder pharmazeutisch verträglichen Salzen von 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure zur
Herstellung einer pharmazeutischen Zubereitung geeignet zur Vorbeugung von Neuralrohr-Defekten.
[0002] Als Arzneimittel wurden Tetrahydrofolate bisher vorwiegend als Calcium-Salz der 5-Formyl-5,6,7,8-tetrahydrofolsäure
(Leucovorin) oder der 5-Methyl-5,6,7,8-tetrahydrofolsäure verwendet zur Behandlung
von megaloblastischer Folsäure-Anämie, als Antidot zur Verstärkung der Verträglichkeit
von Folsäure-Antagonisten, speziell von Aminopterin und Methotrexat in der Krebstherapie
("Antifolate rescue"), zur Verstärkung des therapeutischen Effektes von fluorierten
Pyrimidinen und der Behandlung von Autoimmunkrankheiten wie Psoriasis und rheumatischer
Arthritis, zur Verstärkung der Verträglichkeit von bestimmten Antiparasitika, etwa
Trimethoprim-Sulfamethoxazol sowie zur Verminderung der Toxizität von Dideazatetrahydrofolaten
in der Chemotherapie.
[0003] Homocystein ist eine Thiol-enthaltende Aminosäure, die bei der Demethylierung von
Methionin entsteht. In Körperflüssigkeiten liegt Homocystein in oxidierter Form als
Disulfid (Homocystin), gemischte Disulfide und als cyclisiertes Oxidationsprodukt
(Homocystein-Thiolacton) vor.
[0004] Hyperhomocysteinämie ist eine klinische Störung, die verschiedene angeborene oder
erworbene Ursachen haben kann. Diese Störungen haben eine erhöhte Konzentration von
Homocystein im Blut und im Ham zur Folge.
Die häufigste Form von Hyperhomocysteinämie resultiert aus einem Defekt der Cystathion-β-Synthase,
einem Enzym im B
6-abhängigen Transulfurierungspfad, in dem Homocystein über Cystathionin in Cystein
umgewandelt wird. Eine andere Form basiert auf einem Defekt der 5,10-Methylentetrahydrofolat-Reduktase,
die das Substrat, 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure, für die B
12-abhängige Umwandlung von Homocystein zu Methionin liefert. Hyperhomocysteinämie kann
auch als Folge von Funktionsstörungen der Niere auftreten. In all diesen Fällen bedeutet
der Begriff Hyperhomocysteinämie eine vorübergehende oder permanente Erhöhung des
Homocystein-Spiegels im Blut, der z. T. begleitet wird von einer erhöhten Homocystein-Ausscheidung
im Harn.
Hyperhomocysteinämie hat eine Reihe von Krankheiten zur Folge, die sich in schweren
vaskularen, okularen, neurologischen und skeletalen Störungen zeigen.
Verschiedene klinische Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen einem erhöhten
Homocystein-Level im Serum und der Entwicklung von Herz-/Kreislauferkrankungen. Homocysteinämie
wird als unabhängiger Risikofaktor bei Herz-/Kreislauferkrankungen angesehen. Allgemeine
Angaben können gefunden werden in K.L. Resch ed, Risikofaktor Homocystein Daten-Fakten-Strategien,
Gesellschaft für Medizinische Information ISBN 3-980 45 36-0-X. Im Zusammenhang zwischen
Hyperhomocysteinämie und Arteriosklerose sei auf L.J. Fortin et al, Clinical Biochemistry,
Vol. 28(2), 1995, Seiten 155-162 hingewiesen. Hyperhomocysteinämie und Neuralrohr-Defekte
wurden beschrieben von J.L. Mills et al, Supplement Publication to the Ceres-Forum
on June 14, 1995, 1996, Seiten 756S-760S.
[0005] Die Verwendung von 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure oder pharmazeutisch verträglichen
Salzen von 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure zur Herstellung einer pharmazeutischen
Zubereitung geeignet zur Vorbeugung von Neuralrohr-Defekten wurde bisher weder vorgeschlagen
noch beschrieben.
[0006] Es wurde gefunden, dass die Verwendung von pharmazeutischen Zubereitungen enthaltend
5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure oder pharmazeutisch verträgliche Salze von 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure
zur Vorbeugung von Neuralrohr-Defekten geeignet ist.
[0007] 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure ist direkt als Methyl-Donor an der Übertragung der
Methylgruppe von Homocystein zu Methionin beteiligt. Speziell gilt dies bei vorhandener
Methylentetrahydrofolat-Reduktase-Defizienz, wobei Defizienz Störungen wie z. B. eingeschränkte
Funktionalität oder Mangel an Aktivität bedeutet
[0008] Als häufigstes Beispiel einer Methylentetrahydrofolat-Reduktase-Defizienz sei hier
das Vorhandensein thermolabiler Methylentetrahydrofolat-Reduktase erwähnt. Unter diesen
Umständen können andere Tetrahydrofolate nur beschränkt umgewandelt und damit in der
Methylierungsreaktion mit eingesetzt werden.
[0009] Pharmazeutisch verträgliche Salze sollten sowohl pharmakologisch wie auch pharmazeutisch
verträglich sein. Solche pharmakologisch und pharmazeutisch verträglicile Salze können
Alkali- oder Erdalkalimetall-Salze sein, vorzugsweise Natrium-, Kalium-, Magnesium
oder Calcium-Salze.
[0010] Pharmazeutische Zubereitungen beziehen sich auf enterale (z. B. oral, sublingual
oder rektal), parenterale oder topische (z. B. transdermale) Formen. Als Träger können
organische oder anorganische Substanzen verwendet werden, die nicht mit der aktiven
Wirksubstanz reagieren, z. B. Wasser, Oel, Benzylalkohol, Polyethylenglycol, Glycerintriacetat
oder andere Fettsäureglyceride, Gelatine, Lecithin, Cyclodextrine, Kohlenhydrate wie
Lactobiose oder Stärke, Magnesiumstearat, Talk oder Cellulose. Bevorzugt bei der oralen
Anwendung sind Tabletten, Dragees, Kapseln, Pulver, Sirup, Konzentrate oder Tropfen,
für die rektale Anwendung bevorzugt sind Zäpfchen, zur parenteralen Anwendung bevorzugt
eingesetzt werden Lösungen, wasser- oder oelbasierend oder Lyophilisate.
Ebenfalls anwendbar sind Suspensionen, Emulsionen oder Implantate und für die topische
Anwendung Pflaster oder Cremes.
Pharmazeutische Zubereitungen für die parenterale Anwendung beinhalten sterile wässrige
und nichtwässrige Injektionslösungen der pharmazeutisch aktiven Verbindungen, die
vorzugsweise isotonisch zum Blut des Empfängers sind.
[0011] Diese Zubereitungen können Stabilisatoren, Additive für die kontrollierte Freisetzung
der pharmazeutisch aktiven Verbindungen, Anüoxidantien, Puffer, Bakteriostatikas und
Hilfsstoffe zur Einstellung einer isotonischen Lösung beinhalten. Wässrige und nichtwässrige
sterile Suspensionen können Suspensionszusatzstoffe und Verdickungsmittel beinhalten.
Die pharmazeutische Zubereitung kann als Einfachdosis- oder als Mehrfachdosis-Behälter
vorhanden sein, zum Beispiel als verschweisste Ampullen und kann als gefriergetrocknetes
(lyophilisiertes) Produkt gelagert und bei Bedarf mit steriler Flüssigkeit, zum Beispiel
Wasser oder Salzlösung für den Gebrauch vorbereitet werden. In derselben Art und Weise
können auch steriles Pulver, Granulat oder Tabletten verwendet werden. Alle pharmazeutischen
Zubereitungen können zusätzlich separat oder synergistisch wirkende aktive Verbindungen
enthalten. Zu erwähnen sind hier Vitamine, speziell aus der in dieser Anwendung synergistisch
wirkenden Vitamin B-Gruppe, wie B
6 und/oder B
12. Dabei kann Vitamin B
6 in einer Dosis zwischen 1 mg und 20 mg, vorzugsweise bei normal dosierter Anwendung
zwischen 1 mg und 6 mg pro Tag und bei hoch dosierter Anwendung zwischen 6 mg und
20 mg pro Tag eingesetzt werden. Vitamin B
12 kann in einer Dosis zwischen 0.001 mg und 0.5 mg, vorzugsweise bei normal dosierter
Anwendung zwischen 0.001 mg und 0.15 mg pro Tag und bei hoch dosierter Anwendung zwischen
0.15 und 0.5 mg pro Tag eingesetzt werden.
[0012] Die pharmazeutische Zubereitung beinhaltet zwischen 0.001 mg und 1'000 mg der aktiven
Wirksubstanz pro Dosis. In der Prophylaxe werden Zubereitungen enthaltend vorzugsweise
zwischen 5 µg und 1'000 µg der aktiven Wirksubstanz pro Dosis eingesetzt. In der Therapie
werden Zubereitungen enthaltend vorzugsweise zwischen 0.1 mg und 200 mg der aktiven
Wirksubstanz pro Dosis eingesetzt.
Die Dosierung hängt ab von der Therapieform, von der Anwendungsform der pharmazeutischen
Zubereitung, vom Alter, Gewicht, der Ernährung und Zustand des Patienten. Die Behandlung
kann mit tiefer Dosierung unterhalb der optimalen Menge begonnen und bis zur Erreichung
des optimalen Effektes gesteigert werden. Bevorzugt kann sich die Dosierungen in der
Prophylaxe zwischen 5 µg und 1'000 µg pro Tag, im speziellen zwischen 50 µg und 500
µg pro Tag bewegen. Optimale Dosierungen in der Therapie bewegen sich zwischen 0.1
mg und 100 mg pro Tag, im speziellen zwischen 0.5 mg und 5 mg pro Tag. Die Anwendung
kann entweder als Einmal-Gabe oder als wiederholte Dosierung erfolgen.
Beispiele zur Illustrierung der Erfindung
Beispiel 1
Zäpfchen enthaltend 60 mg 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure
[0013] Eine Mischung von 632 g 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure-Calciumsalz-Pentahydrat
(entsprechend 500 g 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure), 50 g Hydroxypropylcellulose
und 2 kg semisynthetische Glyceride werden zu Suppositorien geschmolzen, so dass jedes
Zäpfchen 500 mg 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure enthält.
Beispiel 2
Injektionslösung enthaltend 0.5 mg 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure
[0014] 0.5 g 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure, 10 g Glutathion, 30 g Zitronensäure, 160
g Mannitol, 1 g Methyl-p-hydroxybenzoesäure, 17.7 g Natriumhydroxid (oder die notwendige
Menge um einen pH-Wert der Lösung von 7.3 bis 7.8 einzustellen) werden auf 3 Liter
Wasser zur Injektion gelöst und in Ampullen abgefüllt, so dass jede Ampulle 0.5 mg
5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure enthält.
Beispiel 3
Injizierbares Lyophilisat enthaltend 10 µg 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure
[0015] Eine Lösung von 10 mg 5-Methyl-(6S)-tetrahydrafalsäure-Natriumsatz in 1'000 ml doppelt
destilliertem Wasser wird unter Schutzgas in Ampullen stertlfiltriert und lyophilisiert,
so dass jede Ampulle 10 µg 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure enthält.
[0016] Tetrahydrofolsäure ist sehr sauerstoffempfindlich, daher muss strikte sauerstoff-frei
gearbeitet werden. Der Einsatz eines Oxidationsschutzmittels wie Ascorbinsäure kann
notwendig sein.
Beispiel 4
Tablette enthaltend 15 mg 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure
[0017] Eine Mischung von 19.18 g 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure-Caiciumsalz-Pentahydrat
(entsprechend 15 g 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure), 120 g Lactose, 21.5 g Maisstärke.
7.08 g Acetylcellulose, 2.28 g Diethylphthalat, 0.64 g Silicone HK-15 und 2 g Magnesiumstearat
werden zu Tabletten gepresst, so dass jede Tablette 15 mg 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure
enthält.
[0018] Die Tablette kann beschichtet als Filmtablette oder gemahlen und in Kapseln abgefüllt
verwendet werden.
Beispiel 5
Tabletten enthaltend 15 mg 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure
[0019] In analoger Weise, wie im Beispiel 8 beschrieben, werden Tabletten enthaltend 15
mg 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure mit Maisstärke, Milchzucker, Magnesiumstearat,
Polyethylenglycol 6000, Polymetacrylat, Polysorbit 80, Dimethylpolysiloxan. Natriumhydroxid
und Talk hergestellt.
Beisplel 6
Kombinationspräparat aus 5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12
[0020] Für Präparate zur oralen Anwendung wird eine Filmtablette formuliert, die folgende
Bestandteile enthält:
| 0.4 mg |
5-Methyl-(6S)-tetrahydrofolsäure |
| 3 mg |
Vitamin B6 |
| 0.002 mg |
Vitamin B12, pharmazeutisch verträgliche Hilfsstoffe |
[0021] Das Kombinationspräparat kann auch als Lösung z. B. für die parenterale Anwendung
formuliert werden.