[0001] Die Erfindung betrifft das technische Gebiet der Arbeitsverfahren und des Transportierens,
somit ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Ziehen und Spulen von Drähten, insbesondere
des gleichzeitigen Ziehens und Spulens von mehreren Stahldrähten.
[0002] Im Vergleich zum Eindrahtziehen, bei dem es im Hinblick auf die Anordnung und Verkettung
der Abzieh- und Bevorratungseinrichtungen kaum Probleme gibt, da nur ein einzelner
Draht gezogen und aufgespult bzw. aufgewickelt wird, ist die Anordnung und Verkettung,
insbesondere auch im Hinblick auf deren Antriebslösungen, solcher Einrichtungen, in
der mehrere Drähte gleichzeitig gezogen und aufgespult werden müssen, recht problematisch,
da technisch sehr kompliziert und aufwendig.
Es ist allgemein bekannt, daß das Mehrdrahtziehen insbesondere für das nachfolgende
Verlitzen oder Verseilen von Bedeutung ist. Dabei werden in der Praxis Verfahren angewandt,
die aus drei Verfahrensstufen, dem Ziehen, dem Transportieren und dem Verseilen bzw.
Verlitzen bestehen, zugehörig die jeweiligen Auf- und Abspulvorgänge.
Des Mehrdrahtziehen bringt bekanntlich dann Vorteile, wenn alle gleichzeitig gezogenen
Drähte auf eine gemeinsame Spule aufgewickelt werden können. Es steigt mit zunehmender
Anzahl der Drähte die Produktivität des Ziehprozesses, während die Kosten für die
Zieh- und Spulanlagen im Verhältnis zur Drahtproduktion zurückgehen, insbesondere
dadurch, daß bei der Verarbeitung der gezogenen Drahtbündel zu Litzen und Seilen die
Anzahl der Spulen sinkt, die in der Verlitzmaschine eingesetzt werden, und damit auch
der Umlauf von Spulen zwischen der Zieherei und der Verlitzerei. Es kann die Verlitzgeschwindigkeit
erhöht werden, bzw. es geht die Zahl der Drahtrisse zurück. Beispielsweise aus der
DE OS 21 39 244 ist bekannt, daß bei einer Anordnung mehrer Drahtziehmaschinen die
einzeln gezogenen Drähte über eine gemeinsame Abzieheinrichtung auf eine gemeinsame
Vorratsspule aufgewickelt werden. Nachfolgend müssen diese Drähte, auch wieder gleichzeitig,
von solchen stationär eingerichteten Vorratsspulen abgezogen und einer Verlitz- bzw.
Verseilmaschine zugeführt werden. Hierbei ist der technische Aufwand sehr hoch, da
ja mehrere Drahtziehmaschinen aufgestellt werden. Im weiteren ist aus der DE OS 39
22 974 bekannt, daß mittels einer Mehrdrahtziehmaschine mehrere Drähte gleichzeitig
und in einer einzigen Maschine gezogen werden, die danach einer einzigen oder mehreren
Spul- bzw. Wickeleinrichtungen zugeführt und auf diese aufgewickelt werden. Das Bestreben
der Hersteller und Verarbeiter auf diesem technischen Gebiet, ständig Produktivitätssteigerungen
durch die Fortentwicklung der technischen Mittel zu bewirken, führte natürlicherweise
zur Mehrdrahtbe- und -verarbeitung, bei der vielfach versucht wird, von der Vielzahl
von Aufwickelspulen, die ein Mehrfaches an technischen Aufwand bedingen, insbesondere,
wenn dem Ziehen das Zwischenbevorraten und das Verseilen bzw. Verlitzen einschließlich
des Transportierens, Zusammenfassens und wieder Aufteilens in einem technologischem
Zug folgt, abzukommen. Diese Bemühungen gipfelten bisher darin, wie z.B. bei der Kupferdrahtverseilung,
die infolge der werkstofftechnischen Eigenschaften dieses Materials relativ problemlos
ein Mehrdrahtziehen, -wickeln, und -verseilen ermöglicht, die Vielzahl der von der
Mehrdrahtziehmaschine gezogenen Drähte auf einer einzigen Wickeleinrichtung als Bündel
aufzuspulen. Bei der Ver- und Bearbeitung von Stahldraht in Mehrdrahtziehmaschinen
mit nachfolgender Verseilung bzw. Verlitzung ist jedoch zu beachten, daß die Qualität
der Litze in hohem Maße davon abhängig ist, daß alle Drähte unter gleicher Spannung
in die Verlitzmaschine einlaufen. D.h., die Drähte müssen zwischen Ablaufspule und
Verseilpunkt annähernd die gleiche Länge aufweisen. Das ist insbesondere bei der Herstellung
von Stahllitzen mit hoher Festigkeit von großer Bedeutung. Die Längendifferenz der
einzelnen Drähte sollte kleiner 0,05 % betragen. Um die Drähte unter annähernd gleicher
Spannung in der Verseilmaschine abzuspulen, müssen sie vorher mit annähernd gleicher
Spannung, so gleicher Länge, nach der Ziehverfahrensstufe aufgespult worden sein.
Dies ist jedoch nicht ohne weiteres gewährleistet. Insbesondere deswegen nicht, weil
jeder Draht des Drahtbündels während des Zieh- und Wickelvorganges durch verschiedene
Bearbeitungsparameter beeinflußt wird, so auch ungewollt ungünstig, was zur Folge
hat, daß eben diese sich je nach Einzeldraht unterschiedlich einstellenden Spannungsverhältnisse
auch zu ungewollten Längen der Einzeldrähte im Drahtbündel auf der dann einzigen Aufwickeleinrichtung
führt. Werden dann die so bewickelten Spulen in der Verseil- bzw. Verlitzverfahrensstufe
ablaufen, ist eine Einhaltung gleicher Drahtlängen der Einzeldrähte und damit ein
qualitätsgerechtes Verseilen bzw. Verlitzen von Stahldraht auf hochproduktiven Verseilmaschinen
wie z.B der nach EP 0 563 586 nicht gewährleistet, was auch für die Anlage nach DE
OS 39 22 974, bei Anwendung einer einzigen Aufspuleinrichtung für das ganze Drahtbündel
aus hochfestem Stahldraht zu befürchten ist. Da der bisherige Stand der Technik bei
den Mehrdrahtziehmaschinen gleitenden Typs, auch Naßziehmaschinen genannt, entweder
solche mit mehreren Aufwickel- bzw. -spuleinrichtungen kennt, welche mit hohem technischen
Aufwand betrieben werden müssen, oder aber Mehrdrahtziehmaschinen mit einer einzigen
Aufwickeleinrichtung für das gesamte Drahtbündel mit erheblichen funktionellen Mängeln,
die ein qualitatätsgerechtes Verseilen bzw. Verlitzen nicht ermöglichen, ausweist,
versucht die DE OS 195 35 025, auch WO 97/11222, diesen Mängeln dadurch abzuhelfen,
indem sie vorschlägt, die aus einer Mehrdrahtziehmaschine und/oder aus mehreren Einzeldrahtziehmaschinen
austretenden, auf den gewünschten Drahtdurchmesser gezogenen Drähte zu einem Bündel
zusammenzufassen und dieses Bündel einem Überdrehvorgang zu unterwerfen, anschließend
das Bündel auseinanderzufachen, jeden Draht einem eigenen Tänzerspeicher zuzuführen
und danach erst auf eine gemeinsame Mehrdrahtspule aufzuwickeln, wobei dadurch in
nicht unerheblichem Maße wiederum weitere Einrichtungen, somit weiterer, erheblicher
technischer Aufwand erforderlich wird. Neben verfahrensbedingtem Aufwand sind im Rahmen
der Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens eine Überdreheinrichtung und Mittel
zum Auseinanderfachen des Drahtbündels sowie für jeden einzelnen Draht eine eigene
Tänzerspeichereinrichtung erforderlich. Neben dem insgesamt sehr hohen Verfahrens-
und Mittelaufwand ansich, ist auch noch ein bedeutender steuerungstechnischer Aufwand
notwendig.
[0003] Von vorgenanntem ausgehend liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, die Verfahrensweise
und Anordnung der technischen Mittel einer an sich bekannten Mehrdrahtziehmaschine
gleitenden Typs für das gleichzeitige Ziehen mehrerer Drähte mit geringer plastischer
Verformbarkeit, insbesondere Stahldrähte, so weiterzuentwickeln, daß das Problem der
Sicherung gleicher Längen jedes die Mehrdrahtziehmaschine verlassenden Einzeldrahtes
unter Ausnutzung des Drahtgleitens und der Wirkung des ansich bekannten Gesetzes der
Seilreibung sowie unter Verwendung von nur einer Abziehscheibe und nur eines Tänzerspeichers
für alle Drähte gelöst wird wobei dadurch die vorgenannten Mängel überwunden werden.
[0004] Diese Aufgabe wird für ein gattungsgemäßes Verfahren und eine gattungsgemäße Vorrichtung
erfindungsgemäß durch die im kennzeichnenden Teil der Ansprüche 1 bis 3 angegebenen
Merkmale gelöst. Dabei werden die zu ziehenden Drähte nach ihrer letzten Ziehscheibe
mittels einer gesonderten Zieh- und Führungsscheibe durch die jeweiligen Schlußziehsteine
gezogen. Nach den jeweiligen Schlußziehsteinen, die entgegen dem bisherigen Stand
der Technik noch innerhalb der Mehrfechziehmaschinenwanne angeordnet sind, werden
die Drähte mittels der gesonderten Zieh- und Führungsscheibe noch innerhalb der Mehrfachziehmaschine
bis zu ihren Austritten aus dieser und bis zum Auflaufen auf eine für alle Einzeldrähte
vorgesehene Abziehscheibe gleitend so geführt, daß in diesem Bereich ein Längenausgleich
eintritt. Während die gesonderte Zieh- und Führungsscheibe einerseits im Drahtstrang
bis zum Schlußziehstein das Ausziehen des Drahtes bewirken, wird andererseits durch
die entsprechend gewählte Auflage von Windungen auf dieser gesonderten Zieh- und Führungsscheibe
eine Längenänderung durch das gleitende Abziehen und Führen bewirkt, da hierdurch
ein Kräfteabbau im Drahtstrang zwingend eintritt. Diese gesonderte Zieh- und Führungsscheibe
wird mit einer höheren Umfangsgeschwindigkeit als die Abziehscheibe angetrieben. Innerhalb
der Streckenführung des Einzeldrahtes durchläuft dieser zwischen der gesonderten Zieh-
und Führungsscheibe und der Abziehscheibe in der Wandung der Mehrdrahtziehmaschine
eine Trocknungseinrichtung, um Schmiermittelaustritte aus der Mehrfachziehmaschine
zu verhindern.
Die Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens ist erkennbar einfach, somit unkompliziert,
aufgebaut. Im Verlaufe des Ziehvorganges ist für jeden Einzeldraht nach der letzten
Ziehscheibe bereits der Schlußziehstein angeordnet. Nach diesem Schlußziehstein ist
eine gesonderte Zieh- und Führungsscheibe vorgesehen, die einerseits zieht, andererseits
eine gleitende und führende somit kräfteabbauende Funktion ausübt. Der gesonderten
Zieh- und Führungsscheibe folgt die Trocknungseinrichtung in der Wandung der Mehrfachziehmaschine.
Außerhalb dieser ist dann die gemeinsame Abziehscheibe und ein gemeinsamer Tänzerspeicher
für alle Einzeldrähte angeordnet.
[0005] An einem Ausführungsbeispiel wird die Erfindung im folgenden näher erläutert.
Es zeigen:
- Fig. 1:
- Schematische Darstellung des Mehrdrahtziehprozesses auf einer Mehrfachziehmaschine
gleitenden Prinzips mit anschließender Aufspulung der Drähte in Vorderansicht.
- Fig. 2:
- Fig. 1 in der Draufsicht.
- Fig. 3:
- Auswirkung der Funktion der erfindungsgemäß vorgesehenen gesonderten Zieh- und Führungsscheibe
auf die Reduzierung der Ziehkraft infolge der Reibung zwischen Draht und Scheibe.
[0006] Diese Ausführungsbeispiel bezieht sich auf eine Mehrfachziehmaschine gleitenden Types
für zwei zu ziehende Drähte. Die Anzahl der zu ziehenden Drähte kann im technisch
sinnvollen Bereich beliebig erhöht werden. In einem Ziehbecken 1, welches mit einem
Naßschmiermittel gefüllt ist, sind für jeden Drahtstrang gemeinsame Ziehscheiben 2
und eine gesonderte gemeinsame Zieh- und Führungsscheibe 3 sowie außerhalb des Ziehbeckens,
in Ziehrichtung gesehen, die Abziehscheibe 4, die beide gezogenen Drähte aufnimmt,
angeordnet. Die Scheiben 2, 3 und 4 sind beispielsweise über Riementriebe 5 miteinander
verbunden und werden von einem nicht dargestellten Elektromotor angetrieben. In jedem
Strang befinden sich jeweils vor jeder Ziehscheibe 2 ein Ziehstein 6 und vor der gesonderten
Zieh- und Führungsscheibe 3 ein Schlußziehstein 7. Die gesonderte Zieh- und Führungsscheibe
3 ist als neues Mittel mit neuer Wirkung somit in dem Bereich des Drahtziehens angeordnet,
der dem Schlußzug im Schlußziehstein folgt und der als Bearbeitungsteilabschnitt mit
neuer Wirkung erfinderisch und neu in den Drahtziehprozeß aufgenommen wurde. In diesem
neuen Bearbeitungsteilabschnitt befindet sich in der Wandung des Ziehbeckens 1 der
Mehrfachziehmaschine eine Trockeneinrichtung 9 und nach dieser eine an sich vorbekannte
Abziehscheibe 4 für in neuer Anordnung beide Drähte. Dieser Abziehscheibe 4 ist in
neuer Anordnung eine Tänzereinrichtung 10 für beide Drähte nachgeordnet, der wiederum
eine vorbekannte Aufwickelspule 11 folgt.
Zwei Drähte 8a und 8b werden jeweils mittels der Ziehscheiben 2 durch die Ziehsteine
6 und letztlich mittels der gesonderten Zieh- und Führungsscheibe 3, um die der Draht
in diesem Ausführungsbeispiel in vier Windungen gelegt ist, durch die Schlußsteine
7 gezogen. Die beiden Drähte werden des weiteren durch die Trockenvorrichtungen 9
geführt, in fünf Windungen über die für beide Drähte gemeinsam angeordnete Abziehscheibe
4 gelegt und über den für beide Drähte gemeinsam angeordneten Tänzerspeicher 10 zur
Aufwickelspule 11 geleitet und dort aufgespult. Auf der Abziehscheibe 4 befinden sich
so viele Drahtwindungen, daß ein Gleiten des Drahtes ausgeschlossen ist. Demzufolge
bestimmt die Abziehscheibe 4 die Geschwindigkeit mit der die beiden Drähte durch die
Ziehscheibe gezogen werden. Die Geschwindigkeit der beiden Drähte ist auf der gesonderten
Zieh- und Führungsscheibe 3 dieselbe wie auf der Abziehscheibe 4. Die gesonderte Zieh-
und Führungsscheibe 3 wird jedoch mit einer höheren Umfangsgeschwindigkeit angetrieben
als die Drahtgeschwindigkeit beträgt. Folglich gleiten die Drähte auf der gesonderten
Zieh- und Führungsscheibe 3. Die Erzeugung der Ziehkraft erfolgt durch die Reibung
zwischen den Drähten 8a und 8b und der angetriebenen gesonderten Zieh- und Führungsscheibe
3. Gemäß der Eytelweinschen Beziehung, die die Seilreibung definiert, nimmt längs
des Umfanges der gesonderten Zieh- und Führungsscheibe 3 die Ziehkraft F
Z ab, und an den Drähten wirkt nach Verlassen der gesonderten Zieh- und Führungsscheiben
3 die Gegenzugkraft F
G
worin µ der Reibungskoeffizient zwischen Draht und gesonderter Zieh- und Führungsscheibe
3 und n die Anzahl der Drahtwindungen auf dieser Scheibe sind, dazu Fig. 3.
Bei den beim Naßziehen der Drähte üblichen Schmiermitteln kann man mit einem Reibungskoeffizienten
zwischen den Drähten 8a und 8b und der Scheibe 3 von µ = 0,05 rechnen. Mit der Zahl
der Drahtwindungen n = 4 geht die Ziehkraft F
Z auf einen Gegenzug F
G zurück, der nur noch ca. 28 % der Ziehkraft F
Z beträgt. Die Differenz der elastischen Dehnungen der einzelnen Drähte geht somit
auch auf diesen Wert zurück. Da die Drähte 8a und 8b auf der gesonderten Zieh- und
Führungsscheibe 3 gleiten, können zwischen dem Auflaufen der Drähte 8a und 8b auf
der Scheibe 3 und dem Ablaufen von dieser die elastischen Dehnungen der Drähte 8a
und 8b von einer Größe, die durch die Ziehkräfte F
Z bestimmt werden, auf eine Größe zurückgehen, die durch die geringeren Gegenzugkräfte
F
G bestimmt werden, also auch auf ca. 28 % des ursprünglichen Wertes. Die Längenänderung
erfolgt hierbei über den Geschwindigkeitsausgleich.
Auf dem gemeinsamen Tänzerspeicher wird jeder der beiden Drähte 8a und 8b mit der
Tänzerkraft F
T belastet. Die daraus sich ergebende elastische Dehnung wirkt der Verkürzung der Drähte
hinter der Abziehscheibe 4 entgegen.
Ein Rechenbeispiel soll verdeutlichen, in welcher Größenordnung ein Ausgleich der
Längendifferenzen zwischen den einzelnen Drähten erfolgt.
Grundlage nachfolgender Beispielrechnung ist, daß, wenn ein Draht durch einen Ziehstein
gezogen wird, der Draht nach dem Ziehstein infolge der auf ihn einwirkenden Ziehkraft
F
Z eine elastische Dehnung erfährt. Die elastische Dehnung ist, wie bekannt, nach dem
Hookschen Gesetz definiert als das Verhältnis der auftretenden Spannung zum Elastizitätsmodul
E.
Ersetzt man die Spannung durch die Ziehkraft F
Z und den Querschnitt A, ergibt sich die elastische Dehnung zu

[0007] Bei gleichem Werkstoff (Elastizitätsmodul E) ist also die elastische Dehnung abhängig
von den Umformbedingungen im Ziehstein; das sind Drahtdurchmesser, Meterialfestigkeit,
Umformgrad, Ziehholwinkel, Reibung im Ziehhol- und Gegenzug, mit dem der Draht in
den Ziehstein eintritt.
Während des Ziehprozesses können sich durch einsetzenden Ziehsteinverschleiß die Ziehkraft
F
Z und der Drahtquerschnitt A oder durch unterschiedliche Schmierbedingungen die Ziehkraft
F
Z ändern. Änderungen von Ziehkraft und Drahtdurchmesser führen nach Gleichung (1) zur
Änderung der elastischen Dehnung des Drahtes.
Beim Mehrdrahtziehen und -spulen entsteht daraus ein fataler Effekt. Die elastische
Dehnung der Drähte erfolgt zwischen den Schlußsteinen und der Abziehscheibe. Auf der
Abziehscheibe bleiben die elastischen Dehnungen erhalten, da auf der Abziehscheibe
der Draht nicht gleitet. Nach der Abziehscheibe geht die elastische Dehnung der Drähte
auf einen Betrag zurück, der durch die Tänzerkraft F
T bestimmt wird, nämlich

wobei F
T um ein Mehrfaches kleiner ist als F
Z. Da alle Drähte über einen gemeinsamen Tänzerspeicher geführt werden, bestimmt der
am stärksten verkürzte Draht über die Stellung des Tänzers die augenblickliche Spulgeschwindigkeit.
In solch einem Falle würde nur dieser Draht unter der durch das Tänzergewicht erzeugten
Spannung F
T/A aufgespult. Die Drähte, die sich weniger verkürzen, würden ohne bzw. mit einer
geringeren Spannung, also auch mit einer größeren Länge aufgespult, wenn diesem Mangel
nicht bzw. nicht so wie in dieser erfinderischen Lösung abgeholfen würde.
Werden diese Verhältnisse auf das Rechenbeispiel zur besseren Erläuterung der vorgenannten
Erfindung übertragen, ergibt sich nachfolgendes. Die Drähte 8a und 8b sollen Stahldrähte
sein. Draht 8a hat einen Durchmesser von 0,25 mm und eine Endfestigkeit von 3200 N/mm
2. Die Querschnittsabnahme im Schlußstein beträgt 10 %. Der Draht 8b ist infolge von
Ziehsteinverschleiß 0,256 mm dick und hat folglich nur eine Festigkeit von 3100 N/mm
2 erreicht und die Querschnittsabnahme beträgt nur noch 5,7 %. Unter Berücksichtigung
dessen, daß die Drähte mit einem Gegenzug von 12 N in die Schlußziehsteine 7 einlaufen,
ergeben sich folgende Ziehkräfte und elastischen Dehnungen an der gesonderten Zieh-
und Führungsscheibe 3:
. für Draht 8a

. für Draht 8b

[0008] Die Differenz der elastischen Dehnungen beträgt 0,00104. Nach dieser Scheibe 3 sind
die elastischen Dehnungen zurückgegangen auf 28 % der ursprünglichen Werte:

[0009] Die Differenz der elastischen Dehnungen beträgt nur noch 0,00029. Das sind ca. 0,03
% einer beliebigen Drahtlänge.
Entscheidend ist, mit welcher Längendifferenz die beiden Drähte aufgespult werden.
Es ist vorteilhaft, einem Draht von 0,25 mm Durchmesser mit einer Tänzerkraft von
F
T = 8 N aufzuspulen. Daraus entstehen an den beiden Drähten zwischen Tänzerspeicher
und Spule 11 folgende elastische Dehnungen:
. Draht 8a

. Draht 8b

[0010] Die Differenz der elastischen Dehnungen beträgt 0,000256. D.h., die Drähte werden
mit einer Längendifferenz von lediglich 0,026 % aufgespult.
[0011] Die Trockenvorrichtung 9 bestehen in bekannter Weise aus ein oder zwei Düsen pro
Draht, in denen der einzelne Draht mittels Preßluft oder Unterdruck getrocknet wird,
wenn er den Naßziehbereich verläßt. Die Schlußziehsteine 7 sind in bekannter Weise
in wenigstens zwei Ebenen einstellbar, um Draht- und Ziehsteinachse zueinander ausrichten
zu können.
1. Verfahren zum gleichzeitigen Ziehen und Spulen mehrerer Drähte mit geringer plastischer
Verformbarkeit, insbesondere Stahldrähte, auf einer Mehrfachziehmaschine gleitenden
Typs, die mit Einzelziehscheiben, Ziehkonen, oder Ziehwalzen ausgestattet ist, wobei
die Drähte mit einem Naßschmiermittel gezogen werden und die außerhalb des Naßziehbereiches
mit einer Abziehscheibe ausgestattet ist und dieser Abziehscheibe ein Tänzerspeicher
nachgeordnet ist, der die Geschwindigkeit der nachgestellten Spulmaschine steuert,
gekennzeichnet dadurch,
daß die zu ziehenden Drähte (8a), (8b) nach ihrer letzten Ziehscheibe (2) mittels
einer gesonderten Zieh- und Führungsscheibe (3) durch die jeweiligen Schlußziehsteine
(7) gezogen werden, danach die Drähte (8a), (8b) von der gesonderten Zieh- und Führungsscheibe
(3) im Bereich zwischen den Schlußziehsteinen (7) und der für alle Drähte (8a), (8b)
gemeinsamen Abziehscheibe (4) so gleitend geführt werden, daß ein Längenausgleich
zwischen den Einzeldrähten (8a), (8b) durch Längenänderung und Kräfteabbau eintritt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
gekennzeichnet dadurch,
daß die gesonderte Zieh- und Führungsscheibe (3) dabei mit einer höheren Umfangsgeschwindigkeit
angetrieben wird als die Abziehscheiben (4).
3. Vorrichtung zur Ausführung des Verfahrens zum gleichzeitigen Ziehen und Spulen mehrerer
Drähte, mit geringer plastischer Verformbarkeit, insbesondere Stahldrähte, auf einer
Mehrfachziehmaschine gleitenden Typs, die mit Einzelziehscheiben, Ziehkonen, oder
Ziehwalzen ausgestattet ist, wobei die Drähte mit einem Naßschmiermittel gezogen werden
und die außerhalb des Naßziehbereiches mit einer Abziehscheibe ausgestattet ist und
dieser Abziehscheibe ein Tänzerspeicher nachgeordnet ist, der die Geschwindigkeit
der nachgestellten Spulmaschine steuert,
gekennzeichnet dadurch,
daß in Zugrichtung noch innerhalb der Wanne (1) der Mehrfachziehmaschine, die Ziehstein-
und Ziehscheibenfolge abschließend, die Schlußziehsteine (7) angeordnet sind, daß
gleichfalls noch innerhalb der Wanne (1) in Zugrichtung eine gesonderte Zieh- und
Führungsscheibe (3) nach den Schlußsteinen (7) zum Zwecke des Zuges und einer gleitenden
Führung zum Drahtlängenausgleich und Kräfteabbau angeordnet und daß in der weiteren
Folge des Zuges eine die Wanne abschließende Trockeneinrichtung (9) noch vor der Abziehscheibe
(4) vorgesehen ist.