(19)
(11) EP 0 918 209 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
26.05.1999  Patentblatt  1999/21

(21) Anmeldenummer: 98120773.1

(22) Anmeldetag:  02.11.1998
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6F42B 14/06, F42C 17/04
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 19.11.1997 CH 2670/97

(71) Anmelder: OERLIKON CONTRAVES AG
8050 Zürich (CH)

(72) Erfinder:
  • Gerber, Michael
    8049 Zürich (CH)
  • Ettmueller, Peter
    8184 Bachenbülach (CH)

(74) Vertreter: Hotz, Klaus, Dipl.-El.-Ing./ETH et al
c/o OK pat AG, Patente Marken Lizenzen, Hinterbergstrasse 36, Postfach 5254
6330 Cham
6330 Cham (CH)

   


(54) Geschoss mit programmierbarem Zeitzünder


(57) Bei diesem Geschoss ist die Wirkmasse (4) als Geschosskern (3) ausgeführt, der von einem Treibspiegelmantel (1) und einem Treibspiegelheck (2) gehalten wird. Die Datenempfangsspule (13) und die Energieversorgung (14) sind im Treibspiegelheck (2) angeordnet, während die übrigen Teile (9,10,11,12) des programmierbaren Zeitzünders (8) im Geschosskern (3) eingebaut sind. Im Treibspiegelmantel (1) und im Treibspiegelheck (2) sind Sollbruchstellen vorgesehen, so dass nach Abschuss des Geschosses der Treibspiegelmantel (1) und das Treibspiegelheck (2) mit der Datenempfangsspule (13) und der Energieversorgung (14) abgetrennt werden und nur der Geschosskern (3) mit den übrigen Teilen (9,10,11,12) des programmierbaren Zeitzünders (8) allein weiterfliegt.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Geschoss mit programmierbarem Zeitzünder, der mindestens eine Datenempfangsspule und eine Energieversorgung aufweist, und mit einer Wirkmasse, die nach Ablauf einer programmierten Zündereinstellzeit ausgestossen wird.

[0002] Aus den Druckschriften OC 2076e, OC 2041e, OC 2057d und anderen der Firma Oerlikon Contraves, Zürich, ist ein solches Geschoss in Verbindung mit einer Anwendung bei einem Flugkörper-Abwehrsystem bekannt geworden. Bei solchen Abwehrsystemen wird ein anfliegendes Ziel mit einem Feuerleitgerät erfasst, verfolgt und ein Geschütz automatisch nachgeführt. Hierbei werden Berechnungen der Geschossflugzeit durchgeführt und beim Abschuss jedem Geschoss die aktualisierte Zündereinstellzeit induktiv über eine an der Mündung des Geschützrohres befindliche Programmierspule an den Zeitzünder übertragen. Dadurch wird das Ausstossen der Wirkmasse, beispielsweise in Form von Subprojektilen, durch Zünden einer Ausstossladung in einem optimalen Zeitpunkt unmittelbar vor dem anfliegenden Ziel gewährleistet.
Ein solches Geschoss besteht aus einem Geschosskörper, an dem vorne eine ballistische Haube und hinten ein Zündergehäuse befestigt ist. Im Zündergehäuse ist ein programmierbarer Zeitzünder vorgesehen, der aus einer Datenempfangsspule, einer Energieversorgung mit Stossgenerator, einem elektronischen Zeitzündermodul, einem Zünder, einem Detonator und einer Ausstossladung besteht. Zwischen der Haube und dem Zündergehäuse ist im Geschosskörper ein Wirkraum vorgesehen, in welchem eine Wirkmasse in Form von Subprojektilen verdrehungssicher angeordnet ist. Eine Halteschraube hält die Wirkmasse in axialer Richtung fixiert und verbindet den Geschosskörper mit der Haube.

[0003] Mit derartigen Geschossen wird bis zu einer Einsatzdistanz von ca. drei Kilometern eine hohe Zerstörwahrscheinlichkeit erreicht. Danach sinkt diese jedoch wegen der abnehmenden Geschwindigkeit der Geschosse sehr stark ab.

[0004] Es ist daher Aufgabe der Erfindung ein Geschoss der vorstehend genannten Art vorzuschlagen, das für gössere Distanzen eingesetzt werden kann und eine höhere Zerstörwahrscheinlichkeit aufweist.

[0005] Diese Aufgabe wird durch die im Patentanspruch 1 angegebene Erfindung gelöst. Hierbei ist die Wirkmasse als Geschosskern ausgeführt, der von einem Treibspiegelmantel und einem Treibspiegelheck gehalten wird. Die Datenempfangsspule und die Energieversorgung sind im Treibspiegelheck angeordnet, während die übrigen Teile des programmierbaren Zeitzünders im Geschosskern eingebaut sind. Im Treibspiegelmantel und im Treibspiegelheck sind Sollbruchstellen vorgesehen, so dass nach Abschuss des Geschosses der Treibspiegelmantel und das Treibspiegelheck mit der Datenempfangsspule und der Energieversorgung abgetrennt werden und nur der Geschosskern mit den übrigen Teilen des programmierbaren Zeitzünders allein weiterfliegt.

[0006] Die mit der Erfindung erzielten Vorteile liegen darin, dass mit diesem Geschoss das eingangs beschriebene Abwehrsystem auch für grössere Distanzen eingesetzt werden kann, wodurch der Wirkungsradius der Geschütze erheblich vergrössert und eine Abwehr von Flugzeugen und Helikoptern bis auf ca. fünf Kilometer ermöglicht wird. Insbesondere werden kürzere Flugzeiten und eine höhere Zerstörwahrscheinlichkeit gegen gepanzerte Ziele erreicht. Wegen der geringeren Anzahl Subprojektile der vorgeschlagenen Ausführungsvariante ist die Treffwahrscheinlichkeit zwar kleiner, was jedoch durch die wesentlich kürzere Flugzeit mehr als wettgemacht wird.

[0007] Im folgenden wird die Erfindung anhand mehrerer Ausführungsbeispiele im Zusammenhang mit der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
Fig.1
einen Längsschnitt durch das erfindungsgemässe Geschoss, in einer ersten Ausführung,
Fig.2
einen Querschnitt entlang der Linie II-II in Fig.1 durch einen Geschosskern des Geschosses,
Fig.2a
einen Querschnitt entlang der Linie II-II in Fig.1 durch den Geschosskern des Geschosses in einer Variante der ersten Ausführung,
Fig.3
einen Längsschnitt durch das Geschoss in einer zweiten Ausführung und
Fig.4
einen Längsschnitt durch das Geschoss in einer dritten Ausführung.


[0008] In den Fig.1, 2 und 2a ist mit 1 ein Treibspiegelmantel und mit 2 ein Treibspiegelheck bezeichnet, das fest mit dem Treibspiegelmantel 1 verbunden ist. Im Treibspiegelmantel 1 und Treibspiegelheck 2 wird ein Geschosskern 3 gehalten, der aus einer Wirkmasse 4 gebildet ist. Die Wirkmasse 4 besteht aus aneinandergereihten metallischen, scheibenförmigen Körpern 5, die Gewindeansätze 6 aufweisen, mittels welcher sie miteinander verschraubt sind. In den Körpern 5 sind Bohrungen 7 vorgesehen, die auf einem konzentrisch zur Mittelachse der Körper 5 bzw. des Geschosses liegenden Teilkreis gleichmässig verteilt angeordnet sind. Mit den Bohrungen 7 wird eine Vorfragmentierung der Körper 5 erreicht, wodurch die Splittergrösse beeinflusst werden kann. Im Geschosskern 3 ist ein programmierbarer Zeitzünder 8 eingebaut, der aus einem elektronischen Zeitzündermodul 9, einem elektrischen Anzündhütchen 10, einem Detonator 11 und einer Sprengseele 12 besteht. Eine ausserdem zum Zeitzünder 8 gehörende Datenempfangsspule 13 sowie eine Energieversorgung in Form eines Stossgenerators 14 sind im Treibspiegelheck 2 angeordnet. Mit 15 ist eine Umfangsrille bezeichnet, die der Befestigung einer nicht dargestellten Schutzhaube am Treibspiegelmantel 1 dient. Am Treibspiegelmantel 1 und am Treibspiegelheck 2 sind wie an sich bekannt nicht weiter dargestellte Sollbruchstellen vorgesehen, so dass nach Abschuss des Geschosses der Treibspiegelmantel 1 und das Treibspiegelheck 2 mit der Datenempfangsspule 13 und dem Stossgenerator 14 abgetrennt werden und der Geschosskern 3 mit den eingebauten Zeitzünderteilen 9,10,11 und 12 allein weiterfliegt. Nach Ablauf der am Zeitzünder 8 eingestellten, beim Abschuss induktiv auf die Datenempfangsspule 13 übertragenen Zündereinstellzeit bzw. Zerlegzeit wird der Geschosskern 3 durch die Sprengseele 12 zerlegt. Mit 16 sind in den scheibenförmigen Körpern 5 vorgesehene Sollbruchstellen bezeichnnet. Anstelle der Bohrungen 7 können auch wie in der Fig.2a dargestellt Kerben 7.1 angewendet werden

[0009] Gemäss Fig.3 besteht eine in einem Geschosskörper 20 angeordnete Wirkmasse 21 aus einer Vielzahl von beispielsweise eine zylindrische Form aufweisenden Subprojektilen 22 aus Schwermetall. Die Subprojektile 22 sind zu parallel in Längsrichtung des Geschosses verlaufenden Subprojektilsäulen 23 zusammengefasst, die wie nicht weiter dargestellt verdrehungssicher und in Längsrichtung fixiert im Geschosskörper 20 gehalten werden. Mit 24 ist eine mit dem Geschosskörper verbundene Geschossspitze bezeichnet.

[0010] Nach Fig.4 besteht eine als Geschosskern 25 mit einer Geschossspitze 27 ausgeführte Wirkmasse 26 aus frangiblen Schwermetall.

[0011] In den Fig.3 und 4 ist mit 28 eine Ausstossladung bezeichnet, die anstelle der Sprengseele 12 der Ausführung gemäss Fig.1,2 und 2a verwendet wird.

[0012] Anstelle der Subproktilsäulen 23 können auch Pfeile verwendet werden. Es ist auch möglich den Geschosskern als Pfeil auszubilden.

Bezugszeichenliste



[0013] 
1
Treibspiegelmantel
2
Treibspiegelheck
3
Geschosskern
4
Wirkmasse
5
Körper
6
Gewindeansätze
7
Bohrungen
7.1
Kerben
8
Programmierbarer Zeitzünder
9
Elektronisches Zeitzündermodul
10
Elektrisches Anzündhütchen
11
Detonator
12
Sprengseele
13
Datenempfangsspule
14
Stossgenerator
15
Umfangsrille
16
Sollbruchstelle
20
Geschosskörper
21
Wirkmasse
22
Subprojektile
23
Subprojektilsäule
24
Geschossspitze
25
Geschosskern
26
Wirkmasse
27
Geschossspitze
28
Ausstossladung



Ansprüche

1. Geschoss mit programmierbarem Zeitzünder, der mindestens eine Datenempfangsspule (13) und eine Energieversorgung aufweist, und mit einer Wirkmasse (4,26), die nach Ablauf einer programmierten Zündereinstellzeit zerlegt bzw. ausgestossen wird, wobei die Mündungsgeschwindigkeit des Geschosses gemessen und die Laufzeit durch den Messwert der Mündungsgeschwindigkeit korrigiert wird,
dadurch gekennzeichnet, dass

die Wirkmasse (4, 26) als Geschosskern (3, 25) ausgeführt ist, der von einem Treibspiegelmantel (1) und einem Treibspiegelheck (2) gehalten wird,

die Datenempfangsspule (13) und die Stromversorgung (14) im Treibspiegelheck (2) angeordnet sind, während die übrigen Teile (9, 10, 11, 12, 28) des programmierbaren Zeitzünders (8) im Geschosskern (3, 25) eingebaut sind,
und

im Treibspiegelmantel (1) und im Treibspiegelheck (2) Sollbruchstellen vorgesehen sind, so dass nach Abschuss des Geschosses der Treibspiegelmantel (1) und das Treibspiegelheck (2) mit der Datenempfangsspule (13) und der Energieversorgung (14) abgetrennt werden und nur der Geschosskern (3, 25) mit den übrigen Teilen (9, 10, 11, 12, 28) des programmierbaren Zeitzünders (8) weiterfliegt.


 
2. Geschoss mit programmierbarem Zeitzünder, der mindestens eine Datenempfangsspule (13) und eine Energieversorgung aufweist, und mit einer Wirkmasse (21), die nach Ablauf einer programmierten Zündereinstellzeit ausgestossen wird,
dadurch gekennzeichnet,

dass die Wirkmasse (21) in einem Geschosskörper (20) angeordnet ist, der von einem Treibspiegelmantel (1) und einem Treibspiegelheck (2) gehalten wird,

dass die Datenempfangsspule (13) und die Energieversorgung (14) im Treibspiegelheck angeordnet sind, während die übrigen Teile (9, 10, 11, 28) des programmierbaren Zeitzünders (8) im Geschosskörper (20) eingebaut sind, und dass im Treibspiegelmantel (1) und im Treibspiegelheck (2) Sollbruchstellen vorgesehen sind, so dass nach Abschuss des Geschosses der Treibspiegelmantel (1) und das Treibspiegelheck (2) mit der Datenempfangsspule (13) und der Energieversorgung (14) abgetrennt werden und nur der Geschosskörper (20) mit der Wirkmasse (21) und den übrigen Teilen (9,10,11,28) des programmierbaren Zeitzünders (8) weiterfliegt.


 
3. Geschoss nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,

dass die Wirkmasse (4) aus aneinandergereihten, metallischen, scheibenförmigen Körpern (5) besteht, die für eine bestimmte Splittergrösse vorfragmentiert sind.


 
4. Geschoss nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,

dass zum Zwecke der Vorfragmentierung in den Körpern (5) Bohrungen (7) oder Kerben (7.1) vorgesehen sind.


 
5. Geschoss nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,

dass die Wirkmasse (21) aus einer Vielzahl Subprojektile (22) aus Schwermetall besteht.


 
6. Geschoss nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,

dass die Subprojektile (22) eine zylindrische Form aufweisen und zu parallel in Längsrichtung des Geschosses verlaufenden Subprojektilsäulen (23) zusammengefasst sind.


 
7. Geschoss nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,

dass die Wirkmasse (26) aus frangiblem Schwermetall besteht.


 
8. Geschoss nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,

dass der Geschosskern als Pfeil ausgebildet ist.


 
9. Geschoss nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,

dass anstelle der Subprojektilsäulen (23) Pfeile verwendet werden.


 




Zeichnung













Recherchenbericht