[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Veränderung der Bahnlage einer Bedruckstoffbahn
nach dem Oberbegriff von Anspruch 1.
[0002] Sowohl aus der DE 27 41 596 A1 als auch der DE 39 05 400 C2 ist es für mindestens
zwei auf der Bedienseite übereinander angeordnete Druckwerke bekannt, daß das durch
die Bedruckstoffbahn in der Betriebslage für einen Bedienenden verdeckte Druckwerk
durch eine Lageveränderung der Bedruckstoffbahn außerhalb des Druckbetriebes unter
Zuhilfenahme eines ortsveränderbaren Auftrittes für den Bedienenden zugängig ist.
[0003] Diese Vorrichtungen arbeiten bei der Lageveränderung der Bedruckstoffbahn mit einer
unveränderlichen Bahnlänge, wozu technisch und kostenaufwendige Mittel zur Bahnspeicherung
und Bahnverdrängung sowie die Führung und Bewegung des in verschiedene Positionen
verfahrbaren Auftrittes erforderlich sind. Zusätzliche Walzenkontakte erhöhen die
Gefahr des Abschmierens der Druckfarbe einer in einer voranstehenden Druckeinheit
bereits mit Farbe belegten Bedruckstoffbahn.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung zur Veränderung der Bahnlage
einer Bedruckstoffbahn gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 1 zu schaffen, die kostengünstig
ist und mit einfachen, wenig Platz benötigenden technischen Mitteln realisierbar ist.
[0005] Die Aufgabe wird durch die kennzeichnenden Merkmale von Anspruch 1 realisiert.
[0006] Mit Hilfe der einzeln motorisch angetriebenen Funktionsgruppen einer Rotationsdruckmaschine
ist es problemlos möglish, ausgehend von einer Abwickeleinrichtung eine zusätzliche
Bahnlänge zu fördern und mit dieser eine Bahnschlaufe an der jeweils gewünschten Stelle
eines zu bedienenden Druckwerkes ggf. im Zusammenhang mit der Abwickelvorrichtung
zu erzeugen und die Bahnschlaufe nach der Bedienung des Druckwerkes durch in Bahnlaufrichtung
nachfolgende, die Bedruckstoffbahn fördernde Funktionsgruppen wieder zurückzubilden.
In die Bahnschlaufe ist ein seitlich außerhalb der Bedruckstoffbahn am Geste angelenkter
Auftritt in einfacher Weise einschwenkbar. Zusätzliche Kontaktstellen der Bedruckstoffbahn
mit Bahnführungselementen entstehen bis auf eine geringe drucklose Abstützung der
Bahnschlaufe an Gestell- und Führungselementen nicht.
[0007] Die Unteransprüche enthalten weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung.
[0008] Die Erfindung wird nachfolgend an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert. In der
zugehörigen Zeichnung zeigen:
- Fig. 1:
- eine aus zwei übereinander angeordneten Doppeldruckwerken mit waagerechter Zylinderanordnung
bestehende H-Druckeinheit
- Fig. 2:
- einen aus drei in zwei Druckeinheiten übereinander angeordneten Doppeldruckwerken
mit waagerechter Zylinderanordnung bestehenden Turm
- Fig. 3:
- drei in Reihe angeordnete Druckeinheiten mit jeweils einem Doppeldruckwerk mit senkrechter
Zylinderanordnung
[0009] Fig. 1 zeigt eine mit zwei übereinander angeordneten Doppeldruckwerken 1; 2 in waagerechter
Zylinderanordnung ausgestattete H-Druckeinheit 3. Jedes Doppeldruckwerk 1; 2 besteht
aus zwei Druckwerken 4; 5 bzw. 6; 7 mit jeweils einem außen liegenden Formzylinder
8 bis 11 und einem innen liegenden Übertragungszylinder 12 bis 15. Zwischen den Übertragungszylindern
12; 13 bzw. 14; 15 eines Doppeldruckwerkes 1; 2 wird im indirekten Druck jeweils eine
Bedruckstoffbahn 16; 17 in einer Druckstelle gleichzeitig beiderseitig mit je einer
Farbe belegt. Während ein der Druckeinheit 3 in Bahnlaufrichtung vorgeordnetes, mit
einer gegen eine angetriebene Walze anstellbaren Preßwalze ausgestattetes Einzugwerk
18; 19 einzeln motorisch angetrieben ist, ist dies wahlweise für jeden Form- und Übertragungszylinder
8 bis 11; 12 bis 15, jedes Druckwerkes 4 bis 7 oder jedes Doppeldruckwerkes 1; 2 praktizierbar,
wobei im ersten Fall die Zylinder nicht untereinander, im zweiten Fall jeweils der
Formzylinder und der Übertragungszylinder 8 und 12; 9 und 13; 10 und 14; 11 und 15
paarweise und im dritten Fall die vier Zylinder des Doppeldruckwerkes 1; 2 in formschlüssiger
Antriebsverbindung stehen.
[0010] Analog zu den Einzugwerken 18; 19, Zylindern bzw. Druckwerken 4 bis 7 bzw. Doppeldruckwerken
1; 2 sind nicht dargestellt von einer Abwickeleinrichtung ausgehend alle nachfolgenden,
die Bedruckstoffbahn 16; 17 in fester Einspannung transportierenden Funktionsgruppen
unabhängig voneinander einzeln antreibbar.
[0011] Während jeweils das untere Druckwerk 4 bzw. 5 für einen Bedienenden von einem gestellfesten
Laufsteg 20; 21 - beispielsweise für den Wechsel einer Druckform - frei zugänglich
ist, wird jeweils das obere Druckwerk 6 bzw. 7 durch die sich in ihrer als Vollinie
dargestellten Betriebslage befindende Bedruckstoffbahn 16; 17 verdeckt.
[0012] Um bezüglich der Bedruckstoffbahn 16 den Zugang zu dem oberen Druckwerk 6 zu ermöglichen,
fördern bei stillstehendem oberen Doppeldruckwerk 2 alle in Bahnlaufrichtung einschließlich
des Einzugwerkes 19 dem Doppeldruckwerk vorgeordneten Funktionsgruppen die Bedruckstoffbahn
16 in eine vor dem unteren Druckwerk 4 frei durchhängende, gestrichelt dargestellte
Bahnschlaufe 22, die lediglich auf einem weiterhin die doppelseitige Farbbelegung
der Bedruckstoffbahn 17 in dem unteren Doppeldruckwerk 1 ermöglichenden Stützelement
23 aufliegt. Ist die Bahnschlaufe 22 voll ausgebildet, wird ein von der Bedruckstoffbahn
16 seitlich am Gestell angelenkter Auftritt 24 gemäß strichpunktierter Darstellung
quer zur Bedruckstoffbahn 16 in die Bahnschlaufe 22 geschwenkt, so daß von dem Auftritt
die Bedienung des oberen Druckwerkes 6 erfolgen kann.
[0013] Nach Abschluß der Bedienung am Druckwerk 6 wird der Auftritt 24 - beispielsweise
durch einen druckmittelbetriebenen Arbeitszylinderzurückgeschwenkt und nachfolgend
die Bahnschlaufe 22 mittels Antriebes des Doppeldruckwerkes 2 und diesem nachgeordneter
bahnfördernder Funktionsgruppen ggf. im Zusammenwirken mit der Abwickelvorrichtung
zurückgebildet.
[0014] Eine in Fig. 1 vor dem rechten unteren Druckwerk 5 gestrichelt dargestellte, ebenfalls
auf einem Stützelement 25 aufliegende, mittels eines einschwenkbaren Auftrittes 26
zur Bedienung des rechten oberen Druckwerkes 7 begehbare Bahnschlaufe 27 wird abweichend
zur Bahnschlaufe 22 durch einen bahnfördernden Antrieb des druckangestellten Doppeldruckwerkes
1 und der diesem vorgeordneten Funktionsgruppen - wie der Abwickelvorrichtung und
des Einzugwerkes 18 - bei Stillstand der dem Doppeldruckwerk 1 nachgeordneten Funktionsgruppen
erzeugt, die ihrerseits bei stillstehendem Doppeldruckwerk 1 die Bahnschlaufe 27 zurückbildend
antreibbar sind.
[0015] Fig. 2 zeigt einen aus zwei übereinander angeordneten H-Druckeinheiten 28; 29 bestehenden
Sechser-Turm 30, in dem für eine Belegung einer Bedruckstoffbahn 31 auf einer Seite
mit zwei und der anderen Seite mit vier Farben die Bedruckstoffbahn in dem linken
unteren Druckwerk 32 vom Formzylinder direkt mit Farbe belegt wird. Auf Grund der
dafür das darüberliegende Druckwerk 33 verdeckenden Bahnführung wird für die Bedienung
dieses Druckwerkes 33 die Bedruckstoffbahn 31 analog zu Fig. 1 in eine Bahnschlaufe
34 nach unten abgesenkt, über die ein Auftritt 35 schwenkbar angeordnet ist.
[0016] Fig. 3 zeigt drei eine horizontal verlaufende Bedruckstoffbahn 36 beiderseitig mit
je drei Farben belegende, hintereinander angeordnete Doppeldruckwerke 37; 38; 39 mit
jeweils einer senkrechten Zylinderanordnung. Bezüglich des Antriebes der Zylinder
gilt dabei das bereits zu Fig. 1 Gesagte. Auch hier muß jeweils für die Bedienung
des oberen Druckwerkes 40; 41 die dieses verdeckende Bedruckstoffbahn 36 in der Betriebslage
in eine sich vor dem unteren Druckwerk 42; 43 zwischen den Doppeldruckwerken 37; 38
bzw. 38; 39 ausbildende Bahnschlaufe 44; 45 abgesenkt werden, in die ein Auftritt
46; 47 schwenkbar am Gestell installiert ist.
1. Vorrichtung zur Veränderung der Bahnlage einer Bedruckstoffbahn in einer Rotationsdruckmaschine
mit mindestens zwei auf der Bedienseite übereinander angeordneten Druckwerken, von
denen ein Druckwerk durch die sich in der Betriebslage befindende Bedruckstoffbahn
für einen Bedienenden verdeckt und außerhalb des Druckbetriebes mittels einer Lageveränderung
der Bedruckstoffbahn und eines ortsveränderbaren Auftrittes zugängig ist, gekennzeichnet
dadurch, daß die Bedruckstoffbahn (16; 17; 31; 36) fördernde Funktionsgruppen, einschließlich
der jeweils zugehörigen Druckwerke (4; 5; 40 bis 43 bzw. 6; 7; 32; 33), über eine
Veränderung der Bahnlänge eine den Zugang zu dem jeweils obenliegenden Druckwerk (6;
7; 33; 40; 41) ermöglichende, durchhängende Bahnschlaufe (22; 27; 34; 44; 45) erzeugend
und diese wieder zurückbildend antreibbar sind und der Auftritt (24; 26; 35; 46; 47)
in den unteren Bereich der Bahnschlaufe (22; 27; 34; 44; 45) verbringbar ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, gekennzeichnet dadurch, daß der Auftritt (24; 26; 35;
46; 47) quer zur Bedruckstoffbahn (16; 17; 31; 36) von außen in die Bahnschlaufe (22;
27; 44; 45) schwenkbar am Gestell befestigt ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 und 2, gekennzeichnet dadurch, daß die Funktionsgruppen
einzeln motorisch antreibbar sind.
4. Vorrichtung nach Anspruch 1 bis 3, gekennzeichnet dadurch, daß die Druckwerke (4 bis
7) jeweils einem von zwei übereinander angeordneten Doppeldruckwerken (1; 2) mit vergleichsweise
waagerechter Zylinderanordnung zugehörig sind..
5. Vorrichtung nach Anspruch 1 bis 3, gekennzeichnet dadurch, daß die Druckwerke ((40;
42 bzw. 41; 43) einem Doppeldruckwerk (37; 38) mit vergleichsweise senkrechter Zylinderanordnung
zugehörig sind.
6. Vorrichtung nach Anspruch 1 bis 3, gekennzeichnet dadurch, daß die Zylinder jedes
Druckwerkes (4 bis 7; 32; 33; 40 bis 43) oder Doppeldruckwerkes (1; 2; 37; 38) einzeln
oder gemeinsam motorisch antreibbar sind.
7. Vorrichtung nach Anspruch 1 bis 6, gekennzeichnet dadurch, daß die Druckwerke (4 bis
7; 32; 33; 40 bis 43) jeweils aus einem Form- und einem Übertragungszylinder (8 bis
11; 12 bis 15) bestehen.
8. Vorrichtung nach Anspruch 1 bis 7, gekennzeichnet dadurch, daß die Funktionsgruppen
als Einzugwerke (18; 19), Auszugwerke und Zugwalzen jeweils aus einem eine Bedruckstoffbahn
(16; 17; 31; 36) in fester Einspannung transportierenden, einzeln antreibbaren Walzensystem
bestehen.
9. Vorrichtung nach Anspruch 1 bis 8, gekennzeichnet dadurch, daß als Funktionsgruppe
eine Abwickeleinrichtung einzeln antreibbar ist.