[0001] Die Erfindung betrifft ein Geschoss mit programmierbarem Zeitzünder, der mindestens
eine Datenempfangsspule und eine Energieversorgung aufweist, und mit einer Wirkmasse,
die nach Ablauf einer programmierten Zündereinstellzeit ausgestossen wird.
[0002] Aus den Druckschriften
OC 2076e, OC 2041e, OC 2057d und anderen der Firma Oerlikon Contraves, Zürich, ist ein solches Geschoss in Verbindung
mit einer Anwendung bei einem Flugkörper-Abwehrsystem bekannt geworden. Bei solchen
Abwehrsystemen wird ein anfliegendes Ziel mit einem Feuerleitgerät erfasst, verfolgt
und ein Geschütz automatisch nachgeführt. Hierbei werden Berechnungen der Geschossflugzeit
durchgeführt und beim Abschuss jedem Geschoss die aktualisierte Zündereinstellzeit
induktiv über eine an der Mündung des Geschützrohres befindliche Programmierspule
an den Zeitzünder übertragen. Dadurch wird das Ausstossen der Wirkmasse, beispielsweise
in Form von Subprojektilen, durch Zünden einer Ausstossladung in einem optimalen Zeitpunkt
unmittelbar vor dem anfliegenden Ziel gewährleistet.
Ein solches Geschoss besteht aus einem Geschosskörper, an dem vorne eine ballistische
Haube und hinten ein Zündergehäuse befestigt ist. Im Zündergehäuse ist ein programmierbarer
Zeitzünder vorgesehen, der aus einer Datenempfangsspule, einer Energieversorgung mit
Stossgenerator, einem elektronischen Zeitzündermodul, einem Zünder, einem Detonator
und einer Ausstossladung besteht. Zwischen der Haube und dem Zündergehäuse ist im
Geschosskörper ein Wirkraum vorgesehen, in welchem eine Wirkmasse in Form von Subprojektilen
verdrehungssicher angeordnet ist. Eine Halteschraube hält die Wirkmasse in axialer
Richtung fixiert und verbindet den Geschosskörper mit der Haube.
[0003] Mit derartigen Geschossen wird bis zu einer Einsatzdistanz von ca. drei Kilometern
eine hohe Zerstörwahrscheinlichkeit erreicht. Danach sinkt diese jedoch wegen der
abnehmenden Geschwindigkeit der Geschosse sehr stark ab.
[0004] Es ist daher Aufgabe der Erfindung ein Geschoss der vorstehend genannten Art vorzuschlagen,
das für gössere Distanzen eingesetzt werden kann und eine höhere Zerstörwahrscheinlichkeit
aufweist.
[0005] Diese Aufgabe wird durch die im Patentanspruch 1 angegebene Erfindung gelöst. Hierbei
ist die Wirkmasse als Geschosskern ausgeführt, der von einem Treibspiegelmantel und
einem Treibspiegelheck gehalten wird. Die Datenempfangsspule und die Energieversorgung
sind im Treibspiegelheck angeordnet, während die übrigen Teile des programmierbaren
Zeitzünders im Geschosskern eingebaut sind. Im Treibspiegelmantel und im Treibspiegelheck
sind Sollbruchstellen vorgesehen, so dass nach Abschuss des Geschosses der Treibspiegelmantel
und das Treibspiegelheck mit der Datenempfangsspule und der Energieversorgung abgetrennt
werden und nur der Geschosskern mit den übrigen Teilen des programmierbaren Zeitzünders
allein weiterfliegt.
[0006] Die mit der Erfindung erzielten Vorteile liegen darin, dass mit diesem Geschoss das
eingangs beschriebene Abwehrsystem auch für grössere Distanzen eingesetzt werden kann,
wodurch der Wirkungsradius der Geschütze erheblich vergrössert und eine Abwehr von
Flugzeugen und Helikoptern bis auf ca. fünf Kilometer ermöglicht wird. Insbesondere
werden kürzere Flugzeiten und eine höhere Zerstörwahrscheinlichkeit gegen gepanzerte
Ziele erreicht. Wegen der geringeren Anzahl Subprojektile der vorgeschlagenen Ausführungsvariante
ist die Treffwahrscheinlichkeit zwar kleiner, was jedoch durch die wesentlich kürzere
Flugzeit mehr als wettgemacht wird.
[0007] Im folgenden wird die Erfindung anhand mehrerer Ausführungsbeispiele im Zusammenhang
mit der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
- Fig.1
- einen Längsschnitt durch das erfindungsgemässe Geschoss, in einer ersten Ausführung,
- Fig.2
- einen Querschnitt entlang der Linie II-II in Fig.1 durch einen Geschosskern des Geschosses,
- Fig.2a
- einen Querschnitt entlang der Linie II-II in Fig.1 durch den Geschosskern des Geschosses in einer Variante der ersten Ausführung,
- Fig.3
- einen Längsschnitt durch das Geschoss in einer zweiten Ausführung und
- Fig.4
- einen Längsschnitt durch das Geschoss in einer dritten Ausführung.
[0008] In den
Fig.1, 2 und
2a ist mit
1 ein Treibspiegelmantel und mit
2 ein Treibspiegelheck bezeichnet, das fest mit dem Treibspiegelmantel
1 verbunden ist. Im Treibspiegelmantel
1 und Treibspiegelheck
2 wird ein Geschosskern
3 gehalten, der aus einer Wirkmasse
4 gebildet ist. Die Wirkmasse
4 besteht aus aneinandergereihten metallischen, scheibenförmigen Körpern
5, die Gewindeansätze
6 aufweisen, mittels welcher sie miteinander verschraubt sind. In den Körpern
5 sind Bohrungen
7 vorgesehen, die auf einem konzentrisch zur Mittelachse der Körper
5 bzw. des Geschosses liegenden Teilkreis gleichmässig verteilt angeordnet sind. Mit
den Bohrungen
7 wird eine Vorfragmentierung der Körper
5 erreicht, wodurch die Splittergrösse beeinflusst werden kann. Im Geschosskern
3 ist ein programmierbarer Zeitzünder
8 eingebaut, der aus einem elektronischen Zeitzündermodul
9, einem elektrischen Anzündhütchen
10, einem Detonator
11 und einer Sprengseele
12 besteht. Eine ausserdem zum Zeitzünder
8 gehörende Datenempfangsspule
13 sowie eine Energieversorgung in Form eines Stossgenerators
14 sind im Treibspiegelheck
2 angeordnet. Mit
15 ist eine Umfangsrille bezeichnet, die der Befestigung einer nicht dargestellten Schutzhaube
am Treibspiegelmantel
1 dient. Am Treibspiegelmantel
1 und am Treibspiegelheck
2 sind wie an sich bekannt nicht weiter dargestellte Sollbruchstellen vorgesehen, so
dass nach Abschuss des Geschosses der Treibspiegelmantel
1 und das Treibspiegelheck
2 mit der Datenempfangsspule
13 und dem Stossgenerator
14 abgetrennt werden und der Geschosskern
3 mit den eingebauten Zeitzünderteilen
9,
10,
11 und
12 allein weiterfliegt. Nach Ablauf der am Zeitzünder
8 eingestellten, beim Abschuss induktiv auf die Datenempfangsspule
13 übertragenen Zündereinstellzeit bzw. Zerlegzeit wird der Geschosskern
3 durch die Sprengseele
12 zerlegt. Mit
16 sind in den scheibenförmigen Körpern
5 vorgesehene Sollbruchstellen bezeichnnet. Anstelle der Bohrungen
7 können auch wie in der Fig.
2a dargestellt Kerben
7.1 angewendet werden
[0009] Gemäss Fig.
3 besteht eine in einem Geschosskörper
20 angeordnete Wirkmasse
21 aus einer Vielzahl von beispielsweise eine zylindrische Form aufweisenden Subprojektilen
22 aus Schwermetall. Die Subprojektile
22 sind zu parallel in Längsrichtung des Geschosses verlaufenden Subprojektilsäulen
23 zusammengefasst, die wie nicht weiter dargestellt verdrehungssicher und in Längsrichtung
fixiert im Geschosskörper
20 gehalten werden. Mit
24 ist eine mit dem Geschosskörper verbundene Geschossspitze bezeichnet.
[0010] Nach Fig.
4 besteht eine als Geschosskern
25 mit einer Geschossspitze
27 ausgeführte Wirkmasse
26 aus frangiblen Schwermetall.
[0011] In den Fig.
3 und
4 ist mit
28 eine Ausstossladung bezeichnet, die anstelle der Sprengseele
12 der Ausführung gemäss Fig.
1,2 und
2a verwendet wird.
[0012] Anstelle der Subproktilsäulen
23 können auch Pfeile verwendet werden. Es ist auch möglich den Geschosskern als Pfeil
auszubilden.
Bezugszeichenliste
[0013]
- 1
- Treibspiegelmantel
- 2
- Treibspiegelheck
- 3
- Geschosskern
- 4
- Wirkmasse
- 5
- Körper
- 6
- Gewindeansätze
- 7
- Bohrungen
- 7.1
- Kerben
- 8
- Programmierbarer Zeitzünder
- 9
- Elektronisches Zeitzündermodul
- 10
- Elektrisches Anzündhütchen
- 11
- Detonator
- 12
- Sprengseele
- 13
- Datenempfangsspule
- 14
- Stossgenerator
- 15
- Umfangsrille
- 16
- Sollbruchstelle
- 20
- Geschosskörper
- 21
- Wirkmasse
- 22
- Subprojektile
- 23
- Subprojektilsäule
- 24
- Geschossspitze
- 25
- Geschosskern
- 26
- Wirkmasse
- 27
- Geschossspitze
- 28
- Ausstossladung
1. Geschoss mit programmierbarem Zeitzünder, der mindestens eine Datenempfangsspule (
13) und eine Energieversorgung aufweist, und mit einer Wirkmasse (
4,
26), die nach Ablauf einer programmierten Zündereinstellzeit zerlegt bzw. ausgestossen
wird, wobei die Mündungsgeschwindigkeit des Geschosses gemessen und die Laufzeit durch
den Messwert der Mündungsgeschwindigkeit korrigiert wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Wirkmasse (4, 26) als Geschosskern (3, 25) ausgeführt ist, der von einem Treibspiegelmantel (1) und einem Treibspiegelheck (2) gehalten wird,
die Datenempfangsspule (13) und die Stromversorgung (14) im Treibspiegelheck (2) angeordnet sind, während die übrigen Teile (9, 10, 11, 12, 28) des programmierbaren Zeitzünders (8) im Geschosskern (3, 25) eingebaut sind,
und
im Treibspiegelmantel (1) und im Treibspiegelheck (2) Sollbruchstellen vorgesehen sind, so dass nach Abschuss des Geschosses der Treibspiegelmantel
(1) und das Treibspiegelheck (2) mit der Datenempfangsspule (13) und der Energieversorgung (14) abgetrennt werden und nur der Geschosskern (3, 25) mit den übrigen Teilen (9, 10, 11, 12, 28) des programmierbaren Zeitzünders (8) weiterfliegt.
2. Geschoss mit programmierbarem Zeitzünder, der mindestens eine Datenempfangsspule (
13) und eine Energieversorgung aufweist, und mit einer Wirkmasse (
21), die nach Ablauf einer programmierten Zündereinstellzeit ausgestossen wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Wirkmasse (21) in einem Geschosskörper (20) angeordnet ist, der von einem Treibspiegelmantel (1) und einem Treibspiegelheck (2) gehalten wird,
dass die Datenempfangsspule (13) und die Energieversorgung (14) im Treibspiegelheck angeordnet sind, während die übrigen Teile (9, 10, 11, 28) des programmierbaren Zeitzünders (8) im Geschosskörper (20) eingebaut sind, und dass im Treibspiegelmantel (1) und im Treibspiegelheck (2) Sollbruchstellen vorgesehen sind, so dass nach Abschuss des Geschosses der Treibspiegelmantel
(1) und das Treibspiegelheck (2) mit der Datenempfangsspule (13) und der Energieversorgung (14) abgetrennt werden und nur der Geschosskörper (20) mit der Wirkmasse (21) und den übrigen Teilen (9,10,11,28) des programmierbaren Zeitzünders (8) weiterfliegt.
3. Geschoss nach Anspruch
1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Wirkmasse (4) aus aneinandergereihten, metallischen, scheibenförmigen Körpern (5) besteht, die für eine bestimmte Splittergrösse vorfragmentiert sind.
4. Geschoss nach Anspruch
3,
dadurch gekennzeichnet,
dass zum Zwecke der Vorfragmentierung in den Körpern (5) Bohrungen (7) oder Kerben (7.1) vorgesehen sind.
5. Geschoss nach Anspruch
2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Wirkmasse (21) aus einer Vielzahl Subprojektile (22) aus Schwermetall besteht.
6. Geschoss nach Anspruch
5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Subprojektile (22) eine zylindrische Form aufweisen und zu parallel in Längsrichtung des Geschosses
verlaufenden Subprojektilsäulen (23) zusammengefasst sind.
7. Geschoss nach Anspruch
1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Wirkmasse (26) aus frangiblem Schwermetall besteht.
8. Geschoss nach Anspruch
1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Geschosskern als Pfeil ausgebildet ist.
9. Geschoss nach Anspruch
6,
dadurch gekennzeichnet,
dass anstelle der Subprojektilsäulen (23) Pfeile verwendet werden.