Stand der Technik
[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Radaufhängung gemäß der DE 44 26 337 C, welche
die Radaufhängung eines vorzugsweise vierrädrigen Rollbretts beschreibt, das durch
Gewichtsverlagerung bzw. durch Neigung der Standfläche zur kurveninneren Seite gelenkt
wird. Im Gegensatz zu vorbekannten Rollbrettern (Skateboards, Strandsurfer o.ä.),
die üblicherweise an Starrachsen aufgehängt sind, sieht die Stammanmeldung eine sogenannte
Verbundlenker-Radaufhängung vor, die in Verbindung mit einer Federung gegenüber den
Starrachs-Radaufhängungen für überlegene Fahreigenschaften sowohl auf der Straße als
auch im Gelände sorgt.
[0002] Die in dem genannten Patent beschriebene Verbundlenkerachse geht aus der aus dem
Kraftfahrzeugbau bekannten Längslenker-Einzelradaufhängung hervor, bei der die Lenker
im wesentlichen in Fahrzeug-Längsrichtung angeordnet und um eine Querachse drehbar
am Fahrzeug-Aufbau gelagert sind (Drehgelenk). Die Lenker sowie die an deren Ende
befestigten Räder drehen sich beim Ein- und Ausfedern auf einer Kreisbahn um diese
Querachse und behalten hierbei stets ihren Augangs-Radsturzwinkel relativ zum Aufbau
bei. Während der Geradeausfahrt bleibt daher auch der Sturzwinkel der Räder relativ
zur Fahrbahn konstant, bei Kurvenfahrten führt jedoch bei Kraftfahrzeugen diese Eigenschaft
zu dem Nachteil, daß sich der Aufbau und damit auch die Räder nach kurvenaußen neigen
und die Räder dadurch mit zunehmender Querbeschleunigung (also mit zunehmend positivem
Radsturz) an Seitenführungskraft verlieren. Für Rollbretter, deren Aufbau bzw. Standfläche
zum Lenken nach kurveninnen geneigt wird, kehrt sich dagegen dieser Nachteil in einen
Vorteil um, da sich hier die Räder - ähnlich wie bei einem Motorrad - mit nach innen
neigen. Wie in der Stammanmeldung ausführlich beschrieben, sorgt dieses Sturzverhalten
im Vergleich zu den Starrachs-Radaufhängungen, deren Radsturz relativ zur Fahrbahn
stets konstant ist, zu einer Erhöhung der Seitenführungskräfte und somit zu verbesserten
Kurvenfahreigenschaften (höhere Kurvengrenzgeschwindigkeiten) bzw. verbesserter Fahrsicherheit
(größere Seitenkraftreserven).
[0003] Eine reine Längslenker-Einzelradaufhängung ist allerdings für Rollbretter ungeeignet,
da die Lenker beim Ein- und Ausfedern nicht nur ihren Sturz- sondern auch ihren Lenkwinkel
relativ zum Aufbau konstant beibehalten. Damit zur Einleitung einer Kurvenfahrt die
Seitenneigung des Aufbaus bzw. der Standfläche automatisch in einen Lenkwinkel umgesetzt
wird, ist zwischen den gegenüberliegenden Längslenkern einer Achse ein kinematischer
Querverbund erforderlich, der einen Lenkwinkel erzeugt, sobald die Lenker gegensinnig
zueinander ein- und ausfedern (Indiz für Kurvenfahrt). In der Stammanmeldung sind
hierzu die Längslenker in der Nähe ihres Drehgelenks jeweils mit einem Hebelarm versehen,
der in etwa senkrecht zur Längsachse des Lenkers steht und an seinem Ende ein Verbindungselement
zum jeweils gegenüberliegenden Lenker trägt. Beim synchronen (gleichsinnigen) Ein-
und Ausfedern der Längslenker, wie es beim Überfahren von Bodenwellen auftritt, werden
die Hebelarme und die Verbindungselemente auf beiden Fahrzeugseiten um denselben Betrag
nach vorne oder hinten bewegt, wodurch die Lenker in Geradeausstellung verbleiben.
Bei Kurvenfahrten dagegen, wenn die Lenker asynchron (gegensinnig) ein- und ausfedern,
werden die Hebel auf der einen Seite in Fahrtrichtung und auf der anderen Seite entgegen
der Fahrtrichtung ausgelenkt, wodurch - in der Draufsicht auf das Fahrzeug - jeder
Lenker durch das Verbindungselement des gegenüberliegenden Lenkers um einen bestimmten
Lenkwinkel verdreht wird, der in etwa proportional zur Federwegdifferenz der beiden
Längslenker ist. Um den Längslenkern einen solchen Lenkeinschlag zu ermöglichen, müssen
die Drehgelenke durch Kardan- oder Kugelgelenke ersetzt werden. Diese Gelenke weisen
im Gegensatz zum Drehgelenk mehrere Rotationsfreiheitsgrade auf und räumen damit auch
den Längslenkern - neben der Drehbewegung um die Querachse - relativ zum Aufbau einen
zweiten Rotationsfreiheitsgrad ein: Die Drehung um eine in etwa vertikale Drehachse
(Lenkachse). Durch den kinematischen Querverbund wird dieser zweite Freiheitsgrad
jedoch wieder aufgehoben, d.h. der Lenkeinschlag der Räder steht in einer festen Zuordnung
zum Neigungswinkel des Aufbaus bzw. der Standfläche.
[0004] Diese Zuordnung wird im wesentlichen von der Position der Verbindungselemente bestimmt.
Von Bedeutung sind hier insbesondere die Hebellänge (der vertikale Abstand zwischen
den Verbindungselementen und der kardanischen Anlenkung der Längslenker am Aufbau)
die Länge des Querverbunds (der horizontale Abstand der beiden gegenüberliegenden
Hebelarme voneinander) sowie die Lenkerlänge (Abstand der Räder von der kardanischen
Anlenkung): Je länger die Hebelarme im Verhältnis zur Lenkerlänge einerseits sowie
zur Länge des Querverbunds andererseits ausgeführt sind, desto größer wird der Lenkeinschlag.
Da sich die Hebelarme vornehmlich in vertikaler Richtung erstrecken, führt dies insbesondere
bei kleinen und wendigen Rollbrettern (z.B. Skateboards), mit denen sehr enge Kurvenradien
gefahren werden sollen, zu dem Nachteil einer relativ großen vertikalen Bauhöhe, die
keine besonders niedrige Standposition zuläßt.
Ziel der Erfindung
[0005] Hauptaufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, für sehr wendige Rollbretter
die Radaufhängung unter Beibehaltung der wesentlichen kinematischen Eigenschaften
derart weiter zu verbessern, daß sie eine niedrigere Bauhöhe des Rollbretts und eine
extrem niedrige Standposition erlaubt.
[0006] Dieses Ziel wird dadurch erreicht, daß die i.a. vertikalen Hebel aus der DE 44 26
337 C (dort z.B. 15, 35, 55), die jeweils starr an ihren Längslenkern befestigt oder
in diesen inte-griert sind und die meist die Bauhöhe der einzelnen Ausführungsbeispiele
bestimmen, durch je 2 Hilfslenker ersetzt werden. Die Längslenker sind dadurch nicht
mehr direkt, sondern über diese Hilfslenker mit dem Aufbau bzw. der Standfläche verbunden.
(Als Aufbau werden im folgenden diejenigen Trägerteile bezeichnet, die das Standbrett
tragen und an denen die Hilfslenker gelagert sind). In der Seitenansicht drehen sich
die Längslenker deshalb nicht mehr um einen körperfesten Drehpol - in der Stammanmeldung
das kardanisch bewegliche Gelenk, z.B. 6, 46, 66 - relativ zum Aufbau, sondern jeweils
um einen virtuellen Drehpol, den sogenannten Momentanpol, dessen momentane Lage im
Raum von der Anordnung der Hilfslenker oder -gelenke bestimmt wird. (Der Momentanpol
bewegt sich auf der sog. Polbahn; er ändert seine Lage deswegen, weil sich beim Ein-
und Ausfedern neben den Längslenkern auch die Hilfslenker bewegen). Der Vorteil dieser
Konstruktion gegenüber der Stammanmeldung besteht darin, daß der Momentanpol als virtueller
Drehpol ohne Rücksicht auf die realen Bauteile beliebig tief oder hoch im Raum angeordnet
werden kann, so daß sich auch bei eingeschränkter Bauhöhe sehr enge Kurvenradien realisieren
lassen. In den folgen-den Ausführungsbeispielen wird dieser Effekt näher erläutert.
[0007] In der ebenen Getriebelehre wird eine solche Anordnung der Gelenke als Viergelenkkette
bezeichnet, da die Anbindung der Längslenker an den Aufbau über 4 Gelenke erfolgt,
die entweder Dreh- oder Schubgelenke oder eine Kombination aus beiden sein können:
- 4 Drehgelenke
Eine solche Viergelenkkette liegt vor, wenn der Längslenker über 2 Hilfslenker mit
dem Aufbau verbunden ist, von denen jeder mittels eines Drehgelenks einerseits am
Aufbau und andererseits am Längslenker befestigt ist. Beim Ein- und Ausfedern drehen
sich jeweils die Hilfslenker um den Aufbau, der Längslenker dagegen um den Momentanpol,
der sich als Schnittpunkt der Hilfslenker-Wirkungslinien ergibt. Siehe Ausführungsbeispiele
1 und 2 (Fig. 1-7).
- 3 Drehgelenke und 1 Schubgelenk
Wird ein aufbauseitiges Drehgelenk durch eine Geradführung (Translation statt Rotation)
ersetzt, liegt ein sog. Geradschubkurbeltrieb (z.B. Pleuel und Kolben) vor; wird dagegen
ein längslenkerseitiges Drehgelenk durch ein Schubgelenk ersetzt, resultiert hieraus
eine sog. Kurbelschleife. In beiden Fällen ergibt sich der Momentanpol als Schnittpunkt
der Wirkungslinie des verbliebenen Hilfslenkers mit der Senkrechten auf die Geradführung.
Siehe Ausführungsbeispiele 3 und 4 (Fig. 8).
- 2 Drehgelenke und 2 Schubgelenke
Je nachdem, welches der übrigen Drehgelenke durch ein Schubgelenk ersetzt wird, erhält
man 4 weitere Gelenkkettenvarianten (u.a. doppelte Kurbelschleife), auf die an dieser
Stelle nicht näher eingegangen wird.
[0008] Dieser kurze Überblick zeigt bereits verschiedene Ausführungsmöglichkeiten der Viergelenkkette,
aus denen durch geschickte kinematische Abwandlungen zahlreiche Variationen für die
unterschiedlichsten Verwendungszwecke erzeugt werden können. Die Viergelenkkette erlaubt
also eine wesentlich größere geometrische Flexibilität als die Radaufhängung der Stammanmeldung,
bringt wegen der höheren Anzahl an Gelenken zunächst allerdings den Nachteil eines
höheren Bauteileaufwands mit sich. Wie einige der nachfolgenden Ausfüh-rungsbeispiele
zeigen, läßt sich dieser Aufwand jedoch u.a. durch Doppelverwendung von Gelenken oder
durch Weglassen von Funktionen (z.B. Verzicht auf die Federung dort, wo sie nicht
benötigt wird oder stören würde) erheblich reduzieren.
[0009] Zum besseren Verständnis wurde hier die Viergelenkkette in ihrer ebenen Ausführungsform
erläutert; für die Anwendung als Radaufhängung für lenkbare Fahrzeuge können jedoch
aus folgendem Grund nur räumliche Viergelenkketten eingesetzt werden: Um Lenkbewegungen
zu ermöglichen, müssen sich die Längslenker in der Draufsicht nach links und rechts
aus der Ebene herausdrehen können, während der Aufbau in der ursprünglichen Ebene
verbleibt. Wie auch in der Stammanmeldung benötigen die Längslenker einen zusätzlichen
Freiheitsgrad für die Lenkung. Da reine Drehgelenke (mit nur einem Rotationsfreiheitsgrad)
und reine Schubgelenke (mit nur einem Translationsfreiheitsgrad) dies jedoch nicht
zulassen würden, müssen in jeder Kette mindestens 2, maximal 3 der Drehgelenke durch
Kardangelenke (2 Rotationsfreiheitsgrade) oder Kugelgelenke (3 Rotationsfreiheitsgrade)
ersetzt werden; ähnliches gilt für die Schubgelenke. Mindestens eines der Gelenke
muß als Drehgelenk verbleiben, da sonst die Radaufhängung relativ zum Aufbau einen
Freiheitsgrad zu viel aufweisen würde und z.B. bei Einwirkung von Seitenkräften seitlich
wegklappen könnte. Die "kardanisch bewegliche" Aufhängung der Längslenker, die gemäß
dem Hauptanspruch ein kennzeichnendes Merkmal der vorliegenden Erfindung wie auch
der Stammanmeldung ist, bedeutet also, daß sich die Längslenker im wesentlichen um
eine in etwa querhorizontale Achse (zum Ein- und Ausfedern) und um eine in etwa vertikale
Achse (zum Lenken), aber nicht um ihre eigene (in etwa längshorizontale) Achse drehen.
[0010] Als Alternative zu solchen Drehgelenken kann der überflüssige Freiheitsgrad allerdings
auch durch einen dritten kugelgelenkgelagerten Hilfslenker aufgehoben werden, der
die Radaufhängung seitlich abstützt und die Seitenkräfte auf den Aufbau überträgt
(z.B. Fig. 14-16). Damit erhöht sich zwar der konstruktive Aufwand, nicht notwendigerweise
aber auch die Kosten, da Kugelgelenke i.a. kostengünstiger als reine Dreh- oder Schubgelenke
sind. Sie werden in hohen Stückzahlen gefertigt und stehen in den unterschiedlichsten
Ausführungen als Standardteile zur Verfügung, z.B. als Kugelgelenk oder Winkelgelenk,
bei denen eine Kugel in einer Kugelpfanne gleitet (meist dauergeschmiert und mit Manschetten
abgedicht), oder als Elastomergelenke, wo die zu verbindenden Teile in einem elastomeren
Werkstoffe gelagert sind und sich durch Verformung dieses Werkstoffes relativ zueinander
bewegen können. In den nachfolgenden Ausführungsbeispielen werden i.a. Kugelgelenke
eingesetzt, doch könnten stattdessen stets auch andere kardanische Gelenke verwendet,
ohne die Funktion zu beeinträchtigen. Bei Verwendung von Elastomergelenken ist allerdings
zu beachten, daß bei zu weichem Werkstoff die Führung der Räder nicht mehr exakt ist
und bei zu hartem Werkstoff der Bewegung ein hoher Widerstand entgegengesetzt wird.
[0011] Im folgenden werden solche Viergelenkketten, die aus der ebenen Viergelenkkette abgeleitet
sind und bei denen zumindest in der Geradeausfahrt die Lenker sich um querhorizontale
Drehachsen bewegen, als "quasi-ebene" Viergelenkketten bezeichnet, um sie von den
"echten" räumlichen Viergelenkketten zu unterscheiden, bei denen sich die Hilfslenker
z.T. um vertikale oder schräge Achsen drehen.
[0012] Die wichtigsten kinematischen Merkmale der Erfindung gegenüber dem Stand der Technik
lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Die beiden Räder einer Achse sind nicht an einem gemeinsamen Achskörper (z.B. Starrachse),
sondern einzeln an separaten Radträgern, den Längslenkern, aufgehängt.
- Die Längslenker einer Achse sind durch einen kinematischen Querverbund derart miteinander
gekoppelt, daß sie bzw. die Räder bei synchronen Ein- und Ausfederbewegungen ihren
Lenk- und Sturzwinkel relativ zum Aufbau konstant beibehalten, bei asynchronen Ein-
und Ausfederbewegungen dagegen einen Lenkwinkel zur kurveninneren Seite einschlagen,
ohne dabei ihren Sturzwinkel relativ zum Aufbau zu verändern.
Neben diesen allgemeinen Merkmalen der Verbundlenker-Radaufhängungen für Rollbretter,
die auch für die Radaufhängung der DE 44 26 337 C gelten, kommen noch die spezifischen
Merkmale (auf Basis der Viergelenkkette) hinzu:
- Die Längslenker sind nicht direkt, sondern jeweils über mindestens 2 Hilfslenker gelenkig
mit dem Aufbau verbunden und drehen sich daher nicht um einen festen, sondern um einen
virtuellen Drehpol (Momentanpol) relativ zum Aufbau.
- Aus dieser Konstellation resultiert ein zweites Merkmal: Da die Hilfslenker über je
2 Gelenke verfügen, ist jeder Längslenker über mindestens 4 Gelenke mit dem Aufbau
verbunden (daher auch die Bezeichnung "Viergelenkkette"), wobei sich 2 dieser Gelenke
am Längslenker und die übrigen beiden am Aufbau bzw. Standbrett befinden.
Wie erwähnt, können diese Gelenke beliebige Funktionen erfüllen (Dreh-, Schub- oder
Kugelgelenke) und auch beliebig gestaltet sein (Kugel- oder Gleitlager, Elastomere-Gelenke,
Seilanbindungen o.ä.). Ebenso können einige Gelenke oder Lenker Doppelfunktionen aus-üben,
so daß z.B. eine Fahrzeugachse auch weniger als 8 Gelenke oder 4 Hilfslenker aufweisen
kann.
[0013] Die vielseitigen kinematischen und konstruktiven Eigenschaften der Viergelenkkette
lassen sich nicht nur zur Bauraumoptimierung nutzen, sie werden im folgenden u.a.
auch für die Optimierung des Fahrverhaltens herangezogen. Durch geschickte Anordnung
der Gelenke kann beispielsweise erreicht werden, daß sich der Aufbau bei Einleiten
einer Kurvenfahrt anhebt und am Ausgang der Kurve wieder absenkt, so daß das Standbrett
ausschließlich durch das Gewicht des Fahrers wieder in seine horizontale Geradeausstellung
zurückgestellt werden kann (sog. Gewichtsrückstellung; üblicherweise erfolgt bei Rollbrettern
die Lenkungsrückstel-lung durch spezielle Federelemente). Bei der Beschreibung von
Fig. 9 und 10 wird dieser äußerst vorteilhafte Effekt näher erläutert.
[0014] Ein zusätzliches Ziel der Erfindung ist die Übertragung der herausragenden Fahreigenschaften
der erfindungsgemäßen Radaufhängung auch auf Kufenfahrzeuge, wie sie z.B als Eissurfer
Verwendung finden. In der Zusatzanmeldung 196 02 447.1-15 zum DE-Patent 44 26 337
wird vorgeschlagen, die kinematischen Vorteile der Verbundlenkerachsen auch bei derartigen
Kufenfahrzeugen zu nutzen. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung soll darüber-hinaus
der wahlweise Einsatz von Kufen auch bei Verbundlenkerachsen auf Basis von Viergelenkketten
mit einbezogen werden.
Beschreibung der Beispiele
[0015] Es zeigen:
- Fig. 1
- Schematische Darstellung eines Rollbretts mit einer Radaufhängung auf Basis einer
quasi-ebenen Viergelenkkette in der Seitenansicht.
- Fig. 2:
- Draufsicht von Fig.1.
- Fig. 3:
- Seitenansicht einer bevorzugten und konstruktiv detailliert ausgeführten Radaufhängung
ebenfalls auf Basis einer quasi-ebenen Viergelenkkette bei Geradeausfahrt.
- Fig. 4:
- Draufsicht von Fig 3.
- Fig. 5:
- Seitenansicht der Radaufhängung aus Fig. 3 bei Kurvenfahrt.
- Fig. 6:
- Draufsicht von Fig 5.
- Fig. 7:
- Vorderansicht von Fig 5 und 6.
- Fig. 8:
- Schematische Darstellung eines Rollbretts mit zwei Varianten von Radaufhängungen auf
Basis von quasi-ebenen Viergelenkketten mit jeweils einem Schubgelenk; in der Seitenansicht.
- Fig. 9:
- Draufsicht auf das Rollbrett von Fig. 8, das hier allerdings an Vorder- und Hinterachse
gegenüber Fig. 8 funktionsähnliche, jedoch kinematisch unterschiedliche Radaufhängungen
jeweils auf Basis einer räumlichen Viergelenkkette aufweist.
- Fig. 10:
- Seitenansicht einer bevorzugten und konstruktiv detailliert ausgeführten Radaufhängung
auf Basis einer räumlichenviergelenkkette bei Kurvenfahrt.
- Fig. 11:
- Draufsicht von Fig 10.
- Fig. 12:
- Seitenansicht einer weiteren Variante einer Radaufhängung auf Basis einer räumlichenViergelenkkette
bei Geradeausfahrt.
- Fig. 13:
- Draufsicht von Fig 12.
- Fig. 14:
- Seitenansicht eines Rollbretts mit einer Rad- oder Kufenaufhängung auf Basis einer
quasi-ebenen Viergelenkkette mit jeweils 3 Hilfslenkern.
- Fig. 15:
- Draufsicht von Fig 14.
- Fig. 16:
- Ansicht von hinten der Vorderachs- Radaufhängung aus Fig. 14/15 in vergrößertem Maßstab.
- Fig. 17:
- Seitenansicht eines Fahrzeugs mit einer beliebigen erfindungsgemäßen Verbundlenker-Radaufhängung
an der Vorderachse und einer einspurigen Hinterachse.
- Fig. 18:
- Draufsicht von Fig 17.
- Fig. 19:
- Draufsicht eines Fahrzeugs mit einer beliebigen erfindungsgemäßen Verbundlenker-Radaufhängung
an der Hinterachse und einer einspurigen Vorderachse.
- Fig. 20:
- Draufsicht eines Fahrzeugs mit zwei beliebigen erfindungsgemäßen Verbundlenker-Radaufhängungenan
in Kombination mit einer zweigeteilten Standfläche.
[0016] Im ersten Ausführungsbeispiel (
Figur 1 und
2) ist die Ausgangsform der Viergelenkkette (mit vier Dreh- bzw. Kardan- oder Kugelgelenken)
realisiert. Hierbei sind die Längslenker
3, wie aus der Seitenansicht (Fig. 1) ersichtlich, über jeweils 2 Hilfslenker
1,
2 mit dem Aufbau
4 verbunden, der auf das Standbrett
11 aufgeschraubt ist und in diesem Beispiel aus einfachen Winkelprofilen besteht. An
der Vorderachse, links in Fig. 1, sind die Lenker in Normallage (Geradeausfahrt) dargestellt;
an der Hinterachse jeweils in einer Position, wie sie einer extremen Kurvenfahrt entspricht:
Der kurveninnere, linke Längslenker
3"' ist in voll eingefederter und der kurvenäußere, rechte Längslenker
3"" in voll ausgefederter Position gezeichnet. Da der Abstand zwischen den längslenkerseitigen
Drehgelenken
5,6 größer ist als der Abstand zwischen den aufbauseitigen Drehgelenken
7,
8, schließen die Wirkungslinien der beiden Hilfslenker
1,
2 einen Winkel a ein und schneiden sich im Momentanpol M, um den sich der Längslenker
3 momentan dreht. An der Hinterachse schneiden sich die Wirkungslinien kurveninnen
im (eingefederten) Momentanpol Me und kurvenaußen im (ausgefederten) Pol Ma. Während
des Ein- und Ausfedervorgangs bewegen sich die Momentanpole auf der Polbahn P.
[0017] Wie oben erwähnt, muß ein Teil der Drehgelenke als Kardan- oder Kugelgelenk ausgeführt
werden, um in der Draufsicht (Fig. 2) eine Lenkbewegung der Längslenker um den Winkel
λ zu ermöglichen. Im vorliegenden Beispiel sind dies die Gelenke
5,
7,
8, während das Gelenk
6 als Drehgelenk verbleibt, um die vom Rad
10 eingeleiteten und über den Längslenker
3 übertragenen Torsionskräfte abstützen zu können. (Ohne ein solches Drehgelenk in
der Viergelenkkette würde die seitlich Abstützung fehlen). Auf die konstruktive Ausführung
der Lenker und Gelenke sowie auf ihre Wirkungsweise wird hier nicht näher eingegangen;
sie sind größtenteils identisch mit den Bauteilen aus dem zweiten Ausführungsbeispiel
(Fig. 3-8) und werden dort ausführlicher behandelt.
[0018] Der kinematische Querverbund
9 ist hier als Drehgelenk ausgeführt: An den Längslenkern
3 sind links eine Welle
15' und rechts ein Rohr
15" eingepreßt, die sich konzentrisch umfassen und durch die Gleitbuchsen
16' und
16" ineinander gelagert sind. Diese lassen neben der Drehbewegung auch ein Verschiebebewegung
in axialer Richtung zu, die erforderlich ist, um bei Kurvenfahrt ein Verzwängung der
Längslenker zu vermeiden. Bei Geradeausfahrt bzw. bei allen Fahrzuständen, in denen
die beiden Längslenker einer Achse synchron ein- oder ausfedern, verdrehen sich die
Längslenker nicht relativ zueinander und die Verbindungselemente verbleiben stets
quer zur Fahrtrichtung, siehe Vorderachse. Bei asynchronen Ein- und Ausfederbewegungen
- wie an der Hinterachse dargestellt - führen die Längslenker eine Relativbewegung
zueinander aus und drehen sich gleichzeitig um ihren jeweiligen Momentanpol relativ
zum Aufbau. Da infolge dieser Drehbewegung der linke hintere Längslenker
9"' nach vorne und der rechte
9"" nach hinten verschoben wird, verdrehen sich in der Draufsicht beide Längslenker (da
sie über den Querverbund
9 biegesteif miteinander gekoppelt sind) um den Lenkwinkel λ und lenken das Rollbrett
in die Kurve.
[0019] Der Lenkwinkel λ ist umso größer, je weiter die Verbindungselement
9 in vertikaler Richtung vom jeweiligen Momentanpol entfernt sind, um den sich der
zugehörige Längslenker dreht (und umso geringer, je länger die Längslenker sind und
je länger der Querverbund ist). Der vertikale Abstand zum Momentanpol läßt sich über
den Winkel α der beiden Hilfslenker zueinander beliebig variieren, in vorliegendem
Ausführungsbeispiel liegt er weit unterhalb des Standbretts (sogar unter der Fahrbahn),
obwohl alle Lenker oberhalb angeordnet sind. Dies verdeutlicht den kinematisch Vorteil
gegenüber der Stammanmeldung.
[0020] Falls sich der Querverbund, wie in Fig. 1 links in der Ausgangslage realisiert, in
vertikaler Richtung genau über dem Momentanpol befindet, bleiben die Verbindungselemente
9 zweier benachbarter Längslenker beim Ein- und Ausfedern stets in gleicher Höhe und
der Querver-bund verbleibt - auch beim Lenken - in horizontaler Lage. Damit behalten
die Räder auch ihren Sturzwinkel relativ zum Aufbau bzw. zur Standfläche bei. Würde
der Querverbund jedoch bei unveränderter Position des Momentanpols weiter vorne oder
hinten positioniert werden (z.B. an der Hinterachse nach hinten in Richtung der Räder),
macht er beim asynchronen Ein- und Ausfedern die gegenläufige Höhenänderungen der
Längslenker mit (die umso stärker ausfallen, je näher der Querverbund zu den Rädern
rückt) und wandert somit aus seiner horizontalen Lage aus; d.h. in der Vorder- oder
Rückansicht werden die Längslenker und damit auch die Räder entsprechend aus ihrer
quer-horizontalen Position herausgedreht und ändern ihren Sturzwinkel relativ zum
Aufbau. Je weiter der Querverbund in Richtung der Räder verschoben wird, desto mehr
verliert sich dabei der "Kurvenleger-Effekt" (die Räder neigen sich also nicht mehr
so stark wie das Standbrett in die Kurve). Im Extremfall, wenn sich der Querverbund
genau zwischen den Rädern befindet, bleibt der Sturz relativ zur Fahrbahn konstant
wie bei der Starrachse. Wird der Querverbund dagegen in die andere Richtung verlegt,
also von den Rädern weg, ergibt sich der gegenteilige Effekt, d.h. die Räder neigen
sich noch weiter nach kurveninnen wie das Standbrett. Ähnliche kinematische Variationsmöglichkeiten
lassen sich anwenden, wenn die Hilfslenker, wie im zweiten Ausführungsbeispiel, unterschiedlich
lang gewählt werden.
[0021] Neben dem Lenk-Freiheitsgrad verfügt die Radaufhängung noch über einen zweiten Freiheitsgrad,
der für die Federung genutzt wird. Die Federung hat im wesentlichen die Aufgabe, zum
Abfedern von Fahrbahnubenheiten eine Relativbewegung zwischen Aufbau und Fahrbahn
(die ihrerseits durch die Relativbewegungen der Lenker gegenüber dem Aufbau ermöglicht
wird) zuzulassen und anschließend den Aufbau möglichst schnell wieder (d.h. ohne störendes
Nachschwingen, was ein gute Dämpfung voraussetzt) in seine Normallage zurückzustellen.
Neben dieser Aufgabe, die als sog. Hubfederung bezeichnet wird, kann sie auch noch
die Geradeausstellung bzw. des Aufbaus in die waagerechte Ausgangslage. (Als Wanken
wird im Kraftfahrzeugbau die Seitenneigung des Aufbaus bei Kurvenfahrt bezeichnet).
Die Lenkungsrückstellung kann entweder über separate Federungselemente erfolgen, oder
- wie z.B. in Fig. 1 - von der Hubfederung mit übernommen werden. Hier sind vier Zugfedern
12 als Feder-elemente gewählt, die oben an den Längslenkern und unten am Standbrett
in den Federelement-Haltern
13,
14 eingehängt sind und an denen das Standbrett "hängend" gelagert ist. Die Federn werden
bei jeder Ein- und Ausfederbewegung ihres Längslenkers ausgelenkt uns sind damit sowohl
bei Lenkals auch Federungsbewegungen wirksam (Wank- und Hubfederung).
[0022] Die Positionierung der Lenker oberhalb des Standbretts erlaubt eine extrem tiefe
, Surfbrettähnliche Standposition und eignet sich daher insbesondere für längere Rollbretter,
z.B. Strandsurfer, bei denen die Lenker vor und hinter dem eigentlichen Standbereich
angeordnet werden können. Dementsprechend ist das Rollbrett aus Fig. 1 auch mit Fußschlaufen
17 und einem sog. Mastfuß
18 ausgestattet, mit dem sich ein Surfsegel-Rigg
20 (von dem in Fig. 1 nur der untere Teil des Masts strichpunktiert dargestellt ist)
am Standbrett befestigen läßt. Damit das Rigg zur Steuerung und Dosierung der Windkraft
nach allen Seiten geneigt werden kann, ist es über ein Kardangelenk
19 (üblicherweise ein Gummi-Kerblager) mit dem Mastfuß verbunden. Da es sich hierbei
um handelsübliche Standardteile handelt, sind hier nicht näher ausgeführt.
[0023] Hinweis zu den Bezugszeichen: Die Bezugszeichen ohne Indizes, z.B. 3 für die Längslenker,
gelten allgemein für alle 4 Längslenker eines Rollbretts. Falls ein spezieller Längslenker
beschrieben werden soll, erhält er einen Index nach folgendem Schema: 3' für vorne
links, 3" für vorne rechts, 3'" für hinten links und 3"" für hinten rechts. Zur Erleichterung
der Suche in den Bildern erhalten zudem Teile mit gleicher Bezeichnung in den verschiedenen
Beispielen ähnliche Bezugszeichen; z.B. für Längslenker 3, 23, 43, 63, 83 usw. In
einigen Bildern, z.B. an der Hinterachse von Fig. 1, werden neben diesen oberen auch
einige unten angebrachten Indizes "e", "a" oder "NL" verwendet. Sie stehen für "eingefedert",
"ausgefedert" bzw. "Normallage".
[0024] Im zweiten Ausführungsbeispiel (
Fig. 3-7) ist in detaillierter Ausführung eine ähnliche (quasi-ebene) Viergelenkkette dargestellt,
bei der jedoch im Gegensatz zu Fig. 1 die Federkräfte nicht über zwei Zugfedern pro
Achse, sondern über je eine zentrale Druckfeder (32) am Aufbau bzw. Standbrett abgestützt
werden, und die Lenker nicht oberhalb, sondern unterhalb des Standbretts angeordnet
sind. Daher ist umgekehrt zu Fig. 1 der "erste" (dem Rad zugewandte) Hilfslenker
21 stets auf Druck und der "zweite" Hilfslenker
22 stets auf Zug belastet. Zudem ist - um auch hier eine tiefe Lage des Momentanpols
M zu realisieren - der Abstand zwischen den längslenkerseitigen Gelenken
25,
26 geringer als der Abstand zwischen den aufbauseitigen Gelenken
27,
28. Wie in Fig. 1 ist das "zweite" längslenkerseitige Gelenk (
26) als Drehgelenk ausgeführt, während für die übrigen 3 Gelenke handelsübliche Kugelgelenke
gewählt wurden. Hierbei sind die beiden Gelenke
25,
27 des ersten Hilfslenkers
21 reine Kugelgelenke (die Stahl-Kugelköpfe drehen sich in Kunststoff-Kugelpfannen,
die durch elastische Manschetten abgedichtet und in Stahl-Gehäusen gelagert sind);
das kardanische Gelenk
28 des zweiten Hilfslenkers ist dagegen als Winkelgelenk dargestellt (Drehgelenk mit
kugelförmiger Gleitfläche; erlaubt keine so großen Winkelausschläge wie reine Kugelgelenke).
Das Winkelgelenk 28 ist im Hilfslenker 22 verschraubt und durch die Konterschraube
39 gesichert.
[0025] In Gegensatz zu Fig.1 bildet das Drehgelenk
26 zur Reduzierung des Bauteileaufwands eine Baueinheit mit der Lagerung des Verbindungselements
29, über das der kinematische Querverbund zum gegenüberliegenden Längslenker erfolgt.
Das Verbindungselement
29 ist hier als separates Rohr ausgeführt, das die in die Aluminiumguß-Längslenker
23',
23" einge-preßten Rohrstücke
35',
35" konzentrisch umfaßt und durch die Gleitbuchsen
36 an diesen abgestützt ist. (Als Gleitbuchsen können z.B. handelsübliche Teflon-Lager
verwendet werden, die kein Schmiermittel benötigen). Die Rohrstücke
35',
35" umfassen ihrerseits wieder über Gleitbuchsen (37) die Wellen
38',
38" der Drehgelenke
26. Die Wellen
38 sind in die "zweiten" Hilfslenker
22 eingepreßt und über diese mit dem Winkelgelenk
28 verbunden. Dieses "doppelte" Drehgelenk ermöglicht damit sowohl eine Drehung der
Längslenker
23 relativ zu ihren Hilfslenkern
21,
22 als auch eine Drehung der Längslenker relativ zueinander bzw. zum Verbindungselement
29. Die Buchsenpaare
36,
37 sind jeweils in großem Abstand zueinander montiert, um eine möglichst breite Abstützbasis
der Kräfte und Momente zu erhalten, die von den Rädern in die Längslenker eingeleitet
werden. Die Momente werden über das Verbindungselement
29, die Hilfslenker
22',
22" und die Winkelgelenke
28',
28" an der jeweils gegenüberliegenden Fahrzeugseite abgestützt, und die Kräfte ebenfalls
über des Verbindungselement
29 in das Federelement
32 eingeleitet und von dort über den Federungshalter
34 am Standbrett
31 abgestützt.
[0026] Das Verbindungselement
29 erfüllt neben seiner kinematischen Funktion (als Träger des kinematischen Querverbunds)
damit zusätzlich die Funktion eines Kraftübertragungsglieds für die Fahrzeugfederung.
Das Federübersetzungsverhältnis i wird durch das Verhältnis der virtuellen Hebellänge
(Abstand zischen Verbindungselement
29 und virtuellem Drehpol M) zur Lenker-länge (Abstand zwischen Rad
30 und Drehpol M) bestimmt. Als Federelement
32 dient in Fig. 3, 4 ein Block aus geschäumten Polyurethan (PUR), das im Kraftfahrzeugbau
u.a. als Werk-stoff für Zusatzfedern eingesetzt wird, sehr strapazierfähig ist und
darüberhinaus sehr gute Dämpfungseigenschaften aufweist. Das Element
32 ist derart geformt, daß es neben der Hubfederung (Dämpfung von Fahrbahnstößen und
Rückstellung des Standbretts in seine Normallage nach Schwingungsvorgängen) auch die
Wankfederung bzw. die Lenkungsrückstellung übernimmt ( Rückstellung der Lenker in
die Geradeausposition mit gleichzeitiger Rück-stellung des Standbretts in die waagerechte
Ausgangslage). Das Verhältnis der Hubfederrate zur Wankfederrate kann sowohl über
das Breiten/Längen-Verhältnis des Federelements als auch über die Kontur der Anlagefäche
an das Verbindungselement
29 beinflußt werden. Die in diesem Beispiel gewählte und in Fig. 6 gestrichelt eingezeichnete,
in der Mitte spitz zulaufende Ausgangskontur hat folgende Vorteile:
- Bei Geradeausfahrt, in der das Verbindungselement beim Ein- und Ausfedern stets quer
zur Fahrtrichtung verbleibt (wie in Fig. 4 dargestellt), nimmt die Anlagefläche an
das Verbindungsrohr 29 mit zunehmender Einfederung progressiv zu (d.h. im ausgefederten Zustand liegt das
Federelement nur mit seiner Spitze am Rohr an, im eingefederten Zustand dagegen in
voller Breite), so daß sich eine progressive Hubfederrate ergibt: Sie ist komfortabel
um die Normallage und wird zunehmend härter beim Einfedern, so daß ein Durchschlagen
beim Überfahren steiler Hindernisse vermieden wird. (Dieser voll eingefederte Fahrzustand
bei Geradeausfahrt ist in Fig. 3 strichpunktiert eingezeichnet. Hierbei reduziert
sich die Bodenfreiheit um den Betrag zwischen der Bodenfreiheitslinie B bei Normallage
und Be im eingefederten Zustand).
- Bei der in den Figuren 5-7 dargestellten Kurvenfahrt, in der das Verbindungselement
um den Lenkwinkel λ schräg zur Fahrtrichtung ausgelenkt ist, nimmt die Anlagefläche
mit zunehmendem Lenkwinkel ebenfalls progressiv zu, so daß sich auch eine progressive
Wankfederrate ergibt; d.h. leichtgängiges Lenken um die Mittellage herum und gute
Wankabstützung in den Endlagen. Letztere sorgt für ein gut kontrollierbares Lenkverhalten,
indem sie das bei vielen Rollbrettern zu beobachtende "Abkippen" der Standfläche nach
zu heftiger Gewichtsverlagerung verhindert.
[0027] Da neben den geometrischen Parametern zusätzlich auch die Werkstoffeigenschaften
des Federelements verändert werden können (z.B. über die Dichte des Schaums), ergeben
sich zahlreiche Variationsmöglichkeiten für die Feinabstimmung des Federungs- und
Dämpfungs-verhaltens.
[0028] Auch eine nachträgliche Änderung der Federungseigenschaften - z.B. Anpassung an unterschiedliche
Fahrergewichte oder Veränderung der Bodenfreiheit - läßt sich einfach durch Verschieben
der Federelementhalter
34 an der Standbrett-Unterseite durchführen: Entweder durch Versetzen der Verschraubungspunkte
in Längsrichtung oder durch einen stufenlosen Verstellmechanismus, wie er aus Fig.
6 und 7 ersichtlich ist: Der Halter
34 weist an seiner Anlagefäche zum Standbrett an beiden Seiten eine Verlängerung auf,
die in eine Ausnehmung des Aufbau-Rahmens
24 greift und beim Anschrauben des Aufbaus an die Standbrett-Unterseite mit eingeklemmt
wird. Zum Verstellen des Halters genügt es, die Befestigungs-schrauben zu lockern
und nach der Verstellung wieder anzuziehen. Um die Schraubverbin-dung durch häufiges
Verstellen nicht zu verschleißen, könnte der Halter - wie in der Ansicht
X dargestellt - durch eine separate Befestigungsschiene
40 fixiert werden, die auf den Aufbau
24 aufgeschraubt ist.
[0029] Ähnlich wie im ersten Beispiel (Fig. 1 und 2) befindet sich das Verbindungselement
29 in der Normallage in etwa senkrecht über dem virtuellen Drehpol M. Da in Fig. 4 jedoch
das Verbindungselement eine Baueinheit mit dem Drehlager
26 bildet, muß hierzu der zugehörige Hilfslenker
22 in Normallage in etwa senkrecht und der andere Hilfslenker
21 entsprechend schräger gestellt werden, um eine Position des Momentanpols M genau
unter der Querverbindung zu erhalten. Die unterschiedlichen Längen der Hilfslenker
21 und
22 haben zur Folge, daß das Drehgelenk
26 beim Ausfedern einen größeren Weg zurücklegt als beim Einfedern, so daß es sich relativ
zur Standfläche
31 kurvenaußen in einer höheren Position befindet (
26") als kurveninnen (
26') und somit das Verbindungselement
29 in der Vorderan-sicht (Fig. 7) etwas schräggestellt wird. Diese Schrägstellung um
den Winkel b führt dazu, daß sich der Sturzwinkel γ der Räder
30 relativ zur Fahrbahn um diesen Winkel β vergrößert, daß die Räder also etwas stärker
nach kurveninnen geneigt sind als die Standfläche
31. Der "Kurvenleger-Effekt" wird also verstärkt. Je nach den Anforderungen an das Fahrverhalten
kann dieser Effekt dadurch kompensiert oder auch weiter verstärkt werden, indem der
kinematische Querverbund in der Normallage nicht genau vertikal über dem Momentanpol
angeordnet wird, sondern etwas davor oder dahinter.
[0030] Anzumerken ist noch, daß das Verbindungselement
29 etwas Axial-Spiel zwischen den Längslenkern
23' und
23" aufweist, um eine axiale Verschiebung der Längslenker (in Fahrzeug-Querrichtung)
zueinander zu ermöglichen. Die Längslenker sind in Querrichtung über ihre Drehgelenke
26' bzw
26" und Hilfslenker
22' bzw.
22" am Aufbau fixiert und führen deshalb beim asynchronen Ein- und Ausfedern nicht nur
eine Drehbewegung relativ zueinander aus, sondern auch eine leichte Verschiebebewegung.
Da das Verbindungsrohr zudem auch drehbar gegenüber den Längslenkern (bzw. ihren Rohrstücken
35',
35") gelagert ist, würde es ohne das Federelement
32, an dem es stets anliegt und über Reibschluß fixiert ist, eine undefinierte Lage
einnehmen.
[0031] In
Fig. 8 sind zwei Ausführungsbeispiele einer Viergelenkkette mit jeweils drei Dreh- und einem
Schubgelenk dargestellt: An der Vorderachse, links im Bild, als Schubkurbeltrieb (mit
dem aufbauseitigen Gelenk
48' als Schubgelenk) und an der Hinterachse als Kurbelschleife (mit dem längslenkerseitigen
Gelenk
46"' als Schubgelenk).
[0032] Das Schubgelenk ist an der Vorderachse in Form einer (in der Seitenansicht leicht
gekrümmten) Schiene
48' realisiert, in der - ähnlich wie bei der Aufhängung einer Schiebetüre - ein kleines
Rad
42' abrollt, das mittels Drehgelenk
46' am Längslenker
43' gelagert ist und durch die Schiene geführt wird. Der "erste" Hilfslenker
41 mit seinen beiden Kugelgelenken
45 und
47 entspricht im Prinzip den Hilfslenkern 1 und 21 der vorangegangenen Beispiele, während
die Funktion des zweiten Hilfslenkers als Übertragungsglied zwischen Schubgelenk 48'
und Drehgelenk 46' hier vom Rädchen 42' übernommen wird. Statt der gekrümmten könnte
auch eine gerade Schiene eingesetzt werden (dann würde ein Geradschubkurbeltrieb vorliegen),
doch hat die hier gewählte gekrümmte Bahn die bei manchen Anwendungen vorteilhafte
Eigenschaft, daß sich der Momentanpol beim Ein- und Ausfedern (strichliert dargestellt)
weniger stark in vertikaler Richtung bewegt und somit für ein Federwegunabhängigeres
Fahrverhalten sorgt. Würde die Schiene in die andere Richtung, d.h. an ihren Enden
nach unten, gekrümmt werden, wäre die Polbahn dementsprechend steiler.
[0033] Der Schubkurbeltrieb weist im Vergleich zur Vier-Drehgelenk-Kette den Vorteil auf,
daß sich das Drehgelenk 46' auf einer (hier nahezu) horizontalen Bahn bewegt und damit
nur minimalen vertikalen Bauraum beansprucht. In der Konfiguration von Fig. 8 wird
dieser Bauraumvorteil voll ausgenutzt: Wie aus der strichpunktierten Darstellung hervorgeht,
ist der Hilfslenker 41' derart angeordnet, daß er sich bei voller Einfederung - dem
hinsichtlich Bodenfreiheit kritischsten Fahrzustand - nahezu an die Standbrettunterseite
anlegt. Sowohl das Kugelgelenk des Längslenkers
45e als auch sein Drehgelenk
46'e befinden sich hier in ihrer höchste vertikalen Stellung, also im größtmöglichen Abstand
zur Fahrbahn, so daß sich eine extrem niedrige Standbrett-Position realisieren läßt.
Daß sich der Hilfslenker beim Ausfedern vom Standbrett wegbewegt (
45a), spielt für die Bodenfreiheit keine Rolle.
[0034] Diesem räumlichen Vorteil steht allerdings ein kinematischer Nachteil gegenüber,
der bei engen Kurven in Erscheinung tritt, wenn der kurveninnere Hilfslenker voll
ein- und der äußere voll ausfedert. Der kurveninnere Hilfslenker (45'e) nähert sich
hier nämlich seiner Strecklage, in der die Polbahn P die (in etwa horizontale) Bahn
des Drehgelenks 46' schneiden und der (eingefederte) Momentanpol Me mit dem (eingefederten)
Gelenkpunkt
46'e zusammenfallen wird. Bereits in der strichpunktiert eingezeichneten Position - als
kurz vor der Strecklage - bewegt sich das Kugelgelenk 45'e nahezu senkrecht zur Bahn
des Drehgelenks 46', so daß eine weitere Einfederung des Längslenkers nahezu keine
Verschiebung des Drehgelenks 46' und damit auch keine Zunahme des Lenkwinkels bewirkt.
Der kurvenäußere Hilfslenker nimmt dagegen eine Lage ein (45'a), in der er - wie auch
der große vertikale Abstand des (ausgefederten) Momentanpols Ma von der Bahn des Drehgelenks
46' zeigt - eine sehr starke Schiebebewegung des Längslenkers in horizontaler Richtung
und damit eine starke Lenkwin-keländerung verursacht. Da über den kinematischen Querverbund
49 die Lenkwinkel des eingefederten und des ausgefederten Längslenkers miteinander verknüpft
sind, bedeutet dies im Umkehrschluß, daß mit zunehmendem Lenkwinkel das kurveninnere
Rad schneller einfedert als das kurvenäußere ausfedert, so daß sich der Aufbau bzw.
das Standbrett mit zunehmender Seitenneigung absenkt (degressive Wank-Kinematik).
Dieser negative kinematische Effekt läßt sich, wie die späteren Beispiele in Fig.
10 und 12 zeigen, ins Positive umdrehen, wenn die Hilfslenker derart angeordnet werden,
daß sie sich nicht beim Ein-, sondern beim Ausfedern ihrer Strecklage nähern (progressive
Wank-Kinematik. Dies verschlechtert i.a. jedoch wieder die Bodenfreiheit.
[0035] Im vorliegenden Anwendungsbeispiel fällt dieser Nachteil der degressiven Wank-Kinematik
allerdings nicht ins Gewicht, da er hier durch eine progressive Wank-Federrate kompensiert
wird. Zu diesem Zweck sind als Federelemente stark progressive Schraubenfedern
52 mit nicht-konstantem Windungsabstand eingesetzt. Wie in Fig. 8 angedeutet, ist der
Abstand zwischen den einzelnen Federwindungen unten gering und nimmt nach oben linear
zu. Beim Einfedern berühren sich zuerst die unteren Windungen, legen sich aneinander
an und tragen damit nicht mehr zur Federarbeit bei. Je mehr Windungen auf solche Weise
abgeschaltet werden, desto geringer wird die Zahl der verbleibenden federnden Windungen
und desto härter wird somit die Feder über dem Einfederweg (progressive Federrate).
Neben der Wank-federrate fällt damit auch die Hubfederrate progressiv aus, weil die
Federkräfte, ähnlich wie in Fig. 1, direkt von den Längslenkern zum Standbrett
51 übertragen werden. Da im Gegensatz zu Fig. 1 die Lenker unterhalb des Standbretts
ange-ordnet sind, werden die Schraubenfedern - wie auch die,,ersten" Hilfslenker 41
- stets auf Druck belastet und dementsprechend nicht wie Zugfedern an Längslenker
und Standbrett eingehängt, sondern durch die Federteller
53 und
54 geführt.
[0036] An der Hinterachse, rechts in Fig. 8, ist ein im Vergleich zur Vorderachse aufwendigeres,
dafür aber verschleiß- und korrosionsbeständigeres Schubgelenk in Form eines Teleskop-Stoßdämpfers
(ähnlich dem aus dem Kraftfahrzeugbau bekannten McPherson-Federbein) eingesetzt. Bei
dieser Geradführung gleitet eine Kolbenstange
42"' mit daran befestigtem Kolben
46"' in einem Hohlzylinder, der mit dem Längslenker
43"' eine Baueinheit bildet, und verdrängt beim Ein- uns Ausfedern eine Hydraulik-Flüssigkeit
(z.B. Stoßdämpferöl) von einer Zylinderkammer in die andere. Die verdrängte Hydraulikflüssigkeit
strömt dabei durch die Ventile
55 im Kolben und setzt der Kolbenbewegung einen Strömungs-Widerstand (infolge Flüssigkeitsreibung)
entgegen, welcher die Fahrzeug-Schwingungen dämpft und über die Einstellung der Ventile
beliebig variiert werden kann; z.B. über den Öffnungsquerschnitt der Ventile oder
über die Federvorspannung bei Einsatz federbelasteter Rückschlagventile. Mit solch
einem hydraulischen Schwingungsdämpfer lassen sich das Federungs- und Dämpfungsverhalten
optimal aufeinander abstimmen. Aus kinematischer Sicht übt die Kolbenstange 42"' hierbei
die Funktion des "zweiten" Hilfslenkers aus, der mittels des Kugelgelenks 48"' am
Aufbau 44"' gelagert ist. Sein längslenkerseitiges Gelenk ist das Schubgelenk, das
sich aus der Kolbenstange 42"', dem Kolben 46"' und dem Hohlzylinder zusammensetzt.
Der erste Hilfslenker
43"' mit seinen Kugelgelenken
45"' und
47"' sowie das Verbindungselement
49"' (das wie in Fig. 3-7 als Rohr ausgeführt ist, welches 2 zwei Wellen gleichen Durchmessers
konzentrisch umfasst) sind funktionsgleich mit den entsprechenden Komponenten der
Vorderachse. Die Kurbelschleife der Hinterachse weist daher ein ähnliches kinematisches
Verhalten auf wie der Schubkurbeltrieb der Vorderachse, jedoch mit einer wesentlich
steileren Polbahn; d.h. mit einer noch degressiveren Wank-Kinematik.
[0037] Fig. 9 zeigt die Radaufhängung aus Fig. 8 in der Draufsicht, wobei allerdings gegenüber
der Seitenansicht einige Funktionsteile variiert sind: An der Vorderachse, links im
Bild, ist anstelle des verschleißanfälligen Schubgelenks 48' ein funktionsäquivalentes
Drehgelenk
58' eingesetzt. Im Gegensatz zu den quasi-ebenen Viergelenkketten aus Fig.1-7, bei denen
alle Drehachsen quer-horizontal angeordnet sind, steht hier die Achse des Drehgelenks
58' in etwa senkrecht, und der zugehörige ("zweite") Hilfslenker
56' erstreckt sich in etwa quer zur Fahrtrichtung. Das längslenkerseitige Gelenk
57' des Hilfslenkers 56' bewegt sich daher in der Draufsicht auf einer Kreisbahn um das
Drehgelenk 58', beschreibt aber in der Seitenansicht eine in etwa horizontale Gerade,
so daß in der Projektion auf die Zeichenebene kinematisch eine Geradführung vorliegt.
Diese Variante verbindet also die praktischen Vorteile der Viergelenkkette (keine
verschleißanfälligen Geradführungs-Gelenke) mit den kinema-tischen Vorteilen des Schubkurbeltriebs
(geringer vertikaler Bauraumbedarf). Sie zählt zu den räumlichen Viergelenkketten,
da die Drehachsen der beiden Hilfslenker (41' und 56') nicht parallel zueinander angeordnet
sind.
[0038] Aus der Vorderachs-Radaufhängung von Fig. 9 läßt sich eine weitere Variante der räumlichen
Viergelenkkette ableiten, die an der Hinterachse (rechts im Bild) dargestellt ist.
Dort ist der "zweite Hilfslenker
56"' in Normallage nicht genau quer, sondern um den Winkel d gepfeilt angeordnet. Aufgrund
dieser Pfeilung wird der Längslenker
43"' beim Einfedern (strichpunktierte Darstellung) durch das Kugelgelenk (58"'e) zur Fahrzeugmitte
hingezogen und schlägt hierdurch den kurveninneren Lenkwinkel λ"' ein, während der
gegenüberliegende Längslenker
43"" beim Ausfedern von der Fahrzeugmitte wegbewegt wird und zum kurven-äußeren Lenkwinkel
λ"" einschlägt. Bei dieser Variante wird somit - im Gegensatz zu allen vorangegangenen
Beispielen - ohne Vorhandensein eines kinematischen Querverbunds gelenkt. Hier liegt
also keine Verbundlenkerachse mehr vor, sondern eine reine Einzelradaufhängung. Sie
ist wegen der geringeren Gelenkanzahl zwar einfacher aufgebaut, weist jenen gegenüber
aber folgende Nachteile auf:
- Aufgrund des fehlenden Querverbunds verfügt jedes Rad über einen eigenen (Federungs-)
Freiheitsgrad, ohne vom benachbarten Rad beeinflußt zu werden; jedes Rad steht für
sich im Kräftegleichgewicht mit der zugehörigen Feder. Daher gibt es auch keine feste
Zuordnung zwischen dem kurveninneren Lenkwinkel λ"' und dem kurvenäußeren Lenkwinkel
λ"", was zu einem indifferenten Fahrverhalten führen kann. Unangenehmer ist noch das
Verhalten bei Geradeausfahrt, da jede Ein- oder Ausfederbewegung der Räder in einen
Lenkwinkel umgesetzt wird. Bei den Verbundlenkerachsen bewirkt demgegenüber der kinematische
Querverbund dafür, daß bei Kurvenfahrt die Lenkwinkel beider Räder stets gleich sind
(λ"'=λ"") und daß bei Geradeausfahrt überhaupt kein Lenkwinkel erzeugt wird.
- Ferner sorgt bei den Verbundlenkerachsen der kinematische Querverbund neben identi-schen
Lenkwinkeln auch für identische Sturzwinkel beider benachbarter Räder relativ zum
Aufbau (bzw. für konstante Lenk- oder Sturzdifferenzwinkel, falls aus fahrdynamischen
Gründen der Ausgangslenk- oder - sturzwinkel unterschiedlich von Null gewählt wurde).
Der Querverbund fesselt also 2 Freiheitsgrade pro Achse. Während auf die Fesselung
des Lenkwinkel-Freiheitsgrades unter Inkaufnahme o.g. Funktionseinbußen verzichtet
werden kann, muß der Sturzwinkel-Freiheitsgrad aufgehoben werden, damit das Rad nicht
seitlich wegkippt. Dies ist an der Hinterachse in Fig. 9 dadurch realisiert, daß am
"ersten" Hilfslenker 41 das aufbauseitige Kugelgelenk durch ein Drehgelenk 59"' und das längslenker-seitige Kugelgelenk durch ein Kardangelenk 60"' ersetzt wird, das statt 3 nur über 2 Freiheitsgrade verfügt (Drehung um eine vertikale
sowie um eine quer-horizontale Drehachse). Die Drehgelenke verhindern die Drehung
des Längslenkers 43"' um eine längs-horizontale Achse und halten somit den Radsturz
konstant relativ zum Aufbau.
[0039] Da diese aufwendige Lagerung des Hilfslenkers den Kostenvorsprung, der aus dem fehlenden
Querverbund resultiert, wieder zunichte machen dürfte, ist die Hinterachs-Radaufhängung
aus Fig. 9 aufgrund ihrer Funktionsnachteile von untergeordnetem Interesse.
[0040] In
Fig. 10 und
11 ist eine Variante der räumlichen Viergelenkkette mit kinematischem Querverbund (abgeleitet
aus der Vorderachsaufhängung von Fig. 9) konstruktiv detailliert ausgeführt. Hier
wird neben deren kinematischen Eigenschaften noch ein zusätzlicher praktischer Vorteil
genutzt, der sich aus der vertikalen Drehachse des "zweiten" Hilfslenkers 62 ergibt:
Die beiden Hilfslenker sind hier an einem gemeinsamen Drehlager
68 aufgehängt und starr miteinander verbunden. Dieses Bauteil wird im folgenden als
Querträger
69 bezeichnet, in den eine Welle 74 eingegossen ist und an dessen Enden die Längslenker
63 an Drehgelenken
66 geführt sind. Die Drehgelenke 66 und 68 sind jeweils als doppelreihige Kugellager
76 bzw.
78 ausgeführt, deren Außenringe in den Längslenkern 63 bzw. im Querträger 69 eingepreßt
sind, und deren Innenringe auf der Welle
80 bzw. auf der Schraube des Drehgelenks 68 aufgeschoben und durch die Distanzrohre
75 bzw.
77 getrennt sind. Der Querträger 69 verbindet biegesteif den linken Längslenker
63' mit dem rechten
63" und übernimmt somit in vorteilhafter Weise gleichzeitig auch die Funktion des kinematischen
Querverbunds. Da er mittels des Drehgelenks 68 direkt am Aufbau befestigt ist, weist
er mit der Rotation um dieses Gelenk - im Gegensatz zu allen vorangegangenen Beispielen
- allerdings nur einen einzigen Freiheitsgrad relativ zum Aufbau bzw. zur Standfläche
auf. Er verfügt daher nur über den Lenkungsfreiheitsgrad, nicht aber über einen Federungs-Freiheitsgrad.
( Bei den vorangegangenen Beispielen, wie auch bei den Radaufhängungen der Stammanmeldung,
besteht dieser Federungs-Freiheitsgrad darin, daß der kinematische Querverbund sich
zusätzlich auch in Fahrzeug-Längsrichtung relativ zum Aufbau bewegen kann und somit
ein synchrones Ein - oder Ausfedern der beiden Längslenker zuläßt). Zwar wird im folgenden
nach wie vor von "Ein- und Ausfederbewegungen" der Längslenker gesprochen, doch finden
diese "Federbewegungen" nicht mehr gegen den Widerstand von Federn statt, sondern
sind über den Querverbund kinematisch voneinander abhängig: Der linke Längslenker
63' kann nur einfedern, wenn der rechte 63" gleichzeitig ausfedert (und umgekehrt),
wenn also der Aufbau während einer Kurvenfahrt zur Seite geneigt wird.
[0041] Der Verzicht auf die Federung erfolgt hier nicht nur aus Kostengründen, sondern hauptsächlich
zur vollen Ausnutzung der kinematischen Vorteile der hier ausgewählten Sonderform
der Verbundlenkerachse. Im Vergleich zum zuvor in Fig. 8 beschriebenen Schubkurbeltrieb
ist hier der (erste) Hilfslenker
61 "umgedreht" angeordnet, d.h. das aufbauseitige Kugelgelenk
67 liegt ähnlich wie in Fig.1 unterhalb des längslenkerseitigen Kugelgelenks
65, wodurch der Hilfslenker 61 stets auf Zug belastet wird. Diese Anordnung hat gegenüber
Fig. 8 den Vorteil, daß sich der Hilfslenker nicht beim Ein-, sondern beim Ausfedern
seiner Strecklage nähert, so daß - wie zuvor bereits erwähnt - der Aufbau sich bei
Seitenneigung nicht absenkt, sondern anhebt (,,Aufstützeffekt" bzw. progressive Wank-Kinematik).
Dieser Effekt ist u.a. auch daraus ersichtlich, daß der Einfederweg (Höhendifferenz
zwischen 70NL und 70e) deutlich geringer ist als der Ausfederweg (Differenz zwischen
70NL und 70a). Die Anhebung des Aufbaus, die ja gleichzeitig auch eine Anhebung des
Fahrers bewirkt, ermöglicht eine für Rollbretter völlig neuartige Form der Lenkungsrückstellung:
Die Gewichtsrückstellung.
[0042] Während bei allen vorbekannten Rollbrettern, sowohl den Starrachsaufhängungen als
auch den Verbundlenkerachsen der Stammanmeldung, die Rückstellung der Räder in die
Gerade-ausstellung bzw. der Standfläche in die horizontale Ausgangslage durch (Wank-)
Federn erfolgt, drückt hier das Fahrergewicht (sowie die demgegenüber vernachlässigbare
Standbrett- und Aufbaumasse) das Standbrett in seine Tieflage und damit in seine horizontale
Ausgangslage zurück. Der Schwung aus der Lenkbewegung wird also nicht in Federenergie,
sondern in potentielle Energie umgesetzt. Dies bringt folgende Vorteile mit sich:
- Bei Rollbrettern werden zur Lenkungsrückstellung i.a. Gummi- oder Kunststoff-Federele-mente
eingesetzt, die sich beim Ein- uns Ausfedern verformen und infolge dieser Verformungsarbeit
unvermeidbare Energieverluste hinnehmen müssen. Dies ist besonders störend bei Skateboards,
die z.T. durch sogenanntes "Pumpen" fortbewegt werden, bei dem der Fahrer durch ständiges
Wechselkurvenfahren mit gleichzeitiger schlängelnder Gewichtsverlagerung sein Skateboard
vorantreibt, ohne sich mit den Beinen von der Fahrbahn abzustoßen. Hier wirkt sich
die verlustfreie und damit kräftesparende Umwandlung in potentielle Energie statt
Federenergie besonders vorteilhaft aus. Dies ist auch ein Grund, warum in diesem spezifischen
Beispiel auf die ebenfalls energiezehrende Hubfederung verzichtet wird.
- Bei schnellen Wechselkurven versucht der Fahrer, seinen Körperschwerpunkt möglichst
auf gleicher Höhe und auf einer geraden Bahn zu halten, während das Rollbrett unter
ihm eine Sinuskurve fährt. Hier kommt es ihm entgegen, wenn sich das Standbrett in
den Scheitelpunkten der Kurven möglichst weit anhebt, so daß stets der Abstand zwischen
Standbrett und Körperschwerpunkt weitgehend konstant bleibt und der Fahrer elegant
aus den Knien oder der Hüfte heraus, ohne Hoch-Tief-Bewegung des Körpers, seine Kurven
einleitet. So ergibt sich ein Snowboard-ähnliches Fahrverhalten, da Snowboards beim
"Aufkanten" in der Kurve ebenfalls angehoben werden. Ähnliches gilt für Surf- und
kleine, wendige Windsurfbretter.
- Wie sich in Fig. 10 aus dem Verlauf der Polbahn ablesen läßt (hierzu wurden neben
der Normallage M und den Endlagen Me, Ma des Momentanpols auch noch jeweils 3 Zwischenschritte
eingezeichnet) nimmt der Aufstützeffekt progressiv zu den Endlagen zu. Dieses Verhalten
unterstützt das vorgenannte "aus den Knien Herausfahren" und wirkt sich zudem ähnlich
positiv auf das Fahrverhalten aus wie die progressive Wankfeder aus Fig. 3, da hierdurch
eine Überreaktion des Rollbretts auf zu heftige oder unbeabsichtigte Gewichtsverlagerungen
verhindert wird.
[0043] Zu diesen speziellen Vorzügen kommen noch die übrigen Vorteile hinzu, welche die
Verbundlenker-Radaufhängung bietet und auf die in der Stammanmeldung ausführlich eingegangen
wird. Hier ist insbesondere die im Vergleich zu den Starrachsen-Rollbrettem wesentlich
bessere Seitenführungskraft der Räder zu nennen, die durch das Mitneigen der Räder
mit dem Standbrett nach kurveninnen bewirkt wird und sich gerade beim "Pumpen" in
schnellen Wechselkurven vorteilhaft auswirkt (höhere Geschwindigkeiten möglich). Dieser
Kurvenlegereffekt könnte dadurch noch verstärkt werden, daß die durch das Drehgelenk
68 festgelegte Lenkachse und damit auch die Bahn der Drehgelenke 66 in der Seitenansicht
(Fig.10) etwas im Uhrzeigersinn geschwenkt würde. Dies führte dazu, daß der kurveninnere
Längslenker 63' etwas weiter ein- und der kurvenäußere 63" etwas weiter ausfedert
als bei einer vertikalen Lenkachse, so daß sich die Federwegdifferenz zwischen beiden
Längslenkern etwas vergrößern würde. Der Querträger stünde damit in der Vorderansicht
etwas schräger relativ zur Fahrbahn, wodurch sich entsprechend auch der Sturzwinkel
g der Räder relativ zur Fahrbahn etwas vergrößern würde (ähnlich wie in Fig.3 durch
die Schrägstellung des Verbindungselements 29 um den Winkel b relativ zum Standbrett,
die dort eine Folge der unterschiedlich langen Hilfslenker ist). Falls das Drehgelenk
dagegen in die entgegengesetzte Richtung geschwenkt werden würde, wäre der Querträger
relativ zur Fahrbahn etwas weniger geneigt als bei einer vertikalen Drehachse, der
Sturzwinkel g würde sich entsprechend verringern und die Federwegdifferenz zwischen
beiden Längslenkern vermindern. (Mit solch einer Auslegung wird zwar etwas Seitenführungsvermögen
eingebüßt, sie könnte aber z.B. dann angewandt werden, wenn die Reifen bauartbedingt
keine sehr großen Sturzwinkel vertragen).
[0044] Aufgrund des Verzichts auf die Federung sowie durch die Zusammenlegung zweier verschiedener
Funktionen im drehbar aufgehängten Querträger 69 (Realisierung des kinematischen Querverbunds
sowie Ersatz von 2 Schubgelenken durch ein einfaches Drehgelenk) ergibt sich eine
relativ einfache und kostengünstige Konstruktion. Neben den beiden Querträgern 69
und den 4 Längslenkern 63 werden für die Radaufhängung des Rollbretts lediglich noch
4 Hilfslenker 61 benötigt, die in diesem speziellen Fall jedoch so ausgelegt sind,
daß in hoher Stückzahl verfügbare Lenker aus der Kraftfahrzeugindustrie (sog. Pendelstützen
für Stabilisatoren) verwendet und damit Kosten eingespart werden können. Sie sind
ähnlich aufgebaut wie die Hilfslenker 41 aus Fig. 3-7, verfügen hier aber über ein
Aluminiumguß-Gehäuse (anstelle der Stahl-Schweißkonstruktion). Ihre Kugelgelenke 65
sind in den Längslenkern 63 verschraubt und durch die Kontermutter
79 gesichert. Die Kugeln sind in den Kugelpfannen
72 gelagert, dauergeschmiert und durch die Manschetten
73 abgedichtet.
[0045] In dieser vereinfachten Version weist die Radaufhängung - obwohl kinematisch völlig
verschieden - eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Sonderform der Starrachs-Radaufhängung
auf, die aus der Offenlegungsschrift 28 45 942 bekannt ist. Auch dort sind an einem
drehbaren Querträger (16) zwei Längslenker ("Schwingarme" 18, 20) drehbar aufgehängt,
an denen die Räder (26, 28) gelagert sind. Diese Längslenker sind allerdings so kurz,
daß sie keine nen-nenswerten Einfluß auf das Lenk- und Sturzverhalten der Räder haben.
Ihre Funktion besteht lediglich darin, zum Zwecke der Abfederung von Fahrbahnstößen
eine Relativbewegung in vertikaler Richtung zwischen dem Querträger und den Rädern
zuzulassen; sie sind daher über zusätzliche Federungselemente (30, 82, 84, 116, 118,
176) mit dem Querträger 16 verbunden. Die Lenkfunktion übernimmt allein der Querträger
nach dem üblichen Prinzip der Starrachs-Radaufhängungen für Rollbretter: Die Starrachse
bzw. der Querträger ist über ein in der Seitenansicht schräg gestelltes Drehlager
(Drehzapfen 44 mit Bohrung 36) an der Unterseite des Standbretts aufgehängt und wird
somit bei einer Seitenneigung des Standbretts zu einem Lenkeinschlag gezwungen; die
Rückstellung in die Geradeausposition erfolgt über ein Feder-element ("Puffer" 48).
Die Größe des Lenkeinschlags, d.h. die Zuordnung von Lenkwinkel und Seitenneigung
des Standbretts, wird von der Winkelstellung des Drehgelenks 36/44 bestimmt. Die Drehachsen
müssen dabei derart schräggestellt sein, daß sich ihre Wirkungslinien unterhalb des
Standbretts schneiden (sonst würde der Lenkeinschlag in die falsche Richtung erfolgen).
[0046] Hier handelt es sich also um eine Mischform aus Einzelradaufhängung und Starrachse:
Wie bei den üblichen Starrachsaufhängungen ist das Basiselement (hier als "Halterung"
14 bezeichnet) die an dem schräggestellten Drehlager 36/44 aufgehängte Starrachse
16, an der - als kennzeichnendes Merkmal des Hauptanspruchs - zwei Längslenker 18,
20 (bzw. zwei Räder 26/28) unabhängig voneinander drehbar gelagert sind (und unabhängig
voneinander gegen den Widerstand von eigenen Federelementen ein- und ausfedern können).
Jeder Längslenker bzw. jedes Rad verfügt daher über unabhängige 2 Rotations-Freiheitsgrade
relativ zum Aufbau: Die Drehung mitsamt der Starrachse um die schräge Lenkachse sowie
die davon unabhängige Drehung jedes Lenkers um die Starrachse. Beide Drehungen erfolgen
gegen den Widerstand voneinander unabhängiger Federelemente: Die Lenkbewegung gegen
den Puffer 48 (Wankfederung) und die Federbewegung gegen die Federungselemente, z.B.
30 (Hubfederung). Da beide Federelemente in Reihe geschaltet sind und daher unabhängig
voneinander federn können, lassen sich die Federungsfunktionen nicht sauber voneinander
trennen, d.h. der Puffer 48 kann auch beim Federn ansprechen und das Federungselement
beim Lenken und umgekehrt. Die Folge ist ein indifferentes, von vielen Zufälligkeiten
beeinflußtes Fahrver-halten (z.B. Schwingungsvorgänge beim Überfahren von Fahrbahnunebenheiten,
bei denen der Achskörper 16 zwischen den Federn 48 und 30 hin und her schwingen kann).
In der Stammanmeldung wird auf diese Nachteile ausführlich eingegangen.
[0047] Kinematisch könnte diese Radaufhängung als "offene Dreigelenkkette" bezeichnet werden.
Im Gegensatz hierzu liegt bei der Ausführungsform in Fig. 10/11 eine geschlossene
Viergelenkkette vor, bei der das Rad bzw. der Längslenker nur einen einzigen Freiheitsgrad
(Drehung um den Momentanpol) aufweist. Aufgrund der zusätzlichen Kopplung über den
kinematischen Querverbund (hier: Querträger 69) verfügen beide Längslenker zusammen
nur über einen einzigen Freiheitsgrad; d.h. ein Rad kann nur einfedern, wenn das andere
Rad gleichzeitig ausfedert. Hierdurch weist auch die Standfläche gegenüber der Fahrbahn
eben-falls nur einen einzigen Freiheitsgrad auf (Seitenneigung bei gleichzeitigem
Lenkeinschlag der Längslenker). Das unterschiedliche kinematische Verhalten dieser
Ausführungsform im Vergleich mit der DE 28 45 942 A hat also folgende Gründe :
- Während bei der Starrachse die Lenkachse zur Erzielung eines Lenkwinkels schräggestellt
werden muß, ist hier die Drehachse des Querträgers vorzugsweise vertikal zur Fahrbahn
angeordnet, damit der Querträger stets parallel zur Standfläche bleibt und sich somit
mit der Standfläche zur Seite neigt. Dies ist die Voraussetzung dafür, daß sich die
Längslenker und damit - als ausschlaggebender Unterschied zur Starrachse - auch die
Räder mit zur Seite neigen. Eine weitere Voraussetzung ist, daß die Längslenker ausreichend
lang sind, so daß auch die ausgefederten Räder bei voller Seitenneigung des Standbretts
am Boden bleiben.
- Während bei der schräg aufgehängten Starrachse der Lenkeinschlag auf direktem Weg
durch die Reaktionskräfte der Fahrbahn erzeugt wird, ist in Fig. 10/11 wegen der vertikalen
Drehachse ein Hilfslenker 61 erforderlich, der die (von der Fahrbahn erzwungene) Ein-
oder Ausfederbewegung der Längslenker in einen Lenkwinkel des Querträgers umsetzt.
Der Hilfslenker 61 ist neben dem Querträger 69 eine zweites Verbindungsglied zum Aufbau
und schließt damit die Viergelenkkette. Von seiner Position und Winkelstellung hängt
es ab, in welcher Richtung und mit welchem Betrag der Längslenker ausgelenkt wird.
- Durch geschickte Anordnung der Hilfslenker läßt sich erreichen, daß die Ein- und Ausfederwege
der Längslenker unterschiedlich groß sind, so daß eine Gewichtsrückstellung nach dem
Lenken realisiert und somit die Wankfeder eingespart werden kann. Dies ist bei einer
Starrachsaufhängung (an einem einzelnen, schräg angestellten Drehgelenk) prinzipiell
nicht möglich.
[0048] Es würde also nicht ausreichen, in DE 28 45 942 A die dortigen Längslenker - bei
Verzicht auf die Federungsfunktion - einfach nur mit je einem Hilfslenker zu versehen,
um ein ähnliches kinematisches Verhalten zu erreichen. Hierzu müßten zusätzlich die
Lenkachse senkrecht gestellt und die Längslenker soweit verlängert werden, daß die
kurvenäußeren Räder bei voller Seitenneigung des Standbretts nicht abheben.
[0049] Die Radaufhängung in
Fig. 12 und
13 stellt eine Umkehrung des Kinematikprinzips aus Fig. 10/11 dar: Während dort die
"zweiten" Hilfslenker 62 mit dem Querverbund zum sog. Querträger 69 zusammengefaßt
wurden, sind dies hier die "ersten" Hilfslenker 81 zum Querträger
89. Und während dort die Lenker bezüglich ihrer Wirkrichtung ähnlich wie in Fig. 1 ange-ordnet
sind - der "erste" (dem Rad zugewandte) Hilfslenker ist stets auf Zug belastet - gilt
dies in Fig. 12/13 (wie auch in Fig. 3-7) für den "zweiten" Hilfslenker
82. Da aber auch er sich seiner Strecklage beim Ausfedern nähert, wird auch hier die
Standfläche bei Kurvenfahrten angehoben und nach der Kurve durch das Fahrergewicht
wieder zurückgestellt (positive Wank-Kinematik). Trotz der inversen konstruktiven
Auslegung sind daher beide Ausführungsformen kinematisch gleichwertig. Sie unterscheiden
sich darüberhinaus aber noch durch weitere unterschiedliche konstruktive Details:
- Da der Hilfslenker 82 stets auf Zug belastet ist, kann anstelle einer starren Stange
auch eine Kette, ein Seil, ein Draht oder ein ähnlich flexibler zugfester Körper eingesetzt
werden. In Fig. 12 ist der Hilfslenker als Stahlseil ausgeführt, das am Längslenker
83 und am Dreh-gelenk 88 (einer am Halter 96 aufgehängte Rolle) jeweils mittels Rillen geführt wird und in diesen verschleißfrei
abrollen kann. An einem Ende ist es zylindrisch verdickt und am Längslenker eingehängt,
am anderen Ende ist es über eine Klemmvorrichtung 95 am Standbrett 91 befestigt und kann mittels dieser in seiner Länge verstellt werden. (Solch eine Verstellung
ist sinnvoll, wenn z.B. die Bodenfreiheit verändert oder bei Einsatz von unterschiedlich
großen Rädern die Höhe des Standbretts angepaßt werden soll). Das Seil ist gegenüber
einem starren Kugelgelenk-Hilfslenker i.a. kostengünstiger und hat darüber-hinaus
den Vorteil, daß es in den Gelenkpunkten - wie aus dem Vergleich der Figuren 10 und
12 ersichtlich - weniger Bauraum benötigt. Da die Relativbewegungen zwischen dem Hilfslenker
(Seil) und dem Längslenker bzw. dem Aufbau durch Verformung des (flexiblen) Seils
erfolgt, sind keine Gelenke erforderlich; dafür ist das Seil in diesen Gelenkpunkten
infolge der ständigen Verformungsarbeit allerdings wesentlich verschleißanfälliger
als ein Kugelgelenk.
- Die Flexibilität des Seils wird in Fig. 12 für eine zusätzliche kinematische Variationsmöglichkeit
genutzt, die ebenfalls dem vertikalen Bauraum zugute kommt. Die Ablaufkontur der Rille
am Längslenker, in der das Seil beim Ein- und Ausfedern abrollt, ist in der Seitenansicht
nur zur Hälfte als Kreis ausgebildet; in der anderen (rechten) Hälfte weitet sich
der Kreis spiralförmig auf einen größeren Durchmesser, was sich wie folgt auf die
Kinematik auswirkt: Wenn das Rad (bzw. die Radbefestigungsbohrung 90 im Längslenker) in die Position 90a ausfedert, rollt des Seil 82 am Längslenker 83 auf einem kleinen Kreisbogen in die
Position 86a ab und verhält sich dabei ähnlich wie ein starrer Lenker. Dagegen rollt es beim Einfedern
(90e) auf einer Bahnkurve ab, die sich progressiv aufweitet und das Seil mehr und mehr
nach rechts auslenkt, wodurch sich die wirksame Seillänge ver-kürzt und somit den
Lenkeinschlag beim Einfedern vergrößert (Verstärkung des Aufstütz-effekts). Dies wird
u.a. auch daraus ersichtlich, daß der Anlenkpunkt 86e des Längslenkers am Seil im eingefederten Zustand deutlich weiter rechts liegt als
der fiktive Anlenkpunkt 86e"'", der sich ohne diese spiralenförmige Ausweitung ergeben würde. Dadurch wandert der
Momentanpol Me im eingefederten Zustand auf der Polbahn P wesentlich weiter nach unten
als der fiktive Momentanpol Me"'" auf der fiktiven Polbahn P"'", was die Verstär-kung
des Lenkeinschlags bestätigt. Um z.B. mit dem starren Kugelgelenk-Hilfslenker 61 aus
Fig. 10 einen solch niedrigen Momentanpol zu realisieren, müßte dieser wesentlich
länger ausgeführt und steiler angestellt werden. Er würde dann gerade im eingefederten
Zustand (d.h. auf der kurveninneren, bzgl. Bodenfreiheit sensibleren Seite) am steilsten
stehen und damit den höchsten vertikalen Bauraumbedarf beanspruchen. Hier würde also
der Bauhöhennachteil zu Buche schlagen, auf den bei der Beschreibung des Schubkurbel-triebs
(Fig. 8, Vorderachse) bereits hingewiesen wurde und der jene Auslegungen betrifft,
in denen sich die Hilfslenker nicht beim Ein-, sondern beim Ausfedern ihrer Strecklage
nähern. In solchen Fällen vergrößert sich nämlich der Winkel zwischen der Hilfslenker-
und der Längslenker-Wirkungslinie beim Einfedern, was einen zunehmenden vertikalen
Bauraumbedarf zur Folge hat. Dieser Nachteil wurde in Fig. 10/11 (mit ähnlicher kinematischer
Auslegung) dadurch vermieden, daß infolge der "umgedrehten" Anordnung des Hilfslenkers
der untere Anlenkpunkt 67 aufbaufest ist und somit seine Bodenfreiheit beim Ein- und
Ausfedern nicht ändert; darüberhinaus ist das obere Gelenk 65 nicht unter, sondern
etwas versetzt vor bzw. hinter der Standfläche angeordnet, wo das Gelenk auch in seiner
steilsten Position nicht störend ist.
- In Fig.12/13 ist die Radaufhängung zusätzlich mit einer Federung versehen. Hierzu
ist - wie aus der Ausschnittskizze Y ersichtlich - das Drehgelenk 87 nicht fest mit dem Stand-brett verschraubt, sondern
in längshorizontaler Richtung beweglich gelagert. (Ansonsten ist es analog zu Fig.
10/11 aufgebaut: Das zweireihige Kugellager 98 ist in den Querträger 89 eingepreßt, seine Innenringe werden werden durch das Rohr
97 auf Distanz gehalten). Im Gegensatz zu Fig. 10/11 ist die Aufhängung des Drehgelenks
87 nicht als starrer Blechkörper, sondern als bewegungsfähiges Parallelogramm 81 ausgeführt, welches in ausgefederter Positionen gezeichnet ist (strichpunktiert:
Normallage). Der Halter ist hier aus Kunststoff und weist an seinen Ecken 4 Filmscharniere
auf, genausogut könnte aber ein Blechhalter mit 4 Klavierschamieren oder sonstigen
Drehgelenken eingesetzt werden. Statt der Parallelogramm-Aufhängung (aus kinematischer
Sicht eine Viergelenkkette mit 2 parallelen Lenkern) können auch beliebige andere
gelenkige Aufhängungen oder Geradführungen Anwendung finden, die dem Drehgelenk 87
einen Freiheitsgrad in Fahrzeug-Längsrichtung einräumen. (Eine Geradführung ließe
sich z.B einfach dadurch realisieren, daß der Halter zwar starr ausgebildet, dafür
jedoch - ähnlich wie in Fig. 7 - in einer Schiene längsverschieblich geführt ist).
Der Federungs-Freiheitsgrad ist durch die Federelemente 92 eingeschränkt, welche die Hub- und die Wankfederung übernehmen; d.h. sie werden sowohl
bei synchronen als auch asynchronen Ein- und Ausfederbewegungen ausgelenkt. Die Federelemente
92 sind (druckbelastete) Schraubenfedern, die in den Feder-Haltern 93 und 94 geführt werden. Statt 2 Federelemente pro Achse könnte im vorliegenden Beispiel auch
eine zentrale Schraubenfeder Verwendung finden, die an der Mitte des Querträgers 89
angreift und damit nur als Hubfeder wirksam wäre; d.h. bei reiner Kurvenfahrt, wenn
das kurveninnere Rad um den gleichen Betrag einfedert wie das äußere ausfedert, ist
sie wirkungslos. Da die Lenkungsrückstellung wie in Fig. 10/11 durch Gewichtsrückstellung
erfolgt, kann hier nämlich - sofern kinematisch für einen ausreichenden Aufstützeffekt
gesorgt wurde - auf die Wankfederung gänzlich verzichtet werden. Aufgrund ihres Federungsfreiheitsgrads
ergibt sich für diese Radaufhängung ein weiterer kinematischer Unterschied gegenüber
der ähnlich aufgebauten Radaufhängung aus Fig. 10/11: Das Parallelogramm 81, das die
Bewegung des Drehgelenks 87 in Längsrichtung ermöglicht, übt die Funktion der beiden
"ersten" Hilfslenker aus, dadurch erfüllt der Querträger 89 nicht mehr wie dort die
Doppelfunktion eines kinematischen Querverbunds und die eines Hilfslenker-Paares.
- In der Einzelheit Z ist eine Alternative zur o.g. Hub- und Wankfederung wiedergegeben, bei der auf die
Beweglichkeit des Querträger-Drehlagers 87 in längshorizontaler Richtung (gemäß Einzelheit
Y) sowie auf die Federn 92 verzichtet werden kann: Stattdessen wird das Ende des Hilfslenker-Seils
nicht am Aufbau festgeklemmt, sondern über einen Ein-schraubstutzen 99 und eine vorgespannte Zugfeder 100 elastisch mit dem Aufbau ver-bunden. Diese ist hier aus Platzgründen liegend unter
dem Standbrett angeordnet, wo sie die Bodenfreiheit nicht beeinträchtigt. Sie könnte
aber auch beliebigen anderen Stellen untergebracht werden, an denen sie über das Seil
erreichbar ist, oder auch gleich anstelle des Seils als Hilfslenker 82 eingesetzt
werden. Aus kinematischen Gründen darf an dieser Position - innerhalb der Viergelenkkette
- nur eine mit hohen Vorspannkräften ausgelegte Feder eingesetzt werden. (Vorgespannt
bedeutet, daß die Federwindungen im un- und teilbelasteten Zustand fest aneinander
anliegen und erst ab Überwindung einer bestimmten Vorspannkraft ausfedern; darunter
wirkt die Feder praktisch wie ein Seil). Die Federvorspannkraft muß so hoch gewählt
werden, daß die Feder im normalen Fahrbetrieb nicht arbeitet und erst bei sehr groben
Fahrbahnstößen ausgelenkt wird, wie z. B. bei Überfahren eines Steins oder bei der
Landung nach einem Sprung. Eine übliche Feder mit durchgehend linearer Kennlinie würde
hier nämlich die Lenkeigenschaften drastisch verschlechtern, da ihre Elastizität die
feste Zuordnung zwischen Ein- bzw. Ausfederweg des Längslenkers und seinem Verschiebeweg
in horizontaler Richtung (der den Lenkwinkel bestimmt) aufheben würde. Damit wäre
auch die feste Zuordnung zwischen der Schräglage des Stand-bretts und dem Lenkwinkel
aufgehoben, und die Folge wäre ein ähnlich undefiniertes, nicht kalkulierbares Lenkverhalten
wie bei der Radaufhängung der vorher erwähnten Offenlegungsschrift 28 45 942. Daher
muß mit Rücksicht auf das Kurvenfahrverhalten die Feder 100 so stark vorgespannt werden,
daß sie im normalen Fahrbetrieb steif bleibt und nur in Ausnahmefällen federt. (Bei
Geradeausfahrt wirkt sich die Federung dagegen nicht auf des Lenkverhalten aus; bei
Ansprechen der Federung federn die Längslenker ein und aus, ohne einen Lenkwinkel
zu erzeugen, und verhalten sich hier analog einer Längslenker-Einzelradaufhängung).
[0050] Bei den zuvor behandelten Federungen in Fig. 1-9 wie auch bei den Schraubendruckfedern
92 in Fig. 12/13 trifft dieser Nachteil nicht zu, da in diesen Fällen die Federelemente
nicht innerhalb, sondern jeweils außerhalb der Viergelenkkette angeordnet sind und
somit die Zuordnung zwischen Federweg und Lenkeinschlag nicht beeinflussen.
[0051] Schraubendruckfedern wie in Fig. 12/13 könnten in analoger Anordnung auch in Fig.
11/12 eingesetzt werden, um den dortigen Querträger 69 gegen den Aufbau 64 abzufedern.
Da dieser Querträger 69 jedoch ohne einen längshorizontalen Freiheitsgrad drehbar
am Aufbau befestigt ist, würden solche Federn nur bei Drehbewegungen des Querträgers
um seine vertikale Dreh-achse ausgelenkt werden und damit ausschließlich zur Lenkungsrückstellung
dienen (Wank-federung). Sie wären in Fig. 10/11 allerdings nur dann sinnvoll, wenn
dort der kinematische Gewichtsrückstellungseffekt nicht ausreichend umgesetzt wurde
oder eine zusätzliche Lenkungsrückstellung erwünscht wäre, um z.B. während eines Sprungs
die Räder bereits in der Flugphase in Geradeausstellung zurückzuführen.
[0052] Gegenstand der
Figuren 14 bis
16 ist eine Radaufhängung in Form einer quasiebenen Vier-gelenkkette, die derart ausgelegt
ist, daß sämtliche Hilfslenker stets auf Zug belastet sind und somit wie der Hilfslenker
82 aus Fig. 12/13 als Seil ausgeführt werden können. Die Vierge-lenkkette ist daher
kinematisch eine Mischform aus den ersten beiden Ausführungsbeispielen (Fig. 1-2 bzw.
3-7). Sie weist neben den Hilfslenkern
101 und
102 darüberhinaus noch einen dritten Hilfslenker
115 auf, der den zweiten (102) seitlich abstützt und somit den Einsatz eines Drehgelenks
in der Viergelenkkette erübrigt. Sämtliche Gelenke sind deshalb kardanisch bewegliche
Seilanbindungen wie beim Hilfslenker aus Fig. 12/13. Um die Radaufhängung noch kostengünstiger
zu gestalten, bestehen alle 6 Hilfslenker einer Fahrzeugachse aus einem einzigen Stück
Seil. Dessen Enden sind zylindrisch verdickt und jeweils im ersten aufbauseitigen
Gelenk
107 eingehängt. Von dort führt es in seiner Funktion als "erster" Hilfslenker
101 zum ersten längslenkerseitigen Gelenk
105, das als feststehende Rolle ausgeführt und mit dem Längslenker103 verschraubt ist.
Von dieser Rolle ist es zur Rolle des zweiten längslen-kerseitigen Gelenks
106 gespannt, die zusammen mit dem Verbindungselement
109 am Längslenker 103 verschraubt ist; siehe Ansicht von hinten (Fig. 16). Aus diesem
Bild ist ersichtlich, daß die Nut der Rollen zur Führung des Seils in den Gelenkpunkten
dient. (Hierzu wäre eigentlich keine rundumlaufende Nut in Form einer Rolle erforderlich;
an ihrer Stelle könnte auch ein Rollensegment oder - als zusätzliche kinematische
Variationsmöglichkeit - eine spiralförmige Führung wie am Längslenker 83 in Fig. 12
eingesetzt werden. In der Konfiguration von Bild 14 bieten sich jedoch Rollen als
Führungselemente an, weil hier die Umschlingungswinkel des Seils jeweils weit über
90° betragen). Damit ein Rutschen des Seils auf den Rollen ausgeschlossen wird, ist
es durch das Befestigungselement
118 am Längs-lenker 103 festgeklemmt (nur in Fig. 14 und 15 dargestellt). Durch Lösen
dieses Befesti-gungselements kann das Seil am Längslenker verschoben und somit auf
einfache die Länge der Hilfslenker 101 und 102 variiert werden. Vom zweiten längslenkerseitigen
Gelenk 106 führt das Seil nun in seiner Funktion als "zweiter" Hilfslenker 102 nach
oben zum zweiten aufbauseitigen Gelenk
108' und ist dort mit Hilfe einer Schelle am Standbrett
111 befestigt. Diese Schelle ist Teil des Aufbaus
104 - einer Blechkonstruktion, die vom zweiten aufbau-seitigen Anlenkpunkt 108 nach unten
zum ersten aufbauseitigen Anlenkpunkt 106 und von dort wieder hoch zur vorderen Befestigungsschraube
am Standbrett gezogen ist. Das Seil geht in seiner Funktion als "dritter" Hilfslenker
115' vom zweiten aufbauseitigen Anlenkpunkt
108' schräg nach unten zur Fahrzeugmitte, ist dort mittels der Schelle
116 und der Rohrschutz-Manschette
117 am Verbindungselement 109 festgeklemmt und führt wieder schräg nach oben (
115") zum gegenüberliegenden aufbauseitigen Anlenkpunkt
108". Die beiden dritten Hilfslenker 115' und 115" stützen in der Art eines Fachwerks
das Verbindungselement 109 seitlich ab und übertragen somit die über die Längslenker
eingeleiteten Seitenkräfte auf den Aufbau 104.
[0053] Das Verbindungselement 109 ist in diesem Beispiel nicht als (torsionsfreies) Dreh-
oder Drehschubgelenk ausgeführt, sondern als torsionsweiches Rohr, wie es z.B. als
Rohr-Stabilisator aus dem Kraftfahrzeugbau bekannt ist. Zur Verringerung der Torsionssteifigkeit
kann es teilweise oder auch über die volle Länge geschlitzt werden. Das Rohr 109 verbindet
biege-steif, aber torsionsweich die beiden Längslenker 103' und 103" miteinander und
erlaubt somit eine Drehbewegung der beiden Längslenker zueinander um die Rohrachse,
wenn die Längs-lenker unterschiedlich ein- und ausfedern (Kurvenfahrt). Dieser Drehbewegung
wird durch die Torsionssteifigkeit des Rohres ein Federungs-Widerstand entgegengesetzt,
womit das Verbindungselement 109 die Funktion der Wankfederung bzw. der Lenkungsrückstellung
übernimmt. Die Torsionsfederrate kann über die Rohr-Wandstärke und die Länge des Schlitzes
derart variiert werden, daß die gesamte Wankfederung vom Rohr 109 allein aufgebracht
wird. Daher ist hier pro Fahrzeugachse nur eine Schraubenfeder
112 eingesetzt, die mittig am Rohr angreift und deshalb ausschließlich als Hubfeder arbeitet;
sie wird nämlich bei asynchronen Ein- und Ausfederbewegungen gleichen Betrages (reine
Kurvenfahrt) nicht ausgelenkt. Der Federteller der Schraubenfeder (Federelement-Halter
113) ist mittels der Befestigungsschelle 116 am Rohr 109 verschraubt, und der "aufbauseitige"
Federteller 114 direkt an der Standbrett-Unterseite befestigt. Die Aufteilung der
Hub- und der Wankfederung auf zwei verschiedene Federelemente (Schraubenfeder 112
und Rohr-Stabilisator 109) hat den Vorteil, daß Hub- und Wankfederrate unabhängig
voneinander abgestimmt und nachträglich unabhängig voneinander geändert werden können;
z.B. Austausch der Schraubenfeder zur Anpassung an unterschiedliche Fahrergewichte
oder Bodenfreiheitswünsche.
[0054] Wenn das Rohr 109 beim asynchronen Ein- und Ausfedern tordiert wird, verdrehen sich
die Längslenker relativ zueinander - ohne axiale Verschiebung. Im Gegensatz zu den
Drehschubgelenk-Verbindungselementen 9 und 29 der ersten beiden Ausführungsbeispiele
läßt das Rohr 109 also keinen Längenausgleich zu, weshalb hier strenggenommen auch
keine kinema-tisch exakte Radaufhängung vorliegt. Dies wirkt sich im vorliegenden
Fall jedoch nicht negativ auf das Fahrverhalten aus, da bei Kurvenfahrt (wenn sich
in Fig. 16 das Verbindungs-element 109 aus der Zeichenebene herausdreht und sich dabei
in der Projektion auf die Zeichenebene verkürzt) nur einer der beiden "dritten" Hilfslenker
115' bzw. 115" durch Seitenkräfte auf Zug belastet ist und der andere infolge Ausbauchung
des Seils - bei gleichzeitiger Anhebung des Verbindungselements - für den notwendigen
Längenausgleich sorgt.
[0055] In Fig. 14 und 15 sind schließlich noch 2 Zubehörumfänge dargestellt, die zwar nicht
unter den Hauptanspruch dieser Patentanmeldung fallen, die in Verbindung mit den hier
beanspruchten Radaufhängungen jedoch besonders vorteilhafte Kombinationen ergeben:
- Spritzschutz 119 für die Räder 110 (nur an der Vorderachse in Fig. 14/15 strichpunktiert dargestellt).
Dieser ist direkt an den Längslenkern 103 angebracht und schützt insbesondere bei
Rollbrettern, die auf feuchten Untergründen eingesetzt werden (z.B. Strandsurfer auf
Stränden, die erst kurz zuvor von der Ebbe freigegeben wurden oder teilweise noch
überflutet sind) den Fahrer und das Brett vor dem Bewurf von Wasser, Schlamm oder
Schlick. Prinzipiell kann ein solcher Spritzschutz selbstverständlich auch bei anderen
Rollbrett-Radaufhängungen beliebiger Bauart angebracht werden, doch wäre dort ein
wesentlich höherer konstruktiver Aufwand erforderlich. Bei Starrachsen z.B. müßten
am eigentlichen Spritzschutz (am Radumfang) noch seitliche Halterungselemente angeformt
werden, die den Spritzschutz mit dem zentralen Achskörper verbinden; etwa in Form
gewölbter Kotflügel bei Vorkriegs-Automobilen. Bei Verbundlenkerachsen auf Längslenker-Basis
kann der Spritzschutz dagegen ohne zusätzliche Halterungen an den direkt am Rad vorbeiführenden
Längslenkern angebracht werden. Im speziellen Anwendungsfall in Fig. 14/15 sogar noch
mit der zusätzlichen Vereinfachung, daß die Schrauben des Seil-Befestigungselements
118 zur Verschraubung des Spritzschutzes 119 mitverwendet werden können.
- Kufen 120 anstelle der Räder 110 (nur an der Hinterachse in Fig. 14/15 dargestellt). Wie die
Räder sind sie mit Drehgelenken an den Längslenkern befestigt; allerdings müssen solche
Längslenker, die - wie im vorliegenden Ausführungsbeispiel - auf große Raddurch-messer
ausgelegt sind, geometrisch modifiziert oder mit einem Adapter versehen werden, um
gleiche Bodenfreiheit zu erreichen. Derartige Kufen (z.B. in Form von Eiskufen oder
Schneeskiern) sind für die Stammanmeldung bereits aus der Zusatzanmeldung 196 02 447.1-15
bekannt und ausführlich mitsamt ihren konstruktiven Merkmalen und ihren Vorteilen
beschrieben. Ihr Einsatz wird im Zuge dieser Patentanmeldung lediglich auf Radaufhängungen
auf Basis von Viergelenkketten erweitert. Kufen für rollbrettähnliche Eis- oder Schneefahrzeuge
(u.a. Eissurfer) sind zwar auch aus zahlreichen anderen Patent- oder Offenlegungsschriften
vorbekannt, doch können sie dort bei Kurvenfahrt nicht so wirkungsvoll wie bei den
Verbundlenkerachsen eingesetzt werden, da sie nur bei diesen (infolge der Schrägstellung
der Kufen wie z.B. bei einem Schlittschuhläufer in der Kurve) ihr volles Seitenführungspotential
entfalten können.
[0056] Bei sämtlichen bisher behandelten Ausführungsformen wird die erfindungsgemäße Radaufhängung
ausschließlich bei vierrädrigen (bzw. vierkufigen), zweiachsigen und zweispurigen
Fahrzeugen eingesetzt, die mit beiden Beinen mittels Schrägstellen des Standbretts
gesteuert werden. Ihre Hauptmerkmale - insbesondere die mit dem Aufbau mitgeneigten
Räder bzw. Kufen bei Kurvenfahrt - legen es jedoch nahe, die Verbundlenkerachsen auch
mit bekannten Achskonstruktionen einspuriger Fahrzeuge (wie Motor- oder Fahrräder)
zu paaren, deren Räder ebenfalls in die Kurve gelegt werden. Mit einem solchen dreirädrigen
Fahrzeug lassen sich Vorteile von Einspurfahrzeugen (i.a. dynamischeres Kurvenfahrverhalten)
mit denen des Zweispurfahrzeugs (u.a. Standsicherheit) miteinander verknüpfen. In
den
Figuren 17 bis
19 sind zwei derartige Ausführungsbeispiele dargestellt.
[0057] Im ersten Beispiel (Fig. 17/18) wird eine beliebige erfindungsgemäße Verbundlenker-Vorderachse
121, die hier nicht näher ausgeführt ist, mit einer einspurigen Hinterachse
123 kombiniert. Als Hinterachs-Radaufhängung wurde ein aus dem Motorradbau bekannter
einarmiger Längslenker (sog. Einarmschwinge) gewählt, der mittels eines quer-horizontalen
Drehgelenks am Standbrett
122 gelagert ist und gegen den Widerstand einer Schrauben-(druck)feder relativ zum Standbrett
einfedern kann. Außer diesem Federungsfreiheitsgrad verfügt das Hinterrad
124"' über keinen weiteren Freiheitsgrad und ist somit nicht lenkbar. Daher müssen die
Vorderräder
124' und
124" doppelt so stark eingeschlagen werden wie bei einem vierrädrigen Rollbrett mit symmetrischen
Vorder- und Hinterachsen, um auf demselben Kreisradius zu fahren. Die Vorteile eines
solchen Dreirades:
- An der Hinterachse stehen seitlich keine Räder hervor, die den Fahrer stören könnten,
wenn er sein Rollbrett mit dem hinteren Fuß von der Fahrbahn abstößt und antreibt
(Anwendung als Skateboard).
- Das einzelne Hinterrad läßt sich auf einfachere Weise als bei einer zweispurigen Achse
zusätzlich mit einem Fremdkraft-Antrieb versehen. In Fig. 17/18 wird das Hinterrad
124"' beispielhaft durch einen Elektromotor 129 angetrieben, der sein Drehmoment über den Keilriemen 128"' und die Riemenscheibe 126"' zum Hinterrad überträgt. Der Keilriemen wird über die (nur in der Seitenansicht dargestellte)
Spannrolle 127 vorgespannt, die durch eine Schrauben(zug)feder am Standbrett 122 abgestützt ist.
Die Batterie 130 dient als Stromquelle für den Motor 129. Auf weitere Details, wie Kabelverlegung
oder Motoran-steuerung, wird hier nicht näher eingegangen.
[0058] Wie es sich bei einem motorgetriebenen Fahrzeug empfiehlt, ist das Ausführungsbeispiel
aus Fig. 17/18 an der Vorderachse zudem mit einer Fahrzeugbremse versehen. Analog
zum Antriebsmoment wird hier auch das Bremsmoment über einen Keilriementrieb auf die
Vorderräder 124' und 124" übertragen. Die Keilriemen
126' und
126", die mit ihren vorderen Enden am Bremspedalhebel
128 befestigt und hinten am Verbindungselement der Verbund-lenkerachse eingehängt sind,
hängen im normalen Fahrbetrieb etwas nach unten durch. Zum Bremsen tritt der Fahrer
auf den Bremspedalhebel 128, spannt dadurch beide Keilriemen 126' und 126" gegen die
Riemenscheiben
125' und
125" und erzeugt somit eine Reibkraft zwischen Keilriemen und Riemenscheibe bzw. ein Bremsmoment
an den Vorderrädern. Statt der Fußbetätigung könnte die Bremse über Bowdenzüge auch
per Hand betätigt werden, und statt der Keilriemenscheiben ließen sich auch beliebige
andere Bremssysteme aus dem Fahrrad-, Motorrad- oder Kraftfahrzeugbau einsetzen; wie
Scheiben-, Trommel-, Felgen- oder Reifenbremsen.
[0059] Im zweiten Ausführungsbeispiel wird die erfindungsgemäße Verbundlenkerachse
131 an der Hinterachse eingesetzt und mit einer einspurigen Vorderachse
133 kombiniert. Im Gegensatz zu Fig. 17/18 ist die einspurige Achse 133 lenkbar und demgemäß
ähnlich einer Fahrrad-, Motorrad- oder Roller- Vorderachse ausgeführt: Das Vorderrad
134 ist in einer Gabel
513 gelagert, die ihrerseits über ein in etwa vertikales Drehgelenk
136 mit dem Standbrett
132 verbunden ist und vom Fahrer mit Hilfe der Lenkstange
137 gesteuert werden kann. Ähnlich wie bei einem Roller (Scooter) steht der Fahrer auf
dem Standbrett 132 und hält sich an der Lenkstange 137 fest. Neben dem Lenkeinschlag
an der Vorderachse kann er durch Schrägstellen des Standbretts auch das Eigenlenkverhalten
der Verbundlenker-Hinterachse aktiv nutzen, so daß ihm eine variantenreiche Kurvenfahrtechnik
zur Verfügung steht. Im Vergleich zu den bekannten Rollern (mit ungelenkter Hinterachse)
ist das Fahrverhalten damit wesent-lich agiler. Dasselbe gilt, wenn die Vorderachse
nicht am Standbrett, sondern an einem Fahrrad- oder Motorradrahmen angelenkt wird,
an dem die Hinterachse 131 sowie ein Fahrer-sitz angebracht ist; eine derartige Konstruktion
ist z.B. in Bild 16/17 der Stammanmeldung P 44 26 337.6-09 näher ausgeführt.
[0060] Eine weitere Anwendung der erfindungsgemäßen Radaufhängung in Kombination mit einem
gelenkigen Fahrzeugaufbau zeigt
Fig. 20. Hier ist die Standfläche nach der Art eines sog. Snakeboards zweigeteilt, wobei
die beiden Segmente
142' und
142" über einen Verbindungslenker
143 gelenkig miteinander verbunden sind. Wie beim Original-Snakeboard, das unter den
Standbrett-Segmenten jeweils eine ungelenkte Starrachse aufweist, erlauben die Dreh-gelenke
144 ein Verdrehen der beiden Segmente zueinander, um das Fahrzeug in die gewünschte Fahrtrichtung
lenken und durch rhytmisches Wechselkurvenfahren fortbewegen zu können. Im Gegensatz
zum Original-Snakeboard, bei dem die ungelenkten Starrachsen keine Seitenneigung der
Standflächen zulassen und den Fahrer zu einer aufrechten Fußstellung zwingen, kann
er sich bei Einsatz einer Verbundlenker-Radaufhängung voll in die Kurve legen und
dabei deren Eigenlenkverhalten aktiv nutzen. So könnte z.B. das Fahrzeug durch die
Snakeboard-typischen Schlängelbewegungen in Fahrt gesetzt und anschließend wie ein
Snowboard durch Schrägstellen des Standbretts weiterbewegt werden, genausogut lassen
sich aber auch beide Kurventechniken beliebig miteinander variieren.
Vorteile der Erfindung
[0061] Die Vorteile der Verbundlenker-Radaufhängung auf Basis der Längslenker-Einzelradauf-hängung
gegenüber den üblichen Rollbrettern sind bereits in der DE 44 26 337 C ausführlich
beschrieben. Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung:
- Bei Geradeausfahrt verhält sich die Verbundlenkerachse wie eine Längslenker-Einzelradaufhängung
und ermöglicht dadurch in Verbindung mit einer Federung das Schlucken von Bodenwellen,
Schlaglöchern oder Steinen ohne Rückwirkungen auf Sturz, Vorspur und Spurweite (damit
ohne Rückwirkungen auf das Fahrverhalten). Auch bei Kurvenfahrt bleibt der Radsturz
relativ zum Aufbau konstant und gewährleistet damit ein optimales Sturzverhalten (maximales
Seitenführungsvermögen durch "Kurvenlegen" mit dem Aufbau). Der kinematische Querverbund
sorgt für einen definierten, dem Neigungswinkel des Aufbaus proportionalen Lenkwinkel
der Räder. Die Starrachs-Radaufhängungen herkömmlicher Rollbretter sind demgegenüber
zwar einfacher aufgebaut, dafür muß jedoch insbesondere aufgrund ihres schlechteren
Sturzverhaltens auf ein erhebliches Seitenfüh-rungspotential verzichtet werden, weshalb
dort auch nur relativ geringe Querbeschleunigungen erreicht werden können. Die Starrachse
ist auch der Grund dafür, daß bei Kurvenfahrt nicht die inneren, sondern die äußeren
Räder stärker belastet werden: Die auf den Fahrer einwirkende Zentrifugalkraft wird
zusammen mit dessen Gewichtskraft über die Drehgelenke in die Starrachse eingeleitet
und erzeugt dort ein Moment, das die äußeren Räder be- und die inneren entlastet.
Bei der Verbundlenkerachse werden dagegen, wie bei allen Einzelradaufhängungen, die
kurveninneren, eingefederten Räder stärker belastet als die äußeren und weisen daher
aufgrund der höheren Federkräfte auch höhere Radlasten als außen auf (die Radlastdifferenz
ist proportional zur Federwegdifferenz bzw. zur Brettneigung). Damit ist das Fahrgefühl
Snowboard- und Surfbrett-ähnlicher, da dort ebenfalls mit zunehmender Querbeschleunigung
die kurveninnere Kante stärker belastet wird.
- Die relativ weiche Federung mit großen Federwegen sorgt dafür, daß bei Fahrbahnunebenheiten
jeglicher Art die unvermeidlichen Radlaständerungen so gering wie möglich aus-fallen,
so daß das Seitenführungsvermögen der Räder, das Gleichgewicht des Fahrers und auch
der Fahrkomfort nur wenig beeinträchtigt werden. Je nach Wahl der Reifen (Durch-messer,
Breite, Profil, Luftdruck) sowie der Feder-Kenndaten (Federwege, Feder- und Dämpferrate)
wird - bei guter Kontrollierbarkeit des Bretts - ein nahezu unbegrenzter Geländeeinsatz
ermöglicht, solange der Untergrund trägfähig ist.
- Die Federung eröffnet darüberhinaus vielfältige Einflußmöglichkeiten zur individuellen
- auch nachträglichen - Beeinflussung des Fahrverhaltens und der Komforteigenschaften.
So können z.B. kürzere Federn zur Aufbautieferlegung, härtere Federn für eine Sportfederungen
oder weichere Federn für eine Komfortfederungen eingesetzt werden. Neben der Hubfederung
lassen sich durch Veränderung der Wank-Federrate auch die Lenkungseigenschaften und
das Eigenlenkverhalten des Rollbretts variieren. (Üblicherweise sind bei Rollbrettern
Vorder- und Hinterachse symmetrisch zueinander ausgelegt und auch bezüglich ihrer
Federungseigenschaften identisch, so daß sie ein neutrales Eigenlenkverhalten aufweisen.
In gewissen Ausnahmefällen ist es jedoch vorteilhaft, wenn insbesondere die Wankfederraten
vorne und hinten unterschiedlich abgestimmt sind; so könnte z.B. bei Strandsurfern
das Rollbrett - ähnlich wie bei Kraftfahrzeugen - durch eine stärkere Vorderachs-Wankfederung
untersteuernder ausgelegt werden, um die bei hohen Geschwindigkeiten auftretende Übersteuertendenz
zu kompensieren, die sich meist durch ein Wegdriften der Hinterachse äußert. Das Übersteuern
ist eine Folge der Segeldruckpunkt-Verlagerung nach hinten, wenn das Segel mit zunehmender
Geschwindigkeit stärker nach hinten geneigt wird und der Fahrer dementsprechend auch
sein Gewicht nach hinten verlagert). Einen wesentlichen Einfluß auf das Fahr- und
Komfortverhalten haben auch die Dämpfungseigenschaften der Federn, für die insbesondere
bei Elastomere-Federn (u.a. Formfeder in Fig. 3-7) ein weiter Abstimmspielraum zur
Verfügung steht. Die Dämpfung sorgt vor allem dafür, daß nach Beendigung der Kurvenfahrt
oder nach Überfahren von Bodenun-ebenheiten die Fahrzeugschwingungen schnellstmöglich
abgebaut werden. Falls die Eigendämpfung der Federn nicht ausreicht, können auch separate
Stoßdämpfer, wie an der Hinterachse in Fig. 8, verwendet werden.
[0062] Zusätzlich zu diesen Eigenschaften verfügen die Radaufhängungen der vorliegenden
Erfindung (auf Basis der Viergelenkkette) noch über weitere Vorteile gegenüber den
herkömmlichen Radaufhängungen, aber auch gegenüber der Stammanmeldung:
- Der Hauptvorteil gegenüber der Stammanmeldung ist der geringe Bauhöhenbedarf aufgrund
der Substitution des realen (körperlichen) Längslenker-Kardangelenks durch ein virtuelles
Gelenk, den Momentanpol M. Dieser kann durch geschickte Anordnung der Hilfslenker
in nahezu jeder beliebigen Lage positioniert werden (i.a. allerdings unter Inkaufnahme
eines höheren konstruktiven Aufwands wegen der größeren Anzahl an Gelenken). Je weniger
Bauhöhe die Radaufhängung beansprucht, desto niedriger kann die Standfäche gelegt
werden, und desto besser läßt sich das Fahrgefühl von Snowboards oder Surfbrettern
nachbilden.
- Darüberhinaus kann - ebenfalls durch geschickte Anordnung der Hilfslenker - der Verlauf
der Polbahn P des Momentanpols M derart ausgelegt werden, daß diese beim Einfedern
eine andere Charakteristik aufweist als beim Ausfedern. Mit einer solchen asymmetrischen
Polbahn läßt sich u.a. eine progressive Wank-Kinematik realisieren, mit der sich das
Roll-brett während der Kurvenfahrt anhebt und anschließend durch das Fahrergewicht
wieder in seine Geradeausstellung zurückgestellt wird (Gewichtsrückstellung). Hierdurch
erübrigt sich der Einsatz von Federungselementen für die Lenkungsrückstellung - ein
Vorteil, der auch gegenüber allen anderen bekannten Rollbrett-Radaufhängungen gilt.
Die Gewichtsrückstellung ist für Rollbretter eine völlig neuartige und besonders effiziente
(weil verlustfreie) Form der Lenkungsrückstellung, die sich vor allem bei der Fortbewegung
eines Skateboards durch "Pumpen" (schnell aufeinanderfolgende Gewichtsverlagerungen
des Fahrers) sehr positiv auswirkt.
- Die progressive Wank-Kinematik bzw. die Gewichtsrückstellung zieht einen weiteren
Vorteil nach sich: Die Aufbauanhebung bei Kurvenfahrt entspricht hinsichtlich des
Bewegungsablaufs in etwa dem ,,Aufkanten" eines Snowboards in der Kurve und vermittelt
daher ein Snowboard- oder Surfbrettähnliches Fahrgefühl. In Verbindung mit der o.g.
"Kurvenleger-Kinematik" der Verbundlenkerachse können damit sowohl enge Wechselkurven
als auch langgezogene Bögen mit extremer Schräglage des Fahrers, also mit extrem hoher
Querbeschleunigung, durchfahren werden.
[0063] Sämtliche aufgeführten Vorteile lassen sich auch auf Kufenfahrzeuge übertragen, wenn,
wie in Fig. 14 an der Hinterachse dargestellt, die Räder mit Kufen vertauscht werden.
In der am Ende des 3. Abschnitts erwähnten Zusatzanmeldung196 02 447.1-15 ist ausführlich
beschrieben, wie vorteilhaft sich der Einsatz von Verbundlenkeraufhängungen auch bei
Kufenfahrzeugen auswirkt. Hierbei ist vor allem das "Kurvenlegerverhalten" der Verbundlenkerachsen
hervorzuheben, da in der Kurve die Kufen erst durch die Schrägstellung ihr volles
Seitenführungsvermögen entfalten können; dies gilt vor allem für hohlgeschliffene
Kufen, wie sie z.B. von Eisschnelläufern oder Eishockeyspielern bevorzugt verwendet
werden. Dieser kinematische Vorteil zeigt sich nicht nur auf glattem Eis, sondern
auch auf weniger tragfähigen (aber gleitfähigen) Untergründen, wie Schnee oder Tiefschnee.
Hier kommen dementsprechend breitere Kufen zum Einsatz, z.B. in Form von Skiern, die
ja zur Übertragung von Seitenkräften ebenfalls aufgekantet werden. Bei solch breiten
Kufen läßt sich das Seitenführungs-vermögen noch weiter erhöhen, indem sie wie Race-Snowboards
oder Carving-Skier in der Mitte stark tailliert werden und sich dadurch beim Aufkanten
wie ein Snowboard oder Carving-Ski verhalten: Diese durchfahren - ohne seitlich wegzudriften
- die Kurven in ihrer eigenen Kantenspur (wobei der Kurvenradius durch die Taillierung
und die Schrägstellung des Bretts bestimmt wird), erzeugen dadurch einen Formschluß
mit der Unterlage und sind deshalb für höchste Querbeschleunigungen geeignet.
[0064] Allerdings ist es problematisch, dieses sog. Carving-Verhalten auch bei mehrkufigen
Fahrzeugen umzusetzen. da jede Kufe ihre eigene Kurve fahren möchte. Zwar sind die
Kurvenradien an allen Kufen gleich (sofern diese geometrisch identisch sind), doch
fallen i.a. die Kurvenmittelpunkte nicht zusammen, was zu einem Verlust an Seitenführungsvermögen
und zu einem indifferenten Fahrverhalten führt. Der tatsächliche Kurvenmittelpunkt
wird davon bestimmt, welche Kufe momentan am stärksten belastet ist. Dieses Fehlverhalten
tritt nicht auf, wenn die Kurvenmittelpunkte aller Kufen in einem Punkt zusammenfallen;
was der Fall ist, wenn die Senkrechten auf die Laufrichtung jeder Kufe sich in diesem
Punkt schneiden (gemeinsamer Kurvenmittelpunkt). Dann liegt die im Kraftfahrzeugbau
so benannte "Ackermann"-Lenkgeometrie vor.
[0065] In der Zusatzanmeldung 196 02 447.1-15 ist eine konstruktive Möglichkeit beschrieben,
wie sich bei Kufenfahrzeugen eine solche Ackermann-Geometrie realisieren läßt: Im
Gegensatz zu den Rädern, die beim Abrollen eine "freie" Rotation ausüben, führen die
Kufen nur eine eng begrenzte Rotation aus, wenn sie sich beim Ein- und Ausfedern relativ
zum Längslenker in ihren Lagern drehen. Die Kufen-Drehachse muß daher nicht wie Raddrehachsen
zumindest annäherungsweise quer-horizontal zur Fahrtrichtung angeordnet werden, sondern
kann einen beliebigem Winkel einnehmen. Dieser zusätzliche Freiheitsgrad der Kufenaufhängung
gegenüber der Radaufhängung wird in vorteilhafter Weise für die Erzeugung eines zusätzlichen
Lenkeffekts genutzt, der sich dem Lenkwinkel der Verbundlenkerachse überlagert. Bei
der Kurvenfahrt, wenn der kurveninnere Längslenker ein- und die kurvenäußere ausfedert,
drehen sich beide Lenker um ihren jeweiligen Momentanpol und schlagen dabei einen
Lenkwinkel ein; gleichzeitig drehen sich die Kufen gegensinnig zur Lenkerdrehung in
ihre horizontale Position zurück und erzeugen dabei einen zusätzlichen Lenkwinkel,
sofern die Kufendreh-achsen nicht parallel zum kinematischen Querverbund liegen. Die
Kufendrehachsen sind derart schräg anzustellen, daß durch den zusätzlichen Lenkeffekt
der kurveninnere Lenk-winkel etwas verstärkt und der kurvenäußere etwas zurückgenommen
wird, so daß entspre-chend dem längeren Weg, den die kurvenäußeren gegenüber den -inneren
Kufen zurücklegen, die Kurvenradien korrigiert werden und sich im Kurvenmittelpunkt
schneiden.
[0066] Eine solche Lenkwinkelkorrektur zur Realisierung der Ackermann-Geometrie wirkt sich
prinzipiell auch bei Räder-Fahrzeugen positiv aus, ist aber aufgrund des Schräglaufverhaltens
luftbereifter Reifen dort nicht erforderlich. Die Seitenkraft bei Kurvenfahrt bewirkt
nämlich am Reifen aufgrund der Reifenelastizität einen sog. Schräglaufwinkel (Differenz
zwischen dem kinematischen Lenkwinkel und der tatsächlichen Rollrichtung des Reifens),
der die Abweichungen des kinematischen Lenkwinkels vom "idealen" (Ackermann-) Lenkwinkel
ausgleicht; d.h. die Ackermann-Geometrie stellt sich hier automatisch ein. Kufenfahrzeuge
dagegen - und hier vor allem die mit scharfen, schmalen und relativ langen Kufen ausgestatten
Eissurfer - reagieren dagegen wesentlich empfindlicher auf falsche Vorspurwinkel;
z.B. lassen sich Eissurfer gar nicht starten, wenn (bei Geradeausfahrt) die Kufen
nicht einigermaßen parallel zueinander stehen. Hier besteht zwar auch die Möglichkeit,
den Kufen durch Elastizi-täten oder Spiel in ihrer Aufhängung einen gewissen Freiheitsgrad
zur Selbstkorrektur einzuräumen, doch leidet hierunter erheblich die Fahrstabilität.
Daher liefert nur eine exakt auf die Ackermann-Geometrie abgestimmte Lenkkinematik
die Voraussetzung, das vorhandene Seitenführungspotential voll auszuschöpfen.
[0067] Diese Vorteile, die allgemein für Kufenfahrzeuge mit Verbundlenkeraufhängung gelten,
werden auch hier ergänzt durch die spezifischen geometrischen und kinematischen Vorteile
der Verbundlenkeraufhängung auf Basis der Viergelenkkette; sie gelten sowohl für Fahrzeuge
mit Federung als auch ohne. So läßt sich z. B. mit der Aufhängung aus Fig. 10/11,
bei der auf die Federung verzichtet wird, ein Eissurfer mit extrem niedrigem Standbrett
realisieren, mit dem auf ebenem Eis maximale Querbeschleunigungen gefahren werden
können. (Die üblichen Eissurfer sind zwar noch etwas flacher gebaut, verfügen dafür
aber über keinerlei Lenkmechanismen für eine Fußsteuerung; die Kufen sind entweder
direkt an die Standbrett-Unterseite angeschraubt oder allenfalls mit einer (sehr harten)
elastischen Lagerung versehen, um eventuelle Nicht-Parallelitäten der Kufen auszugleichen.
Solche Bretter können nur durch Riggsteuerung gelenkt werden, indem das Segel nach
vorne oder hinten geneigt wird. Da hierbei das Standbrett wie auch die Kufen ihren
Neigungswinkel zur Eisfläche nicht verändern, lassen sich so gut wie keine Querbeschleunigungen
aufbauen). Sofern das Eis nicht nach jedem Schneefall geräumt wird, sind optimale
Eisverhältnisse - mit einer blanken und ebenen Eisfläche - recht selten. Daher empfiehlt
sich auch bei Eissurfern für universelle Anwen-dungen der Einsatz einer Federung,
die aufgrund ihres Federwegbedarfs zwar etwas Bauhöhe kostet, dafür aber auch bei
holprigem oder schneebedecktem Eis für herausragende Fahreigenschaften sorgt.
[0068] Sowohl bei Räder- als auch bei Kufenfahrzeugen kommen die genannten Vorteile teilweise
auch dann noch zum Tragen, wenn die Verbundlenkerachsen nicht, wie üblich, in spiegelverkehrter
Weise an beiden Fahrzeugachsen verwendet, sondern mit beliebigen anderen Achskonstruktionen
kombiniert werden. Besonders vorteilhaft wirken sich derartige Kombinationen mit einspurigen
Roller-, Fahrrad oder Motorrad-Vorderachsen aus, bei denen sich der Fahrer ebenfalls
mit seinem Fahrzeug in die Kurve neigt ("Kurvenleger"). Im Vergleich zu vorbekannten
Dreirad-Fahrzeugen, die aufgrund ihrer starren Hinterachse (Sturz und Spur relativ
zur Fahrbahn stets konstant) auch das Vorderrad zwingen, aufrecht durch die Kurve
zu fahren und somit keine nennenswerten Querbeschleunigungen zulassen, wird hier durch
die Schräglage des Fahrzeugs das Seitenführungspotential der mit nach innen geneigten
Räder voll ausgenutzt. Da zudem die Hinterräder infolge des schräggestellten Aufbaus
mit in die Kurve lenken, muß das Vorderrad dementsprechend weniger eingeschlagen werden,
woraus ein sehr agiles und ein variantenreicheres Lenk- und Fahrverhalten resultiert.
(Hinzu kommen noch die übrigen spezifischen Vorteile der vorliegenden Erfindung gegenüber
der Stamman-meldung; u.a. geringer Bauhöhenbedarf der Viergelenkkette).
[0069] Ähnliches gilt, wenn die erfindungsgemäße Verbundlenkerachsen bei den bekannten Snake-boards
anstelle deren ungelenkten Starrachsen eingesetzt werden. Auch dort kann die Snakeboard-typische
Lenk- und Fortbewegung (Verdrehen beider Beine zueinander) durch die wesentlich elegantere
Snowboard-Kurventechnik (Körper oder Hüften mit der Standfläche nach innen neigen)
ergänzt werden.
Bezugszeichenliste
[0070]
1, 21, 41, 61, 81, 101 erster Hilfslenker
2, 22, 42, 62, 82, 102 zweiter Hilfslenker
3, 23, 43, 63, 83, 103 Längslenker
4, 24, 44, 64, 84, 104 Aufbau
5, 25, 45, 65, 85, 105 erstes längslenkerseitiges Gelenk
6, 26, 46, 66, 86, 106 zweites längslenkerseitiges Gelenk
7, 27, 47, 67, 87, 107 erstes aufbauseitiges Gelenk
8, 28, 48, 68, 88, 108 zweites aufbauseitiges Gelenk
9, 29, 49, 69, 89, 109 Verbindungselement bzw. Querträger
10, 30, 50, 70, 90, 110 Rad
11, 31, 51, 71, 91, 111 Standbrett
12, 32, 52, 92, 112 Federelement
13, 53, 93, 113 Federelement-Halter (lenkerseitig)
14, 34, 54, 94, 114 Federelement-Halter (aufbauseitig)
15, 35 Welle bzw. Rohr
16, 36 Gleitlager
17 Fußschlaufen
18 Mastfuß
19 Kardangelenk
20 Surf-Rigg
37 Gleitlager
38 Welle
39 Konterschraube
40 Schiene
55 Ventil
56 Hilfslenker
57 Kugelgelenk
58 Drehgelenk
59 Drehgelenk
60 Kardangelenk
72 Kugelpfanne
73 Dichtmanschette
74 Welle
75, 77 Distanzrohre
76, 78 Kugellager
79 Konterschraube
80 Welle
95 Klemmvorrichtung
96 Halter
97 Distanzrohr
98 Kugellager
99 Einschraubstutzen
100 Zugfeder
115 dritter Hilfslenker
116 Schelle
117 Manschette
118 Befestigungselement
119 Spritzschutz
120 Kufe
121, 131, 141 Verbundlenker-Radaufhängung
122, 132, 142 Standbrett
123, 133 Einspur- Radaufhängung
124,134 Rad
125 Riemenscheibe
126 Keilriemen
127 Spannrolle
128 Bremspedalhebel
129 Elektromotor
130 Batterie
135 Gabel
136 Drehgelenk
137 Lenkstange
143 Verbindungs-Lenker
144 Drehgelenk
145 Fußschlaufe
1. Rad- oder Kufenaufhängung für ein durch Gewichtsverlagerung bzw. Schrägstellung des
Aufbaus lenkbares Fahrzeug, insbesondere Rollbrett, wobei Räder bzw. Kufen vorzugsweise
mittels Radlager drehbar an jeweils einem Lenker befestigt sind,
dadurch gekennzeichnet,
- daß die Lenker (3, 23, 43, 63, 83, 103), an denen die Räder (10, 30, 50, 70, 90,
110) oder Kufen (120) drehbar befestigt sind, sich im wesentlichen in Fahrzeug-Längsrichtung
erstrecken (sog. Längslenker),
- daß die Längslenker (3, 23, 43, 63, 83, 103) über jeweils mindestens zwei Hilfslenker
(1, 21, 41, 61, 81, 101) bzw. (2, 22, 42, 62, 82, 102) kardanisch beweglich mit dem
Aufbau (4, 24, 44, 64, 84, 104) ver-bunden sind.
2. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß die Hilfslenker
(1, 21, 41, 61, 81, 101 bzw. 2, 22, 42, 62, 82, 102) jeweils über Gelenke (5, 25,
... bzw. 6, 26...) mit den Längslenkern (3, 23, 43, 63, 83, 103) einerseits und über
Gelenke (7, 27, ... bzw. 8, 28...) mit dem Aufbau (4, 24, 44, 64, 84, 104) andererseits
verbunden sind.
3. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 und 2 dadurch gekennzeichnet, daß die Gelenke
(5, 25, ... 6, 26, ... 7, 27, ... 8, 28...) als Drehgelenke und/oder Kardan- oder
Kugelgelenke und/oder sonstige kardanisch bewegliche Gelenke ausgeführt sind.
4. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 bis 3 dadurch gekennzeichnet, daß mindestens
eines der Gelenke (5, 25, ... 6, 26, ... 7, 27, ... 8, 28...) als Schubgelenk (46"',
48') ausgeführt ist.
5. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 bis 4 dadurch gekennzeichnet, daß sich die
Hilfslenker (1, 21, 41, 61, 81, 101 bzw. 2, 22, 42, 62, 82, 102) jeweils um in etwa
quer-horizontale Drehachsen relativ zum Aufbau (4, 24, 44, 64, 84, 104) drehen.
6. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 bis 5 dadurch gekennzeichnet, daß sich einer
der Hilfslenker (1, 21, 41, 61, 81, 101 bzw. 2, 22, 42, 62, 82, 102) um eine in etwa
quer-horizontale Drehachse und der andere dieser Hilfslenker (56) um eine in etwa
eine vertikale Drehachse relativ zum Aufbau (4, 24, 44, 64, 84, 104) dreht.
7. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 6 dadurch gekennzeichnet, daß zwei gegenüberliegende
Hilfslenker (z.B. 56) einer Achse, die sich um eine in etwa vertikale Drehachse drehen,
zusammen ein Bauteil (Querträger 69, 89) bilden.
8. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 bis 7 dadurch gekennzeichnet, daß die beiden
Längslenker (3, 23, 43, 63, 83, 103) einer Achse über quer-horizontale Verbindungselemente
(9, 29, 49, 109) bzw. Querträger (69, 89) torsionsfrei oder torsionsarm, aber biegesteif
miteinander verbunden sind.
9. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 bis 8 dadurch gekennzeichnet, daß die quer-horizontalen
Verbindungselemente (9, 29, 49) als Dreh- oder Drehschubgelenk ausgeführt sind.
10. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 bis 9 dadurch gekennzeichnet, daß die quer-horizontalen
Verbindungselemente (9, 29, 49) als Rohr/Welle-Dreh- oder -Drehschubgelenk ausgeführt
sind, wobei ein Rohr (15", 29, 49) eine Welle ( 15', 35', 35") konzentrisch umfaßt.
11. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 bis 10 dadurch gekennzeichnet, daß die quer-horizontalen
Verbindungselemente (9, 29, 49) als Rohr/Welle-Dreh- oder -Drehschubgelenk ausgeführt
sind, wobei ein Rohr (15", 29, 49) eine Welle ( 15', 35', 35") konzentrisch umfaßt,
und daß zwischen Rohr und Welle ein Kugel- oder Gleitlager (16, 36) angeordnet ist.
12. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 bis 11 dadurch gekennzeichnet, daß das quer-horizontale
Verbindungselement (29) als Dreh- oder Drehschubgelenk ausgeführt ist und das Drehgelenk
(26) eines Hilfslenkers konzentrisch umfaßt.
13. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 bis 12 dadurch gekennzeichnet, daß das quer-horizontale
Verbindungselement ( 109) als torsionsweiche Drehstabfeder ausgeführt ist, die an
ihren Enden mit den beiden gegenüberliegenden Längslenkern (103', 103") drehsteif
verbunden ist.
14. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 bis 13 dadurch gekennzeichnet, daß an den
Längslenkern (3, 33, 53, 73) oder Verbindungselementen (29, 89, 109) ein oder mehrere
Federelemente (12, 32, 52, 92, 112) angreifen und diese am Aufbau abfedern.
15. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 bis 14 dadurch gekennzeichnet, daß die Federelemente
(12, 32, 52, 92, 112) aus beliebigen elastischen Materialien, wie Federstahl, Gummi
oder Polyurethan-Schaum bestehen und beliebig gestaltet sein können.
16. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 bis 15 dadurch gekennzeichnet, daß an den
Längslenkern (3, 33, 53, 73) oder Verbindungselementen (29, 89, 109) Dämpferelemente
(55) angreifen.
17. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 bis 16 dadurch gekennzeichnet, daß die Längslenker
(3, 23, 43, 63, 83, 103) mit einem Spritzschutz (119) für die Räder (10, 30, 50, 70,
90, 110) versehen sind.
18. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 bis 17 dadurch gekennzeichnet, daß die Räder
(10, 30, 50, 70, 90, 110, 124, 134) mit einer beliebigen Bremsvorrichtung (125', 126')
abgebremst werden können.
19. Rad- oder Kufenaufhängung nach Anspruch 1 bis 18 dadurch gekennzeichnet, daß die Räder
(10, 30, 50, 70, 90, 110, 124, 134) mit einer beliebigen Antriebsvorrichtung (129)
angetrieben werden können.
20. Durch Gewichtsverlagerung bzw. Schrägstellung des Aufbaus lenkbares Fahrzeug, insbesondere
Rollbrett, mit zwei Rad- oder Kufenaufhängungen nach einem der vorhergehenden Ansprüche
dadurch gekennzeichnet, daß die Aufhängungen identisch ausgeführt, aber entgegengerichtet
am Aufbau (1, 21, 41, 61) angeordnet sind.
21. Durch Gewichtsverlagerung bzw. Schrägstellung des Aufbaus lenkbares Fahrzeug, insbesondere
Rollbrett, mit einer Rad- oder Kufenaufhängung nach einem der vorhergehenden Ansprüche
dadurch gekennzeichnet, daß diese Aufhängung mit einer beliebigen Einspur-Aufhängung
an der anderen Achse kombiniert ist.
22. Durch Gewichtsverlagerung bzw. Schrägstellung des Aufbaus lenkbares Fahrzeug, insbesondere
Rollbrett, mit einer Rad- oder Kufenaufhängung nach einem der vorhergehenden Ansprüche
dadurch gekennzeichnet, daß das Standbrett auf 2 Segmente (142', 142") aufgeteilt
ist, die gelenkig miteinander verbunden sind.