[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines spritzgußfähigen
Zwischenprodukts aus Metallpulver oder Keramikpulver und mindestens einem organischen
Bindemittel.
[0002] Ein solches Verfahren ist beispielsweise durch die DE 36 11 271 bekannt geworden.
[0003] Es ist bekannt, spritzgußfähige Zwischenprodukte durch Kneten von Rohstoffen und
einem Bindemittel in einer Vorrichtung herzustellen.
[0004] Bei dem bekannten Verfahren werden die Rohstoffe zusammen mit dem Bindemittel innerhalb
der Vorrichtung (Kneter) mit Hilfe von Knetelementen behandelt, durch eine separate
Heizeinrichtung erwärmt und nach dem Aufschmelzen des Bindemittels zu einer Paste
verknetet. Anschließend kann die Paste der Vorrichtung entnommen werden, um aus dem
gewonnenen, als "Feedstock" bezeichneten Zwischenprodukt (Paste) einen herzustellenden
Gegenstand zu spritzen. Dieser noch mittels Brennprozessen oder Sintern auszuhärtende
Gegenstand wird "Grünling" genannt. Gegebenenfalls muß das Zwischenprodukt vor dem
Spritzgießen noch weiterbehandelt werden. Diese Weiterbehandlung kann in einer Granulation
oder einem Vermahlen der abgekühlten Paste bestehen.
[0005] Zur Herstellung des Zwischenprodukts müssen die Rohstoffe und das Bindemittel nachteiligerweise
zwischen 2 und 20 Stunden geknetet werden.
[0006] Aufgrund der geringen Mischwirkung des Kneters besitzt die hergestellte Paste nur
eine geringe Homogenität. Diese geringe bzw. fehlende Homogenität wirkt sich auch
auf den Recyclingprozeß bzw. die Verwendung von beim Spritzgießen entstehenden Abfallprodukten
aus, die erneut der Vorrichtung zugeführt werden. Es zeigt sich, daß ein starker Unterschied
im Fließverhalten zwischen reinen Rohstoffen und recycelten Produktabfällen vorliegt.
Die ungenügende Homogenität der Paste führt auch dazu, daß die Paste ggf. in einem
Extruder oder auf einem Walzenstuhl nachbehandelt werden muß.
[0007] Die Durchführung der Knetbehandlung einer Mischung aus Rohstoffen und mindestens
einem Bindemittel ist in Abhängigkeit von der verwendeten Mischung nur möglich, wenn
eine entsprechende Mischung gewählt wird. Nicht jede Bauart eines Kneters ist für
jede Mischung geeignet, so daß die Mischung unter Umständen geändert werden muß.
[0008] Das aus der DE 36 11 271 bekannte Verfahren betrifft ein Verfahren zur Herstellung
von Metallformteilen in einem Pulvermetallspritzgußverfahren. Metallpulver werden
mit einem Binder in einem Mischer oder Kneter vermischt, wobei das Bindemittel aus
Polymeren mit langer Kettenlänge und Polymeren mit kurzer Kettenlänge besteht. Die
Polymere mit langen Kettenlängen umhüllen die Metallpartikel und schützen sie so vor
Korrosion, während die Polymere mit kurzer Kettenlänge beim Spritzgießen Hohlräume
zwischen den Pulverteilchen füllen.
[0009] Aus der US 4,228,166 ist ein Verfahren zur Herstellung von formbaren Platten durch
Strangpressen von Mischungen aus einem thermoplastischen Polymer und organischem Füllmaterial
wie z.B. Holzstücken bekannt. Dazu werden das thermoplastische Polymer und das organische
Füllmaterial gemischt, wobei sich das thermoplastische Polymer und das organische
Füllmaterial teilweise zusammenballen bzw. agglomerieren. Eine Erwärmung erfolgt während
des Mischens. Anschließend wird die Mischung bei einer Temperatur oberhalb des Schmelzpunktes
des Thermoplasts ausgehärtet und stranggepreßt.
[0010] Aus der EP 0 764 616 ist eine plastisch deformierbare wässrige Mischung bekannt.
Dabei werden Metall- oder Keramikpulver, organische Bindemittel, Plastifizierer und
Wasser manue11 vermischt und dann einem Mischbehälter eines Mischers zugeführt, wo
sie bei Raumtemperatur oder unter Zufuhr externer Wärme vermischt und plastifiziert
werden.
[0011] In der EP 0 688 746 ist ein Verfahren zum Herstellen einer Paste aus Metall- oder
Keramikpulver und einem aus drei Bestandteilen bestehenden organischen Bindemittel
beschrieben. Die Pulverpartikel und das Bindemittel werden in einem Kneter bei einer
Temperatur von 100°C - 200°C zu einer Paste vermischt.
[0012] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren zur möglichst effektiven
Herstellung eines qualitativ hochwertigen, spritzgußfähigen Zwischenprodukts zu entwickeln.
[0013] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren gelöst, bei dem das Metallpulver oder Keramikpulver
und das organische Bindemittel in einem Mischbehälter mittels Mischelementen, die
so schnell rotieren, daß im Mischbehälter eine Mischtrombe oder ein Mischgutring entsteht,
zunächst zu einer rieselfähigen Pulvermischung verarbeitet und anschließend mit Hilfe
der mechanischen Bearbeitung der rieselfähigen Pulvermischung durch die Mischelemente
und/oder weiterer Einbauten (Aufschlußwerkzeuge, stabförmige Elemente, Messer, etc.)
erwärmt werden und daß das organische Bindemittel durch die mechanische Bearbeitung
in dem Mischbehälter aufgeschmolzen wird, wobei aus der Mischung des Metallpulvers
oder Keramikpulvers und des mindestens einen organischen Bindemittels eine Paste erzeugt
wird.
[0014] Unter schnell rotierenden Mischelementen wird eine derartige Bewegung der Mischelemente
verstanden, daß innerhalb der Vorrichtung eine Mischtrombe oder ein umlaufender Mischgutring,
erzeugt werden kann. Die Mischelemente sollen eine Umfangsgeschwindigkeit > 20 m pro
Sekunde aufweisen.
[0015] Die Komponenten der Mischung werden entweder gleichzeitig oder nacheinander in den
Mischbehälter gegeben. Infolge der Bearbeitung der Mischkomponenten mit Hilfe der
Mischelemente entsteht Reibungswärme, die zum Aufheizen der Mischkomponenten benutzt
wird. Der Aufheizvorgang kann in Ausnahmefällen noch durch eine Wandbeheizung des
Mischbehälters unterstützt oder in Gang gesetzt werden. In diesem Verfahrensabschnitt
kommt es zu einer intensiven Vorvermischung des Metallpulvers oder des Keramikpulvers
mit dem organischen Bindemittel. Es entsteht eine meist rieselfähige Pulvermischung
hoher Mischgüte.
[0016] Aus der Pulvermischung kann in demselben Mischbehälter entweder ein Agglomerat oder
eine Paste als Zwischenprodukt entstehen, das in einer Form zu einem Gegenstand gespritzt
werden kann. Sowohl das Agglomerat als auch die Paste weisen eine große Homogenität
auf. Diese Mischgüte wirkt sich auch qualitätssteigernd auf das Endprodukt aus, das
aus dem Zwischenprodukt herstellbar ist.
[0017] Die an einer schnell drehenden Mischwelle angebrachten Mischelemente ermöglichen
es, die Verfahrensdauer in den meisten Fällen auf 10 bis 20 Minuten zu beschränken.
[0018] Die Bearbeitung des Metall- oder Keramikpulvers und des organischen Bindemittels
in der Vorrichtung mit Hilfe der schnell rotierenden Mischelemente kann unabhängig
von der der Vorrichtung zugeführten Mischung von Metall- oder Keramikpulvern und Bindemittel
durchgeführt werden. Eine auf die Mischung angepaßte Drehzahl der Mischwelle kann
durch eine Steuerung der Vorrichtung so eingestellt werden, daß die gewünschte Vorvermischung
und Aufheizung der Mischung eintritt. Die Mischelemente können noch mit starren oder
beweglichen Einbauten im Mischraum zusammenarbeiten, damit die Misch- und/oder Aufschluß-
und Erwärmungszeit verkürzt werden kann.
[0019] Das erfindungsgemäße Verfahren führt vorteilhafterweise zu einer Senkung der Investitions-
und Betriebskosten und wirkt sich auch auf die Standzeiten des Betriebs einer Vorrichtung
zur Durchführung des Verfahrens positiv aus.
[0020] Das Bindemittel wird durch die mechanische Bearbeitung in dem Mischbehälter aufgeschmolzen,
wobei aus der Mischung der Metall- oder Keramikpulver und des mindestens einen organischen
Bindemittels eine Paste erzeugt wird. Die Pulverpartikel können mit den Bindemittelteilchen
eine zähflüssige Masse von teigiger Konsistenz bilden. Die Verbindung der Pulverpartikel
und Bindemittelteilchen führt zu einem fließfähigen Zwischenprodukt. Die formbare
Paste ist durch ihre Bearbeitung mittels der Mischelemente ebenfalls hochgradig homogenisiert.
[0021] Die Paste kann abgekühlt und dabei agglomeriert werden, um ein Agglomerat mit einer
Spritzgußmaschine weiterzuverarbeiten.
[0022] Das Verfahren kann zur Herstellung von Zwischenprodukten verwendet werden, die für
die Powder Injection Moulding (PIM)-Technologie geeignet sind. Hierbei stellt eine
modifizierte Kunststoff-Spritzgußmaschine aus einem Pulver-Bindemittelgemisch den
sogenannten Grünling her. Der gespritzte und ausgehärtete Grünling kann dann anschließend
auf unterschiedliche Weise weiterverarbeitet werden.
[0023] Es kommen organische Bindemittel in Betracht, die mit dem Metall- oder Keramikpulver
reagieren und/oder die Verbindung der Pulverpartikel untereinander beschleunigen können.
Das organische Bindemittel kann für eine ausreichende Fließfähigkeit in der Spritzgußmaschine
sorgen und dem gespritzten und ausgehärteten Rohling (Grünling) eine große Formstabilität
geben. Das Bindemittel kann aus dem Grünling durch Brennen oder Sintern entfernt werden.
[0024] Das erfindungsgemäße Verfahren ist gleichermaßen für MIM (Metal Injection Moulding)
und CIM (Ceramic Injection Moulding) verwendbar.
[0025] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
eines Ausführungsbeispiels der Erfindung anhand der Zeichnung, die erfindungswesentliche
Einzelheiten zeigt, und aus den Ansprüchen. Die einzelnen Merkmale können je einzeln
für sich oder zu mehreren in beliebiger Kombination bei einer Ausführungsform der
Erfindung verwirklicht sein.
[0026] Die
Figur zeigt eine Seitenansicht eines Mischbehälters mit schnell rotierenden Mischelementen
zur Herstellung eines spritzgußfähigen Zwischenprodukts.
[0027] Die Erfindung ist in der Figur schematisch dargestellt, so daß die wesentlichen Merkmale
der Erfindung gut zu erkennen sind. Die Darstellung ist nicht notwendigerweise maßstäblich
zu verstehen.
[0028] Eine Vorrichtung 1 weist zur Durchführung eines Verfahrens zur Herstellung eines
spritzgußfähigen Zwischenprodukts aus Metall- oder Keramikpulvern und mindestens einem
organischen Bindemittel einen vertikal angeordneten, eine Zuführrichtung 2 und eine
Entnahmerichtung 3 aufweisenden Mischbehälter 4 auf. In den Mischbehälter 4 können
das Metall- oder Keramikpulver und das mindestens eine organische Bindemittel in Zuführrichtung
2 eingeleitet werden. Das erzeugte Zwischenprodukt kann den Mischbehälter 4 in Entnahmerichtung
3 verlassen. Die Metall- oder Keramikpulver können in den Mischbehälter 4 vor Beginn
der Bearbeitung eingelagert werden. Bei hohem Bindemittelanteil wird ein Teil des
Bindemittels nachchargiert. Ebenso können auch die Metall- oder Keramikpulver nachgefüllt
werden, um die Mischung aus Metall- oder Keramikpulver und Bindemittel zu beeinflussen.
[0029] Der Mischbehälter 4 weist einen Boden 5 und einen Deckel 6 auf. In dem Mischbehälter
4 ist eine rotierbare Welle 7 angeordnet, die ein Lager 8 im Bodenbereich durchdringt.
Das Lager 8 ist einerseits am Mischbehälter 4 und andererseits am Maschinengestell
9 angeflanscht. Der gas- und produktdicht verschließbare Deckel 6 ist in Pfeilrichtung
10 verschwenkbar. Am Deckel 6 ist ein Produkteintragsstutzen 11, ein Gasaustragsstutzen
12 und ein Flüssigkeitszugabestutzen 13 vorgesehen. Im Bereich des Bodens ist ein
Produktaustragsstutzen 14 ausgebildet. Der Mischbehälter 4 verfügt ferner über einen
Doppelmantel 15, der in Verbindung mit Stutzen 16, 17 steht und der Seitenwände des
Mischbehälters 4 umgibt. Der Doppelmantel 15 kann gegebenenfalls zur Temperierung
des Mischraums bzw. zur Kühlung des hergestellten Zwischenprodukts Verwendung finden,
indem Fluide über die Stutzen 16, 17 in den Doppelmantel 15 einströmen können.
[0030] An der Welle 6 sind Mischelemente 18 bis 18 ''' beispielhaft angebracht, um eine
sich in dem Mischbehälter 4 befindliche Mehrkomponentenmischung aus Metall- oder Keramikpulver
und organischen Bindemitteln bearbeiten zu können.
[0031] Wenn die Welle 7 durch einen Motor 20, vorzugsweise einen Elektromotor, angetrieben
wird, wird die Mischung aus dem Metall- oder Keramikpulver und dem mindestens einen
organischen Bindemittel zunächst vorgemischt und homogenisiert. Das im Mischbehälter
4 befindliche Gut wird bei Rotation der Welle 7 in Pfeilrichtung 19 zwangsbewegt.
Die Welle 7 rotiert mit einer hohen Drehzahl, so daß die Mischung innerhalb des Mischbehälters
4 eine Materialtrombe oder einen Mischgutring ausbilden kann. Durch die schnelle Rotation
der Welle 7 kann Reibungswärme zwischen den Mischelementen 18 bis 18''' und Pulverpartikeln
und/oder Bindemittelteilchen übertragen werden. Oberflächen von Bindemittelteilchen
können dabei angeschmolzen werden, so daß sie zusammen mit den Rohstoffpartikeln ein
Agglomerat bilden.
[0032] Das Bindemittel kann in dem Mischbehälter 4 durch die Bearbeitung mit den Mischelementen
18 bis 18''' auch derart aufgeheizt werden, daß es zum Erreichen des Bindemittelschmelzpunktes
kommen kann. In diesem Fall entsteht in dem Mischbehälter 4 eine fließfähige Paste
durch eine innige Verbindung der Pulverpartikel untereinander und mit den Bindemittelteilchen.
Durch die Drehbewegung der Welle 7 kann ein Energiebetrag von 0,5 bis 1,5 [KW / (Kg
Mischgut)] übertragen werden. Die Drehzahl der Welle 7 läßt sich über eine Steuerung
des Motors 20 stufenlos regeln. Auch die hergestellte Paste kann über den Produktaustragsstutzen
14 in Entnahmerichtung 3 dem Mischbehälter 4 entnommen werden.
[0033] Die hergestellte Paste kann in dem Mischbehälter 4 aber auch mit Hilfe des als Kühlmantel
ausgebildeten Doppelmantels 15 abgekühlt werden, so daß aus der Paste wiederum ein
Agglomerat gewonnen werden kann. Das Agglomerat kann dann entsprechend dem Mischbehälter
4 entnommen und weiterverarbeitet werden.
[0034] Im oberen Bereich des Mischbehälters können weitere Einbauten vorgesehen sein, die
als zusätzliche Lüftungsstutzen, Zugabestutzen und/oder Einbauten genutzt werden können.
[0035] Ein Verfahren zur Herstellung eines spritzgußfähigen Zwischenprodukts aus Metall-
oder Keramikpulver und mindestens einem organischen Bindemittel, ist in einem Mischbehälter
4 durchführbar. Mittels schnell rotierender Mischelemente 18 bis 18''' werden das
Metall- oder Keramikpulver und das mindestens eine organische Bindemittel zunächst
zu einer rieselfähigen Pulvermischung verarbeitet, die anschließend mit Hilfe der
mechanischen Bearbeitung der Pulvermischung durch die Mischelemente 18 bis 18''' und/oder
weitere Einbauten erwärmt und zu dem Zwischenprodukt verarbeitet wird. Das Verfahren
ermöglicht eine möglichst effektive Herstellung eines qualitativ hochwertigen, spritzgußfähigen
Zwischenprodukts in einer erheblich verkürzten Arbeitszeit.
1. Verfahren zur Herstellung eines spritzgußfähigen Zwischenprodukts aus Metallpulver
oder Keramikpulver und mindestens einem organischen Bindemittel, dadurch gekennzeichnet, daß das Metallpulver oder Keramikpulver und das organische Bindemittel in einem Mischbehälter
(4) mittels Mischelementen (18, 18', 18'', 18'''), die so schnell rotieren, dass im
Mischbehälter (4) eine Mischtrombe oder ein Mischgutring entsteht, zunächst zu einer
rieselfähigen Pulvermischung verarbeitet und anschließend mit Hilfe der mechanischen
Bearbeitung der rieselfähigen Pulvermischung durch mindestens die Mischelemente (18
bis 18''') erwärmt werden und daß das organische Bindemittel durch die mechanische
Bearbeitung in dem Mischbehälter (4) aufgeschmolzen wird, wobei aus der Mischung des
Metallpulvers oder Keramikpulvers und des mindestens einen organischen Bindemittels
eine Paste erzeugt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Paste in dem Mischbehälter (4) abgekühlt und agglomeriert wird.