[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung cellulosischer Fasern,
wobei Zellstoff bzw. Cellulose in einem wässerigen tertiären Aminoxid zu einer spinnbaren
Lösung gelöst wird, diese Lösung unter Verwendung einer Spinndüse zu Filamenten versponnen
wird, und die Filamente unter Verstreckung durch einen Luftspalt in ein Fällbad eingebracht
werden, um den gelösten Zellstoff zu fällen.
[0002] Als Alternative zum Viskoseverfahren wurden in den letzten Jahren eine Reihe von
Verfahren beschrieben, bei denen Cellulose ohne Bildung eines Derivats in einem organischen
Lösungsmittel, einer Kombination eines organischen Lösungsmittels mit einem anorganischen
Salz oder in wässerigen Salzlösungen gelöst wird. Cellulosefasern, die aus solchen
Lösungen hergestellt werden, erhielten von der BISFA (The International Bureau for
the Standardisation of man made Fibres) den Gattungsnamen Lyocell zugeteilt. Als Lyocell
wird von der BISFA eine Cellulosefaser definiert, die durch ein Spinnverfahren aus
einem organischen Lösungsmittel erhalten wird. Unter "organisches Lösungsmittel" wird
von der BISFA ein Gemisch aus einer organischen Chemikalie und Wasser verstanden.
[0003] Bis heute hat sich jedoch nur ein einziges Verfahren zur Herstellung einer Cellulosefaser
der Gattung Lyocell bis zur industriellen Realisierung durchgesetzt, und zwar das
Aminoxidverfahren. Bei diesem Verfahren wird als Lösungsmittel bevorzugt N-Methylmorpholin-N-oxid
(NMMO) verwendet. Für die Zwecke der vorliegenden Beschreibung wird für den Begriff
"tertiäre Aminoxide" stellvertretend die Abkürzung "NMMO" verwendet, wobei NMMO noch
zusätzlich für das heute vorzugsweise verwendete N-Methylmorpholin-N-oxid steht.
[0004] Tertiäre Aminoxide sind schon seit langem als alternative Lösungsmittel für Cellulose
bekannt. Aus der US-PS 2,179,181 ist beispielsweise bekannt, daß tertiäre Aminoxide
hochwertigen Chemiezellstoff ohne Derivatisierung zu lösen vermögen und daß aus diesen
Lösungen durch Fällung cellulosische Formkörper, wie Fasern, gewonnen werden können.
In den US-PSen 3,447,939, 3,447,956 und 3,508,941 werden weitere Verfahren zur Herstellung
cellulosischer Lösungen beschrieben, wobei als Lösungsmittel bevorzugt cyclische Aminoxide
eingesetzt werden. Bei allen diesen Verfahren wird Cellulose bei erhöhter Temperatur
physikalisch gelöst.
[0005] In der EP-A - 0 356 419 der Anmelderin wird ein Verfahren beschrieben, das vorzugsweise
in einem Dünnschichtbehandlungsapparat durchgeführt wird, in welchem eine Suspension
des zerkleinerten Zellstoffs in einem wäßrigen tertiären Aminoxid in Form einer dünnen
Schicht ausgebreitet über eine Heizfläche transportiert wird, wobei die Oberfläche
dieser dünnen Schicht einem Vakuum ausgesetzt wird. Beim Transport der Suspension
über die Heizfläche wird Wasser abgedampft und die Cellulose kann in Lösung gebracht
werden, sodaß aus dem Filmtruder eine verspinnbare Celluloselösung ausgetragen wird.
[0006] Verfahren zum Verspinnen von Celluloselösungen sind z.B. aus der EP-A - 0 671 492
und der EP-A - 0 659 219 der Anmelderin bekannt. Dabei wird die Spinnlösung durch
eine Spinndüse zu Filamenten extrudiert, die über einen Luftspalt in ein Fällbad geführt
werden, in welchem die Cellulose ausfällt. Im Luftspalt werden die Filamente verstreckt.
Dieses Verfahren ist als Trocken/Naß-Spinnverfahren allgemein bekannt.
[0007] Die WO 95/02082 der Anmelderin beschreibt ebenfalls ein Trocken/Naß-Spinnverfahren.
Bei diesem Verfahren wird eine Kühlluft verwendet, die eine Temperatur zwischen 10°C
und 60°C besitzt. Die Feuchtigkeit der zugeführten Kühlluft liegt pro Kilogramm zwischen
20 g H
2O und 40 g H
2O.
[0008] Die WO 94/28218 schlägt ganz allgemein die Verwendung von Spinndüsen mit 500 bis
100.000 Löchern vor. Die Temperatur der Kühlluft liegt zwischen 0°C und 50°C. Der
Fachmann kann dieser Literatur entnehmen, daß die Feuchtigkeit zwischen 5,5 g H
2O und 7,5 g H
2O pro Kilogramm Luft beträgt. Dies schafft somit ein relativ trockenes Klima im Luftspalt.
[0009] Auch die WO 96/17118 beschäftigt sich mit dem Klima im Luftspalt, wobei festgestellt
wird, daß das Klima möglichst trocken sein sollte, nämlich 0,1 g H
2O bis 7 g H
2O pro Kilogramm Luft, bei einer relativen Feuchtigkeit von weniger als 85%. Als Temperatur
für die Kühlluft wird 6°C bis 40°C vorgeschlagen.
[0010] Ähnliches ist auch der WO 96/18760 zu entnehmen, welche eine Luftspalttemperatur
zwischen 10°C und 37°C und eine relative Feuchtigkeit 8,2% bis 19,3%, was 1 g H
2O bis 7,5 g H
2O pro Kilogramm Luft bedeutet, vorschlägt.
[0011] Die WO 96/21758 befaßt sich ebenfalls mit dem einzustellenden Klima im Luftspalt,
wobei eine zweistufige Beblasung mit unterschiedlicher Kühlluft vorgeschlagen wird,
und im oberen Bereich des Luftspaltes mit weniger feuchter und kühlerer Luft beblasen
wird.
[0012] Die EP-A - 0 648 808 beschreibt ein Verfahren zur Formung einer Celluloselösung,
wobei die cellulosischen Bestandteile der Lösung eine erste Komponente aus einer Cellulose
mit einem durchschnittlichen Polymerisationsgrad (DP) von 500 bis 2000 und eine zweite
Komponente aus einer Cellulose mit einem DP von weniger als 90% des DP der ersten
Komponente im Bereich von 350 bis 900 enthalten. Das Gewichtsverhältnis der ersten
zur zweiten Komponente soll 95:5 bis 50:50 betragen.
[0013] Es ist bekannt, daß sich im Aminoxidverfahren nur schwierig Fasern mit einem Titer
von kleiner als 1,7 dtex herstellen lassen.
[0014] Die Erfindung stellt sich daher die Aufgabe, ein Verfahren zur Herstellung cellulosischer
Fasern zur Verfügung zu stellen, wobei Zellstoff in einem wässerigen tertiären Aminoxid
zu einer spinnbaren Lösung gelöst wird, diese Lösung unter Verwendung einer Spinndüse
zu Filamenten versponnen wird, und die Filamente unter Verstreckung durch einen Luftspalt
in ein Fällbad eingebracht werden, um den gelösten Zellstoff zu fällen, welches Verfahren
gestattet, Fasern mit einem Titer von maximal bzw. kleiner als 1 dtex herzustellen.
Diese Fasern werden als Mikrofasern bezeichnet ("Lexikon der Textilveredelung", H.K.
Rouette, Band 2, Seite 1250 ff; 1995; Laumann'sche Verlagsgesellschaft, ISBN 3-87466-228-4).
Die Erfindung stellt sich insbesondere die Aufgabe, Stapelfasern der Gattung Lyocell
mit einem Titer von maximal bzw. kleiner als 1 dtex zur Verfügung zu stellen.
[0015] Dieses Ziel wird erfindungsgemäß dadurch erreicht, daß
(a) zum Verspinnen eine Lösung eingesetzt wird, die weniger als 0,20 Masse-%, insbesondere
weniger als 0,05 Masse-%, bezogen auf die Masse der Lösung, Cellulose mit einem Molekulargewicht
von mindestens 5x105 aufweist, und
(b) die Luft im Luftspalt einen Feuchtigkeitsgehalt von kleiner als 5 g Wasser/kg
Luft aufweist.
[0016] Cellulosemoleküle mit einem Molekulargewicht von mindestens 5x10
5 werden für die Zwecke der vorliegenden Beschreibung und Patentansprüche als "langkettig"
bezeichnet.
[0017] Es hat sich überraschenderweise gezeigt, daß sich bei Kombination der obigen Maßnahmen
(a) und (b) Mikrofasern mit einem Titer von unter 1 dtex herstellen lassen. Bei Verwendung
der in Maßnahme (a) spezifizierten Lösung wirkt sich der Feuchtigkeitsgehalt offenbar
insofern auf die Spinnbarkeit aus, als diese umso besser wird, je geringer der Feuchtigkeitsgehalt
der Luft im Luftspalt ist.
[0018] Dies zeigt sich besonders stark bei Beblasung der extrudierten Filamente mit trockener
Luft, also einer Luft mit einem Feuchtigkeitsgehalt von 0%. Unter diesen Bedingungen
lassen sich sogar Fasern mit einem Titer von bis zu 0,30 dtex herstellen. Der gleiche
Zellstoff kann bei Beblasung mit feuchter Luft (mehr als 30 g H
2O/kg Luft) nicht einmal zu Fasern mit einem Titer von 1,7 dtex verarbeitet werden.
[0019] Eine bevorzugte Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist daher dadurch
gekennzeichnet, daß die Filamente mit Luft beblasen werden, unmittelbar nachdem sie
die Spinndüse verlassen haben, und daß diese Luft einen Feuchtigkeitsgehalt von kleiner
als 5 g Wasser/kg Luft aufweist.
[0020] Im erfindungsgemäßen Verfahren wird als tertiäres Aminoxid bevorzugt N-Methyl-morpholin-N-oxid
eingesetzt.
[0021] Die Erfindung betrifft auch die Verwendung einer spinnbaren Lösung von Cellulose
in einem wässerigen tertiären Aminoxid, die weniger als 0,20 Masse-%, insbesondere
weniger als 0,05 Masse-%, bezogen auf die Masse der Lösung, Cellulose mit einem Molekulargewicht
von mindestens 5x10
5 aufweist, zur Herstellung cellulosischer Fasern mit einem Titer von maximal 1 dtex.
[0022] Als tertiäres Aminoxid hat sich N-Methyl-morpholin-N-oxid am besten bewährt.
[0023] Die Erfindung führt zu einer cellulosischen Faser der Gattung Lyocell, die einen
Titer im Bereich von 1,0 dtex bis 0,3 dtex, insbesondere im Bereich von 1,0 dtex und
0,5 dtex, und bevorzugt im Bereich von 1,0 dtex und 0,8 dtex aufweist. Entsprechend
können auch Stapelfasern mit einer Länge von insbesondere 1 cm bis 10 cm hergestellt
werden.
[0024] Im erfindungsgemäßen Verfahren können naturgemäß alle Zellstoffe eingesetzt werden,
die einen genügend geringen Anteil an langkettigen Cellulosemolekülen aufweisen, sodaß
diese nach Auflösung im wässerigen Aminoxid unmittelbar vor dem Verspinnen nicht mehr
als 0,20 Masse-% ausmachen. Zellstoffe mit einem höheren Anteil an langkettigen Molekülen
können erst eingesetzt werden, nachdem der Anteil an diesen Molekülen herabgesetzt
wurde, was beispielsweise durch Bestrahlen mit Elektronenstrahlung erzielt werden
kann.
[0025] Nachfolgend wird die Erfindung noch näher beschrieben.
1. Allgemeine Methode zur Bestimmung des Molekulargewichtsprofils von Zellstoffen
[0026] Das Molekulargewichtsprofil eines Zellstoffs kann mittels Gelpermeationschromatographie
(GPC) erhalten werden, wobei in einem Diagramm die "Differential Weight Fraction"
in [%] als Ordinate gegen das Molekulargewicht [g/mol; logarithmische Auftragung]
aufgetragen wird.
[0027] Die Größe "Differential Weight Fraction" beschreibt dabei den prozentuellen Häufigkeitsanteil
der Molmassenfraktion.
[0028] Zur Untersuchung mittels GPC wird der Zellstoff in Dimethylacetamid/LiCl gelöst und
chromatographiert. Detektiert wird mittels Brechungsindexmessung und sogenannter "MALLS"-(=Multi
Angle Laser Light Scattering)-Messung (HPLC-Pumpe: Fa. Kontron; Probesammler: HP 1050,
Fa. Hewlett Packard; Laufmittel: 9 g LiCl/L DMAC; RI-Detektor: Type F511, Fa. ERC;
Laserwellenlänge: 488 nm; Inkrement dn/dc: 1,36 ml/g; Auswertesoftware; Astra 3d,
Version 4.2, Fa. Wyatt; Säulenmaterial: 4 Stück Säulen, 300 mm x 7,5 mm, Füllmaterial:
PL Gel 20 µ - Mixed - A, Fa. Polymer-Laboratories; Probenkonzentration: 1 g/l Laufmittel;
Injektionsvolumen: 40 µl, Flußrate: 1 ml/min.
[0029] Die Meßapparatur wird mittels dem Fachmann geläufigen Maßnahmen kalibriert.
[0030] Die Signalauswertung erfolgt nach Zimm, wobei die Zimm-Formel gegebenenfalls in der
Auswertesoftware einzustellen ist.
[0031] Für den Zellstoff Viscokraft LV (Hersteller: International Paper) ist das Molekulargewichtsprofil
in der Figur 1a beispielhaft dargestellt. Das Diagramm von Fig. 1a zeigt, daß dieser
Zellstoff zu einem großen Teil aus Molekülen mit einem Molekulargewicht von etwa 100.000
besteht und daß dieser Zellstoff praktisch keine Anteile mit einem Molekulargewicht
von größer als 500.000 besitzt. Eine 15%ige Celluloselösung von ausschließlich diesem
Zellstoff (Herstellung siehe unten) in einem wässerigen Aminoxid (=Spinnmasse) entspricht
somit derjenigen, die erfindungsgemäß verwendet wird.
[0032] Als Vergleich dazu zeigt Fig. 1b das Molekulargewichtsprofil des Zellstoffs Alistaple
LD 9.2 (Hersteller: Western Pulp). Bei diesem Zellstoff liegt ein Maximum der Molmassenhäufigkeit
bei etwa 200.000, und das Diagramm zeigt ferner, daß dieser Zellstoff einen hohen
Anteil (etwa 25%) an Molekülen mit einem Molekulargewicht von größer als 500.000 besitzt.
Eine Spinnmasse, die ausschließlich einen derartigen Zellstoff zu 15 Masse-% enthält,
besitzt etwa 4% (bezogen auf die Masse der Lösung; Abbau während der Lösungsherstellung
nicht berücksichtigt) Cellulosemoleküle mit einem Molekulargewicht von größer als
500.000 und entspricht somit nicht derjenigen, die erfindungsgemäß verwendet wird.
2. Einfluß der Bestrahlung auf das Molekulargewichtsprofil
[0033] Um den günstigen Einfluß der Bestrahlung auf das Molekulargewichtsprofil zu zeigen,
wurde der gleiche Zellstoff Alistaple LD 9.2 in einer 500 kV Elektronenbeschleunigungsapparatur
mit einer Strahlungsdosis von 20 kGy bestrahlt (Inertgas: Gemisch aus CO
2 und N
2; Temperatur: 25°C). Durch den Einfluß der Bestrahlung konnte der Anteil an langkettigen
Molekülen drastisch gesenkt werden, und zwar in einen Bereich, der die Herstellung
von erfindungsgemäß verwendeten Celluloselösungen gestattete.
3. Herstellung der Celluloselösung
[0034] Der zerkleinerte Zellstoff wird in wässerigem, 50%igem NMMO suspendiert, in einen
Kneter (Type: IKA-Laborkneter HKD-T; Hersteller: IKA-Labortechnik) gegeben und eine
Stunde imprägnieren gelassen. Anschließend wird durch Beheizung des Kneters mit einem
auf 130°C temperierten Heizmedium und durch Verringerung des Drucks Wasser abgedampft,
bis der Zellstoff vollständig in Lösung gegangen ist.
4. Verspinnung der Lösung und Bestimmung der maximalen Abzugsgeschwindigkeit
[0035] Als Spinnapparat wird ein in der Kunststoffverarbeitung gebräuchliches Schmelzindexgerät
der Firma Davenport verwendet. Dieses Gerät besteht aus einem beheizbaren, temperaturregelbaren
Stahlzylinder, in den die Spinnmasse eingefüllt wird. Mittels eines Kolbens, der mit
einem Gewicht belastet wird, wird die Spinnmasse durch die an der Unterseite des Stahlzylinders
angebrachte Spinndüse, die ein Loch mit einem Durchmesser von 100 µm aufweist, extrudiert.
[0036] Für die Versuche wird die in den Spinnapparat eingebrachte Spinnmasse (Cellulosegehalt:
15%) durch das Spinnloch extrudiert und über einen Luftspalt mit einer Länge von 3
cm in ein wässeriges Fällbad geführt, umgelenkt, über eine Galette abgezogen, die
hinter dem Fällbad vorgesehen ist, und dadurch verstreckt. Der Spinnmasseausstoß durch
die Düse beträgt 0,030 g/min. Die Spinntemperatur beträgt 80°C bis 120°C.
[0037] Zur Simulation des Spinnverhaltens wird der minimal verspinnbare Titer genommen.
Dazu wird die maximale Abzugsgeschwindigkeit (m/min) ermittelt. Dazu wird die Abzugsgeschwindigkeit
so lange gesteigert, bis der Faden reißt. Diese Geschwindigkeit wird notiert und zur
Berechnung des Titers nach untenstehender Formel herangezogen. Je höher dieser Wert
ist, desto besser ist das Spinnverhalten und umso feiner ist die erhaltene Faser.
[0038] Der Titer, der bei der maximalen Abzugsgeschwindigkeit gegeben ist, wird mit der
folgenden allgemeinen Formel berechnet:

wobei K die Cellulosekonzentration in Masse-% ist, A der Spinnmasseausstoß in g/Minute
ist, G die Abzugsgeschwindigkeit in m/Minute ist, und L die Anzahl der Spinnlöcher
der Spinndüse ist. Für die nachfolgenden Beispiele ist die Konzentration an Cellulose
15%, ist A = 0,030 g/Minute, und ist L = 1.
5. Einstellung der Luftfeuchtigkeit im Luftspalt
[0039] Zur Einstellung der Feuchtigkeit der Luft im Luftspalt wird über eine Thermostateinrichtung
mit Wasserdampf übersättigte Luft abgekühlt, auf die jeweilige Feuchtigkeit eingestellt
und im rechten Winkel auf die gesamte Länge des Filamentes im Luftspalt geblasen.
Vergleichsbeispiele
[0040] Gemäß den oben beschriebenen Arbeitsweisen wurde mit dem (unbestrahlten) Zellstoff
Alistaple LD 9.2 (Hersteller: Western Pulp), dessen Molekulargewichtsprofil in der
Fig. 1b dargestellt ist, eine Spinnmasse hergestellt, beiverschiedenen Feuchtigkeiten
im Luftspalt versponnen und dabei die maximale Abzugsgeschwindigkeit bzw. der minimalverspinnbare
Titer ermittelt. Die Ergebnisse sind in der Tabelle 1 angegeben.
[0041] In der Tabelle 1 und in den nachfolgenden Tabellen steht "Temp." für die Temperatur
in °C, steht "Feuchte" für die Luftfeuchtigkeit im Luftspalt in g Wasser/kg Luft,
und steht "max. Abzugsgeschw." für die maximale Abzugsgeschwindigkeit in m/Minute.
Der Titer wurde gemäß obiger Formel errechnet und besitzt die Einheit dtex.
Tabelle 1
| Zellstoff |
Temp. |
Feuchte |
max. Abzugsgeschw. |
Titer |
| Alistaple LD 9.2 |
|
|
|
|
| " |
105 |
0 |
31 |
1,78 |
| " |
105 |
20 |
40 |
1,37 |
| " |
105 |
47 |
62 |
0,87 |
| |
| " |
115 |
0 |
38 |
1,43 |
| " |
115 |
20 |
42 |
1,29 |
| " |
115 |
47 |
83 |
0,66 |
| |
| " |
120 |
0 |
40 |
1,35 |
| " |
120 |
20 |
59 |
0,92 |
| " |
120 |
47 |
83 |
0,66 |
[0042] Die in der Tabelle 1 dargestellten Ergebnisse zeigen den Zusammenhang, daß die maximale
Abzugsgeschwindigkeit und der minimale Titer mit zunehmender Feuchtigkeit im Luftspalt
zunimmt bzw. abnimmt. Dies bedeutet, daß sich mit zunehmender Feuchtigkeit ein Faden
mit kleinerem Titer spinnen läßt. Fasern mit einem Titer von kleiner als 1 dtex lassen
sich allerdings nur schwierig und bei äußerst hoher Feuchtigkeit herstellen.
Erfindungsgemäße Beispiele
[0043] Gemäß den oben beschriebenen Arbeitsweisen wurde mit dem (unbestrahlten) Zellstoff
Viscokraft LV (Hersteller: International Paper Corp.) dessen Molekulargewichtsprofil
in der Fig. 1a dargestellt ist, eine Spinnmasse hergestellt und bei verschiedenen
Temperaturen und Feuchtigkeiten im Luftspalt versponnen und dabei die maximale Abzugsgeschwindigkeit
bzw. der minimalverspinnbare Titer ermittelt. Die Ergebnisse sind in der Tabelle 2
angegeben.
Tabelle 2
| Zellstoff |
Temp. |
Feuchte |
max. Abzugsgeschw. |
Titer |
Viscokraft LV
(unbestrahlt) |
105 |
0 |
156 |
0,35 |
| " |
105 |
20 |
176 |
0,31 |
| " |
105 |
47 |
43 |
1,27 |
| |
| " |
115 |
0 |
176 |
0,31 |
| " |
115 |
20 |
99 |
0,55 |
| " |
115 |
47 |
63 |
0,86 |
| |
| " |
120 |
0 |
170 |
0,32 |
| " |
120 |
22 |
83 |
0,66 |
| " |
120 |
47 |
52 |
1,05 |
[0044] Die in der Tabelle 2 dargestellten Ergebnisse zeigen den erfindungsgemäßen Zusammenhang,
daß bei Verwendung der erfindungsgemäßen Spinnmasse die maximale Abzugsgeschwindigkeit
erhöht werden kann, wenn die Feuchtigkeit im Luftspalt herabgesetzt wird. Damit ist
es möglich, feinere Fasern herzustellen. Ferner gelingt es, Fasern mit einem Titer
von bis zu 0,3 dtex herzustellen.
[0045] Ähnlich gute Ergebnisse konnten auch mit dem oben genannten, bestrahlten Zellstoff
Alistaple LD 9.2 erhalten werden.
6. Spinnverhalten von Celluloselösungen mit variierenden Anteilen an langkettigen
Molekülen
[0046] Gemäß der oben beschriebenen Arbeitsweise wurde eine Spinnmasse mit 15 Masse-% einer
Mischung aus 30% Alistaple LD 9.2 und 70% Viscokraft LV hergestellt. Die Zellstoffmischung
wies unmittelbar vor dem Verspinnen eine Molekulargewichtsverteilung wie in Fig. 1c
auf. Die Spinnmasse wurde bei einer Temperatur von 120°C bei verschiedenen Feuchten
im Luftspalt versponnen. Das Ergebnis dieser Versuche ist in der nachstehenden Tabelle
3 angegeben:
Tabelle 3
Zellstoffmischung
(Alistaple/Viscokraft) |
Feuchte |
max. /Abzugsgeschw. |
Titer |
| 30/70 |
30 |
116 |
0,47 |
| 30/70 |
50 |
118 |
0,46 |
| 30/70 |
70 |
127 |
0,43 |
[0047] Deutlich ist in der Tabelle 3 zu erkennen, daß im Unterschied zu einer Spinnmasse
mit 15% des Zellstoffes Viscokraft keine Verschlechterung des minimal-erreichbaren
Titers bei einer Erhöhung der Feuchte im Luftspalt, sondern sogar eine leichte Verbesserung
erreichbar ist. Im Vergleich zu einer Spinnmasse mit 15% des Zellstoffes Alistaple
lassen sich jedoch deutlich geringere Titer erzielen.
[0048] Fig. 2 zeigt das Spinnverhalten von Celluloselösungen mit variierenden Anteilen an
langkettigen Molekülen, wobei als Ordinate der minimale Titer (dtex) und als Abszisse
die Konzentration der jeweiligen Celluloselösung an Cellulosemolekülen mit einem Molekulargewicht
von mindestens 500.000 aufgetragen ist. Die Konzentrationen wurden unmittelbar vor
dem Verspinnen bestimmt.
[0049] Der Anteil an langkettigen Molekülen wurde durch Zumischen von entsprechenden Mengen
an Alistaple LD 9.2 zu Viscokraft LV eingestellt. Die Cellulosekonzentration der Lösung
betrug in allen Fällen 15 Masse-%.
[0050] Das Spinnverhalten wurde für jede Celluloselösung sowohl bei einer Feuchtigkeit im
Luftspalt von 30 g H
2O (Kurve "a") als auch bei 0 g H
2O (trocken) (Gerade "b") bestimmt.
[0051] Der Fig. 2 kann entnommen werden:
- daß ein Zusammenhang zwischen Verspinnbarkeit und Konzentration an langkettigen Molekülen
besteht;
- daß bei trockener Luft im Luftspalt (Gerade "b") die Verspinnbarkeit annähernd linear
immer besser wird, wenn die Konzentration an langkettigen Molekülen abnimmt;
- daß bei feuchter Luft im Luftspalt (Kurve "a") die Verspinnbarkeit mit abnehmender
Konzentration an langkettigen Molekülen zunächst auch immer besser wird, sich ab einer
Konzentration von etwa 0,25 Masse-% jedoch wieder verschlechtert, wobei diese Verschlechterung
ab 0,05 Masse-% besonders ausgeprägt ist.
[0052] Figur 2 zeigt, daß bei der Herstellung von Mikrofasern zwei kritische Größen beachtet
werden müssen:
- die Konzentration an Cellulosemolekülen mit einem Molekulargewicht von mindestens
5x105, und
- der Feuchtigkeitsgehalt der Luft im Luftspalt.