[0001] Die Erfindung betrifft ein mehrgerüstiges dornloses Streckreduzierwalzwerk mit einer
Walzenkalibrierung für die aus jeweils drei Walzen bestehenden Walzensätze mit einer
von der Kreisform abweichenden, die Formänderung im Querschnitt des Rohres berücksichtigenden
und einem unrunden Rohraußendurchmesser entgegenwirkenden Kaliberform.
[0002] Es ist nach dem Stand der Technik bekannt, in Streckreduzierwalzwerken Kaliberformen
einzusetzen, die von der Kreisform abweichende Walzenkonturen aufweisen. Diese Abweichungen
haben verschiedene Gründe, so soll verhindert werden, daß Material in den Spalt zwischen
den Walzen eintritt, wodurch Oberflächenbeschädigungen des Walzgutes verursacht werden;
sie sollen außerdem den Verschleiß der Walzen im Bereich der Walzenflanken klein halten.
[0003] Auch werden von der Kreisform abweichende Kaliberformen eingesetzt, um, abhängig
von der Durchmesserreduktion des Walzgutes und dem Verhältnis Wanddicke/Durchmesser
des Walzgutes eine ungleichmäßige Ausbildung der lnnenform des Walzgutes zu vermeiden.
Zur Vermeidung dieser in der Praxis s.g. Innenpolygonbildung sind, wie vorstehend
geschildert, nichtkreisförmige Walzenkaliber mit unterschiedlichsten Walzenkaliberformen
vorgeschlagen worden.
[0004] Dagegen wurden zum Fertigwalzen des Rohres in dem oder den letzten Fertigkalibern
des Streckreduzierwalzwerkes bislang üblicherweise exakt rund kalibrierte Walzen verwendet,
bei denen gegebenenfalls das wärmebedingte Schrumpfmaß berücksichtigt wird. Es hat
sich aber gezeigt, daß die das Streckreduzierwalzwerk fertig gewalzt verlassenden
Rohre Außendurchmesserschwankungen von bis zu 0,3-0,5% des mittleren Durchmessers
aufweisen, die durch ungleichmäßige Formänderung im Querschnitt des Walzgutes entstehen.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, die Walzenkalibrierung eines gattungsgemäßen
Streckreduzierwalzwerkes zum Walzen von Rohre so zu gestalten, daß durch örtliche
Beeinflußung des Materialflusses im Rohr beim Reduzieren eine geringere lokale Rohrdurchmesserabweichung
an kritischen Stellen entlang des Rohrumfanges stattfindet und dadurch die Konstanz
des Außendurchmessers beim fertiggewalzten Rohr verbessert wird.
[0006] Zur Lösung der Aufgabe wird erfindungsgemäß vorgeschlagen, daß die letzten Kaliber
(Fertigkaliber) des Streckreduzierwalzwerkes an denjenigen Umfangsstellen lokal vergrößert
sind, an denen der ansonsten zu erwartende Rohrdurchmesser vom Sollmaß nach unten
abweicht und an den Umfangsstellen lokal verkleinert sind, an denen der ansonsten
zu erwartende Rohrdurchmesser vom Sollmaß nach oben abweicht.
[0007] Untersuchungen haben gezeigt, daß eine Unrundheit der Außenform des gewalzten Rohres
im wesentlichen aus zwei Anteilen besteht, nämlich einer zweiseitig ovalen Kontur
und einer dreiseitig (gegebenenfalls auch sechsseitigen) ovalen Kontur. Diese Fehlerformen
können im fertiggewalzten Rohr einzeln oder in gegenseitiger Überlagerung wiedergefunden
werden. Die Lage dieser Durchmesserabweichungen ist aber in den meisten Fällen nicht
regellos, sondern bezüglich ihrer Lage relativ zu den Kalibern der letzten Walzgerüste
reproduzierbar. Das liegt daran, daß die Ursachen für die Durchmesserabweichungen
regelhaften Charakter haben und damit auch die Positionen der Durchmesserfehler am
Rohr von Rohr zu Rohr wiederkehren. So können sie beispielsweise durch Verzug der
Rohre bei ungleichmäßiger Abkühlung während der Walzung entstehen, durch Ablenkung
der Rohrmitte aus der theoretischen Kalibermitte während des Walzens durch Verschleiß
von Gerüstsitzen und Walzenlagern oder durch ungenügende Anpassung der vor den letzten
Kalibern angeordneten, in der Regel dreiseitig ovalen Kaliber.
[0008] Erfindungsgemäß wird weiter vorgeschlagen, zur Vergleichmäßigung des Rohrquerschnittes
bei zwei- oder mehrseitiger Ovalität des Rohres je eine lokal verkleinerte (vergrößerte)
Umfangsstelle des Kalibers je einer Umfangsstelle des zu erwartenden vergrößerten
(verkleinerte) Rohrdurchmessers gegenüber zu legen. Auf diese Weise wird von vornherein
der Unrundheit des Fertigrohres entgegengewirkt, das Ergebnis ist die gewünschte verbesserte
Rohrdurchmesserkonstanz.
[0009] Um die Kaliberabweichungen von der Kreisform festzulegen und die Walzenkonturen entsprechend
zu bearbeiten, macht es Sinn, zur ständigen Erfassung des lokalen Rohrdurchmessers
eine manuelle oder automatische Meßeinrichtung vorzusehen, deren Daten einer Datenbank
zuführbar und statistisch auswertbar sind.
[0010] Nach einer anderen günstigen Weiterbildung der Erfindung wird vorgeschlagen, daß
die gemessenen Werte einer CNC-gesteuerten Werkzeugmaschine zur abtragenden lokalen
Anpassungen des theoretischen Endkalibers zuführbar sind.
[0011] Die vorliegende Erfindung wird anhand eines Ausführungsbeispiels erläutert und nachfolgend
beschrieben. Es zeigt:
- Figur 1a
- ein Drei-Walzenkaliber eines Streckreduzierwalzwerkes mit runder Kaliberform,
- Figur 1b
- ein unrundes Rohr im Querschnitt mit zweiseitiger ovaler Kontur,
- Figur 1c
- ein unrundes Rohr im Querschnitt mit dreiseitig ovaler Kontur,
- Figur 2a
- die erfindungsgemäße Kaliberausbildung bei einer zweiseitig ovalen Kontur nach Fig
1b und
- Figur 2b
- eine erfindungsgemäße Kaliberausbildung bei mehrseitiger Außendurchmesserabweichung
nach Fig. 1c.
[0012] In Figur 1a ist eine Drei-Walzenkalibrierung eines Streckreduzierwalzwerkes mit runder
Kaliberform dargestellt, wie sie für die Endgerüste üblich ist. Im Kaliber können
die charakteristischen Positionen a für den Kalibersprung und b für die Kalibermitte
bzw. den Kalibergrund gekennzeichnet werden. Obwohl das Kaliber kreisrund ist, ist
das damit gefertigte Rohr in der Regel nicht exakt rund. Untersuchungen zeigen, daß
eine Unrundheit der Außenform des gewalzten Rohres im wesentlichen aus zwei Anteilen
besteht, nämlich einer zweiseitig ovalen Kontur, wie sie in Figur 1b mit durchgezogenen
Linien dargestellt ist, und einer dreiseitig ovalen Kontur, wie sie in Figur 1c mit
durchgezogenen Linien dargestellt ist, gegebenenfalls kann diese Kontur auch sechsseitig
oval sein. Die ideale Kreiskontur ist jeweils in den Figuren 1b und 1c grau hinterlegt
eingezeichnet.
[0013] Im fertigen Rohr können die Formfehler einzeln oder in gegenseitiger Überlagerung
wiedergefunden werden. Die Lage dieser Durchmesserabweichungen ist meistens von Rohr
zu Rohr nicht regellos, sondern reproduzierbar bezüglich der Positionen a und b der
Walzenkaliber.
[0014] Da die Außendurchmesserabweichungen in ihrer Lage regelhaften Charakter haben und
erfaßbar sind, sind die letzten Kaliber bei entsprechender Kalibrierung geeignet,
die ansonsten sich einstellende unrunde Rohrform zu verhindern. Die Figuren 2a und
2b zeigen eine entsprechende erfindungsgemäße Kalibrierung, wobei in Figur 2a die
Kalibrierung einer zweiseitig ovalen Kontur entgegenwirkt und in Figur 2b die Kalibrierung
so gestaltet ist, daß einer dreiseitig ovalen Kaliberkontur entgegengewirkt werden
kann. In beiden Fällen wird durch lokale Kaliberverkleinerung und lokale Kalibervergrößerung
erreicht, daß Abweichungen des Rohrdurchmessers kompensiert werden, so daß im Ergebnis
ein exakt rundes Rohr zu erwarten ist.
1. Mehrgerüstiges dornloses Streckreduzierwalzwerk mit einer
Walzenkalibrierung für die aus jeweils drei Walzen bestehenden Walzensätze mit einer
von der Kreisform abweichenden, die Formänderung im Querschnitt des Rohres berücksichtigenden
und einem unrunden Rohraußendurchmesser entgegengewirkenden Kaliberform,
dadurch gekennzeichnet,
daß die letzten Kaliber (Fertigkaliber) des Streckreduzierwalzwerkes an den Umfangsstellen
lokal vergrößert sind, an denen der ansonsten zu erwartende Rohrdurchmesser des einlaufenden
Rohres vom Sollmaß nach unten abweicht und an den Umfangsstellen lokal verkleinert
sind, an denen der ansonsten zu erwartende Rohrdurchmesser vom Sollmaß nach oben abweicht.
2. Mehrgerüstiges dornloses Streckreduzierwalzwerk nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß zur Vergleichmäßigung des Rohrquerschnittes bei zwei oder mehrseitiger Ovalität
des Rohres je eine lokal verkleinerte (vergrößerte) Umfangsstelle des Kalibers je
einer Umfangsstellen des zu erwartenden vergrößerten (verkleinerten) Rohrdurchmessers
gegenüberliegt.
3. Mehrgerüstiges dornloses Streckreduzierwalzwerk nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß zur ständigen Erfassung des lokalen Rohrdurchmessers eine manuelle oder automatische
Meßeinrichtung vorgesehen ist, deren Daten einer Datenbank zuführbar und statistisch
auswertbar sind.
4. Mehrgerüstiges dornloses Streckreduzierwalzwerk nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die gemessenen Werte einer CNC-gesteuerten Werkzeugmaschine zur lokalen Vergrößerung
oder Verkleinerung des theoretischen Endkalibers zugeführbar sind.