[0001] Die Erfindung betrifft einen Mehrfachparallelleiter, d.h. einen Mehrfachleiter mit
parallel angeordneten Einzelleitern, für Wicklungen elektrischer Maschinen und Geräte,
insbesondere Zwillingsleiter und Drilleiter, bestehend aus zumindest zwei Einzelleiter
mit im wesentlichen rechteckigem Leiterquerschnitt, wobei jeder Einzelleiter lackisoliert
ist, mindestens eine der gegenseitigen Berührungslängsflächen der Flachseiten der
Einzelleiter mit einem vernetzungsfähigen Klebemittel (2) beschichtet ist, und das
Leiterbündel vorzugsweise mit einer Papierisolation (3) oder einem Halteband umgeben
ist.
[0002] Ein Mehrfachparallelleiter der oben genannten Art ist beispielsweise in der EP 030
338 beschrieben. Grundsätzlich werden in diesem Dokument jedoch lackisolierte Leiter
als unvorteilhaft beschrieben und es wird eine Variante vorgeschlagen, bei welcher
die nichtisolierten Einzelleiter durch ein Distanzelement in einem Abstand voneinander
gehalten sind. Ein Nachteil dieser Lösung liegt unter anderem darin, daß der Mehrfachparallelleiter
durch das Distanzelement zwar mechanisch stabil ist, jedoch ein unerwünscht höheres
Volumen einnimmt. Ferner ergeben sich bei dieser Lösung Probleme in Bezug auf die
elektrische Durchschlagfestigkeit bei nichtölimprägnierbaren Gasbläschen, insbesondere
im Bereich der Kanten.
[0003] Zur Herstellung von Mehrfachparallelleitern wurden bereits flache Teilleiter mit
Lack mehrfach umhüllt um bei geringer Einzelschichtstärke des Lackes eine hohe Durchschlagfestigkeit
aufgrund der geringen bis fehlenden Porigkeit dieser Schichten und der guten Materialeigenschaften
zu gewährleisten. Es hat sich in der Praxis der Fertigung solcher Mehrfachparallelleiter
jedoch gezeigt, daß die mechanische Festigkeit beim Wickeln oder im Kurzschlußfall
nicht ausreichend hoch ist und es somit zu einem Wegkippen oder einer Verformung eines
der Leiter kommt. Das Wegkippen eines Leiters wird auch durch die besonders glatten
Lackoberflächen begünstigt.
[0004] Als Abhilfe wurden daher nach der Lackisolierung die Einzelleiter mit einer Epoxidharzbeschichtung
versehen, wobei der Einzelleiter vollkommen mit einem Harz im B-Zustand umgeben wurde.
Diese Einzelleiter wurden danach verdrillt, verseilt oder einfach parallel angeordnet,
mit Papierisolation oder Halteband umwickelt und ausgehärtet.
[0005] Die beispielsweise zu einer Transformatorenwicklung verarbeiteten Leiter werden dann
vorgepreßt, ausgehärtet und gegebenenfalls nachgepreßt. Beim Vorpressen der Wicklung
ist das im B-Zustand befindliche Harz bei den Kanten der Leiter ausgetreten, wodurch
sich Gaseinschlüsse bilden konnten. In den Fällen, wo zwischen den Einzelleitern solche
Lösungsmittel- bzw. Luftbläschen eingeschlossen wurden, konnte es im Betrieb zu Glimmerscheinungen
und in der Folge zur Zerstörung des Isolationssystems kommen, da diese Gaseinschlüsse
bzw. derartige Hohlräume nach dem Wärmebehandlungsprozeß nicht mehr ölimprägnierbar
waren.
[0006] Die Aufgabe der Erfindung ist es, einen Mehrfachparallelleiter zu schaffen, dessen
Eigenschaften beim und nach dem Wickeln, sowie nach der Härtung den geforderten Kriterien,
sowohl mechanisch wie elektrisch, entspricht und mit Sicherheit nicht ölimprägnierbare
Gaseinschlüsse vor allem in den Schmalseiten und im Kantenbereich ausschließt.
[0007] Die Erfindung ist ausgehend von einem Mehrfachparallelleiter der eingangs genannten
Art dadurch gekennzeichnet, daß die Kantenbereiche und Schmalseiten der Einzelleiter
frei von Klebemittel sind.
[0008] Durch diese Ausgestaltung wird sichergestellt, daß zum Einen nach der Härtung der
Kleberschichten, das Leiterbündel mechanisch den Preßvorgang und die damit verbundene
Scherbelastung übersteht und zum Anderen die geforderte Spannungsfestigkeit von ca.
4,5 kV/mm nicht beeinträchtigt ist. Vor allem aber ist durch die Erfindung sichergestellt,
daß keinerlei Einschlüsse von Luft- bzw. Gasbläschen auftreten, und somit Glimmerscheinungen
vermieden werden. Überdies wird dadurch ein mechanisch sehr kompaktes Leiterbündel
gewährleistet.
[0009] Nach einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung ist das Klebemittel ein teilvernetztes
Reaktionsharz, vorzugsweise ein Epoxidharz. Die Epoxidharze weisen sowohl die gewünschte
Klebekraft, wie auch die benötigte mechanische Festigkeit im Kurzschußfall auf.
[0010] Gemäß einem weiteren Merkmal ist das Klebemittel ein anaerobisch vernetzendes Kunstharz.
Diese unter Luftabschluß härtenden Systeme bieten zum einen keine Beeinträchtigung
der gewünschten Spannungsfestigkeit, zum anderen ist die Klebekraft für diesen Anwendungsfall
verstärkt, sie benötigen jedoch keine zusätzliche Härtung und können somit rascher
und kostengünstiger verarbeitet werden.
[0011] Nach einer Ausgestaltung der Erfindung ist das Klebemittel auf maximal 95%, insbesondere
auf 80% der Längsfläche, aufgetragen. Dadurch bleibt der Kanten- und Schmalseitenbereich
frei von Kleber, weil der Kleber auch bei den weiteren Fertigungsschritten nicht mehr
austreten kann.
[0012] Die Erfindung wird anhand von Zeichnungen näher erläutert. Die Fig. 1 zeigt einen
Zwillingsleiter mit einseitiger Kleberschicht, Fig. 2 einen Zwillingsleiter mit beidseitiger
Kleberschicht und Fig. 3 einen Drilleiter.
[0013] In der Fig. 1 sind die Lackdrahtleiter 1 mit Klebeharz 2 an den Berührungslängsflächen
beschichtet und mit Papierisolation 3 umwickelt. Das Leiterbündel wird später ausgehärtet.
Die Klebefläche soll ca. 80% der Berührungsfläche sein und der Kanten- und Schmalseitenbereich
muß frei von Kleber bleiben. In der Praxis haben sich Epoxidharze im teilvernetzten
Zustand, dem sogenannten B-Zustand, aufgrund ihrer günstigen Wicklungseigenschaften,
Viskosität und der kürzeren Aushärtezeiten bewährt.
[0014] In der Fig. 2 sind die Lackdrahtleiter 1 mit Klebeharz 2 sowohl an den Berührungslängsflächen
als auch an den Außenlängsflächen beschichtet. Über diesen Verbund wird die Papierisolation
3 gewickelt und ergibt somit einen zwar geringfügig stärkeren, jedoch kompakteren,
Zwillingsleiter. Sinngemäß gilt dies auch für Mehrfachparallelleiter bestehend aus
drei, vier oder mehr Leitern.
[0015] Gemäß der Fig. 3 ist ein aus Einzelleiter 1 bestehender Drilleiter mit der partiellen
Beschichtung 2 versehen. Dieser Drilleiter kann entweder mit einer Papierisolation
oder einem Halteband versehen sein. Dieses Halteband ist gegebenenfalls ein großmaschiges
Netz. Der Drilleiter muß aber nicht unbedingt mit einer Isolation umgeben sein. Durch
die Verröbelung der Einzelleiter 1 hält sich das Leiterbündel praktisch selbst.
[0016] Wesentlich ist, daß die gegenseitigen Längsberührungsflächen der Einzelleiter 1 mit
dem Klebemittel 2 versehen sind. Nach dem Aushärten weist das Leiterbündel eine sehr
hohe mechanische Festigkeit auf und die elektrischen Kriterien sind gewährleistet.
1. Mehrfachparallelleiter für Wicklungen elektrischer Maschinen und Geräte, insbesondere
Zwillingsleiter und Drilleiter, bestehend aus zumindest zwei Einzelleitern (1) mit
im wesentlichen rechteckigem Leiterquerschnitt, wobei:
a) jeder Einzelleiter (1) lackisoliert ist,
b) mindestens eine der gegenseitigen Berührungslängsflächen der Flachseiten der Einzelleiter
(1) mit einem vernetzungsfähigen Klebemittel (2) beschichtet ist, und
c) das Leiterbündel vorzugsweise mit einer Papierisolation (3) oder einem Halteband
umgeben ist,
dadurch gekennzeichnet, daß
d) die Kantenbereiche und Schmalseiten der Einzelleiter (1) frei von Klebemittel sind.
2. Mehrfachparallelleiter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Klebemittel (2) auf maximal 95%, insbesondere auf 80% der Längsfläche, aufgetragen
ist.
3. Mehrfachparallelleiter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Klebemittel (2) ein teilvernetztes Reaktionsharz, vorzugsweise ein Epoxidharz
ist.
4. Mehrfachparallelleiter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Klebemittel (2) ein anaerobisch vernetzendes Kunstharz ist.
1. Multiple parallel conductors for the windings of electrical machines and appliances,
in particular a twin conductor and a twisted conductor, consisting of at least two
individual conductors (1) with an essentially rectangular conductor cross-section,
wherein:
a) each individual conductor (1) is insulated with varnish,
b) at least one of the longitudinal mutual-contact faces of the flat sides of the
individual conductors (1) is coated with an adhesive (2) capable of cross-linking,
and
c) the bundle of conductors is preferably surrounded by a paper insulation (3) or
a holding tape,
characterised in that
d) the edge regions and narrow sides of the individual conductors (1) are free from
adhesive.
2. Multiple parallel conductor according to claim 1, characterised in that the adhesive (2) is applied to a maximum of 95%, and in particular to 80% of the
longitudinal face.
3. Multiple parallel conductor according to claim 1, characterised in that the adhesive (2) is a partially cross-linked reaction resin, preferably an epoxy
resin.
4. Multiple parallel conductor according to claim 1, characterised in that the adhesive (2) is an anaerobically cross-linking synthetic resin.
1. Conducteur parallèle multifilaire pour des enroulements de machines et d'appareils
électriques, en particulier conducteur à bifil et conducteur trifil, constitué d'au
moins deux conducteurs individuels (1) ayant une section transversale de conducteur
sensiblement rectangulaire, où :
c) chaque conducteur individuel (1) est isolé par un vernis,
b) au moins l'une des surfaces longitudinales de contact mutuel des côtés plats des
conducteurs individuels (1) est enduite d'un adhésif (2) réticulable, et
c) le faisceau de conducteur est de préférence entouré d'une isolation en papier (3)
ou d'une bande de maintien,
caractérisé en ce que
d) les zones d'arêtes et les côtés étroits des conducteurs individuels (1) sont exempts
d'adhésif.
2. Conducteur parallèle multifilaire selon la revendication 1, caractérisé en ce que
l'adhésif (2) est appliqué sur au maximum 95 %, en particulier sur 80 % de la surface
longitudinale.
3. Conducteur parallèle multifilaire selon la revendication 1, caractérisé en ce que
l'adhésif (2) est une résine réactive partiellement réticulée, de préférence une résine
époxy.
4. Conducteur parallèle multifilaire selon la revendication 1, caractérisé en ce que
l'adhésif (2) est une résine synthétique réticulant de façon anaérobique.