[0001] Gegenstand der Erfindung ist eine Funktionsflüssigkeit für lebensdauergeschmierte
Verbrennungsmotoren, welche die Eigenschaften eines Schmiermittels und einer Kühlflüssigkeit
in sich vereint und aufgrund ihrer neuartigen Zusammensetzung erhebliche Vorteile
gegenüber bekannten Motorenölen aufweist. Sie findet ihre Anwendung in Verbrennungsmotoren,
die aus herkömmlichen metallischen Materialien hergestellt sind, vor allem aber auch
in Motoren, die aus keramischen Teilen bestehen.
[0002] Die klassischen Verbrennungsmotoren bestehen aus einer Vielzahl von Hauptbauelementen
wie Kolben, Kolbenringen, Kolbenbolzen, Pleueln, Pleuellagern, Laufbüchsen, Kurbelwellen,
Kurbelwellenlagern, Nockenwellen, Ventilen, Ventilführungen und Ventiltriebselementen,
die sich mit relativ hoher Geschwindigkeit gegeneinander bewegen und dabei erhebliche
Verschleißwege zurücklegen. Typischerweise werden diese Bauelemente aus metallischen
Werkstoffen wie Gußeisen, Stahl, Aluminium, Messing und Bronzelegierungen hergestellt
und unterliegen daher einem systemtypischen Verschleiß.
[0003] Um die Reibung zwischen den Bauteilen so gering wie möglich und damit den Verschleiß
auf einem niedrigen Niveau zu halten, werden die Reibstellen dieser Verbrennungsmotoren
mit Schmiermitteln versorgt, die üblicherweise aus Kohlenwasserstoffen, Mineralölen
oder auch synthetischen Ölen besteht. Der tribologisch zwar stark, von Temperatur
und Verunreinigungen aber eher geringfügig belastete Ventiltrieb wird dabei aus dem
gleichen Ölvorrat versorgt wie der thermisch hoch beanspruchte, mit Verbrennungsrückständen
befrachtete Kurbeltrieb. Öllebensdauer und Wechselintervalle werden von letzterem
bestimmt.
[0004] Zur Erfüllung der vielfältigen Schmierungsaufgaben werden den Motorenölen Additive
beigegeben, welche die Leistungsbandbreite des Motoröls vergrößern sollen und welche
- jedes für sich oder in Kombination - ganz spezifische Aufgaben wahrzunehmen haben.
Ein erheblicher Anteil dieser Additive dient dazu, die aufeinander gleitenden metallischen
Werkstoffe vor Verschleiß, Korrosion oder Verschweißen (Fressen) zu schützen.
[0005] Bis zu 35% der Partikel-Emissionen eines Dieselmotors haben ihren Ursprung im Motorenöl.
Entsprechendes gilt für die Kohlenwasserstoffe im Abgas von Ottomotoren. Ein erheblicher
Anteil der Partikel-Emissionen besteht aus nicht mitverbrennenden Additiven wie Phosphor-,
Schwefel-, Zink-, BariumVerbindungen und vielen anderen, welche nicht nur die Rußpartikel-Emission
fördern, sondern auch den Abgaskatalysator kontaminieren, sich verbrauchen und daher
ausgewechselt werden müssen, sobald die wirksame Mindestkonzentration im Basisöl unterschritten
ist.
[0006] Neuere Werkstoffe wie Hartmetalle, monolithische und Schichtkeramiken, Sinterkeramiken,
Kohlenstoff und tribologische Beschichtungen ermöglichen heute in Verbindung mit konstruktiven
Maßnahmen neue Lösungen zur Schmierung des Verbrennungsmotors bei weit geringerem
Schmiermittelverbrauch, als er bei konventionellen Verbrennungsmotoren aus herkömmlichen
metallischen Werkstoffen eintritt.
[0007] Da die aufeinander gleitenden Bauteiloberflächen bei aus neueren Werkstoffen hergestellten
Verbrennungsmotoren, die im folgenden vereinfachend als "Keramikmotoren" bezeichnet
werden, nicht mehr nur metallischer Natur sind, können die dafür erforderlichen Schmiermittel
aller Additive entbehren, die jene heute vor Korrosion schützen oder einen Stoffkontakt
der aufeinander gleitenden Oberflächen unter allen Umständen verhindern sollen. Die
wesentlich bessere Verschleißbeständigkeit der genannten neueren Werkstoffe (zum Fressen
neigen einige überhaupt nicht) erlaubt einen erheblich größeren Anteil an Mischreibung
als dies bei den konventionellen Motoren aus metallischen Werkstoffen möglich ist.
[0008] Unter diesen Mischreibungszuständen - oder gar im Trockenlauf - werden dann aber
durch teilweisen Wegfall der verschleißmindernden Flüssigschmierung stoffliche Ersatzfunktionen
ermöglicht: Der bei konventionellen Motoren erforderliche Verschleißvorrat und die
geringe Scherung aus den Schmierstoffen wird in die Oberfläche der aufeinander gleitenden
Werkstoffe verlagert.
[0009] Keramische Werkstoffe zeichnen sich durch hohe Härtegrade, hohe Schmelzpunkte, eine
geringe Dichte, geringe Wärmeausdehnung, verminderte Korrosion und hohe Beständigkeit
bei thermischen und chemischen Beanspruchungen aus. Deshalb werden Formteile aus keramischen
Werkstoffen vermehrt dort eingesetzt, wo metallische Werkstoffe den mechanischen,
thermischen oder chemischen Beanspruchungen nicht mehr genügen. Vor allem Aluminiumoxid
(Al
2O
3), Zirkoniumoxid (ZrO
2), Siliciumnitrid (Si
3N
4), Siliciumkarbid (SiC), kubisches Bornitrid (BN), Aluminiumnitrid (AlN) und Borkarbid
(B
4C) werden als Materialien angesehen, die in Zukunft geeignete Werkstoffe und Beschichtungen
für die Herstellung von Komponenten für Verbrennungsmotoren sein werden.
[0010] Keramische Teile unterliegen jedoch wie Teile aus anderen Materialien dem Abrieb.
Durch geeignete Schmierstoffe ist daher auch hier dafür Sorge zu tragen, daß die Reibung
möglichst gering ist. Es hat bereits verschiedene Ansätze zur Lösung des Problems
gegeben, wie durch Reibung entstehende Materialverluste keramischer Formteile hinreichend
verhindert werden können. Die folgenden Lösungsvorschläge sind zu nennen:
[0011] Nach einem Vorschlag sollen verschiedene Materialien wie Öle, Additive, Polymere,
feste Gleitmittel und Seifen in keramische, komposite Materialien vor der Fertigstellung
des keramischen Formteils eingearbeitet werden, wodurch das fertige Formstück selbstschmierende
Eigenschaften erhält. Durch dieses Verfahren werden jedoch die mechanischen Eigenschaften
des keramischen Materials nachteilig verändert.
[0012] Nach einem anderen Verfahren sollen die Oberflächen keramischer Formteile mit unterschiedlichen
Materialien wie Metallfilmen, festen Gleitmitteln oder Polymerfilmen beschichtet werden,
um die Gleitfähigkeit der Oberflächen zu erhöhen. Derartige Oberflächenbeschichtungen
werden bei mechanischer, thermischer oder chemischer Beanspruchung der Keramikteile
jedoch schon nach kurzer Zeit abgerieben, da deren Verschleißvorrat gering ist, so
daß sie nur vorübergehend wirksam sind.
[0013] Eine weitere Möglichkeit besteht in der Anwendung bekannter löslicher Antireibungszusätze
zu einem flüssigen Schmiermittel, z.B. einem Mineralöl, das bisher üblicherweise zur
Verminderung der Reibung von Metalloberflächen aneinander eingesetzt wurde. Diese
Mittel beruhen jedoch auf einer spezifischen Reaktion mit der Metalloberfläche, deren
Atome ionisch oder kovalent gebunden sind, und können deshalb bei keramischen Materialien
nicht erfolgversprechend eingesetzt werden, da die Additive nicht von der keramischen
Oberfläche adsorbiert werden oder mit ihr chemisch reagieren.
[0014] Weiterhin ist vorgeschlagen worden, feste Gleitstoffe wie Graphit oder Molybdändisulfid,
in Ölen zu dispergieren und diese dann auf keramische Oberflächen aufzubringen. Solche
Feststoffe führen jedoch zu Verstopfungen von Filtern und müssen zudem in großen Mengen
angewendet werden, um wirksam zu sein. Weiterhin können Festschmierstoffe im Beisein
einer Flüssigkeit auf einer Oberfläche keinen festen Film bilden, so daß auch dieser
Vorschlag das Problem, eine befriedigende Herabsetzung der Reibungsverluste von Keramikmotoren
zu erreichen, nicht löst.
[0015] In der WO-A-92/07923 ist bereits vorgeschlagen worden, zur Verminderung der Reibungsverluste
von keramischen Oberflächen eine ein Monomeres enthaltende Flüssigkeit einzusetzen.
In der Flüssigkeit polymerisiert das Monomere zunächst nicht, jedoch wird die Polymerisation
durch die Blitztemperatur zwischen den aneinander vorbeigleitenden Oberflächen ausgelöst,
wobei sich ein Polymerfilm unmittelbar auf den beanspruchten Oberflächen ausbildet.
Dadurch verbrauchen sich die Monomeren verhältnismäßig schnell und der Schmierstoff
muß häufig gewechselt werden.
[0016] Alle bisher bekannten Lösungsvorschläge haben das Problem der Verminderung des Reibungsverlustes
von mechanisch, thermisch oder chemisch beanspruchten Keramikoberflächen noch nicht
zufriedenstellend lösen können, was die Voraussetzung für praxisgerechte und langlebige
Verbrennungsmotoren ist. Da jedoch auch ein tribologisch und stofflich optimierter
Motor keine Zugeständnisse an Lebensdauer und mechanischen Wirkungsgrad zuläßt, ergeben
sich gewisse Mindestanforderungen an Verschleißfestigkeit und Reibungszahl
µ. Die Reibungszahl
µ bewegt sich bei Flüssigreibung, die - mit geringem Mischreibungsanteil - beim herkömmlichen
Motor vorherscht, im Bereich von 0,001 bis 0,01. Völlig trocken laufende Reibpaarungen
mit diesen Grenzwerten sind jedoch weder aus der Literatur noch aus den einschlägigen
Tribodatenbanken bekannt, so daß zumindest das System Kolben/Büchse weiterhin geschmiert
werden muß. Dann aber sollte anstelle eines Mineralöls ein leicht abbaubares Medium
in so minimaler Menge eingesetzt werden, daß es während des Fahrzeuglebens weder gewechselt
noch ergänzt werden muß. Dann wird es vom Fahrzeugnutzer nicht mehr wahrgenommen,
ähnlich wie er bereits heute von den Füllmedien für Getriebe und Klimaanlage keine
Notiz mehr nimmt.
[0017] Das flüssige Medium, das erfindungsgemäß sowohl die Aufgaben eines Schmiermittels
als auch die eines Kühlmittels übernimmt, wird im folgenden als "Funktionsflüssigkeit"
bezeichnet. Entscheidend für die lebensdauertaugliche Funktionsflüssigkeit nach der
Erfindung ist es, daß diese keine tribologisch relevanten und wirksamen Additive enthält,
welche Wechselintervalle mitbestimmen. Vielmehr besteht die tribologisch relevante
Wirkungsweise darin, daß das Grundöl der erfindungsgemäßen Funktionsflüssigkeit mit
der z.B. keramischen Werkstoffoberfläche eine tribologisch bedingte chemische Reaktion
eingeht. Weil das Grundöl im Vergleich zu den Additiven in beliebiger Menge vorhanden
ist, verbraucht es sich nicht.
[0018] Die Erfindung sieht zur Lösung der gestellten Aufgabe eine Funktionsflüssigkeit für
einen lebensdauergeschmierten Motor vor, die als Grundflüssigkeit ein aus Ethylenoxid
und Propylenoxid hergestelltes Polyalkylenglykol enthält, dem eine Additivmischung
zugesetzt ist, bestehend aus
a) 0,01 bis 1,0 Gew.-% eines Reaktionsproduktes aus Diphenylamin und 2.4.4-Trimethylpenten;
b) 0,01 bis 1,0 Gew.-% eines teilweise oder vollständig mit einer alkylsubstituierten
p-Hydroxypropionsäure veresterten Pentaerythrits;
c) 0,01 bis 1,0 Gew.-% eines Mono- oder Di-(C4-C8)alkylphosphorsäure-(C10-C15)alkylamids;
d) 0,01 bis 1,0 Gew.-% des Triphenylthiophosphats;
e) 0,01 bis 0,1 Gew.-% eines mit einer geradkettigen oder verzweigten Alkylgruppe
mit 2 bis 10 Kohlenstoffatomen aminomethylierten Tolutriazols und/oder
f) 0,01 bis 0,1 Gew.-% des 1H-Benzotriazols.
[0019] Eine derartige Funktionsflüssigkeit vereinigt mehrere Vorteile in sich. Die starke
reibungs- und verschleißvermindernde Wirkung von Polyalkylenglykolen macht sie zu
einem idealen Motorenschmiermittel. Das ist schon deshalb überraschend, weil Polyalkylenglykole
bisher im Bereich der Motorenschmierung praktisch nicht zum Einsatz gekommen sind.
Motorenöle für Verbrennungskraftmaschinen bestehen heute zum überwiegenden Teil aus
Mineralöl und Mischungen aus synthetischen Mineralölen und Estern. Hinzu kommt, daß
Polyalkylenglykole bessere wärmetechnische Eigenschaften als Mineralöle haben und
deshalb auch die Aufgabe eines Kühlmittels zur Aufnahme der Prozeßwärme und zur Bauteilkühlung
eines Verbrennungsmotors übernehmen können.
[0020] Besonders hervorzuheben ist aber, daß Polyalkylenglykole physiologisch unbedenklich
sind und eine hohe biologische Abbaubarkeit zeigen, wenn es sich um Polyalkylenglykole
mit niedrigen Molmassen handelt. Produkte mit Molmassen von 4.000 g/mol werden bis
zu 80 % in 28 Tagen abgebaut. Je niedriger die Molmassen liegen, desto höher ist die
biologische Abbaubarkeit. Die Entsorgung der erfindungsgemäßen Funktionsflüssigkeit
wird außerdem dadurch erleichtert, daß sie frei von den bisher üblicherweise als Verschleißschutz-
und Hochdruck-Additive zugesetzten Schwermetallen ist und rauch- und rußlos im Verbrennungsmotor
verbrannt werden kann.
[0021] Bei der Zusammensetzung der erfindungsgemäßen Funktionsflüssigkeit wurde großer Wert
auf Langzeitstabilität gelegt. Versuche haben gezeigt, daß sie unter praxisnahen Bedingungen
bis zu 2.000 Betriebsstunden und mehr für eine ausreichende tribologische Wirkung
und Kühlung des Motors sorgt, so daß eine einzige Befüllung für die gesamte Lebensdauer
des Motors ausreicht.
[0022] Eine hervorragende Schmierung und Kühlung des Motors läßt sich mit einer optimalen
biologischen Abbaubarkeit der erfindungsgemäßen Funktionsflüssigkeit verbinden, wenn
das durch Polyaddition aus Ethylenoxid und Propylenoxid hergestellte Polyalkylenglykol
ein Molekulargewicht zwischen 300 und 700 g/mol, vorzugsweise zwischen 400 und 600
g/mol aufweist. Dieses Polyalkylenglykol soll aus Ethylenoxid und Propylenoxid im
Gewichtsverhältnis von 30:70 bis 70:30 bestehen.
[0023] Die hervorragenden Eigenschaften der erfindungsgemäßen Funktionsflüssigkeit setzen
die Zugabe einer ausgewogenen Additivmischung voraus.
[0024] Zu den unerläßlichen Bestandteilen der Additivmischung gehört ein Reaktionsprodukt
aus Diphenylamin und 2.4.4-Trimethylpenten, wobei das molare Verhältnis von Diphenylamin
zu 2.4.4-Trimethylpenten vorzugsweise zwischen 1:1.1 und 1:2.5 liegt. Derartige Reaktionsprodukte
sind als Bestandteil von flüssigen Stabilisatormischungen für Polyole bereits in der
EP-A-574 651 beschrieben.
[0025] Als ein Antioxidanz hat sich der in der Additivmischung enthaltende Pentaerythritester
besonders dann bewährt, wenn alle vier Hydroxylgruppen des Pentaerythrits mit einer
alkylsubstituierten p-Hydroxyphenylpropionsäure verestert sind. Der Phenylrest der
p-Hydroxyphenylpropionsäure sollte vorzugsweise in 3- und/oder 5-Stellung eine Alkylgruppe
tragen. Besonders vorteilhaft sind Verbindungen mit einer verzweigten Alkylgruppe
von 3 bis 5 Kohlenstoffatomen in 3- und 5-Stellung, wobei die Tertiär-Butylgruppe
eine Vorzugsstellung hat.
[0026] Ein weiterer Bestandteil der Additivmischung ist ein Phosphorsäureamid, das sich
durch besonders wertvolle Eigenschaften auszeichnet, wenn es sich von der Mono- oder
Dihexylphosphorsäure ableitet. Bevorzugt werden hieraus hergestellte Phosphorsäurealkylamide,
bei denen die Alkylgruppe 10 bis 15 Kohlenstoffatome umfaßt.
[0027] Weiterhin sind in der erfindungsgemäß eingesetzten Additivmischung auch noch ein
oder mehrere Triazole enthalten. Entweder im Gemisch mit dem 1H-Benzotriazol oder
auch allein stabilisiert das aminomethylierte Tolutriazol die erfindungsgemäße Funktionsflüssigkeit
besonders gut, wenn es mit einer oder zwei verzweigten Kohlenwasserstoff-Gruppen mit
jeweils 5 bis 10 Kohlenstoffatomen am seitenständigen Stickstoff alkyliert ist.
[0028] Die gute biologische Abbaubarkeit der für die erfindungsgemäße Funktionsflüssigkeit
verwendeten Grundflüssigkeit wird durch die nachfolgenden Beispiele gezeigt.
Beispiel 1
Wachtumstest bei Landpflanzen
[0029] Die Grundflüssigkeit mit einem Molekulargewicht von 460 mg/mol wurde auf seinen möglichen
Hemmeffekt auf das Wachstum von Landpflanzen nach der OECD-Richtlinie 208 geprüft.
[0030] Verschiedene Mengen von Grundflüssigkeit wurden mit seminatürlichem Erdboden gemischt,
wobei Testkonzentration von 0, 1,0, 3,2, 10, 32, 100, 320 und 1.000 mg/kg trockenem
Erdboden geprüft wurden. 10 Samen von zwei Pflanzensorten, nämlich Hafer (Avena sativa)
und Salat (Lactuca sativa) wurden in vier parallelen Behältern ausgesät, die Erdproben
mit den vorstehend genannten Konzentrationen der Grundflüssigkeit enthielten. Die
Behälter wurden bei 20 bis 24,5 °C pro Tag 16 Stunden belichtet (6.500 bis 6.600 Lux)
und dann 8 Stunden im Dunkeln gehalten. Dabei wurden die Behälter mit Glasplatten
bedeckt. Nachdem die Sämlinge enstanden waren, wurden pro Behälter fünf Pflanzen entfernt,
um genügend Raum für die übrigen fünf Pflanzen zu erhalten. Der Test wurde dann für
einen Zeitraum von 18 Tagen fortgesetzt. Die folgenden Beobachtungen wurden aufgezeichnet:
Keimung der Sämlinge, visuelle Erscheinungsform der jungen Pflanzen (einschließlich
der Aufzeichnung der abgestorbenen Pflanzen), Feuchtgewicht der einzelnen Pflanzen.
[0031] Bei keiner der angewendeten Dosierungen konnte eine deutliche Verzögerung bezüglich
der Keimung der Sämlinge von Avena sative und Lactuca sativa beobachtet werden. Außerdem
wurden auch keine anderen ungünstigen Wirkungen wie das Absterben oder Blattschädigungen
bei beiden Pflanzensorten zwischen 1 und 1.000 mg/kg der geprüften Grundflüssigkeit
festgestellt. Nur das durchschnittliche Feuchtigkeitsgewicht (Wachstum) war bei beiden
Pflanzensorten bei 1.000 mg/kg geringfügig vermindert, was jedoch als statistisch
nicht signifikant angesehen wurde. Deshalb kann geschlossen werden, daß die Wirkkonzentrationen
für die Keimung der Sämlinge und das Überleben der Sämlinge von Avena sativa und Lactuca
sativa bei der untersuchten Grundflüssigkeit gleich oder größer als 1.000 mg/kg sind.
Für das Wachstum wurde die Wirkkonzentration bei beiden Pflanzensorten als bei 1.000
mg/kg liegend angesehen.
Beispiel 2
Beurteilung der biologischen Abbaubarkeit (Manometric Respirometry Test)
[0032] Die biologische Abbaubarkeit der Grundflüssigkeit mit einem Molekulargewicht von
460 g/mol wurde in einem belüfteten wässrigen Medium mit Hilfe des Manometric Respirometry
Test geprüft. Die Studie entsprach den OECD Guidelines for Testing of Chemicals Number
301 F and Method C.4-D in Commission Directive 92/69/EEC.
[0033] Zwei parallele wässrige Lösungen des Testmaterials mit Konzentrationen von 100 mg/l
wurden vorbereitet; die Testlösungen wurden mit aktiviertem Schlamm geimpft, der aus
dem städtischen Abwasserwerk erhalten worden war (Endkonzentration entspricht 30 mg/l
suspendierten Feststoffen). Die folgenden Kontrolllösungen wurden für die Studie vorbereitet:
1.) Zwei parallel geimpfte Kontrollen, die aus dem aktivierten Schlamm und dem Impfgut
bestanden, denen kein Testmaterial zugegeben wurde (Blindprobe),
2.) eine Probe zur Kontrolle, wobei Anilin in einer Nährlösung mit einer Konzentration
von 100 mg/l und Impfgut zusammengegeben wurden und
3.) eine Probe zur Kontrolle der Toxizität, die 100 mg/l sowohl der zu prüfenden Grundflüssigkeit
als auch des aktivierten Schlammes und des Impfgutes enthielten.
[0034] Die Proben wurden bei 21 °C im Dunkeln in dicht verschlossenen Gefäßen inkubiert,
wobei die Testlösungen mit einem Magnetrührer gerührt wurden. Der biologische Abbau
wurde durch den täglichen biologischen Sauerstoffverbrauch gemessen. Außerdem wurden
die Konzentrationen des gelösten organischen Kohlenstoffes und der pH-Wert am Anfang
und am Ende des Testes gemessen.
[0035] Die untersuchte Grundflüssigkeit wurde zu 89 % biologisch abgebaut, gemessen anhand
des Sauerstoffverbrauchs. Der gelöste organische Kohlenstoff war nach 28 Tagen zu
100 % verbraucht. Das Ausmaß des biologischen Abbaus betrug nach 10 Tagen 64 %. Dementsprechend
kann die Grundflüssigkeit als biologisch gut abbaubar bezeichnet werden. Die Toxizitätskontrolle
zeigte keine deutlichen toxischen Effekte auf die im Schlamm enthaltenen Mikroorganismen.
Der zur Positivkontrolle verwendete Ansatz mit Anilin erreichte nach 28 Tagen unter
den gleichen Testbedingungen einen biologischen Abbauch von 87 %. Das zeigt, daß das
Impfgut und die Testbedingungen geeignet waren.
Beispiel 3
Hemmung des Algenwachstums bei Scenedesmus subspicatus
[0036] Die akute Toxizität der Grundflüssigkeit mit dem Molekulargewicht 460 g/mol im Wasser
wurde durch Einwirkung auf den Algenstamm Scenedesmus subspicatus ermittelt. Die Studie
entsprach der OECD Guideline for Testing of Chemicals Number 201 and to Method C.3
of Commission Directive 92/69/EEC und wurde unter GLP-Bedingungen durchgeführt.
[0037] Zellen von S. subspicatus wurden über einen Zeitraum von 72 Stunden in sechs parallel
Proben einer wässrigen Nährlösung (100 ml) gegeben, die jeweils 100 mg/l der Grundflüssigkeit
enthielten. Weitere drei parallele Proben wurden in den Tests als Blindproben eingeschlossen
und enthielten keine Grundflüssigkeit. Die Inkubation wurde in einem Laborschüttler
bei 24 ± 1 °C unter dauernder Belichtung (7.000 Lux) durchgeführt. Proben der Algensuspensionen
wurden nach 0, 24, 48 und 72 Stunden entnommen und die Anzahl der Zellen mit Hilfe
eines Spektrophotometers bei 665 nm bestimmt. Als Wachstumsparameter wurde die Fläche
unter der Wachstumskurve bestimmt.
[0038] Es wurde durch diesen Versuch erkannt, daß die Grundflüssigkeit bei den eingesetzten
Konzentrationen keinerlei Hemmwirkung auf den Algenstamm Scenedesmus subspicatus ausübt.
Beispiel 4
Bestimmung der akuten Toxizität der Grundflüssigkeit auf Regenbogenforellen
[0039] Die akute Toxizität der Grundflüssigkeit mit dem Molekulargewicht 460 g/mol auf Regenbogenforellen
(Oncorhynchus mykiss) wurde nach der Methode der OECD Guidelines for Testing of Chemicals
(1992) Nummer No. 203 bezeichnet als Methode C.1 der Commission Directive 92/69/EEC
unter GLP-Bedingungen durchgeführt.
[0040] Zwei Gruppen von jeweils zehn Fischen wurden in einer wässrigen Dispersion der Grundflüssigkeit
bei einer Konzentration von 100 mg/l für einen Zeitraum von 96 Stunden unter semi-statischen
Testbedingungen (tägliche Erneuerung des Testmediums) ausgesetzt.
[0041] Eine weitere Gruppe von zehn Fischen wurde zur Kontrolle unter gleichen Bedingungen,
jedoch ohne Zugabe der Grundflüssigkeit, getestet. Die Fische befanden sich in Aquarien,
die 20 Liter des Testmediums enthielten. Die Temperatur, der pH-Wert und die Sauerstoffkonzentration
der Testlösungen wurden während der Studie täglich aufgezeichnet. Die Sterblichkeit
der Fische und andere Effekte wurden nach 3, 6, 24, 48, 72 und 96 Stunden beobachtet.
[0042] Es gab keinerlei Anzeichen von Todesfällen oder Toxizitäten in der Testgruppe oder
in der Kontrollgruppe.
[0043] Hieraus geht hervor, daß die Grundflüssigkeit keinerlei Toxizität auf Regenbogenforellen
bei den eingesetzten Konzentrationen aufweist.
1. Funktionsflüssigkeit für einen lebensdauergeschmierten Motor,
dadurch gekennzeichnet, daß sie als Grundflüssigkeit ein aus Ethylenoxid und Propylenoxid hergestelltes Polyalkylenglykol
enthält, dem eine Additivmischung zugesetzt ist, bestehend aus
a) 0,01 - 1,0 Gew.-% eines Reaktionsproduktes aus Diphenylamin und 2.4.4-Trimethylpenten;
b) 0,01 - 1,0 Gew.-% eines teilweise oder vollständig mit einer alkylsubstituierten
p-Hydroxyphenylpropionsäure veresterten Pentaerythrits;
c) 0,01 - 1,0 Gew.-% eines Mono- oder Di-(C4-C8)alkylphosphorsäure-(C10-C15)alkylamids;
d) 0,01 - 1,0 Gew.-% des Triphenylthiophosphats;
e) 0,01 - 0,1 Gew.-% eines aminomethylierten Tolutriazols, welches mit einer geradkettigen
oder verzweigten Alkylgruppe mit 2 - 10 Kohlenstoffatomen am seitenständigen Stickstoff
alkyliert ist und/oder
f) 0,01 - 0,1 Gew.-% des 1H-Benzotriazols.
2. Funktionsflüssigkeit nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das als Grundflüssigkeit eingesetzte Polyalkylenglykol ein Molekulargewicht von 300
- 700 g/mol aufweist und aus Ethylenoxid und Propylenoxid im Gewichtsverhältnis von
30:70 bis 70:30 besteht.
3. Funktionsflüssigkeit nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß das als Grundflüssigkeit eingesetzte Polyalkylenglykol ein Molekulargewicht von 400
- 600 g/mol aufweist.
4. Funktionsflüssigkeit nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß in dem in der Additivmischung enthaltenen Reaktionsprodukt aus Diphenylamin und 2.4.4-Trimethylpenten
das molare Verhältnis von Diphenylamin zu 2.4.4-Trimethylpenten zwischen 1:1.1 und
1:2.5 liegt.
5. Funktionsflüssigkeit nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der in der Additivmischung enthaltene Pentaerythritester an allen vier Hydroxylgruppen
mit einer (C2-C10)-alkylsubstituierten p-Hydroxyphenylpropionsäure verestert ist.
6. Funktionsflüssigkeit nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die zur Veresterung des Pentaerythrits eingesetzte p-Hydroxyphenylpropionsäure in
3- und/oder 5-Stellung mit einer verzweigten Alkylgruppe von 3 - 5 Kohlenstoffatomen
substituiert ist.
7. Funktionsflüssigkeit nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das in der Additivmischung enthaltene Phosphorsäureamid ein Mono- oder Dihexylphosphorsäure-alkylamid
ist, wobei die Alkylamidgruppe 10 - 15 Kohlenstoffatome umfaßt.
8. Funktionsflüssigkeit nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das in der Additivmischung enthaltene aminomethylierte Tolutriazol mit einer oder
zwei verzweigten Kohlenwasserstoffgruppen mit je 5 - 10 Kohlenstoffatomen am seitenständigen
Stickstoff alkyliert ist.
9. Verwendung der Funktionsflüssigkeit nach den Ansprüchen 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß sie sowohl im Schmiermittelkreislauf als auch im Kühlmittelkreislauf des Motors eingesetzt
wird.
10. Verwendung der Funktionsflüssigkeit nach den Ansprüchen 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß sie in einem Motor eingesetzt wird, der in den reibungsbelasteten Bereichen keramifizierte
oder keramische Oberflächen aufweist.
1. Functional fluid for a lifetime-lubricated engine,
characterized in that it contains as a basic fluid a polyalkylene glycol produced from ethylene oxide and
propylene oxide to which an additive mixture is added, consisting of
a) 0.01 - 1.0 wt.% of a reaction product from diphenylamine and 2,4,4-trimethylpentene;
b) 0.01 - 1.0 wt.% of a pentaerythritol partially or completely esterified with an
alkyl-substituted p-hydroxyphenylpropionic acid;
c) 0.01-1.0 wt.% of a mono- or di-(C4-C8) alkylphosphoric acid-(C10-C15) alkylamide;
d) 0.01-1.0 wt.% of the triphenylthiophosphate;
e) 0.01-0.1 wt.% of a amino-methylated tolutriazole, which is alkylated with a straight-chain
or branched alkyl group with 2 - 10 carbon atoms, and/or
f) 0.01-0.1 of the 1H-benzotriazole.
2. Functional fluid according to claim 1, characterized in that the polyalkylene glycol used as the basic fluid has a molecular weight of 300 - 700
g/mole and consists of ethylene oxide and propylene oxide at a ratio of weights of
30:70 to 70:30.
3. Functional fluid according to claim 2, characterized in that the polyalkylene glycol used as the basic fluid has a molecular weight of 400 - 600
g/mole.
4. Functional fluid according to claim 1, characterized in that in the reaction product, contained in the additive mixture, of diphenylamine and
2,4,4-trimethylpentene the molar ratio of diphenylamine and 2,4,4-trimethylpentene
is between 1:1.1 and 1:2.5.
5. Functional fluid according to claim 1, characterized in that the pentaerythritol ester, contained in the additive mixture, is esterified at all
four hydroxyl groups with a (C2-C10) alkyl-substiated p-hydroxyphenylpropionic acid.
6. Functional fluid according to claim 5, characterized in that the p-hydroxyphenylpropionic acid used for the esterification of the pentaerythritol
is substituted in the 3 and/or 5 position with a branched alkyl group of 3 - 5 carbon
atoms.
7. Functional fluid according to claim 1, characterized in that the phosphoric acid amide, contained in the additive mixture, is a mono- or dihexylphosphoric
acid alkylamide, wherein the alkylamide group comprises 10-15 carbon atoms.
8. Functional fluid according to claim 1, characterized in that the amino-methylated tolutriazole, contained in the additive mixture, is alkylated
with one or two branched hydrocarbon groups each with 5 - 10 carbon atoms at the lateral
nitrogen.
9. Use of the functional fluid according to the claims 1 to 8, characterized in that it is used in the lubricant circulation as well as in the cooling agent circulation
of the engine.
10. Use of the functional fluid according to the claims 1 to 8, characterized in that it is used in an engine, which has ceramized or ceramic surfaces in the friction
loaded regions.
1. Liquide de fonctionnement pour un moteur à combustion interne à graissage à vie,
caractérisé en ce qu'il contient comme liquide de base un polyalkyléne glycol fabriqué à partir d'oxyde
d'éthylène et d'oxyde de propylène auquel est ajouté un mélange d'additifs composé
de
a) 0,01 - 1,0 % en poids d'un produit de réaction du diphénylamine et du triméthylpentène-2,4,4
;
b) 0,01 - 1,0 % en poids d'un penta-érythrite partiellement ou totalement estérifié
avec un acide p-hydroxyphényl-propionique substitué avec des radicaux alkyles ;
c) 0,01 - 1,0 % en poids d'un (C10-C15)alkylamide d'acide mono ou di-(C4-C8)alkylphosphorique ;
d) 0,01 - 1,0 % en poids de triphényl thiophosphate ;
e) 0,01 - 0,1 % en poids d'un tolutriazole aminométhylé, alkylé sur l'azote latéral
avec un groupe alkyle à chaîne droite ou ramifiée ayant de 2 à 10 atomes de carbone
et / ou
f) 0,01 - 0,1 % en poids de 1H-benzotriazole.
2. Liquide de fonctionnement selon la revendication 1, caractérisé en ce que le polyalkyléne glycol utilisé comme liquide de base présente un poids moléculaire
de 300 à 700 g/mol et qu'il se compose d'oxyde d'éthylène et d'oxyde de propylène
dans un rapport massique compris entre 30:70 et 70:30.
3. Liquide de fonctionnement selon la revendication 2, caractérisé en ce que le polyalkyléne glycol utilisé comme liquide de base présente un poids moléculaire
compris entre 400 à 600 g/mol.
4. Liquide de fonctionnement selon la revendication 1, caractérisé en ce que le rapport molaire du diphénylamine par rapport au triméthylpentène-2,4,4 dans le
produit de réaction du diphénylamine et du triméthylpentène-2,4,4 contenu dans le
mélange d'additifs est compris entre 1:1,1 et 1:2,5.
5. Liquide de fonctionnement selon la revendication 1, caractérisé en ce que l'ester de penta-érythrite contenu dans le mélange d'additifs est estérifié sur chacun
des quatre groupes hydroxyles avec un acide p-hydroxyphényl-propionique substitué
avec un radical (C2-C10)-alkyle.
6. Liquide de fonctionnement selon la revendication 5, caractérisé en ce que l'acide p-hydroxyphényl-propionique utilisé pour l'estérification du penta-érythrite
est substitué en position 3 et / ou 5 avec un groupe alkyle ramifié ayant de 3 à 5
atomes de carbone.
7. Liquide de fonctionnement selon la revendication 1, caractérisé en ce que l'amide de l'acide phosphorique contenu dans le mélange d'additifs est un alkyleamide
de l'acide mono- ou dihexylphosphorique, le groupe alkyleamide comprenant 10 à 15
atomes de carbone.
8. Liquide de fonctionnement selon la revendication 1, caractérisé en ce que le tolutriazole aminométhylé contenu dans le mélange d'additifs est alkylé sur l'azote
latéral avec un ou deux groupes hydrocarbures ramifiés ayant chacun de 5 à 10 atomes
de carbone.
9. Utilisation du liquide de fonctionnement selon les revendications 1 à 8, caractérisée en ce qu'il est employé aussi bien dans le circuit de lubrifiant que dans le circuit de refroidissement
du moteur.
10. Utilisation du liquide de fonctionnement selon les revendications 1 à 8, caractérisée en ce qu'il est employé dans un moteur qui présente des surfaces céramisées ou en céramique
dans les zones soumises à des frottements.