[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung konzentrierter, rieselfähiger
aniontensidhaltiger Granulate mit Aktivsubstanzgehalten oberhalb 50 Gew.-% aus den
entsprechenden Aniontensidsäuren.
[0002] Obwohl die wirtschaftliche Synthese von hellfarbigen Anionentensiden heute gesicherter
Stand des technischen Wissens ist, treten bei der Herstellung und der Verarbeitung
solcher Tenside anwendungstechnische Probleme auf. So fallen die Aniontenside im Verlaufe
des Herstellungsverfahrens in ihrer Säureform an und müssen mit geeigneten Neutralisationsmitteln
in ihre Alkali- oder Erdalkalimetallsalze überführt werden.
[0003] Dieser Neutralisationsschritt kann mit Lösungen von Alkalihydroxiden oder aber mit
festen alkalischen Substanzen, insbesondere Natriumcarbonat, durchgeführt werden.
Bei der Neutralisation mit wäßrigen Alkalien fallen die Tensidsalze in Form wäßriger
Zubereitungsformen an, wobei Wassergehalte im Bereich von etwa 10 bis 80 Gew.-% und
insbesondere im Bereich von etwa 35 bis 60 Gew.-% einstellbar sind. Produkte dieser
Art haben bei Raumtemperatur pastenförmige bis schneidfähige Beschaffenheit, wobei
die Fließ- und Pumpfähigkeit solcher Pasten schon im Bereich von etwa 50 Gew.-% Aktivsubstanz
eingeschränkt ist oder gar verlorengeht, so daß bei der Weiterverarbeitung solcher
Pasten, insbesondere bei ihrer Einarbeitung in Feststoffmischungen, beispielsweise
in feste Wasch- und Reinigungsmittel, beträchtliche Probleme entstehen. Es ist dementsprechend
ein altes Bedürfnis, anionische Waschmitteltenside in trockener, insbesondere rieselfähiger
Form zur Verfügung stellen zu können. Tatsächlich gelingt es auch, nach herkömmlicher
Trocknungstechnik, zum Beispiel im Sprühturm, rieselfähige Aniontensidpulver oder
- Granulate zu bekommen. Hier zeigen sich jedoch gravierende Einschränkungen, da die
erhaltenen Zubereitungen oft hygroskopisch sind, unter Wasseraufnahme aus der Luft
bei der Lagerung verklumpen und auch im Waschmittel-Fertigprodukt zur Verklumpung
neigen. Rieselfähige, nicht hygroskopische und verklumpende Aniontensidgranulate können
mit geeigneten Trägermaterialien, beispielsweise Zeolithen und/oder Silikaten und/oder
Alkalicarbonaten oder durch Oberflächenbehandlung, beispielsweise mit feinteiligen
Feststoffen, erhalten werden. Bei der Verwendung von Zeolithen als Trägermaterialien
ergeben sich aber weitere anwendungstechnische Probleme, da Zeolithe säureempfindlich
sind und sich unter Kieselsäurebildung zersetzen, wenn sie direkt mit der Aniontensidsäure
in Kontakt kommen. Üblicherweise erfolgt daher vor der Einarbeitung von Zeolith eine
vollständige Neutralisation der Aniontensidsäuren.
[0004] Die europäische Patentanmeldung
EP-A-0 678 573 (Procter & Gamble) beschreibt ein Verfahren zur Herstellung rieselfähiger Tensidgranulate
mit Schüttgewichten oberhalb 600 g/l, in dem Anionentensidsäuren mit einem Überschuß
an Neutralisationsmittel zu einer Paste mit mindestens 40 Gew.-% Tensid umgesetzt
werden und diese Paste mit einem oder mehreren Pulver(n), von denen mindestens eines
sprühgetrocknet sein muß und das anionisches Polymer und kationisches Tensid enthält,
vermischt wird, wobei das entstehende Granulat optional getrocknet werden kann.
[0005] Die europäische Patentanmeldung
EP-A-0 438 320 (Unilever) offenbart ein batchweise ausgeführtes Verfahren zur Herstellung von Tensidgranulaten
mit Schüttgewichten oberhalb von 650 g/l. Hierbei wird eine Lösung eines alkalischen
anorganischen Stoffes in Wasser unter eventuellem Zusatz anderer Feststoffe mit der
Anionentensidsäure versetzt und in einem Hochgeschwindigkeitsmischer/Granulator mit
einem flüssigen Binder granuliert. Neutralisation und Granulation erfolgen zwar in
den gleichen Apparatur, aber in voneinander getrennten Verfahrensschritten, so daß
das Verfahren nur chargenweise betrieben werden kann.
[0006] Die Verwendung eines festen Neutralisationsmittels zur Neutralisation von Anionenstensidsäuren
wird auch in der
EP-A-0 555 622 (Procter & Gamble) beschrieben, wo dieses Mittel, vorzugsweise ein Carbonat, mit
einer mittleren Teilchengröße von unter 5 µm im stöchiometrischen Überschuß in einem
Hochgeschwindigkeitsmischer mit der Anionenstensidsäure versetzt und eventuell unter
Zugabe anderer Zuschlagstoffe granuliert wird.
[0007] Aus der europäischen Patentanmeldung
EP-A-0 402 112 (Procter & Gamble) ist ein kontinuierliches Neutralisations-/Granulationsverfahren
zur Herstellung von FAS- und/oder ABS-Granulaten aus der Säure bekannt, in dem die
ABS-Säure mit mindestens 62%iger NaOH neutralisiert und dann unter Zusatz von Hilfsstoffen,
zum Beispiel ethoxylierten Alkoholen oder Alkylphenolen oder eines oberhalb von 48,9°C
schmelzenden Polyethylenglykols mit einer Molmasse zwischen 4000 und 50000 granuliert
wird. Der Zusatz von Zeolith und/oder Natriumcarbonat wird in dieser Schrift nicht
beschrieben.
[0008] Die europäischen Patentanmeldung
EP-A-0 508 543 (Procter & Gamble) nennt ein Verfahren, in dem eine Tensidsäure mit einem Überschuß
an Alkali zu einer mindestens 40 Gew.-%igen Tensidpaste neutralisiert wird, die anschließend
konditioniert und granuliert wird. Ein kontinuierliches Verfahren, das die Zersetzung
säurelabiler Inhaltsstoffe beim Einsatz von ABS-Säure vermeidet, wird hier nicht offenbart.
[0009] Die deutsche Offenlegungsschrift
DE-A- 42 32 874 (Henkel KGaA) offenbart ein Verfahren zur Herstellung wasch- und reinigungsaktiver
Anionentensidgranulate durch Neutralisation von Anionentensiden in ihrer Säureform.
Als Neutralisationsmittel werden allerdings nur feste, pulverförmige Stoffe offenbart.
Die erhaltenen Granulate haben Tensidgehalte um 30 Gew.-% und Schüttgewichte von unter
550 g/l.
[0010] Alle beschriebenen Verfahren des Standes der Technik stellen sich nicht zur Aufgabe,
in einem kontinuierlichen Verfahren Anionentensidsäuren in einer Apparatur unter Zusatz
säurelabiler Granulationshilfsmittel und flüssiger beziehungsweise fester Neutralisationsmittel
zu neutralisieren/granulieren. Es wurde nun gefunden, daß die Zersetzung säurelabiler
Inhaltsstoffe, beispielsweise Zeolith, in einem Neutralisations/Granulationsprozeß
durch geeignete Prozeßführung vermieden werden kann.
[0011] Die Aufgabe der Erfindung war es, ein einfaches und vergleichsweise kostengünstiges
Verfahren zur Herstellung konzentrierter Aniontensidgranulate, ausgehend von der Säureform
des Tensids und unter Zusatz von granulationsfördernden Feststoffen, beispielsweise
Zeolith zu entwickeln, wobei die erhaltenen Granulate Aktivsubstanzgehalte von mindestens
50 Gew.-% aufweisen.
[0012] Gegenstand der Erfindung ist dementsprechend in einer ersten Ausführungsform ein
Verfahren zur Herstellung zeolith- und aniontensidhaltiger Granulate, gekennzeichnet
durch die Schritte
a) Vermischen von Zeolith und wäßriger Natronlauge in einem Mischer
b) Granulation unter Zugabe von Aniontensidsäure(n)
c) optionale Trocknung der in Schritt b) gebildeten Granulate, wobei der Aniontensidgehalt
der entstehenden Granulate auf Werte ≥ 50 Gew.-% eingestellt wird.
[0013] Durch die erfindungsgemäße Verfahrensweise wird sichergestellt, daß genügend Alkalität
vorhanden ist, um eine saure Zersetzung der Zeolithe zu vermeiden. Gegenüber einer
veränderten Verfahrensweise, bei der die Aniontensidsäure erst neutralisiert und nachfolgend
auf den Zeolith gegeben wird, weist das erfindungemäße Verfahren den Vorteil einer
vereinfachten apparativen Ausstattung (nur ein Mischer erforderlich) und der bequemeren
Verfahrensdurchführung auf, da einerseits Probleme, die üblicherweise bei der Neutralisation
auftreten (saure Nester) vermieden werden und andererseits das Bewegen bzw. Umpumpen
hochviskoser Aniontensidpasten entfällt. Gleichzeitig wird sichergestellt, daß die
Neutralisationswärme durch die Wärmekapazität des vorgelegten Pulvers abgefangen wird.
Lokale Überhitzung und Verfärbung des Aniontensids wird aufdiese Weise drastisch reduziert
bzw. völlig verhindert. Weiterhin wird durch die Neutralisation auf dem Pulver die
eingebrachte Wassermenge reduziert, wodurch Granulate mit erhöhtem Aniontensidgehalt
hergestellt werden können.
[0014] Als Zeolithe können im erfindungsgemäßen Verfahren sämtliche Vertreter dieser Substanzklasse
eingesetzt werden. Der eingesetzte feinkristalline, synthetische und gebundenes Wasser
enthaltende Zeolith kann beispielsweise A und/oder P sein. Als Zeolith P wird Zeolith
MAP® (Handelsprodukt der Firma Crosfield) besonders bevorzugt. Geeignet und im Rahmen
der vorliegenden Erfindung bevorzugt sind jedoch auch Zeolith X sowie Mischungen aus
A, X und/oder P. Der Zeolith kann als sprühgetrocknetes Pulver oder auch als ungetrocknete,
von ihrer Herstellung noch feuchte, stabilisierte Suspension zum Einsatz kommen.
[0015] Die in Schritt a) mit der Natronlauge zu vermischenden Zeolithe weisen die allgemeine
Formel M
2/nO · Al
2O
3 · x SiO
2 · y H
2O auf, in der M ein Kation der Wertigkeit n ist, x für Werte steht, die größer oder
gleich 2 sind und y Werte zwischen 0 und 20 annehmen kann. Die Zeolithstrukturen bilden
sich durch Verknüpfung von AlO
4-Tetraedern mit SiO
4-Tetraedern, wobei dieses Netzwerk von Kationen und Wassermolekülen besetzt ist. Die
Kationen in diesen Strukturen sind relativ mobil und können in unterschiedlichen Graden
durch andere Kationen ausgetauscht sein. Das interkristalline "zeolithische" Wasser
kann je nach Zeolithtyp kontinuierlich und reversibel abgegeben werden, während bei
einigen Zeolithtypen auch strukturelle Änderungen mit der Wasserabgabe bzw. -aufnahme
einhergehen.
[0016] In den strukturellen Untereinheiten bilden die "primären Bindungseinheiten" (AlO
4-Tetraeder und SiO
4-Tetraeder) sogenannte "sekundäre Bindungseinheiten", die die Form ein- oder mehrfacher
Ringe besitzen. So treten in verschiedenen Zeolithen beispielsweise 4-, 6- und 8-gliedrige
Ringe auf (als S4R, S6R und S8R bezeichnet), andere Typen werden über vier- und sechsgliedrige
Doppelringprismen verbunden (häufigste Typen: D4R als viereckiges bzw. D6R als sechseckiges
Prisma). Diese "sekundären Untereinheiten" verbinden unterschiedliche Polyhedra, die
mit griechischen Buchstaben bezeichnet werden.
[0017] Am verbreitetsten ist hierbei ein Vielflächner, der aus sechs Quadraten und acht
gleichseitigen Sechsecken aufgebaut ist und der als "β" bezeichnet wird. Mit diesen
Baueinheiten lassen sich mannigfaltige unterschiedliche Zeolithe realisieren. Bislang
sind 34 natürliche Zeolith-Mineralien sowie ungefähr 100 synthetische Zeolithe bekannt.
[0018] Der bekannteste Zeolith, Zeolith 4 A, stellt eine kubische Zusammenstelling von β-Käfigen
dar, die durch D4R-Untereinheiten verknüpft sind. Er gehört der Zeolith-Strukturgruppe
3 an und sein dreidimensionales Netzwerk weist Poren von 2,2 Å und 4,2 Å Größe auf,
die Formeleinheit in der Elementarzelle läßt sich mit Na
12[(AlO
2)
12(SiO)
12] · 27 H
2O beschreiben.
[0019] Erfindungsgemäß besonders bevorzugt eingesetzt werden im erfindungsgemäßen Verfahren
Zeolithe vom Faujasit-Typ. Zusammen mit den Zeolithen X und Y gehört das Mineral Faujasit
zu den Faujasit-Typen innerhalb der Zeolith-Strukturgruppe 4, die durch die Doppelsechsring-Untereinheit
D6R gekennzeichnet ist (Vergleiche Donald W. Breck: "Zeolite Molecular Sieves", John
Wiley & Sons, New York, London, Sydney, Toronto, 1974, Seite 92). Zur Zeolith-Strukturgruppe
4 zählen neben den genannten Faujasit-Typen noch die Mineralien Chabazit und Gmelinit
sowie die synthetischen Zeolithe R (Chabazit-Typ), S (Gmelinit-Typ), L und ZK-5. Die
beiden letztgenannten synthetischen Zeolithe haben keine mineralischen Analoga.
[0020] Zeolithe vom Faujasit-Typ sind aus β-Käfigen aufgebaut, die tetrahedral über D6R-Untereinheiten
verknüpft sind, wobei die β-Käfige ähnlich den Kohlenstoffatomen im Diamanten angeordnet
sind. Das dreidimensionale Netzwerk der im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzten
Zeolithe vom Faujasit-Typ weist Poren von 2,2 und 7,4 Å auf, die Elementarzelle enthält
darüberhinaus 8 Kavitäten mit ca. 13 Å Durchmesser und läßt sich durch die Formel
Na
86[(AlO
2)
86(SiO
2)
106] · 264 H
2O beschreiben. Das Netzwerk des Zeolith X enthält dabei ein Hohlraumvolumen von ungefähr
50%, bezogen auf den dehydratisierten Kristall, was den größten Leerraum aller bekannten
Zeolithe darstellt (Zeolith Y: ca. 48% Hohlraumvolumen, Faujasit: ca. 47% Hohlraumvolumen).
(Alle Daten aus: Donald W. Breck: "Zeolite Molecular Sieves", John Wiley & Sons, New
York, London, Sydney, Toronto, 1974, Seiten 145, 176, 177).
[0021] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung kennzeichnet der Begriff "Zeolith vom Faujasit-Typ"
alle drei Zeolithe, die die Faujasit-Untergruppe der Zeolith-Strukturgruppe 4 bilden.
Neben dem Zeolith X sind erfindungsgemäß also auch Zeolith Y und Faujasit sowie Mischungen
dieser Verbindungen erfindungsgemäß einsetzbar, wobei der reine Zeolith X bevorzugt
ist.
[0022] Auch Mischungen oder Cokristallisate von Zeolithen des Faujasit-Typs mit anderen
Zeolithen, die nicht zwingend der Zeolith-Strukturgruppe 4 angehören müssen, sind
erfindungsgemäß einsetzbar, wobei es vorteilhaft ist, wenn mindestens 50 Gew.-% des
Zeoliths aus einem Zeolithen vom Faujasit-Typ bestehen.
[0023] Die Aluminiumsilikate, die im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzt werden, sind
kommerziell erhältlich, und die Methoden zu ihrer Darstellung sind in Standardmonographien
beschrieben.
[0024] Beispiele für kommerziell erhältliche Zeolithe vom X-Typ können durch die folgenden
Formeln beschrieben werden:
Na
86[(AlO
2)
86(SiO
2)
106] · x H
2O,
K
86[(AlO
2)
86(SiO
2)
106] · x H
2O,
Ca
40Na
6[(AlO
2)
86(SiO
2)
106] · x H
2O,
Sr
21Ba
22[(AlO
2)
86(SiO
2)
106] · x H
2O,
in denen x Werte zwischen 0 und 276 annehmen kann und die Porengrößen von 8,0 bis
8,4 Å aufweisen.
[0025] Kommerziell erhältlich und im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens bevorzugt einsetzbar
ist beispielsweise auch ein Co-Kristallisat aus Zeolith X und Zeolith A (ca. 80 Gew.-%
Zeolith X), das von der Firma CONDEA Augusta S.p.A. unter dem Markennamen VEGOBOND
AX® vertrieben wird und durch die Formel
nNa
2O · (1-n)K
2O · Al
2O
3 · (2 - 2,5)SiO
2 · (3,5 - 5,5) H
2O
beschrieben werden kann.
[0026] Auch Zeolithe vom Y-Typ sind kommerziell erhältlich uns lassen sich beispielsweise
durch die Formeln
Na
56[(AlO
2)
56(SiO
2)
136] · x H
2O,
K
56[(AlO
2)
56(SiO
2)
136] · x H
2O,
in denen x für Zahlen zwischen 0 und 276 steht und die Porengrößen von 8,0 Å aufweisen,
beschreiben.
[0027] Die Teilchengrößen der im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzten Zeolithe vom Faujasit-Typ
liegt dabei im Bereich von 0,1 bis zu 100 µm, vorzugsweise zwischen 0,5 und 50 µm
und insbesondere zwischen 1 und 30 µm, jeweils mit Standard-Teilchengrößebestimmungsmethoden
gemessen. Die Menge des Zeoliths, der in das erfindungsgemäße Verfahren eingebracht
wird, beträgt üblicherweise 5 bis 50 Gew.-%, vorzugsweise 10 bis 45 Gew.-% und insbesondere
15 bis 40 Gew.-%, bezogen auf fertiges Granulat.
[0028] Die zur Neutralisation der ABSS zur Verwendung kommende Natronlauge kann beliebiger
Konzentration sein, wobei höhere Konzentrationen wegen des dementsprechend niedrigeren
Wassergehaltes und erniedrigter Wasserverdampfung bevorzugt sind. Insbesondere ist
es im erfindungsgemäßen Verfahren bevorzugt, wenn die eingesetzte Natronlauge mindestens
30 Gew.-%, vorzugsweise mindestens 40 Gew.-% und insbesondere mindestens 50 Gew.-%
NaOH enthält.
[0029] Als Aniontensidsäuren kommen im Rahmen der vorliegenden Erfindung hauptsächlich Alkylbenzolsulfonsäuren
(ABSS), Alkylsulfonsäuren oder Alkylschwefelsäuren in Betracht. Bezogen aufdas entstehende
Granulat, wird die Menge an Aniontensidsäure, die im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzt
wird, so gewählt, daß das entstehende Granulat ≥ 50 Gew.-% Aniontensid(e) enthält.
Üblicherweise beträgt die Menge an Aniontensidsäure, die in den Mischer eingetragen
wird, 35 bis 75 Gew.-%, vorzugsweise 45 bis 65 Gew.-% und insbesondere 50 bis 60 Gew.-%,
bezogen auf die Gesamtmenge der im Mischer vorliegenden Stoffe.
[0030] Als ABSS kommen im erfindungsgemäßen Verfahren vorzugsweise C
9-13-Alkylbenzolsulfonsäuren, Olefinsulfonsäuren, das heißt Gemische aus Alken- und Hydroxyalkansulfonsäuren
sowie Disulfonsäuren, wie man sie beispielsweise aus C
12-18-Monoolefinen mit end- oder innenständiger Doppelbindung durch Sulfonieren mit gasförmigem
oder flüssigem Schwefeltrioxid erhält, in Betracht. Geeignet sind auch die Alkansulfonsäuren,
die aus C
12-C
18-Alkanen durch Sulfochlorierung und Sulfoxidation und durch eine anschließende Hydrolyse
bzw. durch Bisulfitaddition an Olefine erhältlich sind. Auch die Alkylschwefelsäuren,
die beispielsweise durch Umsetzung von Fettalkoholen mit H
2SO
4 gewonnen werden, sind als Aniontensidsäure einsetzbar. Geeignete Alkylschwefelsäuren
sind beispielsweise die Schwefelsäuremonoester aus primären Alkoholen natürlichen
und synthetischen Ursprungs, insbesondere aus Fettalkoholen, z. B. Kokosfettalkoholen,
Talgfettalkoholen, Oleylalkohol, Lauryl-, Myristyl-, Palmityl- oder Stearylalkohol,
oder den C
10-C
20-Oxoalkoholen, und diejenigen sekundärer Alkohole dieser Kettenlänge. Auch die Schwefelsäuremonoester
der mit 1 bis 6 Mol Ethylenoxid ethoxylierten Alkohole, wie 2-Methyl-verzweigte C
9-C
11-Alkohole mit im Durchschnitt 3,5 Mol Ethylenoxid sind geeignet. An der Stelle von
reiner ABSS kann im erfindungsgemäßen Verfahren auch ein Gemisch aus ABSS und Niotensid
verwendet werden, wobei der Gehalt an Niotensid im Bereich von 1 bis 10 Gew.-%, vorzugsweise
von 3 bis 8 Gew.-%, bezogen auf das fertige Granulat, betragen kann.
[0031] Auch der Einsatz von gesättigten und ungesättigten Fettsäuren mit C
8-C
18-Kettenlängen in Form ihrer Gemische und/oder der α-Sulfofettsäuren gesättigter C
8-C
18-Fettsäuren ist im erfindungsgemäßen Verfahren möglich. Mit besonderem Vorteil können
auch Mischungen der genannten Fettsäuren und α-Sulfofettsäuren mit weiteren Sulfonsäuren
und Alkylschwefelsäuren, beispielsweise Alkylbenzolsulfonsäuren und Fettalkylschwefelsäuren,
eingesetzt werden.
[0032] In bevorzugten Verfahrensvarianten des erfindungsgemäßen Verfahrens wird als Aniontensidsäure
eine Alkylbenzolsulfonsäure (ABSS) eingesetzt.
[0033] Die Aniontensidsäuren können in ihrer Konzentration herstellungsbedingt variieren.
Neben den Tensidsäuren enthalten die Verfahrensendprodukte der Sulfonierung, Sulfierung
oder Sulfoxidation in der Regel Wasser und untergeordnete Mengen an Verunreinigungen
wie Salzen, beispielsweise Natriumsulfat. Es ist im Rahmen der vorliegenden Erfindung
bevorzugt, daß die die Aniontensidsäure einen Aktivsubstanzgehalt von mindestens 60
Gew.-%, vorzugsweise von mindestens 75 Gew.-% und insbesondere von mindestens 85 Gew.-%,
aufweist.
[0034] Wie oben bereits erwähnt, lassen sich die Aniontensidsäuren auch in Mischung mit
anderen Stoffen, beispielsweise nichtionischen Tensiden, einsetzen. Es ist erfindungsgemäß
aber auch möglich, andere nichttensidische Bestandteile mit der Aniontensidsäure zu
mischen und in das Verfahren einzubringen. Hier ist es insbesondere bevorzugt, wäßrige
Lösungen von Polycarboxylaten einzusetzen.
[0035] In einer geeigneten Misch- und Granuliervorrichtung, beispielsweise in entsprechenden
Anlagen vom Typ eines Eirich-Mischers, eines Lödige-Mischers, beispielsweise eines
Pflugscharmischers der Firma Lödige, oder eines Mischers der Firma Schugi, werden
bei Umfangsgeschwindigkeiten der Mischorgane vorzugsweise zwischen 1 und 6 m/s (Pflugscharmischer)
beziehungsweise 3 bis 50 m/s (Eirich, Schugi), insbesondere zwischen 5 und 20 m/s
der Zeolith und die Natronlauge vorgelegt und nachfolgend unter Zusatz der Aniontensidsäure
granuliert. Dabei kann gleichzeitig in an sich bekannter Weise eine vorbestimmte Korngröße
des Granulats eingestellt werden. Der Neutralisations- und Mischprozeß benötigt nur
einen sehr kurzen Zeitraum von beispielsweise etwa 0,5 bis 10 Minuten, insbesondere
etwa 0,5 bis 5 Minuten (Eirich-Mischer, Lödige-Mischer) zur Homogenisierung des Gemisches
unter Ausbildung des rieselfähigen Granulates. Im Schugi-Mischer hingegen reicht normalerweise
eine Verweilzeit von 0,5 bis 10 Sekunden aus, um ein rieselfähiges Granulat zu erhalten.
Die Mischungsverhältnisse der Komponenten und insbesondere die Anteile des vorgelegten
Feststoffes sind dabei derart auf den über die ABSS und die NaOH eingetragenen Wasseranteil
abzustimmen, daß ein rieselfähiges Granulat ausgebildet werden kann. Dabei ist üblicherweise
umso mehr Feststoff erforderlich, je höher der Wasseranteil der ABSS und NaOH ist.
In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das Granulat
unmittelbar nach der Granulation in einer Wirbelschicht getrocknet und die Oberfläche
mit geringen Mengen feinteiligen Zeoliths behandelt, da auf diese Weise Tensidgehalt
und Schüttgewicht weiter erhöht werden können.
[0036] Das erfindungsgemäße Verfahren arbeitet vorteilhaft kontinuierlich, wobei Zeolith
sowie NaOH über Dosiervorrichtungen in den Eingangsbereich des Mischers dosiert werden.
Die Aniontensidsäure kann anschließend eingedüst werden, wobei die Verdüsung auch
über eine Mehrstoffdüse erfolgen kann, wobei als weiterer Stoff Luft durch den Neutralisator/Mischer/Granulator
geblasen wird, die die Neutralisationswärme zur Wasserverdampfung nutzbar macht. In
einem Schugi-Mischer kann als Pulver der reine Zeolith dosiert werden. Nachfolgend
wird unter Beachtung der Rotationsrichtung zuerst die Natronlauge eingedüst und anschließend
unter Zusatz der Aniontensidsäure granuliert. Ein Lödige-Pflugscharmischer läßt sich
kontinuierlich betreiben, indem der Mischer durch verstellbare Wehre in verschiedene
Kammern aufgeteilt wird. In der ersten Kammer wird der Zeolith mit der Natronlauge
beaufschlagt, in der zweiten Kammer wird unter Zusatz der Aniontensidsäure granuliert.
In einer optional abteilbaren dritten Kammer kann das Granulat mit pulverförmigen
Stoffen abgepudert werden.
[0037] Es besteht aber weiterhin die Möglichkeit, das erfindungsgemäße Verfahren batchweise
zu betreiben, indem man Zeolith und NaOH im Mischer vorlegt und vermischt und nachträglich
unter Zusatz der Aniontensidsäure granuliert.
[0038] Die folgenden Anwendungsbeispiele, die das erfindungsgemäße Verfahren verdeutlichen
und Vorteile gegenüber herkömmlichen Verfahren zeigen, sind lediglich ausgewählte
Beispiele, die nicht einschränkend verstanden werden sollen.
Beispiele:
[0039] In einem 50-Liter-Labormischer (Lödige Pflugscharmischer) wurden 4,4 kg Zeolith X
(Wessalith® XD, Degussa) vorgelegt und mit 1,26 kg 50 %-iger Natronlauge versetzt.
Diese Mischung wurde 30 Sekunden vermischt, anschließend wurden 5,2 kg einer 97 %-igen
C
9-13-Alkylbenzolsulfonsäurelösung zugegeben und die Mischung granuliert. Nach dem Austragen
aus dem Mischer wurden die erhaltenen Granulate einer Wirbelschichttrocknung unterworfen.
Die durch diese erfindungsgemäße Vorgehensweise erhaltenen Granulate E1 wurden mit
den Vergleichsbeispielen V1 und V2 verglichen. V1 wurde dabei hergestellt, indem man
Natronlauge und Alkylbenzolsulfonsäure zeitgleich aufden im Mischer vorgelegten Zeolith
gab, bei der Herstellung von V2 wurde die Alkylbenzolsulfonsäure auf den vorgelegten
Zeolith gegeben und erst danach die Natronlauge aufgedüst.
[0040] Vergleichsbeispiel V3 wurde durch Granulation einer 75 %-igen ABS-Paste (erhalten
aus Alkylbenzolsulfonsäure und NaOH) mit Zeolith erhalten.
[0041] Die Bestimmung des Calcium-Komplexiervermögens erfolgte potentiometrisch mit einer
Ca-sensitiven Elektrode der Firma Orion. Hierzu wurden zunächst in einem auf 30°C
thermostatierten Glasgefäß 1 Liter Wasser von 30 °d (entsprechend 30 mg CaO/l) vorgelegt,
diese Lösung mit Natronlauge auf pH 10 und mit Kaliumchlorid zur Simulierung eines
für ein Waschmittel üblichen Elektrolytgehalts auf eine 0,08 molare KCl-Lösung eingestellt.
Je 1 g der Granulate E1, V1 und V2 wurden unter Rühren zu der jeweils vorbereiteten
Lösung hinzugegeben. Die Abnahme der Ca-Härte wurde mittels eines Computers als Funktion
der Zeit bestimmt und der Wert der Resthärte 10 Minuten nach der Zugabe der Substanz
zur vorgelegten Lösung ausgewertet. Aus der Differenz zwischen Ausgangshärte und Resthärte
ergab sich die gebundene Härte pro g Substanz.
[0042] Der Test auf Rückstände wurde mit einem Wäscheposten aus 4 schwarzen Turnanzügen
aus texturierten Polymaid mit einem Gewicht von ca. 320g durchgeführt. Als Geräte
wurden verwendet:
Waschflügel-Bottichwaschmaschine Typ Arcelik ohne Schleudergang
Zentrifuge mit einer Geschwindigkeit von 1400 U/min
Polyethylen-Schüsseln
[0043] In die Bottichwaschmachine wurden 30 l Stadtwasser (16 °dH) eingelassen, anschließend
wurden 80g Pulver durch Rühren aufgelöst. Der Wäscheposten wurde hinzugegeben und
die Maschine auf 30°C aufgeheizt. Nach Erreichen dieser Temperatur wurde die Wäsche
10 Minuten durch Betätigen des Bewegers gewaschen, im Anschluß daran die Waschflotte
abgelassen und dreimal gespült. Beim Spülen wurden jeweils 30 l Wasser zugelassen,
30 sec geschlagen und dann das vorhandene Spülwasser abgelassen. Nach dem Spülen wurde
die Wäsche 15 sec geschleudert, in eine Polyethylenschüssel gelegt und über Nacht
getrocknet.
[0044] Anschließend wurden die Rückstände auf den Textilien durch mindestens 5 Prüfer visuell
beurteilt. Dabei wurden folgende Noten vergeben:
Note 1: einwandfrei, keine störenden Rückstände
Note 2: tolerierbare, vereinzelte, noch nicht besonders auffallende Rückstände
Note 3: erkennbare, bei kritischer Betrachtung bereits störende Rückstände
Note 4: deutlich erkennbare, störende Rückstände
Note 5: störende, in Vielzahl auftretende, jedem Betrachter auffallende Rückstände
Note 6: sehr große Mengen störender, gut sichtbarer Rückstände
[0045] Die Noten der einzelnen Prüfer wurden zu einem Mittelwert zusammengefaßt, wobei die
Prüfer auch Zwischennoten vergeben können.
[0046] Die physikalischen Daten der Granulate zeigt Tabelle 1.
Tabelle 1
| ABS-Granulate |
| |
E1 |
V1 |
V2 |
V3 |
| C9-13Alkylbenzolsulfonat [Gew.-%] |
54 |
54 |
54 |
45 |
| Zeolith X [Gew.-%] |
44,3 |
44,3 |
44,3 |
53,6 |
| Salze, Unsulfiertes [Gew.-%] |
1,7 |
1,7 |
1,7 |
1,4 |
| Rückstandsnote |
3,1 |
3,9 |
4,8 |
2,9 |
| Ca-Bindevermögen [mg/g] |
73 |
72 |
64 |
n.B. |
[0047] Aus den Rückstandsnoten und dem Ca-Bindevermögen läßt sich ersehen, daß sich der
Zeolith bei erfindungsgemäßer Vorgehensweise nur in geringen Mengen zersetzt und sich
die Granulate problemlos in Waschmittelformulierungen einsetzen lassen. Bei den Vergleichsbeispielen
V1 und V2 wurde zwar ein Granulat mit über 50 Gew.-% Aktivsubstanz erhalten, die Rückstandswerte
verbieten aber einen Einsatz der Proukte in Waschmitteln. Bei der Granulation von
ABS-Pasten (V3) läßt sich zwar ein Produkt mit akzeptablen Rückstandswerten erhalten,
der Aktivsubstanzgehalt liegt aber deutlich unter 50 Gew.-%.
1. Verfahren zur Herstellung zeolith- und aniontensidhaltiger Granulate, gekennzeichnet
durch die Schritte
a) Vermischen von Zeolith und wäßriger Natronlauge in einem Mischer
b) Granulation unter Zugabe von Aniontensidsäure(n)
c) optionale Trocknung der in Schritt b) gebildeten Granulate,
wobei der Aniontensidgehalt der entstehenden Granulate auf Werte ≥ 50 Gew.-% eingestellt
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Zeolith ein Zeolith vom
Faujasit-Typ, vorzugsweise Zeolith X, eingesetzt wird.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die eingesetzte
Natronlauge mindestens 30 Gew.-%, vorzugsweise mindestens 40 Gew.-% und insbesondere
mindestens 50 Gew.-% NaOH enthält.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß als Aniontensidsäure
eine Alkylbenzolsulfonsäure (ABSS) eingesetzt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Aniontensidsäure
einen Aktivsubstanzgehalt von mindestens 60 Gew.-%, vorzugsweise von mindestens 75
Gew.-% und insbesondere von mindestens 85 Gew.-%, aufweist.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Granulation
unter Zugabe von Aniontensidsäure und weiteren wäßrigen Lösungen, insbesondere Lösungen
von Polycarboxylaten, erfolgt.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß 5 bis 50 Gew.-%,
vorzugsweise 10 bis 45 Gew.-% und insbesondere 15 bis 40 Gew.-% Zeolith, bezogen auf
das fertige Granulat, eingesetzt werden.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Menge
an Aniontensidsäure, die in den Mischer eingetragen wird, 35 bis 75 Gew.-%, vorzugsweise
45 bis 65 Gew.-% und insbesondere 50 bis 60 Gew.-%, bezogen auf die Gesamtmenge der
im Mischer vorliegenden Stoffe, beträgt.