[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Verzinnung von Rohren, Rohrabschnitten,
Fittings und Armaturen aus Kupfer oder einer Kupferlegierung durch chemische Abscheidung
einer Zinnschicht aus einem Zinnbad unter Anwendung üblicher Verfahrensmaßnahmen,
wie Spülen, Beizen und Trocknen, unter Verwendung eines Zinnbads, das Methansulfonsäure
und/oder Methansulfonsäuresalz enthält, gemäß den Merkmkalen im Oberbegriff des Patentanspruchs
1.
[0002] Rohre, Rohrabschnitte, Fittings und Armaturen sowie ähnliche Einrichtungen, die in
Kalt- und Heißwasser-Servicesystemen Anwendung finden, werden in weitem Ausmaß aus
Kupfer und Kupferlegierungen hergestellt. Die Gründe hierfür sind die gute Korrosionsbeständigkeit
von Kupfer und Kupferlegierungen sowie die leichte Verarbeitbarkeit dieser metallischen
Werkstoffe zu Rohren und dergleichen. Die Verwendung von Rohren aus Kupfer und Kupferlegierungen
für Trinkwasserleitungen ist aber mit dem Nachteil verbunden, dass die Auflösung von
Kupfer zu gesundheitlichen Gefährdungen führen kann. Daher unterliegt die Verwendung
von Kupferrohren einer Einsatzbeschränkung (DIN 50930, T5), wenn das Wasser einen
pH-Wert <6,5 oder einen Gehalt an freier Kohlensäure >44 mg/l aufweist.
[0003] Aus der Publikation "Performance of Tin-Coated Cover Tube for Cold and Hot Water
Service System" in Submitting Paper for 13th International Corrosion Conference at
Melbourne, Australia, Nov. 25-29, 1996, ist es bereits bekannt, die Innenwände der
betreffenden Teile, beispielsweise die Rohrinnenwände, durch chemische Abscheidung
mit einer dünnen Zinnschicht, beispielsweise mit einer Dicke von 0,5 bis 2,0 µm, zu
beschichten. Wie aus der vorstehend genannten Publikation hervorgeht, kann hierdurch
ein wirksamer Korrosionsschutz und insbesondere ein Schutz vor einer zu starken Auflösung
von Kupfer in dem Trinkwasser erzielt werden. Nach der oben genannten Publikation
soll diese ausgezeichnete Korrosionsbeständigkeit von mit Zinn beschichteten Kupferrohrteilen
auf die Bildung eines stabilen Zinnoxidfilms zurückzuführen sein.
[0004] Trotz der hierdurch erzielten Vorteile treten bei der herkömmlichen Beschichtung
der Innenwände von Rohrteilen aus Kupfer und Kupferlegierungen mit Zinn noch Probleme
auf. Das hierzu verwendete Bad zur Abscheidung des Zinns enthält einen Komplexbildner,
wie beispielsweise Thioharnstoff, der das Kupfer so stark komplexiert, dass dessen
Potential im System niedriger liegt als dasjenige des Zinns. Das damit edlere Zinn
scheidet sich auf dem Kupfer ab; Kupfer löst sich im Gegenzug auf. Die Abscheidung
erfolgt hauptsächlich, so lange noch freies Kupfer vorliegt.
[0005] Im weiteren Verlauf der Reaktion vergrößert sich die Schichtdicke nur geringfügig.
[0006] Prinzipielle Schwierigkeiten bei der Beschichtung sind neben den hieraus resultierenden
langen Expositionszeiten geringe Schichtdicken, die nur dann gegen die Auflösung des
Kupfers durch wässrige Medien schützen, wenn sie vollständig homogen und geschlossen
sind.
[0007] Im Umfang der JP 63 230 883 A sowie der EP 0 503 389 A2 sind Verfahren zur Galvanisierung
von elektrischen Leiterplatten bekannt. Hierbei spielt die Problematik des Einflusses
von Kupferionen auf Trinkwasser keine Rolle.
[0008] Der Erfindung liegt - ausgehend vom Stand der Technik - die Aufgabe zugrunde, ein
verbessertes Verfahren zur Verzinnung von Rohren und dergleichen aus Kupfer oder einer
Kupferlegierung bereit zu stellen, bei welchem die Kupferlässigkeit der mit einer
Zinnschicht beschichteten inneren Oberflächen dieser Teile merklich reduziert werden
kann.
[0009] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit den im kennzeichnenden Teil des Patentanspruchs
1 angegebenen Merkmalen gelöst.
[0010] Das bei dem erfindungsgemäßen Verfahren verwendete Zinnbad ist - abgesehen von dem
Zusatz von Methansulfonsäure oder einem Salz - ein übliches Zinnbad, das bei der chemischen
bzw. stromlosen Abscheidung von Zinnschichten verwendet wird, bisher aber ausschließlich
in der Leiterplattenfertigung. Es enthält:
(1) eine Zinnquelle, insbesondere ein Zinn(II)-Salz, wie beispielsweise Zinnchlorid,
Zinnsulfat, Zinntetrafluorborat, Zinnmethansulfonat.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung enthält das bei dem erfindungsgemäßen
Verfahren verwendete Bad als Zinnquelle Zinnmethansulfonat (Patentanspruch 2).
Der Anteil an Zinn(II) in dem Bad beträgt 1 bis 50 g/l, vorzugsweise 25 g/l. Der Anteil
an Säure liegt zwischen 10 und 200 g/l.
Das bei dem erfindungsgemäßen Verfahren verwendete Zinnbad enthält weiterhin:
(2) einen Komplexbildner, bevorzugt Thioharnstoff, in einer Menge von 20 bis 200 g/l,
(3) ein Reduktionsmittel, wie beispielsweise ein wasserlösliches Hypophosphit, in
einer Menge von 5 bis 200 g/l.
[0011] Der pH-Wert des Zinnbads beträgt 0 bis 3, vorzugsweise 0 bis 1.
[0012] Die Durchführung der chemischen Abscheidung der Zinnschicht erfolgt auf die übliche
Weise, beispielsweise bei Temperaturen von 50 bis 80°C.
[0013] Dem Anstieg des Kupfergehaltes im Bad durch die Zinnabscheidung bei gleichzeitiger
Auflösung von Kupfer wird nicht, wie bisher üblich, durch eine Erhöhung der Konzentration
an Komplexbildnern begegnet, sondern in bevorzugter Weise (Patentanspruch 3) durch
die Entfernung von Kupfer mittels einer geeigneten Einrichtung zur Membranelektrolyse.
Hierbei scheidet sich kathodisch Kupfer ab, während sich anodisch Zinn auflöst.
[0014] Wichtig bei allen vorbeschriebenen Verfahrensvarianten ist jedoch der Sachverhalt,
dass die Verfahrensschritte Abscheiden und/oder Trocknen unter Inertgasatmosphäre,
insbesondere einer Stickstoffatmosphäre durchgeführt werden.
[0015] Die Erfindung wird in den folgenden Beispielen erläutert.
Beispiel 1:
[0016]
| Methansulfonsäure |
50 g/l |
| Zinnmethansulfonat |
20 g/l |
| Thioharnstoff |
125 g/l |
| Natriumhypophosphit |
25 g/l |
| Netzmittel |
5 g/l |
| Temperatur |
70°C |
Beispiel 2:
[0017]
| Methansulfonsäure |
100 g/l |
| Zinnmethansulfonat |
40 g/l |
| Thioharnstoff |
150 g/l |
| Natriumhypophosphit |
50 g/l |
| Netzmittel |
5 g/l |
| Temperatur |
80°C |
Beispiel 3:
[0018]
| Fluorborsäure |
100 g/l |
| Zinnfluorborat |
30 g/l |
| Thioharnstoff |
100 g/l |
| Natriumhypophosphit |
50 g/l |
| Netzmittel |
5 g/l |
| Temperatur |
70°C |
[0019] Durch den Zusatz von Methansulfonsäuresalz werden gegenüber der Verwendung von methansulfonsäuresalzfreien
Bädern folgende Vorteile erhalten:
(1) Die Abscheidungen zeigen bei geringerer Schichtdicke schon deutlich bessere Korrosionswerte
gegenüber aggressiven Medien.
(2) Die erhaltenen Schichten sind geschlossen und verhindern dadurch beispielsweise
die Migration von Kupfer in Trinkwasser.
(3) Es erfolgt keine Oxidation, d.h. Vorschädigung der Endschicht bei Trocknung unter
inertgas.
(4) Die Konstanz der Schichteigenschaften ist aufgrund der Badzusammensetzung und
der verwendeten Regeneriermaßnahmen deutlich erhöht.
1. Verfahren zur Verzinnung von Rohren, Rohrabschnitten, Fittings und Armaturen aus Kupfer
oder einer Kupferlegierung durch chemische Abscheidung einer Zinnschicht aus einem
eine Zinnquelle und übliche Bestandteile enthaltenden Zinnbad unter Anwendung üblicher
Verfahrensmaßnahmen, wie Spülen, Beizen und Trocknen, unter Verwendung eines Zinnbades,
das Methansulfonsäure und/oder ein Methansulfonsäuresalz enthält, dadurch gekennzeichnet, daß die Verfahrensschritte Abscheiden und/oder Trocknen unter Inertgasatmosphäre durchgeführt
werden.
2. Verfahren nach Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man ein Zinnbad verwendet, das Zinnmethansulfonat als Zinnquelle enthält.
3. Verfahren nach Patentanspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Verzinnungslösung mittels eines Membranelektrolyseverfahrens aufbereitet wird,
indem Kupfer der Lösung entzogen und Zinn zugeführt wird.
1. Method of tinning pipes, pipe sections, fittings and valves made of copper or a copper
alloy by chemical deposition of a layer of tin from a tin bath containing a source
of tin and conventional ingredients using conventional process measures, such as rinsing,
pickling and drying, using a tin bath containing methane sulphonic acid and/or a salt
of methane sulphonic acid,
characterised in that the deposition and/or drying process steps are carried out in an inert gas atmosphere.
2. Method according to patent claim 1, characterised in that use is made of a tin bath containing tin methane sulphonate as the source of tin.
3. Method according to patent claim 1 or 2,
characterised in that the tinning solution is prepared by means of a membrane electrolysis process in which
copper is extracted from the solution and tin is added.
1. Procédé d'étamage de tubes, de sections de tubes, de raccords et d'accessoires de
tuyauterie en cuivre ou en un alliage de cuivre, par dépôt chimique d'une couche d'étain,
à partir d'un bain d'étain contenant une source d'étain et des composants usuels,
en utilisant des procédés classiques tels que le rinçage, le décapage et le séchage,
en employant un bain d'étain qui contient de l'acide méthanesulfonique et/ou un sel
d'acide méthanesulfonique,
caractérisé en ce que
les étapes "dépôt" et/ou "séchage" du procédé sont effectuées sous atmosphère de gaz
inerte.
2. Procédé selon la revendication 1,
caractérisé en ce que
comme source d'étain, on utilise un bain d'étain qui contient du méthane sulfonate
d'étain.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2,
caractérisé en ce que
la solution d'étamage est préparée par un procédé d'électrolyse à membrane, qui extrait
du cuivre de la solution et qui de l'étain apporte à la solution.