[0001] Die Erfindung bezieht sich auf einen hochleistungsschweißgeeigneten weichmagnetischen
Stahl mit hoher Zähigkeit in der Wärmeeinflußzone von Schweißverbindungen, hohem spezifischen
elektrischen Widerstand zur Reduzierung von Wirbelströmen, Alterungsbeständigkeit
und Witterungsbeständigkeit und seine Verwendung für Teile von Magnetschwebebahnen,
die Trag-, Führungs- oder Antriebskräfte aufnehmen, insbesondere Seitenführungsschienen.
[0002] Ein für Fürhrungsschieren von Magnetschwebebahnen verwendeter Stahl mit, abgesehen
vom Titangehalt, gleicher Zusammensetzung wie nach der Erfindung ist offenbart in
DE-C-3 009 234. Der bekannte Stahl ist jedoch nicht für das Hochleistungsschweißen,
d. h. Schweißen mit hoher Streckenenergie geeignet. Hohe Streckenenergie ist bei der
schweißtechnischen Verarbeitung dieser Stähle speziell bei den langen Fahrwegen der
Magnetschwebebahn wegen der hohen Schweißgeschwindigkeit von besonderem wirtschaftlichen
Interesse.
[0003] Beim Schweißen von Baustählen entsteht durch die thermische Beanspruchung des Grundwerkstoffes
in einer schmalen Zone neben der Schmelzlinie ein grobkörniges Gefüge, das zu einer
Beeinträchtigung der Zähigkeitseigenschaften führt. Die Größe des Kornes und die Breite
der Grobkornzone werden durch die Streckenenergie beim Schweißen beeinflußt. Mit Zunahme
der Streckenenergie wird das Korn vergrößert und demzufolge die Kerbschlagarbeit verschlechtert.
Da einerseits die Wirtschaftlichkeit des Schweißens mit steigender Streckenenergie
erhöht wird, andererseits für die Bauteilsicherheit eine hohe Zähigkeit der Wärmeeinflußzone
angestrebt wird, gibt es einen großen Bedarf an Stählen, die ohne zulässige Zähigkeitseinbuße
in der Wärmeeinflußzone mit hoher Streckenenergie schweißbar sind, Thyssen Techn.
Berichte, Heft 1/85, S. 42-49.
[0004] Seit langem nutzt man bei der Erzeugung von Feinkornbaustählen die Wirkung feiner
Ausscheidungen aus, die das Austenitkornwachstum behindern können. Nitride, Carbide
und Carbonitride von Niob und Titan sowie Aluminiumnitride verhindern das Wachstum
der Austenitkörner, indem sie die Korngrenzenbewegung behindern. Bei der beim Schweißen
auftretenden thermischen Beanspruchung lösen sich jedoch die meisten Ausscheidungen
auf und werden dadurch unwirksam. Lediglich Titannitrid ist in der Lage, selbst bei
Temperaturen bis oberhalb 1400°C beständig zu sein. Die Wirkung der Titannitride auf
die Behinderung des Austenitkornwachstums hängt von ihrer Menge, Größe und Verteilung
ab. Die Dispersion der Titannitride wird durch den Gehalt an Titan und Stickstoff
sowie durch die Abkühlbedingungen des Stahles nach dem Gießen beeinflußt. Feine Titannitridausscheidungen
mit einer Teilchengröße von unter 0,020
µm entstehen bei Titangehalten von unter 0,03 % und einem Titan-Stickstoff-Verhältnis
von 2 bis 3,4. Unter dieser Voraussetzung wird die wirksamste Behinderung des Austenitkornwachstums
beim Schweißen erreicht. Allerdings erwartet der Fachmann einen ungunstigen Einfluß
eines Titangehaltes auf die magnetischen Einsgenchaften (höhere Wirbelstrom verluste
und niedrigere magnetische Flußdichte) infolge von Kornverfeinerung, vgl. Journal
of Material Science 32 (1997), S. 1055-1059.
[0005] Stähle, deren Legierungsgehalt auf die Korrosionsbeständigkeit und die magnetischen
Eigenschaften abgestimmt ist, lassen sich nicht ohne Zähigkeitseinbuße in der Wärmeeinflußzone
mit hoher Streckenenergie schweißen. Der vorliegenden Erfindung liegt nun die Aufgabe
zugrunde, einen weichmagnetischen Stahl vorzuschlagen, der einerseits ohne Zähigkeitseinbuße
durch Hochleistungsschweißen mit hoher Streckenenergie verarbeitet werden kann und
andererseits die Anforderungen hinsichtlich hohem spezifischen elektrischen Widerstand,
Alterungsbeständigkeit und Witterungsbeständigkeit erfüllt.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch einen Stahl folgender chemischer Zusammensetzung
(in Masse-%) gelöst:
| 0,65 bis < 1,0 % |
Chrom |
| > 1,0 bis 2,0 % |
Silizium |
| 0,25 bis 0,55 % |
Kupfer |
| 0,003 bis 0,008 % |
Stickstoff |
| 0,15 bis < 0,6 % |
Mangan |
| 0,02 bis 0,07 % |
Aluminiumlösl. |
| 0,01 bis 0,02 % |
Titan |
| 0 bis 0,15 % |
Kohlenstoff |
| 0 bis 0,045 % |
Phosphor |
[0007] Rest Eisen mit erschmelzungsbedingten Verunreinigungen.
[0008] Bevorzugt hat dieser Stahl folgende Zusammensetzung:
| 0,75 bis 0,85 % |
Chrom |
| 1,60 bis 1,80 % |
Silizium |
| 0,25 bis 0,35 % |
Kupfer |
| 0,003 bis 0,008 % |
Stickstoff |
| 0,30 bis 0,40 % |
Mangan |
| 0,040 bis 0,07 % |
Aluminium löslich |
| 0,01 bis 0,02 % |
Titan |
| 0,05 bis 0,08 % |
Kohlenstoff |
| 0,005 bis 0,02 % |
Phosphor |
[0009] Rest Eisen mit erschmelzungsbedingten Verunreinigungen.
[0010] Der erfindungsgemäße Stahl löst die gestellte Aufgabe. Er erfüllt einerseits die
für das Hochleistungsschweißen erforderlichen analytischen Voraussetzungen, andererseits
die z.B. an einen Werkstoff für Trag- und Führungsteile von Magnetschwebebahnen gestellten
scharfen Anforderungen hinsichtlich hohem spezifischen elektrischen Widerstand, Alterungsbeständigkeit
und Witterungsbeständigkeit.
[0011] Der erfindungsgemäße Stahl wird hergestellt durch Gießen, Walzen, Normalglühen oder
durch normalisierendes Walzen und beschleunigtes Abkühlen. Zur Erfüllung der Anforderungen
hinsichtlich der Eignung für das Hochleistungsschweißen ist der Titangehalt des erfindungsgemäßen
Stahls bevorzugt auf 0,01 bis 0,02 % und der Stickstoffgehalt auf 0,005 bis 0,008
% mit einem Titan:Stickstoff-Verhältnis von bevorzugt 2,0 bis 4,0 festgelegt. Unter
dieser Voraussetzung wird die wirksamste Behinderung des Austenitkornwachstums beim
Schweißen mit hohem Wärmeeinbringen erreicht.
[0012] Durch das erfindungsgemäße Legieren eines weichmagnetischen Stahles mit Titan wird
in einzigartiger Kombination die oben beschriebene Verbesserung der Schweißbarkeit
bei einem gleichzeitig hohen elektrischen Widerstand kombiniert. Der hohe elektrische
Widerstand stellt einen niedrigen Energieverbrauch beim Betrieb der
[0013] Magnetschwebebahn durch Minimierung der Wirbelstromverluste sicher.
[0014] Der erfindungsgemäße Stahl läßt sich erheblich wirtschaftlicher verarbeiten und verursacht
aufgrund seiner hervorragenden elektrischen Eigenschaften unter Betriebsbedingungen
geringe Wirbelstromverluste.
[0015] Aufgrund seines vorerwähnten Eigenschaftsprofils eignet sich der erfindungsgemäße
Stahl hervorragend für Teile von Magnetschwebebahnen, die Trag-, Führungs- oder Antriebskräfte
aufnehmen müssen, wie Seitenführungsschienen.
[0016] Beispiele für den erfindungsgemäßen Stahl sind in Tabelle 1 angegeben.
Tabelle 1:
| Chemische Zusammensetzung in Masse-% |
| Stahl |
C |
Si |
Mn |
P |
S |
N |
Al |
Cr |
Cu |
Ti |
| A |
0,06 |
1,65 |
0,35 |
0,006 |
0,001 |
0,0065 |
0,059 |
0,74 |
0,25 |
0,015 |
| B |
0,06 |
1,69 |
0,39 |
0,007 |
0,002 |
0,0072 |
0,065 |
0,77 |
0,29 |
0,017 |
| C |
0,07 |
1,66 |
0,38 |
0,008 |
0,001 |
0,0069 |
0,063 |
0,76 |
0,28 |
0,016 |
[0017] Zum Vergleich der Eigenschaften des erfindungsgemäßen Stahles mit einem bekannten
Stahl ohne Titan gemäß DE 30 09 234 C2 sind aus den oben aufgeführten Schmelzen 30-mm-Bleche
gewalzt und anschließend normalgeglüht worden. Der Stahl D setzt sich aus 0,07 % C,
1,73 % Si, 0,36 % Mn, 0,013 % P, 0,003 % S, 0,006 % N, 0,07 % Al, 0,77 % Cr, Rest
Fe zusammen.
[0018] Aus der nachfolgenden Übersicht in Tabelle 2 ist zu entnehmen, daß die erfindungsgemäßen
Stähle A, B und C gegenüber dem zum Vergleich herangezogenen bekannten Stahl D ohne
Titan gleich gute magnetische und elektrische Eigenschaften besitzen.
Tabelle 2:
| Elektrische und magnetische Eigenschaften |
| |
Magnetische Flußdichte in Tesla bei 4000 A/m |
Spezifischer elektrischerWiderstand bei RT in Ω*mm2/m |
| Herkömmlicher Stahl |
(D) |
1,60 |
0,399 |
| Erfindungsgemäßer Stahl |
(A) |
1,64 |
0,384 |
| (B) |
1,63 |
0,383 |
| (C) |
1,65 |
0,384 |
[0019] Die mechanischen Eigenschaften aus Zug- und Kerbschlagbiegeversuchen sind in Tabelle
3 den Eigenschaften des bekannten Stahls D ohne Titan gegenübergestellt. Danach unterscheiden
sich die erfindungsgemäßen Stähle A, B und C auch in ihren mechanischen Eigenschaften
nicht wesentlich vom bekannten Stahl D.
[0020] Zur Untersuchung der Zähigkeit in der Wärmeeinflußzone einer Schweißverbindung wurde
das Gefüge der Wärmeeinflußzone, wie es unmittelbar neben der Schmelzlinie vorliegt,
simuliert. Die Simulation erfolgte mit einer Spitzentemperatur von 1350 °C und einer
Abkühlzeit t
8/5 = 50 s. Die Ergebnisse der Kerbschlagbiegeversuche an den Simulationsproben sind
in
Fig. 1 dargestellt. Gegenüber dem Vergleichsstahl D ohne Titan zeigt sich die deutliche
Überlegenheit des erfindungsgemäßen Stahls.
Tabelle 3:
| Vergleich mechanischer Eigenschaften |
| Stahl |
A |
B |
C |
D |
| Rel N/mm2 |
360 |
370 |
355 |
363 |
| Rm N/mm2 |
537 |
539 |
534 |
529 |
| A % |
38 |
37 |
37 |
31 |
| Z % |
77 |
77 |
78 |
- |
| Kerbschlagarbeit (ISO-V) |
|
|
|
|
| - 20 °C |
- |
13 |
- |
- |
| 0 °C |
12 |
57 |
13 |
- |
| 10 °C |
|
|
117 |
|
| 20 °C |
72 |
147 |
149 |
95 |
| 50 °C |
233 |
221 |
205 |
|
| 100 °C |
275 |
294 |
281 |
|
| 150 °C |
289 |
298 |
314 |
|
[0021] Wärmebehandlung: 10 Min 950 °C/L
[0022] Probenlage: quer; 1/4 Blechdicke.
[0023] Durch das erfindungsgemäße Legieren mit Titan kann eine durchgreifende Verbesserung
der Schweißbarkeit des weichmagnetischen Stahles erreicht werden, ohne daß die guten
mechanischen und magnetischen Eigenschaften verschlechtert werden.
1. Hochleistungsschweißgeeigneter weichmagnetischer Stahl mit hoher Zähigkeit in der
Wärmeeinflußzone von Schweißverbindungen, hohem spezifischen elektrischen Widerstand
zur Reduzierung von Wirbelströmen, Alterungsbeständigkeit und Witterungsbeständigkeit
der Zusammensetzung in Masse-%:
| 0,65 bis < 1,0 % |
Chrom |
| > 1,0 bis 2,0 % |
Silizium |
| 0,25 bis 0,55 % |
Kupfer |
| 0,003 bis 0,008 % |
Stickstoff |
| 0,15 bis < 0,6 % |
Mangan |
| 0,02 bis 0,07 % a |
Aluminiumlösl. |
| 0,01 bis 0,02 % |
Titan |
| 0 bis 0,15 % |
Kohlenstoff |
| 0 bis 0,045 % |
Phosphor |
Rest Eisen mit erschmelzungsbedingten Verunreinigungen.
2. Stahl nach Anspruch 1 mit (in Masse-%)
| 0,75 bis 0,85 % |
Chrom |
| 1,60 bis 1,80 % |
Silizium |
| 0,25 bis 0,35 % |
Kupfer |
| 0,003 bis 0,008 % |
Stickstoff |
| 0,30 bis 0,40 % |
Mangan |
| 0,040 bis 0,07 % |
Aluminium löslich |
| 0,01 bis 0,02 % |
Titan |
| 0,05 bis 0,08 % |
Kohlenstoff |
| 0,005 bis 0,02 % |
Phosphor |
Rest Eisen mit erschmelzungsbedingten Verunreinigungen.
3. Stahl nach Anspruch 1 oder 2 mit einem Titan:Stickstoff-Verhältnis von 2,0 bis 4,0.
4. Verwendung eines Stahls der Zusammensetzung gemäß Anspruch 1 oder 2 als Werkstoff
für Teile von Magnetschwebebahnen, die Trag-, Führungs- oder Antriebskräfte aufnehmen
müssen, insbesondere für Seitenführungsschienen.
1. A soft magnetic steel suitable for high power welding and having high toughness in
the heat-affected zone of welded joints, high specific electric resistance for the
reduction of eddy currents, resistance to ageing and weathering and the composition
in % by weight:
| 0.65 to < 1.0 % |
chromium |
| > 1.0 to 2.0 % |
silicon |
| 0.25 to 0.55 % |
copper |
| 0.003 to 0.008 % |
nitrogen |
| 0.15 to < 0.6 % |
manganese |
| 0.02 to 0.07 % |
aluminiumsol. |
| 0.01 to 0.02 % |
titanium |
| 0 to 0.15 % |
carbon |
| 0 to 0.045 % |
phosphorus |
residue iron with impurities due to melting.
2. A steel according to claim 1, having (in % by weight)
| 0.75 to 0.85 % |
chromium |
| 1.60 to 1.80 % |
silicon |
| 0.25 to 0.35 % |
copper |
| 0.003 to 0.008 % |
nitrogen |
| 0.30 to 0.40 % |
manganese |
| 0.040 to 0.07 % |
aluminiumsol. |
| 0.01 to 0.02 % |
titanium |
| 0.05 to 0.08 % |
carbon |
| 0.005 to 0.02 % |
phosphorus |
residue iron with impurities due to melting.
3. A steel according to claims 1 or 2, having a titanium-to-nitrogen ratio of 2.0 to
4.0.
4. Use of a steel of the composition according to claims 1 or 2 as a material for parts
of magnetic suspension railways which must absorb supporting, guiding or driving forces,
more particularly for lateral guide rails.
1. Acier magnétique doux approprié aux soudures de haute capacité présentant une ténacité
élevée dans la zone affectée thermiquement de la soudure, une résistivité électrique
spécifique élevée pour la réduction des courants de Foucault, une résistance au vieillissement
élevée et une stabilité élevée aux agents atmosphériques, de composition en pourcentage
en poids :
0,65 à < 1% de chrome
> 1,0 à 2,0% de silicium
0,25 à 0,55% de cuivre
0,003 à 0,008% d'azote
0,15 à < 0,6% de manganèse
0,02 à 0,07% d'aluminium soluble
0,01 à 0,02% de titane
0 à 0,15% de carbone
0 à 0,045% de phosphore,
le reste étant constitué de fer et des impuretés résultant du procédé d'élaboration.
2. Acier selon la revendication 1, comprenant (en pourcentage en poids) :
0,75 à 0,85% de chrome
1,60 à 1,80% de silicium
0,25 à 0,35% de cuivre
0,003 à 0,008% d'azote
0,30 à 0,40% de manganèse
0,040 à 0,07% d'aluminium soluble
0,01 à 0,02% de titane
0,05 à 0,08% de carbone
0,005 à 0,02% de phosphore
0,005 à 0,02% de phosphore,
le reste étant constitué de fer et des impuretés résultant du procédé d'élaboration.
3. Acier selon la revendication 1 ou la revendication 2, dans lequel le rapport du titane
à l'azote varie entre 2,0 et 4,0.
4. Utilisation d'un acier de composition selon la revendication 1 ou la revendication
2, comme matière première pour éléments de transporteur aérien devant recueillir les
forces portantes, les forces de guidage et les forces motrices, en particulier pour
rails latéraux de guidage.