[0001] Die Erfindung betrifft ein transdermales therapeutisches System mit einer Östriol
enthaltenden Wirkstoffkombination.
[0002] Östrogene sind Steroidhormone, die sich von dem tetrazyklischen C
18-Steroid Östran ableiten. Unter den natürlichen Östrogenen unterscheidet man Östron,
Östradiol und Östriol, wobei Östron und Östriol als die physiologisch wichtigsten
gelten.
Östriol ist eines der metabolischen Endprodukte des Estradiolstoffwechsels.
Es besitzt eine Reihe pharmakologischer und biologischer Besonderheiten, die es von
anderen Östrogenen unterscheidet:
Es wird schon vor der Absorption fast vollständig konjugiert. Nur etwa 1 - 2 % des
eingenommenen Östriols erscheinen als freies Östriol im Kreislauf. Der Quotient aus
freiem zu konjugiertem Östriol beträgt 1 : 500.
Es übt bei einer oralen Dosis von 2 mg keine proliferierende Wirkung auf das Endometrium
aus, da es nur kurze Zeit an die Rezeptoren des Zellkerns gebunden bleibt. Östrogene
Wirkungen werden aber nur dann ausgelöst, wenn eine östrogene Substanz eine längere
Zeitspanne im Kern verbleibt. Dies ist mit Östriol nur möglich, wenn es mehrmals am
Tage verabreicht wird.
Eine weitere Besonderheit des Östriols besteht darin, daß bei mehrmonatiger Östrioleinnahme
die östrogene Wirkung zunimmt.
Nach vaginaler Applikation liegt der Anteil von unkonjugiertem Östriol im Serum 10
bis 20 mal höher als nach oraler Gabe, da die intestinale Metabolisierung entfällt.
Bei einer Östrioldosis von 0,5 mg kann man bereits 2 Stunden nach vaginaler Applikation
mit einem hohen Serumspiegel von 100-150 pg/ml rechnen . Für den gleichen Effekt benötigt
man dagegen eine orale Dosis von 10 mg.
[0003] Die obigen Erfahrungen lassen den Schluß zu, daß für Östriol ein transdermales therapeutisches
System (TTS) galenisch das System der Wahl darstellt. Durch das System kann sichergestellt
werden, daß Östriol über einen Zeitraum von z.B. 7 Tagen kontinuierlich an den Organismus
abgegeben wird.
[0004] Dem Wirkstoff Östriol wurde bisher eine unzureichende therapeutische Wirksamkeit
im Rahmen der Substitutionstherapie (HRT) zugesprochen. Dies gilt in besonderem Maße
für die Verwendung von Östriol zur Prävention der Osteoporose. So wird in einer offiziellen
Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft Endokrinologie die Unwirksamkeit von Östriol
zu Osteoporose Prophylaxe ausdrücklich hervorgehoben (vgl. Deutsches Ärzteblatt -
Ärztliche Mitteilungen, 85, 1322-1325, (1988).
[0005] Die Unwirksamkeit von Östriol am Knochen ist inzwischen als Standardwissen in die
einschlägigen Lehrbücher eingegangen (Freimut A. Leidenberger, "Klinische Endokrinologie
für Frauenärzte " Springer Verlag 1992, Seite 356).
[0006] Auf die Unwirksamkeit von Östriol allein für die Behandlung von Osteoporose wird
ferner auch in Produktinformationen für Präparate hingewiesen, die Östriol als Wirkstoff
enthalten (z.B. Jenapharm Arzneimittel: Sortiment und Preise vom 01.07.1991 S.67).
[0007] Im Gegensatz hierzu wird in der PCT-Anmeldung WO 93/18774 die alleinige Verwendung
von Östriol zur Behandlung von Osteoporose in Form eines transdermalen therapeutischen
Systems dargestellt. Danach sprechen die Befunde für Östriol als das Östrogen der
Wahl für die kontinuierliche Hormon-Substitutions-Therapie und insbesondere für die
Therapie klimakterischer Osteoporose. Bei kontinuierlicher Verabreichung wird nämlich
einerseits Osteoporose wirksam therapiert bzw. präventiert, während andererseits die
bei herkömmlichen Östrogenen beobachtete kanzerogene Wirkung entfällt und sogar eine
antikanzerogene Wirkung erwartet werden kann.
[0008] WO 92/14474 beschreibt die Verwendung einer Östradiol enthaltenden Biophosphonate
Kombination.
[0009] Ausgehend von diesem Stand der medizinischen Wissenschaft liegt der Erfindung die
Aufgabe zugrunde, ein wesentlich verbessertes transdermales therapeutisches System
mit einer Östriol enthaltenden Wirkstoffkombination anzugeben, die ohne Risiken und
schädliche Nebenwirkungen eine besonders hohe therapeutische Wirksamkeit und Akzeptanz
bei der Verwendung von Östriol für die Prävention von Osteoporose im Alter entfaltet.
[0010] Überraschenderweise wurde gefunden, daß transdermal appliziertes Östriol die Wirkung
von transdermal applizierten Biphosphonaten unterstützt und dass sich transdermal
appliziertes Östriol in Kombination mit Biphosphonaten bei transdermaler Applikation
zur Behandlung von Osteoporose eignet.
[0011] Bei weiteren Anwendungen wurde gefunden, daß in der Behandlung der Osteoporose die
transdermale Applikation von Biphosphonaten in Kombination mit Östriol vorteilhafter
ist als Östriol allein. Eine bevorzugte Dosierungsform ist eine solche, welche in
24 Stunden 8 bis 16 mg Östriol und 3 bis 7 mg Biphosphonat pro TTS freisetzt.
1. Transdermales therapeutisches System zur Behandlung von Osteoporose, dadurch gekennzeichnet, daß es Östriol in Kombination mit mindestens einem Wirkstoff aus der Klasse der Bisphosphonate
enthält.
2. Transdermales therapeutisches System nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es innerhalb von 24 Stunden 8 bis 16 mg Östriol und 3 bis 7 mg Bisphosphonat freisetzt.
3. Verwendung von Östriol in Kombination mit mindestens einem Wirkstoff aus der Gruppe
der Bisphosphonate zur Herstellung eines transdermalen therapeutischen Systems zur
Behandlung der Osteoporose.
1. Transdermal therapeutic system for treating osteoporosis, characterized in that it contains estriol in combination with at least one active substance from the class
of the bisphosphonates.
2. Transdermal therapeutic system according to claim 1, characterized in that it releases 8 to 16 mg of estriol and 3 to 7 mg of bisphosphonate within 24 hours.
3. Use of estriol in combination with at least one active substance from the group of
the bisphosphonates, for producing a transdermal therapeutic system for treating osteoporosis.
1. Système thérapeutique transdermique pour le traitement de l'ostéoporose, caractérisé en ce qu'il contient de l'estriol en combinaison avec au moins une substance active de la classe
des bisphosphonates.
2. Système thérapeutique transdermique selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'il libère en 24 heures 8 à 16 mg d'estriol et 3 à 7 mg de bisphosphonate.
3. Utilisation d'estriol en combinaison avec au moins une substance active du groupe
des bisphosphonates pour la préparation d'un système thérapeutique transdermique pour
le traitement de l'ostéoporose.