[0001] Die Erfindung betrifft ein Referenzierverfahren für eine Maschine oder Anlage zur
Bearbeitung länglicher, bahn- und/oder strangartiger Objekte, geeignet insbesondere
zur Durchführung in einer Druckmaschine zum Bedrucken von Papierbahnen. Dabei werden
die Objekte vor ihrer Bearbeitung in die Maschine oder Anlage eingezogen, welche für
die Objektbearbeitung eine Mehrzahl beweglicher Funktionskomponenten aufweisen. Diese
sind entsprechend einem internen Maschinen- oder Anlagenkoordinatensystem durch miteinander
synchronisierbare Antriebseinheiten bewegbar, und die Antriebseinheiten werden über
Sensoren für Istwerte der Position, Relativstellung, Geschwindigkeit und/oder Beschleunigung
der Funktionskomponenten und/oder der Antriebseinheiten selbst nach in diesen intern
erzeugten Sollwerten und/oder Leitsollwerten aus einer übergeordneten Leitsteuerung
rechnergestützt geregelt.
[0002] Wie an sich bekannt, dient das Referenzieren zur Herstellung eines Bezugs insbesondere
der Lage zwischen den beweglichen Teilen einer komplexen Maschine, beispielsweise
zwischen den Druckzylindern, Falzwerken usw. nebst deren Antriebseinheiten einer Druckmaschine.
Nach dem Stand der Technik wird das Referenzieren bei der Installation und Inbetriebnahme
der Maschine durchgeführt, bevor das zu bearbeitende Objekt, beispielsweise zu bedruckendes
Zeitungspapier, in die (Druck-) Maschine eingezogen wird. Da der danach durchzuführende
Einziehvorgang ohnehin nur bei verminderter Maschinen-Betriebsgeschwindigkeit ablaufen
kann, ergibt sich ein beachtliches Bedürfnis nach einer Referenziermethode, mittels
welcher bei der Inbetriebnahme und beim Start sowie Anlaufen einer komplexen Maschine
für die Bearbeitung länglicher, strangartiger Objekte der dafür notwendige Zeitaufwand
erheblich vermindert werden kann.
[0003] EP 0 664 214 A1 offenbart eine Meßfahrt mit zwei Antriebsumdrehungen von Druckzylindern.
Dadurch soll die Umfangsregisterabweichung von auf den Druckzylindern aufgesteckten
Druckformhülsen festgestellt werden. In einer anschließenden Korrekturfahrt werden
mittels Druckluft die Hülsen von den Druckzylindern abgehoben und letztere um die
gemessene Winkelabweichung verdreht. Dann können sich die Hülsen in der registerrechten
Umfangsposition auf die Druckzylinder festsetzen. Wegen weiterer Einzelheiten wird
in der genannten Veröffentlichung auf Spalte 2, Zeile 46 bis Spalte 3, Zeile 11 sowie
Spalte 4, Zeile 24 - 52 sowie auf Spalte 6, Zeile 12 - 17 verwiesen. Letztendlich
ist damit ein Referenzierverfahren zwischen Druckzylinder und auf diesen aufgespannten
Druckformhülsen in einer Druckmaschine offenbart, bei der mehrere Druckwerke von einem
einzigen, gemeinsamen Antrieb über eine gemeinsame Antriebswelle (

Königswelle") angetrieben werden. Nichts ist aber dazu angegeben, in einer Druckmaschine
mit einer Vielzahl von Druckzylindern und einzeln zugeordneten Antrieben die Referenz
und Synchronisation zwischen Druckzylindern und Einzelantrieben beim Anfahren herzustellen.
[0004] Zur Vermeidung der sich aus dem Stand der Technik ergebenen Nachteile wird bei einem
Referenzierverfahren mit den eingangs genannten Merkmalen erfindungsgemäß vorgeschlagen,
daß mit dem Einziehen des oder der Objekte und/oder mit dem Beschleunigen der Funktionskomponenten
auf ihre Dauer-Arbeitsgeschwindigkeiten erst der Bezug bzw. die Referenz und/oder
die Synchronisation zwischen den angetriebenen Funktionskomponenten der Maschine oder
Anlage hergestellt werden. Damit können die Vorgänge des Referenzierens der beweglichen
Maschinenteile aufeinander und des Einziehens der bahn- oder strangartigen Objekte
parallel bzw. zeitgleich ablaufen, woraus sich eine Zeitersparnis für die Anfahrphase
der Maschine ergibt.
[0005] Nach einer besonderen Konkretisierung des Erfindungsgedankens wird die Gesamtfunktion
des Referenzierens in folgende drei hintereinander ablaufende Phasen oder Algorithmen
gegliedert:
a) Bei Inbetriebnahme der Maschine oder Anlage und/oder nach Austausch oder Wartung
eines oder mehrerer Sensoren oder deren Teile und/oder nach Änderung des Maschinenkoordinatensystems
werden vor dem erstmaligen Objekt-Einziehen eine, mehrere oder alle der Funktionskomponenten
mittels einer, mehrerer oder aller Antriebseinheiten solange verfahren, bis der oder
die Sensoren auf Grundstellungen der ihnen zugeordneten Funktionseinheiten kalibriert
sind (sogenannte

Referenzpunktfahrt" einmal bei Inbetriebnahme oder Sensor- bzw. Gebertausch);
b) mit Beginn des Einziehens des oder der Objekte werden alle oder wenigstens einige
der Funktionskomponenten in ihre Grundstellungen gefahren, wobei Lageinformationen
bezüglich der Funktionskomponenten auf das Maschinenkoordinatensystem abgeglichen
werden (Grundstellungsfahrt);
c) nach der oder den Grundstellungsfahrten werden noch während des Einziehens des
oder der Objekte und/oder mit dem Beschleunigen der Funktionskomponenten auf ihre
Dauer-Arbeitsgeschwindigkeiten die Bewegungen der Antriebseinheiten und der zugehörigen
Funktionskomponenten miteinander synchronisiert (Synchronisieren beim Einziehen und
Hochlaufen).
[0006] Im Rahmen der Erfindung wird die Synchronisierung anhand einer den Funktionskomponenten
und zugehörigen Antriebseinheiten gemeinsamen, virtuellen Leitachse durchgeführt,
die zweckmäßig von einer den Antriebseinheiten mit Antriebsreglern übergeordneten
Leitsteuerung vorgegeben wird. In diesem Zusammenhang ist eine Ausbildung des erfindungsgemäßen
Verfahrens vorteilhaft, wonach das Referenzieren nicht in der übergeordneten Leitsteuerung,
sondern als Funktion der einzelnen Antriebseinheiten implementiert, also über das
gesamte Antriebssystem verteilt lokalisiert ist. Damit läßt sich das Referenzieren
besonders flexibel auf spezifische Randbedingungen der jeweiligen Funktions- bzw.
Maschinenkomponente anpassen.
[0007] Nach einer weiteren Erfindungsausbildung wird jedoch wenigstens die Referenzpunktfahrt
gemäß obiger Phase a) von der übergeordneten Leitsteuerung aus getriggert bzw. angestoßen.
[0008] Weitere Einzelheiten, Merkmale, Vorteile und Wirkungen auf der Basis der Erfindung
ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung eines bevorzugten Ausführungswegs
der Erfindung am Beispiel einer Druckmaschine sowie aus den Zeichnungen. Diese zeigen
in
- Fig. 1
- jeweils auf die Zeit bezogene Funktionsdiagramme zum Referenzieren beim Einziehen,
- Fig. 2
- eine schematische Veranschaulichung der Anordnung der Maschinen- und Sensor-Koordinatensysteme
- Fig. 3 u. 4
- Flußdiagramme zur Referenzpunktfahrt bzw. Grundstellungsfahrt;
- Fig. 5
- eine schematische Stirnansicht auf zwei zusammenwirkende Gummizylinder einer Druckmaschine;
- Fig. 6 u. 7
- jeweils eine prinzipielle Anordnung von Antriebsmotor mit Sensor- bzw. Gebersystem
gegenüber der anzutreibenden Last.
[0009] In Figur 1, Teil a, ist über die Zeit als Abszisse die Betriebsgeschwindigkeit beispielsweise
einer Druckmaschine als Ordinate aufgetragen. Im Teil b ist über die Zeit der Verlauf
des Synchronisationsstatus der einzelnen Funktionskomponenten der Druckmaschine aufgetragen.
Im Teil c ist über die Zeit dargestellt, ab wann in einer Druckeinheit der Druckmaschine
die Druckzylinder aufeinanderrollend zusammenwirken (

Druck an").
[0010] Gemäß Figur 1, Teil a, ist innerhalb eines ersten Zeitabschnitts t1 die Betriebsgeschwindigkeit
noch null, d.h. es erfolgt kein Einziehen des strangartigen Objekts, beispielsweise
einer zu bedruckenden Papierbahn. Der erste Zeitabschnitt t1 kann zum Kalibrieren
der Koordinatensysteme von Sensorik auf bewegliche Maschinenteile (vgl. weiter zur
Fig. 2) verwendet werden, insbesondere zu einer Referenzpunktfahrt bei Inbetriebnahme
(siehe oben Verfahrensphase a). Unmittelbar nach Ablauf des ersten Zeitabschnitts
t1 wird die Maschine auf eine Einzugsgeschwindigkeit v1 hochgefahren. Diese wird bis
zum Ablauf eines zweiten Zeitabschnitts t2 aufrecht erhalten, der sich unmittelbar
an den ersten Zeitabschnitt t1 anschließt und beispielsweise ca. 30 Sekunden betragen
kann. In diesem Zeitraum finden mindestens zwei Umdrehungen der zu bewegenden Last
statt. In einem sich daran unmittelbar anschließenden dritten Zeitabschnitt t3 (der
bei einer Druckmaschine ca. 10 Sekunden andauern kann) wird das Hochlaufen der Maschine
eingeleitet, um die Betriebs-, insbesondere Druckmaschinengeschwindigkeit v2 für die
Produktion zu erreichen. Die Summe der beiden Zeitabschnitte t2 und t3 ergibt den
Synchronisierungs-Zeitabschnitt t4, mit dessen Ende nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
die einzelnen Einheiten des Antriebs aufeinander synchronisiert sind (vgl. obigen
Phase c). Die Grundstellungsfahrt gemäß obiger Phase b wird zweckmäßig in den Beginn
des zweiten Zeitabschnitts t2 hineingelegt, indem die Installation und Inbetriebnahme
der Maschine abgeschlossen ist und diese zum Normalbetrieb eingeschaltet wird, wobei
sie zunächst zum Einziehen der Objekte, beispielsweise des zu bedruckenden Zeitungspapiers,
anläuft.
[0011] In Figur 2 ist die Anordnung der Koordinatensysteme sowohl für die Maschinen-Funktionskomponenten
als auch für die zugeordneten Sensor- bzw. Gebersysteme schematisch dargestellt. Im
behandelten Beispiel einer Druckmaschine sind die Funktionskomponenten meist Drehkörper
1, und die Sensoren Drehgeber 2. Für einen Synchronbetrieb müssen letztere auf die
Funktionskomponenten kalibriert werden. Hierzu dient eine Referenzpunktfahrt gemäß
obiger Phase a, wobei die für die Grundstellungsfahrt gemäß Phase b und für das Synchronisieren
gemäß Phase c notwendigen Parameter, gemäß Figur 2 der Winkel α, zu ermitteln und
für den späteren Betrieb abzuspeichern ist. Der Winkel α gibt an, um wieviel der Drehkörper
1 aus seiner Grundstellung herauszuverfahren ist, bis der Winkelgeber 2 ein Signal
für das Erreichen seines absoluten Nullpunkts abgibt. Die entsprechenden Daten werden
zweckmäßig in der zugeordneten Antriebseinheit mit Elektromotor und digitalem Antriebsregler
abgespeichert.
[0012] Die Referenzpunktfahrt ist bei allen Druckeinheiten- und Falzeinheitenantrieben durchzuführen.
Sie wird einmal zum Kalibrieren des Gebersystems auf die Maschinenkoordinaten ausgeführt.
Sie hat erstmalig bei der Erstinbetriebnahme des Antriebssystems für die Gesamtmaschine
stattzufinden. Nach jedem Austausch des Sensor- bzw. Gebersystems, von Komponenten
des Gebersystemes oder Änderungen im Maschinenkoordinatensystem muß die Referenzpunktfahrt
wiederholt werden. Es ist nicht notwendig, für Falzaufbauantriebe eine Referenzpunktfahrt
durchzuführen.
[0013] Der Bezug zur angetriebenen Mechanik und das Gebersystem des Antriebes bestimmen
den Ablauf der Referenzpunktfahrt. Diese wird zweckmäßig von einer übergeordneten
Leitsteuerung beauftragt. Der notwendige Ablaufplan ist in Figur 3 dargestellt. In
einem ersten Ablaufschritt 31 wird der Drehkörper 1, beispielsweise ein Gummizylinder,
mechanisch arretiert. Im nächsten Ablaufschritt 32 erfolgt ein Parametrieren der Betriebsart
der Antriebseinheit für die Referenzpunktfahrt durch eine übergeordnete Leitsteuerung.
Diese setzt im nächsten Ablaufschritt 33 die aktuelle Sollbetriebsart. Im Ablaufschritt
34 liest beispielsweise ein digitaler Signalprozessor des Antriebsreglers in der Antriebseinheit
die aktuelle Position des Drehkörpers 1 und setzt eine lastbezogene Moduloposition
ungültig. Im folgenden Ablaufschritt 35 wird der Parameter

Auftragsstatus" gesetzt, wobei die Antriebseinheit der Leitsteuerung meldet, daß deren
Anforderung erfüllt ist. Im folgenden Ablaufschritt 36 wird die Arretierung des Drehkörpers
1 entfernt. Daraufhin wird im Ablaufschritt 37 von der übergeordneten Leitsteuerung
die Freigabe des Antriebs an die Antriebseinheit signalisiert. Diese setzt daraufhin
im folgenden Ablaufschritt 38 den Parameter

Auftragsstatus" zurück. Zur Positionierung für die Referenzpunktfahrt hat die übergeordnete
Leitsteuerung der Antriebseinheit eine Sollgeschwindigkeit mit dem Wert Null vorgegeben.
Die eigentliche Sollgeschwindigkeit der Referenzpunktfahrt wird von der Antriebseinheit
selbständig durch Parametrierung eines dafür spezifischen Verfahrsatzes bestimmt.
Entsprechendes gilt für die Sollbeschleunigung. Wegen der Verwendung von Verfahrsätzen
wird auf die beiden europäischen Patentanmeldungen

Elektrisches Antriebssystem mit verteilter, virtueller Leitachse" (Anwaltszeichen
B005/018 E EP) und

Betriebsverfahren für eine Druckmaschine mit einer Mehrzahl von Funktionen sowie steuerungstechnische
Anordnung" (Anwaltszeichen B005/020 E EP) der gleichen Anmelderin, eingereicht am
selben Anmeldetag, verwiesen. Im nächsten Ablaufschritt 39 wird nun der Verfahrsatz
vom digitalen Signalprozessor der Antriebseinheit selbständig in Verfahr-Bewegungen
für den Drehkörper umgesetzt. Im praktischen Anwendungsbeispiel der Druckmaschine
sind dabei bis zu zwei Umdrehungen zweckmäßig. Gemäß dem Verzweigungs-Ablaufschritt
391 dienen die Verfahrbewegungen dazu, den Geber-Nullimpuls auszulösen, um den Winkel
α gemäß Figur 2 zu ermitteln. Ist dies innerhalb von zwei Umdrehungen erfolgreich
passiert, erfolgen im nächsten Kalibrier-Ablaufschritt 392 interne Berechnungen und
Speicherungen der Position des Geber-Nullimpulses durch den digitalen Signalprozessor
der Antriebseinheit. Danach erfolgt im Ablaufschritt 393 eine Quittierung des Auftrags
an die übergeordnete Leitsteuerung, wobei der Parameter

Auftragsstatus" wieder gesetzt wird. Danach übermittelt die übergeordnete Leitsteuerung
mit Ablaufschritt 394 das Kommando

Sperren der Antriebseinheit".
[0014] Bei der Grundstellungsfahrt (siehe Figuren 4 und 5), die einmal nach jedem Power
On oder einer Meldung der Istwerterfassung vom Antriebsregler durchgeführt wird, werden
antriebsinterne Lageinformationen und -werte auf das Maschinenkoordinatensystem bezogen
bzw. abgeglichen. Im Beispiel einer Druckmaschine wird die Grundstellungsfahrt bei
allen Druckeinheiten- und Falzeinheitenantrieben durchgeführt. Sie wird mit Zuschaltung
der Versorgungsspannung des Antriebsreglers in der Antriebseinheit und gegebenenfalls
nach dem Erkennen und Quittieren einer Störung ausgelöst und während des Einziehens
von der Antriebseinheit selbständig betrieben. Der Bezug zur Mechanik der angetriebenen
Drehkörper 1 sowie die Drehsensoren bzw. -geber 2 bestimmen den Ablauf während der
Grundstellungsfahrt. Nach Figur 4 gibt im ersten Ablaufschritt 41 die übergeordnete
Leitsteuerung die betreffende Antriebseinheit frei, z.B. für Rüstbetrieb. Es finden
nun Verfahrbewegungen analog Ablaufschritte 39, 391 statt, bis im Verzweigungs-Ablaufschritt
42 ein Nullimpuls-Signal vom Drehgeber 2 detektiert wird. Dann kommt es im folgenden
Ablaufschritt 43 zur Berechnung und zum Abgleich interner Größen, insbesondere zum
Setzen absoluter Soll- und Istpositionen gegebenenfalls unter Verwendung des bei der
Referenzpunktfahrt ermittelten Winkels α. Mittels im digitalen Antriebsregler ablaufender
Algorithmen werden Lage-, insbesondere Winkelinformationen in Bezug auf das Maschinenkoordinatensystem
berechnet. Neben absoluten Positionsgrößen werden auch Modulopositionen innerhalb
der betreffenden Antriebseinheit gültig gesetzt - vgl. Ablaufschritt 44.
[0015] Nach Abschluß der Grundstellungsfahrt sind die Positionsparameter innerhalb der Antriebseinheit,
insbesondere die Soll- und Istpositionsdaten sowie die Modulopositionsdaten auf das
Maschinenkoordinatensystem - beim Beispiel der Druckmaschine in Papierlaufrichtung
4 - bezogen, wie in Figur 5 dargestellt: Zwischen zwei Drehkörpern 1, beispielsweise
Gummituchzylinder, wird ein strangartiges Objekt 3, beispielsweise zu bedruckendes
Papier, mit einer bestimmten Richtung 4 hindurchgezogen. Die Drehkörper 1 sind in
einer ersten Position A gezeichnet, in der an sich bekannte Einspannkanäle 5, eingelassen
auf dem Außenumfang der Gummituchzylinder, unmittelbar einander gegenüberliegen. Dies
ergibt sich aus der Synchronisation der Drehkörper 1 bzw. deren Antriebseinheiten
miteinander. Wird in Figur 5 für die Position A der Lageistwert für die Drehkörper
1 mit zugehörigen Antriebseinheiten zu 45° angenommen, dann ist der Bezug derart,
dass in der zweiten Position B (punktiert gezeichnete Einspannkanäle 5) die Lageinformation
für die betreffenden Antriebseinheiten 135° ist. Die Papierlaufrichtung erfordert,
daß die beiden Drehkörper 1 mit einander entgegengesetzten Winkelgeschwindigkeiten
ω umlaufen.
[0016] Voraussetzung für die erfolgreiche Durchführung des Synchronisierens gemäß obiger
Phase c ist der Abschluß der Referenzpunktfahrt gemäß obiger Phase a und der Grundstellungsfahrt
gemäß obiger Phase b. Das Synchronisieren wird von der jeweiligen Antriebseinheit
in der Betriebsart Synchronlauf während des Einziehens mit der Einziehgeschwindigkeit
v1 (vgl. Figur 1 Teil a) selbständig durchgeführt. Es wird der Antrieb auf die Sollage
der virtuellen Leitachse positioniert. Das Antriebssystem führt das Synchronisieren
selbständig aus. Nach Freigabe des Antriebes werden zwei Umdrehungen der Last bzw.
des betreffenden Drehkörpers 1 mit Einziehgeschwindigkeit gefahren (Figur 1, Teil
b). Diese Vorgaben erfolgen gemäß Ausführungsbeispiel durch die Leitsteuerung. Nach
zwei Umdrehungen ist die Vorgabe einer höheren Drehzahl durch die Leitsteuerung möglich.
Bis zur Synchronmeldung aller im Verbund befindlichen Antriebe wird der Vorgang

Druck an" (vgl. Figur 1, Teil c) von der Leitsteuerung gesperrt. Für das Synchronisieren
ermittelt die jeweilige Antriebseinheit die Differenz zwischen dem Lagesoll- und Lageistwert
des Antriebs und die Differenz des Lagesollwerts des jeweiligen Antriebs zum Lagesollwert
einer virtuellen Leitachse zum Zeitpunkt des Einschaltens. Wegen des Konzeptes der
verteilten virtuellen Leitachse wird auf die oben genannte europäische Patentanmeldung

Elektrisches Antriebssystem mit verteilter virtueller Leitachse" (Anwaltszeichen
B005/018 E EP) verwiesen. Das Prinzip der virtuellen Leitachse ist z.B. in DE 195
27 199 A1 angesprochen. Wenn die Summe der genannten Differenzen von der jeweiligen
Antriebseinheit verfahren worden ist, meldet diese der Leitsteuerung

Antrieb synchron" (vgl. Fig. 1, Teil b und c). Daraufhin kann

Druck an" gemäss Fig. 1, Teil c erfolgen. Der Bezug zur angetriebenen Mechanik bzw.
zu den Drehkörpern 1 und die Sensorik bestimmen den Ablauf des Synchronisierens .
[0017] Gemäß Figur 6 ist das Sensorsystem bzw. der Positionsgeber lastseitig angeordnet.
Der elektrische Motor kann über ein Getriebe 6 mit Übersetzungsverhältnis i = 4 an
die Last angeflanscht sein. Das Übersetzungsverhältnis zwischen Geber und Last beträgt
zweckmäßig i = 1. Für das Synchronisieren stehen die Lageinformationen der Last direkt
(ohne Zwischenschaltung des Getriebes) zur Verfügung.
[0018] Beim Gebersystem gemäß Figur 7 ist an allen Antrieben der Geber bzw. Sensor motorseitig
angeordnet. Der Motor ist als Direktantrieb ausgeführt und direkt an der Last angeflanscht.
Für das Synchronisieren der Antriebseinheiten der Gesamtmaschine stehen die Lageinformationen
der Last direkt zur Verfügung. Für das Synchronisieren der Falzeinheitenantriebe speziell
ist es notwendig, eine Eindeutigkeit durch einen Nullinitiator zu erreichen. Dieser
Nullinitiator wird beim Synchronisieren berücksichtigt.
1. Referenzierverfahren für eine Maschine oder Anlage zur Bearbeitung länglicher, bahn-
und/oder strangartiger Objekte (3), insbesondere in einer Druckmaschine zum Bedrucken
von Papierbahnen, wobei die Objekte (3) vor ihrer Bearbeitung in die Maschine eingezogen
werden, und die Maschine oder Anlage eine Mehrzahl beweglicher Funktionskomponenten
(1) für die Objektbearbeitung aufweist, die entsprechend einem internen Maschinen-
oder Anlagenkoordinatensystem (Fig.2) durch miteinander synchronisierbare Antriebseinheiten
bewegbar sind, die über Sensoren (2) für Istwerte der Position, Geschwindigkeit und/oder
Beschleunigung der Funktionskomponenten (1) und/oder Antriebseinheiten nach darin
intern erzeugten Sollwerten und/oder Leitsollwerten von einer übergeordneten Leitsteuerung
rechnergestützt geregelt werden, dadurch gekennzeichnet, daß mit dem Einziehen (v1) des oder der Objekte und/oder dem Beschleunigen (t3) der Funktionskomponenten
(1) auf ihre Arbeitsgeschwindigkeiten (v2) ein Bezug beziehungsweise eine Referenz
und/oder eine Synchronisation zwischen den angetriebenen Funktionskomponenten (1)
der Maschine oder Anlage hergestellt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch folgende Schritte:
a) bei Inbetriebnahme der Maschine oder Anlage und/oder nach Austausch oder Wartung
eines oder mehrerer Sensoren (2) und/oder nach Änderung des Maschinenkoordinatensystems
(Fig.2) werden vor dem erstmaligen Objekt-Einziehen eine, mehrere oder alle der Funktionskomponenten
(1) mittels einer, mehrerer oder aller Antriebseinheiten solange verfahren, bis der
oder die Sensoren (2) auf Grundstellungen der ihnen zugeordneten Funktionseinheiten
(1) kalibriert sind;
b) mit Beginn des Einziehens des oder der Objekte (3) werden wenigstens einige der
Funktionskomponenten (1) in ihre Grundstellungen gefahren, wobei Lageinformationen
bezüglich der Funktionskomponenten (1) auf das Maschinenkoordinatensystem abgeglichen
werden;
c) nach der oder den Grundstellungsfahrten werden noch während des Einziehens (v1)
des oder der Objekte (3) und/oder mit dem Beschleunigen der Funktionskomponenten (1)
auf ihre Arbeitsgeschwindigkeiten (v2) die Bewegungen der Antriebseinheiten und der
zugehörigen Funktionskomponenten (1) aufeinander synchronisiert.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß bei der Sensor-Kalibrierungsfahrt
gemäß Schritt a) die Lage- beziehungsweise Positionsparameter (α) ermittelt werden,
die für die Grundstellungsfahrt gemäß Schritt b) und/oder für das Synchronisieren
gemäß Schritt c) notwendig sind.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß bei der Sensor-Kalibrierungsfahrt
gemäß Schritt a) der Weg oder Winkel (α) ermittelt werden, um den die jeweilige Funktionskomponente
(1) zu verfahren ist, bis ein der jeweiligen Antriebseinheit oder Funktionskomponente
(1) zugeordneter Lagebeziehungsweise Positionssensor (2) mit einem Signal für seine
Nullpunktstellung anspricht (391).
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Sensor-Kalibrierungsfahrt
gemäß Schritt a) von der übergeordneten Leitsteurung aus angestoßen wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß mit dem Einschalten
der Maschine oder Anlage oder der Stromversorgung der Antriebseinheit oder nach Meldung
einer Störung in der Antriebseinheit und/oder Funktionskomponente (1) die Grundstellungsfahrt
gemäß Schritt b) ausgelöst wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß bei der Grundstellungsfahrt
gemäß Schritt b) die jeweilige Funktionskomponente (1) verfahren wird, bis ein der
Antriebseinheit oder Funktionskomponente (1) zugeordneter Lage- beziehungsweise Positionssensor
(2) mit seinem Signal für eine Null- beziehungsweise Ausgangsstellung anspricht (42).
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß nach dem Ansprechen (42) des
Lage- beziehungsweise Positionssensors (2) Werte für die Soll- und/oder Istposition
der jeweiligen Funktionseinheit (1) initialisiert werden (43,44).
9. Verfahren nach Ansprüche 4 und 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Werte für die Soll-
und/oder Istpositionen der jeweiligen Funktionseinheit (1) unter Verwendung des Verfahr-Wegs
oder -Winkels (α) initialisiert werden (43,44).
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß mit oder nach
der Grundstellungsfahrt gemäß Schritt b) eine Moduloposition der jeweiligen Antriebseinheit
initialisiert und/oder gültig gesetzt wird (44).
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß zum Synchronisieren
gemäß Schritt c) die Differenzen zwischen dem Lagesoll- und Lageistwert der jeweiligen
Antriebseinheit und zwischen dem Lagesollwert der jeweiligen Antriebseinheit und einem
Leitsollwert der den Antriebseinheiten übergeordneten Leitsteuerung ermittelt und
die jeweils zugeordnete Funktionskomponente (1) solange verfahren wird, bis die Differenzen
den Wert Null annehmen.
12. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die
Erzeugung der das Referenzieren der Funktionskompnenten (1) betreffenden Steuerungssignale
und/oder die Verarbeitung der Soll- und Istwerte und/oder die Ermittlung und/oder
Speicherung sonstiger Positions- und/oder Bezugswerte innerhalb der Antriebseinheiten
der jeweiligen Funktionskomponenten (1)stattfindet.